Momtsr-s-g«: „Zuldarr GeschlchtrbMer"
35. Jahrqan«i.
Fulda, Donnerstag den 24. September 1908,
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mer Lor? — @8 wäre eine Wohltat gewesen
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Wohnsitz dieses Banditen, noch KoMöLPS! nri echenl Dort sollen sie dreinhauen und be- Apostol
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rnzeigen: Wt d* spLltigr pctitjcüc oder terra Kaans 15 pfg. EtGotaea srrprtitzeil« 25 psg., bei Dieder» holunsrn wird entspr. Eadaü guvLhrl.
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strafen, — wenn es nötig ist, auch toten! Ich gestatte alle«, ich Heide alles gut: sie sollen mir nicht vergessen, daß sie eine glanzende Rache nehmen, daß sie ihren Herrn rächen müssen!
„Mein armer Freund Apostol hatte Liese schrecklichen Worte des Grafen nickst gehört. Beim ersten Ruf des Wojwoden hatten wir uns äuf ihn gestürzt, um ihn der Wut Potockis zu entziehen und ihn mit uns sortzuführen! Dann je- doch mußte ich, barmherziger Gott, sehen, wie sie ihn aus meinen Armen rissen und in ein Verließ warfen, wo er, unter meinen Augen fast, den grausamen und für einen tapfer» Mann so ehrlosen Tod cm Galgen sterben sollte!
„Wäre nicht meine Marie, meine geliebte Frau, gewesen, so hätte er nicht lange darauf zu warten gehabt. Der Palatin kannte als abso-
Von Marcel Etienne.
Violen,)
Deutscher Reich.
* Der Beginn der parlamentarischen Arbeiten. Wie jetzt bte „Nordd. AUg. Ztg." mitteilt, bat sich der Reichskanzler auf Vorschlag de« Präsidenten deS Reichstags nach Benehmen mit dem Bundesrat damit einverstanden erklärt, daß der Reichstag nach seiner Vertagung am 4. Nov. wieder zufammentritt. Der preußische Landtag soll dem Vernehmen nach zum 20. Okt. berufen werden.
* DaS königliche StaatSministerium trat am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen.
r Ter Kaiser und Lippe-Detmold. Zu den Sensationsmeldungen der .Leipziger LandeSztg/ schreibt die ,Lipp. Tayesztg/: »In bezug aut den in der »Lipp. LandeSztq/ veröffentlichten Artikel »Der Raijec und das HauS Lippe" sind wir in der Lage, auf Grund von an maßgebender Stelle eingezogenen Erkun- d i g u n g en nachstehendes mitzuteilen: Die in dem Artikel hervorgehobenen, der jüngsten Vergangenheit angehärenden angeblichen Tatsachen sind entstellt und die daran geknüpften Bemerkungen und daraus gezogenen Schlußfolge, rungen sind falsch. Die in dem Artikel sich widerspiegelnde Tendenz ist verwerflich. Der Ar- tikel erweckt den Anschein, als ob er vom Hofe oder diesem nahestehenden Kreisen inspiriert wäre. DieS ist unrichtig. Selbstverständlich wird auch in diesen Kreisen die Form und der Inhalt dieses Machwerkes auf das schärfste verurteilt und die wenn auch nur vorübergehende Irreführung auf das tiefste beklagt." ,
* Zur Reichsfinanzreform. In einer Veröffentlichung des Staatssekretärs Sydoro war aufgefallen, daß weder eine GaS-, noch Elek- trizitäts- noch Jnseratensteuer erwähnt wird. Der Grund dafür liegt, wie in Bundes-
Zeit, all diesen Steppenräubern eine strenge und harte Lektion zu geben, — diesen Taugenichtsen, die Lieser da befehligtl Koszowacki, befehlt mei- ner ganzen Mannschaft, in den Sattel zu steigen I gtur ein Dutzend möge zu meinem Schutze hier Ewen! xie anoetu nach
schäft für Apostol machten sie beredt; vielleicht half ihr auch der liebe Gott, denn der Wojwode wollte zwar nicht Gnade üben, jedoch die Hinrichtung um zwei Tage hinausschieben lauen I
Maria und ich verbrachten diese beiden Tage in der entsetzlichsten Todesangst. Tas wenigstens war -ist: Saß der Offizier.welcher
Apostol vcwach?» mußte, tim nicht anschmredete oder in Fesseln legte; fö konnte er Loch frei rn seinem Gefängnis auf- und aLgesen- Mein Apo- stol, mein armer Freund I £1 wenn er Lto ^Laien, die ihn erwarteten, hätte ahnen, wenn er hätte wissen können, was ihn in seiner Steppe erwartete I Aber wie hätte er es erraten sollen, da sogar ich, obwohl meine Angst mich Fürchterliche» voraussehen ließ, an so Entsetzliche« nie- mal« im Entferntesten dachte!
