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Lerusxrecher He. 9.

JV3 191.

Fulda, Freitag den 20. August 1908.

35. Jahraanq.

Iwertss 'WterLt.

lj Panzevplattenpreise.

Der neue Jahrgang Les Nauticus bringt eine sehr lehrreiche Zusammenstellung über die Panzerplattenpreise und frischt damit den Kampf des Aög. Müller-Fulda um die Preiser­mäßigung in Deutschland wieder auf. Die ob­jektive Darstellung verdient in den weitesten Krei­sen bekannt zu werden; denn einmal zeigt sie, wie die Panzerplattenfabrikanten der ganzen Welt bestrebt sind, aus ihrer Monopolstellung un­geheuren Nutzen zu ziehen, sodann kann man feststellen, wie zähe der Kampf um eine Pceis- ermäßigung geführt werden mußte und endlich verpflichtet diese Abhandlung zur Umschau, ob nicht in anderen Verwaltungen sich ähnliche Zu­stände befinden, die für die Reichsfinanzcn als unerträglich bezeichnet werden müssen. Der Pul­verring besteht noch unverändert fort; für die neuen Maschinengewehre werden trotz aller An­griffe noch immer horrende Preise bezahlt; in der Postverwaltung bestehen noch Monopole seit Pods Zeiten. (Fahrräder, Briefkasten, Kupferdraht, Be- klerdung für Beamte usw.) Angesichts der Er­fahrungen in der Kolonial- und Marineverwal­tung muß man seiner Verwunderung Ausdruck verleihen. Laß man die Lehren in diesen Ressorts nicht anderwärts beherzigt. Doch kehren wir zu den Panzerplattenpreisen zurück.

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist ein lOjähriger Kampf gegen die Uebervorteilung durch die Panzerplattenfabriken geführt worden; Las Schlußresultat war eine erhebliche Reduzierung der Preise. 1894 lieferten amerikanische Werke an die eigene Marine zu 2 650 M, während zu derselben Zeit Rußland diesen nur 1030 M zu zahlen hatte. Der Kon­greß leitete darauf 1895 eine Untersuchung über die Preise der Panzerplatten ein, die mit dem Resultat schloß, daß billiger Weise nicht mehr als 1650 <Al zu zahlen sei; der Senat setzte gar diese Summe auf 1240 M fest. Daraufhin er­mäßigten 2 Werke die Preise um 900 M und for­derten 1750 M, was dem Kongreß noch zu hoch rrschien. Eine Gesellschaft bot sich an, die Panzer bei 6000 Tonnen Jahresbedarf und bei 2Ojähci- ger Lieferung um 1000 M zu stellen; aber es kam nicht zur Annahme dieses Offerts. Jedoch wurde 1900 der Krupp-Panzer von den amerika­nischen Werken zu 1750 M geliefert, wo wir in Deutschland noch 2300 M zu zahlen hatten. Tas Auftreten der Midvale Gesellschaft brachte eine weitere Ermäßigung um 100 M und da für die Krupp-Lizenz infolge eigenen Verfahrens dieser Gesellschaft weitere 100 M wegfielen, hatte nun die ~Union die Panzer zu 1640 jH. Im Jahre 1905 wurden von den 3 Panzersabriken für Krupp-Panzer folgende Offerte eingereicht: 1575 Mark, 1530 Jt, 1430 M. Aber nunmehr hatten alle 3 Unternehmer die gegenseitige Konkurrenz satt; sie verständigten sich und forderten 1907 1735 jl, 1650 c4t, aber gegen 1894 war das im­mer eine Preisreduktion von 1000 M. In diesem Konkurrenzkämpfe ist auch die Frage eines staat­lichen Panzerplattenwerkes eingehend erörtert worden; der amerikanische Untersuchungsaus- scbuß kam zu dem Resultat, daß mindestens 17 Millionen Jt hierfür erforderlich seien.

Auch Italien hatte seinen Kampf um die Panzerplattenperise; der Generaldirektor der Terni-Werke berechnete die Selbstkosten der Krup- panzer auf 1260 c4l einschließlich Lizenzkosten für Patente und ist der Ansicht, daß der Staat nicht mehr als 1520 JH bezahlen dürfe, wobei er 15 bis 20 Proz. Dividende einrechnete. Da die Ternige- stllschaft ihre Preise wesentlich höher hielt, wurde

1906 eine internationale Konkurrenz ausgeschrie­ben für 2100 Tonnen; die Midvale-Gesellschaft machte mit 1860 das niedrigste Angebot (frei Italien); aber die Platten sind als ungenügend verworfen worden.

