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JV3 210.
Fulda, Samstaq den 12. September 1908.
35. Jahrqanq.
cf Die altpreuhische Sparsamkeit.
In der Erklärung der Nordd. Allg. Ztg. zur Reichsfinanzreform wird betont, daß gemäß dem Finanzplan deS Schatzsekretärs auch „auf die bewährtenGrundfätze altpreußifcher Sparsam kett" zurückgegangen werden soll.
ES ist danach beabsichtigt a) Einschränkung oes Aufwandes bei Bauten und anderen Neuanlagen; b) Einschränkung des kostspieligen Beamtenapparates durch Vereinfachung des Geschäftsganges mittels Verschiebung der Befug- niste von oben nach unten und mittels Anpastung der Formen deS BehördenverkehrS an die Formen des modernen Verkehr-; c) Prüfung der wirtschaftlichen Maßnahmen, Vergebungen von Lieferungen nach kaufmännischen Erwägungen an Stelle deS bureaukratischen Schwergewichts.
Für diese Gedanken wird der Schatzsekretär gewiß allseitig Beifall finden; aber ob e- ihm möglich sein wird, den alten bureaukratischen Geist auszutreiben, da- wollen wir erst abwarten. Wir fürchten, wenn nur erst die neuen Mittel da sind, dann wird nicht bloß flott gewirtschaftet, sondern auch umständlich verwaltet werden.
Die Erfahrung lehrt uns, daß wir von der wiederholt angekündigten Rückkehr zur Sparsamkeit nicht allzuviel erwarten dürfen. Wenn irgend jemand, so waren e- die Zentrumsredner, die bei der Matsberatung, im Reiche wie in Preußen immer und immer wieder die Sparsamkeit an richtiger Stelle predigten, ohne jedoch damit viel Eindruck auf die Regierung zu machen. Die Aufdeckung der skandalösen Wirtschaft innerhalb der Kolonialverwaltung ist da-unbestreitbare Verdienst der Zentrumsfraktion, ins. besondere der Abg. Erzberger. Der Dank dafür wurde am 13. Dezember 1906 ausgesprochen. Welche- Heidengeld noch jetzt für Ostafien jährlich auSgegeben wird, ist im letzten Winter lm Reichstage au-giebig erörtert worden. Der RlockreichStag hat trotzdem diese Ausgaben wieder bewilligt. Wir erinnern weiter daran, wie seit Jahren gerade Zentrumsabgeordnete eS immer gewesen sind, die den Kampf gegen die Be- g ü n sti g u n g gewisser Firmen (Krupp, Wör- mann, Tippelskirch, Mittler u. Sohn, deutsche Munitions- u. Waffenfabrik usw.) geführt haben; eine Begünstigung, die die Steuerzahler mit Millionen haben bezahlen müssen.
Gewiß, die Regierung hat auch schon oft auf die schöne Tugend der Sparsamkeit hingewiesen, aber vornehmlich dann, wenn es galt, gewisse unliebsame Forderungen, die an sie ge- stellt wurden, zurückzuweisen. Wie oft konnte man feiten- der Regierung da- Wort von der Sparsamkeit bei der Beratung von sozialpolitischen Anträgen hören! Aber für die Polen- enteignung waren die Hunderte von Millionen für die Regierung eine Kleinigkeit. Wie oft hat man ferner bei Bewilligung von Neubauten >ie Regierung ermahnt, weniger auf Pracht- boulen und luxuriöse Ausstattung Rücksicht zu nehmen, als aus den Säckel der Steuerzahler? Und doch sieht man, daß gerade die Staats- bauten mit einem Aufwand auSgeführt wurden, der absolut nichts mit Sparsamkeit zu tun hat.
