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ÄÄ’Ä- w-ch-Mllage: „Illustrierte Zormtagrzeltung

Fulda, Donnerstall den 13. Auaust 1908.

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Veravtro. Redakteur.

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Deutsches Reich.

* Der Kaiser ist gestern im Sennelager ein» getroffen und wohnte den Kavallerieübungen bei.

* Von der Monarchenbegegnung in Kronberg berichten Augenzeugen, daß beide Monarchen eine ungewöhnlich heitere Stimmung zur Schau tru­gen. Sie waren besonders aufgelegt, als sie zu­sammen durch die mit Flaggen reichgeschmückte Stadt vom Bahnhof nach Schloß Friedrichshof im offenen Automobil fuhren. Auch auf dem Bahn­hof schon ging die Unterhaltung lebhaft zu. Alle Anwesenden waren wie der Kaiser auffallend gu­ter Laune. Dazu hatte allerdings König Eduard selbst sein Teil beigetragen. Ter König war viüer seine Gewohnheit nicht im Zivilanzug, fon» bern in Uniform und zwar in der seines deutschen Regiments, der Stolper Husaren, erschienen. Da nun König Eduard in militärischen Fragen weni­ger bewandert ist, als in denen der Mode, ander­seits aber auch keinen Anstoß erregen wollte, so fragte er am Abend vor der Zusammenkunft tele­graphisch bei seinem Neffen an, ob die weiße Hose zur Attila bei der Ankunft vorschrifts­mäßig sei. Das erregte natürlich große Heiter- keit. Auch beim Empfang sah es diesmal anders aus, wie gewöhnlich. Man hatte auf die großen äußeren Zeremonien verzichtet und nicht einmal eh e Ehrenkompagnie beordert. Ohne Formalitä­ten fuhr man im Automobil zum Schloß. Kein Truppenspalier wurde gebildet, nur die Schul­kinder standen da mit englischen und deutschen Flaggen. Der Schloßpark war auf das strengste abgesperrt. Nach dem Frühstück unternahmen die beiden Monarchen einen kurzen Spaziergang in ben Schlosspark. Dann wurde eine Automobil­fahrt nach Homburg gemacht. Es fand sich in« « wischen auch für beide Herrscher Gelegenheit zu Interredungen unter vier Augen. Auch die 33er- reter der deutschen Regierung, sowie der engli- chen verhandelten eifrig untereinander. Staats­ekretär von Schoen, dessen Gesundheitszustand es anscheinend noch nicht erlaubt, war nicht zugegen. Im Namen der deutschen Regierung führte der Darmstädter Gesandte Herr v. Nücker-Jenisch, der Detter unseres Reichskanzlers, die Konferenz, auf Seiten Englands der Nnterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes Hardinge.

— Ein Besuch König Eduards in Berlin. In der Cronberger Zusammenkunft ist vereinbart worden, daß König Eduard nach Berlin kommen wird. Es ist wahrscheinlich, daß König Eduard die Reichshauptstadt, Anfang 1909 besuchen und es ist gewiß,, daß Königin Alexandra ihn begleiten wird. König Eduard hat die Initiative zu die­sem „Besuche ergriffen, indem er dem Kaiser ge­genüber seinen Wunsch kundgegeben hat, nach Ber- lin zu kommen. Ter König will die Behauptung entkräften,daß er die deutsche Hauptstadt meide, während er Staatsbesuche in so vielen europäi­schen Hauptstädten gemacht hat und die aus dieser Auffassung gezogenen Schlüsse über seine Gesin­nung gegenüber dem Deutschen Reich hinfällig machen. Uebrigens hat, wie versichert wird, schon vor vier Jahren König Eduard nur auf den aus­drücklichen Wunsch des Kaisers Wilhelm seinen Besuch in Kiel statt in Berlin abgestattet. Nach dem Londoner Besuch des deutschen Kaisers und der Kaiserin im vorigen Herbst ist übrigens ein Gegenbesuch des Königs Eduard und der Königin Alerandra schon durch die Gesetze der höfischen Etikette geboten.

