Fulda, Dienstag den 11. August 1908.
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augenblicklich als Professor an der Unwersttat Freiburg (Sckwerz) wirkt, in Aussicht genommen. — Man geht wohl nicht seh st wenn man diese Nachrichten ebenso einschätzt, wie die neulich umgehenden Geiüchte, der frühere Karlsruher Dwi- ionspfarrer Sander solle Nachfolger Stablewskis werden Die offiziöse Auslassung, durch die wir neulich überrascht wurden, die Frage ruhe augenblicklich vollständig, wird leider wohl richtig sein.
Ein Staatskonflikt in Baden.
Zwischen dem Landtag und der Regie' rung ist ein Konflikt ausgebrochen. Die Bud- gelkommission halte sich nicht entschließen tonnen, der Regiernng für die kommende Budgelperiode Steuern in der angeforderten Höhe zu bewilligen. Die Regierung wünschte die Erhöhung der Einkommensteuer von 3 auf 3,50 pro 100, die Budgetkommisfion beschloß eine Erhöhung auf 3,25. Die Negierung wünschte bei der Vermögenssteuer eine Steigerung des Steuerfußes von "11 auf 12 Pfennig, die Budgetkommission lehnte das ab. Auch zu der geforderten Preisgabe des Zuschusses an die Eisenbahntilgungskaffe hat sich die Budgelkommission mcht bereit "erklärt, weil nach ihrer Ansicht sich dre Eisenbahnschulden in den nächsten Jahren noch vermehren werden. Nur über die Aufhebung der Fleffchakzise sind sich Regierung und Landtag einig. In der letzten Landtagssitzung am Sonnabend hat nun die Zweite Kammer dem Kommissionsbeschluß ihre Zustimmung mit 47 gegen 17 Stimmen erteilt. Staats. Minister v. Dusch erklärte jedoch diesen Beschluß für unannehmbar. Die Durchführung des Beamtengesetzes sei angesichts dieses Beschlusses in Frage gestellt. Am Sonnabend nachmittag hat noch eine mehrstündige Sitzung des Staats- ministeriums stattqesundcn. Hierbei soll nach dem ,Berl. Tageblst auch die Auslösung des Landtages und' Ausschreibung von Neuwahlen noch für dieses Jahr erwogen worden sein.
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35. Jahrelang.
„Sprechen Sie nicht so, Miß Nelly," suchte Mrs. zn trösten. „Oder, wenn Sie dies behaupten, so bedenken Sie, daß die dunkelste Stunde immer vor Tagesanbruch kommt."
„O, wenn es doch endlich z« taffen begänne," sprach das junge Mädchen. „Er ist krank in einem Londoner Hotel," dabei deutete sie auf Guido, welcher mit geschloffenen Augen regungs- los auf dem Divan tag, „und ich der Gefahr aus- gesetzt, jeden Augenblick als eine davongelaufene Mündel ergriffen zu werden. Wie kann ich mich vor Mr. Gildon schützen? Ich stehe so allein, so hilflos da! Und wenn mich Mr. Gildon finden sollte, würde er mich fortschaffen und dann tmirde Ferdinand in ein Krankenhaus gebracht werden. f O, ich kann — ich kann es nicht ertragen."
„Meine arme Miß Nelly," sagte Mrs. Jebb mit sanfter Stimme. „Sie sind wirklich in großer Verlegenheit. Es ist klar, daß dieser junge Mann aus diesem geräuschvollen Hotel entfernt werden muß; es ist auch klar, daß Sie einen ruhigen Aufenthaltsort haben müssen, wo Sie vor Entdeckung sicher sind, bis Sie mit Prout's verkehren können. Wie wäre es, wenn Sie nach Bleak Top, in Nordhumberkand, gingen? Es liegt einsam und versteckt im Thediotgebirge und gehört Ihnen. Es ist so wenig einträglich, daß Mr. Gildon niemals davon gesprochen hast Ich glaube, er hat ganz vergeffen, daß dieses Hcms eristiert."
