uldaer
35. Jahrgang
Fulda, Dienstag den 18. August 1908
M 188.
Zweites Wtcrtt
die
mir; ich
Ring mit
Sarg ge-
ans Fenster und sah in Las umschattete Gärtchen hinunter. Da saß lesend der Bibliothekar Wege»
„Nein, Mama! Vor Leichen graut sah die Großtante gar nicht an!"
dern im Gartenzimmer, weil die arrogante Gesellschafterin es so beschlossen hatte, um nicht die Ruhe der Toten zu stören. Erst nach eingenommener Mahlzeit begaben sich die Gäste ins Sterbe- gemach, wo eben die Verstorbene in den Sarg gelegt worden war. Frau Lessing fand es schau- derhaft krähwinkelhaft, daß nicht einmal eine Totenhalle im Städtchen sei, und ihre Tochter fand den Vlumenduft und Kerzenqualm entsetzlich. Als Mutter und Tochter wieder allein in ihren altfränkischen Gastzimmern saßen, sagte erstere: „Dieses Fraulein Helbig legt sich mir auf die Nerven! Sie tut gerade, als ob sie zur Familie gehöre, dabei ist sie unpraktisch im Höch- strn Grade. Hast Du nicht den Ring an Tante Claudinens Hand gesehen?"
ner, der langweilige Vetter aus dem so und so vielten Grade, und in der Gaisblattlaube alle Diener und Dienerinnen und wanden unter Fräulein Rosas Anleitung Kränze. Sie sah in die Tiefe des Gemaches zurück. Auf einem der steifen Sessel saß schlafend ihre blonde Tochter. Leise entnahm sie dem Koffer im Vorzimmer ein Paar leichte Reisepantoffel, entledigte sich ihrer Hochstöckeligen Knöpfstiefel und ging langsamen, unhörbaren Schrittes über den langen dunklen Flur, der vom Seitenflügel des Hauses in das Vorderhaus führte. Die Tür des Sterbezimmers stand offen; links und rechts standen hohe Pal- nien und Lorbeerrosen und der 'herbe Duft von Zypressen zog umher. Vorsichtig trat sie ein; ein weicher Teppich dämpfte jeden Schritt, ganz leise nur rauschte ihre Schleppe. Die Tote lag mit friedlichem Lächeln im Sarge; die Hände über der Brust gekreuzt, darüber eine Fülle frisch- erblühter Rosen lose hingestreut.
Eine Weile st-nd sie lauschens still, dann
her mtf den Fcnstergesimsen gestanden hatten, um das Sterbelager der gütigen alten Dame zu ordnen, die schmerzlos, ohne vorheriges Kranksein, einem Schlaganfall erlegen war.
Mochrnbellage: „Illustrierte Lonntagrzeitung"
ihre alleruntertänigste Huldigung und den Ausdruck unwandelbarer Liebe und Ergebenheit darbringen \u dürfen. In hoher Bewunderung der edlen Arbeit, welche Ew Majestät für die Förderung der sittlichen und materiellen Wohlfahrt unseres Volkes unermüd- lich vollbringen, geloben wir unserseits in treuer Mit. Wirkung allezeit unsere Kräfte in den Dienst unseres geliebten Vaterlandes zu stellen.
1. öffentliche Versammlung.
Der Ring der Toten.
Ron H. von Ohlefeld.
(Nachdruck verboten.)
Die Läden am alten Patrizierhaus in der kleinen ehemaligen Reichshauptstadt waren ge- schlossen, und alle, die am Spätnachmittage des heißen, sonnigen Iunitages durch die Burgstraße gingen und es sahen, die schüttelten verwundert die Köpfe.
Sonst standen alle Fenster offen und d:e weißen Gardinen banschten sich, und die blühenden Nelken, Geranien und Fuchsienstöcke sahen so freundlich ans dem dunklen, dicken Mauerwerk hervor, daß man es ordentlich fühlte: im alten Bau mit all den Erkern und Türmen wohnten Menschen, die Freude an Licht, Luft und Blumen hatten.
