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JV3 199.
Fulda, Montag den 31. August 1908.
35. Jahrgang.
Teil dem Deutschtum zuzählen dürfen, denn ihre Vermehrung ist nicht erfolgt auf Kosten der nur polnisch redenden Kinder, sondern deren Zahl ist im großen ganzen gleich geblieben, ja, im letzten Jahrfünft noch merklich gestiegen.
)( Kriegerverein und Polen. Der Vorstand des preußischen Landeskriegerverbandes hat in einem Schreiben nach Schlesien trotz seiner angeblichen politischen Neutralität sehr scharf gegen die Polen Stellung genommen. Es wird behauptet, die großpolnische Bewegung erstrebe eine gewaltsame Lostrennung von Preußen; die Behauptung, daß die Polen ihre Ziele nur auf gesetzlichem Wege erstrebten, sei „kindisch". Daraus wird dann der Schluß gezogen, daß die Polen den Kriegervereinen nicht angehören könnten.
— Der Entwurf eines neuen Münzgesetzes ist im Reichsschatzamte fertig gestellt worden, er faßt die bisherigen Gesetze bezw. Novellen zusammen. Ob die Vorlage dem Reichstage schon bei seinem Zusammentritte zugehen wird, ist noch unbestimmt, da zunächst noch andere wichtigere Vorlagen zu erledigen sind. — Mit der Ausgabe der neuen Dreimarkstücke an die Reichsbank soll nächste Woche begonnen werden.
* Meiningen, 29. Aug. 1908. Ein Kirche n- kon flikt droht im Herzogtum Sachsen-Meiningen auszubrechen. Die vom Meininger Oberkirchenrat soeben verordnete neueevangelisch-luthe- rische Kirchenbuchordnung erregt, protestantischen Blättern zufolge, im Lande und bei der Geistlich, leit peinliches Aufsehen, weil die Landeskirche verfassungsmäßig rein evangelisch ist und die neuen Kirchenbücher daher ungültig sein müssen
Zweites Wtcrtt.
0 Der Kampf um die Budget- bewilligurrg.
Die Sozialdemokraten find Kinder, politische Kinder, nur ein kleiner Teil nähert sich dem politischen Jünglingsalter. Sie können sich um Dinge Herumstreiten, über die kein erwachsener politischer Mann überhaupt mehr spricht; und sie führen den Streit mit einer Heftigkeit, als handele es sich um Sein oder Nichtsein der Partei I Dabei aber ist der Gegenstand des Streites in Wirklichkeit von einer solch geringen Bedeutung. daß man lachen muß über den Ernst, mi: dem darum gestritten wird.
So ist es mit der Frage der Budgetbe- w i l l i g u n g. Bei unseren deutschen politischen Verhältnissen ist die Annahme des Etats kein Vertrauensvotum für den einzelnen Minister oder für ein gesamtes Ministerium, sondern sie besage nur, daß man die Weiterexistenz des Staates wünscht. Die Ablehnung des Etats selber hat nicht zur Folge, daß etwa ein Ministerium zurllck- tritt; die Minister sind bei uns die Vertrauensmänner der Krone, nicht die des Parlaments. Wenn daher die Krone einen Minister, der sein Gehalt nicht genehmigt erhält, weiter im Amte beläßt, so ist nur das Parlament blamiert. Wenn ein Gesamtetat abgelehnt wird, so kann gar leicht die nächste Folge sein, daß die Scharfmacher und die politische Reaktion die Obekhand erhalten und daß die letzten Dinge ärger werden als die ersten. Durch .Ablehnung des Etats schafft man keine politischen Reformen. Würden wir in einem parlamentarisch regierten Lande leben, so wäre freilich die Sache mit einem Schlage anders; ein Minister, der sein Gehalt nicht genehmigt erhält, muß abtreten; ein Ministerium, das den Etat nicht durchdringt, ist verloren. Dort hat die Frage praktischen Wert. Die Sozialdemokraten freilich unterscheiden nicht; sie haben einmal