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Fulda, Dienstag den 8. September 1908,

35. Jahrgang.

M 206.

eites Matt

Kleines Feuilleton

furt,"'jagt Än alterSffÄSft Lr%ete.n Jahrzehnte sandte Professor Dr. Horst u n aircr Mwaviicyer Volksspruch. der 1 Kohl, der bekannte Bismarck-Historiograph, kürz.

Zeichen rastlosen Vorwärtsstr^bens. Die Deut­schen sind tatsächlich ein gefährliches Volk. Aber nicht als kriegslustige Angreifer, wie unsere Jingoprefle solange meinte, sondern als wirt­schaftliche Konkurrenten auf dem Welt­märkte. Wir haben da nur die Wahl, dasselbe atemraubende Tempo anzuschlagen oder zurück­zubleiben."

— Sekundaner vor 40 Jahren. Als einen Beweis für die Naivität der Gymnasiasten der

Deutsches Reich

* Der Friede im Flottenverein ist, wie wir der „Natztg." entnehmen, endgiltig wieder her­gestellt. Nur vier Ortsgruppen haben ihren Austritt vollzogen. Die zahlreichen übrigen Ortsgruppen Les Flottenvereins, die sei­nerzeit gegen die Bayern opponierten, haben sich dem Danziger Friedensschlüsse unterworfen. — Und darum Mord und Totschlag! Die Keimpresse die „Tägl. Rundschau" voran, ist denn auch über­raschend schnell still geworden, und Herr Keim selbst scheint sein Spiel und die Idee der Begrün­dung eines neuen Flottenvereins ebenfalls definitiv aufgegeben zu haben.

* Deutsche Arbeit in englischer Beleuchtung. Ein englischer Kaufmann faßt seine in Deutsch- land gewonnenen Eindrücke wie folgt zusammen: „Meine Reise durch Deutschland war für mich und die Herren, die mit mir kamen, eine Offenbarung. Ich habe so etwas von Arbeit und Tüchtig­keit noch nicht gesehen, und ich kann nur sagen: Hut ab vor der deutschen Arbeit! Wir fuhren durch die Provinz Brandenburg und sahen diesen unendlichen Sand, wie man ihn schöner an der See nutzt findet. In England würde solches ».and brach liegen, da niemand daran denken wurde, derartigen dürftigen Boden zu bearbei­ten. Sre haben da blühende Felder geschaffen und eme Weltstadt, die in ihrer Art einzig ist. Hier scheint jeder doch immerhin noch so viel zu verdienen, daß er leben kann. Ich habe wenig, stens von dem zerlumpten Proletariat, das für das Londoner Eastend typisch ist, in Berlin nichts gesehen, obgleich ich mich von meinen Berliner Freunden durch die ärmsten Viertel führen ließ. Ueberall Ruhe, Ordnung, Sauberkeit und die

Aus dem Nachbargebiet.

* Bad Wildungen, 7. Sept. 1908. Ein heiterer Vorfall ereignete sich am Freitag im Kurtheater zu Bad Wildungen. Es wurde daS Sudermannsche Schauspiel „DaS Glück im Winkel" vor ungefähr 400 Besuchern gegeben, Kein einziger dieser Zuschauer mußte wohl daS Stück kennen, denn da der 3. und 4. Akt ohne Zwischenpause gespielt wurde, wartete das Pub» likum nach Ende des Stückes auf den 4. Aki und verließ erst nach der Mitteilung des Logen« schließerS: „Meine Herrschaften, das Stück isi ja zu Ende" unter schallendem Gelächter den Saal.

* Bad Brückenau, 7. Sept. 1908. Dieser Tage wurde die Aufstellung der Orgel in der vor kurzem erst feierlich eingeweihten katho­lischen Kirche dahier fertig, und nach einer eingehende': Prüfung dem Gebrauche übergeben. Das prächtige Werk ist eingebaut in ein altes, ans einer badischen Kirche stammendes Gehäuse, das wie geschaffen in die neue Kirche paßt, und hat 16 klingende Register, 5 Koppelungen, feste und freie Kombinationen für verfchiedene Ton­stärke und beliebige Registermischungen, und ein automatisches Pianopedal.

