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Fulda, Donnerstag den 20. August 1908.

M 190.

Zweites Wtcrtt

sollten zuerst zum Waffen jähriae ober Zweijährige!

(Heiterkeit.)

35. Jahrgang.

Auf allen Gebieten zeigt sich eine steigende Willig­keit des Mannes, die Mitarbeit der Frau willkom­men zu heißen, sei sie eine ehrenamtliche oder berufs­amtliche oder freie Betätigung. Ich empfehle Ihrer wirksamen Förderung jene großzügige Organisation, der bisher schon so mancher schone Erfolg beschieden war: den katholischen Frauenbund. Wenn wir die Stimme erheben, um die Frauenwelt aufzu­rufen zur sozialen Arbeit, dann wollen wir es nicht tun, ohne gleichzeitig zur inneren Tüchtigkeit zu mah- nen, zur Pflege der christlichen Persönlichkeit. Denn zuletzt dient doch alles einem letzten Ziele, jenem Einem Notwendigen, das für Mann und Frau des ganzen Lebens und Strebens wahre Erfüllung ist, und darum niemals soll hinweggenommen werden. (Langanhal- tender, stürmischer Beifall, vielfaches Händeklatschen auf der Tamengallerie.)

Oberlandesgerichtsrat Marx (Düsseldorf)

Schon die jüngste Vergangenheit genügt, utts ’.u beweisen, daß England nicht den Ruhm be>

•vuD' uh rrnoerpanonrs UNO rtieorosig-1 inspruchen kann, den Frieden bewahrt ju Haden, feit behar-chelt werden, wenn nicht das Wobt I Den Burenkrieg hat es provoziert und dg

ren und Verbrechern gleichgestellt werde. Ebenso ver­altet und unwirksam ist die Forderung: «Die Frauen Waffendienste sich melden als Ein­

feige, welche die evangelische Bevölkerung auf ihrer Wange empfindet." Noch immer bedarf die Nieder-

men zu nennen: Der Volksverein für das katholische Deutschland. Auf dem ureigen­sten Gebiete der Katholiken, der Charitas, sehen wir trotz aller Schwierigkeiten weltbeglückende Erfolge. Z5' letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts sind '27 Millionen evangelische Stiftungen aber von den 84 Proz. Katholiken über 36 Millionen Mark gestiftet worden.. (Lebh. Zustimmung.) Ebenso find auf an­deren Gebieten Zeichen der Opferwilligkett zu bewun­dern. Ein Volksteil von solcher Bedeu­tung, von solchem Idealismus, kann auf die Dauer nicht mit Ungerechtigkeit, mit Haß, mit Unverständnis und Lieblosig-

sprach als letzter Redner des heutigen Abends über „Die Lage der Katholiken Deutschlands in der Gegenwart". Einleitend wandte er sich gegen die Behauptung, daß die Wünsche der Katholi­ken durchaus befriedigt seien und sich des vollsten Frie­dens erfreuen könnten. So weit seien wir denn doch noch nicht. Bei Betrachtung der Gesetzgebung brauche man nur zu nennen das Jesuitengesetz. Zwar sei der § 2 aufgehoben, aber damals schon bezeichnete ein christlicher Mann wie Graf Moltke-Holstein diese

Anträge erheb sich kein Widerspruch. Zum Schluß wurden noch nach Begründung durch Msgr. Wert^ mann-Freidurg i. B. mehrere Anträge betr. chrrst- liche Charitas angenommen. Sie betreffen das Studium der neuen gesetzlichen Bestimmungen über die öffentliche Armenfürsorge, Heranbildung geschulter Pflegekräfte für die Krankenpflege, Ausbau der Cha- ritas-Organisation und die Vincenzvereine.

Dritte öffentliche Versammlung.

Die Halle ist wieder brechend voll. Punkt 5 Uhr eröffnet der Vizepräsident Müller-Hoberg (M.-Glad- bach> die Versammlung. Er konnte den Kardinal-Erz- bischof Dr. Fischer und den Erzbischof von Utrecht be- grüßen.

Der erste Redner der Versammlung ist

Londgerichtsdirektor Laarmann (Esten).

55. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

tt Düsseldorf, 19. August 1908.

Vierter Tag — Mittwoch.

