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Fulda
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Fernsprecher Nr. 4.
35. Jahrqanq.
, Montag den 10. August 1908.
Zimmer. Ich hatte kaum so viel Zeit, mid> in eine Nische zurückzuziehen. Der Mann hatte in der Hand einen Schlüssel', er setzte sich auf die Bank und ruhte ein wenig aus, denn er schien sehr angegriffen zu sein. Dann ging er in Guidos Zimmer, kam aber mit einem Licht zurück, ging an mir vorüber, die Treppe hinab und in die Bibliothek. Ich folgte ihm, da ich dachte, er sei ein Nachtwandler — doch bald überzeugte ich mich, daß er Lachte. Er hatte die Tür nicht fest zugemacht und ich konnte durch die Spalte sehen, daß er den Schrank aufschloß und den Sack mit dem Golde herausnahm. Nachdem er den Schrank wieder verschlossen hatte, warf er den Schlüssel auf den Fuschoden, öffnete ein Fenster und stieg mit dem (Selbe hinaus auf die Terrasse."
Mit atemloser Spannung hatte Sir Harry der Erzählung des Mädchen- gelauscht. Ein« fürchterliche Ahnung stieg in ihm auf.
„Hast Du sein Gesicht gesehen?" fragte er mit erzwungener Ruhe.
„Ja, Sir Harrys"
„Und Du kanntest diesen Mann?"
„Ja, ich kannte ihn!" - ••
„Wer war er? Wer war der Räuber?" Einen Augenblick zögerte das Mädchen, dann sagte es mit leiser, kaum hörbarer Stimme:
„Er — es war Guido!"
VXXVL
Ein neuer Freund.
Am andern Morgen nach der Ankunft Nellrsiß und ihrer Begleiter in London, etwa um « Uhr, begab (ich Harrington in Nelly's Zimmer, wo diese schon auf ihn wartete und ihm mit ausge- streckten Armen entgegentrat. Er sah müde und abgespannt auS und Nellv sagte sich, daß etwa- für ihn getan werden müßte.
„Sie bedürfen der Ruhe, Ferdinand", sprach da» junge Mädchen besorgt. ■/ ,
(Fortsetzung foIaLI
Deutsches Reich.
* Das Verzeichnis der Mitglieder des Ab- aeordnetenhanses, nach Parteien geordnet, ist setzt in seiner endgiltigen und amtlichen Fassung erschienen. Seine Angaben sind von den einzelnen Abgeordneten selbst gemacht oder wenigstens kontrolliert worden. Stach diesem Verzeichnis nun zählt die Zentrumsfraktion 103 Mitglieder, während die erste beim Zusammen, tritt des Landtages ausgegebene Liste 104 Zentrumsmitglieder aufführte. Der Abgang eines Mitgliedes rührt daher, daß der Geheime Re- aierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern, Dr. Bosnisch, im ersten Verzeichnis als Zentrumsabgeordneter verzeichnet war, während er jetzt als parteilos und Ho» spitant der Zentrumspariei sich bezeichnet. Dr. Boenisch vertritt den Wahlkreis Schweidnitz- Striegau, wo er gemäß einem Abkommen mit den Konservativen als Zentrumskandidat vom Zentrum gewählt und von den Konservativen unterstützt worden ist. Sein Vorgänger war der verstorbene Zentrumsabgeordnete Pfarrer Hoheisel. Es wird hoffentlich bald aufgeklärt werden, warum Herr Dr. Boenisch statt Mitglied der Zentrumssraktion „parteilos und Hospitant des Zentrums" (übrigens etwas in seiner Art ganz Neues) geworden ist und ob seine Wähler sowie die Fraktion das wußten und damit einverstanden
chen Steuer
Dr. Wiemer:
waren.