„Vielleicht weiß er gar nicht, daß es mir gehört," sagte Nelly freudig; „denn er hat mit der Verwaltung meines Vermögens nichts zu tun. Wir wollen nach Bleak Top gehen, meine liebe Margot daS steht fest. Und nun Geffrey mußt Du mir einen der besten Aerzte London's auf- suchen. Ich glaube, der beste ist Sir Windham Winn. Stahe ih« auf und sich zu, daß ihn gleich nntbrirrgen kannst."
Geffrey entfernte sich, um den Auftrag «S- zuführen, und Relly setzte sich cm Gmöss ©eite. Er öffnete die Auaen bei iherm Nähern, lächelte
fähigkeit kann jetzt und für die nächste Zeit gar nichtdieRedes^rn. Es laßt sich auch jraitm annähernd bestimmen, wann der Fürst wie- der verhandlungsfähig sein wird. .— Es ist danach auch fraglich ob Eulenburg berefts in der ersten Schwurgerichtsperiode nach den Gerichtsferren von neuem vor den Richter gestellt werden kann.
* Staatliche Arbeiter und Landarbeiter. In landwirtschaftlichen Kreisen, die dem Großgrundbesitze nahestehen, hat man in der letzten Zeit lebhaft dagegen protestiert, daß der , Staat angeblich in seiner Arbeiterwerbung für größere Tiefbauunternehmungen keine Rücksicht auf Arbeiternst auf den' Lande nehme. Wie jetzt der „Deutschen Tageszeitung" versichert wird, denkt man an den zuständigen Stellen nicht, daran, an den Bestimmungen über die Beschäftigung von Arbeitern bei staatlichen oder vom Staats der- gebsnen Tiefbauten Aenderungen vorzunehmen, durch die der Landwirtschaft Arbeiter entzogen werden. , .. .. r
* Für «eue Ausnahmegesetze gegen die Polen sucht, so bemerft die „Germania", die „Post Stimmung zu machen. Sie klagt bitter über das „Vordrängen der Polen in Schlesien".. Sie schildert romanhaft, tote die Polen in hinterlistiger Weise, von einer Zentralstelle aus geleitet, „die Grenzgebiete erobern" und „Breschen in die deutschen Burgen legen"; indem sie von deutschen Bauern Grundbesitz zu hohen Puffern kaufen. Das ganze Tatsachenmaterial, das der grausigen Schilderung zu gründe liegt, beschränkt sich auf den Ankauf zweier kleiner Besitzungen durch Polen in einem schlesischen Dorfe. Sodann wird geklagt, daß das „Vordringen der Polen in Schlesien durch Herren des Zentrums begünstigt" werde. Beweis: in einem Dorfe im Kreise Mi- litsch soll der katholische Pfarrer darauf hingewirkt haben, daß ein deutscher katholischer Besitzer seine Wirtschaft nicht an einen deutschen Protestanten, sondern an einen katholischen Polen verkaufte. Wenn es wahr wäre: mit welchem Rechte beklagen sich die Leute darüber, die feit mehr als Svei Jahrzehnten systematisch mit Staatsgeldern die Verdrängung katholischer polnischer Besitzer durch deutsch Protestanten betreiben? Endlich klagt die Post, daß in einem Dorfe, in dem die Polen jetzt ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, polnische Predigten eingerichtet worden sind. And dabei ist man hoch entrüstet, wenn fiir weit weniger Deutsche in polnischen Dörfern keine deutsche Predigt eingerichtet wird! Wir müssen entschieden noch ein paar Ausnahmegesetze machen. Das Enteignungsgesetz ist in seiner jetzigen Gestalt nach Ansicht der „Post" geradezu gefährlich. Denn ginge man mit der Expropriation in Posen und Westpreußen vor, so würden die Polen sich auf die Nachbarprovinzen werfen und sich für das „deutsche" Geld dort antaufen. Darum nochmals: wir müssen mehr Ausnahmegesetze haben.
---- Eine Haftpflichtversicherung für Haus- mid Grundbesitzer hat der Zentraloerband der städtischen Haus« und Grundbesitzervereine Deutschlands auf seiner Tagung in Königsberg in geheimer Sitzung begründet. DaS Unternehmen erscheint als gesichert; es wurden bereits über 500 000 Mark Garantiesumme gezeichnet.