Auf dem Stadthaus sagte es einer der Beamten dem andern mit der wichtigen Miene:
tritdrt tt-ttch m# Aurnahm« der Sotut* Md Feiertage, viertel« jährlich« v«r*grvreii! ohne vringrriohn und Bestellgeld in Mda so» «le cmrwärts 1.50 Hit
veranüo. Ledaltemk L v.r A- weßler;
für die Antigen: I-parzeLer in Fulda.
55. Generalversammlung oer Katholiken Deutschlands.
tt. Düsseldorf, 17. August 1908.
(Fortsetzung aus Nr. 187, erstes Blatt.)
beugte sie sich nieder, zog von der starren Hand den schweren Goldreif und legte ihn auf den Sargdeckel nebenher; dann ordnete sie die Rosen über die wächsernen Hände. Plötzlich horchte sie auf. Klang es nicht wie ein Seufzer?
Sie vergaß den Ring und rannte entsetzt davon, durch den Flur bis in die Halle des Seitenflügels; dick perlte der Schweiß auf ihrer Stirn, ihr Herz pochte zum Zerspringen und ihre Füße trugen sie nicht mehr.
„Luise!" rief sie mit zitternden Lippen.
„Was ist geschehen, Mama?" fragte fchlaf- trunken die Tochter. ,
Da kam ihr die Sicherheit zuruck:, „Ach, eine Torheit, gar nichts, mein Kindt Sieh doch in den Garten hinunter sind alle dort?"
„Aber ja, Mama! Der Onkel Wegener, die Gesellschafterin und die Dienerschaft."
„So komm mit mir; ich möchte die Tante Elaudine noch einmal sehen!"
„Mama, mir graut es!"
„Mir auch, drum sollst Du mit; ich möchte den Ring holen."
Die Kerzen flackerten, die Zypressen dufteten herb, und friedlich lächelnd lag die Tote. Die Rosen waren von ihren Händen herabgeglitten und am Goldfinger der linken Hand funkelte hell der Solitär.
„Mama, ist das der wertvolle Ring?"
Ein Aufschrei, gräßlich und gellend, und Frau Lessing sank zu Boden.
Die entsetzte Tochter rief um Hilfe; Fräulein Rosa war zuerst zur Stelle; ein eigentümliches Lächeln spielte um ihre Lippen, als sie die Ohnmächtige hinaustragen half.
„Das kostbarste Stück, wie Tante Elaudine es mir gegenüber selbst genannt, einen m" Riesensolitär, hat sie ihr mit in den „ „ geben: solch ein Unsinn und welche Eigenmächtig
keit nebenher!"
„Ja, Mama. Von rechtswegen gehörte er wohl Dir, wie?"
Die Mutter antwortete nicht; sie legte sich
In der Versammlung im Apollotheater führte Herr Diozesanpräses Dr. Müller, M.-Gladbach, das Präsidium, Hauptredner war Abg. Schiffer-Düsseldorf, der u. a. folgendes ausführte: Die christlichen Arbeiter verteidigen mit Opferwilligkeit und Begeisterung ihre christliche Lebensanschauung gegenüber dem sozra- li'tischen Unglauben. In diesem Kampfe bedürfen sie einer gesicherten wirtschaftlichen Position und einer entsprechenden geistigen Schulung, einer mit religiösem Sinn gepaarten Herzensbildung. Der christliche Glaube ist unfern Arbeitern Wegweiser und Leitstern, ihre religiöse Ueberzeugung wappnet sie gegenüber den tagtäglichen Angriffen der Gegner, sie wirkt ein auf die Veredelung von Herz und Gemüt. Wir Arbeiter rm- gen nicht nur nach der Beseitigung einer allzu großen
Frau Lessina aber freute sich der Erbschaft nicht; sie war krank, ernstlich krank, und der Arzt schüttelte bedenklich den Kopf. Sie phantasierte redete irr und behauptete immer wieder, Fräw lein Elaudine sei nur scheintot und alles fei sichel das Machwerk dec scheinheiligen Erbschleicherin Fräulein Rosa Helbig gewesen. Als Rosa davon erfuhr, ließ sie die Dame bitten, ihr eine Unterredung ohne Zeugen zu gewähren; , aber diq Kranke wehrte mit aller Entschiedenheit ab. Da wendete sich Rosa an den Arzt; sie sagte, sie kenne und wisse die Ursache der Erkrankung, und in ihrer Macht allein läge es, die zerrütteten Nerven der Kranken zu kurieren, er möge ihr im Interesse Frau Lessings eine Unterredung erzwingen.
