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Erscheint »glich vH Anrnahmr der S»M- AndZeiertage°viertel- jShrlicheeverugrpreir ohne Sringerlohn und vestellgeld in Zulda so­wie aurwSttrs.5« M.

vrrantw. Redakteur:

Carl Schütter fürdieAnretge«:

Z.parzeller in Fulda.

Maer

Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

moitobkUagt: „Fuldaer GeschichKblAtett

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Rotation,druannd Verlag der Fulda« Ai tirnöruckrrei in Fuldh Fernsprech« vr. %

M 198»

Fulda, Samsta« den 29. «uaust 1908.

35. Jahrgang.

△ Die Mädchenschitlreform.

Die Bestimmungen über die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens haben bekanntlich vor kurzem die landesherrliche Genehmigung er­halten und sind soeben der Oeffentlichkeit unter­breitet worden.

Die Grundlage des höheren Mädchenunter­richts wird auch in Zukunft die höhere Mäd­chenschule bilden, die aber als höhere Lehr­anstalt anerkannt und in den Aufsichtskreis der Provinzialschulkollegien cingereiht werden soll. Die Klassenzahl der höheren Mädchenschule wird von neun auf zehn erhöht werden. Die drei unte­ren Klassen 10 bis 8 (Vorschulklassen) bilden die Unterstufe, die Klassen 7 bis 5 die Mittel-, die Klassen 4 bis' 1 die Oberstufe. Das Mindestalter beim Eintritt in die Klasse 10 beträgt in der Regel 6, beim Eintritt in die Klasse 6 in der Re­gel 9 Jahre. Uebrr den vorgesehenen verbesserten Lehrplan der höheren Mädchenschule wird in den Bestimmungen gesagt:

„Es ist zu verhüten, daß die ästhetische und dir Gesühlsbildung zu sehr überwiegen, daß hauptsächlich die Phantasie angeregt und das Gedächtnis in An­spruch genommen wird, während die Verstau dS- bildung, sowie die Erziehung zu selbsttätiger und selb­ständiger Beurteilung der Wirklichkeit zurucktreten. ES wird daher notwendig sein, diese im deutschen und im fremdsprachlichen Unterricht stärker zu betonen, ohne jedoch die bisherigen Ziele für die Literaturkennt­nis und für den mündlichen Gebrauch der fremden Sprachen herabzusetzen. Ebenso weroen dem Rechen­unterricht durch Einführung von Mathemattk in den Lehrplan erweiterte Aufgaben zuzuweisen sein. Zugleich ist eine Umgestaltung und Verstärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in Aussicht zu nehmen. Doch soll durch diese Aenderung die weibliche Eigenart in keiner Weise benachteiligt werden. Vielmehr werden Religion und Deutsch nach wie vor im Mittelpunkt der Mädchen- und Frauen- brldung stehen."

Dem können wir nur zustimmen und mit be­sonderer Freude begrüßen wir es, daß besonders dem Religionsunterricht eine Haupt­rolle zugewiesen ist.

An die höheren Mädchenschule wird sich künf­tig das L y z e u m anschließen, eine ein- bis zwei- klassige Frauenschule, die eine Ergänzung der Bildung des Mädchens „in der Richtung der künf­tigen Lebensaufgaben einer deutschen Frau" ver­mitteln soll.

Die Schülerinnen sollen hier „in den Pflichtkreis des häuslichen wie des weiteren Gemein­schaftslebens, in die Elemente der Kindererziehung unw Kinderpflege, in Hauswirtschaft, Gesundheitslehre, Wohlfahrtskunde, sowie in die Gebiete der Barmherzig­keit »nd Nächstenliebe eingeführt" werden. Verbindlich soll die Teilnahme an der Pädagogik und an der Beschäftigung in dem jedem Lyzeum anzusügenden Kindergarten sein. Dringend erwünscht scheint es, daß sich die Lyzeen darauf einrichten, den jungen Mädchen die Möglichkeit der Ausbildung als Sprach­lehrerin, Hauswirlschafts-, Handarbeits-, Turn­lehrerin und dergleichen zu bieten, um auf diese Weise auch denjenigen jungen Mädchen, welche nicht die Be­rechtigung als wissenschaftliche Lehrerin erwerben wollen, Ziele zu stecken.