Erscheint tSgllch mit Ausnahme der So.m- ttnb Feiertage, vierteljährliche''Bezugspreis ohne vrtngerlohn und vestrLgeld in Zulda sowie auswärts 1-SvMk.
verantw. Uednkteurr
Lart Schütte;
M»ie Anzeige»: ffj.Parzeller in Lulda-
ratskreiien angenommen wird, in der Tatsache, 1 daß beide Entwürfe wegen der vielen fachlichen Schwierigkeiten noch nicht endgültig fertiggestellt - werden konnten. ,
□ Heber eine nette Uebertrethnng deS konfessionellen PrinzivS" jammert die liberale Presse, voran die „Franks. Ztg.". Es handelt sich um einen Fall in Ludwigshafen. Dort wurden im Fabre 1903 an der konfessionell gemilchten Volksschule zwei protestantische Handarbeitslehrerinnen angestellt. Das bayerische Minrste- rium erteilte hiezu die Genehmigung, gab aber der Erwartung Ausdruck, daß ein dauerndes und unbilliges Mißverhältnis hinsichtlich der Konfession der Handarbeitslehrerinnen hintangehalten werde. Ter Stab trat kümmerte sich aber darum nicht im geringsten, sondern stellte im Jahre 1906 abermal» eine protestantische Ar- beitslcbrerin an, obwohl von 10 Arbeitslehrerinnen bereits 7 mit protestantischen Kräften besetzt waren. Eine Beschwerde der 4 katholischen Stadtpsarrer wurde abgewiesen. Datier sprach das Kultusministerium abermals die Erwartung aus, daß die städtischen Behörden und die pfälzische Kreisregierung „schon im Interesse des konfessionellen Friedens" bei einer neuen Besetzung den Erfordernissen der Parität Rechnung tragen werden. Ter LuLnrgshafener Stadtrat tat wieder, als ob er nichts gehört hätte, und so mußte bei einer neuerlichen Besetzung vor kurzem baS Ministerium den Stad trat direkt auffordern, binnen 4 Wochen eine katholische Handarbeitslehrerin in Vorschlag zu bringen, der Stadtrat aber weigert siL, dem Verlangen des Ministeriums zu entsprechen I Es ist anzunetimen, daß das Kultusministerium diesmal feit bleibt und sich von den Ludwigshafener Stadt- vätern nicht länger zum Narren halten läßt. -— Tie liberale Preise macht aus diesem Anlaß wieder ihre alten Spässe von katholischen und pretestanttschen Strümpfen. Wenn ein katholischer Stadtrat die Rechte der Protestanten derart verletzen würde, das gäbe einen Heidenspektakel über „ultramontane Unduldsam- feit" usw. Tie Katholiken aber sollen sich systematisch vergewaltigen lassen und wenn sie sich dagegen wehren, dann hat man für sie nur Spott und Hohnl
a. Auf der General • Versammlung der deutschen Mittelstands« Bereinigung in Düffel- dorf wurde am Dienstag m öffentlicher Sitzung nach einem Referat deS PostfekretLrS Stockmann eine Resolution angenommen, in der man sich entschieden gegen Beamten-Konsumvereine aus'yrach. Stockmann meinte: »Nachdem jetzt den Beamten eine GehaltS-Aufdefferung zugesichei t worden sei, müßte man auch Rücksicht auf den Mittelstand nehmen."
(*) Dem Bürgermeister Dr. Schücking in Husum ist der Urlaub, der am 21. d. Mts. ab- lief, bis zum 29. mit Rücksicht auf feine Krank- heil verlängert worden. Dte für den 29. d. M. anberaumte Verhandlung vor dem Bezirksaus- schuß ist auf den 10. November vertagt worden. Dr. Schücking hat fein neue- Urlaubsgesuch damit begründet, daß er infolge fernes schlechten Gesundheitszustands- nicht die genügende geistige Kraft besitze, um sich für dte Hauptoerhandlung vor dem Bezirksausschuß vorznbereiten. Er dal um einen Aufschub von 6 Wochen.
