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RotationrdruSund Verlag der Luldaer Ak« ttendruSerri in Zulda Zernsprecher Nr. 9.
M 204.
Fulda, Samstag den 5. September 1908.
35. Jahraanq.
Zweites Wtcrtt.
Wochen-Kundschau.
t? Fulda, 4. September 1908.
Der Kaiser hat in Straßburg eine Rede gehalten, die weit über die deutschen Grenzen hinaus allgemeines Aufsehen erregt und lebhaftes Interesse gefunden hat. Er hat dort offen vor aller Welt seine Ueberzeugung ausgesprochen, daß die gegenwärtige Lage direkte Gefahren nicht biete, und er hat zugleich betont, daß Deutschland den dringeirden Wunsch nach Aufrechterhaltung des Friedens habe. Daß der Kaiser den Frieden wünscht, hat er schon wiederholt und unzweideutig versichert. Daß dieser Wunsch ehrlich und aufrichtig ist, beweist seine ganze Regierungszeit. Wäre es wahr, was man ihm ehedem nachgesagt hat, daß er nach dem Lorbeer des siegreichen Feldherrn begehre, er hätte seit zwei Jahrzehnten Gelegenheit oder Vorwand genug gefunden, das Glück zu versuchen. Er hat es nicht gewollt. Er will es auch jetzt nicht. Der Trinkspruch, den er in den Reichslandden ausgebracht hat, wird den Völkern die Gewißheit gegeben haben, daß sie zuversichtlich der Arbeit nachgehen können, ohne Sorge, daß die mit Mißtrauen verfolgten Versuche, Deutschland „einzukreisen", in absehbarer Zeit blutige Auseinandersetzungen heraufbeschwören könnten. Daß solche Befürchtungen bestanden haben, wer wollte es leugnen? Jenseits des Kanals wurde geflissentlich Haß gegen Deutschland gesät und die Vermehrung der deutschen Flotte als eine Bedrohung der Sicherheit und Macht Englands ausgeschrieen. Mancher unbefangene Zuschauer fragte kopfschüttelnd: was will das werden? Nun aber ruft der Kaiser den Bewohnern des Reichslandes, denen, die bei einem Kriege „die nächsten dazu" wären, beruhigend zu, sie könnten ihren gewerblichen Berufen nachgehen und die Früchte ihres Fleißes einsammeln. Denn cs wird Friede bleiben. Der Herrscher denkt sicherlich an bestimmte Tatsachen, wenn er erklärt, der Friede beruhe auf zu festen Grundlagen, .„als daß sie durch Hetzereien und Verleumdungen, von Neid und Mißgunst einzelner eingegeben, so leicht umgestü^zt werden könnten". Wer gehetzt und verleumdet hat, soll heute nicht untersucht werden. Daß oft und fkrupellos, in alter wie in neuer Zeit, offen und versteckt, gegen Deutschland gewühlt worden ist, weiß man nuS der Geschichte des letzten Menschenalters. Ter Zweck ist nicht erreicht worden. Der Kaiser spricht von dem Gewissen der Fürsten und Staatsmänner Europas, von ihrem Verantwortlichkeitsgefühl: er spricht auch von dem Willen der Völker, sich in rußiger Entwickelung die großartigen Errungenschaften fortschreitender Kultur nutzbar zu machen und in friedlichem Wettbewerb ihre Kräfte zu messen. Das ist mehr als eine Hoffnung, es ist eine Gewißheit, die auf dem Gedankenaustausch mit fremden Fürsten und Staatsmännern bericht, lind man wird nicht fehl gehen, wenn mau in dieser Kundgebung nickt zuletzt ein Ergebnis der Cronberger Unterredungen des Kaisers mit dem König von England sieht. An der Rede des Kaisers ist nichts zu drehen, nichts zu deuteln. Sie wird von jedermann verstanden werden. Sie ist das erfreuliche Gegenstück zu den Reden von Karlsruhe und Mainz. Damals waren die politiscken Verhältnisse gespannt, und diese Auffassung wollte der Monarch nicht verhehlen: heute sind sie vertrauenerweckend, und er macht aus diesem heilsamen Wandel kein Geheimnis. Der Kaiser ist kein Diplomat nach der Art iener, die ihre innersten Gedanken fest im Busen be- wahren: er trägt das Herz auf den Lippen. Und seine Rede wird nicht nur als ein Zeichen da-
für gelten, daß er an den Frieden glaubt, son- dern auch als Beweis, daß die Erhaltung des Friedens gesichert ist. Es ist eine Kundgebung, die nicht nur der deutschen Nation, sondern allen Völkern erwünscht und willkommen ist.
