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35. Jahrgang

Fulda, Samstag den 8. August 1908.

M 181.

Erstes Matt

sein.

Kortsetzuna folgt)

so viel ist mir klar, daß ich den Dieb in meinem eigenen Hause zu suchen habe."

„O nein, nein, Sir Harry l" rief Kemp mit bittender Stimme und seine Augen wurden eucht. „Es ist niemand im Hause, der einer sol­chen Tat fähig wäre."

„Tie Tatsachen aber sprechen dafür!" be­merkte Brander in scharfem Tone. „

Kemp rang trostlos die Hände, während Bran­der innerlich triumphierte; wer konnte denn be­weisen, daß er der Dieb sei?

Sir Harry blickte finster vor sich hin, aber er schüttelte den Kopf, als er ernst fwgte:

„Mein lieber Komp, ich habe meiner Diener­schaft unbegrenztes Vertrauen geschenkt, und ich weih wirklich nicht, auf wen ich Verdicht haben soll; aber daß der Dieb in meinem Hause sich befindet, steht fest. Ich werde in der Sache nicht übereilt handeln, um niemand unschuldig zu be­leidigen. Ich werde im Stillen Nachforschungen anftellen, und darum ist es notwendig, daß vor- läufig niemand von dem Diebstahl erfährt. Es liegt nicht in meiner Absicht, diesen Verlust ruhig zu erttagen und keinen Versuch zu machen, oder den frechen Dieb unbestraft zu lassen, der es wagt, während der Nacht in mein Schlafgemach zu dringen und mich meines Eigentums zu be­rauben; deshalb werde ich der Polizei Anzeige machen und einen Detektive mit der Ermittelung des Diebes beauftragen. So lange ich Dir aber nicht die Freiheit zum Sprechen gebe, wirst Du

eitet habe. Hierauf entstand ein ungeheurer Lärm, und es hätte nicht wenig gefehlt, so hätte es die schönste Rauferei zwischen den einzelne« Parteien gegeben. Die Sitzung mußte unter­brochen werden; und al- dann wiederum von den Altradikaken dieser Vorwurf erhoben wurde, mußte die Sitzung schließlich geschlossen werden.

* Fürst Nikolaus von Montenegro will ab­danken. Vorher aber sollen angeblich sämtliche im bekannten Attentatsprozesfe Verurteilten be­gnadigt werden. Daraus kann man schon schließen, daß der Fürst, wenn die Nachricht wahr sem ollte, nicht ganz freiwillig gehen wird, soudenl nur der serbischen Hetze, der er verschiedene Male charf entgegengetreten ist, zum Opfer fällt.

getreten. ES steht also fest, daß die Leute tn Südwestafrika selbst auf eine Verminderung dttn7en! Aber der koloniale Berichterstatter des genannten BlätteS, der erst seit 14 Tagen im Lande ist, will es besser wissen und hält eine Verminderung der Truppe für zu früh.

bemertte Brander, begierig jode Gelegenheit er­fassend, um einen etwaigen Verdacht von sich ab- zulenken. „Erst wurde er bleich wie der Tod und dann übergoß dunkle Röte sein Gesicht."

„Still, Guido!" gebot Sir Harry etwas streng. Ich würde mein Leben zum Pfand setzen für die Ehrlichkeit des alten Kemp. Er hat mir fünf­undzwanzig Jahre gedient; in dieser Zeit habe ich ihn unzählige Mal erprobt und kenne ihn al» die Rechtschaffenheit selbst."

Brander wurde verlegen.

„Aber — sollte Mrs. Goß — sagte er.

„Kannst Du die alle mütterliche Haushälterin direkt verdächtigen, welche Dich liebt, als ob Dul ihr eigener Sohn wärest?" unterbracht ihn Sir Harry. „Guido, ich hätte nicht gedacht, daß Du einen Zweifel an der Ehrllchkett dieser einfachen, anspruchslosen Frau haben könntest! Sie sollte mich bestohlen haben? Nein, eher würde ich eS jedem anderen zuttauen!"

