«rscheim tL-lich mit Aurnahme Hx $o.m«
Viertel. jLbrlichexVerugrprei« o^ne Srtngerlohn und Bestellgeld in 8utt»a sowie mmoärtN.80 Ml.
Perantw. Heboftmi «arl Schütte» für die Anzeigen:
I.par,eLerin5«lda.
Maer
wochenbellage: Illustrierte Sonntagrzettung"
Anzeigen: vi« ein- spattige Petitzeile oder deren Baum 15 Pfg. Betlamendiepetitzeile 25 pfg., bei wieder Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
«otationrdrnckund vertag der Fuldaer Ak- tteudruSerei in Fulda Fernsprecher M. 9.
Reklauren- und Anzeigenteil.
Was sagt Ihr m zti meiner Bergpartie? Denkt nur, ich, die sich sonst bet jedem Windhauch erkältete, daß ich kein lrutes Wort ber vorbringen kann und HalSschmerzeir gar nicht los werde — ich war oben auf der Zuafpttze — und in einem Hundewetter. Unb hat mir nichts getan. Ursache? Ich habe Fays ächte Sodener gebraucht und ich sage Euch, di» haben Wunder an mir getan. Ich bin ordentlich verliebt in die kleinen Dinger und Ne gehen mir von nun au — auch auf der Reise — nicht mehr aus Die Schachtel kostet ja nur 85 Pfennig unb mau kann sie in jeder Apotheke, Drogerie oder MinerabvafftchandKmg haben.
Fulda, Freitag den 18. September 1908,
Mrganq.
M 215/
Aus
s^sickei'/auf Mistgabel, aber nickt mit der Hand tun. Der Sergeant । ließ ihn die Mistgabel wegsetzen und befahl ihm, dies
Kleines Feuilleton
die Bruderhand I- so kann er um s. , .. liches Entgegenkommen rechnen, wenn er den Bruder auch mit dem Namen ruft, mit dem er gerufen sein will. Hat er doch die, die sich selber „Protestanten" nennen, d. h. die „der evangelischen Kirche nur mehr äußerlich angehörenden Professoren und Gelehrten", ausdrüEich ausgenommen von der Verständigung und Emigung der christlichen Konfessionen."
Ein Stück alten Zopfes, der tn der Armee usuell, aber mit moderner Hygiene und Reinlichkeit unvereinbar ist, führte den Kanonier Melcher 1. Feld- artillerie-Regiment Nr. 70 zu einer strafbaren Handlung des Beharrens in Ungehorsam, verbunden mit ausdrücklicher Verweigerung des Gehorsams. Nach den Bekundungen der Vorgesetzten wird der Pferd e- mist im Stall von den Artilleristen mit der Hand aufgehoben, da der Gebrauch von Mistgabeln hier untersagt ist. Als beim Etalldienst eine Abteilung den von der Dunggrube auf die Straße herabgefallenen Pi ist zurückwerfen sollte, wollte Melcher dies mit der
mit der Hand zu tun. Melcher gab in der Verhandlung an, ihm habe geekelt und außerdem habe er Wunden an der Hand gehabt, die von dem Mist infisiert worden wären. Es sei alter Mist und voller Würmer gewesen. Der Sergeant, der auf der Aus- sührung seines Befehles beitanb, behauptete, und Melcher gab dies zu, daß ihm von den Wunden nichts gesagt wurde. Der Hauptmann sagte aus, Melcher l abe thm später die Hände vorgezeigt und tatsächlich seien eintge, allerdings nur kleine, unbedeutende Risse an ihnen gewesen. Das .Kriegsgericht der 33. Division war der Ansicht, daß Melcher den Befehl lediglich aus Starrköpfigkeit und Eigensinn nicht ausgeführt habe und verurteilte Melcher zu zwei Monaten Ge-
unter den Katholiken arbeiten sollen usw. Da sieht der Katholik leicht in dem Gebrauche des Wortes „Evangelische Kirche" so/twas tote das Zugeständnis, daß die katholische Kirche daS Evangelium nicht habe und nicht auf dem, Evangelium gegründet sei. Also, wenn ton von „Protestanten" sprechen, liegt dariik nichts Gehässiges. Es sei denn, daß die „Kreuzzig. tn der zu Speyer 1529 verweigerten Duldung der Katholiken das Anstößige erblickt. Das ist aber kaum möglich, denn der bei dem Proiest tn Speyer vertretene Standpunkt der Unduldsamkeit wird vom Protestantismus in seiner Gesamtheit in Braunschweig, Mecklenburg, Sachsen und auch in mancher Hinsicht selbst noch irr Preußen starr aufrecht erhalten, ohne daß die „Kreuz- zeitung" sich veranlaßt sieht, das Gewicht ihres Einflusses dagegen in die Wagschale z» werfen. Im Gegenteil hat gerade die „Kreuzztg." noch vor einigen Jahren hcrvorgehoben, daß di evan- gelische Kirche es nicht ertrage, wenn die katho- lische Kirche in Preußen auf dem Fuße der Gleichberechtigung behandelt werde.__________
