35. Jahrgang.
Fulda, Samstag den 1. Ausiust 1908.
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Sie Sie
Sizilien verunglückte und nun dort als Irrsinniger lebt"
„Das alles wußten Sie zuvor. Da Sie nun aber sehen, daß Ihre Theorien falsch waren, müssen Sie unverzüglich nach Italien zurückkehren und nach dem unglücklichen Brander sehen. Ich bin nicht gesonnen, Ihnen auch nur ein Pfund extra —"
„Einen Augenblick," unterbrach ihn Palestro in fast gebietendem Tone und richtete seine kleinen Augen fest auf Brander. „Der alte Gärtner sagt, daß „Master Guido" sich gänzlich verändert hätte, daß er ein ganz anderer Mensch geworden fet Von dem Augenblick an, als ich durch das Fenster im Hause der Vicini's Sie beobachtete, wußte ich, daß ein schreckliches Geheimnis über Ihnen beiden waltete. Und dieses Geheimnis habe ich entdeckt!" rief er mit drohender Stimme und mit drohender Geberde. „Jener Blödsinnige in Neapel ist der wirkliche Guido Harrington, und Sie, falscher Freund — sind der Reisegesellschafter Ferdinand Brander!"
Erschreckt sprang Brander einen Schritt zurück. Der starre Blick seiner Augen, das Entsetzen in seinem Gesicht verrieten sofort seine Schuld.
„Das ist nichtswürdig!" stammelte er, kaum wissend, waS er sagen sollte.
„Sir Harry würde die Sache doch einer Erörterung wert erachten," versetzte Palestro mit der größten Ruhe.
Es folgte ein kurzes Schweigen. Brander fah sich entlarvt und der Gnade seines Gegners preis- gegeben. Nach rascher Erwägung feiner Lage fragte er mit tiefer Stimme:
„Wie viel Geld gebrauchen Sie?"
Palestro überlegte
„Eine unter den obwaltenden Umständen nur geringe Summe," sagte er dann. „Bedenken Sie, welcher glänzenden Zukunft Sie entgegengehen. Sie haben fürstliche Besitzungen, sowie eine hübsche und reiche Braut in Aussicht, Sie werden
eines Tages ein großer Mylord sein. In Anbetracht alles dessen sind zwei Tausend Pfund, die Sie mir geben werden, nur eine Kleinigkeit. Für diese Summe jetzt und etwas mehr, wenn Sie Mylord geworden sind, verspreche ich bei allen Heiligen, über Ihr Geheimnis die größte Verschwiegenheit zu bewahren."
„Warum verlangen Sie nicht die Kronjuwelen von mir?" rief Brander unwillig. „Zwei Tausend Pfund! Unmöglich!"
„Sie müssen die Summe schaffen, einerlei, wie. Ich werde morgen abend um zehn Uhr an dieser tSelle sein, um das Geld in Empfang zu nehmen.
Schaffen Sie es nicht, so gehe ich zu Sir Harry. Um Sie aber vor Verräterei zu toar- nen, will ich Ihnen noch zu bedenken geben, daß meine Frau Giudilta, im Fall mir etwas passieren sollte, zu Sir Harry gehen, und ihm alles er- zählen wird. Um zehn Uhr bin ich hier und treffe ich Sie nicht, fo gehe ich um elf Uhr zu Sir Harry!"
Mit diesen Worten tvandte er sich um und verschwand im dichteren Gebüsch des Parkes, Brander seinen Gedanken überlassend.
„Zwei Tausend Pfund!" rief dieser verzwer- seit. „Ich kann nicht den zehnten Teil der Summe auftreiben. Und wenn ich das Geld nicht schaffe, bin ich verloren! Was soll ich beginnen?"
XXXII.
In großer Gefahr.
Die Situation, in der Nelly Wilkins sich befand, war geeignet, das stärkste Herz, den festesten Willen zum Wanken zu bringen. Mrs. Jebb und ihr Sohn waren so lieb und teert, waren ihre steten Gesellschafter gewefen von ihrer Kind- hett an; konnte sie also das Wort sprechen, welches den tötenden Stahl in ihre Herzen bohrte? Sie verbarg ihr Gesichtz mit beiden Händen und einen Augenblick drohten ihre Kräfte sie zu verlassen. Doch hatte sie sich bald wieder aesammett.
