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MaerW Zeitung
Mch-Nbeiiage: .Illustrierte Sonntagrzeitung" ^stesSsiP’ Monakbellage: „Fuldaer GeschichtrbMer"
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^tatisurbrnSnvb Verlag der Fuldaer Ak. tiendrvckerel in Folbq Fernsprecher Br. 9.
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JW 186.
Fulda, Freitak den 14. Auaust 1908.
35. Jahrqanq.
Wegen des Feiertags Maria Himmelfahri wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Montag ausgegeben.
(:) Offiziersehre.
Der Duellzwang in unserem Heer hat wieder einmal ein Opfer gefordert. Es handelt sich um einen sehr krassen Fall, den man geradezu als ein Schulbeispiel gegen den Duellzwang de- zeichnen kann. In Berlin wurde vor wenigen Tagen ein Redakteur wegen Beleidigung eines Offizier- — er hatte diesem eine Ohrfeige verletzt — zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Offizier aber mußte, da der Beleidiger ihm die Genugtuung mit der Waffe verweigerte, seinen Dienst quittieren. Obwohl er der Beleidigte war, hat ihn gleichwohl die schwerste Strafe getroffen: da» Ehrengericht erklärte ihn der Stellung eines Offiziers für unwürdig.
Ein solcher Spruch kann niemanden wundernehmen, der die Anschauungen in unseren OsfizierS- kreisen kennt. Nur weil ein junger Offizier von einem Krakeelsüchtigen geohrfeigt wird, und er infolge der Weigerung deS Beleidigers nicht imstande ist, die ihm angetane Beleidigung mit Blut abzuwaschen, ist er nicht würdig, länger dem Offiziersstande anzugehören . . . Man müßte lachen, wenn es nicht gar so traurig wäre.
Der genannte Fall ist übrigens auch sehr geeignet, wieder einmal daS Widersinnige des DuellzwangS darzutun. Gesetzt der Fall, ein Arbeiter hätte dem Offizier eine Ohrfeige versetzt. WaS wäre bann geschehen? Ein Arbeiter ist bekanntlich nach den Ehrbegriffen unfereS Offizierskorps nicht fatisfaktionsfähig; em Duell hätte also nicht statlstnden können. Was hätte der Offizier nun tun sollen? Fordern kann er ihn nicht, also muß er den Abschied nehmen. Auch der wärmste Anhänger des Duells wird uns zugeben müffen, daß hierin eine schwere Gefahr für unfern Osiiz erSstand liegt, ganz ab. gesehen von der Härte, welche in dem Verfahren liegt. Wenn man in einem Falle, wie dem vorliegenden, einen Offizier persönlich haftbar machen will für eine ihm widerfahrene tätliche Beleidigung, dann könnte ja eigentlich kein Offizier sicher über die Straße gehen ohne befürchten zu müffen, plötzlich die Verabschiedung zu erhalten. Denn es ist doch kein Offizier sicher, daß er ohne jedes ergene Verschulden nicht von irgend einem Rauf- bold auf der Straße insultiert wird.
Nun könnte man ja einwenden, daß der Offizier in einem solchen Falle von seiner Waffe Gebrauch machen mutz; ganz richtig, wenn ein tätlich beleidigter Offizier seinen Beleidiger einfach niedersticht, dann ist seine Ehre wiederhergestellt. Also ein Totschlag — milder könnte man die Tat des Offiziers nicht bezeichnen—, würde ihm die Ehre wiederherstellen. Da- ist doch geradezu widersinnig. Aber was dann, wenn, wie es in dem oben erwähnten Berliner Fall war, der Offizier in Zivil ist? Soll er sich dann etwa zur Widerherstellung seiner Ehre mit dem Beleidiger Herumbalgen? Und selbst wenn er da- tun würde, würde er dann seines Offiziersstandes würdig bleiben? Wir glauben nicht.
