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Zuldaer W Zeitung

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Monatsbellage: „MdE GeschichtrbMer"

Fulda, Samstag den 25. Juli 1908.

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Drittes Wtcrtt

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Reklamen- und Anzeigenteil

Kleines Feuilleton

Unterschied zwischen der dortigen Form des Ta­baksvertriebes durch den Staat und einer ein-

Reichtum des Landes an indirekten Steuern

vnd Feiertage. Viertel» Mrlichbverugrprei, »hiteVringerloh« und VeßeUgeld in Fuldas». wieaurwürtrt.50BU.

terantw. Redatteurr «arlZchütte;

sehr scharf mitgenommen, neu im Verhältnis zum noch längst nicht dasselbe wie bei uns.

Dann bleibt, was z.

M Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rstationrdruckund Verlag der Fuldaer«, tiendruckerei in Fuld« Fernsprecher Ur. 9.

des Schiffes, überhaupt alle die Einzelheiten, derart genau und übereinstimmend, daß jeder Zweifel an ihren Aussagen völlig ausgeschlossen galt. Äuch auf wiederholtes Befragen blieben die Kinder bei ihren Aussagen. Und nun ver« gleiche man hiermit die Tatsache, daß die Fahri Zeppelins überhaupt nicht stattfinden konnte und somit die Aussagen der Kinder sich in allen Ein­zelheiten als unwahr erwiesen. Auch nachdem die Kinder später auf diese Tatsache aufmerksam gemacht worden waren, blieben sie dennoch samt und sonders bei ihren Aussagen.

verwickeln würde. Dies kann aber sehr leicht ge­schehen, wenn der Zeuge nicht in allen Punkten ganz sicher ist. Deshalb wird ein sogen. Kreuz­verhör mit ihm vorgenommen und wie man be­richtet hat wurde im Eulenburgprozesse ein sol­ches Kreuzverhör mit dem Zeugen Ernst vorge­nommen. Viele wissen nicht red)t, was das ist. Jedenfalls ist es ein Verhör, das für den Zeugen nicht angenehm ist. Nach der Strafprozeßocd- mtrrg muß der Vorsitzende des Gerichtshofes, falls Ankläger und Verteidiger einen entsprechenden übereinstimmenden Antrag stellen, die Verneh­mung der Zeugen, aber auch der Sachverständi­gen, dem Ankläger und dem Verteidiger über­lasten. Es versteht sich von selbst, daß beide oft anscheinend unverfängliche Fragen stellen, jeder von seinem Standpunkt aus, so daß der Zeuge sich der größten Aufmerksamkeit befleißigen muß. Der Vorsitzende behält natürlich trotz alle­dem die Prozeßleitung auch während eines Kreuz­verhörs in Händen, er kann auch selbst Fragen stellen, er kann auch jeder Partei die Befugnis zur Vernehmung entziehen, wenn diese miß­braucht wird.

— Äruhcrerziehung der Vorzeit. Die Frage der Kindererziehung steht wieder einmal im Vor­dergründe des Interesses. Ein beredter Vorläu­fer der neuen Bestrebungen ist der Wiener Hof­prediger Abraham a Santa Clara, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert lebte. Seine Satire auf die verkehrte Kindererziehung ist amüsant genug, um hier wenigstens im Aus­zug wiedergegeben zu werden: „Sage man mir aber", heißt es in seinen vielgelesenen Schrif­ten, die mit ihrem volkstümlichen Humor so wohltuend berühren, „wie werden in jetziger Zeit die Kinder erzogen? Ich geb' die Antwort: Die Kinder kommen kaum aus der Wiege, so werden sie gleich geschmiert, geschmückt, gedrückt, und hat die Seele in ihrem zarten Leibe gar ein hartes Quartier, indem die Kinder gleich von Jugend auf mit Brusteisen, Halseisen dergestalt ruiammenaepfränget werden, daß sie fast feinen.