* Au« der Cftmarf schreibt man der „Germania: Wenn der Leser vielleicht einmal die Chaussee von Neumark in Westpreußen nach dem Bahnbof Zajonskowo wandert, kann er zu beiden Seiten des Weges das Werk der Ansied- lungskommission bewundern: schöne Bauernae-
„Jnmitten dieser Pein mußten wir noch den elenden Wojwoden mit Zuvorkommenheiten und Rücksichten umgeben, unsere ganze AufmerUam- feit daran verwenden, gegen ihn alle Psttchten der weitgehendsten und peinlichsten Gastfreund- schaft zu ersüllen. — Während dieser Zeit lag Czorka unter meinem Da-che 1 verlassen und
einsam in seinem Verlieh. Morre war es ge- hingen, ihm heimlich einige kräftige Speisen und Wein zukommen zu lasten. Er Mach lehnte alles ab „„Ich werde"", hatte er gesagt, „„bte Gastfreundschaft eines Verräters nicht annehmen, eher noch Tod und Galgen, wenn eS sein muß. Kann man denn übrigens von einem Feigling und Sklaven etwas anderes erwarten?"" Und er behielt nur ein Stückchen schwarzen, trockenen Brotes.
»So hatte er denn mich beschuldigt I mich verflucht! Er hielt mich für den Helfershelfer dieses Elenden! Und ich konnte trotz meiner 88er- yoetflung nichts tun, um ihm diesen Irrtum zu entreißen! So würde ich ihn denn mit diesem entsetzlichen Verdacht sterben sehen müssen, dachte ich!"
„Warum ahrr fürÄete ich seinen Tod. ich ar-
luter Herrscher, als der er sich fühlte, fein Widerstreben und keine Hindernisse; schrecklich in seinem Zorn und voll Hartnäckigkeit bestand er darauf, daß Apostol, der als Barbarenhäuptling gegen einen hochgebietenden Herrn revoltiert hatte sogleich hingerichtet werde, tote es damals in unferm unglücklichen Lande gestattet war und vielleicht heute noch ist. Mein armes Weib je- doch, daS noch jung und wunderschön war, kam zum Wojwoden, toarf sich vor ihm auf die Knie und flehte ihn um Gnade an. Sie machte ihn darauf aufmerksam, daß an jenem Tage gerade das Fest Allerheiligen war, dem am folgenden Tage die jährliche Totenmesse für alle Abgeschiedenen folgen sollte. Könnte man denn an solch einem Gedächtnistag an eine entsetzliche Hinrich- hing denken. Blut und Tränen fliehen machen? Kurz ußb gut: ihr großes Herz und ihre Freund-
Er braucht doch nur die Akten der letzten Reichs- tagS-Sejsion nach »sehen, um sich zu Überzeugen, daß e« keineswegs abseits gestanden hat. Es denkt gar nicht daran; eS wird auch bei der Reich» - Finanzresorm nicht abseits stehen. Nur reilich dürst« es nicht geneigt fein, alle« Borge- chlagene |u genehmigen, einfach weil roß'» sagt, es fei „nationale Pflicht", die Reich» - Finanz- teform zu bewilligen.
