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uldaer W Zeitung

jÄÄ woch-nb-iiag«: „Illustrierte Sonntagrzeitung

Fulda, Dienstafl den 1. September 1908.

35. Jahrgang.

M 200

Erscheint tSgNch mit Ausnahme der $o jn= und Zriertage. vierte- sShrlicherveMgrpreir ohne Vringrrlshn und Vestellgeldii'.KnldasS' wiraurwSrtrh.övM.

Verantw. Redakteurr

Sark Schütte;

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votationrdruckund vettagderLuiLarrAi- ttendruckerel in Knlda Zernsprechrr Ar. 9.

monakbellage: „Mdaer Geschichtzblatter"

liner Parteibewegung, um auf diese Weise mög. lichst viele Mandate für die Berliner Richtung zusammenzutreiben. Die Obergenoffen konnten daS nicht bestreiten. Adolf Hoffmann, der Zehn- gebotredner, sandte nur eine starke Retourkutsche gegen PeuS los mit der Behauptung, er, Peus, sei nur auf dem Rücken der Berliner empor­gekraucht. Natürlich war die große Mehrheit für die störkste Beschickung der Nürnberger Tagung.

* Der Jahrestag der Hakatisten, der „Deutsche Tag", ist am Sonntag in Strasburg (Westpr.) abaebaüen worden.

* Straßburg, 31. August 1908. Wie die ,Frankf. Ztg.^ erfährt, hat der Kaiser bei seinem Aufenthalt den Unterstaatssekretär Frhrn. Hugo Zorn v. Bulach definitiv zum Rach- folger des Staatssekretärs v. Köller ousersehen, sobald dieser in den Ruhestand tritt, was im Dezember geschehen wird.

* München. 31.Aug. 1908. Die geistliche Schulaufsicht wurdeOmReichsrats-Ausschusse von den liberalen Reichsräten Graf Törring und Gras Crailsheim, dem früheren Ministerpräsiden­ten, bekämpft. Kultusminister Dr. v. Wehner bemerkte dagegen, die Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht werde wohl in absehbarer Zeit nicht Tatsache werden, da diese Einrichtung ver­fassungsmäßig festgelegt sei. Im Protestanten« Edilt § 6 sei bestimmt, daß die Distrikrs-Schul- inspektion mit dem Amte der Dekane verbunden blerben solle. Damit sei für die Protestanten ausgesprochen, daß verfassungsmäßig die Distrikts- Schulaufsicht eine geistliche sein solle. Dasselbe müsse aus Gründen der Parität auch für die katholische Kirche gelten. Die Anregung zur Be- seiligung der geistlichen Schulaufsicht fei übrigens auch bei den gegenwärtigen parlamentarischen Verhältnissen völlig aussichtslos. Er wolle je­doch bemerken, daß die Regierung in Erwägung ziehe, das Lehramt unbeschadet des Grundsatzes der geistlichen Schulaufsicht in etwas stärkerem Umfange als bisher zur Schulaufsicht und zum Prüfungswesen heranzuziehen und er hoffe, daß in absehbarer Zeit die Lösung dieser Frage sich werde ermöglichen lassen.

kb Die Friedensrede des Kaisers beim Festmahl in Straßburg darf weitgehender Zustimmung sicher fein.

Mit lebhafter Befriedigung wird man, wie tm Reichslanü, so auch im übrigen Deutschland die aus „innerster Ueberzeugung" des Kaisers stammende Versicherung entgegennehmen, daß der europäische Friede nicht gefährdet fei. Man durste allerdings bereits seit einigen Mona- ten annehmen, daß die internationale Spannung erheblich nachgelassen habe. Das Wort des Kai­sers bestätigt jetzt als wertvolles Zeugnis, daß die internationale Situation in der Tat erheblich gebessert ist.