Palestro sann einen Augenblick nach, dann cnttoortete er:
„Ich will offen und ohne Umschweife zu Ihnen prechen, Signor. Ich hatte anfangs die Idee les aßt, baß Sie und der Blödsinnige Brüder raren Ich dachte, jener wäre der Aelteste und somrt der Erbe, und daß Sie sich freuten, ihn aus dem Wege zu haben."
• " ‘ fragte Brander scharf, als Palestro
einen Augenblick schwieg.
f^nd, daß ich im Irrtum war. Ich habe Mit bet Torwachterrn und dem alten Gärtner gesprochen und horte, daß Mr. Guido Harrington keinen Bruder, wohl aber einen Reisegesellschafter, namens Ferdinand Brander hatte, der in
reitung der Generalversammlungen der Katholiken Deutschland- gewiß sein, als eS beschloß, „daß das Papstjubliäum der 55. Generalversammlung »u Düsseldorf ein besondere- Gepräge verleihen und diese zu einer großen Kundgebung der Katholiken Deutschlands zu Ehren deS hü VaterS gestalten solle/ Mit Begeisterung haben bte Katholiken Düsseldorfs diesen Auftrag angenommen, und mit Eifer ist daS Lokalkomitee an die Bor- bereitung der Jubelfeier herangegangen, aufdaß sich von neuem zeige, wie wahr daS schone Wort ist daS die am Grabe des hl. Bonifatius versammelten Erzbischöfe und Bischöfe in ihrem Hirtenbrief zum goldenen Priesteriubiläum Papst PiuS X. gesprochen haben: „Treue Liebe und Anhänglichkeit an den hl. Stuhl waren immer die Zierde der Katholiken Deutschlands und werden eS auch in Zukunft bleiben".
Darum, deutsche Katholiken, auf nach Düffel- darf!
Kein Ort, wo Katholiken in größerer Zahl sich finden, kein Verein, der sich katholisch nennt, darf in diesem Jahr in der Mitgliederliste und unter den Besuchern der Versammlung fehlen. Unsere große, weitgebaute Stadt bietet Platz für alle, so viele da kommen wollen. Ein herzliches „Willkommen" aus treu katholischem, rheinischem Herzen ist allen gewiß.
Loksl-Somiltt fSr hit 55. Skneral-PttsäMliW 6« Salhollken Deutschlands.
Deutsches Reich.
* Der Kaiser weilt noch in Swinemünde, Donnerstag abend traf der Reichskanzler dort em. Freitag vormittag unternahm der Kaiser mit dem Reichskanzler, General Grafen Hülsen-Häieler und dem Gefandten v. Trentler eine Automobil- ahrt nach Heringsdorf Im Lause des Sams- tagS dürste die Kaiserin ebenfalls in Swinemünde eintreffen.
(*) Die Bcamteubesoldiingsvorlage sollte angeblich einer Neubearbeitung unterzogen werden, wobei besonders eine Herabsetzung der Wohnungsgeldzuschüsse beabsichtigt sei. Jetzt will em Bei- liner Blatt an zuständiger Stelle erfahren haben, daß die Vorlage keiner Neubearbeitung unterzogen werde. Richtig sei vielmehr, daß die Beamtenbesoldungsvorlage bereits vor der Abreise des Staatssekretärs Sydow fertiggestellt wurde und der Erledigung durch den Bundesrat harre. In Preußen liege die Angelegenheit der Beamtenbesoldungsfrage ganz ebenso wie im
* Die Farbe der Feldfahrzeuge. Wie der ,Jnf.' mitgeteilt wird, soll die feldgraue Farbe jetzt nicht blos bei den Feldsahrzeugen der Armee im großen zur Anwendung kommen, sondern eS sollen auch alle Einzelteile bis zum kleinsten herab den seldgrauen Anstrich er- halten. Die bisher zum Teil noch üblichen braunen oder blauen Farben werden gelöscht und durch feldgrau ersetzt. Die neue Bestimmung bezieht sich auch auf Beschläge, Ketten, Nieten, Klammern und Reifen, die früher meist eine schwarze Färbung aufroiefen.
