Maer
35. Jahrgang
Fulda, Montag den 17. August 1908.
M 187
Zweites Wtcrtt
vermischtes
Reklamen- und Anzeigenteil.
T eraenen Teneu vsituurcii un - retae********"^^". d v=UCr<,., Idee nichts fo sehr imstande! ^AlleinigerFabrikant? Joseph Muller.Seife»f»brikljrnbui^J*y
die Richtigkeit meiner
EtztePeützeU, »ei Meder' wird eutspr, vadatt grrvLhrt.
Sotatio«rdr«ckm»d Verlag der Fuldaer M- SeadrsSerei in Fukda LrnlsprecherM.».
* Der Dank des Grafen Zeppelin. Graf Zeppelin versendet folgendes Dankschreiben: „AuS Anlatz meiner Fernfahrt nach Mainz und der Vernichtung meines Luftschiffes sind mir ctuS allen Teilen meines Vaterlandes und selbst aus dem Auslande überaus zahlreiche Beweise der Teilnahme und deS unerschütter- lichen Vertrauens zu meinem Werk übermittelt wor. den. datz ich nicht imstande bin, allen, die meiner so gütig gedacht, persönlich zu danken. Deshalb bitte ich, auf diesem Wege die Versicherung ausdrücken zu dürfen, datz neben meinem eigenen festen Glauben an
Am Donnerstag abend ist seit langer Zeit wieder derParseval-Ballon aufgestiegen und hat in etwa halbstündiger Fahrt den Beweis dafür erbracht, daß auch das Halbstarre System der Motorlustfchiff-„Studiengesellschaft" feine Vorzüge hat. Das Luftschiff gehorchte seinen Steuern in jeder Form; sowohl in der Höhenrichtung wie in den Seitenwendungen konnte ohne Abgabe von Ballast manöveriert und bei der Rückfahrt eine Geschwindigkeit von 12 Meter in der Sekunde — 43,2 Kilometer in der Stunde erzielt werden. Diese Erfolge stehen ja hinter demjenigen Zeppelins zur Zeit noch weit zurück, sie ermutigen aber dazu, auf dem eingeschlagenen Wege fortzuschreiten. Denn auch hier stehen greifbare Ziele vor Augen. Gleichwohl hat am Freitag früh das Luftschiff eine neue Fahrt unternommen, die in etwa drei Stunden zu
war, mich nach dem grotzen Unglück zum Wiederauf, richten und zu schleuniger Wiederaufnahme meiner Arbeiten anzuspornen, als der Gedanke, datz das ganz« deutsche Volk, dem mein Werk von Anfang an gewid- met war, sich hinter mich gestellt und in beispielloser Begeisterung und Opferfreudigkeit mich mit Mitteln ausgerüstet hat, das zerstörte Luftschiff durch ein neues, auf Grund der letzten Erfahrungen weiter der- besiertes Fahrzeug zu ersetzen. Bewegten Herzens spreche ich dem ganzen deutschen Volke meinen innig, sten Dank aus. Ich betrachte eS als meine heilige Ehrenpflicht, mich des Vertrauens, daS man mir entgegenbringt, würdig zu zeigen. Die herrliche nationale Kundgebung fasse ich alS einen Auftrag meines Vaterlandes auf, in der bisherigen Weise weiterzu ar bei. ten. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich damit eine schwere Verantwortung auf mich nehme; aber der Wille des deutschen Volkes, Luftschiffe meines System» als auSerwählte Streiter in den Kampf um die Er- oberung der Luft zu senden, wird mir Mut und Kraft verleihen, unbeirrt auf dem eingeschlagenen Wege fortzuschreiten. Graf Zeppelin.
W,d Feiertage, vftrtrl- »helich«Vtr«Srprtrr »h«e Vriigerlrh« und VefteSgeld in Zulda so« «ie auL«Srtrl.SüM.
Verantw. Btbotttwr.
i. v.r A. Wetzl er-, - sürdreAn^igear
ZstParzeLer in S*M
Der Feftzug
der katholischen Arbeiter«, Gesellen, und Knappenvereine
am nachmittag hat an Grossartigkeit alle seine Vorgänger übertroffen. Es war, als ob das ganze In- dustriegebiet vorüber zöge, als die ungeheure Zahl von nahezu 6000 0 katholischen Männern in geschlossenen Reihen daher marschierte. Die Straßen, durch die der imposante Zug mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel sich bewegte, waren umsäumt von einer dichten Menschenmenge, die jeden Verkehr in? Stocken brachte. Am Jägerhof war eine Tribüne errichtet, von der aus Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer von Köln mit anderen Vertretern der geistlichen und
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er ft er Tag. — Sonntag.