Atem schöpfen können. Dieses alles geschieht, damit man sie gewöhnt, einen geraden Leib zu er- halten, und sollte man ihnen auch einen Brat­spieß durchziehen, so ist es schon Consuetudo, die Gewohnheit der Welt. Nach diesen muß der Tanzmeister kommen: Da wird der kleine Franz! instruiert in dem Tanzi, die Jungfrau Gregl tanzt ein Menuetti, die Marinandl ein Sara- bandl und einen Bouree die junge Dorothee: sie bücken sich weit tiefer im Lanzen als in der Kir­chen vor der Monstranzen. Sodann meldet sich auch der Sprachmeister an, da müssen sie schon französisch plaudern wie die Paperln (Papa­geien), schreien Ouil Oni! Qui! wie die Schwein, dieses geht ihnen weit besser als das Vaterunfer ein." Und in diesem Stil geht es noch eine Zeit- lang weiter. Gewiß hat der Wiener Hofprediger nur eine Karikatur geliefert, gleichwohl war es aber mit der wirklichen Kindererziehung der Kreise, die er im Auge hatte, ziemlich übel be­stellt.

— Für die Beurteilung von Kinderanssagen ist bekanntlich die größte Vorsicht geboten. Als ein treffenbe§ Beispiel hierfür erzählt die »Köln. Volksztg." folgenden Fall: Anläßlich der projek­tierten Fernfahrt des Zeppelinschen Luftschiffes war in der Presse des Saarreviers gemeldet wor­den, daß möglicherweise die Rückfahrt von Mainz über Oberstein-Neunkirchen-Saarbrücken statt- finden und das Luftschiff früh morgens über Neunkirchen (Bezirk Trier) sichtbar sein könnte. Es hatten sich deshalb viele Neugierige aus der Gegend zu der angesagten Zeit auf höher ge­legenen Punkten eingefunden und erwarteten das Luftschiff, sowie das eventuell zu verneh­mende Zeichen mit der großen Dampfsirene auf der Neunkirchener Hütte. Bekanntlich war das Harren umsonst. Nun kommt daS Merkwürdige. Am Donrerstagmorgen fragte eine Lehrperson die Schulkinder, wer von ihnen in der Nacht das

einer Verwendung des lenkbaren LlrsNchiffes zu Angriffszwecken schon ins Auge gefaßt werde. Deutschland hat bekanntlich die Haager DeNa- ration nicht mit unterschrieben, die das Werfen von Explosionsstoffen aus Luftschiffen verbietet: aber das alles gehört noch einer fernen Zukunft an.

Wenn Sie Ihr Kind

gesund, munter und geistig frisch sich ent­wickeln sehen wollen, so geben Sie ihm D». Hommel's Haemalogen. Lassen Sie sich je­doch keine der vielen Nachahmungen auf­reden l

einzelne wenige Objekte gehalten, sie aber So trifft den einzel-

B. Oesterreich angeht, noch zu beachten, daß doch ein sehr erheblicher

vermischtes.

* Der betrunkene Gerichtsvollzieher. Eint lustige Szene spielte sich dieser Tage in Paris ab. Ein Wein Händler befand sich in sehr schlechter Vermögenslage, so daß die Gläubiger ihm den Gerichtsvollzieher auf den Hals schickten. Da außerdem der Verdacht bestand, daß der Zah­lungsunfähige die Bücher zum Schaden seiner Gläubiger falsch geführt hatte, nahm sich auch die Kriminalpolizei des Falles an. Ein Kriminal­kommissar hatte $u diesem Zweck mit dem Ge­richtsvollzieher ein Rendezvous im Geschäfte des Weinhändlers verabredet. Als der Beamte zur vereinbarten Stunde an Ort und Stelle er­schien, wunderte er sich, daß er den Gerichtsvoll­zieher nicht vorfand. Auf die Frage des Kom­missars entgegnete der Weinhändler: „Ter Ge­richtsvollzieher ist noch immer im Keller und pfändetl" Man begab sich nun hinunter in beit Keller, wo sich den Eintretenden ein ungewöhm liches Bild bot. Der Gerichtsvollzieher hatte del Versuchung nicht widerstehen können und von die­ser und jener Weinsorte -genascht". Der Wein war aber stärker als der Vollzieher des Gesetzes, der lang ausgestreckt im Keller lag und sein Räuschchen ausschlief.

