en<i}ttnr .ag»>n) mit Zunahme der So.m« ,md Feiertage, viertel« jährlicher vezngrprelz ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda fo» wlt auswärts tsomf.
Verantw. Redakiemr
Carl Schütter
Ml-aer
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J\ß 214.
Fulda, Donnerstag den 17. September 1908.
35. Jahrgang.
b Die interparlamentarische Konferenz.
Mit einem geselligen Abend in der Wandelhalle des Reichstags wurde gestern die Tagung der Interparlamentarischen Union eingeleitet. Einige hundert Parlamentarier hatten sich ein- gefunden. Es war eine buntsprachige internationale Gesellschaft, vereint durch da- gleiche Bestreben, der Sache deS Völkerfriedens zu dienen. Abg. Eickhoff sprach als Präsident der deutschparlamentarischen Gruppe Worte der Begrüßung. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Verfamm- lung nicht auSeinandergehen werde ohne die feste Ueberzeugung, daß die Deutschen daS friedlichste Volk der Welt sind und vereint mit dem Kaiser und der Regierung nur die Sache deS Friedens zu fördern gewillt find.
DaS fand lebhaften Beifall, und dann entwickelte sich ein fröhlicher Unterhaltungsabend, dem heute die ernste Arbeit folgen wird.
Die Konferenz tagt zum 15. Male, aber noch nie konnte sie eine solche stattliche Besucherzahl ausweisen; waren es daS letztemal zu London knapp 400 Teilnehmer, so sind eS diesmal 900. Die meisten Parlamentarier entsenden: Italien (127), Oesterreich (111), Belgien (105), und Ungarn (95). Hinter diesen Ländern steht bedauerlicherweise daS gastgebende deutsche Reich verhältnismäßig weit zurück, denn aus seinen Parlamenten sind bis jetzt nur 82 Teilnehmer angemeldet. Großbritannien ist mir 71, Holland mit 57, Dänemark mit 49, Rumänien mit 43, Frankreich mit 44, die Vereinigten Staaten von Amerika sind mit 26 Teilnehmern verzeichnet. Mit geringeren Ziffern sind beteiligt: Kanada, Japan, Norwegen, Portugal, Rußland, Schweden, die Schweiz und Spanien.
Vor nunmehr 20 Jahren von dem inzwischen fast erblindeten greisen Franzosen Frederie Paffy gegründet, ist die »interparlamentarische Union" die Vorläuferin der Haager Friedenskonferenz geworden. 1894, wo die Union im Haag tagte, wo damals niemand an die 5 Jahre später statt- findende amtliche Friedenskonferenz dachte, setzte man einen Ausschuß ein, der die Aufgabe erhielt, einen OrganisattonSentwurf für einen ständigen internationalen SchiedShofauszuarbeiten. Die Herren glaubten selbst nicht alle an die Verwirklichung dieses großen Gedankens. Einer meinte, man setze sich mit einem solchen Plan dem Fluche der Lächerlichkeit aus. „Niemals" würden die Regierungen einem solchen Welt, tribunal ihre Zustimmung geben. Da erhob sich Pafstz und erklärte voll Zorn< man solle doch niemals „Niemals" sagen. Paffy irrte nicht. Weitere fünf Jahre verflossen, und in der Stadt, in der man über „Niemals" stritt, wurde von allen Regierungen ein ständiger Schiedshof errichtet.
Außer mit der Schiedsgerichtsbarkeit hat sich die Union auch mit anderen Fragen der Fortbildung der völkerrechtlichen Ordnung befaßt. Sie trat für die Unverletzbarkeit des Privateigentums im Seekriege ein, also für eine Forderung, die gegenüber der hartnäckigen Ab. lehnung von englischer Seite hauptsächlich von den deutschen Delegierten vertreten wurde. Sie behandelte ferner daS Recht auf Neutralitätserklärung eines Staates, daS Fremdenrecht und daS Kriegsrecht. Auf ihrer letzten Tagung in Landon befürwortete sie hauptsächlich eine Ein- schränkung der Rüstungen und unterließ eS auch
3>pmttr der Kosak.
