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^schrick täglich mit Ausnahme der So.im und Leiertage, viertel» jährliche''vezngrpreii ohne vringerlohn und Bestellgeld in Lulda so­wie aurv>ärtri.S«Mt.

verantw. Redakteur:

«arl Schütter für die Anzeigen:

Z-Parzeller in Mda.

Zuldaer W Zeitung

wochmdrllage: „Illustrierte Sonntagszeitung" m-mUbellage- „Luldaer GeschichtrblAter"

»nrelgen: Vie eto fpaltigepetitzeUeode» deren Baum 15 Pfg. Aeklameodrepetitzeilt 25 Pfg., bei wieder« Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Aotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher «r. 9.

35. Jahrganq

Fulda, Dienstag den 22. September 1908.

30 218

Zweites Wtcrtt

Ein Unkraut.

D'Nd sie |o bioö, am m pr ww wem« re u ^ori dichten können. Die farblose Presse ist die ^toobPam Helfershelferin unserer Glaubensfeinde, sie bet- K 9Renntofie aber wischt die entschieden christlichen Grundsätze und San» unÄ”ÄSM”um®*n ft- nicht b“ S-,inü-m--°nt,° ,n

die Hände.

Kleines Aemtlersti

Ausfälle vermeiden.

Aber, sagt ein Alter, niemand trägt auf die Länge eine Maske, Angenommene Weis' zergeht wie Eis, und wenn der Papagei auch die mensch­liche Sprache erlernt hat, so fällt er doch immer wieder in sein urwüchsiges Waldgeschrei zurück. Der glaubenslose Schreiber kann seine Natur« stimme auch nicht losbringen. Man kann den katholikenfeindlichen Kuckuck leicht aus dem par­teilosen Walde heraushören. Du brauchst keine feine Nase, um zu riechen, in welchem Topf die farblose Brühe gesotten wird, und keine feine Haut, um die Nadelstiche und Seitenhiebe zu spü­ren, die katholischen Einrichtungen und Lehren hin und wieder versetzt werden.

So dient diese Presse nicht allein mit ihrem Schweigen, sondern auch mit ihren Reden den Feinden des katholischen Volkes. Das falsche Papier taugt in keinem Falle; es taugt nichts, wenn es wirklich parteilos ist, und es taugt nichts, weil es in Wirklichkeit nicht parteilos, sondern kirchlich gleichgültig, glaubens­feindlich ist.

Auch in sittlicher Beziehung bewegen sich btele dieser Blätter nicht auf der richtigen Linie und gestatten sich Dinge, die man in einem katho­lischen Hause nicht gestatten darf.. Sie bringen vielfach schlüpfrige oder zur Sinnlichkeit reizende Romane, zweideutige Anekdoten, und dunkle An­zeigen, die in der Familie entsetzliche Verwüstun-

wärtig sind die Quellen seitens des Herrn Mau- rermeisters Fleischmann aus Andenhausen rechts von der Birxer Straße gefaßt worden. Der Was« ferdruck soll noch 10 Meter höher als die höchstge­legenen Häuser reichen. — Die Einweihung des vom hiesigen Rhönklubzweigverein errichteten Tempelchens auf dem Billstein ist rn- folge der jetzt vorherrschenden kalten Witterung bis zum Frühjahr verschoben worden. Am Sonn­tag, den 27. September, wird hier eine Zusam­menkunft einiger Rhönklubzweigvereine stattfin-

vereinnahmt.

* Schmalkalden, 19. Sept. 1908. Bei dem gestern morgen erfolgten gerichtlichen Verkauf des hiesigen Solbades gab der frühere Besitzer des Solbades, Köhler in Hildburghausen, das Höchstgebot mit 76 000 <M, ab. Das Gericht erteilte sofort den Zuschlag.

* Das große Pariser Warenhaus „Ville Saind Denis" ist am Sonntag durch Feuer fast völlig vernichtet worden.

Aus dem Uachdargebiet.

' Frankenheim (Rhin), 21. Sept. 1908. Der Bau einer Hochdruckwasserleitung in unserem höchstgelegenen Rhönorte dürfte sicherlich

den.

» Frankfurt, 21. Sept. 1908. Die Stadt be- absichtigt, die sogenannte Mehlwage, ein den Besuchern Frankfurts bekanntes historisch inter­essantes Gebäude, im Innern umbauen zu lassen. Es soll dann ein Teil des Historischen Museums in die gewonnenen Räume hineinverlegt werden.