MLnnerwallsahrt nach Kaiserswerth.

Dichte Nebel wallten auf den Wassern des Rheins, als gegen 7 Uhr früh die wallfahrenden Männerscharen von der altehrwürdigen Lambertusftrche auszogen, um die festlich geschmückten Dampfer zu besteigen, bie fie zum Grabe des hl. SuitbertuS, des Apostels des der- gischen Landes, nach Kaiserswert brachten. In drei der größten Rheindampfern wurden gegen 3000 Mit­glieder des Katholikentages eingeschifft. Siegreich durchbrach dann die Sonne den Nebel und warf bli- tzende Lichter über die leichtbewegten Wasser. Wäh- rend die Musik „Alles meinem Gott zu Ehren" an- stimmte, fuhren die Dampfer ab. Das Präsidium und viele Vorstandsmitglieder befanden sich im ersten Schiff. Unter Gebet und Gesang ging die Fahrt in einer Stunde nach Kaiserswerth. Hier begrüßten Böl- lerschüsse und Glockenklänge die Wallfahrer. Eine Pro­zession mit zahlreichen Fahnen und Betern kam ihnen entgegen. Die ganze Stadt war überreich geschmückt. Tausende erwarteten am Ufer den Zug. In feierlicher Prozession ging es zur Kirche, wo der Weihbischof von Münster, Graf Galen, das hl. Meßopfer darbrachte. Tie Festpredigt hielt 'Kardinal Erzbischof Fischer. Angesichts des Grabes des hl. Suitbertus, des Glau- bensboten aus der Zeit des hl. Bonifatius, richtete er an die Gläubigen die Mahnung, die unvergleichliche HimmelSpabe des heiligen Glaubens recht schätzen zu lernen, und sich immer mehr zu befestigen in der gött- lichen Tugend des Glaubens. Auch in unseren Reihen habe unter dem Einflüsse der Zeitverhältnisse der echte und rechte heilige Glaube mehrfach Schaden gelitten und sei erkaltet. Zweifel und Kritisiersucht bemächtig­ten sich der Geister, man fürchte einen Zwiespalt zwi­schen Glaube und Wissenschaft, meine, der Wissenschaft Konzessionen schuldrg zu sein. Das sei furchtsames, unbedachtes, nicht katholisches Gerede. Der katholische Glaube sei auch vor der Wissenschaft gerechtfertigt, nemals habe die Kirche die Wissenschaft gefürchtet, sie hege und fördere fie, aber eben deswegen trete sie den Ausschreitungen, die im Namen der Wissenschaft ver­übt wiirden, in den Weg. Wissenschaft sei nicht Glaube. So weit der Himmel über der Erde, so weit der Glaube über der Wissenschaft! Bewahren, erhalten und iör- >ern wir den Glauben! Er soll stets unser höchstes Gut sein, wir wollen leben und sterben als treue, de­mütige Kinder der heiligen Kirche.

Nach Beendigung der hl. Messe erschallte da. Te Denn macht,g durch die weiten Hallen. Tann zogen die Waller nach einer stillen Andacht vor den Reliquien des hl. Suitbertus in Prozession wieder zum Rhein unv nahmen unter feierlichem Glockengeläute Abschied. Die Heimfahrt erfolgte unter Gebet und Gesang und schloß mit dem sakramentalen Segen in der Lamber- tuskirche.

Dritte geschlossene Versammlung.