etwas von der Ablehnung des Etats als der stärksten parlamentarischen Waffe gehört und nun schießen sie mit diesem Revolver jedes Jahr Locher in die Luft und meinen, sie hätten lauter Treffer gemacht. Wenn aber ein Teil der Genossen an diesem kindlichen Spiel sich nicht beteiligen will, so fällt man über diese „Verräter" her. So ergeht es derzeit den süddeutschen S o z i a l d e m o k r a t e n, die sich in offener Op- Position gegen den Parteivorstand und gegen Berlin befinden. Die ganze süddeutsche Sozialdemokratie steht geschlossen hinter den Fraktionen der dortigen Parlamente, die den Etat bewilligt haben; in den derzeit stattfindenden Versamm- lungen erhalten die Abgeordneten ein Vertrauensvotum nach dem anderen; die Opposition meldet sich irgends zu Wort, auch wenn Rosa Luxemburg im „Vorwärts" noch so oft zum Sturme bläst. Es tut sich hier innerhalb der Sozialdemokratie eine breite Mainlinie auf, die nicht so schnell überbrückt werden wird. Und nun machen sich sogar noch in der sächsischen — Sozialdemokratie Bestrebungen auf die künftige Annahme des Etats geltend, was der „Vorwärts" entrüstet als eine „Verhöhnung der Partei" zurückweist.
Nun tritt die Sorge um den Nürnberger Parteitag in den Vordergrund; die verständigen Sozialdemokraten wollen über diese Frage gar keine Debatte mehr zulasten; sie halten sie für lächerlich und überflüssig. Darüber fällt nun der „Vorwärts" in eine Ohnmacht nach der anderen und wütet gegen den „bayerischen Pinsel", womit er den früheren Vorwärts-Redakteur Eisner meint Es ist freilich bemerkenswert, wie die „edlen 6", die man einstens aus dem „Vorwärts" jagte, geschlossen auf der Seite der Süddeutschen stehen.
Es kann in Nürnberg einen hübschen Tanz abgeben.
Deutsches Reich.
* Koloniale Zukunftsmusik. In der letzten Zeit ist man eifrig daran, die Zweifel an der Ertragfähigkeit unserer Kolonien in einer Unsumme von Mitteilungen über kleine Erfolge auf Einzelgebieten zu ersticken. In der letzten Zeit müssen da besonders die Dia man le nfunde herhalten. Genaue Mitteilungen darüber werden amtlicherseits nicht gemalt. Dafür aber werden von privater Seite die allertollsten Geschichten verbreitet. So heißt es neuerdings, was bereits auf eine bedenkliche Höhe des „Diamantenfiebers" hindeutet, es seien bisher 2000 Steine gesunden worden. Auf dem Londoner Diamantenmarkt nimmt man das allerdings ziemlich kaltblütig hin; eS wird nämlich erklärt, man habe bisher vergeblich nach „Gängen mit Diamantennestern" gesucht. Allzukühne Hoffnungen wird man sich demnach nicht machen dürfen; denn wenn da was zu machen wäre, würde der Londoner Handel schon dahinter sein. Nach den vielen Mißerfolgen mit dem Pferdematerial will man es jetzt mit der Zähmung des in Afrika wildlebenden Zebra versuchen. In Deutsch-Ostafrika hat man damit Erfolge gehabt. Jetzt soll ein Kreuzungsprodukt von Pferd und Zebra gezüchtet werden, von dem man alle die erforderlichen Eigenschaften für ein widerstandsfähiges Zugtier erhofft, das insbesondere auch nicht so sehr den Krankheiten unterliegen soll wie das Pferd. Möge der Versuch gelingen!--Neuerdings hat sich
auch die Chemie stärker auf die Kolonien geworfen. Man hat alle möglichen Bäume und Sträucher untersucht und dabei festgestellt, daß sich aus einigen Kautschuck und Harze gewinnen lassen. Darüber freut man sich natürlich sehr. Wahrscheinlich würde man aber dasselbe Ergebnis bei uns viel einfacher und billiger erzielen.
