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Fnlda, Freitag den 11. September 1908.
M 209.
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35. Jahrqanq.
Zweites 23lcxtt.
Kleines Feuilleton
gleich Küster und Organist war. So versuchte er es auf andere Weise. Allen Gutsleuten wurde verboten, mit dem Lehrer und seiner Familie zu verkehren und für sie zu arbeiten. Der Lehrer ließ sich durch diesen Boykott nicht zum Fortgehen bewegen. Es wurden daher schärfere Mittel versucht. Der Lehrer wurde beim Gericht wegen Unterschlagung angezeigt, konnte aber durch Zeugen die Grundlosigkeit der Anschuldigung nachweisen. Eine zweite Anzeige wegen Diebstahls — er hatte 3 Jahre vorher mit Erlaubnis der Gutsherrschaft in einem Waflerloch ohne Erfolg gefischt! — hatte Freispruch zur Folge. Auf die Frage des Richters nach der Ursache der späten Anzeige lautet die Antwort: „Ich will und muß die gerichtliche Bestrafung des Mannes haben, weil ich ihn sonst nicht los werden kann". Eine wettere Anschuldigung wegen Betruges — der Lehrer hatte ein um 4 Tage zu junges Kind au Weisung des Inspektors in die Schule ausgenommen und natürlich au* auf die Schulgeldliste gesetzt, hatte ebenfalls keinen Erfolg. — Die liberale Lehrerprefse, die unausgesetzt wegen der Schuloerhältnisse in katholischen Gebreten z. B, in Bayern ohne Grund einen großen Lärm macht, kann sich an diesem Brocken einmal die Zähne ausbeißen.
— Dortmund, 10. Sept. 1908. Auf dem hier tagenden protestantischen Pfarrertage, der sich u. a. mit den Pensionsverhältnissen der Geist- Ii*en und der Fürsorge für die Witwen beschäftigte, die als nicht ausreichend befunden wurde, teilte einer der Redner auf Grund eigener Kenntnis mit, daß der preußische Kultusniinister die Geistlichen in d er Schulaufsicht gern behalten wolle. Abgelehnt wurden indes Anträge: bei dem Kultusminister dahin zu wirken, daß der Ortsschulinspektor nicht aus seinem Amte entfernt werden kann, ohne daß er gehört und die in Frage stehende Verschuldung genügend untersucht wird, und ferner: in Gegenden, wo keine hauptamtliche Kreisschulinspektion notwendig ist, darauf Hinuzwirken, daß der Einfluß der Kirche durch Belassung der nebenamtlichen Aufsicht erhalten bleibt.
* Wieder eine Spionageaffäre in Frankreich. Die Verhaftung eines angeblichen Spions in der Stadt Bourges erregt in Frankreich großes Aufsehen. Er hatte von dem Wächter der Pulverfabrik die Auslieferung des Verschlußstückes der 75zölligen Kanone gegen entsprechende Vergütung zu erlangen versucht. Man glaubt, daß man es mit einem deutschen Offizier zu tun habe.
* Tas Tolstoi-Jubiläum. Ministerpräsident Stolypin hat, entgegen den Beschlüssen der russischen Kirchenbehörde im letzten Augenblicke noch alle Gouverneure angewiesen, der Feier des 80. Geburtstages Tolstois keinerlei Hindernis in den Weg zu legen.
vermischtes.
* Hunderttausend Mark unterschlagen. Die „Rheinisch-Westf. Zeitung" meldet aus Düsseldorf: Der Direktor der Heureka-Werke in Benrath, Oskar Haehnichen, wurde wegen Verdachts der Urkundenfälschung und Unterschlagung von über 100 000 Mark verhaftet. Haehnichen soll au: einen Vertrag, wonach ihm die Entnahme seines Gehalts bis 1914 aus der Kasse des Werkes zusteht, die Unterschrift des Gesellschafters gefälscht haben.
