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rrschtkt täglich mlt Ausnahme der So.m- und Feiertage, viertel­jährliche'Vezngrprei, ohne vringerlohn und VesteLgeldinFuldasv' wie auswärts 1.50 Ulf.

Verantw Redakteur: «arl Schütter

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3.KÄS«- wschcnbrllage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

monatsbenagt: „Fuldaer Eeschichtrblätter"

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Anzeigen: vie ein. Mltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Retlamendiepetitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird «ntspr.

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Rotationsdruckund Verlag der Zuldaer N- ttendruckerei in Fulda

Fernsprecher Rr. 9.

JA 218.

Fulda, Dienstag den 22. September 1908.

35. Jahrgang.

Erstes Matt.

K Die Nürnberger Entscheidung.

„Nicht einen wüsten Krakeel und Parteischädigung hat uns der Nürnberger Par­teitag gebracht, sondern innere Festigung, die unerläßliche Einheitlichkeit der Ak­tion." Also schreibt das sozialdemokratische Haupt­organ, der „Vorwärts", in der Einleitung eines Leitartikels über den Nürnberger Parteitag. Man traut seinen Augen nicht, wenn man so etwas liest. Da ist die blutrote „Leipziger Volks­zeitung" doch ehrlicher, sie erzählt von unvergleich« licher Infamie, raffiniert demagogischer Manier, verlogenem Klatsch, Lügenblase und dergleichen. Weiter gesteht das Blatt:

„Die Pau« wuö sich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß die Arbeiterbewegung im Königreich Bayern in Zukunft sich immer mehr von den bisher in Geltung gewesenen Grundsätzen der Sozial­demokratie entfernt. Man soll sich keinen Täuschungen vorüber hingeben: der Unterschied in den Anschauungen ist bereits so groß, daß er nicht mehr geleugnet werden kann, und wenn man daraus die Konsequenzen zieht, so lut man es nur auS Sentimen­talität oder Scheu.'

So ist es. Der Konflikt ist in Nürnberg nicht beigelcgt, auch nicht einmal verkleistert, sondern die offene Wunde zwischen Revolutionären und Revisionisten besteht nach wie vor. Es handelt sich bekanntlich bei dem Konflikt um die Frage, ob die Genossen in den süddeutschen Parlamenten gegen den Beschluß des Lübecker Parteitages ge­frevelt hätten, als sie aus diesen und jenen tak­tischen Rücksichten bei der Abstimmung über das Landesbudget einmal Ja sagten, also dem Staate das Wirtschaftsgeld oder die Mittel zum Regie­ren bewilligten. Das ist eigentlich bei Menschen mit fünf Sinnen etwas Selbstverständliches, denn die Beamten und Stcmtsarbeiter müssen doch be- Jahlt werden, und es geht doch auch nicht an, daß ie sozialdemokratischen Abgeordneten bei allen Forderungen des Etats lange Reden halten, die Tätigkeit der Negierungsorgane kritisieren, Ver- besscrungsvorschläge machen und dann zum Schluß der Regierung sagen: „Gesprochen haben wir viel, kritisiert, wo wir nur kritisieren konn­ten, aber das Geld zum Bessermachen bewilligen wir nicht." Seither haben sie es allerdings im Reichstag und in den Landtagen so gemacht. Sie konnten sich die Kinderei ja leicht leisten, denn die nötigen Ausgaben wurden auch ohne sie bewilligt. Die süddeutschen Genossen sind nun allmählich verständiger geworden und haben diesmal das Budget bewilligt.

Darüber hat man sich nun in Nürnberg tage­lang gezankt und schließlich faßte der Parteitag zwar einen Beschluß, aber die Ketzer sagten dem Parteitag ins Gesicht: Dein Beschluß geniert uns nicht, wir machen, was wir wollen. Und der Parteitag ließ sich das ruhig gefallen.

Was lehrt nun diese krause Geschichte? Daß die ganze große Zankkomödie keinen reellen Wert hat. Die Entwickelung der Sozialdemokratie geht trotz aller Bremsversuche von Bebel und Kautsky weiter in der Richtung auf eine klü« gereTaktik, die den Anschein der Mäßig, ung erweckt. Die Gefährlichkeit der Par­tei wird damit leider nicht geringer.

Deutscher Reich.