(*) Den Vätern des Enteignungsgesetzes rückt schon die linksliberale ,Berl. Volksztg/ mit einer heftigen Kanonade gegen die „Fidei- kommißwirtschaft" auf den Leib. Das Blatt bezeichnet die jetzige Ausdehnung des Großgrundbesitzes als „nationale Gefahr" und agt, die amtlichen Veröffentlichungen über die Fideikommißflächen in Preußen ließen erkennen, daß die Gefahren für die Allgemeinheit, die mit der Unveräußerlichkeit und Unteilbarkeit des im
Besitze einer Familie befindlichen Großgrundbesitzes verbunden seien, sich immer mehr steigerten. Das Blatt richtet dann eine Reihe besonderer Angriffe gegen den Adel und fährt fort:
Die im Jahre 1906 in Preußen errichteten 23 Fideikommisse erstrecken sich zum größten Teile auf die östlichen Provinzen und zwar mehr als die Hälfte, zwölf, auf die Provinz Posen, in der man — welch ein Wahn! — durch eine Begünstigung der Fideikommisse das Polentum bekämpfen zu können glaubt. Die Gesamtfläche der Fideikommiffe, die im Jahre 1906 in Preußen entstanden sind, betragt 206,51 Quadratkilometer, ein Gebiet, das etwas größer ist als das der Stadt und des Staates Bremen, oder etwa viermal so groß als das Weichbild von Berlin. Wenn die Zunahme der Fideikommisse auch künftig in demselben Maße erfolgt, so würde man damit zu rechnen haben, daß innerhalb eines einzigen Jahrzehntes sich die Fideikommißfläche in Preußen um ein Gebiet erweitert, das die Herzogtümer Sachsen-Meiningen und Anhalt an Größe übertrifft.
Bisher konnten die Grundbesitzer solchen Angriffen auf dem festen Boden des bestehenden, das Eigentum verbürgenden Rechtszustandes entgegentreten. DaS gegen die Polen gerichtete Enteignungsgesetz hat diesen Rechtsboden durchlöchert. Man muß gegen die Fideikommisse ein» schreiten, weil sie eine „volksfeindliche Tendenz^ haben, sagt die,Berl. Volkszeitung'. Klang es nicht ähnlich so, als Fürst Bülow im vorigen Winter die Enteignung der Polen befürwortete? Man wird noch weitere Erfahrungen machen.
— Der Zentralverband der Gemeindebeamten Preußens, der 27 000 Mitglieder hat, hat auf seiner soeben in Altona beendeten 13. Hauptversammlung beschlossen, aufs neue um Abänderung des Kommunalbeamtenge- setzes und um Aushebung der Kaution der Gemeindebeamten vorstellig zu werden. Man beschäftigte fich ferner wit der Fürsorge für stellenlose Kommunalbeamten und beschloß, eine Stellenvermittelung für Kommunalbeamten ins Leben zu rufen.
* Früchte der Polenpolitik. Die schulstatistischen Erhebungen des Jahres 1906 haben uns auch genaue Angaben über die Familiensprache d.-r Volksschüler in Preußen verschafft. Dabei sind die Ergebnisse über die Umgangssprache der Kinder in den Landesteilen mit polnischer Bevölkerung von besonderem Interesse, da sie uns zugleich zeigen, ob wir in den Ostmorken mit der Ausbreitung des Deutschtums vorwärts gekommen sind oder nicht. 9tur ganz wenige Zahlen mögen diese Frage beantworten. Es sprachen, wie wir einem Artikel von G. Manzel im ,Tag' entnehmen, unter allen preußischen Volksschülern: im ^abte Volmsck darunter Polnisch und im ^ayre poinucy nur Polnisch auch Deutsch 1891 11,62 v. H. 10,06 v. H. 1,56 v. H.
1896 12,23 „ 10,57 „ 1,67 „
1901 12,58 „ 10,52 „ 2,07 "
1906 13,21 „ 10,90 ’ „ 2,31 „
Ein Rückgang der polnischen Sprache unter den Volksschülern ist also nirgends zu erkennen. Auch die Kinder, die beide Sprachen sprechen, wird man nur zu einem ganz kleinen
Ausland.