Man kann in der Kaiserrede wohl einen Kom­mentar zu den Verhandlungen in Cran­der g sehen. Es ist noch nicht lange her, da ging durch die Presse — zwar dementiert, aber in ihrem lieferen Gehalt unwidersprochen — die Meldung von den kaiserlichen Aeußerungen über das „ge­schliffene Schwert" und das „trockene Pulver", die der Kaiser vor den Offizieren auf dem Döbe- ritzer Uebungsplatze getan haben sollte. Durch die Straßburger Rede des Kaisers erhalten jetzt die Meldungen, wonach Eduard VII. in Cron- sberg seiner friedlichen Gesinnung einen entschie­denen Ausdruck gegeben hat, eine erfreuliche Be­stätigung.

Besonders interessant an der Rede des Kai­sers ist, daß er sich auf das „Gewissen der Für- sten und Staatsmänner", und andererseits auch vuf den „Willen der Völker selbst" als Zriedensbürgschaft beruft. Die furchtbaren Rü- hingen, unter denen die Völker seufzen, lassen tir jeden bevorstehenden Krieg eine derart ent- etzliche Vernichtung von Menschenleben, blühend- ’tent, hoffnungsvollstem Menschenleben mit so ab- olutsr Sicherheit erwarten, daß schließlich kein Fürst und kein Staatsmann auch unter sehr chwierigen Verhältnissen einen Krieg anzufangen tö a gt, wenigstens kein Fürst und kein Staats­mann der westeuropäischen Kulturstaaten. Die Beruftmg auf den „Willen der Völker selbst" läßt erkennen, daß auch der Kaiser der fortschreiten- ben Macht des Volkswillens Rechnung zu tragen wünscht. Es ist in früheren Jahrhunderten noch hie Mode gewesen, daß die Fürsten, wenn sie Kriege erklärte», auf den Willen des Volkes Rück­sicht nähmen. Höchstens haben einzelne Fürsten, die fick vor ihrem Volke fürchteten, durch gerie­bene Macher künstlich Volkskundgebungen im Sinne eines Krieges veranstalten lasten, um auf diese Weise die Unterlage für ein kriegerisches Vorgehen zu gewinnen.

Die wachsende Anteilnahme der Völker an den Vorgängen des öffentlichen Lebens hat ihre Schul­digkeit getan, und es wird zu wünschen sein, daß die hier zum Ausdruck gelangte Anerkennung der Berechtigung des Volkswillens dauernde Geltung behält.

den ist. Ich spielte weiter und gewann die dop­pelte Summe, welche ich verloren hatte.

Mein Gegner sprang auf und beschuldigte mich des Betruges. Diese Beleidigung war zu groß, als daß ich sie gleichgültig hinnehmen konnte, dazu war mein Kopf erhiK und mein Blut in heftiger Wallung. Rasch wie der Blitz ergriff ich den Stockdegen Palestros, der ebenfalls an­wesend war, riß ihn aus seiner Hülle und schlug meinen Beleidiger über das GesicH und die Brust, so daß er, tödlich verwundet, augenblicklich zufam- menstürzte."

Die Geschichte, wie sie der Betrüger erzählte, klang allerdings nicht unwahrscheinlich, und seine bebende Stimme, fein ängstliches, furchtbares Ge­sicht, seine starrenden Augen gaben ihr noch mehr den Schein der Wahrheit.

„Stelle Dir meinen Schrecken und mein Ent­setzen vor", fuhr er fort; „,denke Dir meine furchtbare Verzweiflung! Ich eilte zu dem Ver­wundeten, aber er wies mich zurück mit Worten und Geberden unendlichen Hasses. Ich glaubte in diesem Augenblick, ich sei ein Mörder. Pa- leftro erbot sich, mir zur Flucht behilflich zu sein gegen Zahlung einer bestimmten Summe, die ich ihm freudig einwilligte. Nachdem, ich so sein Schweigen erkauft hatte, floh ich nach Sardinien, wo ich einen Brief Palestro's erhielt, in welchem er mir mitteilte, daß der Verletzte von seinen Wunden sich erholt habe, daß er aber furchtbar gezeichnet sei; und noch schlimmer, er habe einen schrecklichen Eid getan, Rache an mir zu üben. Du weißt, wie rachsüchtig die heitzblütigen Ita­liener find.