Tief beugte Rosa sich nieder und flüsterte Frau Lessing ins Ohr: „Als wir die Kränze im Garten wanden, hatte ich die Schleifen int Alkoven des Sterbezimmers vergessen. Als ich hinaufgeeilt war, sie zit holen, hörte ich „jemanden eintreten, auf leisen Sohlen schleichen, den Solitär vom Finger der Toten streifen, ihn auf den Sargdeckel legen und als ich entsetzt aufseufzte, davoneilen! Als ich mich von der Empörung erholt hatte, steckte ich der beraubten Leiche ihr Eigentum wieder an den Goldfinger und ging in den Garten zurück."
Andern Tages reifte Frau Lessing, die plötzlich genesen war, mit threr Tochter, ohne Abschied zu nehmen, ab. Der Name der Gesellschafterin kam nie wieder über ihre Lippen. Erst als nach Jahresfrist eine Heiratsanzeige eintraf: „ßeutr naut Möbius und Rosa von Helbig", sagte sie ihrer Tochter: „Gratuliere in meinem Namens gefährliche Menschen darf man sich nicht zu FLIP" den machen." . , ..
Die Tochter begriff zwar nicht recht, wieso diy einstige Gesellschafterin gefährlich werden sollte, aber sie schrieb einige artige Zeilen der „Fremden", die sie um einen Teil der Erbschaft gebracht hatte, und als Frau Leutnant Möbius den Brief erhielt, der artig fein sollte und doch so kuhlklc-g, lächelte sie wie damals, als sie die Ohnmächtige fand.
Sie hatte noch öfter Gelegeilheit, so zu lächeln — zum Beispiel, wenn sie das Grab von Fräulein Elaudine Wegener zu schmücken kam uni) immer nur ihre Blumen und ihre Kränze darauf fand.
Präs chm a vor.
Graf Hans Praschma nahm die Wahl dankend an. Ich bin als alter Soldat gewohnt, so führte er aus, Uebertragenes gehorsam zu übernehmen; was ich bitt und vermag, setze ich für dieses ehrenvolle Amt em. (Bravo!) Treue Liebe zu unserer Kirche und unserem Glauben, treue Anhänglichkeit an unseren Heiligen Vater biete ich Ihnen. Wollen Sie mir helfen, so bin ich bereit, vertrauend auf Ihre Begeisterung, das Amt zu übernehmen. Ich vertraue auch darauf, daß das Lokalkomitee, das so gut vorgesorgt hat, auch Wetter mitkelfen tvird, sodaß nichts passieren kann. (Heiterkeit.) Auch die Antoesenheit so vieler werter Kämpen für die katholische Sache macht mir Mut. Vorwärts an die Arbeit! (Lebhafter Beifall.)
Zum Ersten Vizepräsidenten wurde unter lebhafter Zustimmung der Versammlung Kommer- zienrat Franz Müller-Hoberg, Fabrikbesitzer, M.-Gladback, zum Zweiten Vizepräsidenten Dr. med. Burguburu, Stadtverordneter, Straßburg i. Els. vorgeschlagen.