* Der Fesselkünstler Hondini, der auch den Namen „Ausbrecherkönig" führt, tritt wieder im Zirkus Busch in Berlin auf. Er hat gegen früher noch viele neue Tricks seinem Programm hinzugefügt. Am Samstag hatten sich im Zirkus Busch Berliner Aerzte und Vertreter der Presse versammelt, denen Herr Hondini seinen neuesten Trick vor führte. Gewissermaßen als Einleitung hierzu schob er sich ein paar Dutzend Nähnadeln in den Mund, verschluckte dann ein paar Meter Zwirn, trank darauf ein Glas Was- ser und zog hierauf scheinbar dieselben Nadeln an dem Zwirnsfaden eingefädelt, wieder aus dem Munde. Hierauf zog sich Herr Hondini einen Schwimmanzug an und wurde nunmehr mit starken Ketten und Schlössern gefesielt. Vorher hatten Aerzte festgestellt, daß er unmöglich irgend einen Schlüssel oder sonstige zum Oeff- nen der Schlösser dienende Instrumente an seinem Körper versteckt haben konnte. Eine Droschke entführte den Gefesselten, der von Aerzten und anderen Herren an den Händen gehalten wurde, nach der Friedrichsbrücke, von deren Geländer aus er ins Wasser sprang. Dreißig Sekunden gebrauchte er, um unter dem Wasser die Fesseln zu lösen. Ein lebhaftes Bravo empfing den an die Oberfläche Tauchenden, der von einem bereit gehaltenen Kahn ausgenommen und samt seinen Ketten nach dem Zirkus Busch gebracht wurde.
, * Sich selbst verloren hatte ein polnischer Arbeiter. der mit seiner Frau und drei Kindern vom Ausland nach Berlin kam, um nach einiger Rast nach seiner Heinwt weiter zu fahren. Der Pole kehrte mit seiner Familie bei einem Gastwirt ein und ging noch am selben Tag zu einem Barbier. um sich die Bartstoppeln abnehmen zu lassen. Nun fand er aber seinen Gasthof nicht wieder. Das war um so schlimmer für ihn, als er seiner Frau alles Geld gegeben hatte. Rat- und mittellos in der großen Stadt umherirrend, versetzte er erst seine Uhr, dann den Regenschirm und endlich alles, was er sonst noch hatte, um nur wenigstens notdürftig leben zu können. Erst nach- dem er den letzten Groschen ausqegeben hatte und zum Versetzen, nichts mehr besaß, wandte er sich an die Polizei, daß er sich verloren habe. Mit Hilfe der Kriminalpolizei hat er dann schließlich eine Familie wieder gefunden.
* Ein Pfälzer Wenndyll. Einige Wormser !eierten Jakobstag; um diesen würdig zu begehen, wurde em Wagen genommen, nach Beindersheim gefahren und in einem dortigen Gasthause fröhlich gezecht. Am Schlusie der Feier fehlte ein Herr von
Ausland.
* Der niederländisch-venezolanische Zwischen- fall. Don einem eigentlichen Krieg Hollands mit Venezuela wird wohl niemals die Rede sein. Die Parteien sind dafür zu ungleich, die Ent- ernungen zu groß, die Verhältnisse zu ungewöhn» ich. Auch wenn Castro die Dinge auf die Spitze reibt und Holland noch weiter r«zt, ist es» Kampf nicht zu erwarten. Eine Blockade ist Wohl das einzige Mittel, das Holland übrig bleibt, nm den südamerikanischen Diktator zur Vernunft zu bringen. Aber ob es helfen wird? Das ist die große Frage, besonders da es eine Tatsache ist, daß der Handel Venezuelas schwer getroffen lverden würde, dieser Handel aber zum größten Teil von ausländischen Häusern getrieben wird. Vor allem Deutschland hat da- bei großes Jmeresse; ein Zusammenstoß zwischen Holland und Venezuela würde dem deutschen Handel nur nachteilig sein. Für Deutschland ist es denn auch vielleicht von noch größerem Interesse daß die Dinge nicht auf das äußerste getrieben werden, als für die Niederländer. Und ohne Zweifel wird von deutscher Seite auch getan werden, was möglich ist, um zu verhindern, daß es in der Tat zu Feindseligkeiten komnit. Der Umstand, daß der Vertreter des Deutschen Reiches zu Caracas vorläufig die Sorge für die niederländischen Interessen übernommen hat, ist dabei nicht ohne Bedeutung.
