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Monatrbeilage: „$ulbaer Geschichtsblätter"

«««ahme der So.m« «ndZtierla-e. viertel« jährliche» vezugrpreir ohne vringerlohn «nd vestellgeld in ZMa so­wie <mrwärtrl.5v Ml.

Verantw. Redakteur: Larl Schütt«;

sürdieAn;etgen: 3 ParzeLer in Fulda.

Zuldaer

wochmbellage: „Illustrierte Somtagrzeitung"

»«»ekgen: Vie ein­spaltige PetitzeUe »der deren »au« iS Psg. Sellamendlepetitzelle 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entspr.

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Rotationrdruckunt Verlag der Fuldaer Ak< ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 203.

Fulda, Freitag den 4. September 1908.

35. Jahrgang.

Zweites Wl'att.

(*) Zum Frieden unter den Bekenntnissen

schreibt Dr. Julius Bachem im Tag:

Eine Flutwelle konfessioneller Erregung und konfessionellen Haders geht wieder über Deutsch­land hin. In dem kirchenpolitischen Konflikt der 7Oer Jahre des vorigen Jahrhunderts konnten die konfessionellen Gegensätze kaum schärfer zu­gespitzt sein als heute.

Wenn solche Zustände sich entwickeln, liegt die Schuld niemals auf einer Seite allein. Es kann sich nur fragen, wo die größere Schuld liegt. Ich will das hier nicht untersuchen. Meine- Erachtens ist konfessionelle Herausforderung auf katholischer Seite immer törichter, weil die Katho­liken trotz ihrer größeren Geschlossenheit keinen Augenblick vergessen dürfen, daß sie in Deutsch, land eine Minderheit bilden; auf protestantischer Seite sind dagegen konfessionelle Ausschreitungen immer gefährlicher, weil die Mehrheit leichter Empfindungen der Abneigung in Maßregeln übersetzen kann. Die Geschichte des sogenannten großen Kulturkampfes hatte das bewiesen.

Von den deutschen Katholiken wird es beson­ders peinlich empfunden, daß man auf deren Seite so oft Vorgänge aus längst vergangenen Zeiten hervorholt, um gegen den Katholizismus der Gegenwart und insbesondere gegen den deutschen Katholizismus Stimmung zu machen. Das wachsende Unbehagen über dieses fort­währende Wühlen im Schutt der Jahrhunderte hat vor einigen Monaten in einem viel bemerkten Artikel der Kölnischen Volkszeitung lebhaften Aus­druck gefunden.

Die Köln. Zeitung hatte einem die spanische Inquisition in schärfster Weise behandelnden Artikel Aufnahme gewährt, einen ihr alsbald von einem katholischen Publizisten eingesandten Artikel über die noch größere Scheußlichkeiten aufweisende englische Inquisition, die Einführung des Protestantismus in England, dagegen die Auf- nähme verweigert. Der aus diesem Anlaß ver­öffentlichte Artikel der Köln. Volksztg., welcher die Ueberschrift trug: „Man kehre den Spieß um", führte aus:

Die Katholiken sollten sich solche Behandlung nicht länger widerstandslos gefallen lassen; man sollte viel­mehr regelmäßig jeden gegen die katholische Kirche aus Borgängen der katholischen Vergangenheit geführten Schlag durch einen Gegenschlag auf verwandtem Gebiete beantworten. ES gibt, so hieß es da, ein Mittel, welches in absehbarer Zeit seine Wirkung nicht versagen wird, die Repreffalien, die im Kriegsrecht ge­stattet, ja manchmal geboten ist. Wenn überall auf die spanische Inquisition die englische Inquisition gesetzt würde, wenn allen geschichtlichen Verfehlungen auf katholischer Seite, welche immer wieder auf den Markt gebracht werden, alsbald entsprechende geschichtliche Verfehlungen im protestantischen Laaer entgegengesetzt würden, würde der konfessionelle Friede schließlich den Nutzen davon haben; aber an dieser Art der Abwehr hat man es bei den Katholiken viel zu sehr fehlen lassen. Man bewegt sich mit Vorliebe in der Defensive, indem man lediglich die nach der katholischen Richtung zielenden Angriffe abzuschwächen sucht, und das ge­schieht auch noch manchmal durch eine mit der historffchen Wahrheit unvereinbare Bemäntelung, die unter allen Umständen verkehrt ist. Der historischen Wahrhest muß ihr Recht werden, aber ihr ganzes Recht nach beiden Seiten. Man muß allen, welche noch ein wenig Sinn für Gerechtigkeit und Billigkeit sich bewahrt haben, die Erkenntnis vermitteln, daß hüben und drüben in ver­gangenen Zeiten gesündigt worden ist, daß die Ver­