Von Marcel Stienne.
8] (Nachdruck verboten.)
An dem Platze, wo Dymitr sich aus dem Schlitten geworfen hatte — es war am Rande eines Hohlweges gerade am Fuße einer großen Eiche gewesen — hätte man auch wirklich nichts bestimmtes unterscheiden können. Zu sehen war nur ein wütender Kampf, eine schreckliche 33er- Wirrung; ein Haufe von magern Rücken mit gesträubtem Haar, — wütend wühlende Tatzen, funkelnde Augen, die in blutiger Gier ihr Opfer verschlangen, purpurrote, triefende Rachen — spitze Raubtierzähne, die in wilder Hast etwas zerrissen. ... ES war eine Gnade des Schicksals, daß Marynia die Sinne schwanden und sie nichts mehr wußte, fühlte, hörte von dem Entsetzlichen, das hinter ihr sich vollzogt
Während dessen liefen die Pferde schellenklingend und int Sturm die Mähnen schüttelnd mit Windeseile auf dem Schnee dahin, indem sie die ganze Kraft ihrer stählernen Muskeln anspannten. In Strömen rieselte der Schweiß über ihr glänzendes Fell. Doch schien es, als ob sie die Gefahr ahnten, und ohne eines auf- munternden Zurufes zu bedürfen,, rasten sie weiter.
Nun überkam den Starosten und Iwan endlich ein Gefühl der Befreiung, vor ihnen lag die sichere Rettung, ein Zentnergewicht fiel von ihrer Brust. Jetzt lag der Wald und auch die Steppe hinter ihnen, bald ging der Weg über bebautes Land, über die Weiden von Koszowata, dann mußte das Dwor des Herrn Koszowacki's erreicht sein! Nun war die Gefahr unvergleichlich geringer, denn die Wölfe, so ausgehungert sie auch sein mochten, wagten sich kaum in die Whe der menschlichen Wohnungen.
sonst nicht, zu den Zeitproblemen Stellung zu nehmen; in Streitfällen friedliche Mittel zu empfehlen, friedliche Auseinandersetzungen zu unteifftützkn, erreichte Erfolge gutzubeißen.
Die Frage der Schiedsgerichtsbarkeit fleht auch auf dem Berliner Kongreß im Vordergrund. ES ist klar, daß diese Frage auf der Berliner Konferenz noch nicht zu einer endgiliigen Lösung gebracht werden kann. DaS liegt auch gar nicht in der Absicht deS Berichterstatters, des de- kannten dänischen Politikers Frederik Bajer. Dieser wird vielmehr beantragen, daß jebe Gruppe der Union in ihrem Schoße eine Rom. Mission zur weiteren Prüfung der strittigen Fragen einfetze und zu diesem Zwecke ihre Regierung ersuche, dieser Kommission alles Material zur Verfügung zu stellen, besten sie zu einer gründlichen Prüfung bedarf. Bis zum Jahre 1915 werden diese Fragen dann sicherlich zur Entscheidung reif sein und die vierte Haager Konferenz beschäftigen können, soweit sie sich überhaupt dazu eignen. Weiter wird man sich wieder mit derFrage der Unverletzlichkeit desPrivat- etgentumSzurSeebeschSstigenundauchallebieFragen erörtern, hie aus der 2.Haager Konferenz zu einem gereiften Abschluß gelangt sind. Insbesondere soll der Ausbau deS Prinzipes her Internationalen Schiedsgerichtsbarkeit unter dem Gesichtspunkte gefordert werden, daß dieses Prinzip die Sou» veränstät der Staaten völlig unberührt läßt. Die übrigen Punkte bet Tagesorbnung berühren bie befonberen Verhältnisse der Union selber, können aber insofern auch ein allgemeines Jweresse be- anspruchen, als schon seit längerer Zeit die Ab- sicht besteht, bie Organisation ber interparlamentarischen Union auf andere und festere Grundlagen zu stellen als sie bis heute vorhanden sind. Dieser Vorschlag geht von der englischen Gruppe und ihrem verdienten Präsidenten Lord Weardale auS, der der Konferenz einen eingehenden Bericht über die seither gepflogenen Verdand» lungen erstatten wird. Es besteht die Absicht, das Interparlamentarische Bureau von Bern nach dem Haag zu verlegen, einen nichtparlamentarischen Sekretär anzustellen, vielleicht auch eine Zeitschrift herauszugeben ufro. Von einem anglo-amerikanischen Komitee sind die Kosten dieses BureauS bereits aus 5 Jahre in der Höhe von jährlich 50—60000 Francs garantiert worden. Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß ein mit solchen Mitteln ausgestattetes Bureau in ganz anderer Weife für dte Ziele der Jnlerparlamentartschen Union zu wirken vermag, als eS bisher möglich war. Dte Union würde auf diese Weise auch in den Stand gesetzt werden, die 8. Haager Konferenz und alle diejenigen, die ihr Nachfolgen werden, so gründlich wie nur möglich vorzubereiten helfen und sich damit den Hauptaufgaben wirksamer und erfolgreicher zu widmen, bie bie Begründer ber Union ihr einst gestellt haben.