* Ein neuer deutscher Flottenbund, der neben dem jehiaen Flotten verein bestehen soll, ist, wie mehrere Blätter melden, in einer in Mülheim (Ruhr) abgehobenen Versammlung gegründet worden. Viel Mitglieder wird er wohl kaum gewinnen, meint die /Nationalztg/ und dürfte damit Recht behalten.
g. Die Politik der Nadelstiche. Zu den Kriegei vereinen, die wegen der bekannten Wahlpolitik in den Kriegervereinen aus dem Verbände ausgetreten find, gehörte auch der Kriegerverein von Graach an der Mosel. Dort starb nun kürzlich ein alter Kriegsveteran, der mit den üblichen Ehren begraben werden sollte. Allein dem Vorstände des Vereins ging von der Polizeibehörde, dem Bürgermeister Ziegler, ein Schreiben zu, in dem es heißt:
„Da durch volizeiliche Verfügung vom 27. Dezember 1908 (sic!) ausdrücklich die dem Kriegerverein ,u Graach auf Grund der Allerhöchsten Kabmettsordre vom 22. Februar 1842 erteilte Bestätigung zurückgezogen ist, und er dadurch alle Vorrechte im Sinne der vorgenannten Allerhöchsten Kabinettsordre verloren hat, ergeht hiermit an den Kriegerverein zu Graach auf Grund des § 132,3 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwalrung vom 30. Juli die Aufforderung, bei der Leichenfeier 1. die Führung der Vereinssahne, 2. das Schießen über das Grab des Verstorbenen zu unterlassen und zwar bei Vermeidung unmittelbaren Zwanges für den Fall der Zuwiderhandlung."
Es ist selbstverständltch, daß die Polizeibe- Hörde einem Verein gar nicht verbieten kann, eine Vereinsfahne zur Beerdigung miizuiühren, falls sich an derselben keine Enbleme befinden, dessen Tragen entweder verboten oder von einer speziellen polizeilichen Erlaubnis abhängig sind. Diese kleinlichen Chikanen, wie sie von Seiten der Behörde, anscheinend von einer höheren Stelle ausgehend, seit einiger Zeit gegen die ausgetretenen Kriegervereine beliebt werden, sind tief beschämend, und Ausländer werden auSrufen:
mit geflöteten Händen blickte sie zu ihrem Feind, dem triumphierend lächelnden Carvilli empor und rief mit bittender Stimme:
„Sie können nicht fo herzlos sein, diese armen Menschen, die Ihnen nichts zu Leid getan haben, deren Unglück es nur ist, mir fo treu gedient ju haben, um meinetwillen morden zu lassen. Wenn noch ein guter Funke in Ihnen ist, so nehme» Sie Ihr grausames Wort zurück und lassen Sie leben!“
„Ha!" sagte der Hauptmann mit widerlichem Lachen, „fo habe ich Ihren Geist gebrochen, mein stolzer, unzähmbarer Vogel? Und Sie bitten bei mir um Gnade? Ich sage es ja, daß Sie mich noch nicht fennen; denn eher würden Sie einen Tiger durch Ihre Bitten bewegen, die Beute ber- zugeben, die er hält, als den roten Earvelli, fein Wort zurückzunehmen Diese Leute haben mit unserer Sache nichts zu tim: aber können Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren. Sie, die sie mit einem einzigen Worte reiten könnten, sterben zu sehen, fo kann ich es erst recht. Das Schicksal dieser Leute, Mylady, liegt in Ihrer Hand — nicht in der meinigen!"
„O, grausam, — grausam!" rief Nelly schluchzend und in vollster Verzweiflung.
Sie sind grausam, Signora, nicht ich!" sprach der Räuber ruhig.
Nelly toar keines Wortes fähig; sie weinte bitterlich.
