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M 213.
Fulda, Mittwoch den 16. September 1908.
35. Jahrgang.
Dymitr der Kosak.
Von Marcel Etienne.
l] (Nachdruck verboten.)
Der Starost hatte als tapferer Edelmann weher durch ein Zittern noch durch einen Schrei Fgendwelche Furcht verraten; nur seinen schweren Karabiner ergriff er; er wollte ihn laden und ^.uf gut Glück in die heulende Menge zielen, als er fühlte, daß eine Hand sich auf die seine legte und ihn hastig zurückhielt. Dymitr war es, welcher sich bleich, aber entschlossen umgewendet Hatte:
„Bei Eurer Seele, Herr, schießt nicht! Ich flehe Euch an! Edle Dame, fürchtet Euch nicht, weint nicht! Gott ist über uns, wir werden uns retten! Nur keinen Lärm, kein Wort, keine Bewegung! Und Du Iwan, nimm Deinen Feuer- ftein aus der Tasche und schlage Feuer! Aber rasch, rasch! Gib mir die Zügel, ich werde fahren!"
Zitternd gehorchte Iwan; Dymitr nahm die Leine, und trieb durch ein kurzes, leichtes, kaum bemerkbares Schnalzen mit der Zunge die Pferde an. Diese, welche bei dem plötzlichen Zusammenzucken Iwans einen Augenblick still gestanden, Kiffen von neuem aus, liefen im Schritt lang- m und lautlos über den Schnee dahin, ohne zu wiehern, ohne sogar die Mähnen zu schütteln! Nur von Zeit zu Zeit überlief ein Zittern ihre schlanken Körper, als ob sie verstarwen hätten, daß in solch einer tödlichen Gefahr einzig Ruhe und Schweigen Rettung bringen konnten.
Das Geheul der Wölfe hatte mittlerweile aufgehört, der Sturm aber pfiff noch immer und verfing sich klagend in den Zweigen des Waldes. Auf dem schmalen Fahrweg desselben kam der Schütten, von Dymitr sorgsam geführt, langsam vorwärts und war eben vor dem Mittelpunkt <»es Gehölzes angelangt. Plötzlich leuchteten aus pem Dickicht, ganz nahe, zwei gelbe Lichter, wie ■2£Lv?fi(K Funken. Und von neuem tönte durch
die Stille der Nacht eine lange und heisere Klage, ein unheimlicher, düsterer Seufzer!
Und fast zugleich stürzte sich aus dem kahlen Unterholz die schreckliche Meute. Bei dem silber- klaren Licht des Mondes konnte es keine Täusch- ung geben: alles war so deutlich sichtbar. Ihre roten, geöffneten Rachen, ihre weißen Zähne, die im Lichte glänzten, ihre Augen, die wie glühende Kohlen funkelten, ihre spitzigen, kerzengerade in die Höhe gerichteten Ohren, ihr braunes oder rötliches Fell mit den längs des Rückgrates bis zum Schweif gesträubten Haaren, — alles, alles war mit unheimlicher Deutlichkeit zu unterscheiden. All diese ausgehungerten Bestien sprangen nun, eine nach der andern, aus dem Dickicht und stürz- ten sich gegen den Schlitten.
Da wurden auch der Starost und Iwan, die beide bleich wie Gespenster waren, von einem Ent» setzen erfaßt. Die Haare standen ihnen unter den großen Pelzmützen zu Berge; ihr§ vor Angst weit geöffneten Augen starrten wie festgebannt auf die schauerliche Meute und schienen nichts mehr zu sehen, als diese wütenden Bestien! Ma- rynia hatte mit einer raschen Bewegung beide Hände vor das Gesicht geschlagen, um diese gräßliche Begleitung nicht sehen zu müssen, die jedoch immer näher und näher rückte; dann fiel sie halb ohnmächtig in den Fond des Schlittens zurück. Dymitr, der unbeweglich mit zurückgewandtem Blick dem Starosten und den Wölfen entge- gewschautef zitterte nicht. • Im Augenblick der höchsten Gefahr überkam ihn ein ungeahntes Krastgeffühl, ein erhabener, gewaltiger Mut! Aus einer bekannten Quelle von Ruhe und Energie schöpfte er wahre Schätze von Unerschütterlichkeit, von Tollkühnheit und Ueberlegenheit, die all den zitternden Menschen um ihn herum, die er retten wollte, so notwendig waren.