Der Name „Protestantismus" stamnst von dem Protest der evangelischen Stände zu Speyer 1529 gegen den Reichstagsbeschluß, der für bte Katholiken in den evangelischen Gebieten Duldung forderte. Brockhaus Konversationslexikon, das jedenfalls eine unverdächtige Quelle auch für die „Kreuzztg." ist, findet im Protestantis- mus die Gesamtbezeichnung für die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervor- gegangene Kirchengemeinschasten, im Unterschiede sowohl von der römisch-katholischen, als von der griechisch-orientalischen Kirche. Die Bezeichnung Evangelische" würde z. B. auf die Reformierten und verschiedene andere protestantische Kirchengemeinschaften gar nicht paffen. Es ist ei» be- deutender Unterschied, wenn wir Katholiken von „Protestanten" und „protestantischer Kirche" re- den, und wenn man auf der Gegenseite von „Römischen" und „römischer Kirche" und „Ultramontanen" redet. Der Ausdruck „Römische" wird in verletzender Absicht gebraucht, tote wenn wir etwa von den „Wittenbergern" reden wollten. In verletzender Absicht aber wird der Name „Protestant" von uns nicht gebraucht. Die Protestanten nennen sich ja selbst so; sie rühmen sich „protestantisch bis auf die Knochen" zu fein, gründen „Protestanten"-Dereine usw. Wir Katholiken nennen uns aber nicht „Römische". Und dann, man spricht uns Katholiken das Evangelium immer wieder ab, will uns das Evangelium bringen, gründet Evangelisationsgesellschaften, die
— Die Geschichte eines ÄaisertelegrammS. Aus Osnabrück schreibt man der „Frks. Ztg.": Ein.e Geschichte, die den Vorzug hat. in allen Teilen wahr zu sein, hat sich jetzt hier zugetragen. Einige mit besonderer Kühnheit begabte Schüler des hiesigen R a t s g y m n a s ium s hatten den Einfall, direkt an den Kaiser zu telegraphieren und ihn in beweglichen Worten z« bitten, an einem Tage den Unterricht ausfallen zu lassen, weil Manöver in der Gegend feien, die man sich ansehen wolle. Es dauerte nicht lange und alsbald traf ein im Auftrag des Monarchen abgesandtes Telegramm ein, es möge veranlaßt werden, den Schulunterricht am nächsten Tage ausfallen zu lassen. Dieses Telegramm war aber nur adressiert: „An den Direktor des Gymnasiums" und so übergab man es in Unkenntnis der Dinge dem Direktor des hiesigen königlichen Realgymnasiums (das Rats- gymnasium ist städtisch). Dieser war natürlich höchlichst erstaunt, konnte aber nicht umhin, den Befehl auszuführen, so kam es denn daß am Samstag die Schüler diefer Anstalt frei harten, während diejenigen des Ratsgymnasiums hinter den Mauern fitzen mußten l 3Rit das Schönste an der Sacke ist aber, daß die Manöver gar nicht hier, sondern in der Gegend von Melle stattsinden und daß es sich zunächst nur um unbedeutende Bruchstücke von Brigademanövern des 7. Korps handelt! In Schulkreifen entstand nach Eingang des Telegramms eine begreifliche Äuf- ^Egung. Kein Mensch wußte, um was es sich handle, aber die Manöver mußten nun einmal ex officio mitgemacht werden." — Den Sentit» ntffen der Schüler wird ja ein freier Tag keinen sonderlichen Abbruch tun. Aber ihr Respekt vor Lehrern und ihrem Direktor wird sicherlich ^nicht wachsen, wenn über deren Köpfe hinweg aur Beranlaffung der Schüler eine Verfügung
Deutsches Keich.