* Präsident Castro. Wie Präsident Castro, mit dem wir auch schon ein Hühnchen zu pflücken hatten, in seiner Republick Venezuela haust, entnehmen wir einer längeren Darstellung in der „Köln. Ztg."; Ausländische Zeitungsberichterstatter liebt er nicht; wer mißliebige Berichte liefert, wird ohne Weiteres ausgewiesen. Ein amerikanischer Journalist bekam noch hinterrücks Prügel, so daß er ohnmächtig wurde. Dann brachte man ihn auf ein Schiff, mit dem Bemerken, , nie wieder zu kommen. Castro ist der Sohn eines spanischen Vaters und einer indianischen Mutter, mit einem verblüffenden Mundwerk versehen, persönlich ebenso tapfer, wie habsüchtig. Als Waren-Fuhrmann wurde er bald unter den Landbewohnern bekannt und avanciert« zum Abgeordneten. Sein Vorgänger war bitter verhaßt, und es war leicht, ihn zu ver« drängen. Seitdem behandelt Castro das ganz« Land wie sein Eigentum. Seine Anhänger erhalten reiche Belohnungen, die Gegner werden durch Steuern bezwungen. Die Landbevölkerung, die er kluger Weise schont, geht mit ihm durch Dick und Dünn, dagegen ist er der Geschäftswelt bitter verhaßt. Alles, wobei etwas zu verdienen ist, ist in Staatsmonopol umgewandelt.
+ Etwas vom Hersfelder Abt Ludwig Landau und seiner Familie.
Unsere Geschichtsblätter, die in ihrer letzten Nummer — just in den Tagen, da unsere Nachbarstadt Hünfeld im Zeichen der Lokalgeschichtsforschung stand — mehrere aktuelle Mitteilungen ans deren Vergangenheit brachten, verzeichnen darunter „eine Stiftung des Hersfelder Abtes Ludwig Landau für die Ortsarmen von Hünfeld von 1576."
Der Verfasser des Artikels Herr A. Pabst gibt auch einige Daten über den genannten Hersfelder Abt, der zu Hünfeld geboren und auf unserem Petersberg als Benediktiner lebte, bevor er nach Hersseld berufe»- wurde, wo er dann von 1571 bis 1588 die Abtswürde bekleidete.
Diese Angaben können wir noch dahin ergänzen, daß Abt Werner Ludwig Landau ein Sohn des Hünfelder Bürgers und Ratsgenossen Hans Landau und dessen Ehefrau Katharina geb. Lanin-von Schlitz genfefen ist.
Es sei aber hier noch eines anderen Wohl- lätigkeitsaktes gedacht, womit sich dieser heimat- ireue Sohn des Fuldaer Ländchens „aus schuldiger Dankbarkeit, womit wir unserem Vaterland dem Stifte Fulda für die hier bevor empfangene Guttaten hinwiederum verpflichtet," wie es im Stiftungsbriefe heißt, ein dauerndes Gedächtnis und zwar vorab in seiner Familie gestiftet hat, nämlich „zweier Stipendien für studierende Freund (Verwandte) zu Fuld?'