fehlungen hier und dort sich gegeneinander aufrechnen lassen, und daß eS eine unerträgliche Einseitigkeit ist, immer nur die katholische Vergangenheit anzuklagen, vor allem aber, daß es ein Verbrechen am Gemeinwohl ist, auS den Verfehlungen längst vergangener Zeiten wider den Katholizismus und die Katholiken von heute, die unter gänzlich veränderten Verhältnissen leben und dieser Veränderung sich bewußt sind, gehässige Anklagen herzuleite». Hier wäre eine dankbare Aufgabe gegeben, die an sich eine unerquickliche sein kann, die aber ihre gute Wirkung schließlich nicht verfehlen könnte.

Erst Veröffentlichung diese- Artikels erscheint in der ^kölnischen Volkszeitung^ eine Zuschrift nach der anderen, welche den Gedanken einer nachdrücklicheren Abwehr konfessioneller Angriffe begrüßt und Vorschläge zu seiner Ausführung macht. Namentlich wird wiederholt darauf hinge'riesen, daß die protestantische Jugender­ziehung, insbesondere der Konfirmations- unterricht, viel zur Verschärfung der konfessio­nellen Gegensätze beitrage. In diesem Zusammenhang wurde erwähnt, daß ein mit Genehmigung der Königlichen Regierung noch heute im Gebrauch befindlicher protestantischer Katechismus die Messe, den Mittelpunkt des katholischen Kultus, als „vermaledeite Abgötterei" bezeichnet. Es wurde angeregt, alle im Gebrauch befindlichen protestantischen Religionshandbücher auf derartige Beschimpfungen des katholischen ReligionSteileS durchzusehen und das Ergebnis der Oeffentlichkeit zu übergeben, damit unter dem Druck der Oeffentlichkeit Abhilfe geschaffen werde.

Von protestantischer Seite ist demgegenüber betont worden, daß auf diesem Gebiete auch von Seiten der Katholiken gefehlt werde. Ganz ge- wiß! Aber in katholischen Religionsbüchern wird man doch Verunglimpfungen einer protestantischen Kuitushondlung von der Art und Schwere der angeführten nicht ausweisen können. Das ist ganz und gar ausgeschlossen.

In der gegenwärtigen gespannten kirchen- politischen Situation hat nun soeben die General­versammlung der Katholiken Deutschlands in Düsseldorf getagt. Man möge auf protestantischer Seite über diese Veranstaltung urteilen, wie man wolle, ein doppeltes Recht steht fest: daß diese ebenso wie ihre Vorgängerinnen ausschließlich mit den eigenen Angelegenheiten der Katholiken sich beschäftigt und Ausflüge auf den nachbarlichen Acker gänzlich unterlassen hat; daß zum anderen während der mehrtägigen Verhandlungen in den zahlreichen Reden auch nicht ein Wort ge­fallen ist, durch welches der protestantische Religionstell als solcher sich verletzt fühlen könnte. Die Düsseldorfer Generalversammlung war ganz offensichtlich von dem Bestreben geleitet, ihrerfeits alles zu vermeiden, was zur Verschär­fung des konfessionellen Haders irgendwie hätte beitragen können.