= Der Freisinn und die Biersteuer. Unter den neuen Steuervorlagen befindet sich auch die Erhöhung der Biersteuer; der Höchst atz derselben ist noch nicht sestgestellt. Es gibt aber eine große Reihe von norddeutschen Kräf en, die das Bier bis auf die Höhe der süddeut chen Steuer -ringen wollen. Damit würde eine wesentliche Erhöhung der Bierpreise euitrelen; aber die süddeutschen Staaten würden hierbei besonders geschädigt, denn sie haben jetzt eine schöne Landeseinnahme aus der Biersteuer. Wird diese im Reiche ebenso hoch wie in den süddeutschen Ein-el- ftaaten, dann steht man vor der Reichsbiersteuer, welche die Etats in den süddeutschen Staaten in Unordnung bringt. Der Freisinn wird gerade bei dieser Steuer auf eine sehr harte Probe gestellt; denn bisher hat er die Erhöhung der Bier- steuer immer abgelehnt; so noch im Jahre 1906. Am 10. Januar 1906 erklärte der freisinnige Abg.
„Nicht zuletzt kommt bei der Biersteuer das Interesse der Konsumenten in Betracht. Wir von unserem Teil können jedenfalls die Hand nicht dazu bieten, daß durch eine solche Steuererhöhung mit ihren finanziellen und wirtschaftlichen Wirkungen ein entbehrliches und uncntbehrliches (Lenußmittel dem Volke noch weiter verteuert wird."
Der freifinnige Abg. Dr. Müller-Sagan aber führte in der 2. Lesung deS Brausteuergesetzes vom 30. April 1906 aus:
„Ich gestehe, daß ich für eine Industrie nichts für jo verderblich erachte, als wenn sie fort und fort durch staailiche Eingriffe belästigt wird. Aus diesem Grunde bin ich niemals dafür, daß einem Hunde der L>chwanz stückweise abgeschnitten wird. Aber wenn ich auch das Ensziel einer einheitlichen deutschen Brausteuer für erstrebenswert halte, so kann ich mich doch nicht aus eine Erhöhung der norddeutschen, sondern nur auf eine Verminderung der süddeutschen Biersteuer emlaffen, um zu e nein Ebenmaß zu gelangen (Sehr gut! lmks). Das eine möchte ich Sie auch noch bitten nicht außer acht zu lassen, daß Sie mit einer Sondersteuer für die Großbetriebe, wie sie im Antrag Becker beim, im Kommisfionsdefchlnß vorgesehen ist, denn doch nicht ausschließlich, ja ich möchte sagen, nicht einmal ver
nehmlich das Großkapital treffen; denn die Anteilscheine der großen Brauereien, in der Provinz vielleicht noch mehr als in der Reichshauptstadt, sind vielfach in den Händen deS Mittelstandes (Sehr wahr! links). Und das nennen Sie eine praktische Mittelstandspolitik, wenn Sie Kapttalsanlagen des Mittelstandes vernichten und gleichzeitig dem gesamten Gastwirtsstand, der doch auch zumeist zum Mittelstand zähtt, schwere neue Lasten ausbürden?"
Abg. Dr. Pachnicke sprach sich an demselben Tage auch gegen diese ^Sondergewerbesteuer" aus. Der fteisinnige Abg. Kopsch rief am 1. Mai 1906 den Gastwirten zu:
„Die Gastwirte sind auch eine Macht; sie mögen sie nur ausnützen; das wird für sie und ihre Interessen das beste sein."
Gegenüber den Erklärungen von konservativer Seite, daß man später wieder auf die Biersteuer zurückgehen müffe, meinte derselbe Redner:
„Aber wir sind dem Herrn Kollegen Rettich und seinen Freunden dankbar, daß sie schon fetzt den Schleier der Zukunft gelüftet haben. Diese Worte sind eine Warnung für die Brauereien, sind eine Warnung für die Gastwirte, sich nicht in falsche Sicherheit einwiegen zu lassen! Aber diese Erwerbskreise brauchen der Zukunft nicht zu pessimistisch entgegenzusehen; sie brauchen sich nur zu rühren, sie brauchen nur fortzufahren in dem „Entrüstungsrummcl"; sie finden für diese Bewegung die Unterstützung der weitesten Volksmassen. Am sichersten bauen sie einer trüben Zukunft vor, wenn sie dazu mithelfen, daß den nächsten Reichstag die Freunde indirekter Steuern, von Steuern, die in einfeniger Weise einzelne Erwerbskreise treffen, nicht in gleich hoher Zahl zieren (Bravo! links)."
