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Fulda, Mittwoch den 26. Auaust 1908.
35. Jahrgang.
zölle eingeführt werden", sagte Ledebour, „so wird niemand mehr das teure Brot bezahlen können" — da wurden die Zölle eingesührt und das Bwt blieb so billig wie es gewesen war. „Wählt keinen von den Ordnungsparteien", sagten die Sozialdemokraten 1907, „sonst kommt das Pfund Fleisch bald auf 3 Mk. zu stehen", — Aber das Volk wählte doch Bürgerliche: da sanken die Schweinepreise von 75 Mk. auf 45 Mk. „Das deutsche Volk verkümmert an Unterernährung", sagten diese Volksbeglücker — da stieg der Fleischverbrauch in Deutschland von 25 auf 52 Kilogramm auf Kopf und Jahr und war fast doppelt so hoch wie in Schweden, Belgien und Dänemark.
vermischter.
* Wasfeudiebstähle im Großen. Umfangreiche Diebstähle wurden in der Deutschen M u n i t i- ons- und Waffenfabrik vormals Ludwig Loewe u. Co. in Charlotlenburg entdeckt. Es sind bis jetzt zwanzig Personen verhaftet und ganze Wagenladungen von fertigen Waffen, Gewehrteilen,. Pistolen, Werkzeugen und Munition gefunden. Der Wert der gestohlenen Sachen beläuft sich auf viele Tausende.
* Wegen falscher Alarmierung der Fenerwchr ist in Görlitz ein Schuhmachermeister zu sechs Wochen Geftängnis verurteilt worden. So gehört es sich!
Zweites Wt'crtt.
X Die Schwierigkeiten der Reichsfinanzreform.
Neue Steuern schaffen, ist zu keiner Zeit eine angenehme Aufgabe gewesen, aber so sauer, "wie diesmal, war die Sache doch noch niemals. Was ist das für ein Geseufze und Gestöhne schon all die Monate hindurch, wo noch nicht mal eine einzige Steuervorlage bekannt ist.
Der Unterschied gegen früher erklärt sich einfach. Bei der vorigen Steuerreform herrschte noch das freie Spiel der Kräfte im gesetzgebenden Körper. Die Regierung konnte die Zustimmung zu ihren Vorlagen und überhaupt das Gute nehmen, wo es zu finden war. Jede Partei konnte nach bestem Wissen und Willen an der Lösung der Aufgabe mitarbeiten. Es war ein unbeschränkter Wettbewerb eröffnet. Die Regierung stand in voller Bewegungsfreiheit über den Parteien. Sie war nicht darauf angewiesen, die Gesetze schließlich von einer b e st i m m- ten Parteigenossenschaft in Empfang zu nehmen, sondern sie konnte jede Art von Mehrheitsbildung der Sache nutzbar machen. Somit hatte jede schaffenslustige Partei die Aussicht, durch positive Mitarbeit die Gestaltung des Werkes in ihrem Sinne entscheidend beeinflussen zu können. Das spornte den Fleiß und die Geschicklichkeit an.
Inzwischen ist nun die Blockpolitik begründet worden; der Gang der Dinge ist jetzt ganz anders. Die Bülowsche Regierung kann nunmehr nur solche Gesetze verabschieden, die von einer Mehrheit aus den Blockparteien angenommen worden sind. Wenn bei der entscheidenden Abstimmung das Zentrum mit den Konservativen den Ausschlag gäbe gegen den gesamten Liberalismus oder auch nur gegen den Blockfreisinn, so hätten wir nicht ein neues Gesetz, sondern eine innere Krisis.
Die Bülowsche Regierung darf nicht mehr das Gute nehmen, wo es zu finden ist, sondern sie muß sich mit dem begnügen, was der Block ihr bietet.