Aber man ist in Düffeldorf weiter gegangen. Man hat einen Redner aus Holland, den Pfarrer Dr. Janssen (Bünnik) eigens zu diesem Zwecke auftreten lassen, um darzulegen, daß und auf welchem Wege in den Niederlanden ein weil besseres Verhältnis zwischen den Bekennern der beiden christlichen Konfessionen erreicht ist, als zurzeü im deutschen Reiche besteht. In Holland ift es gelungen, im öffentlichen Leben die Brücke zu schlagen zwischen „Rom und Dordt" (Dord­recht), was lange einen ähnlichen Gegensatz be­deutet hat wie „Rom und Wittenberg". Daß dies gelungen ist, ist das Verdienst vor allem zweier hervorragender Männer, eines katholischen Geistlichen und eines calvinistischen Predigers,

t des vor einigen Jahren verstorbenen Dr. Schaep- ' mann und des noch lebenden Dr. Kuijper. Der [ Redner auf der Düsseldorfer Generalversammlung , hat den Stand der Dinge in den Niederlanden , wie folgt geschildert : Die Angehörigen der beiden Konsessionen leben in gegenseitiger Achtung; sie suchen, was sie einigt, vermeiden unnötigen Zank, mit einem Wort: sie leben und schaffen in christlichem Frieden. Die Preffe vermeidet die Ausnahme gegenseitig verletzender und ver­leumderischer Artikel, und läuft einem Blatte einmal etwas derartiges unter, so scheut es sich nicht, wenn es eines besseren belehrt wird, seine Leser davon zu unterrichten. Was aber noch mehr besagt, ist, daß selbst das Verhältnis der Par­teien von rechts und von links ein minder ge­spanntes und feindseliges geworden ist als vor­dem.

Sollte das, was im stammverwandten Hol­land möglich war, nicht auch in Deutschland möglich sein, dem der konfessionelle Friede so notwendig ist wie das tägliche Brot? Möchten nur die rechten Männer auf beiden Seiten sich finden, um eine nachhaltige Wendung zum Besseren herbeizuführen. Das gemeinsame Vaterland würde den Gewinn davon haben. Man kann sagen, daß die konfessionelle Erregung bei uns zurzeit einen Höhepunkt erreicht hat. Möge hier der Satz sich bewahrheiten: L’exces du malproduit le bien. (Das Uebermaß des Nebels führt zur Besserung.)

Deutsches Reich.

* Der frühere Reichsschatzsekretär, Freiherr v. Stengel, hat in Bühl im Allgäu außer dem Besuch von seinem Nachsolger, Herrn Sydow, auch Besuche von anderen hohen Finanzbeamten empfangen. So war jetzt auch der Direktor im Reichsschatzamt, Dr. Kühn, mit dem hansea­tischen Gesandten Kluegmann bei ihm. Da­nach muß man wohl annehmen, daß sich bei diesen Besuchen um Besprechungen über die Reichsfinanzresorm handelt. Was aber Frhr. v. Stengel jetzt noch mit der Sache zu tun hat, ist nicht klar.

* Ter englische Finanzminister Lloyd George, der infolge seiner Informationsreise nach Deutschland dieser Tage so viel genannt wurde, ist Baptist. Er hat dem zur Zeit in Berlin tagen­den Baptistenkongreß ein Telegramm übersandt, in dem es heißt: Verbreitet die gute Botschaft: Friede auf Erden und laßt es die deutsche Presse wissen, daß ich ein Baptist b in und den Frieden wünsche.

Ä Falsche Zahlen über die indirekte Steuer­last verbreitet das letzte Heft der ,Kulturfragew und nach ihm die konservative Presse (z. B. die .Deutsche Tagesztg/). Diese Zahlen sollen be­weisen, daß Deutschland in der indirekten Steue rlast hinter allen Staaten zurückstehe. Zunächst sind in dieser Zusammenstellung alle Zolleinnahmen fortgelassen, dadurch ergibt sich schon ein total falsches Bild. So wird die Be­hauptung aufgestellt, daß es in Deutschland auf den Kopf der Bevölkerung nur 19 Psg. Tabak­steuer treffe; aber der Zoll vom Tabak ist höher als 1 Mar! und das wird einfach verschwiegen. Weiter wird für Deutschland eine Biersteuer von 31 Psg. aus den Kopf herausgerechnet; auch das ist falsch. Der Aussteller dieser Zahlen hat ver­gessen, daß Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen eine eigene, sehr hohe Biersteuer haben, die mehr als 4 Mark auf den Kopf der

