Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich mH Ausnahme her So.nt« «ndZriertage. viertel­jährliche" vezugspreis ohne vringerlohn und Veftelgeld in Fnlda so- wie auswärts t.56 Ml.

verantw. Redakteur r Lari Schütter

für die Anzeigen: Z.ParzeLer in Fulda.

Zuldaer

wocheickellag«! „Illustrierte Sonntagszeitung"

O ck- W

Anzeigen: Vie ehu fpaltigr Petitzeile »der Heren Raum 15 Pfg. Reklamen dicpetitzeile 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Labalt gewährt.

«otationrdrnckunh Verlag der Fuldaer Ak» tiendruckerri in Fulda Fernsprecher Lr. >

Ausland.

* Auf dem deutsch böhmischen Katholikentag in Rumburg ist, wie die nachträglich einlaufenden ausführlicheren Meldungen erkennen lassen, die von „nationaler" und sozialdemokratischer Seite planmäßig angestiftete Hetze nicht ohne Wirkung geblieben. Am Johannisberge, wo die Festmesse gehalten wurde, waren die Kreuzweg-Bilder mit roten Zetteln beklebt, worauf zu lesen war: Nieder mit dem Klerikalismusl Am Vor­abend der kirchlichen Feier auf dem Johannisberge wurden die Tücher des Altares zer­schnitten. Ter Uebeltäter ist verhaftet. Als am Sonntag der Festzug sich aufgelöst.hatte, mutz­ten die Teilnehmer tatsächlich Spießruten laufen. Schimpfworte wie „Pfaffenknechte", „Schweniepfaffen" flogen nur so hin und her. Die christlichdeutschen Turner aus Georgswalde, Filippsdorf und Warnsdorf zogen in geschlossenen Reihen nach ihrem Hotel. In der Klostergass« stand der Sozialdemokrat Hecker mit seinen Scha­ren, die sich auf die letzten Doppelreihen dräng­ten. Die Turner ließen sich das nicht gefallen und es setzte Hiebe ab. Das wiederholte sich dreimal. Es wurde fast Dreiviertelstunden ge­kämpft, kein Polizist und kein Gendarm war zum Erscheinen zu bewegen. Das Hotel wurde blo­ckiert, bis die Polizei endlich Ordnung schaffte. Am Nachmittag 3 Uhr, als die erste Hallptver- sammlung im Schützenhaus begonnen hatte, schleuderten „freiheitliche Hochschüler Sterne, Pflaumen und faule Eier gegen das Schützenhaus. Verschiedene Personen wurden be­schmutzt. Wo sich im Laufe des Nachmittags ein Gast mit der schwarzgelben Schleife zeigte, wurde er angespukt oder wenigstens besiegelt. Sogar Frauen, Rumburger _ Bürgerstöchter, wurden angefpuckt. Christi. Gesinnungsgenossen wurden die Fen st er eingeworfen. Jeder Priester, der sich auf der Gasse zeigte, wurde in unsäglich gemeiner Weise besiegelt, mehrere Priester wurden angespuckt, als„Schweinepfaffen" beschimpft. Sogar Fußtritte wurden ge­gen Geistliche ausgeteilt. Alldeutsche und Sozial­demokraten brüderlich vereint, sprangen auf di« Wagen fahrender Priester, um diese zu beschim­pfen und anzuspucken. Dem Wagen des Weih­bischofs Dr. Feind, eines echt deutschen Mannes, wurde P f e r d e m i st nachgeworfen. Abend« wurden zwei Priester tätlich angegriffen und ge- lchlagen. Diesem Treiben sahen die eigentlichen Drahtzieher von den Fenstern des Marktplätze« zu. Spät nachts noch hallten die. Straßen Rum- burgs wider von dem wüsten Treiben der fanati­schen Horde. All das konnte jedoch dem Glanze der Tagung keinen Abbruch tun. Enorm war dre Zahl der Teilnehmer, groß ihre Begeisterung und glänzend kamen die Sympathien der Rum- burger Bevölkerung zum Ausdrucke. Obwohl man alle, die flaggen wollten, mit dem Boykott be- drohte, hatten doch viele Einwohner ihre Häu­ser geschmückt. Mancher stadtfremde Radaubru-

Fulda, Monlaq den 14. Sevtember h>ok.

M 211.