ÄÄ1X Illustrierte Sonntagszeitung"

Luftschiff gesehen habe. Sofort meldeten sich mehrere zwölf- bis dreizehnjährige Mädchen und befcbrieber. Höbe des SluaeS- Sänne und Grösi»

ö Die „knickerigen, filzigen deutsche« Steuerzahler"

hat der Professor der Finanzwirtschaft Dr. Ad. Wagner dieser Tage tüchtig heruntergemacht. Er hielt ihnen eine Moralpauke, in der er folgen- dermaßen losdonnerte:

„Ich habe es längst als notwendig bezeichnet, daß Bier, Branntwein und Tabak bei uns gehörig besteuert werden. Ja, rauchen möchten sie den ganzen lieben Tag, aber zahlen möchten sie nichts dafür! Das kann mich am meisten ärgern — ich bin nämlich paffionierter Nichtraucher. Und trinken können sie, ein jeder womöglich für drei, wenn aber daS Glas Bier einen Pfennig teurer werden soll, bann schreien sie Zeter und Mordio! Warum ist denn nicht längst das Tabakmonopol eingeführi, wie es schon unter Bismarck geplant war? Eine Mark für den Kops und das Jahr wirst bei uns der Tabak ab, vier bis fünf Mark in Oesterreich, in Frankreich gar acht Mark! Und da wollen sich unsere guten Leute noch beklagen!"

Da hört ihrs! Zahlen will keiner bei uns, und dabei haben wir es noch so gut! In andern Ländern müssen die braven Bürger noch viel mehr blechen. Also schämt euch und greift tief ins Portemonnaie! Wenn ihr dem Prof. ,Wag­ner nicht glaubt, dann hört den Grafen Mirbach, der meint auch:

Daß di« Belattung d«S MaffenkonfumS durch Steuern und Zölle bisher in Deutschland eine sehr geringe war, weist die Statistik nach, die für 1906 die Einnahmen auS diesen Abgaben auf Bier mit 96 Millionen und aus Tabak nut 82 Millionen Mark beziffert, während sich in Großbritannien die Zölle und Steuern lür Bier aus 266 Millionen und für Tabak aus 290 Millionen Mark stellten."

Wie verhält sich daS denn nun eigentlich? Wahr ist, daß in den genannten Ländern der Tabak sehr scharf zur Steuer herangezogen wor­den ist und daher sehr erhebliche Beträge abwirft, auf denen zum Teil das gesamte Finanzwesen der betreffenden Ländern beruht. Man darf daraus nun aber nicht, wie diese beiden Vorkämp­fer für indirekte Massen steuern es tun, folgern, daß das auch bet uns ohne weiteres zu­lässig sei. .

Zunächst hat kein Land der Welt etn so ausgedehntes indirektes Steuer­system wie Deutschland. Die Belastung des Massenkonsums durch Steuern und Zölle ist in Deutschland so hoch wie in keinem Lande der Welt. Daß dabei nun gerade Bier und Tabak weniger belastet sind, das ist doch wahrlich kein Grund, nun auch sie noch viel schwerer heranzu­ziehen. England hat keine Lebensmittelzölle; wenn es alljährlich aus Zöllen fast eine Milliarde zöge, bann würde es wahrscheinlich nicht wagen, 290 Millionen aus dem Tabak zu ziehen. Aehn- lich liegt es bei den andern Ländern. Bei uns ist mit deutscher Gründlichkeit alles herausgesucht worden, was irgendwie zu fassen war, und auf alles das hat man indirekte Steuern gelegt, selbst auf die kleinlichsten Objekte. In England und den andern genannten Ländern hat man sich an

— Als Papst Pius X. im Jahre 1865 noch schlichter Pfarrer in dem Dorfe Tombola war, hielten die Oesterreicher dort ihre Manöver ab, und infolge der großen Sonnenhitze geschah es, daß ein Soldat des 1. Infanterie-Regiments, namens Johann Bayer, unterwegs ohnmächtig wurde und unter Bewachimg eines Kameraden auf der Straße liegen blieb. Der junge Pfarrer ©art», der gerade von einem Krankenbesuch kam, hatte Mitleid mit dem Armen, brachte ihm Brot und Wein und schenkte ihm, als er sich erholt hatte, eine Medaille. Bayer kehrte nach ab- leistiing seines Militärdienstes in seine schlesische Heimat zurück, wo er Heuer als Inhaber einet L k. Tabaktrafik lebt Als er vor einiger Zeit aus einem Kalender ersah, daß der gegentodrtige Papst früher Pfarrer in Tombola gewesen war, erinnerte Bayer sich jenes Unfalles und der da­maligen gütigen Fürsorge des Pfarrers und er schrieb einen Brief an den Papst, worin er des Vorfalls dankbar gedachte und um dessen Be­stätigung bat. Im Auftrag Pius X. hat nun der Staatssekretär Rkerry bei Val dem Bayer geantwortet und versichert, daß der Papst sich des ost erreich ischen Soldaten, dem er Hilfe leisten rannte, noch sehr wohl erinnere; zugleich sandte er tl)in ein Geschenk von 200 Lire und den apo­stolischen Segen.