* Der Staatssekretär des Auswärtigen, v. Schoen, hat sich mit Urlaub nach Bav rn be­geben. -x

5 Eine Denkschrift über die Reichsfinanz- reform soll nach den Meldungen einer Berliner Korrespondenz ausgearbeitet und den Blockführern übergeben wo den sein; diese enthalt« Mittet-

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

te] (Nachdruck verboten).

Kemp versprach dies zu tun.

Nachdem , der Baronet ihn entlassen hatte, be­gab er sich in den Stall, sattelte sich ein Pferch und zehn Minuten später ritt Kemp zu Tor hin­aus tn der Richtung nach Ardleigh zu.

Nach Verlauf einer halben Stunde war Kemp daselbst cngclangt, stieg im Gasthaus „Zu den tret Kronen" ab, begab sich in das Gastzimmer und bestellte für sich ein Glas Wein. Während >er Wirt das Gewünschte holte, musterte er die itblreid) anwesenden Gäste auf's sorgfältigste, bis rin Blick auf der von ihm gesuchten Person alten blieb.

Als der Wirt den Wein brachte, bezahlte er denselben, trank die Hälfte aus und entfernte sich wieder, um seinen Herrn noch heute von der An­wesenheit des Frettchen in Kenntnis zu setzen.

Unterdessen war Brander wieder vom Advo­katen zvrückgekehrt und berichtete seinem 33ater, daß der Besitzer der Rogfarm vom Verkaufe der­selben Abstand genommen habe, was Sir Harry anscheinend befriedigte.

. Nachdem Brander noch über Verschiedenes mit seinem Vater gesprochen, setzte er sich zu Ella, um, wie immer, mit ihr zu musizieren und als sie dessen müde waren, führte Brander seine Braut nach dem Divan und nahm an ihrer Seite Platz. Er erzählte in seiner ansprechenden Weise und Ella hörte lächelnd zu, während ihre Gedanken sich mit anderen Dingen beschäftigten und ihr Herz von Kummer zernagt wurde.

Wie weit entfernt von ihrem erhabenen Ideal war doch dieser falsche Mensch, den sie, weil sie ihn mit ihrem Ideal identisch gehalten, eine kurze Zeit lieben zu können geglaubt hatteI

Um acht Uhr wurde ber Tee gebracht und um ,heu:t Uhr zog sich Ella in ihre Privatzimmer zu­

lungen über die voraussichtliche Entwicklung der Reichsfinanzm bis 1913. Die Meldung ist in dieser Form unzutreffend; im Reichsschahamte ist für den Bundesrat eine solche Denkschrift wohl ausgearbeitet worden, aber diese ist geheim und kein Abgeordneter erhält sie. Jene Meldung beruht auf einer Verwechselung mit einer lieber« sicht, die im April 1908 auf Antrag des Abg. Erzberger ausgearbeitet worden ist und zusammen- stellt, rote hoch die Schuldenlast des Reiches aus Grund der bisherigen Bewilligungen anwächst. Da kam bekanntlich die Summe von 5000 Mill. Mark heraus.

' Eine Weinsteuer soll, wie die „Deutsche Weinztg." erneut versichert, in dem Steuerbukett Herrn Sydows enthalten sein. Die „Deutsche Tageszeitg." stellt dem gegenüber, fest, daß die Einführung einer Weinsteuer nicht in Aussicht ge­nommen ist. $3er recht hat, wird sich bald zeigen.