Deutsches Reich.
** Reichskanzler Fürst Bülow ist am Mittwoch au- Norderney in Berlin eingetroffen und wird heute im Warnen der Reichsregierung den interparlamentarischen Kongreß im Sitzungssaale des Reichstages eröffnen. Der Aufenthalt des Reichskanzlers dürfte bis zum 23. d. M. dauern; dann kehrt er wieder nach Norderney zurück.
.'. Berhandlungen über die Reichs finanz- reform mit einzelnen Abgeordneten Haden jetzt
Herr Hieronymus, — indem er fein noch immer ohnmcühtiges Weib im Arme hielt, empfand fogar auf dem Grunde seines Herzens eine gewisse, freudige Rührung:
„Welch gute Idee," sagte er sich, „diesen tabfern Jungen mit mir zu nehmen k Was wäre ohne ihn aus uns geworden? Der bloße Gedanke schon macht mich erschaudern! — Schade, daß man gar nichts für den armen Burschen tun kann! — Wir sind übrigens bald zu Hause, ich sehe dort bereits Lichter! Komm, Iwan, laß die Pferde rennen, soviel sie noch können!"
Der Kutscher verdoppelte, den Wünschen seines Herrn entsprechend, seinen Eifer. Bald glitt der Schlitten rasch wie ein Pfeil an einigen zerstreuten Masuren vorüber, an den Einfriedungen und Hütten der Dörfer und erreichte nun endlich das Dwor von Koszowata, dessen buschige Hecken und weiße Mauern sich im Mondlicht klar ab- zeichneten.
Da ließ Iwan, mit aller Kraft ausholend, nochmals seine riefige Peitsche knallen, die, durch die eisige Luft niedersausend, einen großen Lärm verursachte. Sogleich begannen die großen Hofhunde, auS ihrer Ruhe aufgeschreckt, brummend zu bellen, — die Wächter eilten herbei; die Lakaien kommen gelaufen. Allen voran Skandyba, der Verwalter, das Faktotum des Herrn Hieronymus, ein geschmeidiger Bursche, mit einem falschen und ausweichenden Blick, von zweifelhafter Abstammung, bet sich seinem Herrn bei jeder Gelegenheit wertvoll und unentbehrlich zu machen wußte, gegen die armen Leibeigenen, die unter seine Knute gebeugt waren, aber grausam und furchtbar. So bot er in dixjem Moment einen rührenden Anblick, wie er mit in die Lust gestreckten Armen, gegen den Himmel erhoben, Haare und Bart von dem eiligen Lauf hn Winde wehend, daher gestürzt kam, um feinem Herrn, den Starosten, zu begrüßen. Welche Danksagun-
begonnen und zwar führt sie Reichsschatzselretär Sydoiv. Al- bie ersten ftnb bie antisemitischen Abg. Sattmann und Liebermann v. Sonnenberg geladen worben.
* Die Mitglieder der Bankenquele-Kom- miffion sind vom Reichsbankpräsibenlen zum 12. Oktober l>. I. behuss Fortsetzung der Beratungen ber Kommission eingeladen worben.