ES scheint uns aber so zu liegen, daß^heute Kopsch und seine Freunde auch für diese Steuer eintreten und damit den Blockreichstag „zieren" wollen. Man kann auf diesen Umsall sehr gespannt sein.
— Die Anhänger der Filialsteuer dürften von der jüngsten Entscheidung des Oberoerwal- tungsgerichtes nicht sehr erbaut sein, wonach die Filralsteuer den Gemeinde-Verwaltungen unmöglich gemacht wird. Es erklärte für unzu äfsig, daß die Heranziehung zur Gemeinde-Gewerbesteuer nach dem Merkmale des Grundbesitzes des Gewerbetreibenden innerhalb oder außerhalb des Gemeindebezirkes erfolge. In Zukunft solle grundsätzlich allen Steuerordnungen die Zustimmung versagt werden, wenn eine besondere Heranziehung von Filialen, Zweigniederlassungen und bergt zur Gemeinde-Gewerbesteuer damit bezweckt werde. — Gegenüber dieser Entscheidung wird man sich mit Fug und Recht auf die Erklärung des Ministers berufen können, wonach die besondere Heranziehung der Filialen ganz und gar nicht unzulässig ist. Wenn aus wirtschaftlichen Gründen das Oberverwaltungsgericht glaubt anders entscheiden zu müssen, so muß auf die Tatsache hingewiesen werden, daß das Filialwesen vieler Großfirmen ein Unwesen ist, das hauptsächlich dem Mittelstände große Sorgen bereitet.
... Lehrlingsprämienfonds. Die Berliner Handelskammer hat einen Lehrlingsprämienfonds begründet mit dem Zweck, daß aus den Zinsen des Fonds solchen Lehrlingen des Kammerbezirks, welcbe ihre Gesellenprüfung mit „ausgezeichnet" bestanden haben, nach Maßgabe der vorhandenen Mittel auf Antrag des zuständigen Prüfungsausschusses durch Beschluß des Kammervorstandes Prämien gewährt werden können. Der Lehrlingsprämienfonds wird zunächst aus dem Rest- vermögen der zur Auflösung oder Schließung gelangenden Innungen des Kammerbezirkes gebildet, die gemäß § 98 a der Gewerbeordnung der Hand
werkskammer überwiesen werden. Außerdem können dem Fonds freiwillige Spenden und Zu- Wendungen zugeführt werden. Die in einem Jahre etwa nicht für den Zweck verbrauchten Zinsen werden zum Fondsvermögen geschlagen. Dem Fond« ist bereits das Restvermögen der aufgelösten Drechslerinnung zu Potsdam im Be- trage von 61,51 Mark mit der Maßgabe überwiesen worden, daß aus den Zinsen möglichst Potsdamer Drechslerlehrlinge berücksichtigt werden. Der Vorstand will es sich angelegen sein lassen, den Fonds zu vergrößern, um möglichst bald genügende Mittel zur Erreichung des Zwecks ves Fonds zur Verfügung zu haben. Man wird dieses Bestreben nur begrüßen können; die Handelskammern können gerade auf diesem Gebiete in der Zukunst noch sehr viel leisten.