Mit den Lyzeen können ferner die bereits be­stehenden höheren Lehrerinnenseminare verbunden werden, deren Lehrgang von drei auf vier Jahre ausgedehnt werden soll.

Die wichtigste Reform ist die Einführung fog. Studienan st alten. Es sind das die An­stalten, die die Vorbereitung der jungen Mädchen der höheren Stände auch für akademische Berufe, soweit solche für Frauen in Betracht kommen, zweckmäßig zu ordnen. Sie sollen tun­lichst all höhere Mädchenschulen angegliedert wer-

den. Die in ihnen vermittelte Bildung soll der­jenigen in den höheren Lehranstalten für die männliche Jugend gleichwertig fein, mechanische Uebereinstimmung aber vermeiden. Welcher der drei dort vorhandenen Bildungswege einzurichten ist, bleibt nach Maßgabe der örtlichen Bedürfniste der Wahl der Beteiligten unter Genehmigung der Aufsichtsbehörde überlassen. Die späteren Gym­nasiastinnen sollen nicht die ganze höhere Mäd­chenschule besuchen, sondern ihr Bildungsgang zweigt sich schon vorher ab, und zwar für die Obcrrealschulkurse nach dem achten., Schuljahr (Vollendung des 14. Lebensjahres), für die An­stalten mit Latein oder Latein und Griechisch nach dem siebenten Schuljahr, 13. Lebensjahr, bezeich­net, damit in fünf bezw. sechs weiteren Jahren der anders geartete Bikdungsabschluß ohne Ueber- eilung erreicht werden kann.

Bezüglich der Zulassung der Frauen zum Universrtätsstudium ist insofern eine Einschränkung vorgesehen, als weibliche Studen­ten von gewissen Vorlesungen ausgeschlossen wer­den können.

Deutsches Reich.

(*) Eine neue Militärvorlage?

Aus bestunterrichteter Quelle läßt sich das „Leipziger Tageblatt" mitteilen, daß die Regie­rung dem Reichstage im Herbste eine sehr u m- fangreiche Militärvorlage in Form eines Ouinquennats (auf fünf Jahre sich er­streckend) zugehen lassen werde. Die „Deutsche Tageszeitung" behauptet dagegen, daß der Reichs­tag in seiner nächsten Tagung sich mit einer neuen großen Milibärvorlage nicht befassen werde.

Richtig mag fein, so schreibt das Blatt, daß im RriegSmtntfterium bereits an der Vorbereitung der neuen Militärgesetzes gearbeitet wird, das aber erst bann in Kraft treten wird, wenn daS jetzt geltende abläuft. Daß man für diese neue Vor­lage auch die „Form des Quinquenats" wählen wird, ist sehr wahrscheinlich. Wir wissen nicht, ob das Kriegs« Ministerium sich veranlaßt sehen wird, ein formelles Dementi zu veröffentlichen: für kundige und unter­richtete Kreise ist das kaum notig"

Besser wäre es aber schon, die Regierung de­mentierte — wenn sie kau n. Die Aufbringung der 500 Millionen neuer Steuern ist dem Volke ohnehin schon sauer genug. Was wird es aber erst, wenn ein großer Teil dieser Millionen wie­der in dem Faß ohne Boden verschwinden wird? Der Kriegsminister sollte zunächst einmal sein Nachdenken darauf richten, wie er die Militär­lasten, an denen das Volk schwer genug trägt, vermindern kann, ohne die Schlagfertigkeit der Armee zu beeinträchtigen.

* Biel Geld — aber keine Diskontermäßi­gung ! In der gestrigen Sitzung des Zentral- ausfchusse- der Reichsbank wurde seitens des ReichtagSprästdenten ausgesührt, daß der Status der Bank seit dem letzten Wochenausweis eine weitere erhebliche Besserung erfahren habe. Die steuerfreie Notenreserve betrug etwa 343 Millionen. Das sind 170 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Gold­bestände seien erheblich höher, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Etwa 200 Millionen seien auS dem Auslande ein geführt. Der Geld­markt fei leicht, dagegen zeigt der Kapitalmarkt immer noch eine gewisie Spannung. Trotz des günstigen Status der Ban! sei eine weitere Diskontermäßigung wegen der bevorstehen­den Inanspruchnahme der Bank zum Ouartals- schluß nicht angebracht.

aKolonialsiaatssekretür Deruburg hat be- ch vor einigen Tagen von Deutfch-Süd- westaftika au» die Reis» nach Deutschland angetreten. Er wird am 12. oder 18. September in Antwerpen eintreffen, und gleich daraus in Berlin seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen.

