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Rotationrdrucknnd Verlag der Lnldaer Ak» ttendruckerei in Kuka Zernsprecher Ur. 9.

JW 216.

Fulda, Samstag den 19. September 1908.

35. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt.

Wochen-Rundschau.

tt Fulda, 18. September 1908.

Am Freitag beging der.hL Vater sein goldenes Priesterjubiläum. In un­serer Diözese ist dieses denkwürdigen Ereignisses bereits am 29. Juni, am Feste der Apostelfürsten durch kirchliche und weltliche Feiern gedacht wor­ben. In Rom selbst ist bekanntlich die offizielle Feier des Jubiläums auf den 16. November, Len Tag der Bischofsweihe des hl. Vaters, verschoben.

In N ü r n b e rg verarbeiten sich die „Genos­sen" gegenwärtig in der Hitze des Gefechtes ge­genseitig die Köpfe. Man hatte zwar noch ver- ucht, durch Verhandlungen zwischen den Führern >er beiden, Strömungen innerhalb des sozial» »emokratischen Lagers die große Kluft zwischen ben Radikalen und Revisionisten einigermaßen zu itberbrücken, um dann der Oeffentlichkeit das täuschende Bild der Einigkeit der „Genossen" zu bieten. Dieses Kunststück versagte aber, indem die Süddeutschen auf die schroffen Untetroer- sungsbedingungen des Parteivorstandes nicht ein­gingen.

Trotz der Friedensworte des deutschen Kaisers in den Tagen der Manöver in Elsaß-Lothringen hört die Pariser Presse mit ihrer Hetze gegen Deutschland nicht auf. Man kann es da­selbst anscheinend immer noch nicht verwinden, daß die französische Regierung mit ihrer M a- rokkopolitik so glänzend hereingefallen ist. Die franz ösisch-spanische Note ist end­lich den Mächten mitgeteilt worden. Die Haupt­forderungen der französischen Regierung zur An­erkennung Mulay Hafids gipfeln in dem Beitritt des neuen marokkanischen Sultans zur Algeciras- akte. Die Rückzahlung der französischen Unkosten während der Marokkokämpfe wird nicht zu einer Vorbedingung der Anerkennung Mulay Hafids gemacht. Das ist wenigstens etwas Gutes an der Note. Sonst stecken noch Fußangeln genug da­rr». In den praktischen Vorschlägen, welche die Note macht, ist reichlich für französische Sonder­interessen gesorgt. Mulay Hafid soll z. B. die ^Rechte" Frankreichs und Spaniens betreffend den Vafsenschmuggel erst anerkennen, ferner auch die amtlichen Verpflichtungen des Maghzen gegen­über Privatpersonen, d. h. französischen Speku- lanten, vorher übernehmen. Sehr bedenklich ist >ie weitere Bindung, daß er den „heiligen Krieg" ärmlich und feierlich widerrufen soll; da ein eigentlich heiliger Krieg nicht proklamiert worden ist, so könnte der verlangte Widerruf nur den Sinn haben, daß Mulay Hafid die Marokkaner verpflichten sollte, sich jedes Widerstandes gegen die von Südosten und Pom Westen vordringenden französischen Truppen zu enthalten. Durch einen solchen Akt der Knechtseligkeit würde er sein An­sehen beim Volk aufs Spiel setzen. Und wenn überhaupt die Kriegsfrage angeschnitten wird, so kann Mulay Hafid mit Fug und Recht Gegen­seitigkeit verlangen: Soll er dem „heiligen" Krieg ein Ende machen, so müssen die Franzosen auch mit dem unheiligen Krieg aufhören, den sie unter allen möglichen und unmöglichen Vorwän- den von links und rechts in das Land hinein- tragen.

Katholiken sind in den Augen vieler Vogel- frei. Das ist die Frucht der konfessionellen 23er- hetzung: der feine wie der gemeine Pöbel übt Anwalt. Gott sei Dank, möchte man mit dem Bekennerbischof ausrufen, man wendet Gewalt ______'■-=

Unpolitische Zeitlaufe.

(::) Berlin, 17. September 1908.

(Nachdruck verboten.)

