35. Jahrgang
Fulda, Montag den 24. «ngust 1908.
M 193
man schwer ersehen wird, in welchem Zusammenhang der Garten mit dem Wegebau steht.
)(Die Sozialdemokratie für den Weltfrieden. In Ermangelung eines besseren Stoffes für die Aufrüttelung der Maffen wird die Sozialdemokratie am Sonntag dem 20. September in Berlin eine große Volksversammlung abhalten, in der eine auS 20 Personen bestehende Deputation der englischen Sozialisten eine Adresse für den Weltfrieden überreichen wird.
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Verlag der Luldaer Ad üendruckerei in Zulda MonatrdMage: „Küdaer Seschichtrblätter' ßernsprecher vr. 9.
Der falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
46] (Nachdruck verboten).
Ella setzte sich auf den niedrigen Wall und antwortete:
„Ich habe Dir nichts zu vergeben, Guido. T-u hast' nicht gegen mich gesündigt, sondern gegen Deinen Vater." _ . „
Er hat mir vergeben. Wenn Du meinst, Ella, daß Du mir nichts zu, vergeben hast so sage mir wenigstens, daß Du mich noch liebst.
„Guido, ich kann die Worte nicht ausspre- chen" die Du von mir verlangst." _____
'Also hat diese unglückliche Geschichte mich Deine Liebe gekostet", fragte er schmerzlich.
„Guido, erwiderte das Mädchen betrübt. Ich weih nicht, ob ich Dich jemals geliebt habe. -^4 will aam offen zu Dir sprechen, damit kein Miß- verständniS zwischen uns besteht. Wenn rch Delne 'Briefe an Sir Harry las, wenn 14 andere erzählen hörte, wie edel Du warst, dachte ich mir Dich als einen ritterlichen Mann; und als Du heimkamst, ausgestattet mit allen äußerlichen Eigenschaften meines idealen Guido, schlug mein Herz laut und höher. Kurz, ich dachte, ich liebte Dick Aber in der Stunde, als Du mir das Ver- sprechen abverlangtest, Deine Frau zu werden fühlte ich bereits, daß, ich mich in Dir, getauscht hatte, denn ich war nicht,so beglückt, tote l4 ttnt Liese Stunde vorher geträumt hatte, im Gegen- teil ein unbestimmtes Mißbehagen erfüllte meine Seele "
' „Eine sehr höfliche Zurückweisung", bemerkte Brander mit bitterem Lächeln.
„Ich spreche die Wahrheit. Wahrend der ganzen Zeit meiner Verlobung habe ich mich unzu» frieden und unbehaglich gefühlt; nur Wenige Augenblicke gab es, in denen ich mich, so ziemlich glücklich wähnte. Schon längere Zett habe ich gewußt, daß ich Dich nicht liebe, doch wollte ich
* Kastel, 23. Aug. 1908. Heute vormittag and im hiesigen Residenz-Palais in Gegenwart >eS Kaiserpaares die Nagelung und Weihe einer Anzahl von neuen Fahnen statt, welche für die Regimenter der für das Kaiser- manSver in Betracht kommenden Armeekorps 16 und 16 bestimmt find.
* Mainz. 22. Aug. 1908. Das Mainzer Jour«.' will wiffen, daß als Orte für die 56. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands die Städte Frankfurt a. M. und Mainz in Betracht kommen. Das Zentral - Komitee werde demnächst die definitiv« Entscheidung treffen. In Düffeldorf wurde al« Versammlungsort auch Ratibor genannt.
Freuen wir uns, daß wieder ein Schritt vor- wärts getan ist, und hoffen wir auf wettere Schritte, ohne uns in Illusionen von Sieben- meilenstiefeln zu wiegen.
unklar. ,, , , , _ ...
* Im jungtürkischen Lager scheint ein Zwist ausgebrochen zu sein, der für die wettere Entwicklung deS Reformwerk- nicht ohne Bedeutung auf ihr Haupt gelegt, dann wandte er sich rasch von ihr.
Ella erhob sich schwer und schwankte halb bewußtlos hinaus in die Halle und hinauf in ihr Zimmer, wo sie die Tür hinter sich verschloß und schlucksend auf ihre Knie sank.