Daß der Beamtenbedarf eingeschränkt wird, ist eine längst gestellte Forderung. Die Verteilung
der Beamten für die einzelnen Ressortsgeschäfte kann in einer Weise geregelt werden, daß em ganz erklecklicher Teil an GehaltSaufwendungen gespart wird. Man braucht nur an die Post zu denken, wo nicht wenige Beamten mit höherer Ausbildung und dementsprechend höheren Ge- haltSsorderungen Geschäfte zu erledigen haben, die ganz gut von den unteren Postbeamten erledigt werden können. Und was von der Post gilt, trifft in ähnlicher Weise bei den übrigen Ressorts zu. Ein ganz wichtiges Kapitel ist auch, daß bei Vergebung von Lieferungen Erwägungen nach Art eines sorgfältigen Kaufmannes an die Stelle des bureaukratischen Schwergewichtes treten sollen. Hoffentlich wird e§ aber auch durchgeführt werden. Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Ausfallen muß eS, daß Herr Sydow bei seinen SparsamkeitSplSnen Heer, Marine und Kolonien gar nicht nennt, und doch würde gerade hier die Sparsamkeit am meisten zu Buch schlagen. Wagt er sich nicht daran?
Deutscher Reich.
* Die Wiedereinführung des Ortsporlos
im Orts« und Nachbaroetsverkehr wird im Anschluß an die Reichsfinanzreform angekündigt. Ob sich die Nachricht bewahrheiten wird, bleibt allerdings abzuwarten, begegnet doch auch die Angabe, daß die Fahrkartensteuer wieder aufgehoben werden solle, ernsten Zweifeln. — Wie eine Berliner Korrespondenz erfahren haben will, soll gar eine „Reform" der Fahrkartensteuer in Erwägung gezogen sein, die eine Besteuerung auch der 4. Wagenklasse vorsieht.
(*) Der Kaiser hat am Freitag von Schloß Urville aus die angekündigte Fahrt nach dem Ob er elf aß angetrelen und den als „Schlucht" bekannten Bergpaß aufgesucht. Die französischen Behörden waren durch die französische Botschaft in Berlin benachrichtigt worden, daß der Kaiser der französischen Grenze einen Besuch abzustatten gedenke, worauf von Paris aus Vorbereitungen zur Sicherheit de» Monarchen getroffen wurden. Ein Regierungskommissar wurde vom Ministerpräsidenten beauftragt, die Anstalten zu überwachen, die von den französischen Zollbehörden getroffen wurden, damit Kaiser Wilhelm auf seiner Auto« mobilfahrt nach der Schlucht ohne Aufenthalt die 100 Meter lange Strecke französischen Gebiets rassieren könne. Der Uebertritt aus französisches Gebiet ist übrigens, wie wir bereits erwähnten, zum Besuch der „Schlucht" nicht notwendig und auch nicht erfolgt. Auf der „Schlucht" bot namens der französischen Regierung ein Beamter dem Kaiser einen Extrazug auf den Hohneck an, was wegen Zeitmangels dankend abgelehnt wurde. Die Rückfahrt erfolgte über Winzenheim nach Colmar. Dort wurde der Kaiser, wie überall, unterwegs festlich begrüßt. Auf eine Ansprache de« BürgermeistersBlumenthal dankte der K a i s e r, ndem er seine Freude ausdrückte über die her - liche Begrüßung der Bevölkerung, wie er sie im Elsaß allenthalben gefunden habe. Der Kaiser betonte weiter den sicheren Bestand de- Frie« dens, da- Land werde weiter grünen und Kühen können. Gegen 7 Uhr suhr der Kaiser mit Extrazug von Colmar wieder ab, um das Reichsland zu verlassen.
* Zu der interparlamentarischen Konferenz in Berlin sind bisher 899 Teilnehmer angemeldet. darunter auS Deutschland 82. Vertreten sind weiter Belgien, Dänemark, Großbritannien, Holland, Italien, Japan, Norwegen, Oesterreich. Portugal, Rußland, Schweden, Schweiz, Spanien, Ungarn und die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Sitzungen des Kongresses finden statt vom 17. bis 19. September im Sitzungssaal des beut« schen Reichstages.
)( Staatssekretär Dernburg ist am Freitag von seiner Afrika reise in Antwerpen an« gekommen, lieber seine in den Kolonien ge« machten Erfahrungen ausgefragt, mente er, die Wirtschaft sei überall noch sehr im Anfänge.