Bevölkerung ausmacht. Er hat einfach die Steuer» lumme der norddeutschen Braugemeinschaft ge vommen und sie durch die Gesamt - Bevölkerunf deS Reiche- dividiert. Wer so oberflächlich zi Werke geht, hat keinen Anspruch, daß er mtz seinen Zahlen ernst genommen wird. Tatsache ist daß heute auf den Kopf der Bevölkerung übe( 21 Mark an indirekten Steuern entfalle^ während Bundesstaat und Reich nur über 8 Mk direkte Steuern erheben.

Ausland.

, * Mißstimmung zwischen guten Freunden« Die Pariser „Petite Republique" hebt eine b« wegliche Klage an über daS recht wenig freund« schaftliche Vorgehen der russischen Regierung- Diese bestellte bei einer Hamburger Werft viel Linienschiffe von 20000 Tonnen. Das sind Panzer vom allerletzten Modell. Die „Petit« Republique" gibt zu, das das deutsche Hau­wahrscheinlich das Vertrauen verdiene, fragt abei recht mißgestimmt, ob denn die russische Regierung nirgends sonst, z. B. in Frankreich, Werften hätte finden können, die die Bestellung auch hätten ausführen können. Es handle stch das um 250 Millionen Francs. Und eS wäre seht« nett gewesen, wenn diese Einnahme der französi« schen Industrie zugute gekommen wäre. Statt deffen gehe sie an ein Hamburger Haus, dem der deutsche Kaiser auch gleich ein Beglück^ wünschungsschreiben geschickt hätte. Frankreich sei der Geldverleiher, eS habe das Geld herge­geben, mit dem die deutsche Werft die russische^ Schiffe baue. Rußland habe daS Recht, ssch hinzuwenden, wo es für gut befinde, aber dt§ Sache mache in Frankreich doch einen peinlichen Eindruck.

* Die Eröffnung der Mekkabahn bis Me­dina ist am Thronbesteigungstage des Sultans erfolgt.

Aus dem Nachbargebiet.

* Hedemünden a. d. Werra, 3. Sept. 1908, In dem jenseits der Werra gelegenen GasthauS Zella wollte die Witwe Henze einen gefangenen, Reiher mit einem Fisch füttern und bückte sich zu dem Vogel herab. In demselben Moments hackte der Fischreiher mit seinem Schnabes der Fran ins Auge, welches sofort auslief. Um das andere Äuge zu retten, wurde die bedauerns­werte Frau in die Augenklinik nach Göttingen verbracht.

* Jena, 3. Sept. 1908. Hier ist ein Thü­ringischer Verein für Luftschiff« fahrt mit dem Sitz in Jena in der Bildung be­griffen, der neben dem Sport vor allem auch die' wissenschaftliche Forschung durch seine Fahrten in besonderer Weise pflegen will. Die Fahrtest sollen nicht bloß von Jena aus stattfinden, son« dern von allen gewünschten Orten Thüringens, wo es die Verhältnisse gestatten.

* Würzburg, 2. Sept. 1908. Zur 50 jährigest Gründungsfeier der hiesigen freiwilligen Feuer­wehr hat ein hiesiger Bürger der Feuerwehr 40,000 Mk. überreicht. Diese sollen verdientest kranken Feuerwehrleuten eine Unter» stützung bieten. — Der hiesige Magistrat hat das Diabolospiel in den Ringparkanlagen und auf öffentlichen Plätzen verboten.

+ Die Stadt Fulda im Spiegel ihres neuen „Führers".

