Monakbeüage: „Fuldaer Geschichtrblatter'
den 19. September 1908.
Fulda, Samstag
JW 216
Grstes Wl^cltt
den Nationalliberalen: Dr. Hieber und
Ayrnitr der Kosak
Anzeigen: vir et» fpottige p ctttjetle oder dtrea Bau» 1» Pfg. BeNawendiepeütretle 25 pfg., bei wieder. Holungen wird entfpt. Eabatt Gewährt.
Botafiottsbrudunb Verlag der Zuldaer N- fiendruckerei tu Fulda Zernfprecher vr. 9.
der Be- Die von von Dr.
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Nun wollten
35. Jahrgang.
siegten in Delmenhorst, Sande und Neuende die Sozialdemokratenüber die Bürgerlichen.
]![ DreSdea, 18.Sept. 1908. Die sächsische Wahlrechtsvorlage dürste im nächsten Winter roieber eine heftige Debatte Hervorrufen, zumal die Regierung erklärt, sie werde an der alten Vorlage festhalten. Graf Hohental erklärte einer Vertretung der Mütelstandsvereinigung, die Regierung habe ihre Ansicht über die Wahlreform nicht geändert, sie halte an dem Regieruugs- entwarf fest. Zum Kompromiß der beiden großes Parteien könne sie nicht Stellung nehmen, weil noch keine Einigung zwischen diesen vorliege und weil erst die Entschließung wegen der Wahlkreiseinteilung abgewartet werden müsse. Die Regierung dulde nicht, daß die MittelstandSinterefsea Vu kurz kämen.
Von der allergrößten Bedeutung für daS gesamte Leben und Streben eines großen Staates muß jene einheitliche und zielbewußte katholische Idee sein, alles Irdische mit dem Göttlichen zu durchdringen. Das ist ein Universalismus, der festgegründete und konservative Staatsbürger schafft.
Möchten die Kreise des Evangelischen Bundes fleißig bei der »Christlichen Welt' in die Schule gehen und lernen, den Gegner mit Ehrlichkeit und Achtung zu behandeln!
stantismuS bei Sedan hat die Zentrumspreffe gebührend gebrandmarkt. Der General v. Liebert ist kein xbeliebiaer Wald- und Wiesenredner, er hat hohe Staatsstellungen eingenommen, steht an der Spitze des von der Regierung protegierten Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie und war der Adressat des Silvester-Briefes, durch welchen die neue Blockära eingeleitet wurde. ES kann unmöglich bei den bisherigen Störte- rungen über diesen Zwischenfall sein Bewenden haben. Auch die anerkannten Regierungs- Organe müssen über die steche Rede des Generals v. Liebert etwas zu sagen haben. Hetzer in solcher Stellung sind besonders gefährlich. Selbst gemäßigt liberale Blätter entrüsten sich über die politischen Bocksprünge des großen Strategen des Reichsverbandes. So schreibt der Hamb. Korr/:
„Den Katho'iken wird Austritt aus dem Reichsver- bande empfohlen. Wir möchten daran erinnern, daß schon wiederholt dieser Verband konsessro- neller Spaltung gedient hat. Er kann sich jetzt bei seinem taktlosen Präsid enten dafür bedanken, daß von neuem in unliebsamer Weise die Äasmerksam- keit auf ihn gelenkt wird. Der allgemeinen Sache schadet das übrigens nicht. Dieser Reichsverband ift der Sozialdemokratie keineswegs gewachsen und schadet in mancher Beziehung dem gesunden polittschen Denken/'
Spitz meint sogar der .Vorwärts':
„Wir begreifen nicht, warum man sich so aufregt. Herr v. Liebert hat sich nun einmal die hehre Aufgabe gestellt, der Welt m beweisen, mit wie wenig Verstand man in Preußen-Deutschland General sein kann, und die Ehrlichkeit zwingt uns dazu, anzuerkennen, daß er sowohl in seiner Eigenschaft als polnischer Redner wie als Generalissimus des Reichsverbandes, diese Aufgabe glänzend gelöst hat."