„Die wirtschaftliche Krise, eine Folge des Krieges und eine seiner Begleiierscheinungen, hat ihren Höhepunkt noch nicht überschritten und eS ist heute schon sicher, daß die Aufwendungen des Reiches für die 33er- waliungs- und Schutzkosten sür geraume Zeit nicht auf« hören können. Die Erkenntnis der wirtschaftlichen Notwendigkeiten ist aber bei einem großen Teile der Bevölkerung vorhanden, und eine Gesundung der Zustände aus dieser heraus kann erwartet werden."
Danach wird man sich also doch noch auf neue größere Aufwendungen für Südwestafrika gefaßt machen müssen.
* Zum System der Polenschikaniererei liegt von Derne bei Dortmund ein drastische- Beispiel vor. Am vorigen Sonntag wollte, wie bte ,Germ/ erzählt, die polnische Rosenkranz« bruderschaft in Derne ein Fest feiern. Die Bruderschaft, ein rein religiöser Verein, steht unter Leitung eines Franziskanerpaters in Dortmund, der ihn gegründet hat, um die zahlreichen Polen dieses Ortes nach Möglichkeit im katholischen Glauben zu erhalten und sie von der Sozialdemokratie zu hüten. Der leitende Pater legte dem Polizeikommissar von Derne daS Programm der Feier zur Genehmigung vor, darunter 4 polnische Lieder religiösen und humoristischen Inhalts, welche am Festabend gesungen werden sollten. Das Programm wurde durch Verfügung vom 5. September h. schriftlich ge- nehmigt mit der Maßgabe, daß erlaubt sei: 1. Konzert, 2. Begrüßungsrede (deutsch), 3. A b- singen von 4 Liedern religiösen und humoristischen Inhalt- rc. Ferner heißt es unter der Genehmigung noch: „Der Verein wird darauf hingewiesen, daß:
1. An- und Abmärsche auf öffentlichen Straßen und Plätzen nicht staltstnden dürfen,
2. Fahnen auf öffentlichen Straßen und Plätzen nicht unverhüllt getragen werden dürfen,
3. Verhandlungen — auch die Ansprache — in deutscher Sprache geführt werden muffen,
4. das öffentliche Aussteller» oder Aushängen von Fahnen mit polnischem Avler nicht geduldet wird, ebensowenig eine Ausdehnung der Feier außerhalb des Lokales unter freiem Himmel,
5. polnische Abzeichen (Kokarden, Mützen, Ron» edrralka, Maeiejovka, Bogota rc.) nicht getragen werden dürfen.
Nichtbeachtung vorstehender Bestimmungen zieht die Auslösung der Festlichkeit und Bestrafung der Beteiligten nach sich.
Der Franziskanerpater zahlte die geforderten 5 Mark Lustbarkeitssteuer — und die Sache bunte loSgehen. Aber der Seelsorger der Polen denkt, — und der preußische Staat lenkt. Nach dem Wortlaut der Verfügung und nach der mit dem Herrn Polizeikommissar stattgehabten vor- »ergehenden Besprechung mußte der Franzis- kanerpater annehmen, daß die Absingung der 4 polnischen Lieder gestattet sei, weil er solche
in polnischer Sprache vorgelegt hatte und eS für jedermann selbstverständlich ist, daß polnische Lieder nicht im Handumdrehen deutsch gesungen werden können. Als man nun begann, ein polnifches, religiöse- Lied zu singen, legte der überwachende Polizeibeamte Widerspruch ein. Man rief telephonisch den Polizeikommissar an. Dieter kam und hielt das Vorgehen des Polizeibeamten mit der Bemerkung aufrecht, daß der Landrat des Landkreises Dortmund nachträglich auch das Absingen der vier polnischen Lieder nicht gestattet habe. Eine Mitteilung darüber war dem Verein und seinem Leiter vorher nicht zugegangen. Natürlich entstand ob diese- Vorgehens während des Feste- große Aufregung, aber der Kommissar und fein Beamter blieben bei ihrer Weigerung: Die Lieder durften nicht gesungen werden. — Wie ist eS möglich in einem Kulturstaate, daß man einem religiösen Verein Absingen religiöser Lieder in der Muttersprache der Teilnehmer verbieten kann? Wie ist es möglich, diese- Verbot unter der Hand nachträglich zu geben und dadurch eine Festfeier zu stören, während man vorher die Erlaubnis erteilt hat? — An demselben Tage zogen durch die Straßen Dortmund- tausende sozialdemokratischer Gewerkschaftler mit Pauken« und Trompetenschall, ohne daß ihnen polizeilicherseit- ein Haar gekrümmt wurde. Wir wünschen nicht, daß e- ihnen untersagt wurde, aber eS zeigt doch recht wenig StaatSraison, wenn man auf der einen Seite die Männer de» Umstürze- im geschlossenen Zuge frei durch die Straßen der Stadt ziehen läßt und auf der anderen Sette einem rein religiösen Verein untersagt, religiöse Lieder zu fingen, nur weil diese in polnischer Sprache verfaßt sind. Man züchtet durch solche Maßnahmen doch nur Sozialdemokraten.