„Es ist ein Opfer — ein schreckliches Opfer! sprach sie leise mtt schmerzerfüllter Stimme. „Ich liebe Guido nicht. O, ich bin blind gewesen! Endlich — aber zu spät— bin ich zum Bewußtsein erwacht! — Ich bin mit Guido verlobt und liebe — Sir Harry! Er ist es, in dem ich mein Ideal verwirklicht finde, den ich, allein liebe und um dessentwillen ich Guido heirate!"
XLIV.
Auf der Spur.
Beinahe drei Wochen waren vergangen seit der Ankunst Nellys und Guidos zu Bleak Top. Der kurze Dezembertag neigte sich zu Ende und ein scharfer Wind jagte einen feinen mit Schnee und Eisnadeln vennischten Regen vor sich her.
Der Wirt des Gasthofes in dem kleinen Dorfe Gloamvale trat eben vor die Tür und blickte die Straße entlang, deren fpiegelglatte Decke von Schnee und Eis die Lichtstrahlen der vor dem Hause hängenden Laterne zurückwarsen.
Eben wollte der wohlbeleibte Wirt ins Haus zurückkehren mit dem Gedanken, daß er diesen Abend wohl keine Gäste zu erwarten habe, als er das Knarren von Wagenrädern hörte, was ihn noch eine Weile zum Warten veranlaßte.
Der Wagen kam näher, und fuhr vor dett Gasthof und hielt still. .. ri Ä .
In demselben Augenblick steckte ein Herr heu Kopf zum Wagenfenster heraus und befahl dem Kutscher in derben Worten weiter zu fahren.
„Die Pferde können nicht werter, Srr , sagte der Kutscher trocken; „sie sind todmüde, ich hab« sie in diesem Hundewetter schon übermäßig angestrengt. Die Landstriche ist in einem schrecklichen Zustande und Wind, Schnee und Eis machen die armen Tiere ganz steif." (Forts, folgt.)
Ausland.
* Abdul AsiS Ende.
Der mit so vielen Hoffnungen begonnene Zug des Sultans von Marokko nach feiner südliche« Hauptstadt Marrakesch hat am vergangenen Mittwoch bei Kelaa mit einer schweres Niederlage und mit der Gefangennahme Abdul Asis' geendigt. Der Schauplatz deS Kampfes, in dem der Sultan den Truppm eines Bruders und GegmfultanS unterlag, ist nur 50 Kilometer von den Toren von Marrakesch entfernt. Die Häuptlinge der Schauja« und Mdakra-Stämme, die den unglücklichen Abdul Asis begleiteten, haben in der Gegend von Kelaa vor der hasidischen Mahalla, ohne sich m einen Kampf einzulaffen, R ei Hau S gen ommen. Auch die Artillerie Abdul Asis' soll sich W schlecht bewährt haben, da die Geschütze er^ plädierten und so eine gefährliche Panik l« dm eigenen Reihen anrichteten. Die französische Militärmifsion, die kontraktlich zur Begleitung deS Sultans verpflichtet ist, hat Befehl erhalte«, sich ins Schaujagebiet zurückzuziehen, wo sie be» reits eingetroffen sein soll.
Mtt der Gefangennahme Abdul AsiS ist tau tächlich das Schicksal seiner Herrschaft besieaelt. Schon bisher war er nur der Schatten eine» Herrschers. Die große Mehrzahl der Stämme hatte sich dem Gegensultan Muley Hafid zugewandt. Der Weg zum marokkanischen Throne siegt nunmehr offen vor Muley Hafid. — Frankreich wird nun nicht mehr daran vorbeikommen, Muley Hafid anzuerkennen und die Truppe« zurückzuziehen. , „
• Der russische Minister deS Aeußern, Iswolski, hatte in Marienbad eine Unterredung mit König Eduard von England.