Die Rückkehr der Kaiserswerther Männerwallfahrt zog sich über Gebühr hinaus. Man begann deshalb nach längerem Warten gegen 11 Uhr die Beratungen beiläufig in Abwesenheit des Präsidiums. Geheimrat Roeren (außerordentlich warm begrüßt) begründete in längeren Ausführungen einen Antrag, der energische Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit verlangte, durch Gründung von Männervereinen, wie fie in Köln und anderen Großstädten bestehen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Weitere An­träge warnen vor den fittengefährdenden Kolporta­geschriften, empfehlen Verbreitung guter Lektüre urA erklären die Unterstützung der Zentralaus- kunfIst eile (C. A.) für wünschenswert, die sich die Entlarvung der verleumderischen Skandalgeschichten au? Klöstern usw. zur Aufgabe macht. Sie wurden nach kurzer Beratung angenommen, liebet den Ort der nächsten Generalversammlung wurde ein Beschluß nicht gefaßt. Dem Zentralkomitee wurde vielmehr die Wahl des Ortes überlassen. Für 1910 wurde Aachen in Vorschlag gebracht. Weitere Anträge betrafen die foziale Frage. Energifch fordert der erste soziale Betätigung der deutschen Katholiken durch Auslau des sozialen Vereinswesens, verlangt Weiter­führung der sozialen Gesetzgebung, Schutz und Förderung der Landwirtschaft und des gewerbh Mitrelstondes, Reform zu gnnften der Privatbeamten, Einfühlung der Privatbeamtenversicherung, Sicherung der Vereinigungsfreiheit der Arbeiter, Regelung der Heima-beit, Förderung des Abschlusses von Tarifver­trägen. Einrichtung von paritätischen Arbeitskammern und befürwortet die Hebung der sozialen Wohlfahrts­pflege durch praktisch-soziale Betätigung. In der Konimunalpoliktik verlangt ein anderer Antrag Berücksichtigung der Minderbemittelten bei der Steuer­politik, Förderung der Fortbildungs- und Fachschulen, wie überhaupt der Volksbildungsbestrebungen in jeder Weise, Hmzuziehung der Vertreter der Charitas zur Armenpflege, Regelung der Verhältnisse der Gemeinde­arbeiter, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Regelung des Submissionswesens. Weiter werden die katholi­schen Standesvereine empfohlen und Fürsorge für den Mittelstand verlangt durch Bekämpfung aller Auswüchse auf dem Gebiete des gewerblichen Ber- kehrs, durch Zusammenschluß des Mittelstandes und durch die Gesetzgebung. Wohnungsfürsorge, grauen.

Fortbildungsunterricht für Arbeiterinnen mit obngatorischen, Religionsunterricht, HausfrauenauS- schusse und Dienstbotenausschüffe zur Wahrung ge- memiamer Interessen find der Gegenstand der weite- fogiolen Anträge. Sie wurden sämtlich begründet durch Generaldirektor Dr. Pieper (M.-Gladbach). Eine lebhafte Debatte knüpfte sich besonders an den Antrag Petr. StandeSvereine, wobei eine Reihe von Rednern die katholisch-kaufmännischen Vereine lertcibigten und empfahlen. Gegen die Annahme der

landeS.

Inzwischen war das Telegramm des hl. Vaters eingelaufen. Es hat folgenden Wortlaut:

„Der hl. Vater hat die Gelöbnisse und Glück­wünsche der in Düsseldorf glücklich tagenden 55. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands freudigst ausgenommen, und die dem obersten «Hir­ten und Lehrer dargeßrachten Versicherungen der Liebe und Ergebenheit mit Genugtuung entgegen« genommen. Er lobt aufs Höchste die Bestrebungen zur Forderung der katholischen Sache unter Be­tonung der Freiheit ber Kirche und des apostoli­schen Stuhles und sendet allen Teilnehmern aus liebevollsten Herzen den apostolischen Segen.

Merry del Val, Kardinal.

Die Versammlung nahm die Verlesung dieses Te- legrammes mit stürmischer Freude auf und brachte auf Anregung des Präsidenten ein jubelndes Hoch auf den hl. Vater aus.