# Ein gutes Stück Ungeschicklichkeit scheint wieder einmal die preußische Schulbehörde sich geleistet zu haben, wenn eine Geschichte wahr ist, wie sie augenblicklich durch eine Anzahl Blätter läuft. Es handelt sich um folgende-: Vor einiger Zeit las man Über ein Disziplinarverfahren, das gegen den Lehrer Hanfe« in Tönnig eingeleitet worden war, weil Hanfe« die Luftklappe nicht ordnungsmäßig gehandhabt und ferner, weil er dem zur Inspektion erschienenen Vorgesetzten nicht rechtzeitig einen Stuhl angeboten habe. Der harmloseste Beurteiler dieser Erklärung mußte erkennen, daß diese furchtbare« „Kapitalverbrechen", begangen an Luftklappe und Sitzgelegenheit, unmöglich ein so strenge- Vorgehen gegen den Lehrer Hansen begründen konnten. Die Gründe der Di-ziplinierung suchte man vielmehr in der politischen und sozialen Haltung, die Hansen annimmt (er ist nicht konservativ, sondern liberal). Diese Annahme soll jetzt ihre volle Rechtfertigung gefunden haben. Schulrat Diercke tn Schleswig, ein Schulmann von gutem Ruf, ist nämlich vor kurzem pensioniert worden, und zwar wohl nur au» dem Grunde, weil er dem Lehrer Hansen reinen Wein über eine Maßregelung einschenkte. Wa- Schulrat Diercke in seiner Offenherzigkeit zugestand, mich allerdings für die Regierung überaus peinlich ein. Nach einer Mitteilung hatte Lehrer Hanse« ich wiederholt zur Rektoratsprüfung gemeldet, war aber einfach zur Prüfung gar nicht zugelassen rootben, obgleich er alle Vorbedingungen
Dymttr der Kosak.
Bon Marcel Etienne.
4] (Nachdruck verboten).
Mir vlefen Worten übergab der Starost dem Schloßherrn das Blatt Pergament. Nachdem derselbe es eilig durchgeksen hatte, gab er es seinem Schwiegersohn zurück.
„In der Tat", sagte er, „die Sache ist drängend, ich sehe ein, daß Deine Anwesenheit notwen- big ist. Die Nacht ist aber entsetzlich dunkel, die Kälte intensiv und der Sturm unbesö^eiblich. Horst Du, wie et heult? Willst Du mir aber einen »roßen Gefallen erweisen? Dann reife, weil es schon sein muß, mit Dymitr und Iwan ab, aber geh allein! ES ist so finfter, so falt; laß uns ftinfer geliebtes Kind hier! Ich schwöre es Mr, lieber Schwiegersohn, daß ihre Mutter sie Dir morgen sicher zurückbringen wird!"