* Zur mazedonischen Reformfrage. Em Berliner Telegramm der ,Köln. Ztg.' meldet r „Die Nachricht, daß Oesterreich - Ungarn feine Offiziere aus der mazedonischen Gendarmerie abberufen habe, könnte den Eindruck erweckm, al» ob die Abberufung endgültig sei. Die» ist nicht der Fall, sondern Oesterreich-Ungarn hat seine Offiziere nur vor- läufig abberufen und dabei ein ganz ähnliche» Verfahren eingeschlagen wie Deutschland, da» seinen einzigm Offizier in Mazedonien, den Obersten v. Alten, auf unbestimmte Zett beurlaubte. Ob und wann die Herren nach Maze- donien zurückkehren werden, ist allerdings recht
=, Die Geldgaben deS Freisinns. Daß der Freisinn längst keine Maffm mehr hinter sich hat, ist bekannt. Wenn er trotz alledem noch in der Oeffentlichkeit eine Rolle spielt, so kann er daS der kluam Gepflogenheit verdanke«, alle befferm «ei-Journalisten mit ParlammtS - Mandaten zu versehen, damtt ihre politische Entwickelimg und ihr politische» Wirken in der Presse unlöS- bar mit der Partei verbunden werde. Hinzu kommt freilich, daß der Partei stet» «roße Geld- mittel zur Verfügung stehen, die e» ihr möglich machen, auch für aussichtslose Sachen mit Erfolg Stimmung zu machen. Woher dieses Geld kommt, das verrät jetzt ein Artikel der Morgenpost", eines im Verlage der alten freisinnigen Familie Ullstein erscheinenden SensationSblatte». Dieses Blatt, daS bei seiner nahen Verwandtschaft mit dem Freisinn sicher intimste Kenntniffe der Vor- qänge hinter den freisinnigen Kuliffen hat, ver- öffentlich! einen Artikel, in dem behauptet wird, daß der Freisinn im wesentlichen, abgesehen von den Börsenleuten, von den „Spritvered- lern", Tabakleuten und Brauern unter- stützt werde in der Voraussetzung, daß die Frei- finnigen zum Danke dafür gegen die Belastung dieser Industrien mit Steuern stimmten.
* Das landratliche Ziergärtlein. Eine ganz hübsche Jllusttation preußischer Verwaltungszu- stände liefert eine Schilderung, die das „Tageblatt für Vorpommern" aus dem Landkreise Grimmen gibt, wo der Sohn des Oberprastdenten von Pommern, Freiherr von M a l tz a h n, als Landrat „regiert". Die Stadt Grimmen hatte vor einigen Jahren einem Bauhandwerker Bau- land in der neu angelegten Vorstadt verkauft, mtt der für alles dortige Gelände bestehenden Verpflichtung, auf diesem binnen 5 Jahren einige Wohnhäuser zu errichten (um dem Wohnungs- mangel abzuhelfen). Gegen diesen Käufer muß nun die Stadt klagbar werden, weil die Bedingung der Bebauung nicht erfüllt worden ist. Der Grund dafür liegt aber in der Kreisverwaltung. Vor 10 Jahren wurde, obgleich «in fchönes Kreisgebäude vorhanden war, mit großen Kosten ein neues Landratsamtsgebäude errichtet, das dem ßanbrat ein sehr „standesgemäßes" Heim bietet. Aber auch das genügte noch nicht den Ansprüchen, und so wurden dem vorhin erwähnten Bauhandwerker die Baugrundstücke vom Kreise abgekaust — zur Errichtung des landrätlichen Gartens, ohne Rücksicht auf die vorgeschriebene Zweckbestimmung dieser Grundstücke; es ist au ihnen ein Ziergärtlein angelegt worden. Deshalb verklagte die Stadt jetzt den ersten Käufer auf Rückgabe der Grundstücke. Höchst charatteri- stisch ist der Fall auch für die Handhabung der Dienstaussicht. Die Veräußerung des Baugrundes durch die Stadt bedurfte natürlich der Zustimmung des Bezirksausschusses mit dem Regierungspräsidenten an der Spitze- der Haushalt der Stadt bedarf der Genehmigung deS Ministers, beides Vorgesetzte des Landrats. Und doch war nachher der verwendungswidrige Ankauf für den landrätlichen Bedarf möglich. Als Besonderheit wird schließlich noch berichtet, daß der Ankauf aus den Mitteln des Wegebaufonds erfolgte, obgleich
nun anders entschlossen. Sir Harrys Wünsche sind mir heilig. Ich liebe Dich nicht, Guido, aber vielleicht mag ich Dich noch lieben lernen. Ich Ä Sir Harry so hoch, daß ich mich opsern
, um seinen Wunsch zu erfüllen. Ich will Dich heiraten und zwar an dem festgesetzten Tage im Februar." . , .