Sozialdemokratischer Parteitag,
ns. Nürnberg, 16. Sept. 1908.
Auf dem Parteitag in Essen hatte die Parteileitung den Auftrag erhalten, mit der Generalkommission der Gewerkschaften über die Frage der Mai fei er zu verhandeln; das Ergebnis war die im Frühjahr getroffene Vereinbarung, die einfach besagt, es soll eine Kommis- sion an allen Orten für eine „würdige Feier" Sorge zu tragen; die Unterstützung für die Ge- maßregelten haben die betroffenen Orte selbst zu tragen; die Gewerkschaftskaffe und die Par- teifaffe lehnen jede Unterstützung ab. Auf dem diesjährigen Parteitag liegen nun zahlreiche Anträge vor, die diese Vereinbarung bekämpfen, sie fordern Uebernahme der Unterstützungen auf die Zentralkaffen.
Abg. Rich. Fischer, der in der gestrigen Sitzung darüber referierte, lehnte das alles namens des Vorstandes ab. Tie Parteikasie brauche ihre Gelder für den politischen Kampf, und die Gewerkschaften hätten erklärt, sie könnten eine solche Verantwortung auch nicht übernehmen. Die Diskussion war stellenweise sehr heftig. Man bezeichnete die Vereinbarung als Bremser la ß, der den Eindruck mache, als wolle die Leitung der Maifeier die Kehle abschnüren. Frau Rosa Luxemburg hielt eine neue Hetzrede; sie hielt es für das beste, daß wegen der Maiseier möglichst viele Arbeiter in Konflikte mit den Unternehmern hineingejagt würden. Es müßten so zahlreiche Arbeiter feiern, daß eine Aussperrung nicht mehr möglich sei. Nitsch aus Magdeburg meinte, man solle, wenn man nichts Besseres bieten könne, lieber Schluß machen mit der ganzen Geschichte. Abg. Z u b e i l klagte die Leitung an, daß sie seit Jahren mit ihrer Pferdekur die Maifeier zugrunde gerichtet habe. Man sollte doch den Mut haben zu sagen: Weg mit der Feier, mit dieser Blamage für die Partei I Abg. Rod. Schmidt, der Vertreter der Generalkommistion, wies die Hetze der Frau Luxemburg zurück; der Frau Luxemburg komme es mehr auf den Skandal an als auf die Verständigung. Frau Luxemburg predige die alte Weisheit: Wenn der Himmel einsallt, sind alle Spatzen tot; wenn natürlich alle feierten, sei die Unterstützungsfrage erledigt. Dieses „wenn" trete aber nicht ein. Mit bitterem Hohn forderte Robert Schmidt Rosa Luxemburg auf, am nächsten ersten Mai den Holzarbeitern in Berlin auseinander zu fetzen: Ihr braucht keine Unterstützung mehr für die Maifeier, ihr müßt aus „Begeisterung" streiken. Die Zahlstelle der Berliner Holzarbeiter habe allein im letzten Sommer 70 000 M für die infolge der Maifeier Ausgesperrten bezahlt. Darunter seien Leute gewesen, die 20 Wochen ausgesperrt waren. Wollen Sie, so fragte schließlich Schmidt, bon diesen Leuten verlangen, daß sie sich nächstes Jahr wieder 20 Wachen aussperren lasten sollen ohne Unterstützung? Das wäre eine Brutalität, eine Rücksichtslosigkeit. „Sie übersehen ganz,,, so bemerkte Schmidt u. a., „daß wir mit den christlichen Gewerkschaften zu tzechnen haben, die immer mehr in der Zunahme begriffen sind." Aus diese Aeußerungen hin machte her. foeben in der „Parteischule" vorgebildete De- legierte Pieck aus Bremen eine wilde