Da die vom 24. Oktober 1585 darüber ausgestellte Urkunde nicht ohne geschichtliches Interesse ist, so mag der Anfang derselben nach einer uns gütigst milgeteilten Abschrift hier
"Am A?.u,en der heiligsten und unzerteilten Drei- MNgkeit. Wir Ludewig von Gottes Gnaden, Abt des Slistes Herschfeld von Geschlecht und Zuname ein Landau lhun kund und bekennen öffentlich mit diesem Briefe: Nachdem der ehrwürdige in Gott Vater Herr Balthasar, Abt des Stiftes Fulda, der Römischen Kaiserin Erzkanzler, durch Germanien und Gallien Primas, unser besonders lieber Herr und Freund auch Nachbar ihrem lieben Stift und Vaterland zu Nutz und Guten durch die würdige und hochgelehrte Patres Societatis ein Kollegium und Seminarium, zu Sankt
Peter genannt») in ihrer lieben Stadt Fuld mit nicht geringen Kosten vor Jahren angerichtet, dodiret und angeordnet, darinnen die einfältige Jugend bisher in vera pietate bonis moribus et ingenuis litteris mit allem Fleiße und Treue dermaßen instruirt und exercirt worden, daß solch Collegium oder Schul bei Jn< und Ausländer in großen Rufe gekommen: Dahero allenthalben viele ansehnliche Leute hin und wieder bewegt roorben sind, ihre Kinder und Söhne dahin abzu- fertigen und gedachten Patribus oder Praeceptoribus Soeietatis Jesu ad instruendum untergeben.
So haben auch etliche unsere angewandten Freunde zu mehrmalen uns angelangt und gebeten, sintemalen unsere arme Bluts-Freunde mehrenteils mit vielen Kindern von Gott gesegnet, dieselbe aber zur Schul wie gern sie auch wollten, Armuth halber zu unterhalten nicht vermochten, wie bei dieser gewünschten Gelegenheit des fürstlichen fuldischen Kollegiums nicht allein itzo, wie allbereit geschehen, mit gnädigen (?) versöhnt, die Hand bieten und zum Studiren forthelfen, sondern auch bei demselbigen eine ewige milde Stiftung thun wollen, deren sich unsere Freunde inskünftig zü ihrer Selbstwohlfahrt zu erfreuen, unser dabei dankbarlich eingedenk zu sein und also durch solche verordnete Unterhaltung ihre Kinder zur Schule halten und zur Gottesfurcht, guten Künsten, Sitten und Tugenden aufzuerziehen, desto mehrerer Ursach und Anreizung hätten."
Das Stiftungskapital betrug „Tausend Goldgulden, gut von Gold und schwer genug von Gewicht ein jeder, nach jetzig üblicher Landswährung 1333 Floren und 40 Böhmisch gerechnet, welche Summe der ehrwürdige Fürst undHerrHerr Heinrich Administrator des Hoch- meisterthums in Preußen, Meister Rutschen Ordens in Teutsch- und Welschland als Verordneter kaiserlicher Kommissarius des Stifts Fuldas) unser besonders lieber Herr
*) Den Jesuiten war vom Fürstabt Balthasar von Dermbach 1570 daS verlassene Franziskanerkloster mit der dem hl. Apostelfürsten Petrus geweihten Kirche inmitten der Stadt überwiesen worden; das von Papst Gregor XIII. vierzehn Jahre später errichtete päpstlicheSeminar, welches gleichfalls von den Jesuiten geleitet wurde, ist dagegen zum hl. Franz Xaver genannt worden.
’) „Ueberhaupt ließ sich der deutsche Orden, durch eine Oberen nachdrücklich dazu aufgefordert, die Sache des Seminars sehr angelegen sein und leistete allen möglichen Vorschub. Als einen Beweis dieses Wohlwollens des Deutsch-Ordens-MeisterS för das Seminar und die Schule müssen wir auch die Erweiterung des Schulgebäudes, die „scholarum perfectio“, wie sie die Marginalglofle zum Jahresbericht 1585 nennt, ansehen." Komp, Die zweite Schule Fuldas. S. 27.
und Freund zur Beförderung dieser milden Stiftung durch deren fürstlichen Küchenmeister von aus an und aufnehmen und zu des Stifts Fuld und obgedachtes Seminariums Nothdurft und kundlichen Nutzen anwenden und ausleihen lasten" soll.
Von den Stipendiaten wird verlangt, daß sie „in katholischer Religion unterwiesen und derselben anhängig sein, und da sie es annoch nicht wären, sich innerhalb einem Jahr in dein Katholischen Katechismus willig unterweisen und ihnen alle alten Gebräuche der Kirchen, wie die bei St. Peter zu Fuld und Collegia 8. J. üblich gefallen lasten", auch sollen sie sich „ehrbarlich verhalten, den Patri Rectori oder Praefecto Studiorum und anderen Praeceptoribus gehorsamen", „nicht dem Freffen und Saufen obliegen, sich zu böser Gesellschaft schlagen oder unehz- baren Händeln nachgehen" usw.