Universitäts-Professor Dr. Zahn (Straßburg) behandelt bann das Thema: „Frauenbildung und Frauenbetätigung". Es gibt, führte er aus, eine Frauenbewegung, die wir immer abgelehnt haben und die wir immer werden ablehnen müssen. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau beruhen auf Gottes ewigem Ratschlüsse Für die Frauen die Männerberufe, die Männerpflichten, alle Männerrechte zu verlangen, erscheint uns als ein Attentat gegen Gottes Ordnung, ein Attentat gegen Familien- und Volkerglück, nicht zuletzt auch gegen das Frauenglück. (Sehr wahr!) Die graucufrage. an deren Lösung wir mitarbeiten müssen, ist eine andere. Etwa ein Vs bis 14 aller Frauen bleiben unverehelicht. Sehr viele sind in den Familien versorgt, ober anderthalb Millionen sind in der Industrie, eine halbe Million im Handel tätig, und da erhebt sich die bange Frage, ob diese Frauen für den Beruf als Hausfrau richtig gerüstet werden. Der Ruf nach Fachschulen für Hauswirtschaft beweist, daß man die Frauen allgemein als die ge­borenen Lehrmeisterinnen des Haushalts ansieht. Das Verlangen nach Hauswirtschafts-Schulen ist kräftig zu unterstützen (Zustimmung). Ganze Milliarden Volks­vermögen stehen dabei auf dem Spiel, nicht minder aber das Glück der Familie. Der Schöpfer hat die Liebe zur Familie in die Frau hineingelegt als die edelste Mitgift, aber trotzdem bleibt eine Ausbildung für die Hauswirtschaft notwendig, und zwar nicht bloß eine Abrichtung für den Hausbedarf, sondern auch eine harmonische Bildung von Geist und Gemüt auf der Grundlage solider religiöser Erziehung. (Lebh. Zust.) Das gilt von der gesamten Frauenbildung. Wenn Bebel den katholischen Klerus zu den eifrigsten Geg­nern deS eiftigsten Frauenstudiums rechnet, so hat er habet nicht Unrecht insoweit, als es sich um die Jagd nach Diplomen handelt. Es gibt aber gewiß einzelne Frauen, die berufen sind, rein wissenschaftliche, gelehrte Studien zu treiben. Wer kennt nicht die Heiligen Roswitha und Hildegard und Gertrud und Katharina von Sien» und Charitas Pirkheimer und'Theresia von JesuS? (Lebh. uftimmung.) Die meisten wissen­schaftlich interessierten Frauen widmen sich des Lehr­berufs, andere wollen im ärztlichen Berufe tätig fein, andere auf sozialem Gebiete, im Rechtsschutz. Heute beträgt die Zahl der studierenden Katholikinnen erst ein Zehntel aller studierenden Frauen, das ist ein Miß­verhältnis zu unserem Schaden und Harum sollten ver­mögende katholische Eltern ihre Töchter mit guter Be­gabung und solider Gesundheit studieren lassen. Ins­besondere ist auch die Förderung des Hildegardis-Ver- etns eine gebieterische Pflicht. (Lebhafte Zustim- MUNg.)

Ohne vertiefte Bildung kann die Frau dem gebil­deten Manne schwerlich eine ebenbürtige Gefährtin fein, und auch als erziehende Mutter nicht Ausrei­chendes leisten, besonders nicht für die Söhne. Uebri- genS bedarf hie grau schon an sich eine ihrem Stande entsprechende Bildung (Sehr wahr!) im Interesse ihres Wirkens fttr die Gesamtheit. Dieses Wirken ist im wesentlichen sozia l-ch arita t i v. Dort bietet sich ihr ein unübersehbares weites gelb. Die grau ist dafür besonders veranlagt, es ist ihr großer Ruhm, unermüdlich neue Arten der Hilfe zu suchen.

Ich vergesse nun nicht, daß die Frage ber politischen Frauenrechte keine eindeutige, sondern eine vielseitige ist. Besonders die Frage des Franenwahlrech- teS wird man mit flüchtigen Bemerkungen nicht ab­tun können. Aber wir dürfen dem katholischen und dem evangelischen Frauenbünde bie Anerkennung nicht versagen, daß sie sich gründlicheren Aufgaben gewidmet haben, als es bie Wahlrechtsfrage ist. Es ist ein altes Gespenst, wenn eine Eingabe von Frauenseite die For­derung nach dem Wahlrecht damit begründet, es sei ber grau untoürbig, wenn sie durch Ausschluß vom Wahlrecht noch länger den Unmündigen, Bcmkrotteu-