* Hauu.-Münden, 21. Sept. 1908. Die Polizei beschlagnahmte auf Requisition der Staats­anwaltschaft bei Verwandten eines der beiden Männer, die wegen Beteiligung an dem seiner Zeit gemeldeten großen Wertpapierdiebstahl in Achtum bei Hildesheim verhaftet worden sind, einen Korb, in dem sich über 30 000 M befanden.

* Friedberg, 21. Sept. 1908. Der Kreisaus- schuß hat dem Projekt der Klärung und Ablei­tung der Nauheimer Abwässer die Ge­nehmigung versagt.

' Romrod (Großh. Hessen), 21. Sept. 1908. 330 Jahre sind es her, daß die Oberförsterei im nahen Windhausen durch die Familie Ha­berkorn verwaltet wird. Nun tritt Forstmeister Haberkorn als der letzte seines Stammes auf der mit seiner Familie so eng verwachsenen Stelle in den Ruhestand. Seither folgte der Sohn dem Va­ter. Die Verhältnisse sind andere geworden. Der Sohn des in den Ruhestand tretenden Forstmei­sters ist zwar auch Forstmann, er ist aber wegen gänzlicher Aussichtslosigkeit auf feste Anstellung im hessischen Staatsdienst aus diesem ausgetreten und in den Privatdienst übergegangen.

vermischter.

* Ein Helgolaud-Skaudal. Bei den Schutzbau­ten um Helgoland zur Abwehr der Meeresfluten sind große Unregelmäßigkeiten vorgekommen. In dem ausgehöhlten Felsen sollte Mauerwerk in Stärke von iy2 Meter ausgeführt werden; es sind aber laut „Berliner Morgenpost" vorn und hinten nur Mauern von 40 Zentimeter Stärke errichtet und der Zwischenraum ist mit Sand ge­füllt. Außerdem entspricht die Zementmischung nicht den Vorschriften. Gegen mehrere Schacht- meister ist Anklage erhoben; die ausführende Firma hat von den Betrügereien nichts gewußt.

die hauptsächlich bei nasser Witterung mit Schnu­pfen, Husten und Halsweh entstehen.

— Ein unfehlbarer Trick. Man berichtet der „Frkf. Ztg." aus der Schweiz: In einem neuen- burgischen Dörfchen ließ, wie die „Suisse liberale" erzähst, ein Gutsbesitzer in seiner Sommerwoh­nung elektrisches Licht einrichten. Während der Installateur seiner Arbeit oblag, ließ sich der Auf- traggeber mit ihm in ein Gespräch ein: „Sie scheinen Freude an ihrem Beruf zu haben, ist's nicht so?" „O gewiß; nur schade, daß es einen Militärdienst gibt . . ." „Weshalb?" „Sehen Sie, da soll ich ntich nun nächstens wieder stellen. Behält man mich, dann ist's eine recht verflixte Geschichte. Aber glücklicherweise kenne ich einen Trick." „Wirklich? Einen Trick, um dienstun- tauglich erklärt zu werden?" „Und was für einen guten! Ich habe zwei Krampfadern am Bein. Am Tag vor der ärztlichen Untersuchung binde ich eine SeAmr um das Bein, das dann gewaltig an­schwillt. Wenn die Aerzte es sehen, reißen sie ratlos die Augen auf und schicken mich heim. Das Mittel ist unfehlbar." „Allerdings, wenn die Aerzte ratlos die Augen aufreißen," sagte der Gutsbesitzer, den die Sache sehr interessierte, „bann begreife ich, daß Sie Ihrer Sache so sicher sind." Einen Monat später ist in Chaux-de-Fonds die Rekrutierungskommission berfammelt und unter­sucht die jungen Leute, die sich laut Militärgesetz zu stellen haben. Schon hat sie eine Reihe bon Leuten für dienstuntauglich erklärt, andere für ein ober zwei Jahre zurückgestellt und wieder an­dere endgültig als untauglich entlassen, als bor den Herren ein kräftiger, gutgebauter Mann er­scheint, dem das Gehen augenscheinlich große Mühe macht. Dies erklärt sich auch sogleich, da der junge Mann sich seiner Kleider entledigt: das eine Bein bietet einen Anblick, der einem übel machen könnt«. Es ist gewaltig ausgeschwol- len, bon einer entsetzlichen Farbe und spricht deut- lich bon den Schmerzen, die sein Eigentümer lei­ben muß. Der junge Mann selber sucht seine Qual mit Mühe würdig zu ertragen. Doch Plötz-

auf denen sie leise über jeden Standpunkt Hin­wegschleichen. Sie dienen keiner Partei, damit sie bei allen Parteien verdienen. Der Prosit ist ihr Dreikönigsstern, und ihr erster und letzter Glaubensartikel ist das Schrüchlein: Bar Geld lacht.