„Ich bin untröstlich, Dir Deinen Wunsch nicht erfüllen zu können, lieber Schwiegervater. ES ist jedoch unmöglich! Marynia ist mir unentbehrlich, um die Honneurs meines Hauses zu machen. Herr Felix ist, wie Du wohl weißt, an feine Souper» gewöhnt, an anmutige Unterhaltung und an die Gesellschaft schöner Frauen. Deshalb muß ich mein junges Weib unbedingt an meiner Seite haben. Denkt doch, daß morgen in aller Frühe bereits die Schlitten des Grafen Potocki vor meinem Hause Halt machen können!"
Im Blick und Ausdruck de» Starosten lag, e.ec ^se letzten Worte aussprach, eine solche Feierlichkeit, zugleich ein solches Entsetzen > biofeen Gedanken, den heiligen Pflichten trabthoneller polnischer Gastfreundschaft nicht zu genügen, daß Herr Bychowski, tief betrübt, nicht mehr auf seiner Bitte zu beharren wagte. In- dem er mit einem tiefen Seufzer das Haupt auf die Brust sinken ließ, wandte er sich ab, um sich »u entfernen und feiner andern Marynia in den Heißen Haaren, seiner aeliebten Gattin, die fa
tale Nachricht zu überbringen. Der Starost hin- gegen überschrrtt unbefangen, jedoch mit ernster Miene tote stets, die Schwelle deS graublauen Salons, wo die Gäste fröhliche Gruppen bildeten und die Herren den Damen höflich den Arm boten. Er ging geradewegs auf seine junge Frau zu, ließ seinen ernsten, beinahe harten Blick über sie gleiten und sagte:
. Marynia, ich komme. Dich zu benachrichtigen, daß wir nach dem Souper sofort abfahren werden. Wir müssen vor Anbruch des TageS in Koszo- wata sein!"
Die junge Frau, welche ihm aufmerksam zugehört hatte, neigte ohne zu antworten, schweigend das Haupt. Doch kam ein flüchtiger Seufzer von ihren halbgeöffneten Lippen, ein fliich- tiger Schatten zog durch ihre klaren Augen. Es schien ihr grausam, so plötzlich ihre alten Eltern und ihr geliebtes Elternhaus berhffen zu müssen. Aber ihre würdige Mutter hatte ihr am Tage, da sie die Tochter den Händen des edlen Herrn Hieronymus übergab, eindringlich und ernst zu ihr gesagt: „Vor allem, geliebtes Kind, fei be* scheiden und unterwürfig. Handle niemals dem Wtllen und den Wünschen des Beschützers entgegen, der Dich erwählt hat und der jetzt unsere Stelle bei Mr vertritt. Das ist der einzige Weg auf dem Du das Glück Deiner Ettern hinfur be* gründen und die Segnungen Gottes im Himmel verdienen kannst!"
So widersprach Marynia als gehorsame Gattin nicht, und fügte sich geduldig in diese eilige Abreise. Ein Gedanke wenigsten» milderte ihre Traurigkeit. Durste sie nicht noch vor Tagesanbruch ihren kleinen StaS umarmen, ihren süßen Engel, welcher daheim in seiner mit Seide und Spitzen geschmückten Wiege schlief?
Während jedoch der jungen Starostin die Er- gebung in den Willen ihre» Gatten nicht schwer zu fallen schien, hielten die jungen Kavaliere der Gesellschast sich nicht verpfltchtet, sich ebenso ge- fügt« zu zeigen wie Marynia. Herr Koszowacki batte kaum au sprechen geendet, al» sich ein wir
res Gemurmel erhob, — Rufe des Protestes hörbar wurden.
„Wie? Heute noch abreifen? Bei solch einer Nacht! Hieronymus, Ihr dentt doch nicht daran! Da» heißt, sich muttoiffig Gefahren aussetzen I"
„Ich habe es wohl überlegt und hiernach meinen Beschluß gefaßt. ... Es wird jedenfalls nicht das einzige Mal bleiben, daß meine Frau und ich einen Schneesturm durchfahren müssen!"