Am 18. September find 50 Jahre verflossen seit dem Tage, als die Bauernfamilie Sarto aus Riese der Priesterweihe ihres Sprößlings Jo­seph beiwohnte. Vor 50 Jahren trat als schüch­terner Jüngling zum ersten Male an den Altar, der heute als Hohepriester der Kirche Gottes auf Erden vorsteht. Die Eltern und Geschwister wa­ren stolz, als ihr Joseph Dorfkaplan wurde. Wer ahnte den Aufstieg, zum Bischof, zum Patriar­chen, zum Papst!

An den Fingern waren sie abzuzählen, die vor 50 Jahren um den neugeweihten Priester Joseph Sarto den Festkreis bildeten. Aber wenn er jetzt den goldenen Gedenktag begeht, so bildet die ganze Welt den Festkreis; denn der arme, bescheidene Jüngling von Riese ist zum Vater der Welt geworden.

, Mit Recht hat man die Feier ein Fami­lienfest genannt. Jawohl, wir wollen es be­gehen, wie treue Kinder den Jubeltag ihres ge­liebten Familienoberhauptes. Dabei wollen wir uns aber recht klar machen, welch' eine herrliche, iDunberbare Familie das ist, der wir anzugehören tue Ehre und den Segen haben.

. Eine grenzenlose Familie! Sie kennt ckeine räumlichen und keine zeitlichen Schranken, Leine nationalen und sozialen Scheidungswände.

Törichte Gegner glauben der katholischen -Kirche einen Vorwurf daraus machen zu können, daß sie international sei. Und doch ist es «erade ihr Vorzug, ihr Ruhm, ihre Wahrheits- liebe Gott ist hocherhaben über alle natürlichen Besonderheiten der Nationen und über olle künstlichen Grenzstriche,welche die menschlichen Etaatskunste ziehen. Die Offenbarung Gottes ist international, di« Erlösung ist universal, die Kirche Christi muß international und weltum- ftannend sein, — oder sie ist nicht die wahre Kirche dessen, der alle Völker zu belehren und zu laufen befohlen hat.

an! Denn dann wird das katholische Volk wis­sen, waS die Stunde geschlagen hat, und sich zu entschiedener Verteidigung seiner Rechte aufraf­fen. In Rumburg, wo der böhmische Katho­likentag stattfand, wurden die Teilnehmer (auch Damen I) in der gröbsten Weise insultiert, von den brüderlich vereinten Nationalen und Sozial­demokraten; und in Pest wurde am Sonntag eine katholische Prozession mit Steinen angegrif­fen, sodaß die Polizei mit blanker Waffe die Rowdies zurücktreiben mußte. Es schien fast, als ob auch im freien England das Faustrecht triumphieren werde. Denn protestantische Kreise warnten die Regierung, die Eucharistische Pro­zession zuzulassen, da die Sicherheit gefährdet werden könnte. Das war deutlich. Und der Ministerpräsident wich feige zurück und verbot die kirchliche Gestaltung des Zuges auf Grund des Gesetzes von — 1829.

Die Reichst agsersatzwahl int Wahl­kreise Speyer-Ludwigshafen hat mit dem Siege des sozialdemokratischen Kandidaten Binder geendet, auf den nach den bisherigen Nachrichten 21837 Stimmen entfielen, während der Liberale Buhl mit 12 607 Stimmen unterle­gen ist. Nachdem die entrumspatei keinen Kan­didaten ausgestellt hat, war ein anderes Resul­tat nicht zu erwarten. Auch bei dieser Ersatz­wahl hat sich wieder die charakteristische Erschei­nung gezeigt, daß der Blockliberalismus bei den Nachwahlen schlecht abschneidet. So war's bei der Ersatzwahl für Mülhaufen-Langensalza, in der der charakterlose Freisinn nicht einmal mehr in die Stichwahlen gelangen konnte, so war's im sächsischen Wahlkreise Glauchau-Merane, wo die Blockparteien fast 800 Stimmen verloren, und so war's auch in Speyer-Ludwigshafen, wo der So­zialdemokrat um 3298 Stimmen mehr erhielt, als in der Hauptwahl 1907, während der Liberale einen Rückgang von 1140 Stimmen zu verzeich­nen hat. Die liberale Presse ist schnell mit der Behauptung bei der Hand, ein Teil des Zen­trums habe trotz der proklamierten Wahlenthal­tung für den Sozialdemokraten gestimmt. Diese Behauptung ist natürlich ganz beweislos; wenn tatsächlich einige wenige Zentrumswähler für Binder gestimmt haben sollten, so hätten das lediglich die Liberalen selbst verschuldet, die durch ihre Hetze gegen das Zentrum anläßlich der Kan­didatur Posadowsky nur Erbitterung in die Zen­trumsreihen hineingetragen haben. Die Erklä­rung für den Rückgang der Blockstimmen und die Mehrung der sozialistischen Stimmen bei den Nachwahlen ist sehr einfach: Der Blockspiritus ist verflogen und damit erhalten die Sozialdemo­kraten die im Blockrausch verlorenen Stimmen allmählich wieder zurück. Der Ausgang dieser Wahl hat übrigens auch noch den Beweis gelie­fert, daß Graf Posadowsky durchgefallen Ware. Damit ist die Haltung des Zentrums in dieser Kandidatenfrage vollauf gerechtfertigt.