— Die Farmerhetze gegen die Buren in Deutsch-Südwestafrika setzt wieder mit größter Kraft ein. Ein Burenblatt, die,Zuidafrikanische Post', hat kürzlich eine Notiz gebracht, dahin gehend: „Nach Berichten, die wir mit der letzten Post empfingen, wird eine Organisation der in Süd west-Afrika befindlichen Buren, wozu auch viele Afrikander gehören, zu einem Bond vorbereitet; diele Vereinigung soll die ost ganz verschiedenen Wünsche und Erfordernisse der Buren im Süden, der Mitte und im Norden der Kolonie vertreten." Aus dieser Erscheinung, die eigent­lich doch nichts Auffälliges enthält, denn die Buren haben doch sehr starke Beziehungen unter­einander, ziehen die deutschen Burenfeinde, die merkwürdigerweise aus dem Lagex der früher für die Buren so sehr begeisterten Alldeutschen stam­men, ganz merkwürdige Schlüffe. Da bekommt man zu lesen: „Daraus kann man entnehmen, daß die Buren genau wie im englischen Süd­afrika das Bestreben haben, sich eigens zu orga- mfieren. Sie stellen besondere Forderun- gen auf und suchen sie möglichst zur Anerken­nung zu bringen; zu diesem Zwecke ist eine be­sondere Organisation notwendig. Ihnen erscheint es offenbar notwendig, sich besondere Vor­teile zu verschaffen, die den Deutschen dort nicht gewährt werden. Darin kündet sich eine besondere Eigenschaft der Buren an, die ihnen gründlich genommen werden muß." Und an diese ganz unbewiesene Anklage knüpft sich dann fol» geudes niedliche Denunziantiönchen der Buren: „Man kann der neuen Bondbildung und das Entgegentreten des Gouvernements und des Reichs- Kolonialamtes gegen diese Bewegung mit Span- nung entgegensehen." Wir meinen, wir sollten uns über die Buren-Ansiedelung freuen; sie sind doch das sicherste Bollwerk gegen die Schwarzen.

V Die katholischen Studentenverbindungen in Halle. Zu dem bekannten Vorkommnis nimmt nun die Haller Burschenschaft das Wort; sie hat die Agitation gegen die katholischen Ver­bindungen eingeleitet. Jetzt teilt sie mit, daß die ursprünglichen Thesen abgelehnt worden seien; aber die beiden katholischen Verbindungen haben doch erklärt:

„Wir mißbilligen stets einen Eingriff der kirchlichen Behörde in die Lernfreiheit der Studenten. In Streitig» leiten zwischen akademischen Lehrern und Behörden mischen mir unS grundsätzlich nicht ein. Auf Wunsch der Bertretersttzung definieren wir den Begriff Lern- sreiheit dahin, daß den Studierenden alle" Resultate der wissenschaftlichen Forschung zugänglich find. Hier­zu fei bemerkt, daß diese Erllärmig doch — entgegen anderen Darstellungen — allgemeine Bedeutung hat

rück. Brander, ber keine Lust zu haben schien, mit dem Baronet allein zu bleiben, erhob sich einige Minuten später ebenfalls.

„Ich bin so müde und will beshalb recht früh zu Bette gehen," sagte er gähnend.

„Gute Nacht, lieber VaterI"

Er verließ das Zimmer und ging mit schweren Tritten bie Treppe hinauf. Sir Harry trat in die Halle und hörte Brander in sein Zimmer treten und die Tür hinter sich verschließen.

„Das ist nur zum Schein," dachte er. „Ich glaube, daß er noch eine Unterredung mit dem Fremden hat. Nun, ich will auch dabei sein."

Er löschte die Lichter aus, verschloß die Tür und ging hinauf in sein Zimmer. Bald jedoch schlich er wieder hinab in die Halle, zog seinen Ueberrock an, nahm seinen Hut und begab sich durch eine Seitentür in den Park. Hier verbarg er sich im Dunkel riesenhafter Bäume an einer Stelle, von der aus er den Platz vor dem Hause und den vorderen Teil desselben übersehen konnte, und wartete.

Nicht lange hatte er hier gestanden, als die Tür, durch welche er selbst gekommen, geöffnet wurde. Brander trat aus dem Hause und schritt hastig über den Platz dem Park zu. Als er" dem- selben nahe war, trat eine Gestalt aus dem Dun­kel ber Bäume, Brander entgegen; es war Pa- lestro.

„Sie kommen zur rechten Zeit, Mylord", hörte Sir Harry den Italiener mit gedämpfter Stimme sagen. „Ah, iSe wagten nicht, mir zu trotzen."

„Zurück da!" besohl Brander. „Wollen Sie, daß Sie geseherl werden? Wollen Sie alles ver­derben? Ja, ich bin hier, Palestro, und habe die von Ihnen geforderten zwei Tausend Pfund bereit."