* Dillenburg, 7. Sept. 1908. Der letzten Stadtverordnetensitzung lagen die Pläne für daS neue städtische Krankenhaus vor, dessen Sofien insgesamt mit 125 000 Mark veranschlagt sind. Es wurde entgegen dem Magistratsvor« schlag, mit der Erbauung zu warten, bis da- zurzeit vorhandene Baukapital von 56000 Mark auf 100 OOO Mark angewachsen fei, beschlossen, noch im kommenden Herbst mit den Bauarbeiten zu beginnen.

auch in anderen Gegenden mit ähnlichem Wort­laut bekannt ist. Mit dem September ist die Zeit gekommen, in der das Gros der Wander­vögel abzieht ,und die Trifte kahl und leer wer­den: Wenn die Schwalben heimwärts zieh'n und die Rosen nicht mehr blüh'n . . . Der sog. Alt­weibersommer beginnt und leitet allgemein in den frostigen Herbst und kalten Winter über. Mariä Geburt (8. September), der sog. Klein- Frauentag, gilt als Uebergangsstadium. Als sol­cher hat er von den ältesten Zeiten her bereits mnen bestimmten Charakter gehabt. Auf Mariä Geburt soll der Landmann sein Korn säen; denn Mana Geburt gesät, ist nicht zu früh und nicht 8U spat. Im Mittelalter hatte der Tag Mariä Geburt noch eine besondere Bedeutung durch die "Pj.e’fertage", die an verschiedenen Orten, hauptsächlich im Elsaß, an ihm abgehalten wur- ?en- .Au diesem Tage schlichtete ein sog. „Pfei- wrkomg , alle Angelegenheiten der fahrenden Gesellen in feierlicher Gerichtssitzung. Diese, zu denen besonders die umherziehenden Sänger, Spielleute und Musikanten gehörten, waren be- kanntlich ,m Mittelalter verachtet und rechtlos. Ter 10. September tft nach einer Sage der Grie- chen der Jahrestag der Entstehung des Fiebers Dieses wird von ihnen bezeichnet als Strafe für die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers Die schöne Herodi'as batte das Herz ihres Gast­gebers so bezaubert, daß er ihr zu gefallen, den Heiligen enthaupten ließ. Aber beim Anblicke des Hauptes wurde Herodias jählings von fro- fügen Schauern befallen und verfiel dem Fieber. Seitdem ist dieses als Plage der Menschheit auf Erden geblieben. Noch heute hält die griechische Ueberlieferung das Andenken hieran fest und Fieberkranke opfern in den Kirchen eine Wachs­kerze an diesem Tage, um von ihrer Krankheit befreit zu werden.

An diesem Uebel kranken gleicherweise Klein­industrie und Kleinhandel, Handwerker und Ge­werbetreibende. Das zeigt auch die seit Anfang des Jahres allenthalben gesteigerte Zahl der Konkurse. Allerdings ist auch eine Menge kapitalistisch betriebener Unternehmungen in den letzten 6—9 Monaten zahlungsunfähig geworden. Die meisten Zahlungseinstellungen entfallen aber auf das Kleingewerbe, wenn auch bei der verhältnismäßigen Geringfügigkeit der Passiven von diesen Zusammenbrüchen weniger Aufhebens gemacht wird, als wenn eine Bank, ein Warenhaus oder ein industrielles Werk falliert. Handelt es sich um große Objekte, so geht zwar viel Geld verloren, aber es sind doch immer Einflüsse am Werke, die von dem vom Unglück Betroffenen das Schlimmste abwenden und seinen weiteren wirtschaftlichen Fortbestand ermöglichen. Wenn angängig, wird der Konkurs vermieden, ist er aber gar nicht zu umgehen und stellen sich einem außergerichtlichen Arrangement gar zu viele, oft nur zu berechtigte Hindernisse in den Weg, so schafft man, wenn eben möglich, die Pleile durch Zwangsvergleich aus der Welt. Um den kleinen Händler und Gewerbetreiben­den kümmert sich aber meist kein Mensch; gewöhn­lich fehlen ihm auch die potenten Verwandten, die bei großen Fallisements oft einspringen. Die Masse ist bei dem Mangel an Kapital ohnehin meist so gering, daß an einen annehmbaren Ver­gleich nicht zu Lenken ist. So geht denn das Konkursverfahren seinen Gang, und die paar Groschen, die noch da sind, werden von den Kosten des Verfahrens verschlungen. Der Geschäfts­inhaber geht dabei fast immer seiner wirtschaft­lichen Selbständigkeit verlustig, und nur wenigen von diesen gescheiterten Existenzen dürfte es ge­lingen, sich später wieder aus der Abhängigkeit herauszuarbeiten.