Unter lebhaftem Beifall der Versammlung wurden folgende
Telegramme an Papst und Kaiser abgesandt. Das Telegramm an den Papst lautet: Die 55. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, zu welcher sich viele Tausende treuer Katholiken aus allen Landesteilen unseres Vaterlandes in der Stadt Düsseldorf, in der Erzdiözese Köln versammelt haben, bringt Sr. Heiligkeit dem Papste Pius X., dem Statthalter Christi, in kindlicher Liebe die herzlichen Glückwünsche zum goldenen Priesterjubiläum dar, nachdem sie soeben beim heiligen Opfer Gott den Allmächtigen gedankt, daß er den Heiligen Vater so hoch begnadigt hat. In Ehrerbietung bringt sie dem Heiligen Vater und obersten Hirten und Lehrer den Ausdruck vollen Gehorsams dar und gelobt, in Treue zu wirken für die Freiheit der Kirche und des Apostolischen Stuhles. Als Unterpfand der göttlichen Hülfe für ihre Arbeiten erbittet sie demütig den apostolischen Segen.
Tas Telegramm an den Kaiser hat folgenden Wortlaut:
Ew. kaiserliche und königliche Majestät bittet die 55. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, zu welcher viele Tausende von Teilnehmern aus allen Gauen unseres Vaterlandes zusammengeströmt sind,
Arbeitersekretär Metzer erinnerte daran, daß diesjährige Katholikenversammlung von besonderer Bedeutung sei und darum ganz besonders glanzend zu werden verspreche, weil in diesem Jahre der he,lrge Vater Pius X. den 50. Jahrestag semer Pr,esterwe,he beaehe. Auch die katholischen Arberter konnten natürlich bei einer derartigen Kundgebung der Liebe und Verehrung gegenüber dem Haupte der _ katholischen Christenheit nicht fehlen. Das zetge die lebhafte Be- teittoung der Arbeiter an dem heutigen glanzenden Arbeiterfestzug. Die überaus starke Beteiligung habe gezeigt, daß es neben den vielen Arbeitern, die die Religion bekämpften, noch große Scharen von Mannern im Arbeiterstande gäbe, die sich weder durch schöne Reden ungläubiger Agitatoren, noch durch Be- schimpfung der Geistlichkeit und der kirchlichen Em- richtungen den Glauben entreißen Keßen. Das seien dieselben Arbeiter, die im Rahmen der chrtstlich-natw- nölen Arbeiterbewegung für die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage tätig seien. (Sturm..Beifall.) Die mißliche Lage, in der der Arberterstand sich früher in seiner Gesamtheit befand, ist zum Teil beseitigt worden. Die materielle Lage des Arbeiters hat sich gegen früher gehoben, und zwar durch Staatshilfe und Selbsthilfe. Daß das, was der Staat geschaffen hat, noch nichts Vollkommenes ist, das haben wir ost ge- nug betont, als wir immer wieder Abänderungen und Verbesserungen verlangten. Immerhin aber hat es sckion heute trotz vieler Mängel vielfache Verbefserun- gen gemacht. Und erst recht hat das Mittel der Selbsthilfe Verbesserung gebracht. Fast alle Berufe haben christliche Organisationen, und diese haben sich, znnl Teil durch Kampf, vielfach aber durch friedliche Vereinbarung, durch Tarifverträge, bessere Verhältnisse geschaffen. Es ist uns bei unseren Bestrebungen nicht erspart geblieben, daß man uns den Vorwur muckte, wir seien sozialistisch angehaucht, wir seien gar noch schlimmer. (Sehr wahr! Zustimmung.) Wir können aber konstatieren, daß in der neueren . Zett eine Besserung zu verzeichnen ist. Man hat allmählich verstehen gelernt, daß der Arbeiterstand ein neuer Stand ist, der ,n die heutige Gesellschaftsordnung al eichberechtigt mit den übrigen Ständen eingegliedert werden soll. Das hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Wir wählen Vertreter unseres Standes in die Parlamente und arbeiten so ohne Klossenkampf an der Eingliederung unseres Stande« in die heutige Gesellschaft. Die christliche Arbeiterbewegung steht noch vor gewaltigen Aufgaben. Manches ist zwar schon erreicht. Vieles aber muß noch ge- fcveben, und darum muß die christliche Arbeiterbe- wegtino gefördert werden. Daher ist es unsere Aufgabe, kräftig an der Gewinnung unserer Mitarbeiter zu arbeiten. Das zu tun ist unsere heilige Pflicht. (Stürm, anhaltender Beifall, viels. Händeklatschen.)