Feierliches Glockengeläute von allen Kirchen der Stadt leitete den heutigen ersten Tag der Generalversammlung ein. Um 9 Uhr folgte in der Lamber- tuSkirche ein Pontifikalamt zu Ehren der Gottesmutter Maria, der Patronin der Generalversamm- lung zugleich Dankamt zum 00jährigen Priesterjubiläum des hl. Vaters unter Beteiligung der Fahnendeputationen der katholischen Vereine Düsseldorfs. Um 11 Uhr folgte dann noch in der Festhalle für die von auswärts gekommenen Festteilnehmer eine h I. Messe mit Ansprache.
Welch eine Völkerwanderung. Aus dem Bahnhofe ergießen sich immer neue Völkerströme. Zahlreiche Extrazüge bringen in jeder Stunde mehrere Bataillone katholischer Arbeiter aus der näheren und weiteren Umgebung, einzelne auch aus weiter und weitester Ferne.
Das Wetter ist der Katyolikenversammlung nicht übermäßig günstig. Zum Katholikentag gehört eigent. lich Heller Sonnenschein. Statt dessen aber lagerte ein grauer Himmel heute morgen über Düsseldorf. Ein Trost nur, daß es nicht regnet und auch nicht den Ein- druck macht, als werde der Festtag verregnen. Die Stimmung indessen verdirbt das Wetter nicht. Sie ist ganz vorzüglich und verspricht a crescendo noch zu steigen.
weltlichen Obrigkeit dem Vorb-izuge zusah Aw tte Svide des Zuges dort eintraf, begrüßte der Präses ^S Düsseldorfer Arbeitervereins, LandtagSabgeordne- Ur Schmitt in einer kurzen Ansprache den Herrn Kardinal. In seiner Erwiderung sprach dieser seme inniae Freude aus über den großen Feftzug; er sehe in dieser Kundgebung einen Beweis dafür, daß die Liebe zur katholischen Kirche gewaltigen Massen der Arbeiter tief ins Herz eingegraben sei. Er schöpfe daraus die Hoffnung, daß der heutige Tag dazu bei- tragen werde, diese Gesinnung zu erhallen und zu be- ^^er' Vorbeimarsch des Zuges dauerte mehr als zwei Stunden Eine Arbeiterversammlung reichte natür- lich für diese Massen nicht aus. Es mußten nicht weniger als
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abgehalten werden, die gleichzeitig in verschiedenen Sälen der Stadt stattfanden.
(Fortsetzung im Ersten Blatte.)
denträaer eingelaufen. An erster Stelle steht unter ihnen SaS Schreiben deS apostolischen NuntmS m München, Frühwirth. DaS Lokallomitee hatte wie Mich ein Huldigungsschreiben an den hei. liegen Vater gerichtet.
Ohne Reste büche end OhniRdil LL'iÄWL«' Geringsten en.-falnffclrt glekhu
TS ist in den letzten Jahren bei den Katholiken- tagen üblich geworden, eine Besichtigung hervor, ragender industrieller Werke für die Presse und einen kleinen Teil besonders tätiger Mitglieder der vorbe- reitenden Komitees zu veranstalten. In Essen war die Besichtigung bei Krupp, in Würzburg folgte dann die Besichtigung der gerade für die Preßleute sounge- wöhnlich interessanten Bauerschen Buchdruckmaschinen, fabrik in Oberzell. In diesem Jahre führte das Lo- kallomitee feine Gäste am SamStag in die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik, die ehemalige Patronenfabrik des jetzigen Geheimen Baurats Ehr-
„Rheinische Metallwaren- und Maschinen- fabrik" und ihr Leiter, Geheimrat Ehrhardt, sind weiteren Kreisen belannt geworden durch die vielfachen Prozesse, in denen Ehrhardt sich über seine Erfindun- gen mit der Konkurrenz-Firma Krupp auseinander, zusetzen hatte. Ehrhardt hatte eine ganze Reihe von Erfindungen gemacht, die zumteil für die Waffen- technik von außergewöhnlichem Werte sind. Besonde- reS Interesse erregte bei den Besuchern die Kanonen- fabrik, wo auch eine Schießmaschine ausgestellt war, die senkrecht in die Höhe gerichtet werden kann, also im Kriege zur Vernichtung von Lufffchiffen gebraucht werden würde. Auf einer Schießbahn, die unter der Erde 100 Meter lang eingerichtet ist, wurde in Gegenwart der Gäste eine Kanone eingeschossen.
einer Umkreisung Berlins geführt hat. Die Strecke der Rundfahrt betrug 88 Kilometer. Die Witterung war durchaus nicht besonders günstig, denn abgesehen davon, daß der Wind eine Stärke von acht bis neun Sekundenmetern hatte, die das Luftschiff leicht überwand, herrschten kurze Böen. Auch Nebe^ schwaden durchfuhr das Luftschiff, und ab uny zu gingen Regenschauer nieder. Obwohl die Hültz selbstverständlich lein Wasser durchläßt, wird st« durch den Regen, der hasten bleibt, stark belastet. Dennoch verlief die Fahrt ohne Störung.