Die amtliche Veröffentlichung des Rechnungsabschlusses des Jahres 1907 ergibt gegenüber dem Etat, der schon eine Unterbilanz von 80 Millionen Mark hatte, ein weiteres Defizit von 14 Millionen. Als Fürst Bülow den Block glücklich zustande gebracht hatte, da hielt er es für nötig, den Freisinnigen auch einige freund- liche Worte zu sagen. Das tat er mit der Be- hauptung, wir hätten jetzt eine der schwersten Rü- stungsperioden hinter uns und man werde jetzt ans Sparen bei der Landesverteidigung,Herangehen können. Nachher freilich, als der Kriegsminister vor die Beantwortung der Frage gestellt wurde, worin diese Sparsamkeit, bestehen sollte, da antwortete dieser unter stürmischer Heiterkeit des Zentrums, er. der Kriegsminister — also die an erster Stells interessierte und ausschlaggebende Persönlichkeit — wisse nicht, was der Reichskanzler damit gemeint haben könnte. Jetzt sehen wir denn auch, wie „gespart" worden ist. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß diese ungewöhnlich hohe Etatüberschreitung früher nicht vorgekommen wäre, als der Reichstag noch das Zentrum in der ausschlaggebenden Stellung sah.
Im Süden des Reiches macht immer mehr sich der Mißmut breit über die Behandlung wichtiger Fragen. Die neue Elektrizitätssteuer faßt man dort als eine wirtschaftliche Benachteiligung des Südens auf, denn es ist gerade der Süden, der seine Wasserkräfte durch elektrische Anlagen nutzbar zu machen sich anschickt. Er gleicht damit bis zu einem gewissen Grade den Nachteil aus, der ihm aus dem Fehlen von ausreichenden Kohlenlagern erwächst. Gerade in der letzten Woche hat der bayerische Thronfolger Prinz Ludwig auf dem Festmahl des deutschen Schul- schiffdereins in München wieder das ominöseWort „Mainlinie" ausgesprochen. Er meinte es mit Bezug auf die fehlende Verbindung Bayerns mit dem Rhein. Denn noch immer wird das Stück von Offenbach bis Aschaffenburg nicht gebaut. Und wenn es nicht geschieht, so liegt das nicht an irgendwelchen unüberwindlichen technischen Schwierigkeiten oder pekuniären Schwierigkeiten, sondern allein an der Forderung, daß zunächst Schiffahrtsabgaben eingeführt werden, ehe diese Verbindung hergestellt wird. ■ Auch die bayerische Forderung, mit der Weser und Elbe eine Verbindung zu Wasser zu erhalten, hat noch kein Gehör gefunden. „Wir sind gekränkt," sagte Prinz Ludwig, „da wir rmmer hintanstehen müssen". Eine solche Klage sollte man nicht leicht nehmen.