(*) Die deutsche ReichSpost ist Vorbild für den Ausbau der französischen Post. Die französische Postverwaltung läßt augenblicklich Studien über die Postpaketversendung in Deutschland und über den Dienst auf den deutschen Postdampfem an- stellen.

* Die Landtagswahlen in den Fürstentümern Waldeck und Pyrmont finden am 7. September statt. Es sind 16 Volksvertreter zu wählen auf Grund des DreiklaffensystemS und der indirekten, öffentlichen Stimmabgabe. Während in Waldeck Dienstboten und Unverheiratete ohne eigenen Hausstand nicht wählen dürfen, besitzen Frauen bas Wahlrecht, wenn sie an direkten Staats« und Gemeindeabgaben so viel entrichten, als einer der drei hvchstbesteuerten Gemeindewähler.

* Der Abgeordnete Bebel hat in einem Schreiben an den Arbeiterführer der englischen Sozialisten dringend von dem Besuche englischer Arbeiter und der damit beabsichtigten Frie« denSkuNdgebung in Berlin abgeraten. Er meint, derartige Besuche feien ebenso überflüssig wie bedenklich; überflüssig, da man in Deutsch­land immer nur wiederholen könne, daß kein Mensch an einen Krieg denke, bedenklich, weil sie alS Zeichen der Furcht der englischen Sozial­demokratie vor einem Kriege aufgefaßt werden könnten. Man ist von BebelS Protest in Bon­bon sehr verschnupft.

* Karlsruhe, 27. Aug. 1908. Eine merk« würdige Dankesrede auf den Präsidenten der Ersten Kammer Prinzen Max von Baden, hielt in der Schlußsitzung der Ersten Kammer der Vorsitzende der Budgetkommiffion, Freiherr v. Göler. Laut amtlichem Stenogramm sagte er:

Tief gerührt hat eS unS alle, mit welcher Liebenswürdigkeit, mit welch gnädigem Wohl­wollen jeder einzelne von unS ohne Unterschied deS Standes ober Parteirichtung — wenn man von einer Elchen überhaupt in der Ersten Kammer sprechen kann — begrüßt und behandell worden ist. DaS er­füllt uns alle mit herzinniger Dankbarkeit! Nun werden Eure Großherzogliche Hoheit den hohen Präst- dentenstuhl mit dem Sattel vertauschen. Wir bedauern ordentlich, d aß wir nicht so lgen dürfen, wenn Großherzogliche Hoheit über die Manöverfelder galoppieren wird, denn eS zieht unS immer hin, i$ur er Großh erzo glich en Hoheit Gefolg­schaft zu leisten. Aber unsere Gedanken und unser Dank werden Großherzogliche Hoheit Überall begleiten, wohin das Leben Sie führen sollte.

Badische Blätter meinen: „Daß die hohen Herren nicht mit Prinz Max Über die Manöver­felder galoppieren, wird man allgemein und nicht zuletzt bei den Witzblättern bedauern. Denn „die berittene Erste Kammer" müßte doch eine unerschöpfliche Fundgrube für köstliche — Karrikaturen geben."

♦ Metz, 28. Aug. Der Kaiser unternahm heute vormittag eine Ausfahrt im Automobil in Begleitung deS kommandierenden General- und mehrerer Offiziere. Die Kaiserin besichtigte mit den Prinzessinnen verschiedeneWohlfahrtSanstalten, u. a. auch das evangelische Vereinshaus. Nach­mittag- reisten der Kaiser und die Kaiserin mit den Prinzen August Wilhelm und Oskar mittelst Sonderzuges nach Straßburg ab. Der Kronprinz und die Kronprinzessin, sowie Prinz und Prin-

eß dieser den Wage«

Schaffner kein Recht habe, l

herrschen.

halten und setzte den polnisch redenden Herrn auf die Straße. ES ist also schon soweit ge­kommen, daß ein Schaffner auf der Straßenbahn «zu sprechen verbietet! Man zeige uni nd aus der Welt, wo ähnliche Zuständs

zesstu Titel Friedrich hatte» sich schon vorher nach Straßburg begeben.