Damit hatte er den Arm des Italieners er­faßt und zog diesen mit sich fort durch die Fin­sternis des Parkes, gerade nach dem Baume, hin­ter welchem Sir Harry sich verborgen hatte

und nicht nur auf Halle zu beziehen tft ES routb* von dem Vertreter der kathol. Verbindung „Silefia" darauf hingewiesen, daß Eingriffe in die Lehrfreiheit, wie seinerzttt in Bohn (Fall Schrörs) zu mißbilligen seien."

Angesichts dieser Feststellungen können wir mit unserem lebhaften Bedauern über solche Er- klärung nicht zurückhalten. Es ist nicht Aufgabe der katholischen Verbindungen, über Schritte der Brschöse zu Gericht zu sitzen und diese zu miß­billigen. Gegenüber akatholischen Verbindungen vollends solche Erklärungen abzugeben, verrät nicht jenen Bekennermut, den wir bei katholischen Verbindungen nicht vermiffen wollen.

Die Justizkanzlisten wollen e t a 1 § m ä ß i g an gefiel 11 werden. Der Vorstand des Ver- bandeS preußischer Justizkanzltstengehilfen will im Auftrage des VerbandstageS ein Immediat­gesuch an den Kaiser richten, in dem die Ein- führung der etatsmäßigen Anstellung erbeten wird. Weitere Petitionen sollen gerichtet werden an den Justizm mister um Aenderung der Ka> z- lei-Ordnung und Beseitigung ihrer Härten, an daS Abgeordnetenhaus um Gleichstellung mit den Militäranwärtern und an den Reichstag dahin­gehend, daß die Stellen der Kanzlei gleich wie in anderen Refforts auch bei der Justizverwaltung nur zur Hälfte mit Militäranwärtern besetzt werden.

* Der Konflikt der badischen Regierung mit dem Parlament ist nunmehr völlig beigelegt, indem die Zweite Kammer am Dienstag das Steuerg esetz verabschiedete und im Ein­vernehmen mit der Ersten Kammer und der Regierung die Einkommensteuer um 1 Prozent erhöhte, sowie die Fleischsteuer beibehielt.

— Das bayerische Beamtengesetz ist nunmehr endgültig angenommen worden. Der Reichs­rat hat am Mitwoch den letzten Aenderungen der Abgeordneten zugestimmt. Die Kollegien- gelder der Prosefforen über 6000 Mark sind zwischen ihnen und einem UniversitätSfonds künftig zu teilen. Die Versetzbarkeit der Hochschullehrer ist gegen den Protest des Universitätsprofessors Dr. Frbrn. v. Herlling (München) und des Dr. Schanz (Würzburg) angenommen worden. Selbst­verständlich konnten die Liberalen die letzte Ge­legenheit nicht vorübergehen laffen, um dem Kultusminister seine angeblichen Uebergriffe in der Frage der Lehrfreiheit wieder vorzuwersen.

* München, 12. Äug. 1908. Der Wahlprü­fungsausschuß der Abgeordnetenkammer erklärte die Wahl des liberalen Abg. Cron­an e r (Germersheim) mit den Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten gegen die 4 der Liberalen und Bllndler für ungültig. Gronauer ist der Liberale, dessen Mandat nach den allgemeinen Landtagswahlen für ungültig er­klärt wurde. Der Nachwahlkampf wurde mit ungeheurer Erbitterung geführt und zugunsten Cronauers sprach in einer großen Versammlung Herr Grandinger, der bekannte „liberale ka­tholische Pfarrer". Auch diesmal kamen nur einige Stimmen mehr für Cronauer heraus und als eine größere Anzahl katholischer Männer in dem Dorfe Billigheim erklärte, den Zentrums­kandidaten Forstrat Zwießler gewählt zu haben, während dieser nicht einmal so viele Stimmen „erhalten" hatte, als diese Leute ihm gegeben hat­ten, wurde die Wahl angefochten und der Staats­anwalt beschäftigte sich mit der Sache, konnte den einzelnen Mitgliedern des liberalen Wahlaus­schusses aber nichts nachweisen. Die betr. kath. Männer hatten ihre Aussage, nach der sie Zwieß- ler gewählt haben, beeidigt. Nachdem nun

XXXVIII.