„Seien Sie ruhig, Miß Nelly, mein arme* Kind!" rief die alte Dienerin mit fester Stimme. „Sie dürfen dieses Ungeheuer nicht heiraten, um mich zu retten. Ein für solchen Preis gewonnenes Leben wäre mir schrecklicher ateoer Tod, den ich nicht fürchte, da er ja nur ber Uebergang von den irdischen Dualen zu dem himmlischen Frieden ist Jedermann muß ja früher oder später sterben. Ich habe ein langes und schönes Leben gehabt und finde den Tod nicht schreckliche Der einzige Umstand, der mir das Scheiden schwer macht, ist. Sie in so bedrängter Laos zurücklasien
, Es gibt für ihn keinen sicheren Platz." Brander nickte zufrieden.
. „Gut", sagte er; „aber warum haben mir das nicht geschrieben? Warum kamen stzlbst nach England?"
Einladung
zur
55. StntrofoflNimlnng 6« Scholiken DeutMM, DWdsrs 1908.
Deutsche Katholiken!
3um brittenmale soll Düffeldorf, die Kunst- und Gartenstadt am Rhein, die Ehre und die Freude haben, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in feinen Mauern zu begrüßen. Warm und herzlich wie in den Jahren 1869 und 1883, so geht auch jetzt die Einladung hinaus an alle deutschen Katholiken, daß fie recht zahlreich zu uns kommen, zu gemeinsamer Anregung und Erbauung, zu gemeinsamer Arbeit und Freude. tm , .
Wir haben nicht nötig, die Bedeutung der alljährlichen Katholikenversammlungen bar-ulegen; sie sind anerkannt alS vorbildliche Veranstaltungen, als machtvolle Kundgebungen katholischen Denkens und Wirkens. Und wie eS auf den früheren Versammlungen war, so soll es mit GotteS Hilfe auch in Düsseldorf sein. Von neuem wollen wir unS und der Welt vor Augen führen die kulturelle Bedeutung unserer hl. katholischen Glauben-, ehrlich und eifrig prüfen die Richtlinien für unsere Betätigung im öffentlichen Leben, in gegen- fettiger Aussprache untz stärken und rüsten zu tatkräftigem Wirken für Kirche und Vaterland, von neuem gelobend und verlangend die Wahrung und Förderung deS konfessionellen und deS sozialen Frieden». Alle Stände soll unsere Versammlung umfassen, allen soll sie dienen, die lemeinfamen Interessen fördernd, die wider- 'p wchenden ausgleichend. Die ganzen Verhand- ungen aber sollen getragen fein von dem ®e» »a iken treuen, unerschütterlichen Festhaltens an dein von den Vätern ererbten christlichen Glauben, an unserer hl. römisch-katholischen Kirche. Und wahrlich not lut in unseren Tagen die Pflege und Kräftigung diese» Gedankens ! Don allen Seiten kommen Angriffe auf Christentum und Kirche: Das Christentum soll veraltet, die christ- iche Sittenlehre nicht mehr zeitgemäß, die katho- ische Kirche von Kultur und Fortschritt Überholt ein, die Katholiken zur Mitarbeit im öffentlichen Jeben erst geeignet werden, wenn sie sich vom römischen Joche befreit haben. Diesen Angriffen wollen wir entgegensetzen da» freudige Bekennt, nis zu Christentum und Kirche, die feierliche Erklärung, daß die deutschen Katholiken — festwurzelnd in der Liebe zum Vaterland — heute wie zu allen Zeiten mit Liebe und Verehrung, in Treue und Gehorsam ausblicken zum überhaupt ihrer Kirche, zum Stellvertreter Christi auf Erden, dem hl. Vater in Rom.