_ ~ ^6 ein Zeuge Glaube» verdient, ob seine Bekundungen aus sicherster Wissenschaft heraus gefdjebeit oder ob sie etwa mehr ober weniger phantchtrsty ausgeschmückt oder gar absichtlich falsch geschehen, ist in einer Prozeßverhandlung nicht immer festzustellen. Es liegt in der Natur ter Sache daß ein Zeuge, von dessen Aussage manchmal das ganze Wohl und Wehe eines An­geklagten abhängt, unglaubwürdig wäre, wenn « auf an ihn gestellte Anfragen mal so und mal Jo antworten wollte, wenn er sich in Widersprüche

X Keine Ueberftürzung.

Auf dem Gebiet der Herstellung lenkbarer Luftschiffe hat Deutschland einen großen tech­nischen Vorsprung vor allen anderen Ländern er­reicht. Dem Grafen Zeppelin und der Tätigkeit 'nuferer Militärluftschiffer-Abteilung scheint es gelungen zu sein, die Frage der praktischen Ver­wendbarkeft der lenkbaren Luftschiffe wenigstens im Prinzip zu lösen, wenngleich technisch, noch mancherlei Unvollkommenheiten der Deiseitigung harren. Bei den deutschen lenkbaren Luftschiffen handelt es sich, woran hier kurz erinnert fern mag, um drei Systeme. Das Z e p p e l i n s ch e Riefenluftschiff ist „starr" in einem Äluminium- gerüst erbaut. Das Luftschiff des Majors v. Parseval ist nach dem sogenannten »unstar­ren" System hergestellt und nähert sich sehr dem gewöhnlichen Luftballon. Die Militärver­waltung ihrersefts hat mach den Plänen des Majors Groß ein Luftschiff „Halbstarren" Typs Herstellen und erproben lassen. Die Kosten aller dieser Versuche sind natürlich nicht gering. Graf Zeppelin hat bereits eine namhafte Reichsunter­stützung erhalten, und das Reich hat die Ballon- halle Zeppelins direkt angekauft. Im.Militär­etat sind für die Versuche, die die Militärver- toaltung anstellen läßt, ziemlich hohe Summen auSgeworsen, während die Kosten der Unterneh­mungen des Majors v. Parseval von der Moior- liiftschitf-Studiengesellschaft bestritten werden.

Bevor nun aber die Luftschiff-Abteilung den Millläretat noch weiter belastet, sollte genau test- gefkellt werden, wie es mft der militärischen Verwendbarkeit des lenkbaren Luftschiffes steht, damit es damit nicht geht wie seinerzeit mit der Kochschen Lymphe gegen die Tuberkulose. Die „Freis. Ztg." ist im Recht, wenn sie von über­triebenen lftorstellungen spricht, die nach den ersten Erfolgen des Grafen Zeppelin gehegt tour- den. Ein Artikel der „Köln. Ztg." suchte es so darznstellen, als ob es noch kaum einem Zweifel unterlegen fein könne, daß in absehbarer Zeit 'er Bau einer Flottille Zeppelinscher

'Luftschiffe zur Ausführung gelangen würde:

Während die Strategie bisher die Forderung aus» stellte: Kavallerie weit voraus! werde es in Zukunst heißen: Luftschiffe weit voraus! Der neueste Typ Zeppelins werde vorwiegend für die strategische Auf­klärung von Nutzen sein, und diese gebe vie Grund­lage ad für alle hinsichtlich der Kriegsführung zu fassenden Beschlüße. Weiterhin wurden die Borteile eures Luftschiffes mit großem Aktionsradius für den Fcstungskrieg hervorgehoben und betont, es könne bereits jetzt als einwandssrei dargetan gelten, daß alle drei bei mis verfuchten Systeme erae militärische Ver­wendung zuließen. Wenn nun das militärische 8«ft» ,chiff vorerst nur der Auftlärung und dem Nachrichten- xsen zu dienen berufen sei, so werde es sicherlich auch zrlmgen, es mit einer leichten Maschinenwaffe auszurüsken, und ob man späterhin zur Mitführung glößerer Sprengladungen brisanter Sprengstoffe wirb schreiten können, lasse sich zurzeit noch nicht über­sehen, obschon die Möglichkeit dafür wohl zugegeben werden könne. Werde aber der Zeppelrn Nr. IV nach Erfülliina der vorgeschriebenen Bedingungen vom vcut'chen Reiche erworben, so werde sich auch eine Vermehrung der Luftschiffertruppen als ruiabwcislich Herausstellen.