** Ein militärischer Mistprozefi. Metz wird der ,Frankf. Ztg? geschrieben:
getroffen wird, die in den Unterricht eingreift. Allerdings, wir leben in einem Militärftaatl
— Kartoffelspeifen für Zuckerkranke. Während den Zuckerkranken starkemehlhaltige Speisen in der Regel sehr schlecht bekömmlich sind, da man darauf eine Steigerung der Zuckermtsschei- dung wahrnimmt, und solche Speisen daher vom Tische dieser Kranken int allgemeinen verpönt sind, machen Kartoffel, obwohl sie natürlich ebenfalls fehr stärkehaltig sind, davon eine Ausnahme, sie werden von manchen Zuckerkranken auffallend gut vertragen, ja, durch die Ernährung mit Kartoffeln kann, wie französische Aerzte beobachtet haben, die Zuckerkrankheit günstig beeinflußt werden. Jedenfalls bekommt diesen Kranken die Kartoffrtstärke besser als die Stärke des Brodes. Doch dürfen Zuckerkranke nicht beliebige Mengen davon genießen, sonder t es ist zuvor durch ärztliche Beobachtung sestzustellen, wie weit sie vertragen wird. Ein Vorzug ist der, daß die Kartoffel imstande ist, in Form von Purtz oder Bratkartoffeln große Mengen von Fett aufzunehmen, was für die Ernährung Zuckerkranker sehr wichtig ist. -r.
— Roosevelt über das deutsche Familienleben. In einer Rede bei einem Gartenfest auf feinem Landsitz in Oyster Bay klagte Präsident Roose- beit über die gegenwärtige Beschaffenheit des amerikanischen Familienlebens, indem er ausführte: Mein Wunsch ist es, daß die Sitten und Gebräuche der alten Kulturländer nach Amerika verpflanzt werden, und daß die zu uns herüberkommenden Deutschen an ihrer Art von Gesellschaften, zu denen Vater. Mutter und Kinder gemeinfarn gehen, festhalten. Wir brauchen bei uns ein besser geartetes Familienleben und müssen Lehren von Deutschland, Schweden und Norwegen annehmen; diese Länder geben uns manche unserer besten Bürger.
— Noch eine Beschäftigung. „Was machen denn die jungen Eheleute?" — .Die zanken sich den ganzen Tag, wer von ihnen beiden das größte Schaf gewesen, als fie sich heirateten!"
dagegen erheben zu müffen, toenn Schreie tm weiteren Verlauf seiner Ausführungen sagt:
„Bei alledem dürfen wir, um gegen uns selbst nicht unbillig zu werben, nicht vergessen, daß wir ganz cmbers vom Gegensatz «egen Pom leben, als Rom vom Gegensatz geaeu uns. Wir sind nun em- mal „Protestanten", und unsere Entstehung, unsere Geschichte, nnser Dasein ist Protest gegen Rom. Wir können »ns nicht aus unser Wesen beynnen, ohne unS von dem katholischen Wesen gründ,ätzltch zu scheiden. Das Gefühl der KathoUzitat grbt ihm ctr.e Ruhe gegen die Andersgläubigen, bte wir so nicht aufbringen können."