Oesterreich-Ungarn klagt über seine hohen Preife; es mußte 1907 noch 2300 M seinem einzigen Werke bezahlen.

Frankreich zahlte 1907 noch 2300 c4t\ in­zwischen ist der Preis auf 2000 zurückgegan­gen; die Panzerplattenfabriken zahlen dort 50 bis 70 Proz. Dividenden.

Der Nauticus gibt schließlich folgende Zusam­menstellung der Preise der beiden letzten Jahre: Vereinigte Staaten 1735 M, Italien 1860 M, (an das Ausland), 1950 M (an das Inland), Oesterreich-Ungarn 2300 <M, Frankreich 2000 M, England 2000 M, Japan 1632 dabei handele es sich in allen Fällen um Krupp-Panzer. Be­züglich der deutschen Preise wird bemerkt: „Die deutschen Preise werden geheim gehalten; es ist aber bekannt geworden, daß sie im Jahre 1901 von 2300 M auf 1900 M durchschnittlich herunter­gegangen sind und daß seitdem zwei mal weitere Preisermäßigungen eingetreten sind." Diese Mitteilungen sind absolut zuverlässig. Die Ma­rineverwaltung hat mit zäher Energie diese Sache verfolgt; der neueste Vertrag ist für das Reich günstig. Da wir heute auch große Aufträge ge­ben, so macht Krupp immerhin noch ein gutes Geschäft.

X Unser Verhältnis zu Oefterreich- Nnftarn.

Das seit 1879 bestehende Zweibundverhäktnis ist den Reichsdeutschen so in die Knochen ge­wachsen, daß sie sich Oesterreich nur als den „brillanten Sekundanten" denken können; man sieht eS bei uns als selbstverständlich an, daß das Donaukaiserreich immer an der Seile Deuffch- lands steht, und ist recht verwundert, wenn es einmal anders ist. Aber man fragt sich nicht in allen reichsdeutschen Kreisen, ob wir auch alles tun, um dieses treue Freundschaftsverhältnis vor verführerischen Einflüssen anderer Mächte zu schützen. Wir sprechen es offen aus, daß nicht genügend in dieser Hinsicht ge­schieht und daher braucht es nicht zu verwundern, wenn man an manchen Punkten eine Erkaltung der Beziehungen seststellen kann. In manchen gut beobachtenden Kreisen will man sogar eine Annäherung des verbündeten Nachbarstaates an England konstatieren, weist auf die Besuche des englischen Königs in Ischl »nd Marienbad hin, nennt den österreichischen Thronfolger einen sehr begabten Diplomaten, der in seiner Schweigsam­keit und Geschicklichkeit hinter König Eduard nicht zurückstehe, und zieht aus allen diesen Er­scheinungen den Schluß, daß wiederum ein Meisterwerk des Fürsten Bismarck abbröckele, daß dessen letzte Erbschaft auf internationalem Gebiete sich verflöchte. Von diesen Ansichten ist zweifellos die eine richtig, daß die Bedeutung des österreichischen Thronfolgers bei uns jahre­lang unterschätzt worden ist, und daß man diesen erst richtig einschätzte, als seine kräftige, starke Hand sich in der österreichischen Politik deutlich remerkbar machte. Erzherzog Franz Ferdinand chwebt als Ideal ein mächtiges Donaukaiserreich vor; er will den höchsten Spitzen der Habsburger es gleich tun; wer seine Tätigkeit nur auf unli- tärischem Gebiete vermutet, nimmt ihn zu kurz; der Einfluß des Thronfolgers madt* sich in der gesamten inneren und äußeren Pclit k geltend; er hat nicht nur den neuen österreichischen Ge­

neralstabschef „entdeckt", sondern auch in Frhn. v. Aehrenthal seinem Lande einen Minister des Aeußeren gegeben, wie es solchen seit einem Menschenalter nicht mehr hatte. Daß aber der Thronfolger deutschfeindlich sei, kann man nicht bebaupten; wenn er auf die Erstarkung der einstens von ihm regierten Länder — es geschieht dies zwar heute schon zu einem guten Teil — hinwirkt, kann kein Mensch im deutschen Reiche ihm das verübeln. Die äußere Politik eines Landes aber wird oft recht erheblich von den Strömungen in der inneren Politik beeinflußt.