In der Türkei selber würde bereits ziem­lich Ruhe und Ordnung herrschen, wenn man den Behauptungen der türkischen Blätter Glauben schenken könnte. Aber einzelne kleinere Meldun­gen, die trotz aller Vorsicht noch durchsickern, zei­gen, daß die Wirren in manchen Gebietsteilen der Balkanhalbinsel noch keineswegs beseitigt find. Besonders die bulgarischen und griechischen Bandenführer können es immer noch nicht unter­lassen, durch Mordtaten auf die politischen Er­eignisse einen Einfluß ausüben zu wollen. Was den Konflikt zwischen den türkischen und b u lg a r i s che n Regierung betrifft, so regt er einstweilen die Mächte wenig auf. Von dem Ausgange des Konfliktes hängt für Bulgarien

Auch vom Gesichtspunkt der menschlichen Kultur aus ist die Weltweite der katholischen Familie erhaben und segensreich. In früheren Zeiten, als der Mangel an Verkehrsmitteln und die Enge des Blickes die Wechselbeziehungen zwi­schen den verschiedenen Völkern erschwerte, sorgte die Kirche für die heilsame Verbindung, die zu einer gegenseitigen Befruchtung und Förderung in allen Fortschritten der Wissenschaft, der Kunst der Technik notwendig war. Inzwischen haben sich die Verkehrsmittel so verbessert, daß tatsächlich die ganze zivilisierte Welt eine räumliche Einheit geworden ist. Aber mit dieser äußeren Annähe­rung sind die Interessengegensätze verschärft wor­den. Da trägt nun die Einheit auf religiös- kirchlichem Gebiete wesentlich dazu bei, die Miß­verständnisse und Reibungen zu mildern, der Ueberfpamtung des nationalen Gefühls vorzu­beugen, dem großen Gedanken der allgemein­menschlichen, weltbürgerlichen Solidarität zur Geltung zu verhelfen. Die universelle Kirche hat seit Jahrtausenden das gefördert, was jetzt die Vorkämpfer der modernen Kultur so eifrig an- streben mit mannigfaltigen Mitteln und Wegen: durch Eisenbahnen unb Dampfschiffe, Weltpost­verein und Funkenstationen, Weltsprache und Austausch von Professoren, Studienfahrten und internationale Kongresse aller Art. (Heut ist ge­rade in Berlin der interparlamentarische Frie- denÄkongreß, gebildet aus Volksvertretern der verschiedenen Länder, feierlich eröffnet worden.) Die katholische Kirche ist bahnbrechend der moder- nen Kultur borauSgegangen. Wer heutzutage noch behauptet, daß die weltbürgerliche Groß* herzigkeft sich nicht mit dem gesunden National­bewußtsein vereinigen lasse, der ist ein Papagei, der unverstandene Wörter nachplappert. Neben­bei bemerkt, suchen die protestantischen Religions­gemeinschaften, die ursprünglich auf ein bestimm­tes Staatswesen zugeschnitten waren, die Gren- zen ihrer Tätigkeit mit aller Kraft und Kunst weit und weiter auszudehnen, möglichst bis an die Enden der Welt. Wir aber wollen uns freuen und stolz darauf fein, daß wir einer christlichen Familie angehören, die grundsätzlich und in der Wirklichkeit über alle Erdteile und alle Nachkom-

eventuell die völkerrechtliche Anerkennung feiner Selbständigkeit ab.

