Einzelbild herunterladen
 

MaerW

wochmbeuage: „Illustrierte Somitagszeitung"

35. Jahrstanfl

Fulda, Montag den 21. September 1908.

JW 217

Erstes Matt

gegen die Elektrizitätssteuer stand Bay­ern so gut wie allein: es war schr bemerkens- wert, daß Württemberg gar keinen Widerspruch erhob und daß Baden gar schnell in die Arme des Reichskanzlers fiel. Die Ausdehnung der Erbschaftssteuer ging am glattesten Lurchs da Herr v. Rheinüaben nachgegeben hat und sich auf die Konservativen verläßt, daß sie diese libe­rale Rosine nicht schlucken werden.

So ist der erste Schuß gefallen und sein Echo war nicht sehr vielversprechend. Aber die Sache wird sich schon machen. Freisinnig« Abgeordnete erklären mit aller Bestimmtheit, daß s i e die Re­form machen werden und das glauben wir auch. Man kann mitarbeiten und wird mitarbeiten, aber man täusche sich nicht über das Schlußresul­tat. Der Block bringt die Steuern fertig, La der Freisinn ganz darauf versessen ist, sie zu machen und schließlich alle Knödel schlucken wird.

selber Hause hat man eS von jeher nicht fehlen lasten. Wir erinnern an das Telegramm an den verstorbmen Grafen Ernst, den Vater Leo­polds, worin sich der Kaiser den Ton eines gräflichen Schreiben- verbat, und das andere Telegramm des Kaisers, in dem er eS ablehnte, die Truppen des lippeschen Kontingents auf den Fürsten Leopold vereidigen zu lasten, nachdem dieser zur Regierung gelangt war. Wie die neuesten Vorgänge lebten, hat sich die Neigung des Kaisers dem Biesterfelder Hause immer noch nicht zugewandt, trotzdem doch schon eine Reihe von Jahren ins Land gegangen ist seit dem Schiedsspruch des Reichsgerichts zu ungunsten der mit dem Kaiser verschwägerten anderen Lippischen Linie, der Schaumburger.

* Der Oder»Spreekanal soll ausgebaut werden. Die Steigerung des Verkehrs auf dieser Wasserstraße macht eine Verbreiterung und eine Vertiefung erforderlich, womit auch eine Umgestaltung der Schleusen verbunden sein wird.

* Darmstadt, 19. Sept. 1908. Heute vor- mittag ist die bis zum 23. d. M. hier tagende Konferenz der deutschen Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschasten eröffnet worden.

* Freiburg, 19. Sept. 19u8. Nach längerer Krantheii ist hier der Landtagsabgeordnete Amts- gerichtSdirektor Emil Armbruster, ein Mitglied der Zentrumspartei, gestorben. Er hat sich viel mit sozialer Wohlfahrtspflege beschäftigt.

werden, daß er ein Feind jeder positiven Religion, ein Förderer der. sogenannten Humanität, d«S dogmenlosen Christentums, des religiösen Jndiffe« rentismus war. Daß ein solcher Mann einem Blatte, desten Grundsatz die Farblosigkeit ist, al» Heiland und Gott verehrungswürdig erscheint, ist ja schließlich begreiflich: — verwandte Seelen finden sich; — aber ein starkes Stück ist es doch, auch anderen Leuten den Haster des Christen­tums, den frivolen Verächter der sittlichen Gebot« als „ewiges Heil", als „Erlöser" zur Verehrung zu präsentieren. Goethe als Dichlerhervs in Ehren, Ehre auch der „Frau Rat", die seine Mutter war, aber daß ein jüdischer Verseschmied die Gottesmutterschaft Mariens, die den Christen heilig und ein hehres Geheimnis ist, in diefer Verbindung durch einen Vergleich herabwürdigt, und „Mutter und Sohn und jenen Geist" alS „höhere Dreieinigkeit" preist, das muß empören. Ein Blatt, das solche Verse wohlgefällig abdruckt und seinen größtenteils christlichen Lesern auf­tischt, beweist dadurch, daß eS nicht daß leiseste Verständnis für christliches Eme pfinden hat.