Gerade die diesjährige Versammlung hat befonbern Anlaß, den Gefühlen treuer Anhäng, lichkeit an den hl. Vater Ausdruck zu geben. Am 18. Septembetz tritt Pius X. in das 50. Jahr feine» priesterlichen Standes, und dankbaren Herzens bringen die Katholiken aller Länder dem Jubelpriester auf Petri Stuhl begeisterte Huldi gungen bar. Allgemeiner freudiger Zustimmung durfte deshalb da- Zentralkomitee zur Borde-
fo etwas tst auch nur ht Preußen möglich. Die Sache hat aber auch eine sehr ernste Sette. Daß dadurch die Stiegetoeretne „geduckt" ober einge» chüchtert würden, braucht die Polizei nicht zu glauben, wohl aber wird im Volke eine unendliche Erbitterung grofcgejogen und in den Kriegervereinen selbst macht sich eine Unlust bemerkbar, die von schlimmen Folgen sein kann. Zu einer Zeit, wo der Gedanke an einen Krieg noch viele Gemüter beschäftigt, da reizt man in Preußen durch ganz unverständliche Chikanen tausende von Rriegern bi- auf» Blut? Ist man denn wirklich so verblendet, daß man da» nicht sieht? Hier sollte von den verantwortliche« Stellen einmal ein energisches Wort gesprochen werden, ehe es zu spät ist.
(*) Ein seltsames Urteil wurde in Berlin gegen einen Schankwirt gefällt; er wurde wegen . groben Unfuges ?u 150 Geldstrafe verurteilt und warum? Er gab nach dem Berichte des Vorwärts zu, daß er am 3. Juni, dem Tage der Wahlmännerteahlen, die Wählerliste der zweiten Abteilung seines Urwahldezirkes ml Fenster gehängt hatte und daß wahrend des Wahlaftes. sobald die Abstimmungsergebnisse bekannt wurden, die Namen der sozialdemokratischen Wähler rot, die der bürgerlichen Parteien blau angestrichen wurden. Der Vorsitzende fragte den Angeklagten, ob er denn dadurch, daß er die Namen der Wähler rot und blau anstrich, dieselben nicht habe kennzeichnen wollen. Der Angeklagte bemerke, das sei nicht feine Absicht getreten. Durch den Aushang sollte jeder, der sich für den Ausfall der Wahlen interessierte, informiert werden über die Zahl der Stimmen, bte für die Sozialdemokratie und für ihre Gegner abgegeben wurden. Wenn der Vorsitzende an eine Kennzeichnung zum Zwecke des Boykotts denke, so sei diese Annahme schon deshalb hinfällig, wett unter den Angestrichenen gar keine Geschäftsleute waren, die von einem Boykott hätten betroffen werden können. Der einzige Zeuge, ein ffrtmi- nalschutzrnann, sollte hauptsächlich darüber Auskunft geben, wieso denn durch den Aushang bet Liste grober Unfug verübt worden sei. Während es in dem gegen bett Angeklagten erlassenen Strafbefehl heißt, er habe durch den Aushang einen Auslauf verursacht und eme Belästigung des Publikums herbeigeführt, wußte der Zeug« nichts von einem Auslauf. Er hat am Wahltag« in etwa 25 bis 30 Schanklokalen des betreffenden Polizeireviers auf Anordnung seines Vorgesetzten die ausgehängten Listen entfernt, nachdem etwa 10—20 Personen, die in den Listen standen, auf dem Polizeirevier angefragt hatten, ob denn der Aushang zulässig sei. Einen Auflauf hat der Zeuge vor keinem der Lokale gesehen, höchsten» fünf Personen standen gleichzeitig vor dem Fenster, ohne daß dadurch irgend eme Störung zu befürchten gewesen wäre. Der Vorsitzende verkündete das Urteil: Das Gericht hält den Tat- bestand des groben Unfugs für gegeben. Ein Aufkauf habe zwar nicht ftattgefunben, wohl aber eine Belästigung des Publikums. DaS sei schon deshalb anzunehmen, weil — das Vers halten des Angeklagten typisch sei, denn gleich- zeitig sei ber Aushang der Listen in mehreren Lokalen erfolgt, so daß alle, die davon betroffen waren, sich belästigt fühlen fnnten. Es fei auch fein Zweifel, daß durch die Kennzeichnung bte soziale Existenz der Bürger angegriffen werden sollte. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 30 M verurteilt." — Solange die Wahl öffentlich ist, läßt sich ein weiteres Be- Fanntgeben ber Abstimmung ber einzelnen Wähler nicht verbieten und nicht verhindern. Man führe die geheime Wahl ein, dann hören solche Dinge von selbst auf.