„Nochmals Herr! Und vor allem! Schießt nicht! Ich beschwöre Euch! Legt nur den Kara- Liner an die Wange, und zielt beständig! Und Du Iwan zittere nicht! , Schlage ohne aufzu- hörm Feuer, — damit die Bestien fortwährend
Erstes Matt.
.♦. Dernburgs Wandlungen.
In der ganzen Dernburg'schen Kolonialpolitik ist nichts so beständig, wie die Wandlung und Mauserung. Kaum hat er einen Leitsatz aufgestellt, so wird er auch schon wieder verworfen oder geändert.
Starres Festhalten an erkannten Fehlern ist der größte Nachteil für einen Minister; aber Eintagsfliegen als Programm ansehen, ist nicht minder schlimm. So braucht es gar nicht zu überraschen, daß im neuen Reichskolonialamt kein harmonisches Zusammenarbeiten geschieht, daß vielmehr eine ganze Menge von Unter- und Gegenströmungen vorhanden sind. Zwar hat Dernburg in Südwestasrika von seinem „lieben Freund v. Lindequist" gesprochen; in Berlin aber lacht man über diese Freundschaft, die so dick ist, daß Unterstaatsfekretär v. Lindequist nahezu immer in Urlaub geht, wenn Dernburg amtiert. Ebenso ist bekannt, daß zwischen Dernburg und dem Oberkommando der Schutztruppe stete Reibungen stattfinden, ebenso zwischen Dernburg und dem sehr tüchtigen Finanzreferenten Konhe, dessen Energie man in erster Linie verdankt, wenn Ordnung in die Kolonialwirtschaft kommt.
Wenn wir auf alle Wandlungen Dernburgs »ingehen wollten, kämen wir sobald nicht zu Ende. Wir beschränken uns auf die eben jetzt zutage getretenen, die sich an die südwestasrika- Nische Reise knüpfen. Im Vordergründe steht seine Wandlung über den Wert der Kolonien überhaupt. Man erinnere sich- einmal, waS in der Zeit des letzten Wahlschwindels über diese Parole, über dieses Land mit der „Dattel- kiste" gesagt worden ist: Herr Dernburg rlbst schlug die große Trommel und machte für die Kolonien eine Reklame, die nicht zu verantworten war. Und viele Deutsche fielen auf die Geschichte herein. Heute sagt derselbe Dernburg, ohne daß er errötet, das Land sei arm. In "seiner ersten Auslassung hieß es noch, das Land sei „nicht reich". Jetzt aber heißt es direkt: „DaS Land ist arm". Mit viel Fleiß und einem guten Stück Kapital könne man zwar dort eine Existenz gründen, die auch eine angemefiene Verzinsung des Geldes bringe. Wer aber wird unter solchen Umständen in ein Land ziehen, das sonst so viele Unbequemlichkeiten hat? Da bleibt man lieber zu Hause oder geht in bessere überseeische Länder. Wen» selbst der optimistische Dernburg so redet, wie muß es wohl in Wirklichkeit aussehen! Daß es nicht gut dort auSsieht, hat uns erst dieser Tage ein bekannter nationalliberaler Kolonialpolitiker bestätigt, der sagte, daß er keinen Pfennig in dieses „verfluchte Land" stecken werde, denn auf absehbare Zeit sei alles verloren; das Land habe auch nie eine große Zukunft.