Und ein solcher Blatt wagt eS noch, gerade jetzt wieder auch in katholischen Gegenden, Un­mengen Papiers zu verschleudern, um Abonnenten zu ködern!

Erscheint täglich mit Aurnahme der So.nt= und Leiertage viertel­jährlicher veMgrpreir shne vringerlohn und vesteLgeldinZuldaso. rvieaurwSrtrl.svvlt.

vrrantw. vedatteurr

Earl Schütter für die Anzeigen:

Z.parzeLer in Zulda.

* Der Kaiser ist auS Ostpreußen Samstag morgen tn Hubertusstock einqetroffen. Die Kaiserin ist vom Neuen Palais edeusalls dort eingetrofsen.

* Der Kaiser und bas Fürstenhaus Lippe- Detmold. Nach Zeitungsmeldungen erregt in Lippe-Detmold em neuer, das Verhältnis des Kaisers zumLippischen Fürstenhause betreffender Fall Aufsehen. Die „Lippische Landeszeitung" teilt mit:

Prinz Bernhard, der Bruder d«S regierenden Fürsten Leopold, vor wenigen Monaten zum Eskadron- chef im Husaren-Regiment Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. KurhesstscheS) Nr. 14 in Kassel ernannt, hat sein Abschiedsgesuch eingrrercht, wie man sagt, auS dienstlichen und persönlichen Gründen. Dies« Gründen knüpfen sich in erster Linie an die jüngsten Kavallerie-Hebungen in der Senne, an denen sich auch Prinz Bernhard mit seiner Schwadron be­teiligte. Während dreier Hebungen fühlte sich der Prinz durch den Kaiser dermaßen zurück- gesetzt und gekränkt, daß er sofort sein Abschieds- gesuch einreichtr. Selbst das dringende Ersuchen der treuesten Freunde des Prinzen haben ihn in seinem Entschluß nicht zu erschüttern vermocht. Bisher rft eise Entscheidung des Kaisers noch nicht erfolgt.

Sieben diesem Vorgang zählt die „Lippische LandeSzeitung" noch eine große Zahl anderer Unfreundlichkeiten gegen den Fürsten Leopold auf und knüpft daran einen feierlichen Protest. — An Unfreundlichkeiten gegenüber dem Biester-

veutsches Reich,

X Interparlamentarische Union.

Die letzte Sitzung am Samstag war äußerst schwach besucht. Es wurde eine abgeänderte rumänische Resolution angenommen, wonach dir dritte Haager Friedenskonferenz sich mit einer Kodifikation des internationalen öffentlichen Rechtes unter Verwertung der besonderen, vom Institut sür internationales Recht geleisteten Vor­arbeiten beschäftigen soll. — Bei der Revision der Statuten der Interparlamentarischen Union wurden mehrere unwesentliche Anträge angenom­men. Unter den neu ernannten permanenten Mitgliedern deS Interparlamentarischen Rates befinden sich auch Prinz Schönaich-Corolath. Als Ort der nächsten Tagung im Jahre 1911 kommt Kanada in erster Linie in Betracht. Nach den üblichen Dankesreden wurde der Kon­greß geschloffen.

SamStag nachmittag waren die Mitglieder deS Interparlamentarischen Kongresses Gäste deS Reichskanzlers bei einem von diesem ver- anstalteten Gartenfest; abends fand ein festlicher Empfang der Stadt Berlin im Rathaus statt.

Ausland.

* Aus Marokko kommen vereinzelte Nach­richten über heftige Kämpfe auS dem Riff­gebiet, die anfangs der letzten Woche stattfanden. Von 5000 Riffleuten wurde daS Lager de- Rogi umzingelt. Die Zahl der Toten und Ver- rounbeien soll angeblich 300 betragen. Die Riff­ieule machien große B ute und sind nun durch Ueberläufer aus den Reihen des bisherigen Rogi- Anhangs mächtiger geworden als je zuvor. Wohl rüstet sich der Rogi mit der Reserve, die ihm in der Kasbahnisaun geblieben, zur Bekämpfung der Riffmahalla, aber ohne Aussicht auf Erfolg. Die Franzosen in Adjida. und Umgebung ver­halten sich dieser Hafid ergebenen neuen Macht gegenüber abwartend.