In der Marokkoangelegenheit hat die Reichsregierung der Welt eine Ueberrasch- ung bereitet. Nachdem der alte Sultan Abdul Aziz eine vernichtende Niederlage erlitten hat, konnte es sich für eine baldige Beruhigung des unglücklichen Landes nur darum handeln, daß die Mächte den peuen Sultan Mulay Hafid als Herrscher anerkannten. Frankreich hatte dazu keine Neigung. Es hoffte, den geknickten Abdul Aziz wieder etwas aufzurichten und mit Hilfe dieser Drahtpuppe die alte Politik der Einmischung und des Eindringens fortsetzen zu können. Die deutsche Regierung hat diese Taktik nicht aus dem Auge gelassen und ihrerseits gegen die französische Verschleppungskunst einen diplomatischen Schachzug getan. Sie hat d'en Signatarmächten von Algeciras mitteilen lassen, die Kaiserliche Regierung glaube angesichts der eingetretenen neuen Lage in Marokko die Mächte darauf Hinweisen zu sollen, daß eine rasche Anerkennung Mulay Hafids im Interesse der endlichen Beruhigung der marokkanischen Verhältnisse liege. Wenn man es auch nicht gerade schon
Ungeduld nennen will, was da durchklingt, so wird doch wenigstens recht verständlich angcdeu- tet-daß Deutschland die Geduldsprobe für reichlich lanoe erachtet. Man gewinnt den Eindruck, daß die "neuesten Ansätze zur Wiederbelebung der toten Azisischen Herrlichkeit und zur Verscklepp- ung der Anerkennung durch alle möglichen und unmöglichen Forderungen an Mulay Hafid m Berlin fein Wohlgefallen erregt, sondern das Heraustreten aus der bisherigen abwartenden Haltung veranlaßt haben. Jetzt ist die wünschenswerte Klarheit über die Ansicht Deutschlands her- beigeführt. Wir dürfen sagen: die Ansicht Deutschlands, denn das Volk steht in der Tat hinter der Regierung, wenn dieselbe die „rasche Anerkennung im Interesse der endlichen Beruhigung" verlangt. Hoffen wir daß Frankreich und seine englischen Ratgeber der Sachlage gemäß dem Wunsche Deutschlands Rechnung tragt. Wenn nicht, so wird wenigstens allseitig deutlich erkennbar, wer die Beruhigung auf Grund der Algecirasakte anstrebt und wer die Absicht hat, im Trüben weiter zu fischen für seine Sonder- Interessen.
Rußland hat in der letzten Zeit keine Meldungen über wichtigere Vorgänge in die Oeffentlichkeir gelangen lasten. Es laufen aber in der letzten Zeit vielfach Situationsfchilde- rungeii ein, aus denen sich ergibt, daß die Gesundung dec rusüschen Zustände noch in sehr weiter Ferne liegt. Vielfach herrscht völlige Anarchie. Die Polizei wütet immer noch mit der alten Schärfe uno Rücksichtslosigkeit und treibt tau- sende von Leuten, die durchaus das Zeug zu friedlichen Bürgern haben, aber wegen, irgendwelcher Anteilnahme au der Revolution in der Furcht vor der Verbannung nach Sibirien leben müsten, ins Lager der Opposition.
In der Türkei erzwingt sich das Jung- türkentilm die lebhafte Bewunderung aller Beobachter. Noch nie ist eine Revolution so glatt und mit so durchschlagendem Erfolge inszeniert worden, wie hier. Noch nie haben die neuen Machthaber sich durch eine so sichere Selbst- behertzschmig bei ihren neuen Maßnahmen ausgezeichnet. Wenn nicht alles trügt, wird es ihnen gelingen, das türkische Reich gesunden Zuständen entgegenzufühlen und den Rückschlag, der nach jeder Revolution aufzutreten pflegt, abzuwehcen.
In Persien beginnt soeben wieder eine Kampfperiode. In Täbris, der Hauptstadt des Nordwestens, stehen sich die Revolutionäre Und die Regierungstruppen mit gleicher Stärke und gleich guter Bewaffnung gegenüber und alles deutet daraus hin, daß Sie jetzt begonnenen Kämpfe den Anfang der Entscheidung bilden.
= Der Bankerott der französische» Schulpolitik.