Die Kreuzztg." meint, daß hier der liberale Theologe und nicht der evangelische Christ spreche. Das, was der liberale Theologe sagt, tst-aber die W a h r h e i t: er sieht den Dtngen fret und offen ins Gesicht und macht ans fetpem Herzen keine Mördergrube. In Wirklichkeit hat schtele die Verhältniffe geschildert, wie sie tm Protestantismus mit Einschluß jener Kreise, tote die „Kteuztg." sie als die evangelische Kirche rekla- micrt, vorhanden sind. Die „Kreuzztg.' erhebt ihrerseits Einspruch dagegen,, daß von „Protestanten" gesprochen wird. Sie meint dazu:
.De» Namen „Protstanten" Haden uns die Katholiken gegeben, und noch heute redet die katholische Presse vo» unserer Kirche nie anders als von der „protestanttschen". Eine „protestantische Kirche" gibt es aber nirqends, und wir müssen diesen Unnamen ebenso ablehuen, wie die Katholiken den Namen „römische Kirche", das Zentrum den Namen „ultramontane Partei" ablehuen. Die evangelische Kirche der Reformatoren lebt in keiner Weise von dem Gegensätze gegen „Rom , sondern im wesentlichen von dem, was sie tn „Rom gemeinsam hat: vom Evangelium Christi. Ihre Entstehung, ihre Geschichte und ihr Dasein ist nicht Protest gegen Rom, sondern Erneuerung der reinen evangelischen Lehre. Wenn der holländische Pfarrer Lr. Janssen auf dem Katholikentage das die christlichen Konjesiwnen Einigende mit beredten Worten Hervorkob und den gläubigen Evangelischen zurres: „Wir beschwören euch bei der Liebe unseren Herrn Jesu Christi, reicht uns
vermischtes.
* „Ter Papst, der mit dem Dolche die Bibel durchstichst." Zu der Notiz mit obiger Neberfchrift unb unserer Widerrufung derselben schreibt uns der Vorstand des Wennarifcheu HauptvereinS der Gustav-Adolf-Stiftung: „Von Ihrem Bedauern, die betreffende Notiz ausgenommen zu haben, habe ich gern Kenntnis genommen. Wenn Ihr Verfasser iteuerdings behauptet, die Begebenheit liege viele Jahre zurück, fo muß ich das für eine ganz tut« glaubwürdige Behauptung halten. Daß Bonifatius mit dem Evangelienbuch in der erhobenen Hand als Märtyrer gestorben, ist jedem 14jährigen Volks« schüler unseres Landes bekannt, denn es steht in dem offiziell eingeführten Abriß der Kirchengeschichte von Schäfer. Da wird doch auch ein evangelischer Pfarrer Bonifatiusstatuen in dieser Haltung als solche erkennen und nicht mit einem Papst verwechseln, „der die Bibel durchsticht". Würde aber der ungenannte Versaffer jener Notiz feine Behauptung mit Angabe von Namen, Zeit und Ort beweisen, so würde ich ihm öffentlich Recht geben müssen. Mit aller Hochachtungl Jacobi, Archi- diakonus." — Wir geben auch diefer Zuschrift Raum, weit wir nicht wünschen, daß durch Auslastungen in diesem Blatte evangelische Pfarrer ungerecht verdächtigt werden. Wir wiederholen, was wir beim Abdruck der Richtigstellung in Nr. 205 dS- Bl. erklärten, daß sich dem bündigen Dementi gegenüber die Erzählung nicht aufrecht erhalten kaffe und daß wir ihre Wiedergabe in diesem Blatte bedauern. Wir würden sie von vornherein nickt bi« rückfichtigt haben, wenn wir nicht hätten cmneymea müssen, daß es fich um eine Begebenheit aus jüngster Zeit handelte, für die der Persasser Zeugen hätte beibringen lönnen. Sollte der Versaffer die gewünschten näheren Angaben machen können, dann werden wir Herrn Archtdiakomis Jacobi davon Mitteilung geben, damit er die Sache werter verfolgen kann. Für uns ist dir Angelegenheit erledigt.