X Die Matrikularbeiträge sollen nach der offiziösen Auslastung der ,Nordd. AUg. Ztg.' über die Reichsfinanzreform der Form nach noch fortbestehen bleiben, die tot- -sächliche Haftung der Einzelstaaten für den ungedeckten Reichsbedarf soll aber anscheinend ab- geschafft werden.

Man muß einen solchen Plan annehmen, weil der Schahsekretär zum Ersatz für die „alljährlich schwankenden Matrikularbeiträge" bereit- die „Einführung eines beweglichen Faktors", der jeweilig für eine Reihe von Jahren neu fest- gestellt wird, ankündigt. Der Schatzsekretär nennt das die „formelle" Finanzresorm. Einige Blätter zollen gerade diesem Teile des Plane- begeisterten Beifall. Da- ersiärt sich nicht auS finanzpoli-' tischen, sondern auS parteipolitischen Bestre­bungen. Die Herren glauben, mit der Ab­schaffung der Matrikularbeiträge könnten sie dem Zentrum einen besonderen Tort antun. Ferner lassen fie sich von dem Gedanken leiten, daß die Abschaffung der Matrikularbeiträge den sogen. „Patrikulari-mus" treffen, d. h. die Geltung der einzelstaatlichen Regierungen im Reich herabdrücken und die Zentralisation be- fördern werde. Dieser Gedanke ist leider richtig.

Die Matrikular-Beiträge sind kein Spielzeug deS Zentrums, sondern ein Grund« und Eck- stein untere-Bunde- rechts und unseres kon- stituiionellen Lebens. Sie gehören zu den ältesten und wichtigsten Stücken der ReichSverjafsung; erst als Hilfsmittel für die Kindheit deS Reiches ge­dacht, wurden sie 1879 auf Anregung des Zentrums unter Zustimmung des Fürsten Bis­marck und zur Freude der damaligen Regierun­gen der Mittelstaaten zu einer dauernden Ein- richtung des Reiches gemacht. Herr v. Miquel, der vielgewandte, versuchte es im letzten Jahr­zehnt deS vorigen Jahrhunderts, an diesem Grund- und Eckstein zu rütteln; aber sein Plan der „automatischen" Festlegung scheiterte. Der Schatz- ekretär Freiherr v. Stengel mußte seine Pläne »ezüglich der Matrikular-Beiträge so zurückschrau- !>en, daß statt der Abschaffung nur eine Umge- taltung deS Beitragswesens eintrat, die zur Ver­einfachung und zur Milderung der Schwankungen führte, aber die Beitragspflicht der Bundesstaaten und das Bewilligungsrecht deS Reichstages tat­sächlich fortbestehen ließ. 3lach dieser Stengel'schen Reform ist mit dem System der Matrikular-Bei­träge ganz gut auszukommen, so lange nur.die übrigen Einnahmen des Reiches nicht gar zu sehr hinter dem Bedarf zurückbleiben, damit die un­gedeckten Beiträge die Grenze der Erträglichkeit nicht überschreiten.

Nun sagt der neue Schatzsekretär, er wolle und könne das dauernde Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben begründen Ja, wenn ihm daS gelingt, so liegt eine doch finanzpolitische Notwendigkeit zur Abschaf­fung der Matrikularbeiträge gar nicht vor. Ist die materielle Finanzresorm d.urchgeführt, so hat es mit der sog. formellen Finanzreform gar keine Eile. Warum bat denn nun der Schatzsekretär diesen schwierigen Punkt in sein Programm ausgenommen? Soll daS ein Zu­geständnis an die Nationalliberalen und die sonstigen Freunde der Zentralisation sein? Oder haben kurzsichtige Finanzminister der Einzelstaaten chn dazu veranlaßt aus lauter Sorge, daß fie unter Umständen doch noch einmal mit einer

Barzahlung an daS Reich belästigt werden könn­ten? ES gibt ja leider solche Regierungen, die für daS LinsenmuS der unbedingten Beitrags­freiheit daS Erstgeburtsrecht sich im ReichS- verbande Geltung verschaffen zu können, preis- geben.