Eine Pariser Korrespondenz des nationallibe- ralen ,Hann. Kour/ beschäftigt sich mit der erschreckend großen Zahl der des Lesens und Schreibens Unkundigen unter den eingezogenen Rekruten und des sittlichen Niederganges. Krise im Unterricht—Krise in der sittlichen Erziehung— das ist die Schlußfolgerung, die er aus seinen Feststellungen zieht. Die große Zahl der Analphabeten führt er auf die Tatsache zurück, daß der allgemeine Schulzwang zwar gesetzlich festgelegt ist, die Regierung aber nicht den Mut zu seiner Durchführung findet, weil die störrischen Familienväter auch Wähler sind, lieber die Ursache der sittlichen Verwahrlosung wird gesagt:
„Daß der heute an die Stelle des Religionsunter, richts getretene Moralunterricht nicht gerade etwas Erhebendes und Erwärmendes hat, wird jeder
verstehen, der einmal ein diesen Unterrichtszweig betreffendes Lehrbuch in der Hand gehabt hat. Aber liegt hier die Schuld an der sittlichen Verwahrlosung der Jugend, an der Zunahme der Verbrechens Die ganze kirchlich gesinnte Rechte und auch die Mitiel- parteien neigen dieser Anschauung zu. Ferry selbst hatte sich jedenfalls die Moral und Bürgerkunde an den Schulen gan-, anders gedacht. Er, der Schöpfer der religionelo m Volksschule, wollte die Jugend zu allen Idealen entflammen. Er überließ die eigentlich religiöse Erstehung der Familie. Die Schule sollte sich aber ängstlich hüten, die kirchlichen Empfindungen an- zutasten und in das konfessionelle Bestimmungsrecht der Eltern emzugreifen. Ihre Hauptaufgabe sollte sie überhaupt in der Entfachung patriotischer Begeisterung sehen. Und heute? Heute müsten sich Vereine bilden, um die religiöse Neutralität der Schule zu überwachen, und die hervsistischen Lehrer verhöhnen abwechselnd Christentum und Vaterland. Die Verwilderung der Jugend ist unleugbar und die Untergrabung jeder Autorität ist mit« ichuldig dabei. Deshalb wird Frankreich natürlich keine lonfessiouellen und keine religiösen Schulen wieder einführen. Aber die ultraradikale Linke hat auch nicht recht behalten. Die sittliche und religiöse Erziehung wird Sache der Eltern bleiben müssen. Der „Moral"- Unterricht der Volksschule wird nie einen Ersatz dafür bieten. Zurück hinter das Schulgesetz von 1882 kann die Republik nicht wieder. Sie kann und muß aber dafür sorgen, daß jenes Gesetz im Geiste Ferrys angewandt wird und daß die religiöse Neutralität und der vaterländische Sinn auf der Schule mit Ernst gewahrt wird.
So sehr hier auch der Versuch gemacht wird, das religionslose System als weniger oerant« wörtlich erscheinen zu lassen, so will daS doch nicht gelingen. Es wurde gelegentlich einmal angeführt, von den 100000 Lehrern an de« französischen Schulen hätten noch keine 500 den Glauben an den lebendigen Gott gemahn. Daß diese Art von Jugenderzieher, nachdem si< das Christentum über Bord geworfen haben, auch Autorität und Vaterland verhöhnen, ist die natur* notwendige Folge ihrer radikalen Entwickelung^ Es find die reinen naturalistischen Grundsätzs eines Voltaire und eines Rousseau, die zmze«, in den sranzösischen Schulen zur Durchführung gelangen. Sie haben schon einmal zurzeit bet großen Revolution Frankreich in einem MeeH von Blut baden lasten, mancheÄnzeichen spreche« dafür, daß man dort fleißig dabei ist, eine Neu^ aufsührung jenes grausamen Schauspiels in bti£ Wege zu leiten.
Ohne Religionsunterricht in der Schule geht es nicht, das Zugeständnis ist aus der Pariset Korrespondenz des nationalliberalen Blattes klar und bestimmt herauszulesen. Mit dem Moral^ unterricht kann dem Bedürfnis der sittlichen @r», ziehung der Jugend nicht abgeholfen werden. Ein fruchtbringender Religionsunterricht kamt aber nur in der konfessionellen Schule erteilt werden. Die Praxis lehrt es täglich, daß nach Beseitigung d:s konfessionellen Charakters nur zu leicht auch die Religion verloren geht. Ist aber die religiöse Ueberzeugung einmal au- dem Herzen der Jugend geristen, dann geh« Autorität und Vaterlandsliebe alsbald mit i« die Binsen. Ewig wahr bleibt da F. W. Weberß ernste Mahnung:
„Glück zur Brut! Die Kreuzzerbrecher Brechen auch die Königskronen, Und der Staub verkohlter Tempel Wirbelt auf verbrannten Thronen."
Das sollte auch bei der preußischen Unterrichts Verwaltung immer die gebührende Beachtung finden. Die christliche Schule auf konfessid, neller Grundlage ist eine absolute Notwendigkeit zur Erhaltung der Größe des Vaterlandei
Unpolitische Zeitlause.
(;:) Zehlendorf, 3. September 1908.
(Nachdruck verboten.)