Fürst Bismarck war bekanntlich ein Feind des Zentrums, aber er war ein Staatsmann, der über den Zaun des Tages hinwegblickte, und darum hat er sich niemals mit einer zentrumsfeindlichen Parteigruppe solidarisch gemacht. Auch während der grimmigsten Jahre des ersten Kulturkampfs hatte er sich die Möglichkeit offen gehalten, Jne große Finanz- und Wirtschaftsreform von 1879 m i t dem Zentrum gegen die Liberalen zu machen. Und als er 1887 den Wunsch nach einer Kartellmehrheit durch die Angstwahlen be- friediat sah, da behielt er doch kühles Blut genug, um sich freie Hand zu wahren. Er hat von 1887 bis 1890 nirgends gesagt, daß er ausschließlich mit dieser Mehrheit alle Gesetze machen wolle und ,äie Ausschaltung des Zentrums als eine unbedingte Notwendigkeit betrachte.
Dank der „Staatsweisheit" des umgewandelten Bülow steht es, jetzt fest, daß die Finanz- und Stcuergesetze nur von einer Blockmehrheit beschlossen iverden können; das Zentrum .darf bei der Entscheidung „nix to segg-en" haben. Mit diesem Grundsatz der gegenwärtigen Politik sicht cs im Gegensatz, wenn die Konservativen (angeblich sogar nach einem Wunsche aus Regierungskreisen) das förmlich und feierlich ausgeschaltete Zentrum um Mitarbeit ersuchen. Sie brauchen diese Mitarbeit des Zentrums, um den freisinnigen Blockbruder in Schach zu halten, namentlich um dessen Forderung direkter Reichssteuern zu vereiteln. Sie haben sich aber selbst die durchgreifende Hilfe des Zentrums verscherzt, weil sie beim Eintritt
in die Blockgemeinschaft sich verpflichtet haben, dem Zentrum keinen entscheidenden Einfluß zu gestatten, sondern die Geschäfte nur mit dem Blockfreisinn zu erledigen. Daher die Zwangslage: entweder sich den Bedingungen des Blockfreisinns zu unterwerfen, oder eine innerpolitische Krisis zu riskieren.
Diese h ö ch st schwierige Lage ist die natürliche Folge des Blocksystems.
Deutsches Reich.
* „Die Arbeiterfürsorge des Ultramonta- nismus". Die sreikonservative ,Berliner Pofst veröffentlicht unter der Ueberschrift „Die Arbeiterfürsorge des Ultramontanismus" einen Artikel, der ausgehend von der Bemerkung, daß der „Düsseldorfer Katholikentag sein charakteristisches Gepräge zum großen Teil durch die Beteiligung enormer Arbeiterscharen an den einleitenden Veranstaltungen gehabt hat", recht anerkennende Worte für die sozialpolitische Tätigkeit der Katholiken und des Zentrums findet. Das Blatt schreibt:
„Der Zentrumspartei wird es verhältnismäßig leicht, hier mit den rechten Mitteln an der rechten Stelle zu operieren. Denn sie schöpft aus dem unerschöpflichen Borne der seit Jahrhunderten konsequent triebebenen groß ar tigensozial en Fürsorgeder katholischen Kirche und wird gestützt durch eine festgefügte Phalanx von Organen des gegenwärtigen katholischen Liebesdienstes für die Bedürftigen. Man kann ein prinzipieller Gegner der katholischen Weltanschauung sein; aber die ungeheueren Verdienste der katholischen Kirche auf dem Gebiete der christlichen Charitas muß jeder gerecht Erwägende auch in der evangelischen Gemeinschaft anerkennen. Wegen dieser Sorge um die Arbeiterschaft kann man die Zentrumspartei durchaus nicht tadeln. Denn der dem Vaterland daraus erwachsende Vorteil, daß die katholischen Arbeiter für die Schlingen der Sozialdemokratie unerreichbar bleiben, ist ein ungleich größerer, als der Nachteil, daß sie im Gefolge des Nllramontanismus bleiben. Man mag über die letzten Ziele desselben kurzerhand den Stab brechen, aber füglich wurzeln die breiten Massen in seiner Gefolgschaft doch ganz im christlichen Boden, und die Mitglieder der Zentrums- -partei haben trotz ihres streng jesuitischen Einschlags auf dir Dauer doch nicht der Macht des vaierländischen Gedankens trotzen können. Gewiß nicht uneigennützig, und immer bestrebt, der Regierung ihre Macht fühlbar zu machen, haben sie doch als einstige führende Reichstagspartei auch großen Anteil an dem organischen Ausbau der vaterländischen Gesetzgebung und an vielen Errungenschaften zugunsten der vaterländischen Kraft. Das soll nicht verkannt werden. Die Zentrumspartei dauernd als einen staatsfeindlichen, darum möglichst lange kalt zu stellenden Faktor in unserem Etaatsleben zu behandeln, w iderspricht der gereisten staatsmännischen Einsicht. Jedenfalls kann man neidlos ihren Eftolgen der katholischen Arbeiterschaft gegenüber zuschaüen, und auch im gegnerischen Lager nützliche Lehren daraus entnehmen."