Man sollte glauben, das auch in Offizierskreisen sich endlich allgemein die Ueberzeugung Bahn brechen würde, daß der Duellzw anl geradezu ein grober Unfug ist. Wir müssen immer wieder fordern, daß dieser Zwang auf- hört und daS so schnell wie möglich. Und welche Härte liegt nicht in dem heute immer noch beliebten Verfahren! Die Dienst enllaffung eines Offizier- bedeutet eine Vernichtung großer Lebenshoffnungen und gar zu häufig auch eine Vernichtung der ganzen Existenz. Wir wollen hoffen, daß der erwähnte Berliner Fall mit dazu beiträgt, daß endlich ein Wände in den Ehrensatzungen des Offizierskorps veranlaßt wird: die Beseitigung deS Duellzwanges.
Deutsches Reich.
= Im Kriegsministerium soll nach einem Berliner Mittagsblatt ein Wechsel bevorstehen. j). Einem fühle sich der kommenden Reichstagskampagne gesundheitlich nicht mehr gewachsen. Diese Nachricht klingt um so glaubhafter, als bekanntlich der Kriegsminister wegen Kränklichkeit schon im vergangenen Winter bei der Etatsberatung sein Ressort nicht wahrnehmen konnte. Nach demselben Blatte soll er nach seiner Demission daS 10. Armeekorps erhalten, dessen gegenwärtiger Kommandeur, Generaladjutant v. Löwenfeld, mit dem Kommando des Gardekorps betraut werden soll. General v. Reffei, der gegen- wärtige Kommandeur deS Gardekorps, dürfte nach den Manövern abgehen. Als Nachfolger deS KriegSministerS wird Generalleutnant Gall- witz, Kommandeur der 15. Division in Köln, genannt. Da dieser nicht von Adel ist, so wäre er der erste bürgerliche Kriegsminister in Preußen.
* Gegen die Steuer auf Kraft und Licht erklärt sich mit aller Entschiedenheit die »Freisinnige Zeitung' (Nr. 189 v. 13. 8. 08). Sie ruft die Städte, die Handwerker und die Großindustrie zum Kampfe gegen diese Steuer auf; hoffentlich ist man im Freisinn noch im kommenden Winter dieser Ansicht.
■fr Ausschluß des Zentrums. Der freikon- servalive Abg. Dr. Arendt stellt in der,Tägl. Rundschau', also am richtigen Platze, die Forderung bezüglich der Reichs - Finanzreform auf: „Würde die Rechte oder würde die Linke den Block preisgeben und dadurch Zentrum und Sozialdemokratie stärken, so würde die Wählerschaft zweifellos Vergeltung üben. Rechte und Linke sind in gleicher Weise an den Block gebunden. Die Rechte hat zwar die Möglichkeit, die Brücke zum Zentrum herzustellen, und ich fasse den Block- zedanken nicht so eng auf, daß ich jedes Zusam- nengehen mit dem Zentrum in Einzel fragen abweise. Doch in den nationalen Lebensfragen muß der Block dafür sorgen, daß es im Reiche auch ohne das Zentrum geht. Deshalb muß bie Reichs-Finanzreform ohne daS Zentrum gemacht werden." Abg. Dr. Arendt hat von den Reichs- Finanzverhältniffen keine Ahnung, wenn er schrei , t, daß der Block tm kommenden Jahre der Finanznot „ein Ende" bereiten werde. Wenn der Block )ie Vorschläge Sydows annimmt, dann ist die Finanznot höchstens auf 2—3 Jahre beseitigt, aber nicht länger. Will der Block das Zentrum ausschließen, gut, wir klagen nicht darüber; aber man mache dann dem Zentrum keinen Vorwurf, wenn eS auch nicht mitlut: man sage es uns nur offen, was man zu tun beliebt.
(*) Die Einführung landwirtschaftlichen Unterrichts im preußischen Heere ist nach einer Berliner Korrespondenz nach bayerischem Muster beabsichtigt. Der Unterricht soll fakultativ sein, nur in den Freistunden nach dem Tagesdienste statlstnden, nicht mehr als 2 Stunden in der Woche beanspruchen und der Heeresverwaltung keine Kosten verursachen. Angeblich werden bereits im kommenden Winter dem Reichstage bestimmte Pläne in dieser Richtung unterbreitet werden.