, In demselben Briefe, in welchem Palestro mich von der mir drohenden Gefahr informierte und mir mitteilte, daß Mt Mann mich meuch­lings morden würde, wo er mich fände, — schrieb er mir auch, baff er meinen Feind tu die Hände der Räuber liefern wollte, die ihn in der Höhle de- roten Earvelli — welcher nebenbei bemerkt Palestros Schwager ist — gefangen halten soll­ten. Ich williate in di« Gefanaennahme des

Brander in scheinbarer Demut. „Tein Leben hier auf dem Lande ist so friedlich, so ruhig, ohne jede Versuchung gewesen, daß Tu Dir keine Vor­stellung machen kannst von den Fehlern der heiß­blütigen Jugend. Da ich stets im Besitz vielen Geldes war, jung, sorglos und lebenslustig, ohne Schutz und Aufsicht, ohne einen älteren Begleiter, der für mich denken oder mich warnen konnte — ist es da zu verwundern, wenn ich töricht, selbst schvach war?"

Sir Harrys Gesicht wurde ernsterer und fin- fterer.

„Weiter!" sagte er ruhig, als Brander im Erzählen inne hielt.

„In Neapel", fuhr dieser fort, „kam ich in schlechte Gesellschaft. Du kennst meine Offenher­zigkeit und Arglosigkeit, die mich fort zur Beute einer Rottr von Spielern machte, welche den Gast- Hof Palestros, in dem ich mich einige Wochen auf- hielt, heimsuchte. Sie verleiteten mich zum Spiel, tuw eines Abends — o, ich werde es nie verges­set und Branders Stimme schien zu zittern in schmerzlicher Erinnerung — .überredete mich jener Italiener zu ihnen zu kommen, wie ich es schon früher getan hafte. Ich sagte nach einigem Zögern zu und begab mich zur bestimmten Zeit in ihr Zimmer im oberen Stockwerk des Gast­hofes. Sie trugen Wein und andere starke Ge­tränke auf und ich trank mit ihnen. — Wir tour- den lustig. — O, Du kennst solche Szenen nicht, Vater; erspare mir, ihre Widerlichkeiten zu schil- dern."

Er hielt inne, Wanderte und bedeckte sein Ge- sicht mit beiden Händen.

„Weiter!* befahl etwas ungeduldig Sir Harry wieder.

Brander gehorchte und fuhr fort:

,Zch wurde wieder und wieder zum Trinken genötigt. Der starken Getränke ungewohnt, ftieg ihr verwirrende» Feuer mir halb zu Kopf. Wir fingen an zu fielen unb ich spalte leichtsinnig. Ich verlor hundert Pfund an denselben Italiener, der jetzt au8 den Händen der Räuber befreit toor-

wartet eine große Beteiligung von Parlamenta­riern aller Länder; insgesamt rechnet man auf etwa 1000 Konferenz-Mitglieder.

(*) lieber die Arzneiversorgung der Kranken- kaffen, speziell über die Higer en Bezüge von Arzneien auS Drogerien unter Umgehung der Apotheken wird Ende September ober Anfang Oktober im Reichsamt des Innern eine Konfe­renz stattfinden.

0 Ter Fall Schücking hat durch die konserva­tiven Droyworte seine ernstere Bedeutung er­langt. Die Regierung schweigt, das ist das klügste, was sie tun kann. Aber den Konserva- ttven wächst der Mut. In der „Kreuzzeitung" weist Verwaltungsdirektor Blümke nach, welch haarsträubende Unkenntnis der gesetzlichen Be- ftimmungen Schücking sich in seiner Broschüre zu Schulden kommen ließ. Bemerkenswert ist die unterschiedliche Behandlung dieses Falles in der „Kreuzzeitung" und in der „Deutschen Tagesztg.". Letztere hält es ganz mit den Freisinnigen und will nichts von einem schärferen Auftreten der Konservativen wissen. Die „Kreuzzeitung" da­gegen fährt fast in jeder Nummer neues Geschütz gegen Schücking auf und nimmt besonders die Beurlaubung des Regierungspräsidenten scharf vor.