Der entscheidende Moment.

Die grauen Wolken schütteten einen massen­haften Schnee herab, den ein scharfer Wind zu hohen Bergen zusammentrieb. Schon die ganze Nacht hatte es geschneit und war daher die ohne­hin schlechte Fahrstraße von Almvick nach Bleak Top stellenweise nur schwer zu passieren. Müh­sam arbeitete sich ber Postwagen, in welchem Nelly und ihre Begleiter saßen, durch die zusam- mengewehten Schneemassen, und durch die Fugen und Ritzen drang eine schneidende Kälte in das Innere desselben sodaß die umfaffenden Vor­sichtsmaßregeln nur geringen Schutz boten.

Doch endlich war auch die Reise überstanden und das Ziel erreicht. Als der Wagen vor dem Hause hielt, wurde sogleick die Tür geöffnet und Geffrev kam heraus, um die kleine Reisegesell­schaft m Empfang zu nehmen und ihnen beim Aussteigen behülflich zu fein.

„Ich dachte. Sie würden heute nicht weiter reifen als bis Alnwick, Miß Nelly," sagte er, als et die Wagentür öffnete; denn daS Wetter ist entsetzlich schleckt. Freilich ist auch Aussicht auf Besserwerden nicht vorhanden."

Er reichte seine Herrin die Hand, welche leicht heraussprang, dann hob er seine Mutter heraus und schließlich folgte der Arzt mit Guido, der sich auf des ersteren Arm stützte.

„Geffrey, bringe die Pferde in den Stall und sorge für sie," sagte Nelly; dann führe den Kut­scher in die Küche und gib ihm gut zu essen und zu trinken. Er wird bis morgen hier bleiben."

Sie eilte hierauf voraus in's Haus, öffnete die Tür des Wohnzimmers und nötigte Sir Windham und Guido hinein.

ES war ein geräumiges, luftiges Zimmer, wohl auSgeftattet und behaglich erwärmt, was den Ankömmlingen nach der kalten Fahrt um so , angenehmer erschien.

die Wahl Cronauers vom Ausschuß zum zweiten- mal für ungültig erklärt ist, dürfte auch daS Plenum in diesem Sinne beschließen und in dem pfälzischen Wahlkreis Germersheim wird der Kampf zum drittenmal entbrennen.

Ausland.

* König Eduard von England ist Mittwoch vormittag in Ischl emgetrossen und am Bahn­hof vom Kaiser Franz Joseph feierlich empfangen worden. Nachrnitiags traf der Herzog von Cumberland mit seiner Familie zur Teil­nahme an den Festlichkeiten zu Ehren König Eduards ein; auch wird die Ankunft des Groß­herzogs von Mecklenburg-Schwerin ermattei.

* Zum Kopenhagener Buchdruckerstreik. Nach vorhergegangenen Verhandlungen mit Ver­tretern der Arbeitgeber und der Fachoereine wird, wie aus Kopenhagen unter dem Darum des Dienstag telegraphiert wird, der Minister des Innern, Berg, am Mittwoch den Parteien einen Vorschlag zurBei leg ung desKonslikts unterbreiten.

* Größere Veränderungen in den russischen höheren Staatsämtern stehen bevor. So wird der Chef des Generalstabs, Polizin, der frühere Adjutant des Großfürsten Nikolajewitsch, von sei­nem Posten zurücktreten, den ber jetzige Gehilfe des Kriegsministers General Soliwanow erhal­ten soll. Alle höheren Militärbehörden werden in Zukunft dem Kriegsminister unterstellt wer­den. Ferner stehen wichtige Veränderungen im Oberkommando der Truppen im Kaukasus und im Kiewschen Militärbezirk bevor. Der Statt­halter des Kaukasus, Graf Woronzow-Daschkow, wird seinen Posten definitiv verlassen; zum Oberkommandierenden der Truppen im Kaukasus ist General Sarnhajew, für die Zivilverwaltung General Rennenkampf ausersehen. — Die Be­strebungen mancher russischer Kreise, die alte Staatsordnung wieder herzustellen, haben immer noch nicht ganz nachgelassen. In Kiew wurde bei dem Führer der dortigen Abteilung des Ver­bandes des russischen Volkes, Josefowitsch, eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Man fand eine große Anzahl von Aufforderungen zur ge- toaltfümep Wiederherstellung der alten Staats­ordnung. Josefowitsch wurde verhaftet.