Aber der Schatzsekretär hätte doch bedenken müffen, daß er bei der Antastung des al en MatnkulariystemS einen politischen Streitapfel in sein sonst fachliches Programm hineinbekommt. Er hat einerseits mit dem Widerstand der sog. föderalistischen Parteien zu rechnen, welche dre Einzelstaaten nicht beiseite drängen lasten wollen, andererseits mit dem Widerstand der konstttutio- nellen Parteien, die auf ein wirksames Einnahme- bewilligung-recht des Reichstags den größten Wert legen.

Letzteren will man angeblich einen Ersatz bieten. Aber was sich von dem Angebot bisher erkennen läßt, sieht ungenügend aus. Ein Faktor, der „auf eine Reihe von Jahren" festgelegt wird, ist nicht gleichwertig mit einer alljähr­lichen Bewilligung. Und welcher Art soll der Faktor sein? Die einzige direkte Abgabe wäre die geplante Erweiterung der Erbschafts­steuer, aber wenn die überhaupt zustande kommen sollte, so wird jedenfalls keine Mehrheit dafür zu haben sein, daß man den Nachlaß der Eltern und des Gatten nach wechselnden Zu­schlägen aussetze. Es müßten also indirekte Steuern schwankend gemacht werden, und das bedeutet jedesmal eine Störung für den Handel und Wandel, eine Entfesselung der Spekulation, eine Schädigung der Verbraucher.

Schon 1879 hat Fürst Bismarck die Frage entschieden, was besser sei: eine bewegliche Kaffeesteuer usw. oder bewegliche Matrikular­beiträge. Warum will man jetzt klüger sein, als der erste Kanzler?

Deutsches Reich.

$ Der Kaiser ist Samstag vormittag o«8 den Reich-landen auf der Wildparkstation ein- getroffen. — Wegen der Maßregeln, die für den Fall getroffen waren, daß der Kaiser im Elsaß französische- Gebiet betreten sollte, hat er dort den französischen Kommissar Cochet zu sich ent­bieten lasten und ihn ersucht, der französischen Regierung seinen Dank auszittprcchen.

** Dir Reichsfinanzreform soll bereits in näch­ster Woche den Bundesrat beschäftigen, aber erst anfangs Oktober in der von der Regierung beab­sichtigten Form veröffentlicht werden. Daß die Verteuerung des O r t s p o r t o s bei der jetzigen Finanzreform wieder aufgehoben werden soll, ist nach dem „Berl. Börsencour.", der sich dabei auf Informationen bei dem Reichspostamt beruft, nicht zutreffend. Die Nachricht klang auch von vornherein nicht wahrscheinlich.

V Der frühere Reichsschatzsekretär Frei­herr v. Stengel bat anläßlich einer Unter­redung mit einem Mitarbeiter der Wochenschrift (Münchener) »Allgemeine Zeitung' u. a. auch auf die Gründe seines Rücktritts angespielt. Er sagte:

„Es lag nicht an mir, wenn die zur Sanierung der Reichsfinanzen erforderlichen Maßnahmen wieder vertagt wurden. Im Gegenteil: ich habe sie Pir so bringend erachtet, daß ich es vorzog, von meinem Amte zurückzutreten, um nicht mit verschränkten Armen zusehen zu müssen, wie sich die Lage des Reichshaus­halts von Monat zu Monat noch verschlimmerte. Im

Frühiahre dieses Jahres schien man allerdings ver­schiedentlich geneigt, später mit um so größerer Bereu- Willigkeit die erforderlichen Mittel zu bewilligen, wenn man den Reichstag nur noch einkiwerlen, für die Sesstou 1907-08, mit solchen Vorlagen verschonen wolle. Aber Garantien habe dafür niemand geben, können."

= Zwischen der deutschen und holländischen Regierung ist mit Rücksicht daraus, daß zahl­reiche junge Deutsche sich für die holländische Armee ein schreiben lasten, eine Abmachung ge- trösten worden, insolgedesten der holländische Minister des Aeußern angeordnet hat, daß Personen, die die deutsche Rationalität besitzen, nicht für die holländische 9lolionalatmee einge­schrieben werden dürfen. — Rian will dadurch offenbar den Konflikten, die durch das lieber« treten von Deutschen in daS holländische Heer entstehen, vorbeugen.