„So werdet Ihr uns wenigstens gestatten, Euch zu begleiten", beharrte Phadäsus Dluski, der sich dem starrköpfigen Starosten, um weniger Widerspruch fürchten zu müssen, am Arm von Marynras Bruder Antoni näherte. „Die Gefahr ist weniger groß in der Ebene, wenn zwei Schlitten einander folgen. Und hier werden alle beruhigt fein, wenn wir Euch nach Hanse begleiten!"
„Nein, nein, Phasädus Dluski! Ich danke Euch tausendmal! Doch ist es unnötig. Euch zu bemühen! Wir brauchen niemanden» Hilfe, um nach Koszowata zurückzukehren!"
„Aber nochmals, Herr Staroste, warum sollte Euch das unangenehm ober ungelegen sein? Wir werden mit dem Morgengrauen hierher zurückkehren und Ihr könnt eure Gäste durch un» unbehindert empfangen!"
„Ich will allein fahren, ich habe eS bereits gesagt .... Und ich füge jetzt hinzu, daß nie- mand, fei es hier oder anderswo, da» Recht hat, sich in meine Angelegenheiten zu mischen!"
Während er so sprach, war die Stirne Hieronymus Koszowacki finster, die Brauen zusammen- gezogen, sowie die Stimme stahlhart und hochmütig. Der leicht erregbare Phadäsu» drehte be- reit erregt die Spitzen seines Schnurrbates in bte Hohe, wahrend eine zornige Röte sein Gesicht überflog.
., Marynia die Augen zu dem Freunde
ihres Bruders, und e8 lag in ihrem Blick eine fola) verschüchterte Angst, solch ein verschwiegenes Flehen, daß der junge Mann die Hand wieder herabsinken ließ, welche bereit» nach dem Griff
des Säbels an feiner Seite langen wollte. Um nicht zu neuem Streit ersucht zu sein, ließ er, auf den Arm seines Freunde» Antoni gestützt, alle Gäste an sich vorüberziehen, ehe er den Speisesaal betrat.
Der Starost aber war al» einer der erste« borbeigegangen, an der Hand seine Gattin führend, und beeilte sich, dem Schloscherrn gegenüber Platz zu nehmen.
Das Souper verlief zuerst weniger animiert und laut, als es bei einer so großen Zahl von Gästen zu erwarten war. Die bevorstehende übereilte Abreise des jungen Paare» hatte bis Fröhlichkeit verbannt, eine gewisse Verstimmung lagerte auf allen Stirnen. Und dennoch gab da» Menu, das ebenso reichlich als gewählt war, in all seinen Gängen Zeugnis, wie sehr es dem Grundherrn daran gelegen war, seine Gäste zu- frieden zu stellen. Das geschmackvolle Krupnik, eine klare, köstlich goldene Suppe, in welcher die Körnchen um Gänseftücke schwammen, die Zrazy» aus zartem und saftigem Fleisch in einer Tunke bon Champignons, die Pirogis mH Käse und gerösteten Speckscheiben, bte beinahe unter einer herrlichen, gelben Sahne verschwanden, Eapaun und Fasan mit Butter übergoffen; dazu Milch mit Zimmt gekocht, der alte parfümierte Hydro- mel, feiner al» der kostbarste Malvasier, her rosenrote Maliniak (Himbeerwein) mit betäubendem Geruch, alte Ungnrtoetne, die feurig und habet dick tote Del aus den verstaubten Flaschst flössen, all das zusammen bildete eine vollkommene Mahlzeit, wohl dazu angetan, die Etzlust und die Heiterkeit der Tafelrunde zu erwecken.
Der Wein brach, wie et dies gewöhnlich zu tun pflegt, da» EiS und versetzte die Gäste endlich tn heitere Laune. AIS der General — e» war dies wirklich ein schöner Grek», der stets den Ehrenplatz an der Seite de» Schloß Herrn entnahm — ein Paar Becher des feurigen ungarischen Rebensaftes geleert hatte, erhob er den Kopf mit plötzlich erwachter Süssigkeit, legte fak- bungSvoll die Land auf die Brust, blinadte mit