(Der Motorballon Nr. 1 deS Majors Groß vom Luftschifferbataillon, der gestern einen längeren Ausstieg machte, ist jetzt mit einer vollständigen Funkenspruchstation ausgerüstet worden.)
eitung
Monakkllager „Suldaer GeschichtzblStter"
55. Generalversammlung der Kacholiken Dentschlands.
tt. Düsseldorf, 16. August 1908.
Zum brittenmale tagt der Katholikentag in Düs- '4tgum etftenmale tagte sie dort im Jahre 1869 unter dem Präsidium deS Fürsten Karl zu Löwenstein. deS fetzigen Fraters Raymundus, in einer kirchenpolltisch äußerst kritischen Zeit. Der Moabiter Klostersturm hatte eben die gefahrdrohende Lage der katholischen Kirche in Deutschland grell beleuchtet. Eigentlich hatte der Katholikentag in Konstanz swttfindm s°llen, die Abhaltung dort war aber durch den Bürgermeister Stromeher verhindert worden. Da bot sich Düsseldorf ttn Auf dieser Versammlung wurde vor allem auch .ie sozialpolitische Frage scharf in den Vor- .ergründ gerückt, nachdem schon am BegrußungSabend >er Vertreter der Stadt, der damalige Beigeordnete jnb heutige Reichstagsabgeordnete LandeSrat Fritzen trnrauf hingewiesen hatte, dass die geistige und mate- rfklle Hebung der arbeitenden Bevöllerung zugleich die Aufgabe aller wohlmeinenden Männer ohne Unter- schied der Konfessionen und der Gemeindeverwaltungen sei. WaS unmittelbar folgte, war der Kulturkampf, der fo grausam die Hoffnungen der großen 'christlichen Sozialpolitiker zerstörte.
Ms 1883 zum zweitemnale die General-Bersamm- lung in Düsseldorf zusammentrat, war der Kultur- kampf allerdings stark im Abnehmen begriffen, aber der Kölner Erzbischofsstuhl war noch unbesetzt, der staatlich abgesetzte rechtmäßige Inhaber deS erzbischöf- sichen Stuhles weilte in der Verbannung. Die so. zialpolltische Frage behandelte Justizrat Jul. Bachem, indem er nach seiner eigenen Erklärung nur Gedan- kensplitter über die Lösung der Frage geben konnte. Noch fehlte die große, gewaltige Körperschaft, wie wir sie heute im Volksverein für das katholische Deutsch, sand besitzen, welche in so vorbildlicher Weise sich mit bet Förderung dieser weltbewegenden Frage be- schäftigt.
Für die jetzige, die dritte Düsseldorfer Tagung, hat sich die schöne Stadt am Rhein mächtig gerüstet, die Gäste würdig zu empfangen. Die Ausschmückung gibt der vornehmen Kunststadt ein freundliches Aussehen. Auch die F e st h a l l e hat inzwischen ihre letzte Einrichtung und Ausschmückung erfahren. Die alufti« scheu Proben sind gut ausgefallen. Die Halle umfaßt sicher 10000 Menschen. Sie ist die größte ihrer Art. Die Länge beträgt 90 Meter, die Breite 42 Meter. Der Kuppelbau ist ein kleiner Kirchturm, 83 Meter hoch.
Die Liste der Redner, die inzwischen bekannt gegeben worden ist, sieht folgende Redner und Themata vor:
1) Rechtsanwalt Dr. Bitter, M. d. R., Kiel: „Der Segen des Katholizismus"; 2) Direktor Dr. Brauns M.-Gladbach: „Die Selbsthilfe der Katholiken im wirtschaftlichen und sozialen Leben"; 3) Dr. I a n ß e n-Bünnik: „Katholiken und Protestanten in Holland"; 4) Landgerichtsdirektor Laarmann-
Essen: „Wahrung der katholischen Ideale bei der studierenden Jugend"; 6) Landtagsabgeordneter Ober- landesgerichstrat Marx-Düsseldorf: «Die Lage der Katholiken in Deutschland;" 6) Professor Dr. MauS- bach-Münster L SB.: „Die Bedeutung der Enzyklika über den Modernismus besonders für die deutschen jsittholiken"; 7) Professor Dr. Meyer s-Luxemburg: „Die Stellung der Katholiken zur modernen Kunst und Literatur;" 8) Fabrikbesitzer Matthias Wiese- Werden a. d. Ruhr über „August Reichensperger"; 9) Stände rat Wir z-Sarnen (Schweiz): «DaS Papst- tum;" 10) Professor Dr. Zahn-Straßburg: „Frauen- Bildung und Frauen-Betätigung."