Szene: es sei eine Unverschämheit eines Gs noffen (lebhaftes Oho!), einer Genossin solch Vorwürfe zu machen, die für die Arbeiterbc. toegung ihr Leben in die Schanze geschlagen habe. (Lärm.) „Ich will", rief der Redner, „nur kennzeichnen den Ton jener „Leute" (wilde Unterbrechung und Schlußrufe: Herunter von der Tribüne!) Ich nehme den Ausdruck „Leute" zurück. (Gelächter.) Aber vor solchen Genossen habe ich nicht die geringste Achtung als Parteigenossen." (Großer Lärm und entrüstete Zurufe: DummerJunge, lerne erst etwas!) Der Vorsitzende Dorn ruft den Redner zur Ordnung. Abg. Fro h me tritt an die Tribüne und fragte anscheinend den jungen Mann, ob das die Frucht ber Parteischule sei; denn Pieck fährt fort: „Ich will nur sagen, daß ich das nicht auf der Parteischule gelernt habe. (Schallende Heiterkeit.) Schon vor dem Besuch der Schule war das meine Art, zu polemisieren. (Stürmisches Gelächter.) K l u b s ch aus Düsseldorf führt aus, daß der Arbeiter doch auch an seine Familie denken müsse; wer die Arbeiter zur Arbeitsruhe auffordere, müsse auch für Unterstützung sorgen. (Zustimmung.) — Bei der Abstimmung wurde zwar die zwischen Partei und Gewerkschaften getroffene Vereinbarung mit 191 gegen 120 Stimmen genehmigt, aber ihr wesentlichster Teil, nämlich die Bestimmung, daß die örtlichen Verbände die Unterstützung der Aus- gesperrten zu leisten haben, abgelehnt, sodann unter allgemeiner Bewegung der Auftrag an den Vorstand erteilt, nochmals Verhandlungen einzuleiten. Dieser verworrene Beschluß entspricht ganz der verzwickten Lage der Maifeierangelegenheit selbst. B ö m e I b u r g, der Gewerkschaftsführer, fragte daher mit bissigem Humor, was geschehen solle, bis eine neue Vereinbarung zustande komme. Er schlug unter großer Heiterkeit vor, die geschlossene Vereinbarung solange bestehen zu lasten. Richard Fischer erklärt dies für unmöglich. Durch die Ablehnung der Unterstützung durch die Einzel- orte ist jede Vereinbarung gefallen. Es entfielt ein großes Durcheinander, das zu endlosen Geschäftsordnungsdebatten, Abstimmungen und wieder Abstimmungen führte. Weder daS Büro noch der Parteitag wissen, was geschehen soll.
~ Heute morgen begann die mit allgemeiner Spannung erwartete Debatte über die Budget« Bereinigung der süddeutschen Land- tagsfraktionen. Unter lautloser Stille der Versammlung begann der Abg. Bebel mit seiner Anklagerede. Er sieht sehr gealtert au8, sprach auch mit ganz wenigen Ausnahmen ausfallend matt und nicht mit dem gewohnten jugendlichen Feuer. Nur an wenigen Stellen, namentlich bei Zwischenrufen kam die alte Leidenschaftlichkeit zum Vorschein. Bebel begann seins Rede mit dem Zugeständnisse, es wäre ihm der größte Gefallen erwiesen worden, wenn er nicht tn die Lage gebracht wäre, über diese Frage sprechen zu müssen. Eine solche Erregung wie diesmal sei früher nicht gewesen; das komme von der Plötzlichkeit des Vorgehens der süddeutschen Landtagsabgeordneten. Aus dem Parteitage in Lübeck sei beschlossen worden, das Budget für den Klastenstaat abzulehnen. Ausnahmen sollten nur für besondere Fälle gelten. Ich bestreite auf! entschiedenste, daß diesmal in Bayern, Baden und Württemberg solche Fälle Vortagen. Man beruft sich auf die Löhne der Arbeiter und Beamtengehälter. Wenn die Ablehnung des Budgets auch die Vevweigerung dieser Löhne bedeute, dann hätten die Süddeutschen ja die 14 ^Wc, wo sie früher gegen das Budget stimmten, auch bereits die Ärbeiterlöhne mit verweigert. (Zuruf: Haben wir auch!) Der Hungerzolltarif ist der Grund der Lohnerhöhung; eß wurde bei den Hottentoftenwahlen den Beamten
gen Gottes, von zitternden Fragen unterbrochen! Welche Seufzer der Freude und beinahe fieberhafte Ausbrüche des Glückes über die Errettung des Herrn!