Die Lage in P e r f i en hat sich in den letzten Tagen eher verfchlimmert, als gebessert. Die blutigen Kämpfe zwischen den einzelnen Parteien dauern im Norden an. Ob der Schah nach sei­nem letzten Mißerfolge in diesen inneren Wir­ren sich den russischen und französischen Rat­schlägen geneigt zeigt, das Parlament wieder einzuberufen, ist seinem ganzen Charakter nach mehr als zweifelhaft. Durch die Weigerung des Schah?, das Parlament wieder einzuberufen, ist aber vor allem die revolutionäre Bewegung in Nordpersien immer mehr gewachsen.

-t. Bom „Evangelischen Bunde" ht Hessen.

Allerlei für unsere Leser interessante Mit­teilungen enthält der Jahresbericht des „Haupt- Vereines des Evangelischen Bundes in Hessen- Kassel" für das Fahr 1907, der uns vor einiger Zeit zufällig in die Hände kam.

Danach hat der Bund, „der nur langsam und zögernd (?) das Gebiet der Politik betreten hat, es für feine nationale Pflicht gehalten, auch seinerseits in den Wahlkampf einzutrettn" und — so batte er noch beifügen können — durch Entfesselung des furor protestanticus den konfes­sionellen Riß in unserem Vaterland zu erwei­tern. Der Evangelische Bund betrachtet das allerdings als eine große Heldentat: „Die Be­geisterung, mit der unser Volk diesmal an die Wahl ging, ließe sich ohne öieJSr.beit des Evan­gelischen Bundes nicht erklären. Die SBerfung deutsch-pro test. Bewußtseins und die langjährige „Aufklärungsarbeit" (viele nennen es Hetzarbeit) des Evangelischen Bundes über die Gefahr des Ultramontanismus haben bewirkt, daß viele deutsche Wähler, die sonst fern zu bleiben pflegten, an der Wahlurne erschienen. Hierin liegt der Beitrag, den der Evangelische Bund zu dem so lange und heiß ersehn­ten Umschwung gegeben hat. Seine Arbeit ist nicht vergeblich gewesen. (Leider!) Tas ist sein Ruhm und sein Loh n." (Ein sehr zwei­felhafter „Ruhm.")

Aus dem Jahresbericht erfährt man auch — daß im Reichstagswahlkreis Fulda-Gers­feld - S ch l ü ch t e r n der Zutreiber für den „n a t i o n q I e n" Kandidaten Hengsberger nie- manö anders war, als der Evangelische Bund. Der Bericht schreibt nämlich:

„So ist es vorwiegend der Arbeit des rührigen Zweigvereins Schlüchtern zu verdanken, wenn Herr Amtsrichter Hengsberger-Schlüchtern gegenüber dem uUramontnnen Kandidaten Müller-Fulda den Achtungssatz von 7000 Stimmen erreichte "

Im Wahlkreis Kassel hatte man den Ka­tholiken bekanntlich zugemutet, auf alle Fälle für einen der „nationale n" Kandidaten S ch rö- der oder Sattmann zu stimmen. Da ist es interessant, aus dem Jahresbericht zu ersehen daß diese beiden Kandidaten vom Bund „bezüg­lich ihrer Stellung zum Ulttamontanismus schriftlich befragt wurden, worauf beide voll befried ig ende Antworten gegeben haben". Jedenfalls hatten die Katholiken unter diesen Umständen sehr recht, wenn sie für „Schleppenträger" des Evangelischen Bundes nicht zu haben waren.

Heber die Verbreitung des Bundes erfährt man aus dem Jahresbericht Folgendes: Im Jahre 1907 gab es 52 Zweigvereine mit 7523 Mitgliedern; auf 1000 Seelen kamen also 9

men Adams sich ausdehnt. Wir sagen nicht blos:1 „Ein Volk — ein Gotts", sondern unser Wahl- sprnch lautet: Eine Menschheit, ein Gott, ein Erlöser, eine Kirche, ein Weltbischof!