(*) Der Kaiser und das lippische Fürsten- hauS. Zu der Angelegeuheit deS Prinzen Bern- Hard, BtuderS deS regierenden Fürsten von Lippe- Detmold, meldet der ,Berl. Lok. Anz/:

„Die Nachricht von dem Abschiedsgesuch des Prinzen Bernhard entspreche wahrscheinlich den Tatsachen, doch habe der Kaiser damit nichts zu tun. „Prmz Bernhard stand bis zum Mai d. IS. in Paderborn und hatte schon dort nicht den Ruf besonderer persön­licher Liebenswürdigkeit. AIS er dann als EskavronS- chef zum 14. Husaren-Regiment nach Kasiel versetzt wurde, gelang e- ihm auch in dieser neuen Garnison nicht, seine militärischen Vorgesetzten besonders sür sich einzunehmen. So siel es namentlich auf, daß er seinem Regimentskommandeur v. Plettenberg erst am 23. Ang., reichlich drei Monate nach seiner Versetzung nach Kassel, seinen Antrittsbesuch machte."

In einigen anderen Blättern wird die Veran- lasiung zu der Einreichung des Abschiedsgesuchs durch folgende angebliche Tatsache begründet: „AlS in der Senne vor dem Kaiser die ver­schiedenen Regimenter defilierten und die Offiziere, wie üblich, vor dem Kaiser salutierten, ernteten sie samt und sonders den kaiserlichen Gruß. Als aber der Prinz zur Lippe vorbeiritt, da drehte sich zufällig entweder des Kaisers Pferd oder der Kaiser selbst, der Prin wurde — über­sehen. Wie er gemeint hat, mit Absicht." Dieser Fall wird von der .Lippischen Landeszlg/ zum Anlaß genommen, einer großen Zahl von Handlungen des Kaisers Erwähnung zu tun, die in Lippe arge Verstimmungen hervorriesen.

* Fürst Bülow über die Finanzlage des Deut- scheu Reiches. Bei der Sitzung des Bundesrates, die Freitag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten von Bülow stattfand, hat der Reichskanz­ler, wie die Berliner Universal-Korrespondenz zu­verlässig erfahren haben will, in dem weitaus größten Teile seiner Rede darauf hingewiesen, wie ungünstig die großen Defizite und die andauernde Schuldenwirtschast unsere internationale Lage beeinflussen. Wenn auch gegenwär­tig eine Friedensgefahr nicht bestehe, so liegen den Mächten doch Probleme vor, die möglicherweise unvorhergesehene Gegensätze hervor- bringen könnten. Das Ausland dürfe aber nicht die Meinung gewinnen, daß Deutschland aus finanzieller Schwäche feinen berechtigten Forde­rungen keinen genügenden Nachdruck verleihen könne. Diese Ausführungen des Reichskanzlers machten auf die Bundesratsmitglieder einen tie­fen Eindruck.

X Ter 12. internationale Presse- Kongreß ist gestern abend in Berlin im Reichstags - Ge­bäude zusammengetreten. Es nahmen an der Tagung etwa 45() Delegierte aus allen europäi­schen Ländern teil. Besonders groß ist die Teil­nehmerzahl aus Frankreich; es sind etwa 110 französische Delegierte angemeldet. Die Presse- Kongreffe bezwecken die Verständigung in der Preffe aller Weltteile zur Beratung beruflicher Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse mit Ausschluß aller religiösen, politischen, Rassen- unb. Nationalitäls - Fragen. Auf der Tagesord­nung des Kongresies stehen: Die Ausgestaltung der Standesgerichte der Presse, das journalistische Berufsgeheimnis, die Herabsetzung der Post- und Telegraphen-Gebühren sür die Preffe. Ferner wird die Aenderung der Berner Konvention, die Unter­drückung des fliegenden Gerichtsstandes in inter­nationalen Rechtsfragen und das Projekt einer internationalen Journalisten • Versicherung auf Gegenseitigkeit (Alters- und Invaliden -Versiche- rung) besprochen werden.