* Tie amerikanische Flotte ist von Albany in Westaustraiien nach Manila abgedampft.

Parteitag der Hessischen Zentrums» Partei.

S- Mainz, 20. Sept. 1908.

Der Patteitag des hessischen Zentrums toat aus dem ganzen Lande stark besucht und nahm einen glänzenden Verlauf. Am Vormittag trat das L a n d e s k o m i t e e zu einer mehrstündigen Sitzung zusammen. um für die Landtagswahl di« letzten entscheidenden Beschlüsse namentlich hin­sichtlich der Kandidatur zu fass«,. Um 2% Uhr strömten gegen 5000 Personen in den Riesensaal der Stadthalle. Nach Eröffnungsworten des Vorsitzenden des Landes-ausschusses, Abg. Justiz, rat Tr. Schmitt sprach

Landtagsabg. M o l t h a n - Mainz über die Wirtschaftspolitik des Zentrum». Tie Wirtschaftspolitik des Zenttums im Reich»- nnd Landtage liegt wie ein offene» Buch vor un» und beruht auf dem altbewährten Grundsätze: Gleiches Recht für alle! Mit dieser Fürsorge für alle Stände dient das Zentrum dem Gesamtwohl und dem sozialen Frieden, darauf ist aber zu­gleich auch das Geheimnis seiner Stärke und fei«

■ Anzeigen: vte ein.

{Silgr V J spaltigepttifteilcoder

JL A A A J AA deren Raum 15 pfg.

AeklmnendiepetitzeUe

JP ■ ■ M W 2» pfg., bei wieder.

E 1B tir W W II Illi Holungen wird «ntfpr.

M Spk. m W Rabatt gewährt.

«otationrdruüund

Verlag der Znldaer Ak- , -««ji ii «endruckerei inLulda Monatsbellage: „Fuldaer Geschichtrblatter" Fernsprecher Nr. 9.

Augen, versäumten arrch ihrerseits nichts, um das Gespräch nicht ins Stocken geraten zu lassen und die Mahlzeit angenehin und unterhaltend zu machen.

Nach Tisch zerstteute sich die Mehrzahl der Gäste in den großen Hof, welcher um das Herren- haus lief Einige begaben sich in den Pavillon des Cefononten. Stanislaus und Antoni berei­teten sich für die Hasenjagd vor und befahlen den Treibern, die Lasttiere zu satteln und alles für die Jagd Nötige in Ordnung zu bringen. Der Oberst und Freund TopszewSki sahen den Vorbereitungen für die Jagd zu und der erstere, — immer lebhaft wie ein Eichhorn und boshaft tote ein Affe, machte sich das Vergnügen, bei die­sem Anlaß Phadäsus Dluski zu necken:

„Bevor Ihr auf die Jagd geht, mein junger Freund," begann er, indem er ihn spöttisch von der Seite anblickte und ihm die Hand auf die Schulter legte, „wäre es eigentlich ganz ange­bracht, ein kleines Lied zu singen. Was meint Ihr, der Augenblick scheint mir gut gewählt, da wir gerade von Tische kommen!"

„Ich habe nichts dagegen einzuw«tt>enl" ant­wortete der junge Mann mit gletchgilttger Miene. „Nur erkläre ich, daß nicht ich e8 bin, der Euch eins zu hören geben wird!"

„O das tut nichts! Eine klein« Flasche To- kryer wird mir selber die nötige Lust dazu ma- chen. Ich habe noch immer ein gutes Gedächtnis und ein Restchen Stimme. Ich will Euch, wenn Ihr eS hören wollt, einer der hübschesten Lieder au» meiner Jugendzeit singen. Rur bitt ich Euch, Herr Phadäsus, hört mir gut zu! Denn für Euch besonders werde ich e8 singen r

Und der ehemalige Offizier räusperte sich, warf sich in die Brust, kreuzte die Arme über der­selben und warf den Kopf zurück. Alle andern standen um ihn und watteten stillschweigend, im Vorau» schon bereit, dem Gesang vollstes Lob zu spenden. Als Treciak all die unbeweglichen Stir­nen und alle auf ihn gerichteten Äugen sah, rich-