Die bedeutsame Vergrößerung und Entwicke­lung, welche Fulda in dem kurzen Zeitraum, feit wir in's XX. Jahrhundert eintraten, ge­nommen hat, wird in's hellste Licht gesetzt durch einen Vergleich der soeben ausgegebenen Neuauf­lage des „Fuldaführers" mit seinem Vor­gänger vom Jahre 1899. Hat doch Herr Dr. Gustav Schneider, welcher da- verdienst- reiche Merkchen seines verstorbenen Vaters, des Geheimen Sanitätsrates Dr.JustusSchneider, neu bearbeitete, nichts, was den kräftigen Auf­schwung unserer Stadt bezeichnet, zu erwähnen unterlassen. Sorgfältig sind alle von der Stadt­verwaltung durchgeführten Unternehmungen ver­zeichnet, als da sind: Der große Stadtsaal — ein mächtiger Festraum, „der mit seinem unver­gleichlich großartigen Vorsaal einen der schönsten Konzertsäle Deutschlands" darstellt, bann die Schwemmstein-Kanalisation, die Friedhofsanlage, der Sch-.:chthofneubau und die Neupflasterung. Zu diesen großen Werken, die Fulda hoch über >as Niveau einer kleineren Stadt erheben, kommen »och wettere, seine Bedeutung steigernde, so die einem stilvoll angelegten Stadtviertel gleichenden Kasernengebäude, ferner Umbau und Erweiterung des Landkrankenhauses nebst Errichtung der da­mit verbundenen chirurchischeu Klinik, sowie einer Augen- und Ohrenklinik. Weiter finden wir er­wähnt alle jene neugeschaffenen Hospize, welche unsere Stadt als eine Heimstätte der Charitas rühmen: zunächst die mustergiltige Jdiotenanstalt Antoniusheim, dann das Marienheim, St. Josephs- heim und das neue katholische Gesellenvereinshaus;

alles Gründungen der allerletzten Vergangen­heit. — An monumentalen Neubauten haben

wir noch gewonnen: das vornehm in die Er­scheinung tretende Reichsbankgebäude und das malerisch wirkende Osfizierskafino, sowie den ein» fachen Bau der evangelischen höheren Töchter­schule. Wesentlich trägt auch zur Verschönerung deS Stadtbildes die Ausgestaltung der Bahnhof­straße bei, sowie der 'neugeschäffene schmucke Kaiserplatz mit seinen stattlichen Gebäuden und seinem edlen Standbild. Viele wohlgelungene Abbildungen, welche die rührige A. Maier'sche Hofbuchhandlung beigegeben, führen die alten wie die neuen Sehenswürdigkeiten vor Augen. Auch der künstlerischen Vollendung des Boni- fatiuSdenkmals durch die hinzugefügten Sockel­reliefs ist gewissenhaft gedacht. Aber nicht nur jene Bau- und Kunstdenkmäler, welche auf Straßen und Plätzen groß in die Oeffentlichkeit ragen, auch was hinter Schloß und Riegel als kostbarer Schatz gehütet wird, findet liebevolle Beachtung, vor allem die durch die Ausgrabungen des Herrn Prof. Vonderau gehobenen Fund­stücke in unserem Museum. Die Beschreibung der Codices Bonifaciani ist nach der fachmän­nischen Beurteilung der Herrn Oberbibliothekars Dr. Scherer berichtigt worden, und selbst eine verständnisvolle Würdigung des Orgelwerkes der Stadtpfarrkirche wurde nicht vergessen.

Diesen Bereicherungen des neuen „Führers" mußten allerdings im Interesse der Kürze manche Angaben im alten, welche sich auf die Ver­gangenheit der Straßen und Gebäude beziehen, zum Opfer fallen. Ueberhaupt ist der geschicht- liche Teil beträchtlich gekürzt worden, doch gibt er in seiner knappen Fassung immerhin eine gute Ueberficht über die Geschichte deS Hochstistes Fulda. Eins aber möchten wir nicht unerwähnt lassen: Seite 11 ist die westlich nach der Hinter­burg ziehende Straße als „das Eichsfeld" an­

geführt. Doch ist im Geschichtsverein schon vor Jahren darauf hingewiesen worden, daß bereits Gangolf Hartung in seiner im 17. Jahrhundert geschriebenen Chronik „Eisseld" schreibt, so wie das Volk auch den Namen heute noch ausspricht, der also nicht, wie man früher behauptet hat, von einer Ansiedelung der zum Dombau hierher berufenen Arbeiter des Thüringischen Eichs- feldes herrühren kann. Der selige Herr Ge­heimrat Schneider hat damals selber sein Be­dauern über diesen „Schnitzer" in seinem Fulda­führer geäußert. Dies im Interesse der Be- richttgung für eine spätere Auflage.