„Ich erwähnte ihren Nomen nur, weil er mir zuerst auf die Zunge kam", stammelte Brander. „Allerdings weiß ich, daß sie eines solchen Ver­brechens unfähig ist. Doch einer von der Diener­schaft mutz es getan haben."

„Es wußte keiner — ebensc»venig Mrs. Goß —, daß ich das Geld im Haufe hatte."

„Paxer wußte es", fiel Brander nasch ei«, fügte aber gelafiener hinzu: „Ich habe eine twh« Meinung von Paxer, aber er hat eine flitze Fa­milie und fuhrt ein für seine Verhältnisse etwa» splendides Leben. Die Gelegenheit nmg ihn m Versuchung geführt haben. Er kennt das HE, er weiß, wo Du den Schrankschlüssel aufbewahrst, er brachte das Geld von Gloucester und hat ge­sehen, daß Du es in den Schrank legtest. Er nmg am Abend inS Haus zurückgekehrt fein und sich versteckt haben, um zu einer späteren Stunde de» Raub auszuführem"

„Unmöglich!" Denn er wurde nicht, nachdem er da» Zimmer bereits verlassen, zurückgebchrt

Srschelnt t8»H4 E Zlnmahme der Sonn« »nL§eiertage.vlertel- jährlicher Veziigrprett ohne vringrrlohn tmb Bestellgeld in Mda so­wie aurwSrttlLiMt.

veranw. Redakteur.

v.r A. Wetzl er», » ...

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31. Kongreß der kathol. Kaufleute.

* Trier, 7. August 1908.

Der Kongreß der katholischen Kaufleute hak heute mit den Hauptverhandlungen begonnen.

Die Beratmigen der Generalversammlung der

Krankenkasse

des Verbandes haben gestern damit geendet, das auf Vorschlag der eingesetzten Sonderkommifftor die sämtlichen K affenbeitr a ge — von bet Lehrlingsabteilung abgesehen — u m 15 Proz (nach oben obgerundet auf 5 -Z) « rhoht wordeis sind Für dem Verbands nicht angehorend« Kassenmitglieder ist ein besonderer Zuschlag von 20 Proz. beschlossen worden. Die Kranken kasse hat also, was nochmals bemerkt fein mag den Vertrag mit dem Leipziger Aerzteverband ab gelehnt, sodaß die Mitglieder völlig frerk Wahl unter den Aerztm haben. (Bei Spezial ärzten sst Zustimmung der Kaffenorgane einzu holen). Im vergangenen Rechnungsjahr hat du Kaffe infolge der freien Arztwahl und der v o l len Uebernahme der Arzthonorare Rechnungen bis zu 1000 M für einzelne Krankheitsfalle bs zahlen muffen. Die Verbandskasse hat sich bisher als ein vortrettliches Agitationsmittel für de» Verband bewährt, sodaß es erklärlich ist, wenn dit Generalversammlung eine Einschränkung der Lev stungen abgelehnt hat. Die zukünftigen Beitragt sind noch niedriger als die in den meisten Kontur» renzkaffen. Die Generalversammlung hat del Kasse gestern ein neues Statut gegeben, weichet die Leistungen in verschiedenen Punkten noch er höht. Man hofft, daß die Genehmigung des StA luts durch die Behörden so zellig erfolgt, daß et am 1. Januar 1909 in Kraft treten kann. Del bisherige Vorstand und Ausschuß der Kaffe (Sll Hannover) wurde einstimmig wiedergewählt. —

Am Donnerstag abend fand die übliche B« grüßungsseier statt, die infolge der reichen Dar Bietungen des Trierer Kath.-kcmfm. Vereins glätt zend verlief. Unter allgemeinem Beifall ward« beschlossen, an den Grasen Zeppelin ein Huld» gungstelegramm zu senden.

Beginn der Hauptverhandlungelt

Heute morgen vereinte ein feierliches Hoch amt die Kongreßteilnehmer in der Liebfrauew kirche, — dieselbe Stätte, wo vor 24 Jahren bet Verband feierlich unter den Schutz der Mutte» Gottes gestellt wurde. Ein, Fenster der Kirch» hält die Erinnerung daran im Bilde fest.