Wir verzeichnen mit Genugtuung die Anerkennung des Katholizismus und der Zentrumspariei, die in den vorstehenden Ausführungen enthalten ist. Die Verkehrtheiten in der Auffassung und im Ausdruck, welche das sreikonservative Blatt sich zu schulden kommen läßt, lassen wir auf sich beruhen.
(') Eine hübsche Zusainmenstellung sozialdemokratischer Prophezeiungen bringt die Zeitschrift ,Ter Hammer'. „Spätestens in 10 Jahren kommt der große Kladderadatsch", sagte August Bebel 1875 — da stand die bürgerliche Welt noch 33 Jahre und wollte nicht untergehen. „Mit unfehlbarer Sicherheit eilen wir von Sieg zu Sieg", sagte Singer vor den letzten Wahlen — da verlor die Sozialdemokratie die Hälfte ihrer Sitze. „Wenn die neuen Wucher
Marktberichte.
* Frankfurt a. M.. 21. Aug. 1908. Amtliche Nv< tierung der Viehmarkt-Preise. Zum Verkauf standen 495 Ochsen, 113 Bullen, 1111 Kühe und 9! in der (Stiere und Färsen), 276 Kälber, 218 Schafe und Hammel und 1732 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollsieischige, ansgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren 80—82 M., b.. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 73—75 M., c. mäßig genästrte junge, gut genährte ältere 60 —64 M., <1. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a. vollsieischige höchsten Schlachtwertes 65- 67 Mark, h. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere f 0—62 M., c. ger ng genährte 00—00 M Kühe und Färsen (Stiere und Rinder): a. vollsieischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlacht- wertes 74—76 M., h. vollsieischige, ausgemnstete Kühe höchsten Schlnchlmertes bis zu 7 Jahren 65—67 M., c. ältere ansgeiiiästete Kühe und wenig gut entwickelte 'üngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 54 bis 56 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 M., e. gering gen ährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 M. Bezahlt wurde für Psd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast« (Bollmast) n. beste Saugkälber (Hannov.) 92—95 Pfg., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 84—92 Pfg., c. geringe Saugkälber 68-72 Pfg., d. ältere, gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pfg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 82—00 Pfg., b. ältere Masthämmel 74—76 Pfg., e. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschaje) 00—00 Pfg. Schweine: a. vollsieischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu l1/* Jahren 71—72 Pfg., b. fleischige 69—70 >p,g . c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 66—68 Psg„ ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) 00—W Pfg. Bezahlt wurde für 1 Psd. Lebendgewicht: Ochsen 00 —00 Pfg., Kälber: a. 55—56 P,g., b. 50 -54 Pfg. Schweine: a. 5602—00 Pfg., b. fleischige 56 Pfg. Geschäftsgang in Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand erheblich, in Kleinvieh gut, Ueberstand keiner. Aus Oesterreich-Ungarn standen 96 Ochsen, die über Notiz bezahlt wurden, zum Verkauf.
Kurier Getreide-wochenbi ri Ht der preirberichlrfteüe der deutschen roiidwirtschastrratr vom 18 —24. August 1908.