„Und wenn mein Vater Dich zu überreden sucht, noch ein Jahr zu warten?" .
„Ich will ihn nicht merken lassen, daß sein Wunsch mir bekannt ist. Und nun laß uns ins Haus zurückkehren. Es ist mir zu käst hier."
Sie erhob sich und beide ginnen in das Haus zurück. Sir Harry empfing sie In der Halle und bat Ella, mit ihm in die Bibliothek zu kommen.
Sir Harry führte Ella KU einem Stuhl am Kamin und nahm dann an ihrer Seite Platz.
„Hat Guido Dir etwa« über jene unheilvolle Affäre geklagt", fragte er.
„Ja, Sir Harry. Er sagte mir, daß er aufrichtig seine Tat bereut. Er weiß nun, daß ich ihn belauscht hatte." . ,
„Ich Lachtq, es würde gut sein, die Hochzeit um ein oder zwei Jahre zu verschieben. Guido hat sich so sehr verändert, daß ich ihn Deiner nicht mehr würdig erachte."
„Ich danke Ihnen, Str Harry, daß Sie so sehr auf mein Glück bedacht sind, doch kann ich nicht in eine Aufschiebung der Hochzeit willigen. Es ist doch so manches Gute an Guido, und viel- leicht ist mein Einfluß für ihn zum Vorteil."
„Ueberlege Dir die Sache erst, Ella."
„ES bedarf keiner weiteren Ueberlegung; ich habe meine Entschckdung getroffen. Ich muß Guido zur festgesetzten Zeit heiraten."
„Also, Du liebst ihn noch trotz alles Vorgefallenen?"
Ella errötete, was Sir Harry als eine Be- jahung feiner Frage annahm
„ES ist ein sonderbar Dina, di« Liebe", murmelte er. „Gott feans Dich für Deine Liebe und Treue, mein Kind?
Er hatte sich erhoben und die Hand segnend
Deutscher Reich.
* Der Kaiser hörte am SamStag in Wilhelm Sh Sb e Vorträge des KriegSministerS von Einem und des DhefS deS MilitärkabinettS Grafen Hülsen-Häfeler. Die Kaiserin besuchte mit dem Prinzen OSkar und der Prinzessin Viktoria Luise die neue Kunstakademie.
* Die Wiedereinberufung des Landtages wird nach der ,N. Pol. Korr. zum 2 0. Okto- j er erwartet.
* Der englische Schatzkanzler Lloyd George begab sich Samstag abend von Berlin über Hamburg nach London zurück. Er hat Ge- legenhett gehabt, alle für die deutsch« Alters- und Jnvalidttätsgesetzgebung einschlägigen Jnstt- tutionen in Augenschein zu nehmen und eine Fülle von wertvollem Material mitzunehmen. Im Verlaufe seines Verkehres mit den leitenden deutfchen Stellen ist e» nicht, wie einige Blätter angekündigt hatten, zu Besprechungen über eine deutsch-englische Verständigung in Sachen des Flottenbaue» gekommen.
* Die Reichs«Finanzreform wird, wie die .Nordd. Ogern. Ztg/ nochmals betont, sich nicht auf die Erhöhung der Einnahmen durch einige neue Steuerquellen beschränken, sondern „eine erschöpfende Neuregelung unseres gesamten ReichS-FinanzwesenS in materieller und formeller Hinsicht, inSbefondere auch hinsichtlich der Be- schränkung und Tilgung der Schulden" herbei- zuführen suchen. .
* Rückgang der Reichseinnahmen. Im ersten Drittel des laufenden EiatsjahreS haben di« Zölle 83, die Bvrsensteuern 8Ve, die Tantiemesteuer l1/» Millionen Mark weniger als in derselben Zeit deS Vorjahre» gebracht.