Die Heranziehung be» Zentrum» zur Mitarbeiterschaft an der Reichsfinanzreform wird von der konservativen ,Kreuzztgck gebilligt. Sie verteidigt gegenüber 6er freisinnige,Weset-Ztgtz d-m Nedch^chatzsekv-tLr Syoow, wett er auch mit Zentrumsabgeordneien vertrauliche Unterrebungen über die Reichssinanzrejorm gepflogen hat und chreibt:
„SBernt da« Zentrum bte Absicht gezeigt hätte, bet wichrtqra nationalen Knfgabe bet Ordnung und Gesundung aafrter Reichssinsnzen Schwierigkeiten in brn Weg tx legen, dann tjdtte der Sdjatjfettetir e« sich angelegen lasten sein müssen, für diese Plane sich ausschließlich auf den Block ,u stützen und das Zen- n um als eine in nationalen Dingen unzuverlässige Partei au«»uschalten. Aber das Zen lr u m bat wiederholt ,u erkennen gegeben, bat e« an dem Zustandekommen der Kinanzresorm tm Sinne der halbamtlich kundaegebenen «rundzüge n'l- wirken wolle. Eine Partei, * deren 3ager solche Anschauungen herrschen, darf gerade im nationalen Interesse nicht »urückgestoßen werden. Man wurde es im deutschen Volke und namenllich unter besten katholischen Tellen nicht vergeben, und es nicht nur für einen politischen Fehler, sondern für bitteres Unrecht ballen.*
„Oh. warum bin ich nicht gestorben, ehe verhängnisvolle Unteirebung des Apostol und dem Woiwoden stattfand? Tie ersten Worte wur- den mit einer gewissen Kälte, immerhin ledoch mit großer Höflichkeit gewechselt. Doch bauerte es nicht lange, bis die Anmaßung und das hochmütige Wesen des Palatins zum Vorschein ka- inen und bei dem tapfern Zaporogen auf euer- gischen Widerstand stießen. Von semer Ent- rüstung fortgerifsen, schrie er endlich. „Höre endlich auf, Du Ehrgeiziger, das Vaterland zu entehren und zu zerstückeln! Wir haben eine König und eine Fahne, ihnen nur wollen wir treu bleiben! Und wenn Ihr wagt, sie anzufal- sen, sie durch Blut und Schmutz zu zerren, io sind, bei meiner Seele und meinem Eid, unsere nänzen und unsere Schwerte bereit, sie zu ver-
'ibigen ober zu rächen!"
„Bei diesen Worten Czorkas runzelte der Wojwode, bleich vor Wut, die Stirne und machte eine Bewegung. Er hatte schon die Hand erhoben, als ob er dem Kecken einen Schlag versetzen wollte, als die Überlegung ihm Einhalt kiebot; dafür griff er rasch nach der Klinge an seiner Seite. Apostol jedoch war ihm zuvorge- kommen und hatte bereits den Säbel aus dem Telz gezogen.
..Bei diesem Anblick kannte die Wut des Palatins keine Grenzen mehr!"
"'3» m«"", schrie er, „„zu mir, meine Tapfen und Getreuen! Kommt und verteidigt Euren Herrn, dessen Leben in Gefahr schwebt! Man nehme' diesen Verfluchten gefangen und werfe ihn in das feuchteste Verließ! Vor dem toorgengrauen jedoch mit dem Strick an den NdMtefi Alt mit ihm! Es ist ohnedies höchste
X Staatssekretär Sydow über die Finanz reform.
Der Aussatz des ReichsschatzsektetärS Sydoro in der .Deutschen Rundschau" über „Aufgaben und Wege der Reichsfinanzreform" liegt jetzt im Wortlaut vor. Gegen den Schluß, wo er von den Schwierigkeiten spricht, die sich der Reform entgegenstellen, begibt sich der Staatssekretär auch auf 'das Gebiet der parlamentarischen Taktik und Diplomatie. Wir tragen seine Aussührungen hierüber noch nach:
An sich muß aus allgemeinen staatsmännischen Erwägungen den Perbündelen Regierungen daran gelegen sein daß ein Werk, das so tief in daS getarnte wirt- schastliche Leben eingreift, von einer möglichst großen Mehrheit angenommen wird. Nun liegt ober die Sache so, daß die Parteien, die in dem letzten Jahre politisch mit einander gegangen sind (der sog Block), in wirtschaftlichen Fingen oft voneinander weiter abweichen, als von ben biefer Mehrheit nicht an- gehörigen Parteien. Die letzteren stehen abfett« und erwarten die GelegenheU, um nachzmvetsen, datz die durch bte letzten R eich st a gs w ah len geschaffene Parteilonstellatton nicht von Dauer sein könne. Weiter erschwert bie Behandlung der Angelegenheit die vielfach hervortretende Neigung der Parteien, ihre Zustimmung zur Reichssinanz- eform von politischen Zugeständnissen auf weit ab lieg enben anderen Gebieten abhän ig zu machen, bie an sich nichts damit »u tun haben. Das wird daun wieder von Parieren, deren Zustimmung zum Zustandekommen der Reform auch nicht entbehrt werden kann, mit Entrüstung al« Kuhhandel" gebrandmarkt. Nun wird man e« an sich keiner politifchen Partei verdenken können, wenn sie jede G tegenheit benutzt, um ihre Grundsätze. Piogrammforderungen ober Ziele praktisch nach Mög- lichket durchzufetzen. Gelingt es, so nennen es die Freunde „ein Meisterstück parlamentarischer Taktik". die Gegner schelten über Kuhhandel. Aber eS liegt doch eine große Gefahr darin, wenn bet Versuch gemacht wird, Sachen miteinander zu verknüpfen, die an sich nichts miteinander zu tun haben. Natürlich will kerne Partei, die zum Zustandekommen der Reform mitgewirEt hak, sich nachher wegwerfen taffen, wie eine ausgequetschte Zitrone. Aber die Besorgnis, daß dies gefchehen könnte, kann doch nicht ernstlich bestehen. Hitze in schweren Zetten hat noch immer zu Dank verpflichtet, auch im öffentlichen Leben. Die Logik der Tatsachen muß dadin führen, baß die Parieren, die der Regierung zum Zustandekommen vieles wichtigen Werkes behilflich gewesen sind, auch ihrerseits im Rahmen des Möglichen Ent gegenkommen auf dem politischen Gebiete zu erwarten haben. Dagegen muß eine liebe ripannnng Der Bedingungen, von denen die Zustimmung etwa abhängig gemalt werden sollte, mit Notwendigkeit dahin führen, die Regierung dem politischen Gegner in die Arme zu treiben.