* Zur Lage in der Türkei. Die türkische Regierung scheint jetzt mit allem Ernste die Gesundung der Finanzverhältnisfe her- beiführen zu wollen. Ueberall werden durch Streichung überflüssiger Beamtenposten große Ersparnisse gemacht. Ferner sollen die Mßer- ordentlichen^Gerichtshöfe von Saloniki, MoWstu und Uesküb aufgelöst werden, weil sie der? Be stimmungen des § 89 der Verfassung wider sprächen.

*Zumuiederländisch-venezolanischenZwischen> fall. Zwischen den Niederlanden und Venezuelo icheint es doch zu einem Zusammenstoß zu kommen, Aus Willernst adt wird uns vom 11. August telegraphiert: In Vorbereitung aus einem mög­lichen Zusammenstoß zwischen den Niederlanden und Venezuela soll hier eine Station drahtlos« Telegraphie eingerichtet werden. — Der Kreuzer „Eelderland" lief, am Montag ouS, um nach der benachbarten Arubu-Jnsel Gewehre und Munition für die Bewohner zu bringen, die vollkommen schutzlos sind. — Ein Brief aus Maracaibo lündigt die Abreise des venezolanischen Fluß- dampfers ,.Felix" mit Truppen für die Bay von Maracaibo an. Man glaubt, die Soldaten seien dazu bestimmt, gegen die Revolutionäre zu gehen.

Als Nelly ihren Hut und Mantel abgenom­men, wollte sie an den Kamin gehen, um sich zu erwärmen, doch bemerkte sie jetzt die Haushälte­rin, welche respektvoll an der Tür stehen ge­blieben.

„Willkommen in Bleak Top, Miß Wilkins," sagte sie, als diese zu ihr trat und ihr die Hand entgegenstreckte. „Aber, meine liebe, junge Lady, dies ist keine Jahreszeit, um die Gebirgsluft zu genießen. ES ist hier öde und traurig im Win­ter, doch wollen wir alles aufbieten, um ihnen den Aufenthalt hier recht angenehm zu machen. Miß."

„Ich bin nicht zum Vergnügen hier, MrS. Kipp," entgegnete Nelly. „Mrs. Jebb kann Ihnen gelegentlich mitteilen, weshalb ich gekom­men bin. Und nun können Sie mir gleich die Fremdenzimmer zeigen. Wir haben einen Kran­ken mitgebrodjt, den wir sogleich zu Bette brin­gen müssen."

Mrs. Kipp beeilte sich, diesem Wunsche nach­zukommen. Sic gingen hinauf in die Etage und Nelly besichtigte die Zimmer, die sie alle in bester Ordnung vorfand. Nachdem sie die einzelnen Zimmer für Guido und Sir Windham sowie ihre Diener und sich selbst bestimmt hatte, ging sie wie­der hinunter und meldete dem Arzt, daß das für den Kranken bestimmte Zimmer bereit sei.

Guido, gänzlich erschöpft, lag auf dem Sopha. Der Aufforderung des Arztes folgend, machte er einen Versuch sich zu erheben, doch brach er sogleich wieder zusammen.

Tie beiden Männer hoben den Kranken des­halb behutsam auf und trugen ihn in fein Zim­mer. Geftrey entkleidete den Leidenden und brachte ihn zu Bett.

„Sie werden mich nun entschuldigen. Miß,' sagte die Haushälterin zu ihrer im Wohnzimmer gebliebenen Herrin. „Ich will das Esten bereit machen. In einer Viertelstunde wird es fertie sein."

(Fortsetzung folgt.)