* Die Erhebungen über bis Konkurrenz- Klausel haben die Regierung zu folgenden Vorschlägen geführt: „Die Konkurrenz-Klausel if ungültig, wenn der Angestellte weniger als 3000 Mark Jahres - Einkommen hat; sie darf nie für länger als ein Jahr vereinbart werden. Als Vertragsstrafe darf höchstens die Hälfte des Jahres- Einkommens vereinbart werden. Bei Lehrlingen ist die Konkurrenz-Klausel unzulässig. Dem Prin- zipal stehen Ansprüche nur soweit zu, als ihm durch Verletzung des Konkurrenz-Verbotes ein Schaden zugefügt ist. .
* Der Regierungs - Präsident tn Schleswig soll einen längeren urlaub angetreten haben, angeblich um eine von ihm beabsichtigte Kur zu beginnen. Sollte das nicht die Wirkung des liberalen Spektakels über den Fall Schücking sein und die Einleitung des Rücktrittes bedeuten?
* Zur Doktor-Promotion des Prinzen August Wilhelm erklärt die amtliche,Straßb. Korr.' es als unrichtig, daß gegen die.Freie Presse' und die .Straßburger Bürgerzeitung' wegen der Artikel über die Promotion des Prinzen August Wilhelm öffentliche Klage erhoben sei. ES seien auf Grund eines Strafantrages mehrerer Professoren bisher lediglich Vern eh- münzen erfolgt. UebrigenS habe Prinz August Wilhelm mitteilen lassen, es sei ihm unsympathisch, wenn der Strafrichter in dieser Angelegenheit angerufen werde. __________________________
7k Nene Erfolge der Luftfchiffahrt.
Das Parseval- und das Militarluft- schiff beweisen jetzt andauernd durch neue Fahrten ihre Zuverlässigkeit.
Die Sicherheit in der Handhabung der neuen Fahrzeuge ist bereits derartig gestiegen, daß, wie gemeldet, der Kronprinz dem Militarluft- schiff sich ruhig anvertraute, nachdem erst in den letzten Tagen der Herzog von Sachsen-Altenburg Motorballonfahrten unternommen hatte. Die beteiligten Techniker glauben, daß ihr Luftschiff eine Fahrt von 10—12 Stunden leisten könne. Es heißt aber, daß sie bei der Ausdehnung der Probe- führten nur Schritt vor Schritt weitergehen tool-
Wenn auch das Zeppelin'sche Luftschiff an Umfang, Tatkraft und Aktionsradius die anderen Systeme übertrifft, so ist doch auch ihr Erfolg von höchstem Werte. Für den Kriegsfall wurden wir Luftschiffe verschiedener Art und verschiede- ner Größe brauchen, wie ja auch unsere Meeres- flotte aus Linienschiffen, Kreuzern, Torpedo- booten usw. mannigfaltig zusammengesetzt ist. Wenn der geplante Zeppelin V ein großes Limen- schiff der deutschen Luftflotte darstellen „soll, so ist der Parseval'sche Ballon als einen tüchtigen Kreuzer anzusprechen. Die eine Art soll zur strategischen Aufklärung, weit tn Feindesland hineinfahren können; die andere Art soll die t a k t i s ch e Aufklärung durch kleinere Fluge über kritische Stellen hin besorgen.
Die Einseitigkeit ist zu vermeiden. Das liegt nicht bloß im militärischen Interesse, sondern auch im Interesse des technischen Fortschritts. Je mehr Versuche, desto mehr Erfahrungen, und die Erfahrungen helfen dem Erfinder am besten vor- wärts. Jedes System macht gewisse besondere Erfahrungen; aber in vielen wichtigen fünften arbeiten sie sich gegenseitig in die Hände, z. B. was die vollkommenste Form der Motoren, die beste Dichtung der Gashüllen angeht; auch sogar in Sachen der Steuerung, der Anbringung der Gondeln, der Abrundung oder Zuspitzung des Luftschiffes usw. kann das eine System vom andern lernen. Es ist gut, wenn die Opferwillig» keir des Volkes sich vorläufig auf das Zeppelin- sche Unternehmen konzentriert;, nur muß den anderen Unternehmungen nicht die ermunternde Aufmerksamkeit versagt bleiben, und wenn sich bei der toeiteren Entwicklung herausstellt, daß das halbstarre ober unstarre System besonderer Unterstützung wert und bedürftig ist, so wird es gewiß nicht an der ausgleichenden Gerechtigkeit fehlen. Es paßt das Sprichwort von den mehr- fachen Eisen, die man im Feuer haben soll.