** Die Alldeutschen liefern durch ihr übernationales ©ebaten ben Feinden beS Deutschtums fortwährend Wasser auf die Mühle. Dieselbe Wirkung hat auch der kürzlich in Berlin abgehaltene Alldeutsche Verbandstag gehabt, aus dem der Vorsitzende, Rechtsanwalt Claß-Mainz das Ausland vor einem „Kesseltreiben" gegen die deutsche Machtstellung warnte, da sonst der Tag kommen körne, wo die deutsche Langmut zerreiße und Deutschland durch einen plötzlichen und entscheidenden Schlag allen Quertrerbereien ein Ende mache. — Das klingt zwar sehr „forsch", ist aber zwecklos. Wenn man einen solchen „Schlag" führen will, muß man handeln, aber nicht vorher das Ausland allarmieren. Die Claß'sche Pauke hat denn auch in der russischen Presse entsprechende Antworten aus- gelöst. So sagt die,Rowoje Wremja', sie glaube zwar nicht, daß die Deutschen als Volk alle solche „Berserker" feien, aber ein sehr einflußreicher Teil der leitenden Kreise Deutschlands denke wie er, darum müsse man immer auf allerhand Heber» raschungen gefaßt sein. — Welchen Erfolg hat also diese Standrede gehabt? Weiter keinen, als daß Deutschland wieder verdächtigt wirb. Unb so haben die Alldeutschen es immer getrieben.
□ Die Friedens-Demonstration der englischen und deutschen Sozialdemokratie soll am Sonntag in Berlin erfolgen. Eine Deputation englischer Arbeiterführer wirb den Berliner Gmosien in einer großen Versammlung in der „'.Neuen Welt" bie „Friedens-Adresse des englischen Volkes an das deutsche Volk" überreichen. Singer unb Legien werden die Adresse unb bie Ansprachen beantworten. — Wie wär's mit einer Friedens-Demonstration in — Nürnberg?
* Oldenburg, 18. Sept. 19t>8. Bei den Urwahlen zum oldenburgischen Landtag
Von Marcel Etienne.
(Nachdruck verboten.)
sprangen bie Reiter zur Erbe. Sie die dort im Schnee liegenben Leute
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Larl Schütter
wo<h--,»«ll°ge: „Illustrierte Somtagrzeillmg"
Deutsches Reich.
X Interparlamentarische Union.
Gestern gelangte zunächst ein Antworttelegramm heg Kaisers auf das Begrüßungstelegramm zur Verlesung. Dann erstatteten die Abgg. von Plener, Gobat und Pachnicke Referate. Sie alle bewegten sich in der Richtung der Weiterent- Wickelung be4 Völkerrechts und des Ausbaues der Schiedsgerichtsbarkeit. Die Anträae des parlamentarischen Rates und der deutschen Gruppe wurden mit großer Mehrheit angenommen.
bie Fremden, die Polen, waren die Herren! Sie! konnten ben Kosaken arbeiten, dienen, erden und mühen, — sogar sterben lasten, — ihn und seines Gleichen, ohne Schande unb ohne Barmherzigkeit, wie es ihnen gefiel. Doch konnten sie ihn nicht hindern, seine verlorene Freiheit zu deweiiren, sich seiner schönen Tage, der Glorie und des Ruhe mes seiner Heimat und der stolzen Namen feind Toten zu erinnern l
Darum zürnten sie dem Greise nicht, der dü eben laut vor ihnen von einem Hetmann geträumt hatte. Sie hätten auch niemals eilige« willigt, ben braven Alten allein in der Steppe zurücklassen. Indem sie mit herrischer Stimm« einen bei andern Diener, die nicht ferne standen, herbeiriefen, befahlen sie ihm, den Greis zu sich auf's Pferd zu nehmen und sich nicht werter um die verlorene Stute zu kümmern. Sie wollten sich selbst an die Verfolgung des Flüchtlings machen, ihn einholen unb, wenn es möglich war, das Pferd nach Kruto-Horby zurückbringen.
Dann gaben sie ihren Pferden die Sporen und verschwanden nun auch ihrerseits bald hinter Wolken von Schnee, welche die Hufe ihrer flinken Rosse aufwirbelten.