X In der sozialdemokratischen Partei haben sich die Gegensätze fest dem Wiederaufleben des Streites um die Budgetbewilligung noch verschärft. In Pafteikreisen rechnet man sogar ernstlich mit der Möglichkeit einer Obstruktion der süd­deutschen Genossen gegenüber dem bevor­stehenden Parteitag in Nürnberg. Die norddeutschen Genoffen, die in ihrer übetroicgenben Mehrheit der Fahne der Parteileitung folgen, rooQten dort so operieren, daß sie aus allen Kreisen, auch aus benen, wo die Sozialdemokratie so gut wie gar keine Organisation hat, die zulässige Höchstzahl der Delegierten, nämlich drei, mit gebundener Marschroute nach Nürnberg entsenden. Da den Wahlkreisen mit schwacher Organisation die Delegierung von drei Bertrauensmännern finanziell unmöglich sein würde, so haben die sozialdemo­kratischen Zentren wie Hamburg und Berlin das famofe Verfahren eingeschlagen, den Genoffen in den benachbarten Wahlkreisen mit entsprechenden Geldsummen unter die Arme zu greifen, natür­lich gegen die Zusicherung, daß die zum Partei­tag abgeordneten Delegierten im Sinne der Parteileitung stimmen. In Süddeutschland hat man davon erfahren und die Sache hat dort böses Blut gemacht. DaS Münchener Sozialisten- blatt bemerkt:

„Dieses Beispiel ist in einer Reihe norddeutscher Wahlkreise vor- und nachgeahmt worden. Kreise mit einer ganz geringen Oraanistertenzahl haben — aus wessen Kosten? — drei Delegierte gewählt. Damit hat sich der Harteivorstand aus den Standpunkt des Polizeiaufgebots gestellt. Durch die Massen­delegationen von Parteigenossen, die, ohne die Gründe der süddeutschen Parteimitglieder zu kennen, bereits ein gebundenes Mandat haben, hat man den sachlichen Boden völlig verlassen und die brutale Gewalt an die Stelle parteigenössischer Diskussion gerückt. Unter diesen Umständen _ erscheint es nötig, daß die süddeut­schen Parteigenossen erwägen, ob sie sich überhaupt noch an dem Parteitag betelligen und das Objekt einer solchen unwürdigen Poltzeikomödie bilden wollen."

Die Berliner haben sich auch auf dem branden­burgischen Parteitage am Sonntag noch einen ganz besonders scharfen Vorwurf machen lassen müssen. Peus, der revisionistisch angehauchte Dessauer Genoffenschaftsförderer, Redakteur und verflossener Reichstagsabgeordneter, behauptete, dir Berliner gebrauchen das viele Geld der Ber-

Ausland.

* Königin Wilhelmine von Holland feierte gestern ihren Geburtstag, der mit dem Tage zu­sammenfällt, an dem sie vor 10 Jahren die Re­gierung antrat. In allen Städten und Dörfern wird gefeiert und festliche Umzüge, Volkssp cle ufro. werden veranstaltet. Nur die Königin hält sich zurückgezogen im Schlosse Loo auf und hofft selbst wohl am meisten, daß der Wunsch der Station, welcher allen Festlichkeiten einen ernsten Anstrich verleiht, in Erfüllung gehen wird.

* Großen Unterschleifen ist man in mehreren Brüsseler Vorstädten auf die Spur ge­kommen , wodurch die betreffenden Gemeinden um ganz bedeutende Summen zum Vorteil der angeschnldigten Beamten und gewinnsüchtiger, skrnppelloser Unternehmer und Lieferanten ge­schädigt worden sind. Daß das liebet alt und weitverbreitet sein muß, ergibt sich daraus, daß schon vor stark zwei Jahren der Genetalproku- rator von Brüssel eine geheime gerichtliche Unter­suchung in sämtlichen Gemeindeverwaltungen der zu seinem Amtsbezirk gehörige« Provinzen Bra­bant, Antwerpen und Hennegau anordnete. Seit