— Die Krise im Deutschen Flottenverein nimmt jetzt wieder schärfere Formen an. Der radikalen Rudolfiädter Gruppe, die die Zurück- berufung des Generals Keim als Geschäftsführer des Gesamtvereins betreibt, hat sich nunmehr auch der sachsen-weimarische Landes-

verband zugesellt, der in seiner Hauptversamm­lung in Rudolstadt eine Resolution annahm, worin er die Hoffnung ausspricht,

daß der dewsche Flottenverein wieder im Sinne deS alten Kurses arbeiten werde. Die Laudes- versammluna erkläre, auf die Hauptversammlung in Nürnberg 190« keine Vertret er entsenden zu können, wenn die Herren Reichsrat Freiherr von Würtzdurg, Kammerh°rr Spieß und R gierungSrat v. Braun den Vorstand im bayerischen Landesverband ausüben, da sie in diesen Herren eine Gefahr für die Einheit des Vereins erblicke. „Wenn dem Landesverband der Besuch der Hauptversammlung uninögtich gemacht wird, so erkläre die Landesversammlung, daß damtt ihr wei­teres Verbleiben im deutschen Flottenvrrein aus­geschlossen sei."

Die Rh. W. Ztg. läßt sich aus Berlin melden, ein hervorragendes Mitglied des neuen Präsidiums des Floltenvereins habe sich ebenfalls dahin aus­gesprochen, daß die Bayern „einsichtsvolles Ent­gegenkommen zeigen" und,,Opfer bringen" müßten, d. h. der den Keimleuten verhaßte Vorstand des bayerischen Landesverbandes soll zurücktreten.

Zentrumsabgeordnete beim Reichsschatz- sekretür. Wir haben in der vorigen Woche be­richtet, daß die Zentrumsabgeordneten Spahn, Gröber und Müller-Fulda vom Reichsschatz, sekretär von Sydow zu Besprechungen über die Reichsfinanzreform empfangen wurden. Das .Fuldaer Kreisblatt' berichtete ’ gestern über die Tatsache dieser Empfänge in folgenden Worten:

DaS Berliner Zenirumsorgan, die „Germania", kann die bisher bekannte Namenstiste der vom Reichsschatz- fekretär zu persönlichen Besprechungen über die Finanz- reform empfangenen Abgeordneten vervollständigen. Außer konservativen, antisemitischen und national- liberalen Mitgliedern des Reichstags wurden vom Schatzsekretär in Sachen der Reichsfinanzresorm noch empfangen die sreistnnigen Abgeordneten Wremer, Fisch­beck und Bachnike und die Zentrumsabgeordneten Spahn, Gröber und Müller-Fulda. Der Reichs­kanzler hat die Zentcumshenen bisher nicht empfangen.

Danach sollte man wohl glauben, daß vom Herrn Abg. Müller-Fulda eine Audienz beim Herrn Reichskanzler nachgesucht, diese aber abgelehnt worden wäre. Das ist jedoch nicht der Fall, Herr Abg. Müller hat gar keine Audienz nachgesucht, konnte also auch selbst­verständlich nicht „empfangen" werden.

)( Die Hirsch-Dmickerscheil Gewerkvereine feierten am Sonntag tu Berlin im Gewerkschafts­hause in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, u. a. auch des früheren Staatsministers v. Berlepsch das Jubiläum deS 40jährigen Bestehens der GeiverkvereinF-Beroegung. — Die Bewegung ist bekanntlich feit längeren Jahren nicht mehr recht voran gekommen, und von der Sozialdemo, tratie und der christlichen Gewerkschaftsbewegung überholt worden!

* „Parität" in Grubenbeamtenkörpern. Unter Bezugnahme auf die Mitteilung über die „Parität auf dm staatlichen Gruben im Saar­gebiet" wirb der „Germania" mitgeteilt, daß auf dem fiskalischen Steinkohlen-Bergwerk im Ibbenbüren (Westfalen) von Alters her in Bezug auf die Parität bei Besetzung der Beam- tenstellen die gleichen Zu stände herrschen, wie im Saarzebiet. Die zu fast V« katholische Bevölkerung hat sich an die herrschende Impari­tät dermaßen gewöhnt, daß sie die Zustände schon fast als normale ansieht. Es ist wahrlich an der Zeit, daß auch diese „Grube" mal auf­gedeckt und beleuchtet wird.