Während auf den Märkten des Auslandes seit der letzten Woche keine bemerkenswerte Aenderung
der bestehenden Wertverhältnisse eingetreten ist, hat sich der Preisdruck im Jnlande weiter verschärft. Die Nachgiebigkeit der Warenbesitzer veranlaßt die Käufer zu um so größerer Zurückhaltung und auch der Umstand, daß sich die Preise für inländisches Getreide immer mehr von der Jmportparität entfernen, während die Möglichkeit einer stärkeren Ausfuhr nunmehr auch für deutschen Weizen näher gerückt erscheint, der- mochste die Unternehmungslust kaum sonderlich anzuregen. Unter diesen Umständen zeigte sich das Angebot den Ansprüchen bei weitem überlegen und auch der für Roggen stets vorhandene Erportabzug war nicht imstande, den Markt genügend zu entlasten. Im Weizengeschäft machte sich der Verkaufsandrang umso empfindlicher bemerkbar, als sich die Ausfuhr in diesem Artikel bisher noch nicht in gleichem Maße tote bei Roggen entwickelt hat, trotzdem bereits mehrseitig Nachfrage vorlag' ohne daß die darüber geführten Unterhandlungen bisher zu Abschlüssen geführt hätten. ' Aber auch die ausländischen Abnehmer .für Roggen haben ihre Gebote zuletzt soweit herabgesetzt, daß neue Geschäfte in dieser Richtung während der letzten Tage nur schwer durchzuführen waren. Das Geschäft in neuem Hafer hat auch in der Berichtswoche noch keinen größeren Umfang angenommen, und beschränkte sich die Kauflust vorerst auf die weniger reichlich vorhandenen guten Qualitäten, während geringere Ware vernachlässigt blieb. Für guten alten Haier wurden immer noch wesentlich höhere Preise bewilligt. Braugerste beginnt sich bei hohen Forderungen nach und nach etwas mehr Lebhaftigkeit zu -entfalten, und zwar beteiligen sich bisher nur die Händler am Geschäft, während die Brauereien mit Käufen noch zurückhalten. Russische Futter- gerstc auf Abladung war zuletzt ettnas billiger erhältlich. Mais lag bei kleinem Geschäft untief ändert fest.
Es stellte.» sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro lOOO Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-H bczw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist ivie folgt:
Danzig Berlin Hamburg Düsseldorf Frankfurt München
Weizen Roggen Hafer
202 (— 1 ) 170 (- 3 ) 160 (— 4 -')
198 (— 6 ) 170 (— 4 ) 175 (— 3 )
203 (- 2 ) 172 168
208 (— 2 ) 180 (— 3 ) 166 (— 1 1
210 (- 1 ) 180 (- 5 ) 175
218 (— 5 ) 189 (— 2 ) 171
Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Sept. 195.0b* <— 6.50), Budapest Oktober 189.70 (— 2.45), Paris August 184.10 (— 1.20', Liverpool Sept. 16160, Chicago Sept. 143.25, Roggen: Berlin Sept. 172.50 (— 5.00), Hafer: Berlin Sept. 158 50 (— 4.» 0) Marl per 1000 Kilogramm.
Reklamen- unb Anzeigenteil.
Meines Feuilleton.