Also kusch Freisinn! Wenn Du nicht zu- stimmst oder zu Hobe Fordeiungen stellst, dann wird die Regierung dem Zentrum in die Arme getrieben! Wenn Du aber brav bist und Ja sagst, dann brauchst Du nicht zu befürchten, rote eine ausgequetschte Zitrone roeggeroorsen zu wer- oen und das Zentrum in seine alle Stellung ein- rücken zu sehen. Gegenforderungen darf der Freisinn stellen, nur nicht zu hohe. Aus den Worten des Neichs-Schatzfeiretärs geht klar hervor, daß er solche Bedingungen nicht schlechthin für unberechtigt hält, sondern nur, wenn sie über- mäßig und ausschweifend sind. Wer entscheidet darüber, ob einelstberspcmnung vorliegt oder die Forverungen der Billigkeit entsprechen? Der Hin- weis auf die Dankbarkeit im politischen Leben ist verfehlt; denn derlei gibt es nicht, davon weiß das Zentrum ein Liedchen zu singen. Daß das Zentrum »abseits stehe" und auf die Ge- leoenheit warte, die Unhaltbarkeit der Blockpolitik nachzuweiscn, ist ein Irrtum von Herrn Sydow.
y „Doch bemerkte ich, daß der Offizier Mlodecki nach seiner Rückkehr von Komecpol sich sogleich zu Symon begab, und lange und eindringlich mit seltsamer Miene zu ihm sprach. Dann ließen st« sich beide beim Wojwoden melden, der mich zu sich rief, sobald die Konferenz beendet war."
„Ich erinnere mich deutlich, daß er mir an jenem Morgen sehr verändert vorkam. Zorn und Haß waren a»S seinem Blicke gelöscht und hatten einer grübelnden, finstern und bittern Miene Platz gemacht, zu der sich Bedauern ürurdjt und Schmerz zu gesellen schienen. Dieser unerwartete Anblick gab mir neue Hoffnung. Ich warf mich ihm zu Füßen, ich offenbarte ibm alle Pern und Cual meines Herzen« und flehte ihn um Gnade für Apostol an.
.Lange Zeit ließ er mich umsonst betteln, ohn« mich zu unterbrechen." Endlich sagte er:
„„Gut, sprechen wir nicht mehr davon! Der Unglückselige möge am Leden bleiben, er wird genug gestraft fein, auch ohne am Galgen zn zappeln. In einer Stunde werde ich Holuba verlassen haben, um nach Kiew zurückzukehren. Vetzmt denn diesen BiMpltr» uni tut mit ihm.