— Die Haifischgesahr. Die Haifische, die jetzt tn großer Zahl im Adriatischen Meer und im Mittelmeer erscheinen, sind dort zum Schrecken aller Badenden geworden. Fast jede Woche kommt die Nachricht, daß dem gefräßigen Raubfisch ein Badender zum Opfer gefallen ist. Im Juli 1907 wurde in Triest eine Lehrerin, die sich zu weit ins Meer gewagt hatte, von einem Hai angefallen und zerrissen. Auch in Adbazia fiel ein Hai ein Boot an und verletzte eine Person. Nicht nur im offenen Meere greift der Hai an, auch am Ufer ist der Mensch vor diesen Fischbestien nicht sicher. In Zara (Dalmatien) saßen zwei Mädchen ans der Ufermauer, als sie einen Hai bemerkten. Der Hai schnellte aus dem Wasser, das eine Mädchen ergriff eine Stange, um nach dem Hai zu schlagen. Der Hai biß nach der Stange und riß das Mädchen herunter. Noch ehe das Mädchen das Wasser berührte, hatte sie der Hai schon gepackt und ihr den Oberschenkel glatt abgebissen. In einem Damenbade waren einige Damen im ®2®te außerhalb der Grenze, eine Dame schwamm vor dem Boote her, als zwei Haifische in einer Entfernung von 50 Metern gesehen wurden. Die Dame war nur zwei Meter vom Boote entfernt, aber noch ehe sie ins Boot ge- 8J>3en werden konnte, hatte der Hai schon sein Opfer an den Beinen erfaßt und in die Fluren gejagen. Aus der Insel Baleari ist sogar eine Ouardiadi (Meereswache) stationiert. Wie notwendig dleie Einrichtung ist, beweist ein Vorfall, der sich im letzten Juli ereignete. Das Bad war an einem heißen Julitage voller Menschen, als plötzlich ein Warnungssignal ertönte; das Bad wurde von Haifischen heimgesucht. Das aus offenem Meere stationierte Boot war das erste Angnffsobjekt der Raubfische. Nur der sachkun- ?Mn Leitung der Wache gelang e», das Boot . leAb'L vor dem Kentern zu bewahren, während
Insassen mit eisernen Haken einen erbittet»
Reklamen- und Anzeigenteil.
hm Schmidt läßt sich entschuldigen er sei stockheiser und habe einen so quälenden lrockenen Husten, daß er ganz schwach sei von der Anstrengung. — So! Na, sagen Sir Herrn Schmidt, wenn er morgen nicht gesund wäre, dann müßt ich einen anderen Herrn auf die Reis» schicken. Er soll Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen nehmen — die stellen ihn bis morgen schon wieder her, verstanden? — Bays IJrl echte Sodener kaust man für 85 Pfg. in jeder ■•V Apotheke.Drogerie oder Mineralwasserhandlung.
— Woher kommt der Ausdruck Brandbrief? Als cs noch keine Feuerversicherungen gab, auch die Brandgilden, welche im Mittelalter di» Funktion der Feuerversicherungsgesellschasten hatten, noch nicht existierten, hatten die einzelnen Gilden in den Städten sich zusammengetan, um das durch Feuer geschädigte Mitglied zu schützen. Bei den früheren Feuersbrünsten in den eng gebauten Städten mit ben mit Stroh oder Schilf gedeckten Häusern langte die Hilfe der Gilden meist nicht au8. Das sahen auch die Innungen ein und bildeten zum erstenmale tm Jahre 1566 m Nürnberg eine sogenante Brand- güde. Es war dies eine Raffo welcher die Mit- gueder aller Gilden, aber auch andere Hausbesitzer at^ehören konnten. Es war ein bestimmter jähr- ücher Beitrag festgesetzt, der je nach Bedarf schwankte. Waren m dem einen Jahr viel Brände gewesen, ;o wurde für da? kommende Jahr der Beitrag ost auf das doppelte und dreifache erhöht, um den «chaden wieder wett zu machen. Bei geringerem Brandschaden ging man wieder herunter. Dieser ersten Brandgilde folgten bald solche in allen größeren Städten. Die Hilfen waren aber immer noch nicht genügend. Und so verfiel man auf die Idee, den Abgebrannten behördlich beglaubigte und gestempelte Brandbriefe auszustellen, welche fie berechtigten, im Lande umherzuziehen und Gaben und Geld für sich zu erbitten.