Also wesentliche Mehrausgaben für den Mi­litäretat! Die Fachleute denken jedoch über die militärische Verwendbarkeit des lenkbaren Luftschissrs nock) keineswegs so sehr optimistisch, wie der Schreiber des Artikels in der „Köln. Ztg.". In Nr. 88 des „Militärwochenblattes", dessen journalistischer Teil bekanntlich einen halb­amtlichen Charakter trägt, werden auf Grund

eingehender fachmännischer Kenntnis über die Verwendung des Luftschiffes zu militärischen Zwecken Ausführungen gemacht, wonach es nut dem von der „Köln. Ztg." angekündigten Bau von Luftschiff-Flotten doch noch feine guten Wege hat. Gleich zu Anfang wird betont, daß zweifellos noch technische Schwierigkeiten vor­handen sind. Der Verfasser erörtert dann, wie für die Verwendung des lenkbaren Luftschiffes Aufklärungs- und Kampfzwecke in Betracht kom­men.

Er schildert die Vorzüge der Aufklärung mitte» des Luftschiffes gegenüber der an die Erde gebundenen Aufklärung. Bei letzterer hingen die Re­sultate von der Annäherungsmöglichkeit an den Femd und von der Unsicherhett des Geländes ab. Die Auf­klärung könne immer nur mehr oder weniger zuverläs­sige Anhaltspunste, nie aber eine vollkommen sichere Grundlage für die Entschlußfaffung bringen, nament­lich wenn Terrainschwierigleiten beständen. Oft werde versucht, durch energisches Vorgehen mit schwachen Kräften bis auf einen bestimmten Abstand vom Gegner diesen über die Stärke der Truppen zu täuschen; im Gebirgskriege, bet großem Waldkomplex, in durch den Anbau unübersichtlichem Gelände, ganz besonders aber bei Flußübergängen könnte man zur gewünschten Ein­sicht in bte Stärke der Feinde nur gelangen, wenn man bei unbeschränkter Annäherungsmöglichkeit, nicht durch vorgeschobene Kräste aufgehalten, die Tiefen­gliederung deS Feindes in ihrer vollen Ausdehnung zu Gesicht bekommt. DaS einzige Mittel dazu bietet daS bewegliche Luftschiff, daS außerdem einen gleich,ettigen Ueberblick über große Verhältniffe schafft, wie er auf Erden niemals durch noch so viele Aufklärungsorgane erlangt werden kann.

Das Zeppelinsche Luftschiff hat sich am 1. Juli in ununterbrochener zwölfstündiger Fahrt von Friedrichshafen nach Luzern und zurück auf einer Strecke bewegt, die einer Entfernung von Mül­hausen im Elsaß über Belfort die ganze deutsch­französische Grenze entlang bis Trier entspricht. Wenn das Schift auf solcher Fahrt gleich gut wie am 1. Juli funktionieren würde, würden seine Insassen an einem Tage zu einem Ueber­blick über den gesamten französischen Aufmarsch gelangen. Welche Bedeutung das für Misere Heeresleitung haben würde, braucht nicht erst bertrorgeboben zu werden. Hiernach scheint das Luftschiff zu einer gewaltigen Ver­änderung der Grundlagen der K r r e g- f ü b r u n g befähigt. Trotzdem wird die Krieg- ftihrung der geistigen und moralischen Faktoren nicht entkleidet. Die Folgerungen, welche sich aus den konkreten Verhältnissen ziehen lassen, werden je nach den Persönlichkeiten verschieden ausfallen, der Schwung der Seele, welcher Führer und Truppen innewohnt, die Begeisterung, welche zu erhöhten Leistung«! befähigt, der moralische Druck, welcher von einer Niederlage ausgeht, die Kraft, ihm Widerstand zu leisten, sind Faktoren, die sich nach wie vor jeder Berechnung entziehen und aus der Vogelperspektive nicht beurteilen lassen.