— Mlnschcufleisch. lieber die jüngste französische Kongo-Expedition, deren Ziel es war, das fra izi'sische Kongogebiet zu erforschen, veröffentlicht der Führer des Unternehmens Kommandant Lenfant in „Le Tour du Monde" einen Bericht Er gewinnt um so höheres Interesse, als es sich dabe: um die Gebiete handelt, die unmittelbar angrenzeu an das Hinterland von Teursch-Kame- ruu. Hier hat die Mission Lcufants interessante Ausschlüsse gesammelt über die Rolle, die die Menschern reßerei im Leben der Eingeborenen ein- nimmt. Wie fast alle Negerstämme im Hintern Kcngogebiet, sind auch die Eingeborenen am Sanga dem Kannibalismus ergeben, und der französische Erpeditionsleiter erzählt davon, wie er in einem Dorfe in einem dampfenden Fleischtöpfe im Wasser kochend die Arme und Brust- tetle einer Frau fand. Es gibt keine speise, die dtesen Negerstümmen köstlicher und schmackhafter dünkt, als Menschenfleisch, und sie untertcheiden dabet genau zwischen Negern und Weißen. Die Europäer dünken ihnen schmackhafter und mit großem Freimut äußern die Neger sich über diese Vorliebe. In der Regel sind es Kriegsgefangene, getötete Feinde oder auch Frauen des eigenen Stammes, die „geopfert" und dann verzehrt werden. Diese Schmause werden stets von langer Hand vorbereitet, und ein großes Fest gebt ihnen voraus Der ganze Stamm tritt dann zuiammen Lurch den Wald brausen dann die Tamtamschläge, weithin hallen die singenden Stimmen der be- pcrsterteit Fanatiker- große, hoch auflodernde Freudenfeuer leuchten auf und werfen ihren phantastischen Glanz auf die wilden, dunkelen Gestalten, die hier mit gellenden Freudenrufen tanzen .und springen. Dann, plötzlich, ertönt ein Signal Alle kennen es. Und einen Augenblick später sind die bereits schon vorher bestimmten Opfer erfaßt. Are werden erdrosselt, und ihr keucheirdes Stob-
neu erstickt in dem lauten Gesang ringsum. Dann schreitet man zur Verteilung des Fleisches, das Fest ist zu Ende, ein jeder eilt heim in die Hütte, um hier in Ruhe das Mahl zu bereiten und zu genießen. Lenfant ist der Ansicht, daß der Kanni- balismus der Sanga-Stämme im wesentlichen seine Ursache in der Schwierigkeit habe, sich ausreichende Fleischnahrung zu verschaffen. Die Affen, Ratten und Schlangen, die im Walde gefangen und erlegt werden, reichten nicht aus, das Bedürfnis nach Fleischnahrung zu stillen, und so entwickelte sich schließlich der Kannibalismus.
— Tic Erziehung der Sinnt. Die jetzige Er- zrehungsweise, die die Ausbildung der sinnlichen Wahrnehmungsorgane bei den Kindern der Na- ti:r überläßt, führt nicht selten zu einer einseitigen Verkümmerung dieses oder jenes Wahrnehmungs- Organes. Ein jeder lernt sehen, hören, tasten und riechen so gut er es selbst kann- und nirgends ist von etnei systematischen Entwicklung derSinne die Rede So beobachtet man denn auch in der Pra- xts sehr selten eine gleichmäßige Entfaltung aller linnlichkn -2BQptnel)nutngdor(}cinc; bem einen lst. das Gesicht besser entwickelt als der Tastsinn, bet dem andern vermittelt ein ungeschultes Hörorgan nur wenig präzise Lautvorstellungen, und der Geruchs:nn ist bei vielen Menschen stark verkümmert. Professor Gates in Washington hat nun Versuche mit-seinen eigenen Kindern vorgenommen, die interessante Resultate ergaben. Seine Erverimente beginnen damit, daß er zunächst dem Kinde die primitiveren Farbenunterscheidungen vermirtelt und dann nach und nach die Aufgaben verfeinert und steigert. Er bedient sich habet kleiner, farbiger Fleckchen, die auf die zartesten Nuancen abgestimmt sind. Das Kind lernt nun die zartesten Tönungen von einander unterscheiden und diese Uebungen werden fortgesetzt, bis das Gesicht so geübt ist, daß Irrtümer und Schwan- ktingen nicht mehr eintreten. Diese Lehrstunden beginnen bereits in frühester Kindheit ,im Alter von zwei oder drei Jahren. Vom vierten Jahr ab tritt zu der Erziehung des Gesichtssinnes die des
Gehörs. Eine Anzahl von besonderen Spielzeugen dient dann der Schulung raschen Denkens. So hat der Gelehrte für feine Kinder eine Plakette Herstellen lassen, in der sich Löcher von ver- schredenen Größen befinden; die Aufgabe ist, die in die betreffenden Löcher genau paffenden Bolzen von verschiedener Dicke immer schneller einzu- stecken. So lernt das Auge die Dimensionen des Bolzen und des Loches rasch in Beziehung zu setzen, und mit der Zeit gelingt es, auf diese Art die Wahrnehmung der Kinder außerordenlich zu schärfen und zu beschleunigen. Ein besonderer Apparat ein Instrument, das die Muskelkräfte registriert, dient der Messung der aufgewandten physischen Energie, die ebenfalls nach und nach gesteigert ober geschwächt werden kann durch die Er- höbtmg der Wärme oder Kälte der Glieder wie auch durch gewiffe Reizmittel, wie Tee oder Kaffee. Seine Versuche haben gezeigt, daß der Morgen die beste Zeit für Muskelübungen ist und daß es von außerordentlich günstiger Wirkung ist, wenn allen Uebungen eine kurze Ruhepause voraufgeht.