— Wer wird Nachfolger Stablewskis? Der Posener Bischossstuhl ist nunmehr bereits seit ca. iy2 Jahren verwaist. Infolgedessen ist es zu verstehen, daß das Raten darüber, wer Bischof von "Posen werden wird, kein Ende nimmt. Jetzt behauptet das freisinnige „Hamburger Fremden- btatt", die preußische Regierung verhandele mit dem Papste über die Wahl des Bischofs Dr. Voß von Osnabrück zum Bischof von Posen; als Nachfolger für Osnabrück sei wahrscheinlich der Prinz Max von Sachs en, der bekanntlich
Da die Geschichte zum vollen Verständnis der Verletzung des Kranken für den Arzt zu hören notwendig war, setzte er sich auf einen Stuhl am Kamm und ließ seinen Blick forschend von Nelly auf Guido und von diesem wieder auf jene gleiten.
Mit einfachen klaren Worten erzählte ste ihre Geschichte, mit welcher sie die Guido's aufs Innigste verband, hütete sich aber, ihrem Vormund oder ihre jetzige hülfiose Lage zu erwähnen.
Der Arzt längste mit Aufmerksamkeit. AIS sie die Operation des „Doktors" der Räuber er- wähnte und deren Erfolg, lächelte Sir Windham und faßte: . _
„Entschuldigen Sre, meine liebe junge Dame, glauben Sie, daß ein menschliches Gehirn, wenn es einmal in Ordnung ist, wiederhergestellt werden kann, wie ehe schadhafte Uhr? Sie mögen Gott danken, daß Ihr Freund nicht wirklich blödsinnig war." »
Aus diesen Worten ging zur Genüge hervor, daß die Meinung des berühmten Arztes über das Verdienst des Bandften-Doftors weit von derjenigen entfernt war, die dieser von sich selbst halt».
Relly errötete und fuhr in ihrer Erzählung fort, fchließend mit ihrer Ankunft ht London und der Empfindlichkeit Harringtons gegen oa§ tse* räufch im Hotel und auf der Straße, weshalb fte beabsichtigte, ihn nach einem stillen Landhause zu
D^Arzt erhob sich und trat zu Guido, Wie dessen Puls, entfernte bann vorsichtig Binde von der noch offenen Wuiwe und betrachtete diese eine Weile aufmerksam. Ohne durch eine Miene seine Ansicht über den Zustand des Krankm zu verraten, befahl er dem nahestehenden Geffrey, deu Verband wieder fo umzulegen, wie er gewesen war. Dann wandte er sich zu Nelly und sagte:
Die Verletzungen des jungen Mannes sind sehr ernster Natur, Mylady. ES ist ein Wunder, daß er noch am Leben ist.
(Fortsetzung folgt.)
Ausland.
* Tie kirchliche Trauung von Fräul. Fallitzres, 6er Tochter des Präsidenten der französischen Republik mit Herrn Lannes, Sekretär des Präsidenten, fand gestern vormittag 10 Uhr in der Pariser Pfarrkirche St. Madelaine statt. Die französischen Minister schenkten der Braut ein silbernes Tafelservice. Eine Schmuckschüffel die- fes Service trägt die Namen sämtlicher Minister. Unter den Gratulanten, die gestern während des ganzen Sonntags ihre Glückwünsche der Braut darbrachten, bemerkte man auch eine Abordnung der Marktfrauen, der sogen. „Dames des Halles", welche die Wünsche der Pariser Arbeiterinnen überbrachten.
* Das feierliche Begräbnis Rudinis, des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten, sand am Montag in Rom statt. Der Leichenwagen war mit einer prächtigen Königskrone geschmückt. Hinter ihm schritten der Herzog von Aosta als Vertreter des König-, die Minister, das diplomatische Korps, Vertreter des Parlaments, zahlreiche Senatoren und Abgeordnete und eine große Menge feiner Anhänger und Freunde Der Sarg wurde zunächst in die Kirche Sankt Bernhard gebracht, wo eine religiöse Feier abgehakte» wurde, und dann dem Kirchhof über- geführt. Die deutsch« Regierung und Fürst von Bülow haben durch den deutschen Botschafter ihre Teilnahme aussprechen kaffen an dem schweren
Deutsches Reich.