lassung der Orden, auch der Krankenpfleger in Preu­ßen der Genehmigung zweier Minister, während ähn­liche Einrichtungen auf evangelischer Seite sich her völligen Freiheit erfreuen. Glaubt man dem konfes­sionellen Frieden zu dienen, wenn man solche Unter­scheidungen selbst in die Ausübung charitativer Wohl- tängkeit hineinträgt? (Lebh. Zustimmung.) Ist es nicht schwer zu bedauern, daß ein bereits 1901 im Landtage angenommener Antrag auf die Beseitigung besonderer Beschränkungen der Krankenpfleger-Orden von der preußischen Regierung nicht akzeptiert worden ist? (Hört, hört.) Da müssen wir an der Forde- ruitg der gleichen Behandlung mit den evangelischen (Mitbürgern festhalten. (Stürm. Beifall.) Noch besteht heute der unhaltbare Zustand, daß sämtliche klösterliche Niederlassungen in Preußen ohne weiteres durch königliche Kabinetsordre aufgehoben werden können. (Hört, hört! Lebh. Be­wegung. Man rede uns nicht von Wohlwollen und Entgegenkommen, solange dies Ausnahmegesetz noch besteht. Und in den anderen B u n d e s st a a t en? In Sachsen dürfen verfassungsgemäß keine neuen Klö­ster errichtet werden, in Württemberg und Baden be­stehen überhaupt noch keine Männerklöster, und über die Praxis bei „Zcitmissionen" schreibt sogar der libe­rale „Schwäb. Merkur": „Mit welchem Rechte kann die evangelische Kirche Missionen veranstalten, zu de­ren Abhaltung man der katholischen bie Patres im Lande verweigert? (Stürm. Hört! hört!) Unb nun erst in Braunschweig und Mecklenburg! (Stürm. Zu­stimmung! Muß es nicht besonbers verletzend fein, baß noch das neue angeblich liberale braunschweigische Katholikengesetz vorschreibt, baß frentbe katholische Geistliche selbst stille Messen ohne Genehmigung des Ministeriums nur lesen dürfen, wenn niemand dabei ist? Ist es nicht überaus verletzend, baß fast überall evangelische Beamte barüber zu entscheiden haben, was die katholischen Orden tun unb lassen dürfen?I Vor- eingenommenheit und Unkenntnis sind die Ouellen des Haffes, den wir gerade in den letzten Jahren in erschreckendem Maße gegen uns auflodern sehen.

Schon inr Jahre 1821 schrieb der prot. Prof. Kern in Göttingen: „Gerade die engsten Köpfe ober bie unedelsten Herzen unter den Protestanten ziehen im­mer am wütensten auf die Katholiken los. (Sehr richtig!) Ich will hier nicht eingeben auf den evan­gelischen Bund. Was ist dessen Antwort auf unsere Friedensneigung? Höhnische Ablehnung und Anzweiflung unserer ehrlichen Gesinnung (Sehr rich­tig.! Besondere Klage müssen wir darüber erheben, daß alle unsere Tätigkeit im öffentlichen Leben unS übel vermerkt wird. Der Prediger Hackenberg be­hauptet z. B.: „Schon ber Katholikentag als solcher sei ein Angriff auf die Stellung des Protestantismus". (Lebh. Hört! Hört!) Mit fürchterlichen Schauer­geschichten, wie die „Nonnen als Engelmacherin­nen", bereit Erfindung offen zutage liegt, macht man dazu von freidenkerischer Seite Stimmung gegen uns. Und was haben unsere Studenten nicht alles er­fahren müssen!

Die mannigfaltigen Beschwerden der deutschen Ka­tholiken laffen klar und deutlich erkennen: So wie bisher kann e8 nicht mehr weiter gehen! (Lebh. Zustimmung.) Das Wohl des Vaterlandes und her Gesellschaft verlangt ein einmüttaes Zusammen­arbeiten ber Angehörigen aller Konfessionen. (Stürm, langanhaltenber Beifall.) Wenn man den Frieden will, bann darf man die 23 Millionen Ka­tholiken Deutschlands nicht immer in ihren religiösen Gefühlen verletzen, in ihren staatsbürgerlichen Rechten beein­trächtigen! (Stürm. Beifall.)