Die Verhandlungen wurden um 10 Uhr in. großen Saal des Bürger Vereins durch den Vor' sitzenden der Verbandsleitung, Herrn Webet (Essen) eröffne!. In einer begeisterten Ansprache legte er die Tagung gerade in Trier als ein» glückliche Vorbedeutung für das Ergebnis der Kongreßverhandlungen aus. Ebenso unver­rückbar wie hier die tausendjährigen Zeugen chrisfi sicher Kultur und katholischen Glaubenslebens da-

Ausland.

♦ Die Arbeiterunruhen in Frankreich. Einen neuen Versuch, die Regierung zum Nach- geben zu zwingen, machten Donnerstag abend die Pariser Elektrizitätsarbeiter. Sie stellten ihre Arbeit ein, sodaß zwei Stunden lang Paris ohne elektrisches Licht war. In den Kaffeehäusern, Restaurants, öffentlichen Gebäu- den usw. mußten Kerzen und Oellampen herbei- geholt werden, damit das Publikum nicht ganz im Finstern sich befand. 9lur die Arbeitsbörse, von der bekanntlich die ganze Bewegung aus- geht, sowie einzelne Stadtteile, in denen man eine Teilnahme an dem Streike ablehnte, waren beleuchtet. Der Streik wurde gestern wieder bei­gelegt. ... „ , .. .

* I« Frankreich weist das Ergebms der indirekten Steuern für den Monat Juli d. I. einen Mehrertrag von 6772900 Franks auf im Vergleich zum Budgetvoranschlag und einen Minderertraq von 17 200 Franks gegen den gleichen Monat des Vorjahres.

* Gegen den spanischen Minister des Innern wurde am Donnerstag ein Attentat verübt. Als er sich aus seiner Wohnung nach dem Mini­sterium begeben wollte, schleuderte ein jüngst ent­lassener Beamter seines Ressorts einen Grpsblock gegen chn. Der Minister erlitt eine geringfügige Beinverletzung. Der Täter wurde verhaftet.

* Tas neue türkische Kabinett, das der neue Großvesir Kiamil schon am Donnerstag zu­stande gebracht hat, trägt ein ziemlich jung- türkisches Gepräge. In dem Ministerium be­finden sich mehrere bekannte Führer der jimg- türkischen Bewegung. JndeS soll auch dieses Kabinett nur als ein Nebergangsministerinm ge­dacht sein, das die Parlamentswahlen vorzu- bereiten hätte und dann einem parlamentarischen Kabinette weichen soll. Wenn auch die neuesten Meldungen über die Lage in der Türkei günstiger lauten, so scheinen die Jungtürken immer noch mit aller Gewalt dahin zu streben, den Sultan zum Abdanken zu bewegen, — In der Türkei find infolge der Aufhebung der Preßzensur in der letzten Woche nicht weniger als 265 Zeitungen entstanden, d. h. wenn der Be­richterstatter der Daily, Mail der nicht gerade als besonders zuverlässig gilt, sich nicht ver­zählt hat.

* Persien. Die jungtürkische Bewegung scheint sich nun auch auf Persien ausdehnen zu wollen. Jungtürkische Agenten trafen in Täbris ein, welche sofort eine leidenschaftliche Propaganda für die Vereinigung aller mohamedanischen Staaten unter eine liberale Verfassung aufnahmen. Das örtlich armenische Komitee soll beschlossen haben, mit den Jungtürken Hand in Hand zu gehen. So verflechten sich die Schicksale Persiens und der Türkei.

* Ter serbische Königsmord von 1903 erregt immer noch die Gemüter deS serbischen Volkes. In der Kammer wnrde der nationalen Fort­schrittspartei der Vorwurf gemacht, daß diese die Verschwörnng gegen den König Alexander einge-

Letattouedruckmrb

Verlag der Fuldaer L»

MonatrMage: EHchlchtMäütk"

Er klingelte, und als der Diener erschien, be­fahl er diesem, Kemp zu rufen. Einig« Augen­blicke später trat dieser ein.

„Wer öffnete heute morgen die Haustüren Kemp?" fragte der Baronet.