I. Vorstand.
A. Ehrenpräsidium: 1) Ehrendomherr Stadtdechant Msar. Kribben, Päpstl. Geheimkämmerer, Erzbischöfl. Geistl. Rat. 2) Stadtverordneter Justizrat Euler. 8, Landesrat a. D. Fritzen, Mitglied des Reichstages. 4) König!. Schloßhauptmann Rttterhauptmann Graf von Svee.
B. Präsidium: Landesrat Adams, Vorsitzender. Definitor Pfarrer Bechern. Notar Justizrat Dr. Gerh. Schmitz.
C. Ehrenbeirat: Msgr. Pfarrer Cremer, Päpstl. Geheimkämmerer. Rentner Heinrich Ditges. Definitor Pfarrer Ester. RegierungSrat Dr. FerverS, Mitglied des Reichstage» und deS Abgeordnetenhauses. Sanitätsrat Dr. HermkeS. Amtsaerichtsrat Kirsch, Mitglied des Reichstage» und des Abgeordnetenhauses. Ober- landesgerichtsrat Marx, Mitglied des Abgeordnetenhauses. Gesängnispsarrer Dr. Schmitt, BezirksprSses der katholischen Arbeitervereine, Mitglied des Abgeordnetenhauses. Geh. Justizrat Dr. am Zehnhoff, Mitglied des Reichstage» und des Abgeordnetenhauses.
v. Schriftführer: Oberlehrer Dr. Altmeyer. Rechtsanwalt Bewerunge. Religion?- und Oberlehrrr Dr. Lohnen. Schatzmeister Wellenberg.
E. Schatzmeister: Bankier Karl Padberg.
F. Vertreter der Ortsgeistlichkeit: Pfarrer Manner.
G. Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Kommissionen: 1) Redner-Kommission: Stadtverordneter Dr. Hüsgrn. LandeSrat Dr. Horton. 2) Preß- Kommission: Rechtsanwalt Bewerunge. Partei-Sekretär I. Pfaffendorf. 3) Finanz-Kommission: Kaufmann Wilh. Weilinghaus. Rmtsgerichtsrat Dr. Hochgürtel. 4) Anmelde-Kommission: Direktor Herrn. Jos. Dttges. Juwelier Joseph Sporrer. 6) WohnungS-ttommlssion: Kaufmann Joh. Friedr. Schnaß. Kaufmann L. Lauskötter. 6) Begrüßungs-Kommission: Kaufmann Wrlh. Guthmann. Lehrer W. Bienefeld. 7) Bau-Kommission: Architekt Profrffor Kleesattel. Architekt W. Süllenfuß. 8) Ausschmückungskommission: Mw er W. Döringer. Gartenarchitekt und Gärlnereibefitzer H. Caasmann sen. 9) Ordnungskommission: Kaufmann I. W. Laurentius. Stadtverordneter Arbeitersekrelär Beruh. Meyer. 10) BerkehrSkommission: Postrat Groß. ReichStagsabgeord- neter Stadtverordneter Schiffer. 11) Festzugskommission: Landtagsabgeordneter, Bezirkspräses, Gefängnisvfarrer Dr. Schmitt. Gesellenpräses Rektor Schwippert. 12) Feftkommisfion: Stadtverordneter Justizrat Dr. Becker. Kaufmann Karl Schrammen. 18) Altarkommission: Kaufmann Wilh. Weilinghaus. Pfarrrektor Kamp.
Der falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
68] (Nachdruck verboten).
In Branber's Augen funkelte ein unheimliches Feuer und es war zu sehen, baß er sich mit Morbgebanken beschäftigte. Aber schon im nächsten Augenblick schreckte er vor dem Gedanken an eine solche Tat zurück. Schlecht tote er war, konnte er doch nicht — wenigstens jetzt nicht — mit UVerlegung den morden, ber einst sein bester Freund war.
„Ist er in dem Versteck bet Räuber auch sicher?" fragte er.
„Sicherer als in Sizilien."
• „Wer ist das englische Mädchen, welches sich feiner annahm?"
Signora Wilkins." ,
„Und sie glauben, daß der Blödsinnige Jahre lang unentdeckt in ber Höhle des roten Carvelli leben könnte?"
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Verlag der Fuldaer Ak»
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