Wenn daS Schlagwort von der Inferiorität der Katholiken einer Widerlegung bedürfte, bann würbe gerade die Offenheit, mit der wir in bie Prü­fung dieser Frage eingetreten find, den schlagenden Beweis für bie ungebrochene Kraft im Katholizismus liefern. (Langanh. Beifall.) Eine Kirche, bie die Stürme so vieler Jahrhunderte überstanden hat,, die sollte nicht die Kraft haben, ihre Angehörigen zu stär­ken, tatkräftige unb taienlustige Mitglieder der Ge­sellschaft heranzubilden?! (Lebh. Zustimmung.) Ge­wiß sind Mängel vorhanden. Aber ein Volksteil, über den die Stürme ber Säkularisation dahingebraust, ber lange Jahre durch bie Gesetzgebung und Verwaltung systematisch zurückgesetzt ist, ber wirb notwendig da­durch in materieller Beziehung und damit im Genüsse geistiger Güter zurückgehalten werden, und wir können stolz darauf sein, baß wir t ro tz a l l e d e m noch einen hochbedeutsarnen Anteil an der Kulturhöhe unseres Vaterlandes besitzen. Ich brauche da nur einen Na-

[:] Die englische Hetze.

An die letzte Monarchenbegegnung in Cron» berg wurde vielfach die Hoffnung geftiüpst, daß es nun endlich einmal ein Ende haben werde mit den Hetzereien englischer Blätter gegen Deutschland. Schneller, als es wohl der ärast« Pessimist zu prophezeien sich getraut hätte, sind diese Hoffnungen zerronnen. Noch sind di« Freund schastsbeteuerungen und Friedensversiche­rungen von drüben und hüben kaum verklungen, da geht der Spektakel in einem Teil der eng­lischen Presse schon wieder los. Diesmal ist eS das konservative Blatt ,The Standards welches die Alarmtrommel rührt. Nach allerlei geschichtlichen Rückblicken, durch welche der Ver- faffer des Artikels zu beweisen sucht, daß Deutsch- land gar nicht den Frieden erhaltm wolle, schreibt er wörtlich:

„Ich möchte meinen Lmtbskeuten die Warnung zu» rufen, baß Deutschland beabsichtigt, Eng­land anzugreifen, und daß diese Absicht nicht nur aus dem Bau einer aggressiven Flotte mit ge­borgtem Gelbe, fonbem auch aus dem Sammeln alles deffen, was für einen plötzlichen Ueberfall auf Eng« land nötig ist, an der friesischen Küste und in erster Linie in Emden, hervorgeht. Der bereitgehaltene Apparat besteht au8 zwei Armeekorps, Militärkanälen, 29 Kränen, über zwei Meilen Kairäume, Lager für Kriegsmaterial, Schuppen, Weichen und drei großen Häsen. Deutschland hatte während des BurenkriegeS feine Gelegenheit, England anzugreifen. Es machte jeglichen Versuch dazu, indem eS bei den Großmächten zum Zweck deS Abschlusses von Bündnissen gegen Eng­land vorstellig wurde. Die Lage ist heute eine flau» neue. Englische Kriege wurden in der Vergangenheit nicht nur auf fremdem Boden ausgefochten, sondern auch mit Mächte», bie nebenbei zwei oder auch drei Kriege zu erledigen hatten. Deutschland konzentrierte seine ganze Aufmerksamkeit auf England Rußland ist neutral und Frankreich — die Wahrheit muß einmal ausgesprochen werden — ist heute eine Macht zweiter Klasse, und eS würde Deutschland auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert sein, wenn England nicht int Wege stünde."

Das ist denn doch eine Hetze der gefährlichsten Art. Wir geben gern zu, daß das englisch« Volk in seiner Mehrheit solche Verleumdungen nicht billigt, und daß auch die englische Regierung solche Hetzereien zurückgewiesen hat. Aber sie bilden trotzdem eine große Gefahr für ben Frieden. Schon heute hat die englische Bevöl­kerung ihre sie sonst auszeichnende Kaltblütigkeit verloren; die fortwährenden Hetzereien haben sitz nervös gemacht und das ist am Ende gar nicht zu verwundern. Uns in Deutschland würdt es schließlich nicht besser gehen, wenn unS fort- gesetzt die abenteuerlichsten Pläne über einen be­absichtigten Angriff Englands ausgetischt würden. Die gewissenlosen Hetzer beschwören die Gefahr herauf, daß die verhetzten Maffen die besonnenen Leute mit sich fortreißen und die Regierung zu einem Kriege zwingen, den diese gar nicht ge­wollt hat.