„Ich. Sir Harry, wie gewöhnlich", antwortete der Kellermeister bestimmt und unbefangen. „Ich verschloß das Haus gestern abend und öffnete es heute morgen wieder."

„Hast Du eine Tür oder ein Fenster offen gefunden?"

„Nein, Sir, wie sollte das möglich fein, da ich gestern abend alles Wohl verschlossen habe."

„Ist daS Hausmädchen heute schon in der Bibliothek gewesen?"

„Nein, Sir."

„Ich bin bestohlen, Kemp", erklätte der Baro­net ruhig. „Als ich gestern abend zu Bett ging, hatte ich zwei Tausend Pfund in Gold in diesem Schranke; den Schlüssel hatte ich in- der Tasche. Jetzt fand ich den Schlüssel hier am Fußboden, das Fenster dort war offen und daS Geld ge­fielen."

Kemp war bestürzt und eine Weile keines Wortes fähig, dann sprach er seine Verwunde­rung über den ihm unmöglich erscheinenden Dieb­stahl, sowie seinen Kummer über den Verlust aus, der feinen Herrn Betroffen hatte.

Sir Harry hatte ihn fcharf beobachtet und war jetzt vollkommen von seiner Unschuld über- Sjt — wenn er überhaupt einen Verdacht auf en alten treuen Diener gehabt hätte.

„Wer kann so gemein und schlE gewesen sein?" rief der Kellermeister. „Es nmh ein Einbrecher verübt haben."

„Nein, daS glaube ich nicht", entgegnete Sir Harry, „Du fandest die Türen und Fenster heute morgen alle verschlossen. „Dieses Fenster ist von innen geöffnet worden; der Dieb ist durch das- selbe hinausgegangen, aber auch wieder zurückge- konunen, hat eS aber, wahrscheinlich um den Ver­dacht auf einen Frenzen «t lenken, offen gelassen. Ich bin nun kein scharfblickender Detektive, aber

Deutscher Reich.

* Das Kaiserpaar ist gestern abend wieder in Berlin eingetroffen.

' * Die Post- und Telegraphenunterbeamten

Deutschlands haben sich zu einem allgemeinen Verband zusammengeschlossen.

--- Zur Reichs-Finanzreform betont die agrarisch-tonservative.Deutsche Tageszig/ in einer Polemik gegen die,Nationallib. Kor.esp/ wiederum äußerst scharf, „daß die Einführung einer Reichs- Einkommen- ober einer RerchS-Ver- mögenssteuer tatsächlich nicht zudenFmanz- resorm-Plänen gehört, über die jetzt Einmütigkeit - erzielt worden ist und die dem Bundesrate vor- aelegt werden sollen. Dagegen gehört zu den Plänen die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten."

* Landrat und Ortsvorsteher. In Heddes­heim, Kreis Kreuznach, war die Stelle eines Ortsvorstehers durch Tod des bisherigen In­habers freigeworden und mußte eine Neuwahl stattfinden. Man war geneigt, den bisherigen stellvertretenden Ortsvorsteher, der das Ver­trauen des ganzen Dorfes besitzt, zu wählen, zu­mal er während der Krankheit des letzten Vor­stehers und nach dessen Tode bereits die sämt­lichen Geschäfte geführt hatte. Zwar versuchte der Bürgermeister von Langenlosheim, zu dessen Bürgermeisterei Heddesheim gehört, den Gemeinde­rat von dieser Wahl abzubringen, mit dem Hin­weis, er würde doch nicht bestätigt! Allein mit allen außer zwei Stimmen wurde er vom Ge­meinderat gewählt. Nun versuchte zuerst der Bürgermeister, dann noch der Landrat von Kreuz- nach, v. Waffe, ihn zum freiwilligen Verzicht auf das Amt zu bewegen. Als aber alles nichts nützte, wurde er einfach — nicht bestätigt. In der am vorigen Samstag stattgehabten Neu­wahl wurde er aber wiedergewählt, und man ist gespannt, ob der Herr Landrat abermals die Bestätigung versagen wird. — Wo bleibt, so fragt die .Germania' das den Gemeinden zustehende Recht, ihren Vorsteher zu wählen, wenn ohne triftige Gründe ein Ehrenmann, der das Vertrauen seiner Mitbürger genießt und die Geschäfte schon längere Zeit aeführt hat, einfach nicht bestätigt wird. Und warum? Etwa weil er katholisch ist? Aber so weit sind wir doch hoffentlich noch nicht in Preußen, daß in einem zur Hälfte katholischen Orte nur ein r"o!estantischer Ortsoorsteher sein dürste