Da läßt sich nun die Tatsache nicht in Ab­rede stellen, daß in der inneren Lage eine Reihe neuer Ericheinungen zutage getreten sind, welche das alte Bündnis mindestens nicht höher festigen; auf der anderen Seite sind in der Politik Deutschlands Momente hervorgetreten, die in Oesterreich nicht angenehm berührten. Man mag mit dem Fürsten Bülow noch so sehr betonen, daß wir uns von keinem Staate in unsere inner­politischen Verhä'tnisse entsprechen lassen, so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß die inner- politischen Verhältnisse eines parlamentarisch re­gierten Staates wie Oesterreich auch auf dessen Anslandspolitik von Einfluß sind. Die preu­ßische Polenpolitik hat die österreichische Polen sehr stark verschnupft; daß sie zu Geg­nern Deutschlands werden, ist nicht überraschend. Tatsache ist es, daß sie ihre» gesamten Einfluß aufwenden, um die Freundschaft für Deutschland zum Erkallen zu bringen. Jeder, der die preu­ßische Polenpolitik für ein Unglück hält, kann nur mit Bedauern aus diese unerwünschte Neben­wirkung Hinweisen; wer für die Polenpolitik ein­tritt, muß diesen Verlust an Sympathien im be­freundeten Oesterreich ruhig hinnehmen; er hat kein Recht, sich darüber auf-uhalten. Daß die Tschechen deutschlandseindlich sind, ist allbekannt; vermehren die Polen diese Schar, so tritt ein, was man mit Bedauern feststellen muß.

Zu diesen Wirkungen der Polenpolitik aber kommt noch ein zweiies: es ist ja in Oesterreich n.cht vergessen worden — der Thronfolger denkt ja jetzt am lebhasiesten daran —, wie sich die Alldeutschen in ive inneren Verhältnisse Oester­reichs eingemischt haben durch die Unterstützung hochverräterischer Bestrebungen, auch der Los von Rom-Bewegung; gerade Erzherzog Franz Ferdinand hat letztere mit dem Beinamen „hochverräterisch" belegt. Vor 10 Jahren ist in der alldeutschen Presse ganz offen diskutiert worden, wie man Oesterreich austeilen müsse und was an Deutschland zu fallen habe; in Oester­reich haben die Elemente, die offen auf eine Zer­trümmerung Oesterreichs hinarbeiteten, sich in den Los von Rom-Mantel gehüllt. Deutsche Pre­diger zogen in Massen dorthin; wie sie ar­beiteten , zeigt die Ausweisung einzelner von ihnen; was der österreichischen Polizei hierbei an Auszeichnungen und Material in die Hände fiel, ist ungemein belastend. Deutsches Geld, sogar von amtlichen Kirchenvertretungen gespendet, diente zur Stütze der gesamten Bewegung, die an religiösem Gehalt äußerst arm, an politischen Mo­tiven umso reicher mar und ist. Der Gustav-Adolf- Verein hat 1906/07 allein rund 6'fOOoO Mk. nach Oesterreich-Ungarn gespendet; in der westböhmischen Superintendenz stieg feit 1902 die Zahl der Protestanten von 31000 auf 41000; die Zahl der vielfach vom deutschen Gelbe erbauten Kirchen aber von 25 auf 55, alfo für 300 Seelen eine

neue Kirche. Die Reden, die in dieser Bewegung gehalten wurden, mußten in österreichischen Kreisen beleidigend wirken. Der offizielle prote­stantische Oberkirchenrat zu Wien hat selbst bei Bewegung den religiösen Charakter abgesprochen und sie als eine politische bezeichnet. Während man bei uns für die Los-von-Rom-Bewegung arbeitete, flaute diese in Oesterreich immer mehr ab; das Land erholte und kräftigte sich wirt­schaftlich. Aber vergessen hat man dieses Treiben vom Reiche aus nicht. Von den amtlichen Stellen des Reiches ist nichts oder nicht genug geschehen um es zu unterbinden.