$ König Eduard VII. von England ist soeben nach Deutschland abgereist. Er trifft am Diens- tag vormittag beim Kaiser in Schloß Friedrichs- Hof bei Cronberg im Taunus ein. Daß die Reise diesmal in ihrer Bedeutung wesentlich über einen großen Freundschafts-Besuch hinausgeht, beweist die Tatsache, daß sowohl der britische Botschafter in Berlin, Sir Franc Lascelles, als auch der Fachmann der englischen Regierung in i«r türkischen Frage. Sir Charles Hardrnghe, der Unter- staatssekretär im Auswärtigen Amte, den König begleiten. Auch wird aus englischen btplomatt- schen Kreisen heraus darauf aufmerksam gemacht, daß König Eduard diesmal im Gegensatz zu seinen früheren Reisen nach Deutschland durchaus offiziell reife. Die Auffassung, Deutschland könne in der mazedonischen Frage durch ein Zusammen- gehen Rußlands mit England isoliert werden, hat offenbar in den beteiligten Kreisen keine Unterlagen mehr, nachdem die russische Regierung nach Reval so auffällig den Rückzug ankündigte. Zu der Begegnung des Kaisers mit dem König Eduard bringt die offiziöse ,Nordd. Allgem. Ztgst in ihrer vom Dienstag datierten Nummer die folgende Kundgebung: „In Schloß Friedrichshof werden am 11. d. M. Seine Maj. der Kaiser und Seme Maj. der König von England verweilen. Diese Zusammenkunft wird eine beiden Monarchen gleich erwünschte Gelegenheit für freundschaft- liche Aussprache bieten. Ein ungetrübtes Verhältnis unter den Oberhäuptern zweier so mächtiger Reiche wie Deutschland und Großbritannien wird auch von ihren Völkern gewünscht, die trotz aller Hetzversuche ihre Aufgaben für die Weltkultur in Frieden und Eintracht neben em- ander erfüllen wollen. Wir entbieten Sr. Maj. Dem König Eduard auf deutschem Boden ehrerbietigen Willkomm und wünschen angenehme Eindrücke."
* Lucanus Nachfolger: v. Balentini. Trotz mannigfacher Mutmaßungen ist nun doch zum Nachfolger des verstorbenen Chefs des Zivil- vbinetts des Kaiser- v. Lucanns deffen wiederholter Stellvertreter, der frühere Regierung-- Präsident von Frankfurt a. O., Herr v. Valentin i ernannt worden.
* Staatssekretär Dernburg ist, auf ,semer Reife nach Deutsch-Südwestafrika tn Windhuk nngetroffen. Am Samstag, abend wurde dort aus Anlaß seiner Anwesenheit ein großer Fcht- kommers veranstaltet, der nach Mitteilungen der kolonialen Preffe einen glänzenden Verlauf genommen boite.
-r- Fürst Philipp zu Eulenburg ist noch immer in der Charitee in Behandlung. Einer 6er Aerzte dieses großen Krankenhauses, dem, speziell dre Behandlung Eulenburgs obliegt, ist über fern Befinden befragt worden, und hat sich dahin geäußert: Das Befinden des Fürsten ist schlechte i-, als es bei der Einlieferung in die Charitee war, aber besser als kurz nach der VerhmMimg. Die Besserung des Gesamtbesindetts mid das Schunnden dec besorgniserregenden Apathien sind auf das Fort fallen der kontimnerlrAir Auf- legunaen zurückzuführen, die mit den Berhand- (itnger. im Schwurgerichtsverfahren verknüpft ge- wefen sind. Die Trombose ist im Rückgänge begriffen, dagegen besteht die Bronchitis, deren Ur- fache noch nicht ganz klar , festgeftellt werden founte, unverändert fort. Die Bronchitis bildet im Vereine mit dem Herzfehler bei einem Manne in dem Alter des Fürften eine stete Quelle von 'Besorgniffen. Von einer V er Han diu n g s -
sanft und streckte die Hand nach der ihrigen aus.