Leider fehlt es noch völlig an Anzeichen für eine Besserung der Wirtschaftslage und damit der Lage des Kleingewerbes.

Kanals — es sollen 400000 Kubikmeter Erd« fortbewegt werden — gab die bekannte Thorner Tiefbaufirma Borczinski das kleinste Gebot dov 550,68ü Mark ab, die Firma Zimmer; Schöne­berg, das höchste Gebot von t,287,990 Marl ab; der Unterschied beträgt die Kleinigkeit vors 737,310 Mark, etwa soviel wie die mittleren Angebote selbst.

□ Der christlich-soziale Metallarbeiterverband Deutschlands hält in den Tagen vom 6. bis 9. September in München seine 5. Generalver­sammlung ab, die sich u. a. mit dem Kartell- und Syndikatswesen in der schweren Industrie und mit dem Werkspensionswesen befassen wird. —■ Der soeben erschienene Geschäftsbericht des Vor­standes für die Zeit vom 1. Juli 1906 bis zum 1. Januar 1908 behandelt einleitend die wirt­schaftliche Lage und den Gang der Krise in der Eisenindustrie und besonders Großeisenindustrie. Die Ergebnisse einer Mitgliederstatistik gewähren Einblick in Alter, Mitgliedsalter und Beruf der Mitglieder. Zirka 70 Prozent der Mitglieder gehören den gelernten Berufen an, worunter Schlosser, Former, Dreher, und Schmiede die am stärfften Vertretenen sind. Die im Jahre 1907 in 147 Fällen mit 6223 Mitgliedern geführten Lohnbewegungen erreichten eine Gesamtlohner­höhung von rund 361500 Mk. und eine Gesamt­arbeitszeitverkürzung von rund 297 650 Stun­den. 3651 Krankheitsfälle mit zusammen 127 756 Krankheitstagen ergaben eine Durch­schnittsdauer von 34,9 Tagen. Bei den Krank­heiten wiegen Unglücksfälle, Rheumatismus und Magenleiden über. Eine Gegenüberstellung der Erkrankungen in den 1. Halbjahren 1907 und 1908 zeigt, daß die Ziffern für das 1. Halbjahr 1908 bedeutend gestiegen sind. Ebenso sind die Arbeitslosen um fast das Doppelte gestiegen.

schlechte Geschäftsgang und / das Kleingewerbe.

f Man könnte glauben, daß der schlechte Ge­schäftsgang, wie er wieder einmal Ereignis ge­worden ist, die Betriebe geringen Umfanges weniger schroff in Mitleidenschaft zöge als die großen Werken und Handelsfirmen, deren be­trächtliches Kapital mangels ausreichender Be- schäftiigung sich niicht mehr richtig verzinst. Wenn eine Maschinenfabrik wegen Mangel an Auf- trägen Feierschichten einlegen muß, kann eme Schlosserei noch ganz gut beschäftigt sein, da es sich bei ihr ja weniger um Lieferungen für die Großindustrie, als um solche für den laufenden Bedarf des Privatpublikums handelt. Man könnte es annehmen. Aber in der Wirklichkeit liegen die Dinge doch wesentlich anders.

Gewiß wird der Kleinindustrielle und Klein­händler nicht so hohe Ausfälle erleiden, wie der kapitalkräftige Großbetrieb, wenn das Geschäft zurückgeht. Aber im modernen Wirffchaftsleben steht doch alles in so innigem Zusammenhang, daß der Rückschlag nicht lange auf die große In­dustrie beschränkt bleibt. Schon nach wenigen Wochen pflegt sich — man hat das z. B. beim Weihnachtsgeschäft des vorigen Jahres verfolgen können — der flaue Geschäftsgang bis in die entlegensten Kanäle der Volkswirtschaft fortzu­pflanzen.