Die parteilose Presse hält sich mit Vorliebe auf dem Gebiete der Neuigkeiten und Tatsachen; Grundsätze und Urteile sind nicht ihre Sache. Ein buntes Allerlei bon Neuigkeiten, Gerichtsverhandlungen, Mordtaten, Festberichten -füllt ihre Spalten. Auch grundsätzlich wichtige »Dinge werden nur als Neuigkeiten im bunten Durcheinander erzählt. So ein Blatt bringt mit gleicher Miene heute den Gedankengang einer katholischen Predigt und morgen ben Auszug einer sozialdemokratischen Brandrede. Diese Presse ist nicht für Gott und nicht gegen Gott, sie ist ohne Standpunkt, ohne Saft und Kraft, ist eben die immer schnatternde Neuigkeitskräme­rin, und alles, was in der Welt geschieht, ist für ne weiter nichts als Stoff zum Schwatzen.

Dieser berwaschene Neuigkeitskram, den die parteilose Presse alle Tage auftischt, verdirbt uen Lesern notwendig die Gesinnung und den Charakter. Er stumpft das sittliche Em» pfinden für Wahrheit und Unwahrheit, für Recht sind Unrecht ab, und gewöhnt die Leute an Ge­dankenlosigkeit und macht sie zu gefühllosen, tzleichgiiltigen Philistern.

Wahrlich Unheil genug stiftet die sogenannte parteilose Presse, wenn sie parteilos ist. Aber wenn sie nur parteilos wäre! Das ist eben das Schlimmste an den Blättern, daß ihre Parteilo­sigkeit meist nur die Maske ist, unter der sie den alten Kulturkämpfer und Kirchenfeind heim­lich einfchnmggsln und den Glauben und die christliche Sitte schädigen. Wo ein offen glau­bensfeindliches Stück nicht zieht, spiell man eine verschämte kulturkämpferische Komödie und schreibt auf den Theaterzettel „parteilos". Die

Ein gefährliches Zeitungsunkraut wuchert feit längeren Jahren schon auch in katholischen Gegenden.

Das sind die Blätter ohne Partei und ohne Farbe. Gern nennen sie sich „General-Anzeiger", führen aber auch andere Namen. Wo sie an- klopfen, versprechen sie den Leuten, ihren Boten­dienst recht sittsam und friedfertig zu besorgen und gewiß keine Unruhe ins Haus zu bringen. Denn, sagen sie mit verbindlichem Lächeln, wir dienen keiner Partei, wir halten uns grundsätz­lich fern von dem politischen Tagesgezänk und be­richten wahrheitsgetreu alle Vorkommnisse des öffentlichen Lebens, ohne irgend welche religiöse ober politische Anschauung zu verletzen.

Ich weiß nicht, ob Du ein Freund von solchen Leisetretern bist. Ich mag die Leute nicht, die mit der Farbe nicht herausgehen, die nie gick und nie gack sagen und bei welchen niemand weiß, wie man dran ist. Warum, frage ich, sind denn die parteilosen Zeitungsschreiber so zugeknöpft? Sind sie so blöd, daß sie für das Recht kein Wort

lich fährt er beim Klang einer hinter ihm ertö­nenden spöttischen Stimme zusammen: „Nun, hal­ten Sie den Trick mit der Schnur immer noch für unfehlbar?" Einer der Aerzte, den er bisher nicht bemerkt, hatte ihm seine Hand auf die Schulter gelegt und der Mann mit dem jammervoll ge- schwollenen Bein sah, sich umdrehend, in das la­chende Gesicht des Gutsbesitzers, bei dem er bor kurzem das elektrische Licht eingerichtet und dem er das unfehlbare Mittel verraten hatte.