* Ter Fürst zu Fürstenberg, der mit Kaiser Wilhelm eng befreundet ist, hat nach der bekannten Ohrfeigenaffäre beim Brande von Donaueschingen schon wieder in unliebsamer Weise von sich hören gemacht. Aus Kolrnar wird nämlich dem „Daily Chroniele" folgende Geschichte gemeldet: Fürst Egon zu Fürstenberg, der Freund des Kaifers, war bei seinem Eintreffen mit dem Kaiser in Kalmar darüber wütend, daß er sein. Automobil nicht vorsand. Er trug die Uniform eines GardekürassierrnajorS und requierierte in dieser Eigenschaft das erste beste Automobil, daS er vorfand. Es war dies zufällig das Automobil des Bürgermeisters von Kolmar, Dr. Blumen» tbal, der in feiner amtlichen Eigenschaft gerade den Kaiser empfing. Der Chauffeur des Wagens weigerte sich zu fahren, bis Fürst Für- fteuberg die Genehmigung des Besitzers auftoei- fen könne. Der Fürst wandte sich an die Polizei, und da auch diese sich nicht willfährig zeigte, den Chauffeur zu zwingen, drohte er mit militärischer Verhaftung und erreichte damit feinen Zweck, den Kaiser auf dem Ausflug zu begleiten. Der Bürgermeister von Kolmar war über dieses Verhalten um so empörter, als Fürst Fürstenberg sich nach der Rückkehr nicht einmal ei'.tschuldiate. Der Bürgermeister soll fich nun in einer Beschwerde an den Kaiser gewandt haben. — Die Verantwortung für diese Geschichte, deren Richtigkeit wir nicht kontrollieren konnten, müffen wir dem englischen Blatte überlaffen. Wenn nicht die bekannte Ohrfeigengeschichte passiert wäre, würde man dies« neue Erzählung ja ohne weiteres als Erfindung abweisen. So aber kann man fie immerhin für möglich halten.
* Häßliche Szenen deutscher Soldaten in Antwerpen. lieber ein häßliches Bild mangelnder deutscher Manneszucht wird der „Voss. Ztg." aus Antwerpen vom 12. d. geschrieben: Gestern traf hier der Dampfev „Bürgermeister" von der Deutsth-Ost-Afrikalinie ein. Er hatte den deutschen Kolonialstaatssekretär Dernburg und einen Transport aus Südtoestafrika zurückkehrender deutscher Soldaten an Bord. Nach der Anzahl zu schließen, die hier betrunken auf den Straßen herumtorkelte, müssen es mehrere hundert Mann gewesen fein. Seit Ausbruch des Aufstandes in Deutsch-Südwestafrika haben wir Deutsche in Antwerpen uns schon manchmal schämen müssen, wenn Armehörige unserer Armee, auf die wir so stolz find,'in zerlumpten Uniformen durch die Straßen wandern. Der Gewährsmann schildert dann verschiedene, fehr häßliche Szenen betrunkener deutscher Schutztruppler und sagt zum Schluß: In der Nackt sollen mtch 3 militärische Strafgefangene vom Schiff ausgebrochen und desertiert fein. Die „Voss. Ztg." bemerkt hierM: „Es ist nicht angenehm, fo häßliche Dinge über die Schutztrupp« sagen zu müs- fen, die in einem schweren Krieg unter schweren Entbehrungen Großes geleistet haben. Tas Ansehen der Schutztruppe und der ganzen Armee rm Auslände wird durch solche Vorgänge herabgesetzt."
sängnis.