Was nun die Verdächtigungen deS,Standard" anbetrifft, so sind sie schon so häufig widerlegt. Saß ein nochmaliges Eingehen darauf unnötig ist. Die Verdächtigungen der Friedensliebe Deutsch­lands verlangen jedoch die schärfste Zurückweisung. Deutschland hat durch 30 Jahre den Frieden be- ivahrt und der Hinweis auf die Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 sind in keiner Weise geeignet, als Gegenbeweis gegen die Friedensliebe Deutsch­lands zu dienen. Wenn wir einmal den Spieß umdrehen, so werden wir bald sehen, wie weit eS mit der Erhaltung des Friedens durch Eng- 'and her ist.

beS Ganzen ben allergrößten Nachteil erleben soll. (Stürm. Zustimmung.)

Es ist selbstverständlich, baß auf unserer Seite alles vermieben wirb, was irgenbtoie bie Gefühle An- beiSgläubiger verletzen könnte, aber es ist Ehrensache, alle Kräfte baran zu sehen, um hem katholischen Volks- teil bie ihm gebührende Stellung im öf­fentlichen Leben zu derfchasfen. Will man uns wegen unseres Glaubensbekenntnisses von ben öffent­lichen Aemtern ausschließen, wohlan, so zeigen wir burch überlegenen Arbeitseifer, durch nie rastendes wissenschaftliches Streben unsere Unentbehrlichkeit. (Stürm. Beifall.) Erkämpfen wir uns Einfluß unb Macht im öffentlichen Leben. (Anh. Beifall.) Sind wir nicht erst zu spät zu ber Erkenntnis gekommen, daß uns bei den öffentlichen Verwaltungen bie einfluß­reicheren Aemter unbillig vorenthalten werben?, daß wir uns ben Platz an ber Sonne erftreiten müssen? Kathol-scher Familienvater, beachtest bu auch, daß bie Selbstverwaltungskörper, für bie hu zu wählen hast, Hüter ber konfessionellen Schulen sinb? (Langanh. Zustimmung.) Das katholische Selbstbewuhtsein muß wieder mehr geweckt werden. Die Idee des protestan­tischen Kaisertums mutz aus ben Köpfen übelwollender Bureaukraren und kurzsichtiger Behörden verschwinden. Gerechtigkeit seitens der Gesetzgebung, — Ach- t u n g unserer religiösen Ueberzeugung seitens An- dersglmibiger,— st r en g st e W a h ru n g des konfes- s i o n e 11 e n Friedens auf unserer Seite, aber auch Wachsamkeit, Tüchtig leit, Regsam­keit, Einigkeit in unseren Reihen und bei jedem einzelnen von uns; wenn diese Richtlinien unser staat­liches und öffentliches Leben bestimmen, bann wirb el gut stehen um unser gesamtes liebes beutsches V t (er­laub, bann werden wir aus ganzem Herzen einstimmen können in den Grutz für die dann anbrechende Frie­dens- unb Freubenzeit: Gloria in excelsie Deo, et in terra pax hominibus, bonae volnntatis ! (Ehre sei Gott in ber Höhe unb Friede ben Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.) Stürmischer langan­haltender Beifall.

(Fortsetzung im Ersten Blatt.)

Er spricht über bie „Wahrung ber katholi­schen Ideale bei ber ftubierenben Ju­gend" unb sagt den jungen Studenten manches Lob, aber auch manche ernste Mahnung, namentlich hinsicht­lich ber entschiebenen Bekennung bes Glaubens im öffentlichen Leben. Er schloß: Der Jbealismns ber katholischen Studentenschaft ist wie ein krhstallklarer Gebirgsbach, ber in reinen Höhen entspringend brau­send unb ftrubelnb durch romantische Schluchten unb .. ,--------- - . - ;

über blumige Auen zu Tal stürzt. Möge er sich nicht ; Erfüllung girier gerechten Forberung als eine* „Ohr in tiefe Abgrünbe verlieren, unb möge er nicht im ' r""*' Sande der Ebene versinken, nein, möge er mit einer Fülle von Wasser sich ergießen in den segensreichen Strom katholischen Geisteslebens, möge er diesen Strom, ber auch durch mancherlei Kanäle ben Strom der christlichen Kultur speist, immer wieder lebhaft fließen machen zum Wohle ber Kirche unb des Vater-