Eine andere Wandlung sehen wir in der Frage der Eingeborenenbehandlung. Als im letzten Winter die neuen Verordnungen, die den Schwarzen eine unerträgliche Paßpflicht auflegen, ihnen den Erwerb von Land und Großvieh nicht gestatten, vom Zentrum scharf bekämpft wurden, sagte der Staatssekretär „ eine baldige Aenderung zu und sprach von vorübergehenden Diktaturbestimmungen. In seinen Reden in Südwestasrika aber versicherte er den Farmern, daß er gar nicht daran denke, diese Verordnungen
aufzuheben; man könne eher an eine Verschärfung denken! die Jacke müsse gut sitzen. Heller Jubel bei den Farmern! Nun er aus deren Bannkreis ist, sagt er wieder, daß die Verordnungen geändert werden müßten und namentlich die Paßpflicht sich nicht mehr halten laste, auch mäste man den Schwarzen Vieh geben. Das geht denn doch über die bekannte Westenknopfpolitik.
Auch mit der großen Politik befaßt sich jetzt Dernburaund hält Ansprachen gegen das allgemeine Wahlrecht, das er für die Kolonien nicht einführen will. Darüber läßt sich ja reden, ob Schwarze oder Weise in gleicher Art in einem Landesrat sitzen sollen; aber Dernburg ließ es auch an Seitenblicken auf das Wahlrecht in Deutschland nicht fehlen. Er hielt sich darüber auf, daß bei uns durch das Reichstagswahlrecht der Schwerpunkt des polnischen Einflusses auf die besitzlosen Massen verschoben worden sei. Da können wir Herrn Dernburg nur zurusen: „Hände weg! Tas ist nicht Ihr Restart, Herr Staatssekretär!" Es ist auffallend, wie Dernburg sich dergestalt in Opposition zum Reichskanzler setzen kann; denn Fürst Bülow hat immer betont, daß er am Reichsiaqswahl- recht nicht rütteln lasten werde. Ein ihm unterstellter Gehilfe in Kolonialfachen kann doch nicht die entgegengesetzte Polilik vertreten. Herr Dernburg hat sich auch hier gemausert; denn bis vor kurzer Zeit gehörte er noch als zahlendes Mitglied der freisinnigen Vereinigung an, die doch sehr entschieden sür das Reichstagswahlrecht eintritt.
Deutsches Reich.
* Staatssekretär Dernburg soll infolge der Strapazen seiner Reise durch Südwestasrika von einer schmerzhaften ernsten Entzündung an den Armen befallen worden sein.
* Die geplante Wein steuer, die schon mehrfach unter den Steuerplänen, die im Reichsschatzamte ausgearbeitet sind und dem Bundesrate vorgelegt werden sollen, genannt. wurde, ist, wie jetzt verlautet, als Flasch en st euer gedacht. Annehmbarer wird sie dadurch sicherlich nicht.
** Blockbrüderliches. Die deutschsozialen Blätter Liebermann v. Sonnenbergs widmen dem Freisinn einen Artikel, der stimmungsvoll also schließt:
Soziales Gefühl, Nationalsinn und Finanzpolitik, das sind die drei Hauplstellen, wo der Freisinn sterblich isi, heule, in tzen Tagen des Alters, wie in seiner Jugend. Schon sind an dem Lindwurm die Spuren des Alters und des Beifalls zu entdecken, möge dem giftgeschwollenen Ungeheuer bald der Gnaden st oß gegeben werden.
□ Die Kolonialunruhen in der Südsee haben in letzter Zeit wiederum vielfach von sich reden gemacht. Wie verlautet, werden unn im neuen Kolonialetat die Mittel zur Errichtung einer Polizeistation auf bet Admiralitäts- infel gefordert werden. Die neue Station wird auf der größten Insel des Archipels, der Manu- tnfel, ihren Platz finden. Bisher ist es dem Gouvernementsdampser „Seestern" trotz seiner oftmaligen Besuche auf der Inselgruppe nicht gelungen, dem Kannibalismus der Bevölkerung ein Ende zu bereiten. Die neue Polizeistation dürfte wirksame Abhilfe bringen.