Nicht nur der persönlich haftende Geschäfts­inhaber, auch der Gesellschafter der G .m. b. H„ deren Form ja in den letzten Jahren eine immer mehr gewachsene Bedeutung erlangt hat, und selbst der nur lose mit seinem Besitz verknüpfte Attionär beginnen sich in ihrer ganzen Lebens­haltung dem zu erwartenden geringeren Erträg­nis ihres Besitzes anzupassen. Auch sie fangen an zu sparen. In diesem Stadium zeigt sich die Wirkung der schlechten Zeiten schon hinunter bis in die kleinsten Betriebe, bis zum Schneider und Bäcker, beim Manufakturwarenhändler wie beim_ Tischlermeister: Das breite Publikum schränkt seine Einkäufe ein; sein selb­ständig erwerbender Teil, weil das Geschäft schlecht geht, die wirtschaftlich abhängige große Masse der Arbeiter und Angestellten, weil der Arbeitsverdienst entweder schon zurückgegangen ist, oder weil doch seine Verringerung in jedem Augenblick zu befürchten steht.

, Auch Geschäftsleute, die für den Magen ar­beiten, merken alsbald den Umschwung, selbst die­jenigen, deren Waren schlechterdings unentbehr­lich sind, wie die Bäcker, Metzger und Gemüse­händler. Wohl weniger, weil die Leute sich nun gleich nicht mehr sattessen können — so schlecht geht es glücklicherweise der großen Menge der ar­beitenden Bevölkerung nicht ,— aber weil die Tendenz zum Pump wieder mehr durchbricht. Man kann,es, so ungesund die Borgwirtschast an sich ist, schließlich niemand Übelnehmen, wenn er m Zeiten, wo das Geld knapp wird, mit Freude den Kredit in Anspruch nimmt, der ihm der Lie­ferant, aus Furcht, den Kunden zu verlieren, mit scheinbarer Bereitwilligkeit, in Wirklichkeit aber mit sauertöpfischer Miene, anbietet. Da aber dem flauen Geschäftsgang stets eine sehr starke An­spannung des Geldmarktes in Verbindung mit hohen Warenpreisen voranzugehen pflegt, so wird der Kleingewerbetreibende gerade in d e m Augen­blick von seinen, Lieferanten schärfer angefaßt, in dem er selbst seinen Abnehmern Krebst einräu- men muß. Ueberflüssiges Kapital hat er ohne- dies nicht, und so kommt er ebenso schnell, ja schneller in Schwierigkeiten als der Großkauf, mann.

S!"!

solcher Ungetüme verkauft. In RamSaate hat map den Drachen als Vorspann für kleine Boote benutzt die nach oben ziehende Schnur soll einen wirksamen Schutz gegen Umschlagen des KahnS gewähren und bei geschickter Handhabung des SteuerS ein Fahren in verschiedenen Richtungen ermöglichen. Auch Fischerei wird mit Hilfe der Drachen betrieben. An der Schnur des über dem Wasser schwebenden Drachens ist eine Oese angebracht, durch die ein« Angelleine mit Hacken läuft; wenn die Oese über dem gewünschten Jagdgrunde steht, wird die Drachen­schnur fest gemacht und die Leine herabgelassen. Das kühnste Experiment besteht in dem Hinauflassen von Menschen. Die Drahtschnur des Drachens ist an einer starken Haspel befestigt, sie wird langsam abgehaspelt und nimmt einen Kran mit in die Höhe, an dem der Korb mit dem Fahrgast hängt. Nach Ansicht eines Fachmannes soll diese Benutzung deS Drachens vielleicht eine Zukunft haben.

— Die Paradehosen. Von der Straßbur­ger Kaiserparade berichtet das Blatt „Der Elsässer"' Das Wetter sprach diesmal auch ein gewichtiges Wort, um die ganze Parade des ein­heitlichen Aussehens zu berauben. Seit Freitag abend regnete es unaufhörlich; man hatte des­halb die Anordnung: ob weiße oder fchwarze Hose angelegt werde, in Abhängigkeit vom Wetter gestellt und dann im letzten Moment den Befehl, weiße Hosen anzuziehen, nicht mehr an alle Trup­penteile bringen können; kurzum, ein Infan­terieregiment (126) erschien in schwarzer Hose und konnte diesen Abstich auch nicht mehr korci- gieren. Prophylaktischer war eine Kompagnie eines anderen Regiments verfahren: sie erschien in schwarzer Hose, legte dann, als sie erfahren haben mochte, daß der Bataillonskommandeur der Verzweiflung nahe war wegen dieser Abweichung, stillstPveigend die Tornister ab, setzte die Gewehre zusammen, entnahm den Tornistern die frischge- bügelten Weißen, und zog sich, in der Schamhaft tigkeit durch die große Entfernung von der Tri- büne unterstützt, unter freiem Himmel um und versteckte die Schwarzen im Tornister.