— DaS Meer als Gemüsegarten. Dor zehn ■wahren sprach Sir William Crookes die Befurch- hing aus, daß nach 28 Jahren die Bevölkerung der Erbe dem Verhungern preisgegeben fein werde, da bann bas Getreide nicht mehr zu ihrer Ernährung ausreichen würbe. Mag nun die Zeit» angabe stimmen ober nicht — schließlich kann es sehr wohl soweit kommen. Deswegen ist ein Vor- jwwg wohl beachtenswert, ben Professor Bonny eaftfe Dale sungst gemacht hat. Das Meer, so agt er, enthalt ungezählte Mengen von Nähr- tofsen m seiner Pflanzenwelt, die ausreichen, um )te Bevölkerung der ganzen Erde zu ernähren.
Sllflen und Langarten des Meeres sind Pflanzen bte einen hoben Sebalt an Stärke Ei
der Gesellschaft. Was machen? Zufällig befand sich unter den Feierndm auch der dortige Polizei« diener; mit den Worten: „Den wolle wer ball baroc!" erhob er sich schwer, holte die Ortsschelle und Hub an, nach allen Regeln der Kunst auszu- fchellen: „Heute Mittag ist ein großer langer Tapezierer von Worms in unserm Orte verlorm gegangen; der redliche Finder wird gebeten, ihn im Gasthause X. abzuliesern!* Und siehe da, — es dauerte gar nicht lange, da traf der Vermißte ein, abgeliefert von der halben Einwohnerschaft Beindersheims, zum Gaudium der dortigen Buben!
* Eine mysteriöse Affäre erregt in Wien und Budapest zurzeit größtes Aufsehen. Dort soll ein junger Mann, Spaso Kragujevici, ein absolvierter Jurist aus Bubapest, ben Versuch gemacht haben, seinen Freunb Eduard Reitz zu erdrosseln. Nach ben Angaben bes Reitz hatte dieser seinem Freunde für die Nacht Gastfreundschaft gewährt. Plötzlich erwachte Reitz. Kragujevici stand neben ihm und hatte eine Rebschnur um ben Hals seines Gastgebers gelegt, die er fest zuzog. Schon fühlte Reitz das Bewußtsein schwinden, als es ihm gelang, mit dem Daumen die Schlinge um den Hals zu lockern, doch erst, als durch den Lärm angelockt, Hilfe von der Straße kam, ließ Kragujevici ab, warf sich auf die Knie, weinte und schrie, er wisse nicht, was er gemacht habe. Kragujevici dagegen behauptet, Reih habe ihn des Nachts zu bestehlen versucht, aus Furcht vor Anzeige wahrscheinlich einen mißglückten Selbstmordversuch gemacht und bann ihn, Kragujevici, aus Rache verleumdet.
* Ei» erschütterndes Drama hat sich in bet in der Umgegenb von Genna liegenben Stadt Albenga abgespielt. Ein Ingenieur kam vom Spaziergang zurück. Sein sechsjähriges Söhnchen bemerkte ihn und lief dem Vater freudig entgegen. Gerade in diesem Augenblick bog ein Automobil in schnellster Fahrt um die Ecke. Vergeblich bemühte sich der Ingenieur, den Chauffeur durch sein verzweifeltes Rufen auf die Gefahr, in der sein Kind schwebte, aufmerksam zu machen. Ohne seine Schnelligkeit zu mäßigen, sauste das Automobil weiter und begrub im nächsten Augen- blick den Kleinen unter seinen Rädern. Außer sich vor Schmerz zog der unglückliche Vater seinen Revolver und feuerte hinter dem davonjagenden Automobil her. Eine Kugel durchbohrte ben Körper einer Insassin und drang dem Chauffeur, bet tot vom Wagen stürzte, in den Kops. Das führerlos gewordene Automobil raste gegen die Felsstippen. die die Straste vom Meere trennen, wo es zerschellt liegen blieb. Bei dem Sturz wurde auch die zweite Insassin tödlich verletzt.
— Amerikanischer Zeitungshumor. Eine Zeitung in New-OrleanS brachte vor kurzem folgende Notiz: „Der junge Mann, der gestern in unsere Expedition i'am, sich auf eine Kiste setzte, unmittelbar aussprang und davonrannte, wird höflich ersucht, die spitzen Messingnäget zurückzubringen, die mit der Spitze nach oben auf der Kiste standen, als er sich hinsetzte. Er wird nicht in Rechenschaft gezogen werben.'