Sie hatten schon lange galoppiert, die Pferde konnten fast nicht mehr weiter; vor ihnen aber jagte Dymitr noch immer tote ein Pfeil dahin. Endlich holten sie ihn jenseits des Dorfes, am großen Tor des Herrenhauses von Koszawata ein. Nun erkannte er sie; die Morgendämmerung verdrängte bereits ben bleichen Schimmer der Nacht und ließ die Sterne erblasten.
Sogleich sprang er heiter unb lachend zur Erde, ohne die geringste Verlegenheit, und hielt ihnen bie Zügel ihrer Pferde. Mit einem Sprung standen bie beiden jungen Herren neben ihm.
„War ist denn vorgefallen?" riefen sie beide in einem Atem. „Was ist dem» geschehen? Er-, zähle uns alles!"
Kitz Erzählung Dymitrs war sehr kurz, da sie
Paasche; vom Freisinn: Dr. Wiemer, Pachnicke und Fischbeck, von den Antisemiten: Liebermann v. Sonnenberg und Lattmann. Die Vertreter der einzelnen Parteien wurden gesondert geladen. Es erscheint unS nicht auffallend, daß man auch Zentrumsabgeordnete geladen hat, aber ausfallend war, daß Reichsschatzsekretär Sydow sich in diplomatisch nicht gerade kluger Weise gegenüber anderen Parteien sich über einzelne Vorschläge der Zentrumsabgeordneten geäußert hat. Das wird man sich merken.
♦ Staatliche Krüppel-Fürsorge, lieber die geplante staatliche Krüppel-Fürsorge wird berichtet: „Die auf Grund des Erlöstes vom 30. Jult 1906 veranstaltete Zählung hat allein in Preußen 51,000 Krüppel festgestellt. Auf Grund dieses Material- sind nun die Provinzial»Behörden durch eine ministerielle Verfügung angewiesen worden, in Verbindung mit den in der Krüppel- Fürsorge bereits tätigen Vereinen und Anstalten Maßregeln zur Heilung und Unterroeifung der jugendlichen Krüppel zu ergreifen, Nach Jahres- frist sollen bie Behörden über den Erfolg der unternommenen Schritte berichten. Von dem Ausfall dieser Berichte wirb es abhängen, ob die Krüppel-Fürsorge auf dem Wege der Verordnung durch die Provinzial-Behörden durchzuführen ist, oder ob sie durch eine entsprechende Ergänzung deS Fürsorge-Gesetzes den Provinzial-Behörden zur Pflicht gemacht wird. Gegenwärtig ist be- kannUich die Betätigung auf diesem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrtspflege überlastett.
£5 Die Tafelrede des Reichsverbands - Ge- nerals v. Liebert über den Sieg des Prote-
er sich kopfschüttelnd an seine jungen Gebieter und sagte:
„Habt Ihr jemals solch einen prächtigen Spitzbuben gesehen, meine edlen Heren? Man mutz hübsche Grütze im Kopf haben, um sich aus der Patsche zu ziehen, — ganz allein und ohne Hilfe I Habt Ar schon einmal solch einen köstlichen Streich erteilt? Schlägt ben Bestien ein Schnippchen, indem er ihnen Mantel unb Mütze zuwirft und einstweilen auf ben Baum klettert! — Wenn dieser Gauner mein Sohn wäre, — meiner Treu, ich wäre nicht wenig stolz und zufrieden!"
Nach einem Augenblick des Schweigens fügte er, — traurig ben grauen Kopf schüttelnd, leise hinzu: „Der Teufel hol' die schwarze Stute, — es gibt beten wahrhaftig noch genug in Kruto- Horby I — Solch tapferer Jungens aber, solch kühne Entschlossenheit, wie sie dieser zeigte, deren gibt es nie genug, die könnte man immer brauchen! Ach! wenn alle ihm glichen, es gäbe wahrhaftig kein Elend mehr, keine Leibeigenen und keine tyrannischen Herren! — Man könnte ihn für den Sohn eines Heimanns halten! Oh, warum haben tote nicht einen Hetmann, wie ihn, um uns in die schlacht zu führen, um in Kanrpf und Frieden uns voranzugehen, — um mit uns das Vaterland zu retten, unfer armes Vaterland, bie Ukraine!"