Wie immer, so find auch in diesem Jahre schon vor der Versammlung zahlreiche BegrüßungS- schreiben der Herren Bischöfe und kirchlicher Wür-
Major v. Parssvai und sein
PW
Weihe des Bonifatius-Tenkmals am 17. August 1842.
Erzählung ans dem Gedächtnisse einer Fuldaerin.
Den 17. August 1842, vormittags gegen S Uhr, fuhr der Hochwürdigste Herr Bischof Johann Leonard Pfaff in seinem Galawagen vor dem Portale deS hohen Domes an, wo ihn die Geistlichkeit empfing und zum Altäre geleitete.
Nachdem derselbe die bischöflichen Gewänder angelegt hatte, setzte sich die Prozession zu dem Standbilde unter dem Singen des BonisatiuS- liebes in Bewegung. Sie nahm ihren Weg durch die Kanal-, Karl-, Markt- und Friedrich-Straße in folgender Ordnung, wie sie Medizinalrat Dr. Schwarz in seinem schönen Gedichte schilderte:
«Erst kamen zarte Kinderscharen, Dann Schüler, Zünftler, die in Paaren, Umhegt von einem Menschenzaun, Iss Waffen glänienb1) find zu schaun. Sieh' in der Unschuld Schwanenkleide, Mit roten Schleifen an der Seite, Geziert durch Jugend-Blüte, Schönheit, Die Töchter Fuldas mit Girlanden, Dir fie mit reinen Händen wanden, Das Werk zu schmücken sind bereit. Du fragtest, wer die Männer seien. Die wandeln hochgeehrt zu dreien?
Kennst du den hohen Künstler?) nicht. Mit anspruchslosem Angesicht?
Die chm zur Seite fieubig schreiten,-) Entwarfen einst den ersten Plan, ®bwnbenfmal zu bereiten, Santt Bonifaz, dem Gottesmann.
wurde ihr Bemühen, Weshalb sie hochgeehrt hier ziehen. Ernst ao gemessen mit Geflüster, Gebete lispelnd wallen Priester,
t----------
i *) Die Bürgergarde.
r •) Professor Werner Henschel in Kassel.
<. *) Geheimer Mediztnalrat Dr. Joseph Schneider Kd Inspektor Keppler.
Und unter’m Baldachin voll Würde, Der freundlich ernste Seelenhirte, Kommt fromm in der Prälatenmitten, Im BischofSschmnck einhergefchtttten. Wie dieses Buch vor DolcheSspitzeu/) Sankt Winfried einstmals mußte schützen I Wie diesen schlichten Hirtenstab, Der Papst einst dem Apostel gab. Daß er auf mühevollen Pfaden, Zur Stütze diene dem Prälaten, u. s. ro."
Jetzt folgten die hohen Militär« und Zivilbeamten, Oberbürgermeister, Stadtrat und Bür- gerausschuß; den Schluß bildeten Bürger.
Als der Zug auf dem herrlich geschmückten Festplatze anyelangt war, ging der Hochw. Herr Bischof zu seinem Ehrensitze. Längs der Mauer der damaligen Hauptwache waren stufenweise Bänke aufgestellt, welche die Honoratioren und weißgekleidete Jungftauen einnahmen.
DaS Monument war durch einen schwarzen Mantel verdeckt. Als es enthüllt wurde, war alles überrascht von dem wohlgelungenen Bilde, das, von den Strahlen der Morgensonne beleuchtet, sich in seiner künstlerischen Vollendung so herrlich zeigte. Der Hochw. Herr Bischof hielt eine ergreifende Ansprache und weihte unter feierlichen Gebeten und Gesängen das Standbild ein. Dann bewegte sich der Zug zu dem hohen Dome zurück, umwogt von Menschenmengen, die aus nah und fern herbeigefirömt waren. Dort schloß die kirchliche Feier mit einem brausenden Te Deum und dem feierlichen Segen, welchen der Hochw. Herr Bffchof der freudig bewegten Menge erteilte.