Die beiden ersten Stipendiaten, die der Stifter aus „seiner Freundschaft" erwählte und prüfen- Oerie, waren seines „besonders lieben Vetters D. Friedericus Landau beider Rechten Doctoris sürstl. fuldischen Raths ältester Sohn Andreas Friederich Landau und seiner Schwester Agnes Sohn Joannes Vogelius".
Der hier genannte Dr. Friedrich Landau, ein Sohn des Petrus Landau und Neffe des Abtes Ludwig ist offenbar identisch mit jenem Dr. Friedrich Landau, der an der Errichtung eines Kollegs der Gesellschaft Jesu zu Fulda stark beteiligt war. Denn wie die Jesuiten- Annalen erzählen, hatte Abt Balthasar von Dermbach „die Gesellschaft roeber getonnt, noch jemals ein Mitglied derselben gesehen. Aber er war von zweien seiner Hofleute, dem Rate und Doktor beider Rechte. Friedrich Landau und dem Hofkaplan M. A. Mangold, die früher auf der Akademie zu Trier unsere Schüler gewesen waren, über die Einrichtung der Gesellschaft gehörig .belehrt worden und hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als ernstlich an die Berufung unserer Gesellschaft in diese Stadt und die Errich- tung eines Kollegs zu denken/") Zu diesem
') Komp a. a. O., S. 7 und &
Zwecke wurde dann Dr. Friedrich Landau nach Würzburg gesandt, „um mit dem P. Rektor des dortigen Kollegs, Georg Bader, in Verbind düng zu treten und zu hören, wie man bei der Errichtung des Kollegs vorzugehen habe".
In unserer St. Michaelskirche befindet sich eine marmorne Tafel, welche dem Gedächtnisse des Georgius Friedrich Landau gewidmet ist.
Die von Dr. Kartels herauSgegebenen Ratsund Bürgerlisten der Stadt Fulda verzeichnen zum Jahre 1576 einen Ratsherrn Johannes Landau aus der Gemeinde, desgleichen zum Jahre 1591 einen Hans Landau aus der Gemeinde, der 2 Jahre später Bürgermeister wurde. Im Jahre 1610 ist unter die Bürger neu ausgenommen worden: Georg Landau, fuldischer Zentgraf, 1722 ein Joh. David Landau von Erfurt, der aber wohl der bett. Familie nicht entstammte.
Auch P. Michael Bihl erwähnt in seiner „Geschichte des Franziskanerklosters Frauenberg" l) rühmend zweier Träger dieses Namens. Seite 167 lesen wir, daß Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg sich unter den allerersten Mitgliedern der „Seraphischen Bruderschaft" habe aufnehmen lasten, zur Zeit, da er noch Dekan des Kapitels und Propst von Neuenberg und Blankenau war.. Seinem Namen zunächst steht „Johannes Landau clarissimus et exper- tissimus medicinae doctor,“
Seite 135 wird folgender schöne Zug von einem, der auch Landauischen Geschlechts und Geblütes war, erzählt:
„Mehrere Wohltäter des Klosters bedachten auf besondere Weise die Bibliothek, die geistige Rüstkammer eines jeden Konvents. Der Doktor der Medizin, Werner Landau, der zeitlebens die kranken Brüder um Gotteslohn behandelt hatte, schenkte noch letztwillig 1647 dem Frauenberg« seine eigene Bibliothek und ein Bett mit Zubehör für die krank darniederliegenden Brüder."
Auf weitere Landauische Anverwandte, welch« einflußreiche Personen in Fulda waren, gedenken wir gelegentlich zurück zu kommen.
*) Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der ■ Abtei und der Diözese Fulda. M. Fulda 1907,