, ., Slbnat September war, tote feine Ab­leitung besagt (septem-sieben), der siebente Mo­nat im altromischen Kalendarium. Seit Einfüh- rung unsres Kalenders nimmt er die neunte Stelle im Kreisläufe der Monate ein, seinen alten Namen hat er aber beibehalten. Unsere Altvor- fahren benannten den September einfach Herbst- monat oder auch Scheiding, seltener aüch Fül- maend, tm Anklange an den herbstlichen Segen den er bringt Und mit dem er die Erntegelasse füllt. Scheiding und Herbstmonat erklären sich aus sich selbst. Tie alten Wetterregeln für Sep­tember besagen, daß ein sonniger trockener Sep­temberanfang auf einen schönen Herbst und Win- ter schließen lassen. Gewitter im September deuten auf Schnee im Dezember. — Am Sep­temberregen ist dem Bauer viel gelegen. — SBiat- i^aus (21. September) mit viel Wasser ist gutem z — Regnet's am Sankt Michaels-

(„3 •); kommt ein milder Winter nach. — Tas Verhalten der Tiere im Septencher sindet folgende Deutung: Wenn viele Spinnen krie­chen, sie schon den Winter riechen. — Je rauher der Haie, je balder erfrierst Tu die Nase. — Scharren die Mäuse tief sich ein, wirds ein harter Wüster jein, roch viel harter wird er noch bauen boch - Stehn zu Michaelis die Fifche hoch, kommt viel schönes Wetter noch — Wahrend der Landmann im allgemeinen einen reger:,chc.j September wünscht, ist dem Lim berreäp^h»6 ^enteil lieb: „Wenn Septem- berregen den Weinberg trifft, so ist er schleckt tote eitel Gift," gift bei ihm als Merk Pruch ^ni allgeinemen schätzt man nach dem September- wctter den kommenden Winter ein Snäi- Rosen^rm Garteir lassen gelinden Winter erwar- ro;', der Herbst sehr schön, muß man im Winter im Pelze gehn. — Soviel Reif und Schnee vor Michaelis, soviel dann nach Walbur- gis. — „Mariae Geburt ziehen die Schwalben

volkswirtschaftliches und Soziales.

— Das Submissions-Unwesen wird wieder treffend durch folgende Meldung aus Bromberg charafterisiert. Bei der Vergebung von Erd- arbeiten für die Erweiterung des Bromberger

Ausland.

* Dentschcnhetze in Prag. Bei der Anwesen­heit der Pariser städtischen Deputation in Prag kam es zu großen Kundgebungen für das „König­reich" Böhmen, Verbrüderungen und Skandal­szenen gegen das Deutschtum. Während die Franzosen mit betäubendem Enthusiasmus ge­feiert wurden, ward in den Straßen ein Hetzlied gegen die Deutschen gesungen. Der Führer der Franzosen sagte in einem Trinkspruch, daß die Tschechen nicht allein der Freundschaft Frank­reichs, sondern ganz Europas würdig seien. Er trank Lanil auf die freundschaftlichen Bezieh- ungen des Königreichs Böhmen zu Frankreich.