Auf der Heimfahrt glitt dem Hochw. Herrn beim Ausziehen der Handschuhe unbemerkt der Ring vom Finger und wurde später auch im Wagen wiedergefunden.
*) Die Reliquien deS hl. BonifattuS wurden im Zuge mitgetragen.
Oberbürgermeister Mackenrod führte nun den Künstler, Herrn Werner Henschel, in Begleitung der beiden anderen Herren in den Rathaussaal, wo die Jungftauen ihn mit einem Ge- dichte begrüßten und ihm einen Lorbeerkranz überreichten.
Hierauf geleitete der Oberbürgermeister die drei Herren in den Pult'schen Saal zu einem Festmahle, an welchem auch die Beamten der Stadt teilnahmeu. Den Jungfrauen aber überbrachte ein Stadtdiener das Festgedicht und die Einladung zu einem Balle, dec ebenfalls im Pult'schen Saale stattsand und bei welchem auch der Künstler anwesend war. Dieser bildete den Schluß der weltlichen Feier, die Oberbürgermeister Mackenrod geleitet hatte.
ZurDeckung der Kosten trugen auch die Frauen und Jungftauen der Stadt ihr Scherflein bei, indem sie durch kunstvolle Arbeiten ihrer Hände eine Lotterie veranstalteten. So verlief ein freu- diges Fest für unsere Stadt in den guten alten Zeiten.
— Die Kinderkrankheiten großer Erfindungen. Zeppelins große Fahrt hat zwei unvorhergesehene Unterbrechungen erfahren. Hat er damit erwiesen, daß er auf freiem Felde und ohne besondere Hilfsvorrichtung landen kann, was gewiß erfreulich ist, so werden andrerseits Zweifel austauchen, ob Graf Zeppelin die beabsichtigte 24- Stundenfahrt überhaupt vollbringen kann. Es klappt auch in ausprobierteren Dingen in der Technik selten auf das erstemal. Wer da weiß, wie wenig dazu gehört, um mitunter die erwartete Leistung nicht zustande kommen zu lassen, der wundert sich nicht darüber, daß die Fernfahrt des Grafen Zeppelin nicht gleich beim erstenmal gelang. Es kann beispielsweise eine kleine Deformation im Rahmen der Maschine oder im Gerüst des Ballons kleine Verbiegungen der Wellen oder
der Lager zur Folge haben. Einige Zehntel Millimeter genügen, um das Lager zum heißlaufen zu bringen. Wenn man den „wunden Punkt" erst kennt, genügt es, dem Lager ein bis zwei Zehntel Millimeter mehr Spielraum zu geben, oder eine weitere Versteifung anzubringen und die schädliche Wirkung ist beseitigt. Derartige Möglichkeiten sind unzählige vorhanden. Es sind die Schwächen, die sich erst im forcierten Dauerbetrieb geltend machen, es sind die Erfahrungen, die erst gemacht werden müssen, es find die Kleinigkeiten, die die letzte Stufe zum Erfolge bedeuten. Ohne sie geht es aber nicht. Sie haben schon manche Paradeleistung in der Technik vereitelt, sie können aber, weil fie eben nur ßleintg- ketten sind, der Sache selbst nichts anhaben. Sie verschieben nur den endgültigen ErfolK aber sie sichern ihn auch Geister, die das Böse wollen und doch Gutes schaffen! Diese kleinen tückischen Geister scheinen auch Zeppelins große Fahrt gestört zu hcwen. Aber diese Hemmnisse sind keine Fehler, die dem System eigentümlich sind, es sind Kinderkrankheiten, die nicht lebensgefährlich sind; die aber auftreten müssen, um beseitigt zu werden.
* Eine Kanzleiblüte hat die „D. Reichsztg." der Wirklichkeit entnommen und empfiehlt sie zur Nachahmung: „Bericht. Der . . . T . . hat bei dem.....gewohnt. Nachdem derselbe
auch hier .... ein Verbrechen begangen hat, ist derselbe, nachdem Anzeige gegen d e n s e l b en erstattet wurde, am 28. 10. 04 flüchtig geworden. Derselbe soll sich nach Berlin gewandt ^oben und dort in Herbergen logieren. Em Festnahme desselben konnte daher, hrer (Entschieden in „dahier zu verbessern!) nicht mehr er«
Kenner. Richter: Nach Aussage dieser zwei Zeugen hat Ihnen der Angeklagte eine Ohr- seige versetzt! Wie können Sie demnach behaupten. Sie hätten zwei Ohrfeigen erhallen?' — Kläger;
war allerdings nur eine Ohrfeige, aber was für eine! Unter Brüdern wär die zwei rittttl*