* Straßburg, 28. Aug. Nachdem um 6 Uhtz die kaiserlichen Prinzen sowie der König vo» Sachsen und der Großherzoa von Baden ring» troffen waren, lief gegen 8 Uhr der Sonderzim mit dem Kaiserpaar ein. Auf dem Bahnhofe fand großer militärischer Empfang statt. Darauf begann der feierliche Einzug in die Stadt. An der Festtribüne begrüßte Bürgermeister Dr. Schmauder den Kaiser im Namen der Stadt. Der Kaiser dankte mit herzlichen Worten. Darauf setzte sich der Zug nach dem Katserpalast in Be« wegmig, wo da- Kaiserpaar um 7 Uhr eintraf.

* KönigShütte, 28. Aug. 1908. Die,Gazet« Äatolita' berichtet: „In diesen Tagen passiert» hier auf der Straßenbahn folgender eigen­tümlicher Vorfall: In einem Abteil 3. Klaff» fuhr ein Herr auS BiSmarckhütte und unterhielt sich mit einem anderen Herrn polnisch. Plötzlich trat an ihn der Schaffner heran und verbot ihm. polnisch zu sprechen. AlS der Herr darauf erwiderte, daß zu einem solchen Verbot der

•* Die,Neue Kasseler Zeitung' versteht eS auch, „dm Geist der Zeit an der Stirnlocke zu fassen" — nur nicht ganz so fix» wie andere Leute.

Da ist vor langen Wochen die ganze anti­katholische Presse pflichtgemäß „erschaudert beim Blick in die Abgründe", die ein Artikel der ist Rom erscheinenden „jesuitischen" ,Vera Roma^ geoffenbart hatte. Und sie, sie schaudert mit ihr, die ,Neue Kass. Ztg.' nämlich, aber im Tempo des Krähwinkler Landsturms: nur immer lang­sam! Bei den anderen Blättern haben in­zwischen wieder verschiedene neue Greueltatefi deS „UltramontaniSmuS " und „JesuitismuS" daS schlotternde Gebein zum Klappern gebracht, in dm Redaktionsräumen der »Neuen Caff. Ztg.' fängt erst jetzt das Jammern und Zähneknirschen über die Schandtat der ,Vera Roma' an.

Bekanntlich hatte die Korrespondenz del Evangelischen Bundes seinerzeit auS diesem „Jesuitenorgan" einen Artikel ausgegraben, worin Kaiser Wilhelm II. in geschmackloser Weise an­gehimmelt wird als einziger Monarch, der sich nicht scheue, öffentlich den Namen GotteS anzu« rufen, und worin der Wunsch ausgesprochen wird, Gott möge ein Wunder tun, die Trennung dieses edlen Reise- vom Stamme der katholischen Mutterkirche rückgängig zu machen. Der Ar­tikel zeugt von einer auch für südländische Ver­hältnisse ausreichenden Albernhettund Ueberfpannt» beit, und die ,Vera Roma' hat dafür in der deutschen katholffchen Presse sich verschiedenes sagen lassen, daS sie nicht an den Spiegel gesteckt hat. Es wurde ober gleich festgestellt, daß der Artikel, so wie ihn die Korrespondenz deS Ev an­gel. Bundes auftischte, nickt gelautet hat. Was diese Korrespondenz verbreitete, gab sie al- wortgetreue Uebersetzung; da- war eS abetz gar nicht. ES waren vielmehr in gekünstelter Weise auS dem mehrspaltigen Artikel einzeln» , Stellen zusammengestoppelt worden, wichtige S<e

Der falsche (Erbe.

Juni.., von Ed. Wagner.

91j (Nachdruck verboten).

„Es bedarf keines Dankes für das, was ich ge­tan, Guido," flüsterte Nelly mit bebender Stim­me. „Ich bin hinreichend belohnt dadurch, daß ich Sie sehe, tote Sie sind."