* Sorge für die Heranwachsende Jugend. Der Minister für Handel und Gewerbe hat unterm 25. Juli an die Ober- und Regierungspräsidenten einen Erlaß gerichtet, in dem auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, bei den gewerblichen und kausmännischen Fortbildungs- schulen Einrichtungen zur Fürsorge für die jugendlichen Arbeiter innerhalb ihrer freien Zeit äU e'ti'dse ist süß. Wir meldeten jüngst, daß dem Kriegerverein zu Graach a. Mosel, weil er aus dem Landeskriegerverbande ausgetreten war, das Recht versagt wurde, bei der Beerdigung eines Kriegsveteranen die Fahne mit- zusühren und Salven über das Grab abzugeben. Begründet war dieses Verbot damit, weil der Verein durch fein Ausscheiden aus dem Verbände das Recht verloren habe, die Fahne zu führen und Waffen zu tragen. Das Verbot traf also doch nur den „ausgeschiedenen" Verein. Nun fanden sich zur Beerdigung auch eine Sektion des befreundeten Kriegervereins Kürenz ein, der dem Landeskriegerverbande noch angehört. Diese Mitglieder traten mit Gewehr an, aber sofort sendet die Polizei eine Verfügung, daß auch die Ehrenbezeugung dieses Vereins am Grabe zu unterlassen sei. Ja noch mehr, die Staatsanwaltschaft leitet eine Untersuchung ein gegen diejenigen Mitglieder des Vereins, die mit Gewehren anxetreten sind, wegen unbefugten Tragens von Waffen. Wahrhaftig man schämt sich vor dem Auslande, wenn solche unverständliche Drangsalierungen bekannt werden. Dadurch, daß auch der dein Landeskriegerverbande noch angehörende Verein nicht einmal die Salven abgeben durfte, hat die Behörde doch nur bewiesen, daß sie an dem Verein und zwar selbst an dem verstorbenen Mitgliede, trotzdem er für das Vaterland treu gekämpft, nur kleinliche Rache nehmen will. Selbst die,Franks. Ztg/ kann diesen Drangasalierungen keinen Geschmack abgewinnen. Sie schreibt in Nr. 216: „Man sollte meinen, die Polizeibehörden hätten Besseres zu tun, als sich die Zeit mit derartigen Ver- sugungen zu vertreiben. Es ist kindlich, von solchen Schikanen eine politische Wirkung im Sinne der Regierung zu erwarten; das Vorgehen der Behörden in diesen Fällen ist nicht bloß untolerant, sondern auch unklug." Ja, aber die Rache ist doch „süß".
Ausland.
* Der frühere italienische Ministerpräsident Rudini, dessen Tod wir am Samstag meldeten.
hatte am 9. April sein 70. Lebensjahr vollendet. Er war ein warmer Anhänger und Förderer deS Dreibundes. Schon mit 29 Jahren, war er zum ersten Mal Minister, nachdem er einen bourbonischen Putschversuch in seiner Vaterstadt Palermo vereitelt hatte, und ist seitdem stets vertretender Minister oder doch Anwärter auf einen Ministerposten gewesen. Zunächst war er Crispis Freund, dann dessen schärfster Gegner, ebenso wie er Giolitti bekämpfte. Seit etwa zehn Jahren begann er sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.
* Die Freihandelsschwärmer haben am Freitag ihren ersten internationalen Kongreß in London glücklich beendet, ohne daß man wenig, stens bei uns in Deutschland größeres Aufsehen mit ihren Verhandlungen gemacht hätte. Es ist auch bereits ein zweiter Kongreß in Aussicht genommen, und zwar im Jahre 1910. Als Tagungsort sind mehrere belgische und holländische Städte vorgeschlagen worden. Es wurde ein ständiges Komitee gebildet, das für die nötige Reklame für den Freihandel sorgen soll. Doch dürften die wirtschaftlichen Verhältnisse stärker sein als alle Bemühungen, den immer mehr schwindenden Frei- Handelsideen wieder aus die Beine zu helfen.
* Tie Erkrankung des Königs von Rumänien. In dem Befinden des im 70. Lebensjahre stehenden Königs Carol, des Gemahls der fürstlichenDichterin Carmen Sylva, verschon seit längerer Zeit an Altersbeschwerden erkrankt ist, und seit mehreren Tagen das Bett hütet, ist eine Wendung zum Schlimmeren eingetreten. Ein Thronwechsel in Rumänien würde, sa gefestigt dort auch die Verhältnisse jetzt erscheinen, doch angesichts der prekären Situation auf dem Balkan von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. König Carol, einer der treuesten Freunde deS Dreibundes, entstammt bekanntlich der älteren fürstlich hohenzollerschen Linie. Aus seiner Eh« mit der Prinzessin Elisabeth zu Wied sind Nach-» kommen nicht vorhanden. Die Thronfolge i t Rumänien ist daher dem zweiten Sohn feine! älteren BruderS, dem Prinzen Ferdinand, gesichert worden, der den Titel Prinz von Ru>, mänien führt und aus seiner Ehe mit der Priiw. zessin Maria von Sachsen-Koburg bereits zwei Söhne und zwei Töchter hat.