Ohne auf die Frage einzugeben, ob das Kriegsgericht mit feinem Spruche im Rechte ist, muß doch gesagt werden, daß es einfach Menschen- unwürdig ist, wenn dem Soldaten zugemutet wird, den Pserdemist mit" den Händen aufzuheben. Jeder Bauernknecht würde ein derartiges Verlangen feines Dienstherrn entrüstet zun'ick- weifen unb mit Rech«. Auch die Hände des Soldaten sollten zu gut fein, als daß man ihnen zumulete, in den tierischen Exkrementen herumzuwühlen, ganz abgesehen von den gesundheitlichen Schädigungen, die, wie im vorliegenden Falle, mit einer derartigen Hantierung verbunden sein können. Es ist hohe Zeit, daß mit derartigen traditionellen Ungehörigkeiten gebrochen wird.
5) Der Streit tut Flortenverein. Der Vorsitzende der Rudolstädler Ortsgruppe, Major v. Treyden, hatte kürzlich verkündet, Großadmiral v. Köster stehe ganz auf Seite der Rndolstädter. Die Geschäftsstelle des deutschen FloitenvereinS hat diese Darstellung als unbegründet bezeichnet, der Herr Major bleibt aber bei feiner Behauptung. In ihrer Nummer vom 13. September veröffentlicht die. „Nudolstädter Ztg." eine Erklärung des Herrn v. Treyden, in der es n. a. heißt:
„Die Erklärung der Geschäftsstelle des Deutschen Flottenvereins in Berlin beruhe auf einer falschen Auffassung seiner Aeußerung. In ber Präfidialsitzung, in bet Großadmiral v. Käfter das Präsidium des Deutschen Flettenvsrems übernommen habe, habe die AuslrülSerrlärung des Rudolpädier Verbundes vorgelegen, und es habe sich ob diese Anstrittserklärnng eilte mehrstündige Besprechung geknüpft, in welcher die Bertteter verschiedener Verbände erklärt hätten, daß sie ebenso dächte» wie der Rudolstädler Verband, und im Anschluß hieran habe Großadmiral s. Köst« die Erklärung abgegeben, daß er fich vollständig auf de» Bode» der Danziger Mehrheitsbeschlüsse stelle, dir darin gipfelten, daß der Verein 1. ein nativ nalpotttischer fei, daß er 2. völlig unabhängig bleibe unb 3. vor allen Eingriffen energisch bewahrt werden müsse. Nachdem Großadmiral v. Siöfter diesen Standpunkt, der derselbe sei wie derjenige des Rudolstädler Verbandes, eingenommen habe, hätten die übrigen Verbände vorläufig von dem Austrttt abgesehen. Der Rudolstadt« Verband sei durch diese Erklärung deS Großadmirals v. Köster völlig befriedigt, stelle aber außerdem noch die Forderung, daß die drei bekannten bayerischen Führer zurücktreten. Diese Forderung des Rücktritts der drei bayerischen Führer werde auch von ein« großen Anzahl weiterer Verbände gestellt, und wenn die bayerischen Vorstandsmitglieder nicht dis zur nächsten Generalversammlung des Deutschen FlottenvereiuS in Nürnberg zurückträten, würde eine große Anzahl Verbände bet Nürnberg« Generalversammlung fernbleiben."
In klare- Deutsch überfragen, soll das doch wohl heißen, Großadmiral v. Köster und Herr v. Treyden feien ein Herz und eine Seele, und die Keimsche Richtung fei nach wie vor obenauf. Man wird auf die Antwort deS Präsidiums neugierig fein dürfen.
= Eine Steigerung des vaterlän- vische« Gefühls bei de« Katholiken glaubt die „Christliche Welt", in der Ltc. Schiele (Tübingen) etne Schilderung des Dus- feldorfer Katholikentages veröffentlicht, festste!- fen zu können.