zwei Jahren befaßte sich ein hoher Richter aus­schließlich mit der geheimen Prüfung verdächtiger Gemeinderechnungm, und da? Ergebnis seiner Nachforschungen ist niederschmetternd für gar manchen bisher mächtigen und einflußreichen Herrn. Geldmächtige Unternehmer bestahlen systematisch die Gemeinden, deren Arbeiten und Lieferungen sie durch Bestechungen der maß­gebenden Beamten erschlichen hatten, mit denen sie dann noch den Raub teilten — hohe Beamte ließen die Rechnungen für private Lieferungen und Bauarbeiten im Einverständnis mit jenen Unternehmern auf die Gemeindekaffe anroeifen und ähnliche unsaubere Machenschaften mehr. Selbstverständlich haben diese Entdeckungen in den betroffenen Gemeinden eine wilde Aufregung hervorgerufen. Es handelt sich übrigens um Gemeinden der Brüsseler „Agglomeration", die in der Gewalt des „antiklerikalen" Blocks sind.

* Erpressungen an der Prager Eisen­industrie. Die Prager Stadtverwaltung hatte in diesen Tagen eine große Röhrenlieferung zu vergeben und entschied sich, wie wir schon mel­deten, für ein französisches Werk, während bie heimischen Etablissements leer ausgingen. Der Leiter der Prager Eisenindustrie Kestranek, halft nun behauptet, daß einflußreiche Mitglieder bei Stadtparlaments gegen Bestechungsgeldttz bereit gewesen wären, daß die Offerte seiner Firma berücksichtigt werden solle. Die Aufforderung, die Namen der Schuldigen zu nennen, beant» wartet er jetzt mit einer Verstärkung und Erwei­terung seines Angriffs. Er will verklagt werdett und im offenen Gerichtssaal die Namen nennen. Dagegen klagt er andere an, in erster Linie den früheren Bürgermeister Srb, der ausdrücklich erklärt habe, selbstverständlich müßten Rohrliese- rungen den heimischen Werken zufallen, dann aber der erste gewesen sei, der in den VerwaltungSrai drang, die Röhren an daS Ausland zu vergeben. Kestranek beschuldigt auch den Handelsminiftek Fiedler und den SektionSchef Rößler. Aus Prag wird gemeldet, ein bekannter Abgeordneter und ein Industrieller seien geflüchtet. Man bringt bie Flucht mit Kestranets Erklärung in Zusammenhang.

* Die römischen Sozialisten habm eine Re­solution angenommen gegen die „absurde Gesetz­gebung", die ein Kruzifix in den Volksschulen vorschreibt. Der Blockstadtrat von Rom hat eß nämlich nicht gewagt, in den neuen Schulen Roms das Kruzifix fortzulassen. Als „Revanche" haben nun die Sozialisten Roms die Genossen in allen anderen Städten aufgefordert, eine sich über ganz Italien erstreckende Agitation für Ab­schaffung der gesetzlichen Vorschrift ins Werk z« setzen.

* Verhaftungen in Russisch-Polen. I« russisch-polnischen Jndustriebezirk sind in den letzten Tagen wiederum 50 Personen wegen poli­tischer Umtriebe verhaftet und nach Lodz transportiert worden.

* China. Daß die finanzielle Lage Chinas durch das Verbot der Opiumeinsuhr stark ver­schlechtert werde, darauf mußte die Regierung von vornherein gefaßt fein. Wenn sie dennoch das Verbot strikte durchzuführen suchte, so ver­dient es alle Anerkennung, zumal das Geld bei ihr äußerst knapp ist. Die Regierung wendet sich wegen einer Anleihe soeben wiederum an vie Vereinigten Staaten. Der Gouverneur von Mulden ist bevollmächtigt worden, mit der ameri-

Deutsches Reich.

* Zu den Kaisermanövern ist auch dar Luftschifferbataillon abkommandiert wor­den. Es werden insgesamt 20 Freiballons und 4 Fesselballons bei den Manövern verwendet werden. DaS lenkbare Luftschiff fährt wahr­scheinlich noch nicht hin.

* Der rumänische Ministerpräsident Sturdza ist zum Besuche des Fürsten Bülow gestern in Norderney eingetroffen und hatte mit dem Reichs- kanzler eine längere Unterredung.