... Das Vorspiel zur Reichsfinanz- reform.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben: Eine Reihe einzelstaatlicher Minister- Präsidenten und noch mehr Finanzminister waren in der letzten Woche in Berlin, um einer Sitzung des Bundesrates anzuwohnen. Herr Sy- dow legte seine Pläne vor: aber eine endgültige Entscheidung in allen Einzelheiten ist noch nicht getroffen. Um im Bundesrat ein einigermaßen zutreffendes Bild zu geben, hat der Reichsschatz- fekretär, wie schon berichtet, zuvor Vertreter aller bürgerlichen Parteien bei sich gesehen. Die Konferenzen dauerten von Montag bis Don­nerstag. Sydow nahm die Wünsche der einzelnen Parteien entgegen, diese hinwieder seine Vor­schläge. Aber man kann nicht sagen, daß die Par­teien von den Projetten sehr erbaut gewesen wä- ren; im Gegenteil, allgemein hieß es: daß der Reform jeder große Zug fehle, daß sie nur ein zusammengestoppeltes Machwerk von alten Steuervorschlägen fei, und daß man den Eindruck gewonnen habe, man wolle eben lediglich 500 Mill. Mark neue Einnahmen haben, wie, das fei ganz egal. Die Konservativen scheinen schon vorher die Sache gekannt zu haben, denn von ihnen war nur ein einziger Abgeordneter erschienen.

Nicht viel fremtdlicher war die Ausnahme der Einzelprojekte im Bundesrate; die Kritik hielt nicht zurück. Einige südeutsche Mi­nister nahmen kein Blatt vor den Mund und erklärten rundweg, daß es nicht mehr wie bisher weitergehen könne. Besonders lebhaft trat der Wunsch hervor, daß ausreichende Mittel zu schas­sen seien, denn die Einzelstaaten könnten nicht mefjr die Matcikularbeiträge wie in den letzten Fahren leisten. Um dieser Last zu entgehen, er­klärten sich einzelne Minister zu sehr weitem Ent­gegenkommen bereit. Aber trotzdem ergaben sich bet der Einzelbesprechung der Projekte noch sehr erheblicheMeiuungsverschiedenh ei­te n.

Die Frage der B i e r st e u e r ging Verhältnis- mäßig glatt durch, da der Bundesrat schon 1906 litt allgemeinen dasselbe gefordert hatte, was heute Sydow wünscht. Rund 50 Mill. mehr soll die Bierquelle fließen lassen. Bei der T a b a k st e u er wurde u. a. auch der von nationalliberaler Seite angeregte Gedanke eines Rohtabakmonopols ein- gehend besprochen und es ist nicht ausgeschlossen, daß dieses Monopol Annahme findet. Das Reich kauft dann den Tabak ein und versteigert ihn weiter. Die Banderolensteuer wurde im Bim- desrate von mehreren Seiten ebenso bekämpft wie von allen Parteien in den Unterredungen mit Sydow. Das Br anntweinmonop ol kann nach dem heutigen Stande der Dinge als aufge­geben angesehen werden, da immer mehr die Zahl jener wächst, die dieses Monopol schon aus finan­ziellen Gründen für verfehlt halten. Auf der einen Seite stehen die Produzenten, die nach immer höhe­ren Preisen rufen werden ,auf der anderen Seite fordert das Gewerbe stets niedrige Preise; das Reich steht zwischen beiden Mühlsteinen, und er­hält am Ende gar nichts oder jedenfalls nicht mehr die 120 Mill. Jt, die heute die Steuer einbringt. Gegen die SBeinfteuer wurde besonders von den Vertretern Württembergs und Badens Ein­spruch erhoben und darauf hingewiesen, daß man bei Gründung des Reiches beiden Staaten zuge­sagt hat. daß das Reich keine Weinsteuer einfü- ren werde. Mit Recht wurde schon in den Vor­besprechungen mit den Abgeordneten betont, daß diese Steuer nicht viel einbringen werde, daß sie aber ganze Existenzen vernichte. Im Kampfe

Indem er so sprach, blickte der gute Treciak, ohne selbst zu wissen, warum, den Schloßherrn an, alS ob er erwarte, daß Herr Bychowski irgend welche Aufklärungen über die Abstammung des jungen Kofaken geben könne. Zu feinem großen Erstaunen jedoch sah er, wie Marynias Vater er- blercht«, den Kopf finken ließ, sich erhob und, ohne ein Wort zu sprechen, das Gemach verließ.