Von der Verwendung des lenkbaren Luft­schiffes zu K a m p k z w e ck e n ist in dem Artikel des „Militärwochenblattes" nur ganz kurz die Rede, ein Beweis dafür, daß diefe Verwendung vorläufig doch nur in ganz beschränktem Maße, wenn überhaupt in Frage kommt. Hier heißt es, sich auf den Boden der Tatsache zu stellen und von allen Phantasiegebilden abzusehen, die aus Wölkenkuckucksheim stammen. Lächerlich erscheint es, wenn der bekannte Herr Martin zum Bau einer Luftschiff-Flotte auffordert, um damit über England herzufallen, und ebenso lächerlich, wenn man in England tatsächlich Furcht vor einem,sol­chen deutschen Angriff hegt und die englische Militärverwaltung auffordert, ihrerseits durch den Bau von möglichst vielen und großen lenk­baren Luftschiffen dem schwarzen Plan Deutsch­lands zu begegnen. Dabei soll nicht in Abrede gestellt fein, daß deutscherseits die Möglichkeit

— lieber falsches Haar zu sprechen, ist zwcft indiskret, vielleicht sogar überflüssig denn — heutzutage, in der Modezeit der mächtig aufge­bauschten Haare, besitzt natürlich keine einzige Dame falsches Haar; immerhin kann man ja wohl einige Winke gebrauchen „für etwa vor- kommende Fälle". Falsches Haar muß anders be­handelt werden als natürliches. Vor allen Din­gen lege man die falschen Haare während der Nacht ab und reibe abends die Kopfstellen, welche das falsche Haar tragen, mit einem guten Haar- mittel, Franzbranntwein oder dergleichen ein, da sonst unter dem steten Druck der falschen Haar« der natürliche Haarwuchs leidet. Die falschen Haare sind abends nur glatt auszubürsten, nicht zu kämmen. Allwöchentlich einmal müssen si« mit Wasser und etwas Borax gereinigt, dann ein kleinwenig mit Olivenöl mittelst Bürste gefettet werden. Erst am Morgen bei der Toilette wird das Haar gekämmt und neu geflochten, eventuell toupiert, was aber nicht oft geschehen sollte, da das Haar darunter leidet. Das Brennen be?" falschen Haares ist diesem sehr nachteftig.

- Kindermund. Dolly: .Ich will mein GesicÄ nicht waschen. Nein, ich tu's nicht!" — Groß­mama: „Pfui, schäm' Dich! Wie ich ein kleine« Mädchen war, habe ich mein Gesicht immer ge­waschen!" — Dolly: „So — Wd wie, steht'L jetzt au«!?*

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* Zeltoecken.

hirfrit r«l. 40», Lelepr.-Adr.: S^ldheimer L Strupst ouy>r Industriebedarf Frankfurt am Diatn. i

35. Jahrgang.

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fachen MNV'9 liegt. Das hängt mit der historischenViMtzickelung zusammen. In Oester­reich gibt es keinen viele viele Tausende zählen­den Stand der Geschäftsleute, die aus Zigarren und Tabak einen erheblichen Teil ihrer Einnah­men oder gar die gesamten Einnahmen ziehen. Dort sackt der Staat ein, was bei uns der Zwi­schenhandel verdient. Bei uns ist der Zwischen­handel nun einmal da, auszuschalten ist er nicht, infolge besten wird eine Mehrbelastung des Ta­baks den Verbraucher unmittelbar in seiner vollen Schärfe treffen; und da der Preis dann ebentL so hoch werden wird, daß viele ihren Bedarf ein- schränken wüsten, so wird daraus eine Kalamität für die Tabakverarbeitungs-Jndustrie und den gesamten Tabakhandel folgen müssen.

Wären bei uns nach und nach kleine Erhöhun­gen dieser Steuer auseinander gefolgt, hätte man nicht alle möglichen übrigen Genuß- und Der­brauchsgegenstände herangezogen, dann würde gegen eine schärfere Besteuerung von Vier und Tabak nicht so viel einzuwenden sein. Heute aber, wo der Verbrauch des täglichen Lebens bis zum Ersticken mit indirekten Steuern beladen ist, erscheint eine Mehrbelastung in d e m Umfange, wie es hier angestrebt wird, wohl unzulässig.

lie Kleinen