* Interparlamentarische Friedens - Kon­serenz. Vom 15. bis 20. September findet in Berlin im Reichstags - Gebäude eine Konferenz |>er Union Jnterparlamentaire statt. Man er»

iung£n Mannes und vertauschte meine Furcht vor ihm mit der von 'Palestro geübten Erpres­sung. Das Uebrige ist Dir bekannt."

Er beugte sich vorwärts, als ob er auf et« Urteil Sir Harrys über bie Geschichte wartete; dieser aber schwieg.

„Ich bitte Dich nicht um Verzeihung meinet Vergehen, Vater", fuhr bet Betrüger mit er­heuchelter Demut fort „Du bist so edel und so aufrichtig, daß ich bis jetzt nicht wagte. Dir dir Wahrheit zu offenbaren und ich würde bis zum Tode gefdtoiegen haben, hättest Du nicht einen Teil des Geschehenen erfahren. Ich weiß, baß ich Dich getäuscht habe- ich habe Deine Achtung und Deine Liebe verscherzt, und doch war ich derer niemals würdiger, als in diesem Augen­blick. Meine Jugendtorheften liegen hinter mir und ich bin nach allen gemachten Erfahrungen ein befferer und achtungswürdigerer Mensch. Willst Du meine Gewissensangst noch größer ma­chen als sse bereits ist? Willst Du mein Leben unerträglich machen ober willst Du mir ver­geben?"

Er blickte so flehentlich zu Sir Harry auf, daß dessen Strenge und Kälte bereits allmählich zu weichen begann.

„Hast Du mir die Wahrheit — die volle Wahrheit gesagt?" fragte der Baronet, Brande« fest in die Augen sehend.

, „Die volle Wahrheit, Sir", erklärte Brander mit unglaublicher Frechheit den durchbohrende« Blick Sir Harrys aushaftend.

Sir Harry atmete tief auf, ob vor Schmer, ober Erleichterung, konnte sich Brander nicht ge­nau erklären.

„Sage nichts mehr, Guido", sagte her Baro­net. „Laß bie Vergangenheit tot und begraben sein. Wenn Deine Reue aufrichtig ist, will ich Dich nicht mehr mit Vorwürfen belästigen. Uno beim fet mit wenigstens jetzt ein Sohn, ben ich achten kann."

fFortsetzuna folgt) '

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

93] (Nachdruck verboten).

Wahrscheinlich hatte die junge 6 «giärberin, Sie sich des Unglücklichen angenommen hafte, nach- Dem sie aus der Gefangenschaft der Banditen be­freit worden war, einfach ihre Reise nach England -vrtgesetzt. Der Name Ferdinand Brander war Dem Geisteskranken beigelegt und niemand wußte daß dies nicht sein rechter Name war. E: hatte sich entsetzt und beinahe seine ganze Schild und Schurkerei verraten und somit in seiner Furcht sich selbst verdächtigt. Der Bries enthielt nichts, was zur Entdeckung seines Verbrechens fuhren konnte, daher war es unnötig, feine Sache ver­loren zu geben. Er mußte eilen, um sich in der Meinung des Baronets wieder in eit bes>.«s Licht zu sehen.

Diese Gedanken kreuzten mit Blitzesschnelle fein Gehirn. Der Ausdruck der Besorgnis und «r Verzagtheit schwand von seinem Gesicht machte dem des Leides und der Reue Platz, wäh­rend sein Gesicht sich damit beschäfftgte, eine Er- Wrnng zu finden, die geeignet war, dem Baro­net die halbgeöffneten Augen wieder zuzudrücken. Wie aber sollte er eine einleuchtende Antwort auf des Baronets Frage finden?

„Ich will Dir die Sache erklären", sagte er endlich, als der feste, forschende Blick Sir Harrys sind bie peinliche Stille für ihn unerträglich ge­worben waren und die Notwendigkeit, zu antwor­ten, sich immer mehr ihm aufdrängte. „Der Mann, welcher aus ben Händen der Räuber be­freit wurde, ist ein nichtswürdiger Mensch — Italiener — ein früherer Bekannter von mir Er haßt mich und würde mich morden, sobald er 'mich sieht."

„Und warum?"

„Weil — weil O, tote kann ich Dir dieses .Ereignis in meinem Leben klar legen?" rief