„O, Herr, bester Herr! Wie war ich unruhig! Lag der Schnee nicht drei Fuß hoch auf der Steppe? — Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen — jedesmal, wenn ich flüchtig einnickte, sah ich in meinen Träumen so schreckliche Dingel Ich bin denn auch aufgestanden, um vor Unserer Lieben Frau von Berdyczew Kerzen anzuzünden, und der Schlo'.kaplan hat zu beten begonnen! Seid Ihr Wohl keinen Wölfen begegnet, Herr? Ist niemand verwundet? O, Herr Jesus! Was ists mit Ihrer Gnaden, der Frau Starostin?"
Die Diener trugen gerade Marynia aus dem Schlitten, die nach immer bleich und bewußtlos war, jetzt aber langsam zu sich zu kommen schien.
Kaum jedoch hatte sie unter dem Einfluß der Wärme, der Lichter, des Lärmes die Augen geöffnet, als sie sogleich mit einer Miene der Todesangst flehend die Hände zu ihrem Gatten erhob. Mit zitternden Lippen und erschwckenen Augen rief sie:
„Dymitr, dieser arme Dymitr! Dieser edle Dymitr! O sag, Hieronymus, gibt es nicht vielleicht noch ein Mittel, ihn zu retten?"
»Ich will es wenigstenz versuchen, weil Du es wünschest, Marynia! Sei ruhig, meine Freun- bm! Ich werde sogleich diesbezüglich Befehle geben. Hierher Skandyba! Höre, was ich Dir sage: lasse sogleich ein Dutzend Männer gut bewaffnen!"
®öbrenb man die junge Frau in ihr Gemach • « nahm Hieronymus feinen Verwalter in mnx c Destibules und gab ihm detaillierte Befehle, den armen Kosaken betreffend. Der schlaue Skandyba gab sich als guter Diener den Anschein, als erfülle ihn dieser Befehl mit Begeisterung, und hörte in tieffter Unterwürfigkeit
und Ehrfurcht zu. Das hinderte ihn jedoch nicht, verächtlich die Achseln zu zucken, sobald fein Hert ihm den Rücken gewendet hatte, und ärgerlich in den Bart zu murmeln:
»Bah, was tut denn das, ein Kosak mehr oder weniger! Für einen Leibeigenen, den die Wölf« zerrissen haben, — was machen sie da groß Auf- hebens! —Freilich, da der Herr es besohlen hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auf den Weg zu machen! Holla, he, — Ihr da! Sergius, Harasym, Prokop, Semen, Harasinta!"
Währenddessen hatte Marynia schwankend und schwer atmend ihr Gemach erreicht und war, das Herz vor Freude zitternd, vor der Wiege ihre» Ktndes in die Knie gesunken.
„O mein geliebter Stas, mein süßes Kind," wiederholte sie immer wieder schluchzend, indem ne ihn mit den Äugen verschlang, „solch einem eblen Herzen verdankst Du das Leben Deiner Mutter! Für sie ist er gestorben, wenn Gott ihn ntcht durch ein Wunder gerettet hat!"
Dann richtete sie sich vom Weinen beinah« erstickt, auf, faltete die Hände über die Wieg« rhres Kindes und sagte:
,Hch will für ihn beten! Und Du kleiner Lieblmg! Wenn nur auch Du beten konntest! Du süßes Kind, das noch ein reiner Engel ist! O mein Gott, mein Gott, — hab' Du erbarmen mit uns! Du bist ja der Allmächtige! Rette Du den Dymitr! Wenn er für uns gestorben ist, so werde ich niemals wieder einen Augenblick bei Friedens und des Glückes empfinden können!"
So versenkte sich das gequälte junge Wei- unter Tränen und Schluchzen in ein heißes Gebet, während das Kind weiter holdselig im Schlaf« lächelte und feine beiden rosigen Fäustchen auf seine geschlossenen Augen drückte!
Wortsetzung folgt.)'