Und wahrhaftig! Im Schein des Mondes fah man in den Augen des alten Kosaken eine Träne glänzen. Trotz all der Jahre der Unterdrückung, der Erniebriguug, der langsam verzehrenden De- mühgunaen hatte der Anblick seines kühnen jun- gen Bruders in ihm die stolze freie Kosakenseele auf gerüttelt unb ließ ihn tn einer fernen Zukunft — naa; all ben böfen Tagen, all ben Schmerzen, Muhen und Kämpfen ein leuchtendes Ziel schau- en, —- bat Triumph, ben Sieg, bas Heil und die Befreiung feiner Heimaterde!" —>
Tief bewegt wagten Stanislaus unb Phadä- suS Dluski kern Wort zu sagen. Sie fühlten eS -u gut, -aß bet 8gte..im ©tunte recht hatte, Sir,
Steppe! — Leiht mir hoch ohne zu handeln eines Euter edlen Tiere, ich bitt Euch! — Ich brauch es wirklich notwendig, um möglichst rasch davon zu kommen und zu sehen, ob meinem Herrn nichts Böses zugestoßen ist!"
Indem er so sprach, — ohne auch nut die Antwort abzuwarten, — sprang der kühne Jung- ling mit einem Satz auf ben Rücken des Pferdes, bas der alte Kosake an der Hand hielt. — gab ihm die Sporen, ließ die Ziegel los und sprengte bann durch die erstaunte Gruppe der Reiter. Er jagte dahin wie toll, durchflog in riesigen Sätzen ben beschneiten Raum und ließ Reiter, Eiche und Wald bald weit hinter sich zurück.
Er war in Liefern Augenblick prächtig anzuse- hen, der tapfere Dhmitt! Ohne Mütze und ohne Mantel, mit feiner schlanken, sehnigen Gestalt, die sich in der knappen, geftidten Kosakentunika stolz abzeichnete, mit dem roten gelösten Gürtel, in ben sich der Wind verfing, den schwarzen langen Haaren. bte um seinen schlanken, feinen Hals flatterten, dem zierlichen Bärtchen, unter dem ein harmlos-boshaftes Lächeln um die Lippen spielte wäre er wohl, wenn sie ihn hätten sehen tonnen, von vielen hohen Damen bewundert worden, bie doch an die verfeinerte Eleganz unb die höfischen Manieren ihre adeligen Herren gewöhnt toaren.
Das war wohl auch beiläufig her Eindruck, ben er bei allen hervorrief, trotz der fröhlichen Ungeniertheit, der großen Kühnheit, mit welcher er sich deS Pferdes bemächtigt hatte, ohne auch nur für ein Wort des Dankes Seit zu finden. Nur drei bei Retter hatten die Sache weniger harmlos auf gefaxt. Sie waren in ben Sattel gesprungen unb galoppierten nun auch ihrerseits mit rasender Eite davon, nm das so plötzlich entwendete Pferd wieder einzufangen. Der alte Jag« jetech zürnte nicht, mit weit offenen Augen, aus denen eine maßlose Bewunderung sprach, blickte er dem kühnen Jüngling nach, so fange, bis er wie ein dunkles Pünktchen in der Scrat ter Mondnacht verschwand. Dann wandte
Sozialdemokratischer Parteitag.
ns. Nürnberg, 18. Sept. 1908.