„Ich bin Ihnen Dank schuldig, Nelly," er- widete Guido Harrington lebhaft. „Eine lebens­längliche Ergebenheit gegen Sie kann nicht halb meine Dankbarkeit ausdrücken. Aber es ist nicht allein Dankbarkeit, die ich für Sie empfinde. Ihre selbstlose Aufopferung, Ihre freundliche, zärtliche Sorge für mich, Ihre Anhänglichkeit, welche selbst in Ihrer schlimmsten Lage nicht zuließ, mich auf- zugeben, Ihr erhabener, großer Geist. Ihre edle Seele — dies alles hat in mir ein Gefühl wach gerufen, tiefer und heiliger als Dankbarkeit. Nelly, ich liebe Sie, liebe Sie von ganzem Her­zen und aus voller Seele! Können Sie denjentgen lieben, den Sie vom lebendigen Tode erretteten? Wollen Sie ein Leben glücklich machen, welches Sic selbst erhalten haben?"

Er wartete auf eine Antwort in Zweifel und Angst. Auf seinem Gesicht war deutlich die Furcht pusgeprägt, daß ihm die, die er so innig liebte, stur freundliches Wohlwollen und Mitleid ent- tzegenbringen könne.

„Sprechen Sie, Nelly," sprach er ungeduldig, tzls diese im Schweigen verharrte. „Ich bin hier 'geblieben in der Hoffnung, Ihr Herz zu gewinnen und Sie mit mir zu nehmen nach Harrington Hall als meine Verlobte. Wollen Ste mit mir gehen. Nelly?"

„Sie haben mir aber gesagt, es sei Ihres Va­ters Wunsch, daß Sie seine Mündel heiraten, Mlido," weitdete Nelly ein.

Das war allerdings sein Wunsch, jedoch nur hinter der Voraussetzung, daß Ella und ich einan­

der lieben würben; er beabsichtigte aber nicht, uns zu einer Heirat zu zwingen. Ich kann Ella nicht heiraten, weil mein Herz nicht mehr für sie frei ist; und werde es auch nicht tun, wenn Sie mich zurückweisen. Wenn Sie mein Weib werden wollen, Nelly, gebe ich Ihnen die Ver­sicherung, daß sowohl mein Vater wie Ella Sie empfangen werden, wie Sie es verdient haben. Sie werden mich hoffentlich nicht allein ziehen lassen?"

Seine Stimme zitterte vor ungebulbtger Be­gierde; seine Augen glühten so vor Liebe, daß das junge Mädchen seinem Blick nicht begegnen konnte. Ihre Augen verbargen sich unter ihren Lidern, und die Röte ihrer Wangen wurde dunkler.

„Sprechen Sie!" drängte Guido, der in Furcht und Hoffnung fchwebte. „DaS Leben, welches Sie retteten, tst wertlos ohne Sie. Sagen Sie, daß Sie mein fein wollen!"

Nelly flüsterte die Worte, die er zu hören wünschte, so leise, so schüchtern, daß sie nur für das Ohr des Geliebten vernehmbar waren. Har­rington zog sie an seine Brust und küßte sie.

Schweigend,. aber überglücklich, saßen sie ne­beneinander; die Stille wurde nur unterbrochen durch die Atemzüge der inzwischen eingeschlafenen Mrs. Jebb im Nebenzimmer.

Plötzlich wurden rasche Tritte in der Vor­halle hörbar und gleich darauf folgte ein leises Klopfen an die Tür.

Nelly erhob sich von der Sette ihres Ver­lobten und auf ihr „Herein" erschien Geffrey.

„Was flibt'8, Geffrey?" fragte sie. „Bist Du in Gloamvale gewesen?"

„Ja, Miß Nelly," antwortete Geffrey. „Ich habe Ihren Auftrag besorgt. Mrs. Kipp hat da- Paket in Ihr Zimmer gebracht. Ich habe schlim- me Nachrichten für Sie, Miß Nelly?

„Schlimme Nachrichten?"

«Ja, Miß Nelly. Als ich auf dem Rückwege war. sah ich einen Postwagen vor dem Wirtshause

halten, und daneben, im vollen Schein der La­terne. stand Mr. Gildon —"

Nelly schlug die Hände zusammen.

Der Strahl ihres Glückes schwand plötzlich von ihrem Gesicht und machte dem Ausdruck des Ent­setzens Platz.