.-. „Er schnuppert Jesuiten" „Vossische Ztg." und „Tägl. Rundschau." haben die furchtbare Entdeckung gemach', daß im Hedwigs- krankenhause zu Berlin einige Jesuiten wohnen, die sich dem Studium an der Berliner Univer- sität bingeben, vielleicht auch einmal predigen. Das ist nun diesen Leuten derart in die Glieder gefahren, daß sie Polizei und Staatsanwalt zu Hilfe rufen. Die ängstlichen Leute haben nur vergeffen, uns zü sagen, gegen welches Gesetz sich denn die Jesuiten vergangen haben sollen. Es ist aber sehr bezeichnend, wie die Kulturkampfeslust hier ihre Opfer holen will.
Ausland,
* Geschützexplosion auf einem französischen Schulschiff. Die französische Marme ist abermals von einem schweren Unfall betroffen worden. Im Hasen von Toulon explodierte während der Schießübungen auf dem Schulschiff „(Soutonne" ein Geichütz, wobei sechs Matrosen getötet und zwölf schwer verwundet wurden.
* Das türkische Wahlgesetz ist den Verwaltungsbehörden zugegangen. Die Wahlen erfolgen indirekt. 500 ober wenigstens 250 Urwähler entsenden einen Wahlmann. Die Wahlkreise decken sich mit den Sandschaks (Statthalterschaft). Auf ötiOOO männliche Einwohner entfällt ein Abgeordneter. Diejenigen Sandschaks, in welchen die Zahl der männlichen Einwohner 50000 nicht erreicht, ent len den einen Abgeordneten, wenn sie wenigstens 25000 beträgt. Die weiteren Grenzen sind folgende: Sandschaks mit 5000U bis 75000 männlichen Einwohner erhalten einen Abgeordneten, mit 75 000 bis 125000 zwei Abgeordnete, bis 175 drei, bis 220 vier Abgeordnete. Das aktive Wahlrecht erlangt jeder selbständige, im Besitze der bürgerlichen Rechte stehende Ottomane mit zurückgelegiem 25. Lebensjahre, falls er irgend eine Steuer entrichtet. Auch aktive Militärperfonen sind wahlberechtigt. Das passive Wahlrecht ist durch ein Mindestalter von 30 Jahren bedingt. Staatsämter und MinistersteUen sind mit der Ausübung des Abgeordnetenmandates unvereinbar. Die Wahlen werden durch eine Wahlkommission ohne Mitwirkung der politischen Behörden geleitet.
* Der Schah von Persien soll doch an seinem rüheren Versprechen, dem Lande die parlamen- arischeVerfassun zu erhalten, festhalten. Wie eht gemeldet wird, foll das Parlament bereits am 1. November zrsiammentreten. Diese Nachricht wird großem Mißtrauen begegnen, zumal man bis jetzt noch nicht vernommen hat, daß irgendwelche Schritte von der persischen Regierung zur Vorbereitung der Wahlen unternommen wor- den sind. Und sicherlich bedarf es umsomehr einer ängeren Vorbereitung der Wahl, wenn der Schah ein ihm gefügiges Parlament erhalten will.
Unpolitische SeUISnse.
<") Berlin, 13, August 1908.
(Nachdruck verboten.)
Wenn ich doch den Glockenklang durch einen Fernsprechdraht an das Ohr jedes Lesers bringen könnte! Oder wenn ich jedem eine Grammophonplatte zuschicken könnte, die ihm das Zimmer mit Zehlendorfer Glockenklang füllte!