Ohne Zweifel wird sich das vortreffliche Büchlein in seinem neuen, auch typographisch hübschen Gewände, das ihm die Fuldaer Actiendruckerei gegeben hat, ungezählte Freunde in der Heimat wie in der Fremde er­werben. Die mit ihm beschenkten Teilnehmer des Doppeltouristenfestes haben eS ja als ein liebes Andenken mitgenommen; möge es ihnen das Bild unserer schönen Rhönstadt frisch und freundlich in der Erinnerung festhalten! J. Gr.

— Ein Weinscherz. Unter alten Schriften wurde folgender Weinscherz gesunden: Wackere Wein- trinker! Wahre Weintrinker wandern, wo Wein- weiser wonnig winken, wo wild wallender Wein wächst. Wer wird Wasser wünschen, wenn Wein wieder wohlfeiler wird? Wein weckt Witz, wandelt wildes Weh; wie wonnig wohl; Wein wirst Wunder, wer will widersprechen? Widerspenstige Wähler wecken weich rote Wachs, Weltweise wie Weidenroipfel wankend, wankelmütige Wehrmänner wie Wölfe wütend, roeinselige Waschstauen rote Wtckelktnder weinend. Würgenden Wucherern wird wie Weltbeglückern wohlig. Wehe windigen Wein- wirten, welche wahren Wein wässern! ^actel•

hausen 10. Mai 1879. Willibald Wunderlich, Weirsi wirt. j

— Der Kampf gegen die Motte«. In der,Berl. Aerzte-Korrspondenz' schreibt Dr. Gerstenberg: Zur Bekämpfung der manchmal in Sofas und anderen Polstergegenständen vernichtend austretenden Mottest hat stch mir bestens die Behandlung mit konzentrier­tem Formalin bewährt. Ich bediente mich zu diesem Zweck einer allen Morphiumspritze und spritzte mir derselben, möglichst tiefstechend, systematisch in ein Sofa 30 bis 50 Gramm auf einmal ein. Der Er­folg war überraschend und vollkommen. Das ganze Mottenleben in dem gefährdeten Stück war nach einigen Wochen geschwunden und ist es dis heute, ein Vierteljahr nach der Ausführung auch geblieben. Nebenbei bemerkt, war daS Sofa nach 24 Stunden schon wieder benutzbar. Die Ausführung der In« fetttonen ist wenig angenehm, speziell sür Hände und Nase, und auch nicht ungefährlich, z. B. für die Augen beim Platzen der Spritze. Also überlasst man es einer geübten Männerhand. Ich schützte mir meine Hände durch Abspülen in berettstehendem Wasser, noch besser geschieht dies aber durch Gummi­handschuhe, die während der Prozedur ebenfalls öfter in Wasser abzutauchen sind.

— Fortschritte. „Und wie geht's Ihrem Enkel­kindchen, Frau Huber?" „£), das kann jetzt schon ,Mama' sagen." „Wirtlich? Na und rote gehts dem Herrn Schwiegersohn?" „Danke, der kann jetzt sogar ,liebe Schwiegermama' sagen."

— Auch ein Antialkoholiker. Ein Arbeiter be« sucht die Ausstellung gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. Lange kann er aber den Anblick bei abnormen Herzen, Lebern und Nieren nicht ertragen. „Nist iS ganz schlecht wor'n da drin!" raunt er beim Hinausgehen einem Bekannten zu — „jetzf muß i' mir aber gleich an Schnaps taufen!"

— (Pariert.) Wirt: „Da haben Sie aber einen Gänsebraten; ich sage Ihnen, vor dem können Sie den Hut abnehmen!" — Gast (nachdem er gekostet hat): „Stimmt! das Alter soll man ehren 1"