ns. Darmstadt, 21. Sept. 1908. Die 15. Hauptversammlung deS Verbandes deutscher Gewerbevereine hat hier heute ihren An-

fang genommen. Rach dem Ges chäftsberi cht gehören dem Verbände 1441 Vereine mit 148718 Mitgliedern, darunter 93 000 Handwerkern an. Der Verbandsvorstand hat sich im Lause deS letzten JahreS auch mit den vom Reichs-Statisti- schen Amte veranstalteten Erhebungen Über die Wirkung des Handwerkergesetzes be­schäftigt; er ist dabei zu dem Ergebnis ge­kommen, daß es besser sei, wenn diese Erhebungen sich nicht nur auf die Innungen beschränken. Ter Vorstand hat sich mit der Frage: Ge­werbevereine oder Innungen? sehr ein­gehend beschäftigt. Er ist zu dem Schluffe ge­kommen, daß dieAntwort lauten müsse: Innungen und Gewerbevereine. — In den Beraiungen gelangte eine Resolution gegen die Besteuerung von Gas« und Elektrizität zur Annahme. Der Beschluß wendet sich auch gegen die Be- steueninq von Lickt zu gewerblichen Zwecken.

* Mannheim, 20. Sept. 1908. Die Katho­likenversammlung der badischen Pfalz, verbunden mit der Feier des PriesterjubiläumS des Papstes, nahm einen glanzvollen Verlauf; eS nahmen über 4000 Personen daran teil. Prof. Mevers-Luxemburg sprach über Pius X. und das Papsttum. Der zweite Redner, Arbeitersekretär Giesberts-M.-Gladbach, verbreitete sich über di« Aufgaben der Katholiken und betonte insbeson­dere die Pflicht der Mitarbeit zur Versöhnung der sozialen Gegensätze. Amtsgerichtsdirektor Gießler forderte zur Unterstützung der kathol. Vereine und Presse aus.

Ausland.

* Zu Zusammenstößen zwischen Deutschenund Slowenen kam es rote in Laibach auch in Cilli. Größere Ausschreitungen konnten durch Eingreifen von Militär verhindert werden. Im Laufe der Nacht kam eS zu kleineren Zusammenstößen, wo­bei ein Slowene verwundet wurde. Auch in Marburg ereigneten sich Kundgebungen der Deutschen gegen die Slowenen.

* eine Friedenskundgebung in Frankreich. Bet einer Arbeiterfeier im Departement Jura hielt der Miiiister des Aeußeren Pichon eine Rede, in der er betonte, daß die Regierung den Frieden wünsche, wofern dieser auf dem Recht, der Kraft und Würde Frankreichs beruhe, sonst würde er hinfällig und unsicher sein. Der Minister schloß mit der Erklärung, daß die kluge Politik Frankreichs in Marokko keine Schlappe erlitten habe.

* Der dänische Exminister Alberti hat den Gerichtsbehörden mit der Untersuchung Über feine Unterschlagungen eine schwere Aufgabe auferlegt. Er will selbst absolut nicht roiffen, wo all das Geld geblieben fei. Nun hat der Untersuchung-, lichter auf Grund umfassender Recherchen fest- gestellt, daß Albertis Verluste durch Spekula­tionen an der Londoner Börse im Zeitraum von 1831 bis September 1907 etwa sechs Mill. Kronen betragen. Alberti hat die Richtigkeit dieser Annahme bestätigt.

* Die Nnruhestimniuna in Rußland hält weiter an. In dem Dorf NikolaiewSkoe in der Nähe von Kiew stiftete ein Poltzeiosfizier, der auf gespanntem Fuße mit dem „Verband echt russischer Leute" lebte, die Juden zu einem lieber- fall auf das Teehaus des Verbände- an. Die Juden beschossen daS TeehauS und bewarfen die Mitglieder mit Steinen, wobei die Polizei die Juden nach Kräften unterstützte. Auf die Klagen der Ueberfallenen wurden mehrere Polzisten ihres Amtes enthoben.

Dyrnilr der Kosak.

Von Marcel Etienne.

12] (Nachdruck verboten.)

„Wirklich, Herr Offizier! Da» ist sehr hübsch!" unterbrach Phadäsu» gut gelaunt ben Refrain. »Euer Jagdliedel bringt IvenigstenS Abwechs­lung l Ich fürchtete schon, wir würben ber Reihe nach alles Wild deS WalbeS, alle Vögel ber Luft und alle Tiere ber Ebene vor uns vorüber ziehen fthen. Von dem Augenblicke an jedoch, ba Ihr Abwechslung in Aussicht stellt unb solch ebleS Wll-d . . .