Jeder Kenner der österreichischen Verhältnisse wird diesem Urteile zustimmen, daß Polenpolitik und Los-oon-Rom-Bemegung der alten Freund­schaft nichts nützen, wohl aber erbittern. Es liegt uns fern, sagen zu wollen, daß unsere innere Politik nach den Wünschen anderer Staaten gemacht werden soll; aber wer diese billigt, darf über die Folgen nicht jammern. Es ist auch nicht zu vergessen, daß die Hochschulskandale von deutschen Studenten des Reiches unterstützt worden sind und daß große Parteien in Oester-' reich dies höchst ungern sehen mußten, Parteien, welche im Kabinett 2 Minister haben. Gegenüber solchen Tatsachen wiegen Fürstenhuldigungen sehr leicht; nur eine freundliche Politik zum Nachbar­staat sichert uns dessen Unterstützung sürschwierige Zeiten.

Deutscher Reich.

X Die deutsche Kohlenausfuhr wird den E n g«. ländern immer unbequemer, da diese die Preise für englische Kohlen auf dem Well- markte niedrig hält. Das deutsche Kohlensyndi:- kat hat bekanntlich während der Hochkonjunktur, wo angängig, seine Verträge derart abgeschlossen, daß es nach seiner eigenen Wahl westfälische oder englische Kohle liefern konnte. Und es hat nicht nur tatsächlich in euglffcher Kohle erfüllt, was es über die Förderfühigkeit der Syndikatszechen hinaus zu erfüllen hatte, sondern es ist auch in dem sogenannten umstrittenen Gebiet, unmittel­bar als Importeur englischer Kohle ausgetreten. Es hat sich dadurch die Kontrolle über den Koh­lenabsatz in diesem Gebiet dauernd in gewissem Umfange gesichert. Es hat dadurch einen Teil des Gewinns, der früher der unabhängigen Händlerschaft in englischer Kohle zufloß, an sich gezogen. Da das Syndikat in großen Mengen handeln konnte, erlangten seine Vertreter in New-Castll und Cardiff einen nicht unbedeuten­den Einfluß, den sie auch spekulativ zur Erzielung günstiger Einkaufspreise ausgenützt haben. In­wieweit die Hamburger Händlerschaft, gestützt auf billige Kohlenfrachten, ebenfalls mitgewirkt hat, um die englischen Zechen durch solche Mittel an der vollen Ausnutzung der Konjunktur zu verhin­dern, ist schon etwas schwieriger zu beurteilen. Neuerdings und namentlich seit dem Rückgang der Konjunktur hat sich der deutsche Kohlenhandel aber mittels Tiefspekulation auch in die Lage ge- etzt, die englische Ausfuhr in englischer Kohle in alten Domänen, besonders in den italienischen Häfen, zu unterbieten und selbst dort, wo nur englische Kohle geliefert werden kann, diese Ver­träge den britischen Firmen zu entreißen. Diese Spekulationen waren für das Syndikat und den übrigen Handel insofern ziemlich ungefährlich, als ihm westfälische Kohle genug zur Verfügung tand, um dort, wo es freie Wahl hatte, dieKund- chaft mit seiner eigenen Förderung zu befrie­digen, während es seine Bezugsrechte auf eng­lische Kohle ausllbte, wo mir diese lieferbar war.

Kleines Feuilleton.