Die Zehlendorfer Katholiken schicken sich nämlich zum Erntefest an, und zur Teilnahme an der Freudenfeier sind berufen und geladen all' die Tausende von wohltätigen Lesern, die für den Kirchbau in Zehlendorf einen Beitrag gestiftet haben. Die Saat ist auf gegangen; die Frucht ist reif. Der Kirchbau ist vollendet. Am 6. September foll Kirchweihe fein; der Fürstbischof von Breslau, Kardinal Kopp, wird perfönlich die Konsekration vollziehen. Als Vorfeier findet an diesem Sonntag die Glockenweihe statt. Dan» wird die breite Glockenftube im Turm, die jetzt noch einen freien Durchblick bietet, ihre Füllung erhalten. Wenn wir zum erftenmale die Glocken schwingen lassen, so möge ihr Geläute chmausrufeu: Ehr_und Dank! Ehr und Dank! Ehr dem Herrn in der Höhe und Dank allen Guten im Lande, die uns geholfen haben.
Es gab eine Stichwahl: Orgel oder Glocken? Zu beiden Tonwerken zugleich reichten die Mittel nicht (wie ja überhaupt an der Ausstattung noch manches auf den Spender wartet). Aber wir sagten uns: Ohne Orgel können wir uns eher behelfen, als ohne Glocken. Das kleine, alte, dielgewanderte Harmonium wird freilich in der hohen Kirche recht dünn Hingen; doch mag die Gemeinde um so lauter fingen! Doch ein stummer Turm — das wäre schrecklich.' Da säßen wir ja gedrückt und trübselig da, als wenn alle Tage stiller Freitag wäre. Die neue Kirche ftnd die zugehörige Gemeinde würde gar nicht für »voll" erachtet werden, wenn sie keinen ©loden- put von sich geben könnte.
Ein moderner Mann, der alles mit dem Me- terftock der nüchternen Zweckmäßigkeit mißt, sagte mir einmal, die Glocken seien zwar sehr nützlich gewesen zu der Zeit, als die Leute noch keine Uhren hatten, aber jetzt, wo sich jeder nach seiner Haus- oder Taschenuhr richtet.sei die Einladung durch Glockengeläut nicht mehr nötig. Dis Bahnhofsglocken, meinte er, seien schon abgeschafft, und die Kirchenglocken wären auch nicht mehr zeitgemäß. Ich fragte den trockenen Herrn ob er denn Schi11er's Lied von der Glocke nicht kännte. Ach, sagte er, auf der Schule hat man uns mit dem Versgeklingel viel zu viel gequält; ein Kulturmensch der Neuzeit läßt sich von dem unartikulierten Bumbam nicht einlul- len! — Ich wollte ihn erst noch an das Uhland- sche Sonntagslied erinnern, wo erst die Morgenglocke die weihevolle Stille auf der Flur vorbereitet; aber ich fah, daß bei dem vertrockneten Munn Hopfen und Malz verloren war. Glück- Iicherweise bilden solche Dürrherzen doch nur Ausnahmen. Das Volk im ganzen hat noch Sinn für den erhebenden Glockenklang. Sogar die Berliner. Wenn dort Sonntags die Glocken von den Turme« herab ihre feierlichen Töne in das ^'■£?^ngercmfcb schicken, so kann man beobachten tote dre Straßenganger aufblicken und aufhorchen tote auf manches Gesicht sich ein sinnender Ausdruck legt. Allerdings sieht es dort mit der Füllung der protestantischen Kirchen nicht glänzend ans; doch regen zweifellos die Glockenklänge vielfach eine edle Empfindung, einen höheren Gedanken, eine erfrischende Erinnerung an Und dabei ist in der Stadt Berlin der Glockenklana längst nicht so wirksam, wie in den Vororten nadi Art Zehlendorfs. In der Großstadt verschlucken die hohen Häuser den Ton und der Straßenlärm erstickt ihn. Draußen kann er weithin Hingen und das ganze Gememdegebiet oder doch einen sehr großen Teil mit erhebendem Wohllaut füllen.
Als im vorigen Jahrzehnt mitten in Berlin eine katholische Kirche mtt Ach und Krach auS
Bettelgeldern erbaut war, mußte man einige Jahre auf das Geläut verzichten, weil das Geld fehlte. Als der Pfarrer nun endlich die Ankunft der Glocken verkündete, da erhoben einige andersgläubige Anwohner Einspruch gegen die bevorstehende Läuterei; sie hatten nämlich gehört, daß die Katholiken sehr oft und schon recht früh am Morgen läuteten, und befürchteten Ruhestörung, Schlafverkürzung, Mieter-Verscheuchung rc. Die Glocken kamen und Hangen; von dem Protest hat man aber nichts weiter gehört. Die Nachbarschaft ist durch Erfahrung klüger geworden.