. . e Stnhlwerksverbnnd, über

vessen Haltnng namenlsich in den Reihen der Klemeisenindustne so viel Erbitterung herrscht, daß man hier schon die Aufhebung der Elfen- zölle gefordert hat, sucht sich in seinem neuesten Jahresbericht zu rechtfertigen. Er schreibt nämlich:

„Die Bemühungen, einen Stabeisenverband zu gründen, muhten am 4. Dezember abgebrochen werden da es aussichtslos war, über die geographischen und ökonomischen Verschiedenheiten der einzelnen Stabv- eisenwerke hinweg zu einer Verständigungzugelangen unv die Schwierigleiten mit einzelnen Hcwdlertzrmen zu beseitigen. Gleichzeitig kam der Verbmid mü nam­hafte» Preisnachlässen dm henmschen Halbzeugab- nebmern entgegen, obgleich diese zugleich die Kon- kurrenten der gemischten Werke sind und jede ihnen aewährle Preisermäßigung tn der ihrerseits erfolgten Preisfeststellung aus dem Weltmarkt durch entsprechendes

.iüiiun von Ed. Wagner.

^4] (Nachdruck verboten,-.

Brander durchsuchte den Schrank hastig, aber f°l ',@5 ift allerdings fein Geld ljier'', faßte er endlich; „es muß gestohlen sein. Sollte Paxer tzon Gloucester aus von einem „gewerbsmäßigen ^iebe verfolgt worden sein —"

Wie sollte ein gewerbsmäßiger Dieb wissen, wo "er das Geld zu suchen bat?" unters ihn der Baronet. „Ich weiß,,daß ich den Schlussel in der Tasche hatte, als ich zu Bett, ging. Er muß also daraus gestohlen fein, wahrend ich schlief, und ich kann es nur nicht begreifen, daß ich nicht erwachte, als der Dwb tn mein Stmme. kam."

Er ging ans Fenster, besichtigte dasselbe ge- nau und lehnte sich dann hinaus und betrachtete den vom Regen erweichteir Boden. Nach einer Weile trat er ins Zimmer zurück und sah Bran­der mit ängstlichen, bekümmerten Augen an.

„Das Fenster ist von innen geöffnet", sagte er „denn es ist keine Scheibe zerbrochen. Es hat kern getoaltfamer Einbruch ftattgefunben. Un­zweifelhaft ist diese Nacht jemand aus dem Fen­ster gestiegen, aber ebenso,^wiß ist es, daß dieser wieder hcreingekommen ist."

Brander erschrak, sein Gesicht wurde toten- bleich.

„Was veranlaßt Dich zu dieser Annahuw?" fragte er.

„Die doppelte Fußspur unter dem Fenster. Ich sehe deutlich, daß er kam und ging. Wenn er nicht einen Verbündeten im Hause hat, der ihm das Fenster öffnete, so ist er nicht hier herein gekommen, da es von innen geschloffen war. Ich will hören, ob die Fenster und Türen heute mor­gen überall wie gewöhnlich vorgefunden wurden."

antwortete Kemp. „Aber haben Sie denn gar keinen Verdacht?"

„Bis jetzt noch nicht; hoffentlich werde ich aber bald eine Spur finden. Du kannst nun gehen, Kemp, und vergiß nicht, über die Sache zu schwei­gen."

Dieser entfernte sich mit gesenktem Haupte und schwer bekümmertem Gesicht.

„Wie bewegt schien der alte Mann zu fein, all Du ihm Deinen Verlust anaeiateft Vater.