* Wie Abdul Aziz geschlagen wurde. Die .Morning Pofst veröffentlicht ein Telegramm ihres Korrespondenten in Tanger, in welchem ausgeführt wird, daß die aus dem Westen Marrokos eingelaufenen Telegramme über die Niederlage des Sultans Abdul Aziz unweit Marrakesch durchaus nicht die Wahrheit in ihrem ganzen Umfange wiedergäben. Jetzt erst be­ginnen die zuverlässigeren Telegramme aus der Hauptstadt einzulausen. Danach sei die Abtei­lung, die aus zwei Brigaden, L JO Mann Kavallerie und 3500 Mann Infanterie bestand, sowie sie sich außerhalb des Bereiches der französischen Truppen befand, von allen Seiten angegriffen worden, und zwar mit einer außerordentlichen Gewalt. Vor dem eigentlichen Angriff begannen die Truppen Abdul Aziz schon zu wanken. Das Karrö wurde buchstäblich auseinandergeriffen. In weniger als einer Stunde war die Niederlage vollständig. Alles, was sich im Lager befand, die Munition sowohl wie die Geldkassen, wurden im Stich gelassen. Mit einer halben Schwadron Dragoner floh der Sultan zunächst in eins der Heiligtümer zwischen Rahamna und Schawaya. Nach einer glaublich klingenden Meldung, sollen die Sieger den Sultan haben absichtlich entkommen lassen, einschließlich seines Harems, und zwar zum Andenken an fernen Vaier. Sonst wurde alles aus seinem Lager entfernt und nach Marra­kesch gebracht, eS mußten dreihundert besondere Kamele von dort bestellt werden, um alles Ge­päck trauSportieren zu können. Bemerkenswert ist, daß die Niederlage des Sultans erfolgte, ohne daß die Armee des Gegensultans sich irgend­wie an dem Kampf beteiligte, nur drei Stämme vernichteten Abdul Aziz' Hem:. Verschiedene hohe Beamte des Exsultans wurden gefangen genommen, darunter El Mokn, der in Algeciras war, und der Großwestr Karim den Suleimann. Man verbot ihnen, zu reiten und sie mußten den weiten Weg zu Fuß zurücklegen. Ben Suleiman soll dann nach der Ankunft in Rahamna enthauptet worden sein.

lich dem Gumbinner Gymnasialdirektor einen an Bismarck gerichteten Brief, den er beim Ordnen der Papiere des Altreichskanzlers in Varzin fand. Der kuriose Brief, der im Jahre 1866 abgesandt sein dürfte (er trägt fein Datum) lautet: „Sr. Exzellenz dem Wirklichen Geheimen Staatsmini­ster und Ministerpräsidenten Grafen von Bis­marck-Schönhausen, Ritter vieler allerhöchster Or­den, Hochgeboren Berlin. In Anbetracht besten, daß wir durch unsere patriotische Gesinnung viel dazu beigetragen haben, daß diesmal in Gumbin- nen die konservative Partei in der großen Wahl­schlacht gesiegt hat, bitten wir uns eine Gnade aus. Da es Ew. Exzellenz schwer fallen würde, unsere untertänigsten Wünsche zu kennen, fo wer­den Ew. Exzellenz es nicht übel aufnehmen, wenn wir Ew. Exzellenz einen Vorschlag machen. Dieser Vorschlag besteht in einem von uns allen tiefge- hegten Wunsche, gute Zigarren, ob Kuba, ob Ha- vannah gleichviel zu erhalten. In der Hoffnung, daß Ew. Exzellenz unter tieffter Diskretion diesen Wunsch befriedigen werden, Unterzeichnern wir uns alleruntertänigst H. Frost, M. Kanzow, P. Balcke, Heinrich, Sekundaner des Kgl. Friedrichs- gymnasiums zu Gumbinnen. — Pb. Sollten Ew. Exzellenz die Gewogenheit haben, unfern Wunsch zu befriedigen, so bitten wir Ew. Exzellenz Ihren Brief folgendermaßen zu adressieren: H. Frost, p. Adr. Frau Superintendent Ohlert, Gumbin­nen, Unter den Linden.

— Drachensport. Welches Vergnügen für die Knabenwelt, im frischen Herbstwind über die Stoppel- selver zu jagen, daß der Drachen an der Schnur zerrt und zuckt und sich hochhinaufschwingt in das luftige Reich. Heute, wo die Eroberung der Luft das Schlagwort deS Tages ist, betreiben namentlich in England auch viele Erwachsene das Kinder- vergnügen mit dem glühenden Eifer, den dort jeder neue Sport zu entflammen pflegt. Das einfache Spielzeug ist mit seinen Zwecken gewachsen und eine große, wiffeuschaftlich ausgebauteMaschine geworden; nach einer Zeitungsnotiz hat eine einzige Londoner Spielwarenhandlung in Heu letzten Wochen 5000

Maer

Verantw. Redakteur:

Lark Schütter

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