♦ Gegen den mecklenburgischen Verfostungs- entwnrf opponieren die dortigen Junker weiter. Das Gros der Ritterschaft will, wie die „Franks. Ztg." aus Mecklenburg erfährt, die Regierungsvorlage glatt und ohne Umschweife a b l e h u e n. Die Herren geben sich auch gor nicht mehr die Mühe, diesen ihren Entschluß geheim zu halten. Von einer der Regierung nahestehenden Seite erfährt der Gewährsmann der „Franks. Ztg.", daß das Ministerium im Falle der Ablehnung der Vorlage die Verfassungsfrage unverzüglich vor den Bundesrat bringen wird.
* Gegen die „Herren Eucharisten" (!) wendet sich die Weserstg., d. h. sie sucht die Engländer gruseln zu machen wegen des nunmehr geschlossenen eucharistischen Kongresses. Das Blatt beginnt der ,Köin. Vztg/ zufolge:
In der Hauptstadt eines Landes, das in dem überwiegenden Teil seiner Bevölkerung protestantisch ist, dessen König in dem Krönungseid gezwungen ist, die Lehre von der Transsuvstantiation zu verdammen und die Katholiken zu verfluchen, in der Hauptstadt dieses Landes ist gegenwärtig der Eucharistenkongreß versammelt, besten ausgesprochener Zweck es nach der Darlegung, die Kardinal Vannutelli der,Times' gab, ist, die Einheit und die weltumfassende Bedeutung der katholischen Kirche zum Ausdruck zu bringen.
Das Blatt ist gütig genug, wenigstens folgendes zuzugeben:
Eine direkte Gefahr für den Protestantismus in England kann freilich aus der bloßen Tatsache, daß der Kongreß in London abgehalten wird, nicht hergeleitet werden.
Es ist immerhin beruhigend, daß infolge des Kongreffes die Manern des anglikanischen Jericho nicht ohne weiteres einstürzen. Aber das Blatt meint:
Der ganze Schritt bedeutet nichts anderes, als eine Störung des konfessionellen Friedens, und deswegen ist die Wahl von London auf das entschiedenste zu mißbilligen.
Man weiß, mit welcher Ungeniertheit die Prolestanten kirchliche Versammlungen in katholischen Städten abhalten, und dies geschieht sogar mit besonderer Vorliebe. Nach protestantischer Anschauung steht freilich den Katholiken das gleiche Recht nicht zu. Die Weser-Ztg. schließt ihre-Äussührungen wie folgt:
Geleugnet soll nicht werden, daß die Formel, mit welcher der König durch die Konstitution gezwungen ist, den Katholizismus zu verdammen, modernen Ber- hältmssen nicht mehr entspricht, und es gereicht den Engländern keineswegs zum Ruhme, daß sie sie nicht schon längst aufgehoben haben. Die englische Regierung könnte nichts besteres tun, als dem Verlangen «sie aufzuheben) nachzugeben und damit jeder Agitation den Boden zu entziehen. Zweifellos besser aber wäre es gewesen, wenn sie den Herren Eucharisten bedeutet hätte, sie möchten sich einen anderen Ort für ihre Sprüchlein aussuchen und dem päpstlichen Legaten einen sanften Wink gegeben hätte» daß seine Anwesenheit nicht erwünscht wäre.
Der Weser-Ztg. gebührt daS Verdienst, eine neue Klasse ganz gefährlicher Menschen entdeckt zu haben, nämlich die „Eucharisten". WaS mag der Durchschnittsprotestant sich unter einem „Eucharisten" vorstellen? Sicher etwas ähnliches wie die Jesuiten. Schleichende, finster blickende Menschen, in allen bösen Künsten wohl erfahren, mit Giften und Dolchen ausgerüstet. Kinder, nehu.t euch in acht!
* Dortmund, 15. Sept. 1908. Der national- liberale Landtags- und frühere Reichtstagsabge- ocdnete Hilbck ist in der heutigen Nacht 66 Jahre alt, gestorben.
cP Darmstadt, 15. Sept. 1903. Die Landesversammlung der Nationalliberalen Hessens
die springenden Funken sehen! Und Ihr, edler Herr! Verehrteste Frau, verzweifelt nicht! Ich habe sie soeben gezählt, es sind nur sieben Stück! Sieben Wölfe, das ist ja nichts Großartiges! Wir werden ihnen gewiß glücklich entrinnen, glaubts nur, edle Frau!"