„Fühlen Sie sich etwas besser, Ferdinand?" fragte das Mädchen teilnehmend.
„Nein, im Gegenteil; meine Wunde schmerzt mehr," antwortete Guido; „und der Lärm wirkt nachteilig auf mein Gehirn. O, es ist schrecklich!"
„Sie sollen es nicht lange ertragen, Ferdinand," sagte Nelly. Verfieren Sie nur den Mut nicht. Ich habe zu dem geschicktesten Arzt gesandt, und wenn er Sie untersucht hat, wollen wir nach dem Norden gehen, in ein ruhiges, einsames Gebirgshaus, wo Sie bald genesen werden."
Guido drückte warm des Mädchens Hand und schloß dann seine Augen wieder.
Eine, zwei Stunden vergingen, und geduldig saß Nelly an der Seite des jungen Mannes, jeden Wechsel, jedes Zucken seines Gesichtes beobachtend und von Zeit zu Zeft sich über ihn beugend, um seinen Atem zu bLauschen.
Gegen elf Uhr endlich kam Sir Windham Winn, der berühmteste Wundarzt Londons.
Nelly erhob sich und ging ihm einige Schritte entgegen.
Er war ein großer, wohlbeleibter Mann, mit rotem Gesicht und einer Amtsmiene, aus der man deutlich lefett zu können glaubte, „daß Zeit Geld ist", aber eS lag auch etwas Freundliches, Wohl- wÄlendes ht fernen Zügen, was nicht nur beim ersten Augenblick Relly's Vertrauen erweckte zu feiner Geschicklichkeit, sonder« sie auch von seiner Menschenfreundlichkeit überzeugte.
„9<f> habe zu Ihnen gesandt, Sir Windham", sprach das Mädchen mit einem Blick auf Guido, der noch mit geschossenen Augen, wie schlafend dalag, „toegen eines kranken Freundes — eines Gentlemans, der in unserer Gesellschaft reifte. Ihn traf ein schreckliche» Unglück vor einigen Wochen in Italien, bei welch«« et eine Kopfverletzung erhiE, die fein Gehirn lähmte. Bitte, fetzen Sie sich, und ich will Ihnen die Geschichte erzählen, so weit sie für Sie von Interesse tft.
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Der falsche (Erbe.
Roman von 6b. Wagner.
76! (Nachdruck verboten).
„Und der Hülfe eines Arztes", fügte Guido hinzu. „Meine Wunde verursacht mir große Schmerzen. Ich fühle mich ganz unwohl. Der Himmel gebe, daß rch nicht in einem Londoner Hotel krank werde, denn das viele Lausen aus den Treppen und in der Halle erschüttert meine Nerven und das Fahren der Wagen, sowie das Rufe» und Schreien auf der Straße macht mich wahnsinnig." _
„Er sollte sogleich aus London gebracht wer- ben, oder toenigstens in ein Privathaus", bemerkte Mrs. Jebb. ..
Nelly nickte zustimmend, führte Guidozu einem Divan und nötigte ihn, sich darauf nteoer» julegen; dann setzte sic sich nieder, um einen Brief an die Familie Prout zu schreiben, ht dem sie derselben ihre Sage mhteilte und sie um Rat uuö Hülfe bat. Als sie damit fertig war, übergab sie den Brief Geffrey zur Befolgung.
Nach etwa einer Stunde kam dieser zurück.
„Nun?" fragte Nelly hastig.
Geffrey gab seiner Herrin den Brief zurück und sagte: „Die Prouts find nicht in London, Miß Nelly. Der Portier sagte mir, daß sie nach Norkshire gegangen find, um dort bei Verwandte« bas Weihnachsfest zu verleben. Sie werden vor Mitte Januar nicht zurückkehren."
„Forti" rief Nelly mit Bitterkeit und ein Zug der Enttäuschung flog über ihr Gesicht. „Was oll ich nun tun? Ich habe keine anderen Freunde « London, kenne in ganz England nicht eine« Menschen, auf deffen Hilfe ich m meiner Verlas- enheit rechnen könnte. Ich führte ein abgeschlof- ene- Leben bei meinem Vorrmmd, daß es mir Immöglich war, irgend welche intime Bekannt- «haft zu machen. Das ist die trübste Stunde mei-
Verlust, den Italien durch den Tod RudiniS erlisten hat.