(*) Ueber die Tiamantenfunde in Südwest­afrika äußert sich ein Fachmann tm ,Berl. Lok.- Anz/ solgendermaßen:

„Die Brillanten sind, wie wir wissen, im Flugsand gefunden worden. Seiler« tietereGrabungen baden nichts weiter ergeben. Es ist also anzunehmen, daß die Steine nicht rote üblich, dnrck einen vulkanartigenAnsbruch an die Erdoberfläche gelangten, sondern entweder früher ein­mal durch Gewässer dort in geschwemmt wurden, wo fie jetzt gefunden worden iind, oder, oa die Steine doch nur recht klein lind — durch einen sehr starken Süd­wind hingeweht wurden. Ist dem so, bann durften viele Steine überhaupt nicht mehr gefunden werden. Man wird also gut tun, sich möglichst pessimistisch zu verhallen und abzuwarten. Im übrigen ist auch der Fund, wie er momentan steht, nicht der Rede wert. In Brillanten bedeuten 22 000 Mark — der Wert der bisher hierhergelangten Steine — gar n'chts. Ein ordentlicher Ring mit 3 Steinen kostet so viel. Und wenn das Karat auf 26 Mark eingeschätzt wurde, so beweist das nur, daß die Qualität eine recht mangel­hafte sein muß. Zudem sind die Steine auch klein. _ Wir haben noch von keinem Fall gehört, wo etn einkarätiger Stein gefunden wurde. Unter diesen Umständen ist von einer Beeinstussung des Marktes auch nicht zu sprechen. Sollten die neuen Felder es auf 100 Mill. Mark jährlich bringen, dann müßten Kimberly, do Beer und Premier schon batnit rechnen. Aber wir fürchten, dazu wird es nie kommen. Wie gesagt, abwarten und peflimistisch bleiben !*

Dieses Urteil ist sehr beachtenswert und wird der üppigen Phantasie DernburgS etwas Zügel anlegen.

— Die Freunde der Leichenverbrenuung sind gegenwärtig in Hagen i. W. versammelt., Sie haben eine Kommission eingesetzt „zur energischen Vertretung der Feuerbestattung gegenüber der Regierung und dem Parlament". Der Kongreß nahm auch eine Resolution an, in der er die be­kannte Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts bedauert und gesetzliche Abhilfe fordert. Sämtliche Vereine sollen mit allen gesetzlich zulässigen Mit­teln auf die praktische Durchführung der Leichen­verbrennung hinwirken. Die Herren in Hagen schlugen Töne an, als ob das Rschtsbewußtsein des Volkes durch die Verweigerung der Leichenver­brenuung aufs schwerste gekränkt worden sei. Das glaubt ihnen ja niemand. Das deutsche Volk hält sich in seiner Mehrzahl von dem Bestreben, auf dem Wege der Leichenverbrennung die Religion aus den Herzen zu reißen, fern.

Sozialdemokratifcher Parteitag.

ns. Nürnberg, 13. Sept. 1908.

Der sozialdemokratische Parteitag wurde heute mit einem Begrüßungsabend in der städtischen Festhalle eröffnet. Das riesige Lokal, das 15 000 Personen faßt, war überfüllt. Bebel fehlte, wie e3 heißt, wegen Krankheit in seiner Familie; er kommt später: Vollmar kommt wegen Krankheit gar nicht. Abg. Dorn begrüßte den

35. Iahrqanq.

Panellag namens des Lokalkonnlees. Singer dankte und betonte: „Auf diesem Parteitag find Differenzen zu klären und der Spruch des Partei­tags muß jedem Genoffen ein Evangelium und Heiligtum fein " Auf die Budgetbewilligung an,p elend, wünschte er sachliche Verhandlung; aber der Parteitag müsse volle Klarheit schaffen und Beschlüsse fassen, welche die Gefamtpartei refpektiert und achtet. ES sprach noch der alte Löwenstein, neben Bebel einer der wenigen noch Lebenden, die vor 40 Jahren auf dem Ärveitervereinstag wirkten. Die Abgg. Dorn und Singer wurden zu Vorsitzenden des Partei­tags gewählt.

Dymitr der Kosak.

Von Marcel Etienne.

8] (Nachdruck verboten.)

Der einem Lakaien gegebene Befehl wurde so­gleich ausgeführt. Nach Verlauf einiger Augen­blicke erschien der junge Kosak und wie stets so stolz, so würdevoll, so schön, daß manchem dieser eabartigen Männer das Herz vor Freude

te und fie ihn in ihrem Innern als einen Bru- bccrriifttcn»

„Hast Du zu Nacht gegessen?" .fragte vor Mein der Sa-loßherr, indem er dem jungen Bo­len wohlwollend zulächelte.