Die Mitteilung Geffreys war wohl geeignet, Nelly Milkins aufs Höchste zu erregen. Ihr Feind, ihr größter Feind, den Nelly mit Recht fürchtete, war ihr auf der Spur. Und sie wußte, sie kannte genügend Mr. Gildon, daß dieser Elende nicht ablassen würde von seinem gefaßten Entschlüsse, Nelly, die er hülflos und feinem Wil­len preisgegeben wähnte, zur Heirat zu zwingen.

„Er kommt, um mich zu verderben!" hauchte daS junge Mädchen.

Gefffey blickte bewegt auf feine junge Her- rin, die nach so langen Kämpfen und Sorgen sich endlich hier auf dem einsamen Jagdschlösse ge­sichert geglaubt vor der Hand ihres unerbittlichen Feindes und entsetzlichen Verfolgers.

Nach einer kurzen Pause fuhr der Bringer der Schreckensbotschaft fort:

„Mr. Gildons Pferde waren totmüde und er deshalb nicht imstande, weiter zu fahren;, ich denke, er wird diese Nacht in Gloamvale bleiben und morgen srüh nach Bleak Top kommen. Es ist ein schreckliches Wetter draußen."

„Es ist gut, daß wir zur rechten Zeit gewarnt sind," bemerkte Nelly gefaßter. „Sieh zu, Geffrey. daß jedes Fenster und jede Tür wohl verschlossen ist, und laß diese Nacht niemanden ein. Wir müssen auf unserer Hut fein."

Geffrev verbeugte sich und verließ das Zim­mer, um den Befchl feiner Herrin auszuführen. Nelly kehtte zu ihrem Geliebten zurück, noch mit gefalteten Händen und einem Gesicht, dessen ängst­licher Ausdruck und tödliche Blässe Guido sagte, wie groß der Schlag war, den die Nachricht von Gildon- Nähe der Geliebten versetzt hatte.

„O, Guido," sagte sie, „ich habe mich hier so sicher üeftihlt daß ick raunt noch an eine Verfol­

gung dachte. Was soll ich tun? Mr. Gildon ist mein Vormund und er kann mich zwingen, ihm zu folgen. Oder vielleicht zieht er es vor, mich hier emzusperren — o, er ist so schrecklich, fd grausam, so gänzlich gewissenlos! Ich bin ihm zweimal entwischt und möchte lieber einem Tiger als ihm entgegenheten. Mein Mut scheint mich endlich zu verlassen. Um an Sir Winnham zu telegraphieren, ist keine Zeit mehr vorhanden,' denn ehe er kommt ,hat mein Vormund mich viel­leicht schon längst wieder an einen anderen Ort gebrad)t."

„Nelly, Du hast mir das Recht gegeben, Dick zu beschützen, erklärte Guido, seinen Arm leicht um sie schlingend, „und ich denke, daß ich Kraft und Mut genug besitze, um Dich gegen Deines Feind zu verteidigen." ,

„Du kennst Mr. Roderich Grldon Nicht, Guido, sagte Nelly mutlos. „Er wird mich nicht mit Dir gehen lassen nach Harrington Hall; vielmehr wird er Dich aus dem Hause weisen und ehe Du mit Hülse zurückkehrst, wird er mich an einen Ort ge­bracht haben, wo Du mich nicht finden wirst. Er wird nie aufhören, mich zu verfolgen, bis ich für immer außer seinem Bereich bin, denn er hat ge­schworen, daß ich sein Weib werden soll!"

„Dann mußt Du sofort aus seinem Bereich gebracht werden," entgegnete Guido lächelnd. „Ich kenne das Dormundschaftsgericht nicht, aber jedenfalls muß Dir das Gesetz Schutz gewähren. Doch die schleppende Behandlung von Rechtsstrei» tigleiten vor den Gerichten ist sprichwörtlich, und wahrend die Rechtsgelehrten sich streiten, wird Gildon seine Verfolgungen fortsetzen, bis ®tr ba| Leben eine Fast geworden ist. Ich sehe nur einen Ausweg aus diesen Wirren. Nelly, Du hast mir versprochen, mit mir nach HarringtonHall zu gehen als meine Verlobte; willst Du mir folgen alS meine Gattin?"

„Als Deine Gattin?"

„Ja, mein Liebling. Schaue nicht so ängstlich drein. Beweise Deine Liebe und Dein Vertrauen zu mir dadurch daß Du mir das Reckt gibst. Dick