namentlich aber zweierlei: Zunächst die Freiheit der Kickbe und des apostolischen Stuhles, tote sie die römischen Päpste immer fest und entschieden für sich m Ausdruck genommen haben; sodann den vollen Gehör- sam gegenüber dem Matthalter Christi, den thr bisher zu eurer größten Ehre an den Tag gelegt hckbt. Smd düse beidm Punkte sichergestellt, dann bleibt es der weisen Einsicht eurer Tagung Vorbehalten, das zu be- sckliesten was den Zeitumständen angemessen und für die Kirche und Staat heilsam und fruchtbringend erscheint Inzwischen legen wir hohen Wert auf die Aufmerksamkeit und Ehrenbezeugung, die ihr uns erweist durch den Beschluß, tn diesem Jahre unser öviähriges Priesterjubiläum mit glanzenden Kundgebungen zu begleiten. Damit aber euer Unternehmen mildem glücklichsten Erfolge abschließe, beten w,r für "üch inständigst um das himmlische Licht zur Erleuchtung des Verstandes tmd um die Kraft und himmlische Gnade zur Stärkung eures Willens. Zum Unterpfand dieser Güter spenden wir euch, geliebte Sohne, und den anderen katholischen Mannern Deutschlands, die sich mit euch versammeln werden, aus liebevollem Herzen den apostolischen Segen.
Gegeben zu Rom bet St. Peter, den 30. .^unt 1908, im fünften Jahre unseres Pontifikates. P t u s, Papst.
Im Anschluß an die Verlesung dieses Schreibens Krackte Landesrat Adatns ein begeistertes Hoch aus den heiligen Vater aus. Landesrat Adams schlug als Präsidenten der Generalversammlung unter lebhaftem Beifall, wie schon mitgeteilt, den Grafen Hans
Zweiter Tag — Montag.
Heute morgen trat der Katholikentag in seine Arbeit ein. Um 8 Uhr fand in der herrlichen St. Rochuskirche ein vom Herrn Kardinal Fischer zelebriertes Pontifikalamt unter Teilnahme der sämtlichen Fahnen der katholischen Korporationen statt. Danach begann im großen Kaisersaal der städtischen Tonhalle die
1. geschlossene Generalversammlung.
Auf der Tribüne haben sich zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten eingefunden. Der Vorsitzende des Lokalkomitees, Landesrat Adams, eröffnete die Versammlung mit einem Rückblick auf die frühere t Düsseldorfer Versammlungen und erinnerte dabei an den verstorbenen Weihbischof Dr. Schmitz, der im Iaht e 1883 als damaliger Düsseldorfer Kaplan in so hervorragender Weise mitgewirkt habe und der in Düsseldorf unvergeßlich sei.
Rechtsanwalt Bewerunge, Düsseldorf, verlas hierauf das Antwortschreiben des Papstes an das Lokalkomitee, welches die Versmnmlung stehend und mit lebhaftem Beifall anhörte. Das Schreiben lautet in Uebersetzung:
Mit großer Freude erfüllt uns eure Mitteilung von den Vorbereitungen zur Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, die in den Tagen vom 16. bis 20. August in Düsseldorf stattfinden soll. Da uns schon längst eure Freudigkeit im Glauben und euer treuer Gehorsam gegen das kirchliche Lehr- und Htr- tenamt bekannt ist, was ihr schon früher oft und besonders in diesen Tagen durch euer ehrerbietiges Schreiben bekundet habt, so zweifeln wir keinen Augenblick, daß die Generalversammlung in Düsseldorf von demselben vortrefflichen Geiste getragen sein wird. Mit gleichem Eifer, womit ihr die Vorbereitungen zur Generalversammlung begonnen habt, werdet ihr nun- mehr auch in männlicher Tatkraft alles befördern, was zum Schutz und Gedeihen der katholischen Sache dient,
Fräulein Elaudine Wegener hatte ein prächtiges Begräbnis gehabt; die Armen hatten sie geliebt, die Reichen hochgeschätzt und verehrt.