— Bestätigt. Fräulein Melanie sagte. Du hättest hr gestern in der Konditorei fortwährend bewundernde Blicke zugeworfen!* „Stimmt! Sie hat nämlich zehn Windbeutel und fünf Schaumrollen verzehrt !•
Deutsches Reich.
* Preußen will nicht. Augenscheinlich offiziös wird erklärt, daß die Teilnahme des Prinzen Ernst August von Cumberland an den elsaß-lothringischen Kaisermanövern mit der anderweitig behaupteten Veränderung in der braunschweigischen Thronfolgerfrage in keiner Verbindung stehe. WaS die braunschweigische Erbfolge betrifft, so beständen nach wie vor die erneuten Bundesratsbeschlüffe unverändert fort.
* Sind wir stark genug? In der neuesten Nummer der Gegenwart wirst der Generalleutnant z. D. v. d. B o e ck in Kassel die Frage auf, ob wir denn wirklich selbst für den Landkrieg stark genug seien, um einer größeren Verbindung anderer Staaten die Stange halten zu können. Er rechnet Deutschland auf eine Kriegsstärke von vier Millionen, Italien auf 1 Oesterreich auf 17«. Diesen 67. Millionen stellt er Frankreich mit 4, Rußland mit 3 Millionen ein und kommt so, ohne noch die englischen Landtruppen und die astatischen Kontingente Rußlands zu rechnen, auf eine erhebliche Uebermacht des GegendreibundeS. Mit Recht sagt er aber auch, daß Deutschland gut tue, sich für einen etwaigen Zukunftskrieg weniger auf seine Bundesgenossen, als auf sich selbst zu verlassen, er erhält bei solcher Rechnung erst recht noch ungünstigere Er- aebniffe. Wenn wir auch den ersten Stoß gegen den westlichen Nachbar führen, so müßten' doch beträchtliche Teile unserer Stteitkräste gegen Rußland stehen bleiben. Auch fei es eine viel zu optimistische Anschauung, wenn man in eventu- eben englischen Landungstruppen nur eine fröhliche Kriegsepisode für unser Reservedivisionen erblicke. So kommt er denn zu dem Ergebnis, daß Deutsch- land seine schwere Rüstung nicht mit geraume Zeit weiter tragen, fonbern auch nicht nur zu Wasser, sondern euch zu Lande noch stärker ausbauen müsse. — Das ist wohl tendenziöse Schriftstellerei, welche der Generalleutnant z. D. da beliebt. Es ist ganz falsch, zu behaupten, daß Frankreichs kriegsstarke Armee der unfrigen gleich fei. Jedermann weiß, daß Deutschland 64 und Frankreich nur 39 Millionen Einwohner hat; und ebenso ist bekannt, daß di» französischen Truppen nur auf dem Papier so stark sind wie die deutschen. Unsere vier Millionen find durchweg kräftige, krieg-tüchtige Leute, was bei den Franzosen nicht der Fall ist. Die deutsche Armee ist an Zahl und Kriegstüchtigkeit der französischen überlegen. DaS ist der erste Rechenfehler des Herrn Generalleutnants. Der 2. ist, daß er die österreichische und italienische Armee zu niedrig angibt, der 3., daß er bei Rußland nicht berücksichtigt, daß ein großer Teil von baffen Armee kaum jemals gegen Deutschland Verwendung finden würde' wegen der Zustände im russischen Reiche selbst. ES ist absolut nicht not- wendig, unsere Sage ungünstiger hinzustellen, als sie in Wirtlichkeit ist; daS ist auch nicht klug! den Gegner macht daS leicht übermütig, das deutsche Volk aber unsicher. Dem Frieden dienen solche Uebenreibungen nicht.
X Mecklenburgisches. Der Rittergutsbesitzer v. LeerS in Vietlöbbe hatte nach der ,Lid. Korr/ . »inen Haß auf seinen Lehrer geworfen, den er aber nicht einfach kündigen konnte, weil er Ju
ten Kampf gegen die Bestien führten. Ter Kamps dauerte nur eine Minute, während dieser Zeit hatten di« Badegäste Gelegenheit, sich ans Ufer und auf Felsen zu retten, sonst wäre ein furchtbares Blutbad entstanden. Auffallend ist die Tatsache, daß die meisten der dem Haifisch znm Opfer Gefallenen Damen waren. — An der Küste von Brasilien ist der Hai eine tägliche Erscheinung, aber in Europa ist er bisher nur ganz vereinzelt vorgekommen. Man nimmt an, daß der Hai feinen Aufenthalt wechselt und in nach-
Zeit *n großen Mengen in den südlichen Gewässern auftreten wird.