— Woher stammt der Ausdruck „Blinde Hes­sen^? In den Hess. Blättern macht H. von Pfi- fter-Schwaighusen darauf aufmerksam, daß Ja­kob Grimm, unser Altmeister aller Germanistik, selber ein Hesse, in feinem zweibändigen Werke: „Geschichte Deutscher Sprache" ausführlich über jenen mißverstandenen Ausdruck gehandelt hat. Vorweg erwähnt sei. Laß die volle und durch ein halbes Jahrtausend zurück belegbare Rede „blinde Hunte-Hessen" hieß; wobei sich das Beiwort auf den noch blinden Welf, d. h. Las junge Hündchen bezog. Hessen im echten Sinne find ursprünglich nur die Bewohner der Grafschaft Maden oder Gu- Lesberg, des sogenannten fränkischen Hessengaues, L. h. die Leute von Kassel, Hersfeld, Fritzlar usw. VonZüesem nördlichsten Gaue aus ward der Chat- ten-Stamm allmählich staatlich geeinet; also daß jener Name „Hessen" sich immer weiter gen Sü­den erstreckte. Die echten Hessen — schon die Mar- vurger sind keine — hießen seitdem uneigentlich „Ntederhessen". Hoheits-Zeichen des gesamten chattischen Stammes, für den heute also — Vars pro toto —■ allgemein der Name gilt: weiße Fahne, blauer Schild, roter Löwe. Ter Löive ward am Rumpfe auch weiß gestreift, um an die weiße Fahne zu erinnern. Nun hatten einzelne Gaue, Herrschaften, Städte aber daneben noch besondere Abzeichen: Oberfürstentum Marburg ^B. einen Ritter, Grafschaft Ziegenhain an der chwalm einen Geißbock, Kurmainz ein Rad usw. Niederheffen führte einen Welf (englisch Whelp), die bekanntlich bis zum neunten Tage blind lie­gen. Jakob Grimm wies nach, daß im Mittelal- er gleichmäßig die Rede ging von „blinden Hun- '«-Hessen", namentlich im Munde ihrer nieder- achsischen Nachbaren, sowie von „blinden Hunde- Schwaben". Denn auch Oberfchwaben führte einen Welf im Wappen; wie die Grafen von Hohenzollern einen Bracken (Hund). Gänzlich: Unbegriffen, müssen sich nun,, beute auch z.. B,

die Bewohner des Großherzogtums Hessen-Darm- stadt den Scherz als „blinde (Hunde) Hessen" ge­fallen lassen, da doch die Katzenelnbogischen und rheinischen Gebiete niemals einen Welf im Schilde hatten. Erklärt ward die Sache schon öfters; beseitigen aber lassen sich geschichtliche Irrtümer bekannter Weise kaum jemals.

— Neues von den Mode». Die Modekund­schafter, die alljährlich von den großen Londoner Modehäusern nach Paris und neuerdings auch nach New-Jork entsandt werden, um bei Zeiten etwas über die künftigen Pläne der launischen Modegöttin etwas in Erfahrung zu bringen, find jetzt nach London zurückgekehrt. Sie alle erklä­ren, daß das Schicksal der Herbst- und Winter­moden noch in der Zeiten dunklen Schoß schlum­mert und daß bei der wachsenden Unberechenbar­keit der wechselnden Kaprizen des Geschmackes ein bestimmtes einheitliches Modeideal überhaupt kaum zu erwarten sei. „Die Moden werden so veränderlich, wie die Frauen selbst", bemerkte der Geschäftsführer eines berühmten Hauses. Einiges freilich hat der Spürsinn der englischen Mode- spione doch schon erkunden können. So wird als kommende Neuheit ein elegantes Damenja- cket aus Tweed stoss geschildert, das mit einem abknöpfbaren Lederfutter ver­sehen ist. Das Futter ist mit dem Tuche durch Haken oder durch Knöpfe verbunden; bei kühlen Tagen, bei Automobiltouren und dergleichen trägt man das Jacket mit dem Leder, bei milder Witterung dagegen nur das Tuchjackett. Das weiche warme und schmiegsame Ledersutter ist außerordentlich einfach aus dem Jackett zu ent­fernen, und es bedarf nur der Umkehrung der Aermel, um das Tuchjackett gebrauchsfertig zu machen. Der Preis schwankt um 120 M, und die Londoner Modisten versprechen sich von der Neu­heit einen großen Erfolg. Allem Anschein nach werden in der kommenden Saison auch die wasser­dichten Jacketts aus amerikanischer ©eite, die so leicht und weich und dabei vollkommen wetterfest sind, eine ^große. Rolle, spielen. Ein neues