Der Parteivorstand und die Zentralkommission sind nicht zu einer Einigung gekommen. Die Absicht, ben Süddeutschen bie Friedenspfeife anzubieten, hat man im letzten Augenblick ausge- geben, weil man ber Ansicht ist. daß die Süddeutschen am Donnerstag „systematisch auf bie Zuspitzung der Gegensätze hingearbettet" hätten. Das Kriegsbeil wurde daher heute morgen Wetter geschwungen. Keil-Stuttgart ersucht zwar zunächst einen Ausgleichsversuch: er meinte, biete zwei Tage hallen auf die Masten draußen eine« miserabeln Eindruck gemacht, unb die Gegner rieben sich die Hände. Genossin Zietz, bie,wiederholt wegen schwerster rednerischer Beleidigungen hart bestrafte Hamburgerin, ging mit äußerstem Fanatismus und in ber beleidigendsten Tonart gegen bie Süddeutschen an. Dann sprach Ebert vom Parteivorstand das Schlußwort.! Er teilte mit, daß die Parteileitung e• ablehnt, ihre Resolution zu milder« (hört, hört!), um so mehr, als bie Süddeutschen systematisch die Krise verschärft hätten. Tirnn^ Frank und Hildebrand hätten von der Redezeit reichlich Gebrauch gemacht. Daraus mache man keinen Vorwurf. (Zuruf: Das wäre noch schöner!) Sie hätten sich überboten in Heftigkeit, Leidenschaft und skrupelloser Wahl der Kampfmittel. Man verbreite zur Stimmungsmacheret im Süden den Quatsch von der Abhängigkeit bei Vorstandes von ben Berlinern, man appelliere a« die niedrigsten Instinkte. In dieser Art zog Ebert gegen die Süddeutschen los, jeder Satz toat ein schriller Kontrast zu Bebels Referat. Ebert schloß: „Der Ernst ber Lage ist uns bewußt. Wir erwarten mit aller Bestimmtheit, daß jeder Genosse sich ber Entscheidung unterwirft. Spaltung wäre ein Verbrechen an der deutschen Arbeiterbewegung. Proletarier aller Länder, ber-' einigt euch! (Erregter Zuruf: Aber vergewaltigt' euch nicht!) Denken Sie an das Gaudium der Gegner. Das darf nicht fein." (Stürmischer Beifall ber Radikalen.) Nach dem Schlußwort Eberts machen die Süddeutschen von einem Schlußwort für sich feinen Gebrauch. Nur bet Vorsitzende des badischen Landesverbandes Ge i ß- Mannheim rechtfertigt nochmals das Verhallst dem Parteivorstand gegenüber. Timm-München gibt bie Erklärung ob, daß die Süddeutschen trotz aller Bedenken ber Resolution Frohme zustimmen, um zu zeigen, wie hoch ihnen bie Partei steht. Es folgt
die Abstimmung. Die Resolution 3r o & me (Bestätigung der Resolution Lübeck künftig-! hin Verständigung ber Fraktionen mit dem Parteivorstand über bie Budgetfrage) wird mit 217 gegen 160 Stimmen abgelehnt. ES folgt die
Besprechungen Über bie Reichsfinanz' reform. Man schreibt unS auS Berlin: In den ersten Tagen dieser Woche hat Retchsschatz- sekretär Sydow die Vertreter aller bürgerlichen Parteien empfangen, ihnen die Grunozüge der Reform mitgeteill und sie um die Darlegung ihrer Ansichten gebeten. Nicht sämtliche Eingeladenen waren erschienen. An den sprechungen nahmen teil vom Zentrum: Abg. Spahn, Gröber unb Müller-Fulda; den Konservativen: Frhr. v. Richthofen;
sehen, welche die wilden Tiere,--wohl zu
spät, losgelaffen hatten, — und fürchteten sich vor dem Anlbick, der ihnen beborftanb.
„Oh, was ift denn das?" schrie plötzlich Dluski, während sich die im Kreis umherstehenden Männer zur Erde niederbeugten.
Es war ein langer Kosakenmantel und eine Kosakenmütze, welche von den Zähnen ber Wölfe in tausend Fetzen zerrissen worden waren. 9tir- gends aber, — wie seltsam! — ein blutiger Körper, — Fleischstücke und abgenagte Knochen, die auf dem Schnee zurückgelassen worden wären! — Nichts, gar nichts — nur dieser Mantel und diese Mütze! Eine traurige Mahlzeit für die Herren Wölfe! Woher jedoch mochten diese Kleidungsstücke kommen und was foHte dies bedeuten?"
Die Erklärung sollte glücklicherweise nicht lange vuf sich warten lassen. Während sie sich alle über den rätselhaften Fund beugten, ihn immer wieder hin und her wendeten und ihn endlich mit den Füßen ärgerlich wegstießen, glitt plötzlich am Stamm ber Eiche eine dunkle, sehr schlanke und bewegliche Maffe herab und sprang endlich auS tem Geäst zu Boden. ES war ein schöner junger Kosake, ruhig und sicher, edel wie ein Hetmann, stolz tote ein Palatin. In seinen vom Glanz des Mondes hell beleuchteten Zügen, in seinen feurigen und furchtlosen Augen zeigte sich keine Spur van Erregung, von Angst oder Müdigkeit höchstens ein leichtes Lächeln, halb spöttisch, halb lustiges und sorgloses Lächeln.