* Zur Luge in der Türkei. Der Sultan hat beim kehlen Empfange des diplomatischen KorpS auf's neue sein H^rrscherwort gegeben, daß er die wiederhergestellte Verfassung achten und künstig strikte danach handeln werde. Es fragt sich nur, ob die revolutionäre Bewegung sich in ruhigere Bahnen leiten läßt, sodaß mit ihr zu regieren ist. Inzwischen werden immer noch zahlreiche Würdenträger gefangen genommen. — Zu den in den letzten Tagen in der Auslands« presse immer wieder auftauchenden Gerüchten von einer deutschfeindlichen Stimmung in der Türkei erfährt jetzt die Wiener politische Korrespondenz", es habe in jungtürkischen Kreisen Befremden hervorgerufen, daß von einer deutschfeindlichen Strömung die Rede sei. Im Gegenteil, man zolle Deutschland die Anerkennung, daß es sich bei verschiedenen Gelegenheiten als wahren Freund nicht etwa des autokratischen Systems, sondern der Türkei als Staatswesen erwiesen habe.
* Das Reform-Projekt für Mazedonien ist von Rußland den RegierungS-Vertretem in Berlin, London, Paris, Rom und Wien nunmehr übermittelt worden. In der beigegebenen Zirku-
Der falsche (Erbt
Roman von 8b. Wagner.
75; (Nachdruck verboten).
„Er mag zum Schein wieder ans Fenster gekommen sein, um durch die doppelte Fußspur den verdacht von sich zu lenken."
Sir Harry schüttelte bedenklich den Kopf; er vollte nicht an die Schuld seines sonst so treuen Verwalters glauben.
„Ich muß die Sache überlegen", sagte er; letzt ist mir der Kopf so voll, daß ich zu keinem bestimmten Entschluß kommen kann. Du könntest nach Gloucester zu meinem Rechtsanwalt gehen, Guido, und ihm sagen, daß ich heute das Geschäft nicht abschließen könnte. Du kannst ihm auch den Grund, icdoch unter der Bedingung der Der- schtoiegenheit, mitteilen. Inzwischen will rch sehen, was sich in der Sache weiter hm laßt.
Froh, ans der Nahe des Baronets zu kommen, verließ Brander das Zimmer, gab dem Stallknecht Befehl, fein Pferd zu satteln und machte sich dann selbst zum Ausreiten bereit. Eine Vier» telitunbe später befand er sich auf dem Weg nach Gloucester.
Sir Harry aber untersuchte jeden Winkel des Schrankes, jeden Gegenstand des Zimmers, be- (anders aber die Fenster und die in den Garten uhrenden Fußstapfen, in der Hoffnung, irgend etwas zu finden, toa§ mindestens zu weiteren Nachforschungen hätte Anlaß geben können.
Während er noch beschäftigt war, wurde leise an der Tür geklopft, und gleich darauf trat Ellas Kammermädchen herein.
„Miß Ella läßt Sie bitten, Sir Harry, so- tzleich nach ihrenl Zimmer zu kommen, wenn es tzhnen gefällt", sagte sie.
Sir Harry erschrak; augenblicklich hatte er feine Nachforschungen und sogar den Diebstahl vergessen. . ■ I .
sie krank?" fragte er hastig.
Nein Sir Harry, sie hat Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen", sagte sie. „Sie ist Mar nicht recht wohl, aber doch auch nicht ernstlich krank. „Gut, ich werde sogleich zu ihr kommen." DaS Mädchen entfernte sich, Sir Harry aber verschloß den Schrank und eilte dann zu Ella.