— Choleraaberglaube in Rußland. Die Cho­lera hat sehr stark auf den Konsum aller Früchte zurückgewirkt und den Fruchthandel völlig lahm gelegt. Um ihre Verluste einigermaßen zu decken, verbreiten die Fruchthändler unter dem einfachen Volk das Gerücht, daß die Aerzte und Studenten die Früchte absichtlich mit einem besonderen Pul- bor bestreuen, von dem die arme Bevölke­rung an bet Cholera erkranke. (!) Jeder der- artige Gerüchte verbreitende Händler versichert seinen Käufern, daß sein Obst nicht mit diesem Pulver bestreut sei, weil er ein scharfes Auge auf jeden seinen Laden betretenden Arzt, Studenten und Gebildeten habe. 'Trotz des Unsinns dieser Gerüchte glaubt ihnen das einfache Volk, sodaß sich in einzelnen Stadtteilen die Lage derart zu- gespitzt hat, daß den Studenten und gebildeten Leuten der Rat gegeben wird, sich nicht auf der Straße zu zeigen. In einzelnen Fabrikvierteln ist das Gerücht in Umlauf gesetzt worden, daß die Studenten die Brunnen vergiften, um durch die Erkrankungen der Arbeiter zu einer Praxis zu kommen.

— Gut gegeben. Ede: „Wo warst Du denn, ich hab Dich schon ein paar Monate nicht gesehen?" —. Lude (der eingesperrt war): „Ick war mit meenem Jewiffen wieder mal in Reparatur."

— Schreckenskind. „Du, Tante, nimmst Du dir jeden Abend die Zunge aus dem Munde wie Mama chre Zähne?" „Wie kommst Du darauf?" „Papa sagte neulich. Du hättest eine falsche Zunge !"

Deutscher Reich.

(*) August Thyssen, der bekannte Eisenfach­mann im Ruhrrevier. soll nach einer vorläufig unverbürgten Mitteilung die Absicht haben, auf Anregung eines der deutschen Marine nahestehen­den Fürsten in einer Stadt des Nordens ein Panzerplattenwerk zu errichten. — Wie vermutet wird, handelt es sich dabei um eine Stadt in Ol­denburg.

a Tie deutsche Mittelstandsbereinigung tagt gegenwärtig in Düsseldorf. Man beschäftigte sich zunächst mit dem Stande der Mittelstandsbe- i wegung. -Dabei wurde von dem Abg. Rahardt der I kleine Befähigungsnachweis als eine „ganz ge- ! wohnliche Abschlagszahlung" bezeichnet. Man beschäftigte sich weiter mit der Frage der Begrün­dung von Rabattabteilungen, mit dem unlauteren Wettbewerb und mit der staatlichen Versicherung der Privatbeamten. In geschlossener Sitzung hat man auch eingehend beraten über die Sonder- kandidaturen für die Parlamente dieser Vereini­gung. Ein Teil der Führer ist nämlich der An- s sicht, es sei besser, wenn man sich nicht auf die be- stehenden Parteien stütze, sondern selbständig vor- gehe, der andere Teil will wie bisher eine An­lehnung an die bestehenden Parteien. — Bei der Begrüßung waren Vertreter der verschiedensten Parteien anwesend. Auch ein Vertreter der Re­gierung war da und schlug außerordentlich freund­liche Töne an.

— lieber Schlafmittel. Die Mittel, die man häufig auwendet, um Schlaf hervorzubringeu, ba­ten an sich wenig Wert, indem bet Schlaf selten ein gesunder, meist vielmehr ein unruhiger, durch 'allerlei Träume gestörter ist. Dagegen können solche Mittel bei längerem Gebrauch sehr nach­teilig auf die Gesundheit einwirken. Am gefähr­lichsten ist in dieser Beziehung das beliebte M o r, p h i u m, am wenigsten schädlich das bromsaure Kali, während das ChloralHydrat zwischen Heiden in dec Mitte steht. Schlaflosigkeit kann Übrigens nur durch Entfernung der erregenden Ursachen dauernd gehoben werden. Es gibt jedoch küßet ben obigen chemischen Mitteln noch manche andere, die fchlaserregend wirken, ohne die nach- ^lligen Nebenwirkungen der letzteren zu besitzen. "Oahin gehört bor allem unsere gewöhnliche K och- Swi eb e 1. lieber ihre Wirkung in dieser Be- srehung erzählt ein englisches medizinisches Blatt, °aB_ein bekannter Gelehrter, der seit einiger Zeit k» Schlaflosigkeit gelitten und berschiedene Mittel kOk»gen gebraucht hatte, sich durch den abendlichen l?‘!ud bon rohen Zwiebeln von seinem Uebel be- Inu Versuche, die auch bon anderer Seite JinL v1*;!11 einfachen Mittel angestellt wurden, beim?' t 'en schlafmachende Wirkung vollkommen niä'r : s Ncche Zwiebeln zu genießen, ist indes toei? ^Ermanns Sache, gekochte scheinen aber in Sacet diese Wirkung zu haben,

mafieit hptM. llb läßt sich nur dadurch einiger- toneibet $en' daß man frische Zwiebeln fein Wärme '?iebPSJ!t^l 8—10 Tage in mäßiger ttadi Geltet™” - abseiht und dieser Tinktur ,nimmt man - Zuckersatz zusetzt. Hiervon