„Wartet boch, junger Ungeduldiger! Ich bin kwöh nicht zu Ende! Wartet erst ab, ob Ihr mit dem Erfolg der Jagb zufrieden sein werbet, — beim davon handelt die fünfte Strophe!"

Unb ben armen Phadäsus an einem Knopf »einer goldgestickten Czamerka festhaltend, sang er Ihm folgenben Vorschlag ins Gesicht:

's®’ E* die Jagd denn zu End.,

Nu» laß unS teilen, Kamerad!

Mir den Marder und daS Mädchen, Der Ha^und Falk fei Dein.

Gefällt Tir'S nicht so,

Eo sag' eS nur frei: •

Sinern jeden sein Teil, Hurrah!

Dieser Strophe folgte ein lautes Gelächter. „Dieser schlaue Treciak, er vergißt sein Interesse nicht", murm°lte StaniSlau», toäÄ suS spöttisch ben Kopf schüttelte. '

io$' T W nach nicht alles! Ick habe noch einen anbern Vorschlag für Euch", fuhr ber Sanger fort, ber, von seinem Erfolg Le- geistert, feinen Schnurrbart kühn in die Höhe »wirbelte und mit noch boshafterem Lächeln von neuem begann:

ES läßt sich ander» btt Streit beenden 1

Mir die Lanze und die Büchse, Dir bfi Pfeife unb den Tabak, Geb' und sitze beim warmen Öffn,

Während ich da» Mädel aufs Roß mir hebe — Du, holst Du mich ein? Hurrah 1

Diesmal folgte dem Liede beS alten Jägers ein einstimmiges unb allgemeines fröhli^g La­chen. Entzückt über die Aufnahme, die feine Stro- phen gefunden, neigte Treciak fein faltiges Ge­sicht ganz nahe zu PhadäsuS unb fragte ihn:

„Unb nun sagt Ihr mir, junger Freund, wie Euch mein Lieb gefällt?"

„Herr, ich begreife nicht, warum Ihr Euch erlaubt, Euch in ganz spezieller Weise an mich zu wenben?" antwortete lebhaft Dluski, inbem er feinen Schnurrbart strich unb mit ber Spitze feines Fuße» auf ben Boden klopfte. Die Un­geduld, welche ihn über bie Neckereien bes alten Offizier» erfaßte, mußte sich wenigstens in ner­vösen Bewegungen Luft machen.

„Aber, Kamerad I Weil es die Pflicht aller gu­ten, alten Leute ist, die Jugend zu belehren", entgegnete sofort Treciak, indem er diese Worte scharf betonte. „Glaubt nur, DluSki, ein kluger Jäger wird niemals seine Zeit damit verlieren, einer unerreichbaren Beute nachzujagen! Ebenso muß man handeln mit Bezug auf — nun auf jede andere Gattung Wild!"

AIS der alte Offizier sah, daß den jungen Mann nun wirklich der Zorn packte, zog er ihn, — ihn noch immer am Knopf seine» Rocke» fest­haltend, in eine Fensternische, während alle an- Sem, lustig geworden, den Refrain seine» Liedes wieder Hollen.

„ES ist ganz unnütz", sagte er, „Euch zu är­gern, junger Kamerad 1 , Werl ich mich al» Dei­nen Freund fühle, wie ich bereit» jener Deines Vaters war, benütze ich die Gelegenheit um Dir einen guten Rat zu geben. Glaub' mir! Zeige unserer schönen Marynia, die in Zukunft nun einmal, — leider GotteS — Frau Starostin ist, nicht zu viel Ergebenheit, kein zu lebhafte» In­teresse! Da ihre Wahl getroffen, ihre Hand be­reit» vergeben ist, — so denke nicht weiter an sie, mein armer Jungel. Du hast da nicht» zu hoffen und au erwarten 1 Hingegen könntest Du dfr

Aermsten schweren Kummer bereiten, indem Du den Zorn und das Mißtrauen ihres Gatten wach- rufftl"

„Aber, Herr, niemand achtet die Frau Sta­rostin bober als ich, — niemand hat eine unbe­grenztere Verehrung für diese holde Frau! Trotz alledem aber kann ich nicht anders, als sie an­beten, da sie so gut und so schön ist!"