Die Glocke ist eine alte Erfindung und in ihrer vollkommenen Form ist sie ein mittelalterliches Meisterwerk. Das Mittelalter gilt vielen Leuten als eine überwundene Zeit der Rückständigkeit. Und doch sind die mittelalterlichen Glocken auch in der jetzigen Zeit der fortgeschrittenen Technik unübertrefflich. Die Aufgabe ist: einen starken, weithin schallenden Ton zu erzeugen, der zugleich wohlklingend ist und auf die Nerven nicht reizend, sondern beruhigend wirkt. Unsere modernen Sirenen lasten freilich an durchdringender Kraft nichts zu wünschen übrig, aber ihr Ton ist eine Qual für das Ohr und eine Folter für die Nerven. Die alte Glocke dagegen weiß Kraft und Schönheit, Wucht und Frieden in wunderbarer Harmonie zu bereinigen. An der überlieferten Form der Glocke ist gar nicht zu rütteln. Man macht freilich den Versuch, die altehrwürdige Glockenspeise (Kupfer und Zinn in geschickter Mischung) durch Gußstahl zu er- seyen; aber nach meinem Gefühl geht der Gutz- stahlglocke jene behagliche Fülle des Tones ab, durch die sich die Bronzeglocken auszeichnen. Eine weitere Neuerung ist der elektrische Antrieb beim Läuten; auch das imponiert mir nicht. Es muß erst langsam eine Glocke nach der anderen eingeschaltet werden, und bann hat die ganze Be- weguny ettoas gleichmäßiges, schematisches, während die Menschenarme bald etwas stärker, bald etwas schwächer, bald etwas schneller, bald etwas langsamer anziehen Md so stets neue An- und
Der Strett zwischen den Niederlanden und Venezuela nimmt, wenn die neuesten Stach- richten aus der südamerikanischen Republik nicht täuschen, so scharfe Formen an, daß man wohl auf ein energisches Eingreisen der von der holländischen Regierung ausgebotenen KriegSflottill, rechnen muß. AuS Curacao mit der Post eingetroffenen Meldungen zufolge wurde die holländisch« Barke „Justicia" von einem venezolanischen Küstenivachtschiff beschlagnahmt und nach Puertocabello geschleppt, wo die Besatzung ohne irgendeine Ursache ins Gefängnis geworfen wurde und viel auszustehen hatte. Später wurde die Barke und die Besatzung ohne Entschuldigung entlasten. Die Preffe von Curacao fordert immer nachdrücklicher Repressalien gegen Venezuela.
* Bereinigte Staaten. Ein neuer Ausbruch des Raffenkampfes droht in Virginia. In Port- mouth herrscht wegen verschiedener, von Negern gegen Weiße begangener Missetaten ungeheure Aufregung. Eine Frau wurde von einem Neger, besten Name noch nicht festgestellt ist, überfallens ein anderer Schwarzer tötete einen Schutzmann. Fünftausend bewaffnete Bürger sammelten sich in den Straßen, um sich der gefangen gesetzte« Farbigen zu bemächtigen und sie zu lynchen. Dies wäre ihnen auch sicher gelungen, wen« nicht ein Aufgebot von drei Kompagnien Infanterie die wütende Menge in Schach gehakte« hätte. Man befürchtet aber, daß eS doch Übel kurz oder lang zu einem Gemetzel zwischen Weiße« und Schwarzen in der Gegend kommen dürfte.