„Holla! he; gutes Väterchen! Ihr habt aus- vezerchnete Pferde, gesattett und gezäumt, — und «. - U6 bin mutterseelenallein zu Fuß in der
= Ehrlichkeit und Achtung liegen der Beurteilung des katholischen Denkens und katholischen Lebens zugrunde, die in dem gestern besprochenen Artikel der .Christ!. Well', des Organs des freisinnigen Protestantismus, versucht wird.
ES ist gegenüber den unzähligen ärgerniS- erregenden Versuchen des Evangelischen Bundes und des wortreichen Liberalismus genugsam her- vorgehoben worden, daß die deutschen Katholiken mit ihrem Herzblut an der Größe ihres Vaterlandes Anteil nehmen und im Hohenzollern- geschlechte daS für das Deutsche Reich von der Vorsehung bestimmte Kaiserhaus sehen, wie denn auch kein Katholik in der begeisterten Bewunderung des deutschen Kaisers und ferner persönlichen und Herrschertugenden sich von einem Protestanten übertreffen läßt. Sollten im Protestantismus bie Stimmen derer sich mehren, die, wie Lic. Schiele in der »Christi. Well', die patriotischen Steuerungen der Katholiken als ehrliche und willkommene Kundgebungen aufnehmen, dann wäre Hoffnung vorhanden, daß die heillose Kluft zwischen Protestanten und Katholiken im Interesse des Vaterlandes wenigstens nicht noch weiter getiffen wird.
Ueberraschend mutet uns in dem Artikel des «ric. Schiele die protestantische Beurteilung des religiösen Ideals an, das bie Katholiken auf ihrer Tagung in ben Vordergrund stellten, lieber Mausbachs Rede, bie ben zu befämpfenben Modernismus in dem modernen Protestantismus sah, lesen wir bie eigenartige Betrachtung:
„Sie enthüllte mit voller Klarheit den unüberwindlichen Gegensatz zwischen unserer und zwischen der kathoillchen Stellung zur Kultur. Uns ist es ausgemacht, daß die „Well- ihre Ordnung unabhängig vom Christentum hat; der Katholik will durch das Christent um Ordnung in die Welt bringen. Politik und Recht, Wirtschatt, Wlssenschaft, Kunst, sie alle tragen für uns ihr Gesetz in sich selbst; für den Katho- liken warten sie alle darauf, ihr« wahre höhere Norm von der Religion aus zu empfangen. Wir fürchten für die Reinheit unseres Glaubens, ebenso wie für die Sicherung und Ordnung der Kultur, wenn diese Gebiete verchristlicht werden sollten; der Katholik jubelt dem omnia instaurare in Christio (alles erneuern in Christus) gerade in diesem Smne zu. Wir trennen Religion uno Theologie, Glaube und Wiffen, Sittlich- keil und Politik, Christentum und Kunst usw , der Katholik kann ast' das gar nicht eng genug verbinden."
Es muß uns Katholiken rnit Freube erfüllen, daß ein kritischer Protestant in so ebler Weise über baS katholische Glaubens- und Kulturibeal spricht unb eS gegenüber den maßlosen Verzerrungen so trefflich zeichnet. In ber Tat, was bie Katholiken auf allen Gebieten des Lebens, in Wissenschaft, Kunst und Gewerbe, wollen, ist nichts andere- als bie volle Durchdringung der modernen Menschheit mit den Ideen des Christentums, unb jeder Vorurteilslose wirb gestehen, baß burch den heutigen deutschen Katholizismus ein mächtiger Zug geht, dieses Ideal im modernen Kulturstaat burchzu- führen. Es ist unrichtig, baß wir Katholiken eine Rückkehr des Mittelalters wünschen mit einer weltlichen Herrschaft ber Kirche. Was wir vom Mittelalter herübersehnen, ist allein jene macht- volle Glaubensfreudigkeit unb ber sittliche Ernst, ber so Großes geschaffen hat.