-die., auch nicht s, £ bis 3 Teelöffel voll. Wenn wenigstens ittch^ w wohlschmeckend rst so ist es beln KJr "«""Mehrn wie rohe Zwie- öutoL 2^45 L1 .c,6 «lsaft ist auch ein sehr -*■ Truhxahrs- und Herbstkatarrhen-,

parteilosen Blätter werden zum größten Teil im Frühjahr nächsten Jahres erfolgen. Gegen- von religionslosen, kirchlich gleichgültigen Leuten ' " " " geschrieben. So ein Zeitungsschreiber mag sich ja um der Kundschaft und seines Brotherrn wil­len einen Zwang antun und die schlimmsten

heraus damit? Der Grund liegt auf der Hand. So ein färb- und geruchloses Blatt will Geld verdienen, und darum will es große Kund­schaft und sucht darnach bei allen Parteien. Tas Geld ist das große Triebrad, das die partei­lose Preßmaschinerie in den Gang setzt. Das Geld bewaffnet diese Blätter mit Filzschuhen,

Literarisches.

Der Deutsche HauLschatz versendet soeben das 24. (Schluß) Heft seines 34. Jahrganges. Mehr als Worte es sagen können, zeigt das dem Hefte beige« geben« Jnhaltsverreichnis, welch' eine ungemeine Fülle von Lesestoff aus allen Gebieten ein solcher Jahrgang enthätt und wie die Vielseitigkeit neben der Reichhaltigkeit gleichen Schritt HW. Wa» an dem Inhalte des 24. Heftes ganz besonders interessiert, das ist die Einladung zum Abonnement, m der die Redaktion ihren Lesern mitteilt, daß .der nschsie Jahrgang mit einem Roman: Jdeachien von M. Herbett beginnt und daß der "Deutsche Hausschatz mt Laufe des 35. Jahrganges Beiträge der ersten katholischen Autoren Deutschlands bringen wtrd. Mit großer Genugtuung lieft man da die angesehenen Namen: Paul Keller; Handel-Mazzettt; H. Eschel­bach; Nanny Lambrecht; Anton Schott; Scapt- nelli usiv. Sicher wird die Ankündigung dieser Mttarbeiter der beliebten Zeitschrift viele neue

* Ein ZigmnerbegrSbniS ging in eigenartiger Weise in Mühlheim a. d. Ruhr vonstatten. Bei der Bande, die sich in Styrum vor längerer Zett häuslich niedergelassen hatte, war eine etwa 30 Jahre alte, weibliche Person an Schwindsucht gestorben. Tie Leiche wurde gegen Entgelt zur öffentlichen Besich- tigung freigestellt. Das seltene Vorkommnis und insbesondere die Eigentümlichkeit der Aufbahruna- hatte eine solche Menge Zuschauer angelockt, daß zur Aufrechterhaltung der Ordnung drei Schutzleute notwendig waren. Die Mühlheimer Ztg. schrieb darüber: Die Verstorbene trägt außer dem üblichen Totengewande, ihrem persönlichen Wunsche gemäß, gelbe Schuhe, einen Schleier und rote Rosen als Haarschmuck; die Hände schmückt ein roter Rosen­kranz. Ferner wurden der Toten Seife, Zwirn, Münzen, eine Kanne und ein Stück Seidentuch mit in den Sarg gelegt. Jedem Besucher wird noch vor dem Austritte Gelegenheit geboten, sich wahr­sagen und die Karten legen zu lassen. Für bte Beerdigung find 200 Stammesgenossen aus der Nm- gegen» erschienen.