Dem Bibliothekar hatte sie das alte Patrfzier- haus vermacht, das mit dem Namen Wegener von alters her verwoben war. Der Kusine Lessing und deren Tochter die Hälfte ihres Barvermögens und den Famrlien schmuck, mit Aufnahme des Goldreifes mit dem Solitär; den wünschte sie mit ins Grab zu nehmen.
Ihrer Gesellschafterin, Fräulein Rosa Helbig, fiel die andere Hälfte des Barvermögens zu und ihr BrWigarn bekam die Villa am Luganer See.
Bibliothekar Franz Wegener war von Frankfurt, Frau Privatiers Lessing mit Tochter von Leipzig eingetroffen. Der erstere hatte kühl und ernst nach der Beerdigungsstunde und Testa- Mentseröffnnng gefragt, und war sehr befriedigt, haß er voraussichtlich noch rechtzeitig seine projektierte Nordlandreise antreten konnte.
Frau Lessing hatte Rosa sehr von oben herab begrüßt, war indigniert über die unelegante und itnmo&erne Einrichtung der altfränkischen Gastzimmer noch mehr, daß nicht im Speisesaal gespeist und im Salon gerastet werden sollte, fon-
wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Kapital, weil wir dieselbe als ein HemmmS wirtschaftlichen Fortschritts oder als eines Menschen unwürdiges Los betrachten, nein weil das Selbstverantwortlichkertsgefuhl, das Pflichtbewußtsein darunter leidet. Unsere Orgam- sationen bekämpfen die Vergnügungssucht und den übermäßigen Alkoholgenuß, sie forbern ernstes Stre- ben und wahre Kultur, sie wirken durch ihre Bildungsbestrebungen in gutem Sinne auf das Familienleben ein Der gut gelohnte und nicht überarbeitete Ar-
;cf m,l{1 .in besserer Gatte und Familienvater, altfein^wiFchaftlich Gedrückter Kollege (Lebh. Beist) Man hat unsere Bestrebungen oft verkannt, weil wir ein neuer Stand sind und nach Anerkennung und Gleichberechtigung auch im öffentlichen Leben ringen mußten. Aber wir schulden es dem Vaterlande, wir schulden es uns selbst, daß wir als Arbeiterstand mit den anderen Ständen gleichgeachtet und anerkannt werden. Wir wollen im praktischen Leben eingegliedert fein in die Gesellschaftsordnung. Unser Sinn richtet sich auf Mitbetätigung ,m Dienste des Gemein- Wohls, wir haben in der Grube und m der Fabrik Solidarität, Korpsgeist und Nächstenliebe gelernt. Wir wollen aber auch gern die andere Stanpestugend: die Berufstreue üben und mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit unfern Platz im Wirtschaftsleben ausfullen. So arbeiten wir mit an der Verständigung der großen Faktoren des Wirtschaftslebens, der Arbeit und des Kapitals. Daher bleiben wir treu unfern Berufsorganisationen, den christlichen Gewerkschaften, treu unseren Standesorganisationen, den katholischen ^ Arbeiter- und Knappenvereinen treu auch der katholgch- sozialen Volksorganisatjon, Lem Volksverem für das jathol. Deutschland. Wir arbeiten und ringen weiter, hoffentlich mit immer größeren Erfolgen zum Segen unseres Berufes, zur Ehre unseres Standes und zum Wohle aller Stände und des gesamten Vaterlandes. (Stürm, anhaltender Beifall.)
„Fräulein Elaudine Wegener ist um vier Uhr sanft verschieden; ohne direkte Erben, wie es den Anschein hat. Ob sie wohl ein Testament zugunsten unserer Stadt und städtischen Einrichtungen gemacht hat?"
Dann kritzelten die Bureaufedecn weiter.