„Nun ivohl, junger Freund, bete sie aus der Ferne an, wie eine jener wunderbaren Heiligen auk mehreren alten Bildern, die niemals zu uns sprechen, niemals zu uns herniedersteigen, denen man aber trotzdem fortwährend Kerzen und Blu­men auf ihren Altären darbringt I---Du

kennst nicht wie ich den Hieronymus Koszowacki, mein lieber Kamerad, und Du weißt nicht, wessen der Elende fähig ist, wenn er sich im Rechte glaubt, sich zu verteidigen und zu rächen!"

„Aber,, Herr! Fünfzig Starosten Koszowacks können mir keine Angst emjagen, da» werdet Ihr mir doch hoffentlich glauben! Wenn man fein reines Gewissen hat, seinen starken Arm und feine brave Klinge . . . ."

„Ganz richtig, mein junger Freund! In Dei­nem Alter dachte ich genau fo, tote Du! Und fo soll auch tatsächlich jeder brave und tapfere Edel- mann denken! Nur — glaub mir — spare Dir all da» für passendere und besser« Gelegenhei­ten! . . . Wir leben in unruhigen Zeiten; blick nur um Dich! Wer weiß, ob Du nicht bald jene zu unterstützen, zu verteidigen, zu rächen haben wirst, die Dir höher stehen muß als alle irdischen Träume, — höher als jede» Weib und jede Liebe: bie Erde, die Dich trägt, bie arme, liebe Heimaterbel — Wenn Du aber Deines Jung­gesellenlebens nrübe bist, mein Junge, wenn da» Alleinsein Dich bedrückt, fo brauchst Du ja nur ein Wort zu Tagen, brauchst nur zu wählen! ES fehlt uns ja, Gott sei Dank, in der nächsten Näh« nicht an hübschen und frischen Gesichtchen, — an liebenswürdigen und begehrenswerten jungen Mädchen. So »u$n Beispiel die reizende Aline,

die älteste Tochter des Richters. Wahrhaftig, wenn Du einmal die Lust verspürst, ihr liebe Dinge zu sagen, meiner Treu, ich würde Sa» nur zu begreiflich finden! Lebhaft, anmutig, blond und zierlich, aus guter Familie, heiter, klug und wohlerzogen, hat sie alles, was die Ehr« und Freudes eines Hauses ausmachen kann! Sie wird ebenso gut, — ich gib Dir mein Wort dar­auf, — in ihrem Salon al» große Dame auf­treten, als ihre Speisekammer überwachen, über französische Romane plaudern, Konfitüren zube­reiten, Sie große Wäsche leiten und ein höfische» Menuett tanzen. Und da» alles verlangst Du doch, wie ich Dich kenne, von Deiner Frau, nicht wahr, mein lieber junger Freund? Das alles verlangt man heutzutage von der Gattin eine- Edelmannes!"

»Ich sage nicht nein, — es mag wohl möglich sein", antwortete der arme Phadäsu», dessen Ge­sicht sich freudig aufgehellt hatte, als er nur Mcr- rynias Namen hörte. Doch schien er vollkommen teilnahms- und interesselos, als er Treciak von der Tochter des Richters sprechen Hörle. „Tat­sache ist jedoch, Herr Offizier, daß ich für den Augenblick nicht die geringste Lust verspüre, mich zu verheiraten! Und da ja, tote Ihr selbst sagt. Sie Zeiten unruhig find, so liegt darin für einen Soldaten ein Grund mehr, Junggeselle zu blei­ben, um sich im Notfall furchtlos töten zu lassen, weil man kein Weib, keine Kinder hinterläßt! --Im Augenblick jedoch geht'S zur Jagd und nicht zum Kriege, und da Ihr daran nicht teil« nehmt, werde ich alles Gute, was mir das Jagd- glück bietet, für mich behalten!"

Indem er diese Worte mit einem halben Lä­cheln beendete drückte der junge Offizier dem al­ten kräftig die Hand und entfernte sich. Dann gesellte er sich zu Stanislaus, Antoni und den Treibern, welche eben die Lasttiere vorführten.

Treciak blickte ihm eine Weile kopfschüttelnd nach, dann nahm er den Arm seines Freundes, de» Richter», um sich mit ihm über den Hof zu byt VeMäLerv de» Schloßherrn zu beaeben.