Die große herrliche katholische Familie kennt keine Grenzen des Raumes und ebenso keine Grenzen der Z e i t. Sie hat ununterbrochen be­standen vom ersten Pfingstfest zu Jerusalem an, und sie wird bestehen bis zu dem jüngsten Tage, wo die irdische Familie in die ewige Himmels­familie übergehen soll. Die Ausdauer bis an das Ende der Welt ist durch die Verheißung verbürgt, und die Zuversicht wird gestärkt durch die ge- fchichtliche Entwickelung und die Tatsachen der Gegenwart. Unsere Familie blüht und gedeiht und wächst, von Altersschwäche keine Spur, von Verfall kein Vorzeichen. Jede Heimsuchung ge­staltet sich zu einer Kraftprobe, jede Bedrängnis zu einem Jungbrunnen. Niemals haben die Hun­derte von Millionen Katholiken so einträchtig und pflichtbewußt, so überzeugt und begeistert, so geschlossen und entschlossen sich um ihr Famllien- bauner des Kreuzes und ihren geistlichen Vater geschart, wie heutzutage. Im Vertrauen auf die Vorsehung dürfen wir sagen: die Zukunft gehört unserer Kirche; ihr Oberhaupt wird der Welt- hirt und Weltvater fein und bleiben bis zum jüngsten Tage.

Welüirche und Volksküche! Die Gegner sa­gen, der Katholizisnurs bilde eine Priesterkirche, in der dos Volk nichts zu sagen habe. Sie ken­nen nicht das friedliche und fruchtbare Zusam­menarbeiten des treuen Laienvolkes mit der Geist- lichkeit. Sie wissen nicht, daß die Ordnung die wahre Freihett stützt und belebt, statt sie zu hem­men. Sie wollen oder können sich nicht in unser Denken und Fühlen versetzen, daS in den Lehrern und Hirten nicht herrschende Menschen sieht, son­dern die berufenen Organe des Allerhöchsten, die zu unserem Heile und zu unserem Frieden ihr wohllötiges Amt versehen. Sie sind berufen nach dem Ratschluß der Vorsehung, nicht aus eigenem Wollen und Streben, nicht nach Geburt oder toelt- lichem Rang oder irdischem Vermögen. Ter Ju­belpapst Pius X. liefert den handgreiflichen Be­weis für die Gleichberechtigung aller Glieder der

Bnndesnntglieder. Die stärksten Zweigverein« finden sich in Kassel (1066 Mitgl.), Eschrvegs (573), Gelnhausen (305), Hanau (570), Hersfeld (265), Marburg (404), Melsungen (220), Schmalkalden (451), Ziegenhain (385).

In „Gelnhausen scheuen sich die @e schöftsleute mit Rücksicht auf ihre katholisch« Kundschaft vor einem öffentlichen Hervortreten und Bekenntnis zum Bund". In Hersfeld ist „die Beteiligung Seitens des Bürger- und Handwerkerstandes gut, dagegen seitens der Be­amten und Fabrikanten, obwohl diese Mitglieder sind, schlecht". Aehnlich liegen die Verhältnisse in Hanau. Im Kreis Hanau „bereiten bei der Ausbreitung des Bundes die protestantischen Pfarrer Schwierigkeiten". In Hofgeis­mar ist die Beteiligung der gebildeten Kreise beftiedigend, dagegen hält sich das Offizier­korps ganz fern." (Das letztere ist ganz in der Ordnung; wohin sollten wir kommen, wenn bie konfessionelle Hetze auch unter das Militär ge­tragen würde!)

Ein Hauptförderer des Bundes ist Herr Pfarrer Meyer-Spielberg, von dem der Bericht sagt, „er wolle sich alljährlich dem Haupt­verein einige Wochen zur Verfügung stellen, um durch Vorträge für den Evangelischen Bund zu wirken". „Herr Pfarrer Meyer, der schon durch seinen Beruf in einem großen Kirchspiel sehr in Anspruch genommen ist, bringt damit ein großes Opfer." „Herr Pfarrer Meyer steht auch an der Spitze des neugegründeten P r e ß a u s > s ch u s s e s, dessen Ziel u. a. neben der „Beob­achtung der römischen Presse (Fuldaer Zeitung Bonifatiusbote, Elisabethblatt usw.; und bä Abwehr ihrer Angriffe, vor allem Beein» f l u f f u n g der nationalen Presse ist, ihre E r< ziehnng zum Verständnis für kirchliche und kirchenpolitische Dinge, für die religiöse, natio­nale und kulturelle Bedeutung des Protestantis­mus."