* Um der Mutter willen. Ein Blumenhänd- ler in der Rue de Providence in Paris beobach­tete, wie ein kleiner, etwa zwölfjähriger und sehr dürftig gekleideter Knabe mit begehrlichen Augen die vor dem Laden auf der Straße stehenden Blu­mentöpfe betrachtete. Plötzlich ergriff das Kind einen Topf mit Geranien und lief davon. Der Blumenhändler setzte dem Flüchtigen nach und stellte ihn an der nächsten Straßenecke. Auf dem Polizeirevier erzählte der kleine Dieb folgende Geschichte: „Wir sind sehr arm. Mein Vater rst tot und meine Mutter ist schwer krank. Sie sagt, daß sie bald sterben wird, und daß sie wenigstens ein Blümchen haben möchte, damit es nicht ganz so trostlos aussieht. Und da ich doch kein Geld be- sitze, habe ich den Blumentopf weggenommen, um ihn meiner Mutter zu schenken. Nun laßt mich aber wieder laufen, meine Mutter wird sich schon sehr ängstigen. Ich will es auch nie wieder tun." Durch die Erzählung desKnaben gerührt, begab sich der Blumenhändler mit dem Reviervorstand in die Wohnung. Man fand hier alle Angaben des Knaben bestätigt. Der Reviervorstand sorgte dafür, daß ein Arzt geholt wurde, und der Blu­menhändler schickte der Kranken bald darauf zwer

* Choleraunruhen in Rußland. In Taga in r o g versuchte eine große Volksmenge die Cho­lerabaracke zu zerstören, nachdem das Gerücht verbreitet worden war, daß die Aerzte die Kran­ken mißhandeln. In K i j e w versuchte die Volks­menge die Aerzte an der Ausübung ihrer Praias gewaltsam zu verhindern. In K e r t s ch verbrei­tete die Bevölkerung das Gerücht, daß die Aerzt« die Cholerakranken im Hospital vergiften, wo­rauf mehrere Versuche erfolgten, die Cholerakran­ken dem Hilfspersonal zu entreißen. Mehrere Choleraausstände sind auch in den Wolgadörfern vorgekommen. In der abgelaufenen Woche wur­den in Peter sbur g 1456 Choleraerkran- kungen und 439 Todesfälle gezählt. In den son­stigen Choleragebieten kamen in der abgelaufenen Woche 3392 Erkrankungen und 1377 Todesfälle vor. Im ganzen sind in Rußland seit Beginn bet Epidemie 10,359 Personen an Cholera erkrankt und 4633 gestorben. — Ein unglaublicher Leicht- sinn herrscht bezüglich der Desinfektion. In Petersburg erkrankte im Handelsministerium der diensttuende Kanzlist. Sein Bett, das nicht des- infiziert worden war, sollte von seinem, ihn ab­lösenden Kollegen benutzt werden. Erst ein etter- gischer Protest des gesamten Beamtenpersonals erzielte die Desinfizierung jenes Bettes. Viele Droschken, die zum Krankentransport dienen, harren ebenfalls der Desinfizieung. Vorgestern starben zwei Personen bireft auf ber Straße; bet Anblick war furchtbar. Von ben Erkrankungen entfallen 71 v. H. auf Männer, 28 auf Frauen und nur eins auf Kinder.

* Von einem Orkan ist bie Stadt St. Ma - thew auf der Bahamainsel Groß-Jnagua zer­stört wordW. Bon einem vorbeifahrenden Schiff wurde beobachtet, wie die Häuser der Stadt in die Luft gewirbelt wurden. Man muß annehmen, daß sämtliche Einwohner, deren Zahl auf etwa 700 geschätzt wird, umgefommen sind.

— Die höhere Tochter. Tochter (zur Mama): „Hast Du es schon bemerkt, int Gattenhaus bröckelt der ganze Verputz los; da werden wir wohl einen Maurer konsultieren müssen.*

— Verlockend. Banfier: „Alice, gleich wird kommen der Grase von der Schuldenburg. Setz Dich neben den Geldschrank, daß Du nicht so alt ausfiehst."

' Gera, 21. Sept. 1908. Kern schlechtes Geschäft hat der „Sterndeuter" gemacht, der vor einigen Tagen hier ein Gastspiel gab und etwa 600 Personen ihr Schicksal aus den Sternen verkündete. Er nahm pro Person ein Honorar von 1 bis 3 Mark ein. Viele der Wißbegierigen, ,ltenyUnuit;i. |tyiute ucv die bie Weissagungen gar noch schwarz auf weiß; wundervolle Töpfe mit blühenden Rosen, haben wollten, mußten noch 1 JC besonders für Schreib gebühr en ab laden. Der flüchtige Schwind, ler soll ein Schlosser namens Thiemann aus Hamm fein. Er hat hier schätzungsweise im gan­zen 1000 bis 1500 M von Denjenigen, die nach einem bekannten Sprichwort nicht alle werden.