So sprach er bald zum einen und zum andern, jeden beruhigend und aufrnunternd, während er ruhig auf seinem Platze verharrte und fest die Zügel hielt. Tie Pferde, als ob auch sie ihn verstünden, gingen leise und langsam. Der Starost, welcher in diesem Augenblick höchster Gefahr seinem Diener gehorchte, richtete den Lauf seiner Flinte bald nach rechts, bald nach links, je nach- dem die hungrige Bande bald auf der einen oder anderen Seite Terrain zu gewinnen und näher zu kommen suchte.
Nur noch einige Schritte von dem Schlitten entfernt, folgten ihm die Wölfe immerzu, manchmal einer den! andern nachtrvttend, als ob sie eine Herde wohl disziplinierter, zahmer Tiere wären; manchmal einen Augenblick innehaltend, als ob sie sich in den Schnee vergraben wollten, den sie mit ihren langen Krallen aufwühlten und in glitzernden Kristallen ringsumher kurbelten; manchmal endlich mit einge-ogenem Sc weife stehen bleibend, während sie die Schnauze in die Luft steckten und die Steppe von ihrem düstern Geheul widerhallen machten; als ob sie sich einen letzten Moment der Ueberlegung gönnten, — als ob sie eine letzte heulende Klage ausstießen ehe si« sich auf ihre lebenden Opfer stürzten, um sie m höchster Wut zu zerfleischen.
Mit diesem entsetzlichen, graueneinflößenden Gefolge kam der Schlitten endlich bet Grenze be8 Waldes nahe. Plötzlich entstand eine Be- toegnng in der wilden Meute. Eine riesige löfte sich aus der Gruppe und kam mit gesträubtem Fell, den roten, zitternden Rachen toett geöffnet, vorwärts. Sie sprang wie toll- wuttp allen andern voran! Noch ein bis zwei Schritte und sie mußte den Schlitten erreicht haben.
hat das Wahlbündnis mit dem Zentrum für die Wahlkreise Mainz, Offenbach Stadt und Offenbach Land genehmigt. Da die beiden verbündeten Parteien in den letzten Jahren gerade in den beiden genannten Städten sich eine st ar kge fügte Organisation gegeben haben, so wird es bei der bevorstehenden Landtagswahl ein heißes Ringen mit der Sozialdemokratie geben. In Mainz ist es zwar nicht zu einer Vereinigung aller bürgerlichen Parteien gekommen. Die Freisinnigen werden dort Gewehr bei Fuß halten und das kleine Häuflein von Demokraten, das bei der letzten Stadtratswahl sein Schicksal an di« Sozialdemokraten gekettet, hat auch diesmal wieder die Parole für die letzteren au-gegeben. DaS Zentrum beabsichtigt seinen bewährten Führer im Landtag, Herrn Justizrat Dr. Schmitt, aufzustellen. Da derselbe noch auf drei Jahre im Wahlkreise Mainz-Land gewählt ist, so würde es mit Zustimmung seiner Wahlmänner sein dortigeS Mandat niederlegen, um sich um das städtisch« Mandat zu bewerben, während die Wahlmänne« im Landkreise alsdann einen anderen ZentrumS- abgeordneten an feiner Stelle wählen würden. Die ,Frankf. Ztg/, welche davon Kenntnis erhielt und bei ihrer Vorliebe für die Sozialdemokratie von der Zugkraft der Kandidatur Schmitt sich wenig Gutes für ihre roten Schützlinge verspricht hat sich gewaltig über diesen „ZentrumSknifs" aufgeregt. Mit Unrecht — wenn die Zentrums- Partei und ihre Wahlmänner mit dem Vorgehen der Mainzer Parteileitung einverstanden sind, sy muß eS gewiß auch den Gegnern (einschließlich der,Franksurter ZeitungO recht fein. Wenigstens hat daS Zentrum keine Veranlassung, seine Maß« nahmen nach den Wünschen seiner