„Ein wertvolles Mittel zur Belebung bei Bunde sgedankens bilden die Schriften," heißt es in dem Bericht. Welcher Art der „Bun­desgedanke" ist, zeigen die Titel der verteilten Schriften und Flugblätter: „Zeitgeschichtliche» zur Reichstagsanflösung, (1. Die Eiterbeule, 2. Tas kaudinische Joch), „Rom und die Deut­schen", „Bismarcks Arbeit über den Ultramon­tanismus", „Der römische UltramontanismüS ift nicht national", „Zentrum und die Toleranz", „Gut evangelisch allerwege". Gewiß eine sehr anmutige Sammlung. Und da hat man noch den Mut, folgenden Satz zu schreiben: „Im Interesse des konfessionellen Friedens ist es höchst wünschenswert, daß unsere katholisches Mitbürger es hören, daß wir zwar einett Vernichtungskampf gegen den Ultra* montanismus, aber nicht gegen die katho­lische Kirche führen." Mit dieser albernen Aus­rede sollte man doch nicht mehr kommen. „Ultra* montanismus" sagt man, und die katho­lische Kirche meint man.

Sehr vielversprechend ist die vom Bund ge­blasene Zukunftsmusik. Danach „bedarf es über das Wesen des Ultramontanismus grundsätzlicherer, größerer Aufklärung. Unser Volk ist seit den letzten Wahlen für diese Ding« hellhörig geworden. Helfen wir nach, uner­müdlich!" Das kann ja nett werden! Da kön­nen wir mis auf neue Hetzereien gefaßt machen. Sehr vernünftig ist jedoch ein anderer Vorsatz des Bundes, der also lautet: „Sodann sollten die Unterscheidungslehven mehr behandeü wer* den, man glaubt nicht, wie weit verbreitet die Unwissenheit hierin ist." Wtt möchten aber bett Bnndesrebnern, bie bas tun wollen, ben guten

katbolischen Familie. Was war er von Geburt? Auf deutsch gesagt, ein armer Bauernjunge, bett feine Eltern nur mit Mühe und Not, unter Bei­hilfe wohltätiger Gönner, ftubieren lassen kann« ten. Kein Namen, fein sozialer Rückhalt, feilt Vermögen! Ja, nicht einmal blenbenbe, beste* cheude Eigenschaften. Eine bescheidene Natur von gesunder Einfachheft, von inniger Frömmig­keit, mit einem reinen Herzen voll Eifer und Tatkraft, mit klaren Augen und praktischem Sin« ne, — und siehe da, diese innere Tüchtigkeit kam ohne alle äußern Hftfsmittel von Stufe zu Stuf« empor. Sticht der Schatten eines ehrgeizigen Strebens; nur der Gehorsam gegen ben Ruf Gottes vermochte ihn zu bestimmen, die Würde des Bischofs und bes Patriarchen anzunehmen, unb schließlich unter Tränen das Ja zu sprechen, das ihn auf ben erhabensten Thron der Welt, aber zugleich auch zum Nachfolger des gekreuzig­ten Petrus, zum Stellvertreter des bornenge­frönten Erlösers macht.

Das reiche und gesegnete Wirken des Jubeb Papstes in ben ersten 5 Jahren seines Pontifi­kates haben bessere Redner und Schriftsteller gründlich und begeistert dargeftellt. Ich möchte hier nur bie Gemütssaite anschlagen unb hervor* 6eben chaß gerabe die Persönlichkeit Pius X. in ihrem begnadeten Aufstteg, in ihrer Einfachheit unb Innigkeit, in. ihrer Geradheit unb Tüchtig­keit uns allen ans Herz getoadtfen ist. Das ist bie verkörperte Väterlichkeit, die mit unwider­stehlichen Zauber die kindliche Verehrung unb Liebe auslöst. Da glüht und sprüht her rechte Familiensinn, das schöne Bewußtsein, baß wir als vollberechtigte unb geliebte Kinder unserett Platz haben an dem heiligsten, wärmsten unb er­habensten Herde der Welt.

Ut omnes unum, — daß sie alle- emS sein mögen! Dieser Wunsch aus dem Abschiedsgebet drängt sich auf bie Lippen an bem Festtage der großen katholischen Familie. Und wir dürfen ihn in Hoffnung wiederholen. Denn bie Zeichen bet Eintracht sind günstig unb bie Kraft der Samm­lung scheint sich zu bewähren.

Wohl dem Hause, das einen guten Vater hat!