Die junge, muntere Gesellschafterin Fräulein u^iv Wegeners, Rosa v. Helbig, hatte nach vier Ugr" (^nunter, alle Läden am ganzen Hause geschlossen und war nun mit Köchin und Kammerjungfer beschäftigt, all die zahllosen blühenden Blumenstöcke, die bis-
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MonatrbeAage: „FuldüLt SeschlchtMatter $ernfp«$et «r.9.
Heute nachmitag hat das befriedigende Wetter, das eit gestern abend herrschte, uns verlassen. Gerade um die Zeit, da die Teilnehmer in großen Scharen zur Festhalle strömten, ging ein gewaltiger G ewi t- i er re gen über Düsseldorf hernieder, der die Um- gegend der großen Halle sehr schnell aufweichte. ES prasselte auf die Kuppeln und Dächer der Halle und mancher Tropfen stahl sich durch die Ritzen des Bret- terdaueS und netzte die Häupter der Besucher. Bald hier, bald dort öffnete sich ein Regenschirm und an einzelnen Stellen, wo die Dichtigkeit des Daches sehr zu wünschen übrig liefe, sah man Schirm an Schirm. Auch auf der Ehrentribüne, wo Kirchenfürften, Par. lamentarier und die sonstigen Heroen mit Titel saßen, spürte man den Regen und schützte sich durch Aufspminen der Schirme. Eigenartig sah es bei den Journalisten aus, die, unter den Schirmen vergraben, ihrer Berusspflicht genügen mußten. Für die Redner war der niederprasselnde Regen eine empfindliche Stö- rung. Verhältnismäßig nur wenigen von den 10 000 Menschen, welche die Halle füllten, war es möglich, ihren Ausfiihrungen zu folgen. Natürlich litt darunter auch die Wirkung der Reden. Die inhaltlich schöne Eröffnungsrede des Präsidenten ging in dem strömenden Regengeräusch fast ganz verloren. Bevor die Versammlung ihren weiteren programmäßigeN Verlauf nahm, fang man die Lieder: „Wir sind im wahren Christentum" und „Großer Gott, wir loben Dich". Da das Unwetter aber noch immer nicht auf- hören wollte, mußte man wohl oder übel das Pro- gramm weiter abwickeln. Kardinal Fischer Betrat das Podium, fein ohnehin schwaches Organ vermochte sich auch auf kurze Entfernung nicht vernehmbar zN machen. Auch Prof. M a u s b a ch, der nächste Redner, ein Mann mit großen oratorischen Fähigkeiten, könnt« seiner groß angelegten Rede über die Modernisten^ Enzyklika anfangs keine besondere Wirkung verleihens aber allmählich trat eine Verminderung des Regens ein, und die Versammlung konnte mit vollem Genuß sich ben Schönheiten der Mausbach'scheu Rede hinget Ben. Ein rauschender Beifall gab am Schlüsse bet Rebe dem dankbaren Empfinden der Zuhörer über dl« lichtvolle Betrachtung der Enzyklika und ihrer Be-, gleiterfcheinungen Ausdriick. Während der Rede des Herrii Prof. Dr. Mausbach traf das Antwort- telegramm des Kaisers ein, welches auch in diesem Jahre persönlich unterzeichnet und freundlich nuanciert ist. Der letzte Redner, Rechtsanwalt B i t«‘ ter aus Kiel beherrschte mit feiner mächtigen Stimme mühelos die 'Halle. Mochte das Wetter heute nach- mittag auch recht unfreundlich fein, an der guten Stimmung hat dasselbe nichts verdorben.
(Fortsetzung im Ersten Blatte.)
Deutsches Reich.
△ Freidenkerversammlungen sollen als Gegenkundgebung zum Düsseldorfer Katholikentag in der ganzen Rheinprovinz inszeniert werden. Ein ehemaliger katholisches Priester, Joseph Leute, jetziger cand. med. in München, hält die Hauptreden im Auftrage deS ■ Freidenkerbundes. Wir enthalten uns vorläufig , jeden Urteils über diesen Herrn und lassen uns