— Reich werden möchte mancher, wenn er nur wüßte, wie ers anfangen soll. Wertvolle Winke für alle, die sich nach dem Besitze von Millionen fehnen, gibt die Biographie des kürzlich verstorbenen Millionärs Leiter in Chikago. Leiter entstammte einer unbemittelten Familie und das einzige Erbe, das ihm fein Vater hinterließ, waren Schulden über Schulden. Mit einem Empfehlungsschreiben tauchte er eines Tages vor Mi- fter Formell, einem reichen Kaufmann in Chikago auf, her jedoch fein Bedauern ausdrückte, ihn nicht engagieren zu können. „Und ich wüßte auch wirklich nicht, was für eine Arbeit ich Ihnen geben sollte." Diese Antwort schüchterte den jungen Leiter keineswegs ein und er entgegnete: „Wenn Sie es nicht wissen, dann werde ich es Ihnen sagen. Schaun Sie sich mal diese Kacheln an, sie sind ganz schmutzig, ich schließe daraus, daß Sie niemanden habep, der sie reinigt. Wenn Sie mich bezahlen, werde ich es tun." Leiter reinigte dar
aufhin sämtliche Kacheln, dann ging er zu Herrn Farmell und bat um seinen Lohn. Dieser, erstaunt über den Fleiß des jungen Mannes, erwiderte: „Für solche Leute habe ich in meinem Bureau immer einen Platz/' Sechs Jahre spätes war Leiter wohlbestallter Kompagnon des Geschäftes und es dauerte nicht mehr lange, bis er vielfacher Millionär wurde.
— Gut gegeben. In einem Lokal erregt ein satzkenhaft gekleideter Student allgemeine Aufmerksamkeit. Ais der jüngere von zwei Herren, die am Nebentisch sitzen, sich erkeckt, die gezierten Gesten des Studenten zu kopieren, steht dieser auf, stelzt mit aufgeregten Bewegungen auf den Nachbartisch zu und zetert den Frechling hochrot vor Empörung an: „Mein Herr, ich finde es albern, anbei i Leute nachzuahmen! — Sofort erhebt sich der älter i der beiden Herren und erwidert in verbindliche! t Tone: „Id, pflichte Ihnen durchaus bei, mell Herr, mein Freund hier hat sich in der Tat roh ein Affe gebärdet!"
— Modernen Mägdleins Kochkunst. „Zuerst haben wir selbst gegessen, was meine Tochter gekocht hat — konnten's aber nicht vertragen; dann haben es die Dienstboten bekommen — bie ließe»; es aber stehen; darauf haben wir es zu wohltätigen Zwecken gespendet — man wollte es aber nicht mehr haben; danach bekamen es die Hausierer — seitdem kommt keiner mehr; dann gaben wir es den Bettlern — jetzt läßt sich keiner mehr sehen j endlich gaben wir es unferm Hund — seitdem ist er verschwunden; zuletzt haben wir es dem Nachbar gebracht für seine Schweine — nun grüßt er mich nicht mehr! Ach ja . . .*
— Aufklärung. „Der Direktor soll ja mit seinen Frau in Unfrieden leben." — „War nicht ander? zu erwarten, nachdem die Ehe nur durch Meinungsverschiedenheiten zustande gekommen!" — „Durch Meinungsverschiedenheiten?" — „Nun ja! Er ha! gemeint, sie habe Geld, und sie hat gemeint ct habe Geld!"