„Ich wollte eben beginnen, Eure Exzellenz; doch das kann warten, meine Bigos (faschiertes, stark gewürzte- Fleisch) werden nicht kalt werden!

„Vorerst aber, mein Junge, wirst Du einen Tropfen von diesem Maliniak trinken, um Dt. Lust zum Essen zu machen", fügte Frau Bychowsn hinzu, indem sie dem stolzen Jüngling em kleines Glas voll des köstlichen rosenroten Gettänkes bin- hielt.

„Vielen Dank, vieledle Dame! Auf die Ge» stmdheit Eurer Exzellenz und all der anwesenden Herrschaften!"

Und das Glas in einem Zuge leerend, stellte er H auf den Tisch zurück und ließ seinen leuchten- den Blick freimütig über die vornehme Tafelrunde -leiten.

„Und jetzt, Dymitr, wirst Du uns, aber ganz Offen und ehrlich, hörst Du, sagen, ob viel Schnee liegt!"

„Biel Schnee, sagt Ihr? Das will ich meinen, Exzellenz! Den ganzen Tag hat er nicht aufge­hört zu fallen, zu wirbeln, zu tanzen und wieder *u fallen, wie Millionen Eiderdaunen aus einem «vrb zu Boden!"

„Und die Wege? Sind fie noch sichtbar?"

„Aber meine edeln Herren! Wie wollt Ihr, paß man sie unterscheiden könnte? Es gibt weder

zuginge l Als

Das möchte ich wohl sehen, wie daS zuginge l Als ob nicht die geringfügigsten Gegenstände auf dem

Wege noch Stege, weder Gräben, noch Flüsse, noch Abgründe mehr! Oftmals ist mein Pferd bis zum Bauch eingesunken, ich versichere Euch, Vhr Herren!"

„Aber dann, mein braver Dy mitt, wie konn­test Du Dich juredjt finden und hierher ge­langen?"

„Das ist, weil für uns Kosaken der Weg nicht nur vor unfern Augen liegt, weil er vor allem in unferm Kopfe eingegraben ist!"

„Du sprichst wahrhaftig die Wahrheit, mein Junge! Instinkt, Geschicklichkeit und Geistes­gegenwart find nicht die geringsten Deiner Eiaen- schasten! So getraust Du Dich also, es auf Dich zu nehmen, uns bei diesem Unwetter, in dieser finsteren Nacht vor dem Morgengrauen nach Kos- zowata zu bringen, ohne Dich zu verirren, ohne Mch zu täuschen?"

„Ich mich von hier nach Koszowata verirren?

Wege: die Gebüsche, die Hecken, die Vereinzellen Eichen, die Ruinen der Hütten, die gebeugten Kreuze der Gräber nicht auf der weiten Steppe verstreut wären, um das Gedächtnis des Kosaken zu unterstützen, zu ihm zu sprechen, ihm den Weg zu zeigen!"

„Was für em prächtiger und braver Junge! Es ist wahrhaftig ein Vergnügen, ihm zuzuhören! Mein Schwiegersohn kann sich glücklich schätzen, einen solchen Diener zu haben!" flüftette der Schloßherr seiner Gemahlin zu, indem er sich zu ihr niederbeugte.

„Nun wohl, Dymitr, da Du den Weg so gut kennst, höre, was wir tun werden, um den Vater zu beruhigen", sagte der Starost, dessen Laune sich etwas gebeffert zu haben schien. „Du wirst mit uns Kruto-Horby verlassen. Wir werden im Schlitten, auf dem Bock, schon ein Plätzchen für Mch finden, Chwedko aber, welcher hier bleibt, wird morgen Dein Pferd zurückbringen!"