„Wie seltsam!" dachte er. „Und ich dachte, daß er sich in LobeSäußerungen über diesen braven Jungen ettchöpfen, oder doch wenigstens ein Paar anerkennende Worte für tiefen Helden haben würde, der unfern Liebling gerettet hat!"

Wer konnte auch ahnen, waS in diesem Augen- blick in ber Seele des alten EdelmanneS vor­ging? —

Ein paar Minuten später erschien Jgnach und kündigte an, daß daS Frühstück serviert sei; Frau von Bychowska beeilte sich, es selbst ihrem Gatten mitzuteilen, um ihre Gäste nicht warten zu lassen. Als sie jedoch die Türe seines Zimmers öffnete, hotte er sie nicht einmal eintreten, lieber diese Stille erstaunt, näherte sie sich rasch und sah den alten Mann auf feinem Betschemel kniend. Auf dem Pult vor ihm lag fein Gebetbuch, aus wel­chem er andächtig die Gebete für die Toten las.

Bei dem leichten Geräusch ihrer Schritte erhob Bychowstt den Kopf und blickte sie an. Da trat sie zu ihm unb drückte ihm zärtlich die Hand, da sie in feinen Augen Tränen glänzen sah, deren Grund sie nur zu gut kannte.

Glücklicherweise war die Mehrzahl der Gäste von Kruto-Horby fröhlich oder jung genug, um dem Frühstück «ne animierte Stimmung »u ge­ben. Auf Seite der Herren trugen StamslauS und Phadäsus, der alte Offizier und der Richter die Kosten einer ebenso lebhaften al» abwechs­lungsreichen Unterhaltung, sodaß die Traurigkeit de» Schloßherrn ziemlich unbemerkt blieb. Die gute Frau von Bychowska, ihre Freundin, die Präsidentin und die beiden Töchter de« Richter», zwei junge, hübsche Blondinen mit klaren blauen

tete er sich noch stolzer auf und begann mit hoher und noch klarer Stimme:

„Gefährten kommt, kommt mit zur Jagd!

Benn der Morgen erwacht.

Erreicht der Haie durchs Feld

Seht wie er läuft uns flieht!

Uerdr, Treiber und Hund

Setzen eilend ihm nach

Der Dachshund beißt zu — gefangen ist da» Wild!

Der Hase ist tot! Hurah!

Gefährten kommt, kommt mit zur Jagd l

Wenn der Morgen erwacht,

Streicht der Marder burcM Gehölz!

Seht rott er läuft und flieht!

Pferde, Treiber und Hunde

Setzen eilend ihm nach.

Die Brake beißt zu, gefangen ist das Wild!

Der Marder ist tot! Hurrah!

Gefährten kommt, kommt mit zur Jagd 1

Wenn der Morgen erwacht.

Streicht der Falle durch den Wald!

Seht wie er fliegt und flieht!

Unsre Büchse im Anschlag

Die trifft, die trifft gut!

Der Schuß erkracht, die Kugel fällt

Der Falke ist tot! Hurrah!

Der alte Offizier hatte die paar Strophen mit feiner ganzen Jägerbegeisterung und Solda­tenkraft gesungen, während alle Unfftehenden den Refrain begleiteten. Ehe er die vierte Strophe begann, wandte er sich lebhaft gegen Phadasu» und begann mit weicherer und fröhlicherer Stim­me, wahrend ein boshaftes Lächeln um seine Lip­pen spielte:

Kameraden kommt, kommt mit zur Jagd l

W nn der Morgen erwacht.

Zieht ein Mädel durch den Wald,

Seht wie es eüt und flieht!

Hoch klopfen die Herzen,

Sauter Jubel erschallt,

Di« Liebe führt und nimmt gefangen das Kind.