Höste, angelegt und begründet auch für sein Geld, da« der Fiskus aus seiner Tasche entnommen hat. Aber auf der Anhöhe zur Rechten Les Weges steht eine seltsame Kapelle. Ein einfaches Gebäude mit zwei Sck-ornsteinen an beiden Giebeln und vorn ein Vorbau mit einem „luftigen" Kreuze darauf. Ein vorübergehender Wanderer hat mich aufgeklärt, Laß die RnsieLelungskon> Mission den (nichtkatholischen) Ansiedlern, wel tze zu der evangelischen Kirche nicht gehören un5 nach Reumart in die evangelische Kirche zu geben verschmähen, ein besonderes Bethau« errichtet hat. Also eine von allen Enden der Welt zu- ammengekommene Scktierergemeindr kann im „paritätischen" Vaterlande, Bethauier bauen und besitzen, wo und wie sie will — aber bie Katholiken tn Ost- und Westpreußen können, obgleich sie vor der Reformation hier wohnten, ohne besondere Gnade der Regierung nicht mal eine Kapelle bauen. Sie dürfen Steuern zahlen, damit ausländische Sektierern daraus ein Bet- Haus erbaut wird, aber sie dürfen in Maricnfelde, Eroß-Koschlau und Krasckewo katholisch« Kapellen nicht bauen!
§§ Kassel, 23. Sept. 1908. Die National- liberalen werden am 11. Oktober ihren erst e n Vertretertag für den Regierungsbezirk Kassel hier abhalten. ES werden Vertreter von bestehenden Organisationen aus Hanau, HerSfeld, Eschwege, Schmalkalden, Rmteln, Marburg und anderer Orte erwartet. Bet Ge- legenhrit de- VertretcrtagrS findet auch ein« große öffentliche Versammlung statt, für die als Redner die Adgg. Schisser und Baffermann gewonnen sind.
ns. Tarmftcbt, 22. Sept. 1908. Die Tagung der deutschen Gewerbevereine ist heute zu Ende gegangen. Nachdem man gestern sich nut der Frage des unlauteren Wettbewerbes befaßt hatte, blieb heute nicht mehr viel übrig. ■ Zunächst wurde der Etat genehmigt, zum Ort der nächsten Tagung Wiesbaden gewählt, desgleichen Txirnv [tobt als Vorort. Weiter beschäftigte man sich dann mit einem Anträge der bayerischen Gewerbevereine der die Einführung einer Invalid <> n- unb Altersversicherung für selbstänLig« Gewerbetreibende dringend fordert. Der Antrag wurde angenommen. Weiter nahm man nach einem Referate des Generalsekretärs LeS Bundes der Industriellen einen Antrag zugunsten der Erichtunq einer gewerblich-technischen Reich sbehörde und einen Antrag über die Bekämpfung LeS Borgunwesens an.
• Halle, 23. Sept. I«u8. Die am thüringischen Oderlandesgencht Jena beteiligten Staaten beschlossen, künftig die Abiturienten der Ober- real sch ul en und Realgymnasien zu den juristischen Staatsprüfungen zuzulasjen.
* München, 23. Sept. 1908. Der Papst hat dem Mmistervräsidenlen v. Podewils da- Großsteuz deS PiuSordens verliehen. DaS Dekret ist durch den NuntiuS persönlich überbracht worden.
** Zeichen und Wunder.
Einer der verbissensten evangelischen Bunde-» brühet, mit dem da- Zentrum anläßlich btfl Toleranzantrage- und schon früher, bei dem Antrag bett, die Aushebung deS § 2 des Jesuiten- aesctzrS heftige Zusammenstöße hatte, ist Dr. Hieber, ehemaliger protestantischer Pfarrer, nunmehr Professor nnd liberaler Reichstag-« abaeordneter. Dr. Hiebet hat am 21. Eeptbr.
' auf bet württemberaischen LandeSveriammlung ' be« Evangelischen Bunde- zu Eßlingen eine , Frieden-red« gehalten. Er kam nämlich un« . mittelbar von der intetparlamentarischen Frieden«*
gegen daS, wa« noch folgen sollte. Am dritten Tage, es war jener, an welchem die Hinrichtung vollzogen werden sollte, und ich erinnere mich noch so deutlich, als ob es heute gewesen wär«, lehrten, die 300 Heiducken unter dem Befehl eine« gewissen Mlodecki von Komecpol zurück. Glück- licherweise hotte sie Szymon Koszowacki, der Dater meines Schwiegerfohnes, damals nicht befehligt, fonst hätte ich mich, glaube ich, niÄt davon abhalten losten könnet^ ihm den Schädel --ist^ifchlagen. Hieronymus ober, dem kleinen Ünglückfestgen, damals kaum 15 Jahre alt, hatte e« ein Vergnügen gemacht, die Truppe der Kriegsleute wenigstens eine Strecke Wegs zu begleiten und er war ihnen bi« in die Steppe gefolgt, ohne sich jedoch, natürlicherweise, an dem entsetzlichen Werke beteiligen zu können.