Cape, mit großen weiten flügelähnlichen Aer- meln wird auftauchen, mit goldenen Schnüren und Besatz reich verziert. Bei den Kleidern wer­den immer mehr schwere Samtstoffe verarbeitet, die oft außerordentlich kostbaren und reichen Be­satz zeigen. Auch die P e l z m o d e n zeigen 33er- änderunaen. So werden von den Muffs und von den Boas und von den Kragen die Tierköpfe, die eine Zeitlang so modern waren, verschwinden; sie haben sich nicht bewährt, sind Beschädigungen zu sehr ausgesetzt, die Augen fallen aus, und die elegante Damenwelt wendet sich von ihnen ab. Dagegen scheint der Pelzverbrauch im allgemei­nen einer neuen Steigerung entgegenzugehen. Die großen Modehäuser treffen Vorsorge, auch Pelz­waren zu mäßigeren Preisen bereit zu halten. So werden schon jetzt in ansgedehntem Maße graugetönte Eichhornfelle und auch das weiche zarte Fell des Maulwurfs in großen Mengen für die kommende Saison verarbeitet. Kragen und Pelzschleisen werden angefertigt und in Anbe­tracht des verhältnismäßig billigen Preifes vor­aussichtlich eine große Anhängerfchaft finden.

— Die größte Anzahl Millionäre an Bord. Der Dampfer „Adriatic" der White Star Line, der augenblicklich auf dem Wege von Plymouth nach Southampton ist, hat sicherlich die größte Menge von Millionären an Bord, die je ein Schiff trug. Der bereinigte Reichtum der ©chisfspassa- gtere wird auf weit über eine Milliarde Mark ge­schätzt, während die Unternehmungen, die sie be­sitzen, mehr als fünfzig Milliarden Wert haben. Unter den Passagieren befinden sich die Millionen- reichen Bankiers Speyer, G. F. Baker, der Prä- fiten! der Nationalbank in Newyork, Waterhary, C. Cuyler und John Lee, ferner der General­direktor der Morganschen Unternehmungen, Char­les Steele.

neues Spiel. Ein neues Spiel erfreut ftaj fett einigen Wochen am Strande der englifchen Seebäder großer Beliebtheit. Es ist ein Mittel- btng zwischen Golf und Croquet, aber es erfordert kemerlei Gerät zum ©vielen, als nur einen Kaut­

schukball und einen Stock mit gebogenem Griffe. Die übrigen „Geräte" werden aus dem Meeres­sand gebildet, vielfach übernehmen die Kinder die Arbeit. Man braucht nur wenige Hindernifse, ein Loch am Anfangspunkt, einen Bogen wie beim Croquet, einen längeren Tunnel, ein zwei­tes Loch, einen Hügel und schließlich einen „Vul­kan" mit einem Krater, in den man seinen Ball bringen muß. Die Ueberwindung jedes Hinder­nisses wird mit einem Punkt gut geschrieben, und überall sieht man jetzt die Sportbegeisterten in dem neuen Spiel sich üben.

— Wcr haftet für Fehler in Fahrplänen und Kursbüchern? Für Fehler in den nichtamtlichen Kursbücher haften die 33erleger, doch nur untel Umständen, denn maßgebend sind nur amtliche Fahrpläne und nur nach diesen sollte man sich daher richten. Aber auch die amtlichen Fahr- pläne usw., enthalten gar nicht so selten Fehler, und für diese ist ter Eisenbahnfiskus auf alle Fälle haftbar, event. auch schadenersatzpflichtig. So war ein Zug auf dem amtlichen Plane alt Etlzug bezeichnet, während der Fahrt wurde abei bon den Reisenden der ©chnellzugszuschlag einkas- siert. Auf erhobene Beschwerde mußte -der Fis­kus den unter Vorbehalt gezahlten Zuschlag zu- rückzahleu, obwohl der betr. Zug wirklich ein Schnellzug war und sein sollte, aber er war eben irrtümlich als Eilzug bezeichnet. In einem an­deren Falle benutzte ein Kaufmann, um, noch an demselben Tage mit seiner Familie in einen Ba­deort zu gelangen, einen Zug, der nach dem amt­lichen Plane nur 1. und 2. Klasse hatte. Unter­wegs bemerkte der Kaufmann, daß auch die 3. Klasse in dem Zuge fuhr, die er benutzt hätte, wenn dies auf dem Plane angegeben gewesen wäre. Der Fiskus mußte den Schaden ersetzen. In einem dritten Fall war ein letzter Zug auf dem amtlichen Plan« angegeben, es wär aber nicht gesagt, daß dieser nur Sonntags fuBr. Ein Reffender verließ sich Wochentao? ruf diesen Zug und mußte nun am Orte übernachten. Auch hief war ter Fiskus schotene^atzpfliKti«----- '' '