Bei dies«! Worten des Herrn Hieronymus atmeten alle Anwesenden erleichtert auf. Marynia

erhob, ohne ein Wort zu sprechen, ihren Blick sttahlend zu ihrem Gatten, als ob sie ihm danken wolle für diesen Beweis des Vertrauens, den er seinem getreuen Kosaken gab. Madame Bychowski aber machte Jgnaci ein Zeichen:

„Gib acht, mein Freund", sagte sie zu ihm, „dieser br’abe Dymitr hat noch nicht zu Nacht gegessen; spute Dich daher, ihm vorzusetzen und zwar vom Besten was Du hast, damit er sich ge­nug gekräftigt fühle, um diese nächtliche Reise anzutreten l"

Der brave Diener konnte jedoch nur in Hast die trefflichen Bissen hinunterwürgen, welche ihm in der Küche vorgesetzt wurden. Denn kaum hat­ten sich die Gäste vom Tisch erhoben, als Herr Koszowacki sich seiner jungen Frau näherte:

„Und nun, meine Liebe, kleide Dich ohne Säumen an, wir fahren sogleich!"

Ohne zu antworten begab sich Marynia in den Salon, in welchem die Kammerjungfer ihre pelzgefütterten Ueberschuhe, ihre Kapuze und ihren zobelverbrämten Pelzmantel bereit hielt. Während fie ihre niedlichen, kleinen Füße hin- h'.ett, welche in den Weichen, großen Schuhen bei­nahe verschwanden, saß sie nachdenklich mit einem ernsten Gesichtchen auf dem Sofa, als fie Phadä- sus mit ihrem Bruder Stanislaus auf sie zu­kommen sah.

„Wollt uns eine große Gunst gewähren, ich flehe Euch darum an", flüsterte der junge Mann in respektvollem Tone: „Wollt uns gestatten, Euch tn unserem Schlitten zu folgen, — welcher, ohne Euch knapp auf den Fersen zu fein, Euer Geführt dennoch nicht aus dem Auge laffen wird. Es gibt ja so viele Gefahren, welche Euch auf der weiten, großen Ebene überraschen können! Wenn Ihr niemanden zur Seite hättet, um Euch bei- zuspringen, so könnte Euch vielleicht, trotz des tapfern Dymitr, ein Unglück zustoßen. Darum hoffe ich zuverfsthtlich . .

„ß nein, nein! Ich flehe Euch meinerseits an! Beharret nicht auf Eurem Vorsatz, Herr Phasädus, sondern lallet uns, wie mein Gatte

es wünscht, mit Dymitr und in Gottes Hut ab­reisen l"

Und indem Marynia dem jungen Mann aXi Abschiedsgruß die Hand zum Kusse bot, verließ sie eilig den Salon, um sich in dre Arme Frau Bychowski zu werfen, die fie an der Schwelle er­wartete, um ihr Lebewohl zu sagen.

Es lag in diesem Augenblick tn den zärtlichen Zügen der Mutter und deS geliebten Kindes ein solcher qualvoller Ausdruck von Zweifel, Sorge und Traurigkeit, daß es jedem Beobachter hätte auffallen müffen. Eine wertlose Frage, voller Bitterkeit, voll graufamer Schmerzen vielleicht stand in den Augen der Mutter: „mein armer kleiner Liebling, haben wir auch recht getan. Dich jenem Manne zu geben? Bist Du auch glücklich ferne vom Vaterhause?" Und die traurigen Augen der jungen Starostin, in welchen eine heimliche Trane glänzte, gaben in ihrer kindlichen Offenheit Antwort: „O Mutter, geliebte Mut­ter, warum habt Ihr mich nicht bei Euch behal­ten? Ich war ja so ftoh und zufrieden unter Eurem Dache, so glücklich!"

Der Schloßherr und seine Gemahlin mochten nur zu wohl diesen stummen, traurigen Vorwurf in den Augen ihres KindeS verstehen, denn im­mer und immer wieder umarmten sie ihrs Toch­ter, ehe fie die Schwelle überschritt. Und als sie den Schlitten bestiegen hatte und im Dunkel der eisigen Winternacht verschwunden war, sahen sie noch oftmals nach jener Richtung und riefen den Segen und Schutz des Höchsten für diese nächtliche Fahrt auf sie herab!

Hatte Phadäsus DluSki wirklich auf fein Vor­haben verzichtet, Marynia in feiner Art gleich­falls zu beschirmen? Das mochte man wohl be­zweifeln, denn kaum hatte er ihr die Hand ge­küßt und sich von ihr verabschiedet, als er sich zu Stanislaus wandte und ihm ein paar Worte ins Ohr flüsterte, während er auf den Starosten einen Blick voll Haß und Verarmung heftete.

Die Pettsche JwanS schnalzte laut und sauste lärmend durch die Lust; der Schlitten aber floa