*Zumniederliinbisch-venezolanischenZwischen< all. Der niederländische Minister des Aeußern jatte am Montag eine lange Unterredung mit dem amerikanischen Gesandten im Haag. Man vermalet, daß es sich bei dieser Besprechung in erster Linie um die von bett Vereinigten Staaten gegenüber dem Konflikt zwischen den Nieder» landen und Venuzuela zu beobachtend« .Haltung handele.
* 3» ernsten Ausschreitungen, die an Aus- rühr grenzen, kam es am Montag nach einer Newyorker Meldung der,Frankf. Zigst in Alabama, anläßlich des schon mehrere Wochen dauernden Streiks der Kohlengrubenarbeiter. Bei Brocton wurde eine Gewehrsalve auf einen mit Arbeitswilligen besetzten Zug abgegeben. Drei Arbeiter wurden getötet, elf schwer verletzt. Acht Personen wurden verhaftet; es wurde Miliz auf« geboten.
* An eine Beruhigung Persiens ist absolut nickst zu beulen. Von Sonntag wird berichtet. In Täbris hat die Anarchie ihren Höhepunkt erreicht. Tie Geschütze donnern wie in einem wirklichen Kriege. Von den Regierungstruppen werben unerhörte Räubereien und Gewalttaten ausgeführt. Heute ist die Strafexpedition aus Schachsetoan cingetreffen, sie kämpfte mit wechselndem Glück. Gegen Abend verlautete, Sattar Khan habe Verluste erlitten. Die Idee, eins fremde Macht zum Schutze der Stadt onzurufen, hat sich nickst verwirklicht. Es wurde wohl, der Versuch gemacht, den türkischen Konsul für diesen Plan zu gewinnen, doch lehnte er ab. — Unangenehm ist, daß man von russischer Seite Deutschland in die Affäre hrneinzuzrehen sucht. Tas B'att der russischen Regierung bringt offenbar offiziös eine Räubergeschichte, bte darauf hincmsläiift, Verwickelungen zu schaffen, bet der die russische Regierung wieder nach beliebter Manier im Trüben fischen kann. Sie behauptet: Tie Vorgänge in Aserbeidshan haben die Aus- merksamkeit Deutschlands auf sich gelentt. Kürzlich ist hier ein deutscher Handelsagent aus Teheran eingctrosien. Jetzt ist inkognito auch der frühere derrrsche Konsul in Buschir, der gegenwärtig der deutschen Botschaft in Konstantinop« ottackstert ist, ein getroffen. Die Deutschen such«l trotz der Unruhen um die Erlaubnis zur Eroff- nuu einer Bank nach und richten den Transitverkehr über Trapezuat ein.
31. Krmgrstz der kathol. Kaufleute;
# Trier, 8. Aug. 1908.
Der Verband und die Behörden.
Gelegentlich des vorjährigen Kcngresses tn Tauzig überraschte der Oberpräfident in Danzig Herr von Jagow den Kongreß mit einer Begrüßungsrede, die ernst und gerecht die Beden- tung des Verbandes würdigte. Nach Danzig — Trier, das katholische Trier, im katholischen Rheinland. Oberpräsident Frhr. v. Schorle- m e r war zwar zum Kongreßbeginn vor wenigen Tagen in Trier, fand ober nicht ben Weg zum Verbände der kathol. Kaufleute. Zur Festver- fammlung des Kongresses entsandte die Beösrks- regierung nur einen Geheimrat — em Zeichen der Zeit. Bischof Korum legte nochmals dar, wie innig er zum Verbände steht. Der Trierer Oberbürgermeister Herr v. B r u ch h.a u s e n fand auch recht anerkennende Worte für bte soziale Arbeit im kathoü kausm. Verbände und den wohl einzig dastehenden Aufbau der gemeinsamen Interessenvertretung von Angestellten und Prinzipale» im Verbände.