* Zu einer Meuterei kam es in Mitte!« china. Es meuterten 1000 chinesische Soldaten in Konghan bei Wushow wegen Verhaftung eineß Kameraden, der beim Spiel betroffen wurde, ermordeten ihren Kommandeur sowie mehrere Offiziere und griffen schließlich das Militärlager bet Jnyung an, dessen Besatzung die Flucht ergriff. Die Meuterer plünderten sodann den Ort und vereinigten sich mit den Rebellen der Tsing-Borge,^ Gegen die Meuterer sind Truppen entsandt wor«' den.
volkswirtschaftlicher und 5ozialer.
** Die Stettiner Nieter scheinen angesichts der energischen Maßregeln der Arbeitgeber zum Nachgeben geneigt zu sein. Die Vulkandirekt io« veröffentlichte am Donnerstag einen Maueranschlag, wonach der Arbeiterausschuß mitgeteill hat, daß die Organisation der Nieter und de- Metallarbeiterverbandes ben Streik für benbd erklärt haben. Damit treten die zwischen brt Direktion und dem Arbeiterausschuß und der Nieterkonufston Ende Juli getroffenen Vereinmrungen in Kraft. Freitag früh wird dement- prechend bereits ein Teil des Betriebe» versuchsweise wieder ausgenommen. Ma« cheint also den Mietern doch noch nicht so recht zu trauen. Nach den letzten Meldungen soll am Freitag der ganze Betrieb aufgenommen werden,
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Aus Uirche und Schule.
* Der neue Generalvikar des ArmeebischofS. Zum Generalvikar des hochwürd. Herrn Armee- bstchofS Dr. Volkmar ist der hochw. Herr Militär-Oberpfarrer Dr. Leinz, Militärpfarrer des 16. Armeekorps, ernannt worden. Gleichzeitig mit der Berufung zum Generalvikar ist Herr Dr. Leinz alS Militär-Oberpfarrer zum Garde-
Abschwellungen sowie mannigfaltige Verschling- ungen der Glockentöne hervorbringen. Ich denke immer noch gern daran zurück, wie ich als Schuljunge mich auf den Kirchturm schlich, wenn mittags für einen Toten geläutet wurde, und meine junge Kraft erst an der kleineren und später an der großen Glocke versuchte. Unfallverhütungs- Vorschriften gab es damals noch nicht, und wir freiwilligen Läutebuben müssen wohl einen Schutzengel mitgebracht haben, denn sonst hätten wir eigentlich mal von den schmalen Standbrettern in die gähnende Tiefe fallen müssen. Ob ich an den neuen Zehlendorfer Glocken auch noch einmal meine eingerostete Läutekunst versuchen foll?
Weich' hohen Wert die Kirche auf die Glocke legt, ersieht man aus der feierlichen Weihe dieser klangvollen Geräte. Ein zermonienreicher Weiheatt, der sich in drei Stufen gliedert: 1. Abwaschung mit geweihtem Wasser, 2. Salbung mit Krankenöl und Chrisma, 3. Räucherung mit wohlriechenden Stoffen. Wer die Sprache der Glocke recht verstehen will, muß den dreifachen Weiheakt auf sich selbst zurückwirken lasten, Di« Glocke, welche die Christen zur Kirche ladet, rüst ihnen zu: Waschet ab eure Sünden im Bad der Buße, salbet euch mit der heiligmachenden Gnade, dann werden eure Gebete und Opfer ein Wohlgefallen vor dem Herrn fein.
Die Glocke, so heißt es in einem weit Verb reiften Handbuch für Seelsorger, ist die Zunge, die Sprache der Kirche. Der Kirchturm tft ein Sinnbild des wachenden und schützenden Hirten- aints; die Glocken geben ihm die weitschallende Stimme. Es ist die Stimme des Rufenden, deS Warners, des Lehrers, deS Trösters. Eine Stimme von der Höhe, die zwischen Erde und Himmel vermittelt.
Die wuchtige Sprache der Glocken ist sehr einfach, aber inhaltsreich für den, der sie versteht. Sie darf nicht im Ohre stecken bleiben, sondern muß zum Herzen gehen. Wenn Du auf dem Kirchweg bist und die Glocken Dir so warm entgegenschallen, so denke nicht blos an den Zeit-