ßemntergeben zum Ausdruck zu bringen pflegen. Dre großen gemischten Werke brachten also mit den vom ^tahlwerkSverbaud im Sntereffe d-rdeimsschenH^b- zeugabnehmer gewährten ^isnachlässen ttn doppeltes Opfer, und wenn die reinen Werke trotzdmr in der Oeffentlichkeit gegen den EtahlwerkSverband Stimmung m machm suchen, so ist e8 nur »u bedauern, daß man L h«, Oeffentlichkeit zu unbegründeten und ungerechten Anarstsm^mrs den Stahlwerksverband selbst sich ver-

Der Stahlwerksverband hat dm reinen Werken alle durch ihre schwächere Lage gebotenen Rück­sichten zuteil werden lassen."

Die weiteren Ausführungen gehen dafan, daß die reinen Werke, die dem Verbände das Halb- zeug abkaufen, das Auslandsgeschäft verderben. Nicht die reinen Walzwerke sind es, dte tm Aus- lande mit dem Unterbieten der Preise begannen, sondern gerade die Mitglieder des Stahlwerks- verbandeS, insbesondere die großen westlichen Stahlwerke, die auf der Suche, möglichst große Aufträge hereinzubekommen unv sich nicht einmal im Inland« auf der Basis eines um 40 Mark pro Tonne zurückgegangenen Stabeuenpretses einigen konnten. Die reinen Werke haben an sich schon gegenüber den großen gemischten be­trieben in den Zeiten rückläufiger Konjunktur den nicht zu unterschätzenden Vorteil voraus, ihre Produktion den veränderten Konsumverhätt- niffen schneller anpaffen ?u können, als der schwerfälligere gemischte Betrieb. , Nichts zeigt das deutlicher, als der derzeitige geringe Inlands- versand des Stahlwerksverbandes in Halbzeug.

□ Gegen die Beschäftigung ausländischer Arbeiter bei Tiesbanten, besonders bei Kanal- bauten, hat am Donnerstag abend eine stark- besuchte Versammlung der christlich-nationalen Arbeiter Groß-Berlins Stellung genommen. Sic. Mumm teilte dabei mit, daß noch am Nachmit­tag auf dem Ministerium der öffentlichen Ar­beiten eine Konferenz zwischen mehreren Dezer- nenten und einer Vertretung der christlich-natio­nalen Arbeiter stattgefunden habe, wobei das Ministerium erklärt habe, daß es die Beschäf­tigung ausländischer Arbeiter bei Kanal- und Eisenbahnbauten den Unternehmern nur dann gestatten werde, wenn eine einwandsfreie Be­schaffung einheimischer Arbeitskräfte nicht möglicy sei, und daß insbesondere kein sich meldender geeigneter deutscher.Arbeiter unbeschäftigt bleiben solle. Es wurde von der Versammlung eine Resolution angenommen, in der n. a. auf die nationale Pflicht hingewiesen wurde, in einer Zeit wachsender Arbeitslosig-eit deutsche Arbeit in erster Linie deutschen Arbeitern zuzuwenden.

** Arbeiterfrage in Deutsch-Südwestafrika. Der koloniale Berichterstatter der .Deutschen Tageszeitung' schreibt (Nr. 361) aus Südwest, afrrka über die Arbeiterfrage u. o.:

„Bon Farmern und selbst Kaufleuten werde ich darauf anfmerklam gemacht, daß eine Verminde­rung der Truppe die Arbeiterverhältnisse bessern würde. Offiziere und Mannschaften bean- spruchenTa usende von schwarzen Dienern. Man verkennt zwar nicht, daß eine weitere Verringe­rung der Schutztruppe den hiesigen Markt noch kleiner machen würde; vielfach aber steht man auf dem Stand­punkt, daß eine scharfe aber kurze Krisis, ein schneller Schritt besser wirken würde, ais langsames Herum­doktern. Man erwartet hier in manchen Kreisen des­halb schon eine starke Verminderung der Schutztruppe, weil von den Hereros und Stämmen des Südens keine Gefahr mehr droht."

Ganz dieselben Motte haben im letzten Winter die Zentrumsabgeordneten Speck und Erzberger in der Budgettommission gebraucht und da ist ihnen gerade die .Deutsche Tagesztg/ entgegen-