— Einer, der seine Leute kannte, war eS, der in bem oberschlesischen Orte Zalenze einen Spitzbuben der Tat überführte. Ein gerissener Ruthene schlief mit fünf polnischen Arbeitskameraden im Schlaf- Hause zu Zalenze. In einer der letzten Nächte waren ihm 24 Mk. abhanden gekommen: aber seine Schlafkameraden leugneten entrüstet, den Diebstahl begangen zu haben. Der Ruthene aber kannte ben Aberglauben seiner Mitarbeiter. Errief fie zusammen und überreichte, so schreibt man der „Voff. Btg/, jedem einen kurzen Stab mit einer Ansprache etwa dieser Art: „Hiermit bekommt Ihr von mir je einen Stab. Der eine ist genau solang wie der andere. Aber wenn 30 Minuten vergangen sein werben, wird der Stab desjenigen der mir das Geld gestohlen har, um einen Zoll ge» wachsen sein. Nach einer halben Stunde gibt mir jeder ben Stab wieder." Und so geschah es. Nach einer halben Stunde bekam der Ruthene 5 Stabe zurück. Bier davon warm noch so lang wie vor- her; einer aber hatte seine Länge verändert. In- dessen nicht länger war er geworden, sondern kürzer. Dem Ueberbringer diese- Stades sagte der Ruthene ben Diebstahl auf den Kopf zu, und unter Tränen gestand jener auch die Tat. Nur konnte er nicht recht begreifen, wie der Bestohlene ihn herausge- funben hatte. Er hatte nämlich dm Stab um ge» nau einen Zoll gekürzt, damit bet Ruthene nicht merken sollte, daß das verräterische Holz einen Zoll gewachsen war-
weiß und Zucker haben, die sie entsprechend wir die Pflanzen auf dem Lande au8 der Lust, unmittelbar aus den Stossen Herstellen, die ihnen das Meer liefert. Der Gedanke, die Seege wüchse zu essen, ist an sich nicht ganz neu, denn tm Orient hat man ihn schon teilweise ausgeführt. Die Chinesen, die Japaner und die Einwohner vieler Inseln des Stillen Ozeans sammeln tm Sommer «erlang, der dann zubereitet und verzehrt wird. Angeblich soll diese Pflanzenkost ganz gut schmecken und dem Körper sehr zuträglich sein. Es ist also fein Grund, sie umkommen zu lassen. Einige Seetangarten werden auch in Europa schon gegessen. Es handell sich um Pflanzen, die in den Gewässern von Schottland und Irland vorkom- m*n. Dort sowohl, wie auch in Newyork, wohin sie gebracht werden, dienen fie als Nahrungsmittel. Die Verwendung der Seepflanzen als Nah- rungsnuttel erschöpft ihren Nutzen keineswegs. Der Tang laßt sich außerdem, ohne daß er irgendwie Verarbeitet zu werden brauchte, als Dünger und als Schweinefutter verwenden; verbrannt liefert seine Asche wertvolle Salze, außerdem laßt er sich, abgesehen von dec allbekannten Nerwen- oung als Polstermaterial, zu Leim berarbeiten, und schließlich soll sich daraus auch ein ganz brauchbares Papier Herstellen lassen.
— 3« Niederbayern. In einem kleinen nieder- bayerischen Dorfe, wo jeder bei anderen Verhältnisse bis in£ kleinste Detail kennt, fragt ber Lehrer am ersten Schultage u. a. auch ben klemm Joseph, wie viel Geschwister er habe, ob bte Ellern noch am Leben seien, usw- Die erste Frage hat der Sepp pflichtschuidigst beantwortet. Bei der zweiten jedoch spricht er: „O mei’, Herr Lehrer, dös woaßt ja Du doch all's besser wia i!"
— Warum! „Frau Klckunann ist ganz unglücklich, daß fie beute abend dreizehn zu Tisch fein werden.' „Warum? Es ist doch nicht denkbar, daß eine gebildete Frau so abergläubisch sein sollte.'