Di« Tochter armer Leute sollte einen reichen Jünglina heiraten und aus der geflickten Hütte en cm prächtiges Haus übersiedeln. „Wie wird die sick freuen!" — hieß es ringsum. Aber als dai- Mädchen Abschied nahm von der kümmerlichen Behausung ihrer Kindheit, da weinte sie von Heizen: denn sie hatte viel Liebes, Gutes und Schönes erlebt in diesen armseligen Räumen.
So ähnlich war bei uns die Stimmung am setzten Sonntag, als die Katholiken von Zehlen- dorf sich verabschiedeten von der Scheune, die ihnen bisher als Notkapelle gedient hatte. Wenn Nebenan eine schöne neue Kirche winkt und die Ankunft des Bischofs zur feierlichen Einweihung bevorsteht, dann sollten eigentlich nur Jubellaute ertönen. Nun ja, wir sind ja auch so dankestroh Und boffnungsfrisch, wie eine Braut am Hochzeitsmorgen: doch der alten, geliebten, geheiligten Scheune mußten wir in Wehmut eine Ab- ickiedströne widmen. Auch eine Scheune kann einem ans Herz wachsen. Eine Scheune, die dem erstell schreienden Sebaef nach der Altarstätte ui der Gemeinde abgeholfen hat, so gut sie es mit ihren vier rohen Wänden vermochte. Eine Kcheune, in der die katholische Minderheit sich stach und nach für das religiöse Gemeinschaftsleben fummelte und erzog. Eine Scheune, in der man so leicht sich in den Stall von Bethlehem versetzen formte. Eine Scheune, in der alles so enge bei einander saß und stand, dem Altar so ganz nahe war. Armselig war es da drinnen, aber fraulich, erbaulich, innig, gemütlich. Ein Glau- bensgenotte aus dem Rheinlands, der uns besuchte, schrieb an seine Heimatszeitung, die Zeh- lendorser Scheune habe ihn noch andächtiger gestimmt, als der Kölner Dom.
Geschieden muß sein; die Scheune verfällt wieder einer prosaischen Benutzung für gewerb
liche Zwecke, und wir siedeln über in die neue Kirche, die auch äußerlich eine würdige Statt« für das Heiligtum darstellt. Ein geschichtliches Ereignis für die junge katholische Gemeinde, art dem die Leser der Unpolitischen Zeitläufe, gewiß herzlichen Anteil nehmen, da ihre Mildtätigkeit den Grund gelegt hat zu diesem Gotteshaus. Dell Oberhirte der Diözese, Kardinalfürstbischof Kopp, erkennt die hohe Bedeutung des Zehlen» dorser Kirchbaues dadurch an, daß er trotz all der großen Lasten, welche der riesige Sprengel ihm auferlegt, von Breslau hierher kommt, um persönlich die Konsekration zu vollziehen. Es ist ei« weiteres Glied eingefügt in die Reihe der Kirchen und Pfarrhäuser, die zur Versorgung der Katholiken in Groß-Berlin nach und nach begründet worden sind und zur Verhütung von Seelenverlusten noch ferner begründet werden müssen« Nicht Eroberung, sondern Wahrung des eigenen Besitzstandes ist das Ziel der mühsamen Bestrebungen unserer geistlichen Hirten und ihrer opferwilligen Helfer im ganzen Lande.
Ten friedlichen Geist kennen und würdigen auch die andersgläubigen Einwohner, fodaß di« katholische Kirchenweibe am bevorstehenden Sonntag in noch höherem Maße, als voriges Jahr die Grundsteinlegung, zu einem allgemeinen Feste für die ganze politische Gemeinde werden wird. Unsere einzige Sorge ist, daß der Raum in der neuen Kirche nicht ausreicht für die stets noch wachsende Zahl der Mitbürger, die uns durch Teilnahme an dem Festgottesdienst ihre freiind- nachbarliche Gesinnung bekunden möchten. Friede sei das erste und bleibe das letzte Geläute der trefflichen Glocken, die am Samstag abend bei der Ankunft des Oberhirten das Fest einläuten werden.
Die Kirche selbst, zu der die verehrten Lese« so manchen Baustein beigesteuert haben, ist schön geworden, aber sie ist von einer einfachen Schönheit. Es ist überall, sowohl in dem Schmuck wie in der Abmessung, gewissenhaft Maß gehalten, entsprechend den obwaltenden Verhältnissen uno