Diese lag in ihrem traulichen Stübchen auf einem Sofa in der Nähe des Kamins ausgestreckt. Ihre Wangen waren bleich, ihre Augen müde und trübe und ihre ganze Gestalt wie gebrochen. Sie erhob sich, als Sir Harry eintrat und ging ihm einige Schritte entgegen.
„Ella!" rief dieser mit ängstlicher Stimme, indem er ihre Hand erfaßte, Du bist wirklich krank, Deine Hand brennt tote Feuer und Deine Wangen find bleich wie Marmor. Ich will sogleich zum Arzt schicken."
„Nein, Onkel, nein", erwiderte Ella mit schwacher Stimme. „Ich bin nicht körperlich, krank, sondern im Herzen, — und da kann mir kein Arzt helfen."
„Krank im Herzen?" fragte der Baronet der- wundert. „Hast Du einen geheimen Kummer?" DaS Mädchen nickte ernst.
„Was fft es, was meine kleine heitere Ella so betrüben kann?" fuhr der Baronet fort, indem er das Mädchen zu sich auf das Sopha zog, das sie soeben verlassen hatte. „Ich muß gestehen, daß Dein Aussehen mich beunruhigt. Sage mir, was vorgefallen und was die Ursache Deines Kummers ift Verschweige mit nichts."
Ella legte beide Hände in die des Baronets und blickte zaghaft zu ihm auf.
„O Onkel", sagte sie schluchzend, „wie kann ich es Dir sagen! Ich dachte nicht, daß es so schwer sein würde. Ich kann nicht — nein — ich kamt nicht!" , „„ „ r •
„Sage es nur, meine Heine Ella", sprach Str Harry in freundlich befehlendem Tone; „Du folterst mich!" ,
„Es wird mir aber so schwer, e8 zu sagen. O, Onkel, cs ift — es betrifft Guido!"
„Nun, mein Kind, so sage mir, was er getan oder was geschehen, das Dich so sehr beängstigt."
Mit scheinbarer Ruhe loartete er auf eine Antwort. Was konnte sie ihm so schreckliches mit- zuteilen haben, das nicht über ihre Lippen wollte? Es schien, als wünschte sie, sie hätte Sir Harry nicht zu sich kommen lassen.
„O, ich kann es nicht sagen", hauchte sie nach einer Pause schluchzend hervor. „Du wirst mich, als die lleberbringerin so schlechter Nachrichten, hassen, wenn ich sie Dir mitteile."
Eine plötzliche Nöte überzog Sir Harry's Gesicht und in seinen Augen zuckte es wie ein freudiges Aufleuchten.
„Ist es etwa, daß Du aufgehört hast, ihn zu lieben?" fragte er mit leise bebender Stimme.
„Nein, es ist nicht das", flüsterte sie, nachdem sie einen raschen Blick auf ihn gerichtet, als habe sie an eine solche Frage nicht gedacht.
„Du liebst ihn also? Du liebst ihn noch?"
Ella antwortete nicht. Sie senkte ihre Augen und eine leichte Röte trat auf ihre Wangen.
„Sprich, Ella! Du liebst Guido noch; — toaS ist es also, das Dich so erschüttert? Erzähle es mir!"
Wieder trat eine Pause ein.
„Ich will es Dir sagen, Onkel", begann das Mädchen endlich, „ich muß es Dir sagen, selbst auf die Gefahr hin, von Dir gehaßt zu werden. Ich konnte gestern abend nicht einschlafen, da ich etwas aufgeregt war. Stunden lang lag ich unruhig im Bett, an allerlei denkend. Endlich — es mochte eine halbe Stunde nach Mitternacht sein — hörte ich leise Tritte auf dem Korridor."
,Ah!"
„Ich dachte, es könnten Diebe fein und fürchtete, sie möchten Dich morden, um den Schlüssel deS Geldschrankes zu bekommen. Ich sprang aus dem Bett, zog rasch ein Morgenkleid an, schlug einen Mantel um die Schultern und trat hinaus auf den Korridor, in der Absicht, Dich zu wecken. Als ich aber mein Zimmer verlassen hatte, wurde Deine Tür eröffnet und iemanb kam ans Deinem