Die „Christliche Welt" zahlt zu den ltber a- ltsierenden Organen des Protestanttsmus, und die „Kreuzztg." glaubt nun fchon in den Aeußerungen des Sic. Schiele eine Annäherung des Liberalismus und des Zentrums erkennen zu können. Das ist denn doch wohl ein bischen zu viel Eespensterfeheret. Wir freuen uns gewiß, wenn ein ehrlicher Protestant mithilft, das ungeheure Maß txm fro- testantischem Vorurteil gegen den Katholizismus auszuräumen, aber darum nun von Beziehungen zwischen Liberalismus und Zentrum zu reden, geht doch nicht au.
Die „Christliche Welt" und thre Freunde stehen in einem gewißen Gegensatz zum „Evangelischen Bund"; aber, wie die „Kreuzzeitg." an- erkennt, ist ihr Kreis sehr groß und ihr polirt- scher Einfluß nicht gering. Da Schiele den Verhandlungen des Katholikentages, auch den geschloffenen. selbst beigewohnt hat, hält das kon- servative Hauptorgan ihn für unabhängig von allen so oder so gefärbten Berichten. Aus seinen Betrachtungen seien hier einige Stellen wieder- gegeben :
„Jedem evangelischen Besucher ber Katholikentage fällt vor allem auf, wie eng die Autoritäten, unter bte sich diese „Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands" stellen, der Papst unb ber Kaiser hi« uritemanber vtrbunben werben. Ebenso lebhaft als bte Anhänglichkeit an bte Kirche wirb hier bte Liebe zum Vaterland unb zur Heimat unb die Unerschütterlichkeit königStreuer unb staatserhaltenber Gesinnung betont. Unb beibe Empfindungen werden durch Watte unb Bilb immer wieb« so fest miteinander verflochten, baß eine Masse, auf welche bte Erziehung bes Katholikentages gewirkt hat, gar nicht mehr an bte eine Autorität denken kann, ohne an bte andere mitzudenken."
Gewiß sei es die Absicht der Veranstalter gewesen, diesmal den Patriotismus möglichst lebhaft zum Ausdruck zu bringen. Aber die gewollten Kundgebungen seien an Zahl und Stärke von den unwillkürlichen weit übertroffen worden:
„Wie oft durchbraune auch bann Beifall bie Hallewenn ein Redner ohne allen Akzent, ohne Provokation ber Hörer, von vaterländischer Gesinnung sprach! Wie oft setzte solcher Behalt gerabe bann ein, wenn bie AuSbrncKweise deS Redner» sich ber Terminologie näherte, mit ber wir b«n mobernen, liberalen Staats» gebauten darzulegen pflegen! Diese Massenhaltung wäre mimögtich, wenn nicht echteS Empfinden habet wäre, wenn der Patriotismus auf unsere Art nicht auch in jenen Reihen zum mindesten eine starke Zugkraft besäße."
Der parteipolitische Nutzen einer solchen Erziehung zum Patriotismus liege ja auf der Hand, aber man müsse doch die leitenden Männer der Katholiken für sehr töricht halten, daß sie um dieses Nutzens willen dem katholischen Volke eine Gesinnung unausrottbar einpflanzten, und sie künstlich groß zögen, wenn sich nach ihrer wahren Meinung diese Gesinnung mit dem Katholizismus nicht vertrüge:
„Denn wenn auch jeher weiß, wie leicht eine Masse heute Hosianna und morgen Kreuzige ruft: d« Agitator müßte «st noch gefunden werden, der dem katholischen Volke, wie man es in Düsseldorf beobachtete, bei einem Konflikt zwischen heißen uttramonianen und ernsten vaterländischen Forderungen den Patrt»tls- mus wieder nach Bedarf auf d en Herzen zu reißen vermöchte."
Die „Kreuzztg." spricht den Wunsch aus, daß diese liberale Stimme überall redjt tirten Eindruck machen möge. Einspruch aber glaubt fie