Wenn mehrere Versuche nebeneinander laufen, so werden wir uns auch besser vor Ungeduld und Ueberhastung hüten können. Das Publikum zur Geduld zu mahnen, ist nicht überflüssig. Neuerdings wird schon lebhaft erörtert, an welchen Stellen Ballonhallen für den neuen Zeppelin zu errichten wären, und der Lokalpatriotismus erhebt schon mehrfach seine Ansprüche, hier und da sogar unter der Berufung auf die reichen Gaben, die aus der betreffenden Stadt oder Gegend gespendet worden seien. Bleiben wir doch ruhig und streng sachlich! Die Spenden sollten doch nur ein Opfer fein auf den Altar des Vaterlandes und des Kiilturfortschrittes. Dafür darf man keinerlei Entgelt verlangen. Wo Ballonhallen ober Ballonhäfen zu bauen sind, das haben die Sachverständigen zu entscheiden, wobei nur die militärischen und die technischen Gesichtspunkte den Ausschlag zu geben haben. (Verwertbarkeit für den Ernstfall, leichter Bezug des Gases und der sonstigen Stoffe, Terrainverhaltnisse usw.). Jede Art von Selbstsucht muß hintangesetzt werden. ...
meinem Herzen nicht trauen, bis ich nun endlich zur Gewißheit gelangt bin.« .
„Und Du willst Dich von mtr wenden?" rief Brander. „Allerdings kannst Du vielleicht eine bessere Partie machen. Ich bin kein so makelloser Held, tote Du Dir gedacht hast, und jenes Der- gehen ist eine hinreichende Ursache, mich für immer von der reinen Unschuld zu verbannen. Du könntest mein schützender Engel fein, mein Führer auf dem Pfade der Tugend, mein besseres Selbst; aber Du stoßest mich falt und rücksichtslos zurück."
„O, Guido! es ist nicht jenes Vergehens wegen, daß ich Dich zu lieben aufgebört habe. Ich habe Dich wirklich niemals geliebt."
„Und willst Du auch Dein Versprechen zurück- nehmen? Gestern abend sagte mein Vater, daß er fürchte, Tm würdest wünschen, die Hochzeit infolge jenes Zwischenfalles um ein Jahr zu bet- schieben. Er meinte, Du seiest die Tochter seines besten Freundes und er müsse Deinen Wunsch respektieren, was es ihm und mir auch kosten möge. Ich entgegnete ihm, tote sehr ich Deines liebevollen Einflusses und Deiner Leitung bedürftig sei. Er ernannte das, antwortete jedoch, es gäbe wenig Frauen, die sich für andere aufopfern, und entschloß sich endlich, Dich zu fragen, ob Du nicht lieber die Hochzeit verschoben wissen wolltest. Er gab mir das Versprechen, daß mein Vergehen mich nidjt seiner Liebe berauben sollte und äußerte den Wunsch, daß auch Deine Liebe nicht wankend geworden und Du treu und fest zu mir stehen möchtest."
Ella zitterte, ihr Gesicht wurde noch bleicher.
„Sagte er das?" fragte sie.
„Ja. Er sagte, eS wäre sein innigster Wunsch, Dich seine ToöKsr nennen äu können. Um aber feine Pflicht zu erfüllen, fügte er hinzu, müßte er Dir eine Aufschiebung der Heirat Vorschlägen."
Eine'Weile blickte Ella gedankenvoll vor sich nieder, bann sagte sie ruhig:
„Ich wollte Dir eine Aufhebung unserer Verlobung auf Grund deS genügend besprochenen Vorgänge» Vorschlägen, Guido; doch ich habe mich
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Carl Schütter
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