Gegner zn treffen. Selbstredend liegt daS Bündnis bei Zentrums und der Nationalliberalen der,Frkf. Ztg/ schwer im Magen. Sie erinnert darach, daß ein solches Zusammengehen der beiden Parteien doch keineswegs der Blockpolitik im Reich« entspreche. Merkwürdig ist eS immerhin, daß das demokratische Organ, daS in so leidenschaftlicher Weise der Blockpolitik Vorschub leisten roilL so inkonsequent ist, um die Verbrüderung des Freisinns und der Demokraten mit der Sozialdemokratie bei der bevorstehenden Landtagswahl als durchaus vereinbar mit der gleichen Blockpolitik zu finden. AIS wenn nicht im Reichstag gegenwärtig die Müller-Meiningen und von Payer im trauten Verein mit den übrigen Block Parteien dieselbe Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie bekundeten! Man sieht, zu welcher Verwirrung der Begriffe der politische Haß führen kann. Daß daS Zusammengehen der bürgerliches Parteien keine „unnatürliche Koalition" sondern vielmehr eine aus den politischen Verhältnissen im Lande hervorgehende zwingende Notwendigkeit ist, darüber ist man sich in den bürgerlichen Kreisen Hessens schon längst klar. Richtig ist auch, daß schon feit Jahren in dem Lager der beiden Parteien die Adstckt bestand, gemeinsam bei den Wahlen gegen die Sozialdemokratie z« marschieren. Dieser Zusammenschluß ist für di« kommende Wahl auch ohne Erlaubnis der ,Frks. Ztg/ erreicht worben, weil man nicht fo töricht sein wollte, zum Vorteil deS gemeinsamen Gegners, der Sozialdemokratie, sich gegenseitig, wie itt früheren Jahren, zu bekämpfen.
* Ein „ParitSts-Bikd* ans dem Saarrevier veröffentlicht die „Germania". Die königlich« Bergwerksdirektion zu Saarbrücken umfaßt
„Um Himmels Willen, Herr, schießt nicht!" rief nun Dymitr.
Aber es war zu spät. Ehe er noch ausgesprochen, krachte ein Schuß. Die verwundete Wölfin hielt inne und stieß ein heiseres Bellen aus. Da- rauf gesellten sich alle die andern Wölfe heulend wieder zu ihr und stürzten in rasendem Laus vorwärts!---
«Mein Gott! Wir sind verloren! Dymitri rette uns !"„ schrie Marynia, indem sie ihre gefalteten Hände Dymitr entgegenstreckte.
Da zuckte ein wundersamer Strahl, ein« reine und sthöne Flamme rasch wie ein Blitz im Auge des jungen Mannes auf. Jedoch machte er keine Bewegung — sprach er kein Wort! Nun warf er Iwan hastig die Zügel zu, richtete sich mit einem Sprunge stolz und gerade auf seinem Ss.tze auf, ergreift rasch das Messer, das er im Gürtel stecken hatte und, laut dem Kutscher zu- rusend: „Fahr zu im Galopp jetzt! — fort, rasch!" sprang er aus dem Schlitten gerade vor die Rachen der Wölfe.
Hinter ihm ertönte ein herzzerreißender Schrei und weckte das traurige Echo der großen, schneebedeckten ebene.-
„Dymitr, unser tapferer Dymitr! Er wird sterben für unsi O rette, rette ihn, Hieronymus!"
Da nahm der Starost Marynia in die Arm« und schloß sie fest an sein Herz. Doch folgte er ihrem Flehen nicht, — er sah sich nicht einmal um.
„Im Galopp! Im Galopp! Schneller noch, elender Bursche!" schrie er Iwan zu, der leichenblaß, halb bewußtlos auf die Pferde einhieb und feine Peitsche wütend drauf knallen ließ.
„Wenn wenigstens wir uns retten können," begann der Starost von neuem, „jetzt muß dahinten schon alles vorüber sein, — wir können gewiß nichts mehr für Dymitr tun!"
(Fortsetzung folgt.)’