Die Liebe lacht! Hurrah!

sFottletzuna foäL..

6 Im »Frankfurter Generalanzeiger dichtet ein tüchtiger Sänger, Herr Moritz Goldschmidt, zur 100jährigen Gedenkfeier des Todes von Goethes Mutter in Nr. 216 folgende Verse:

„Sie wollte nur Frau Aja fein, Sonst abhold allem Ruhme: Sie schloß ins enge Haus sich ein Und schuf's zum Heiliftume.

„Geklärien Sinn's das Herz erhellt. Doch test bei Martin Luther, War eines Heilands dieser Welt Eie freudenreiche Mutter —

„Des Heilands, der auS welscher Macht Befreite Deutschlands Herzen, Anzündete nach banger Nacht Des Frohsinns lichte Kerzen —

„Gottloser Weltenkinder Gott, Erlöser trübsten Tagen — Und niemals doch, zu Nied'rer Spott, Ans bitt'ie Kreuz geschlagen.

Frau Aja, Deiner heute denkt Mit Jubelmelodien

Die Welt, der Du ein Heil geschenkt. Ein ewiges, gleich Marien.

„Ja, höhere Dreieinheit preist Em Freibund weiser Toren: Mutter und Sohu und jenen Geist, Dem sie den Sohn geboren."

Welche Götter die Herren vom frankfurter Generalanzeiger^ verehren, ist uns gleichgiltig; wir werden sie nicht stören, wenn sie den Olympier von Weimar auf ihre Altäre stellen, ihn mit Weihrauchwolken umnebeln, daß es dampft und sich platt vor ihm auf den Bauch legen, um ihn «nzubelen. Das christliche Volk aber sollten sie mit diesem Goethe-Götzendienst verschonen. Ein gläubiges Gemüt empfindet es geradezu als Beleidigung, wenn man ihm Goethe als Heiland und Erlöser ausschwätzen will, dazu fehlt ihm doch noch verschiedenes. Goethe wird als uni­versalster unter den deutschen Dichtern nicht ver­gessen werden, eS wird aber auch nicht vergeflen

Hyrnttr der Kosak.

Von Marcel Etienne.

11] (Nachdruck verboten.)

„Mein lieber Bychowsky," erklärte der Offi­zier, dessen Art als alter Krieger es war, stets offen und frei seine Meinung zu sagen: „Ich sage und behaupte, daß man zum mindesten einen Hauptmann aus diesem tapfern Burschen machen sollte. Ich erinnere mich nicht, — nicht einmal auS den schönsten Zeiten meines Regimentes, viele Männer von dieser Art kennen gelernt zu haben."

„DaS ist wahr", sagte nun auch der Richter. „Solche Züge von Tollkühnheit und Ergebenheit, eine so vollkommene Verachtung jeglicher Gefahr scheinen beinahe unmöglich! Man könnte es fast nicht glauben, wenn wir hier nicht den leibhaf­tigen Augenzeugen der Tatsachen vor unS hät­ten!"

„Um so mehr, als die Leute hier im allgemei­nen große Furcht vor Wölfen haben", begann Tre- ciak von neuem, der nicht müde wurde, Dymitrs Tat zu bewundern „Woher mag er stammen, die­ser junge Kosak, daß er sich zugleich so tapfer und so geschickt zeigt? Ich glaubte, daß solche kühne Männer kaum hier zu finden seien. Ich habe ge­hört, daß man heutzutage nur noch sehr weit von hier, — im Osten, bei den Zaporogen, oftmals solch unerhörten Mut antrifft!"

„Nun, wer kann es wissen? Vielleicht ist Ty- mitr ein zap<.rogischer Kosak", nahm hier der Prä­sident daS Wort, der neben seiner Gemahlin in das Zimmer getreten war.

„Ach, das glaube ich nicht! — da ihn ja Se. Gnaden, der Wojwode von Kiens, dem Herrn Hie­ronymus geschenkt hat! — Jedermann weiß ja, baß der Herr Wojwode und die Zaporogen nicht gerade in großer Freundschaft mit einander le- |enJ'