35. Jahrgang.
Fulda, Dienstag den 21. Juli 1908.
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Nelly trat ein wenig in das Dunkel zurück und überschaute die Bande mit kalten unerschrockenen Blicken. Stolz trug sie, ihr Haupt aufrecht und um ihre Lippen lag ein Zug voll Entrüstung und Verachtung^
Der Hauptmann schien wenig Gefallen an dem Aufsehen zu haben, welches das mutige Mädchen unter seinen Leuten verursachte; ebensowenig schien er erbaut zu sein über die allgemeine Bewunderung, die deren Schönhsit hervorrief. Er betrachtete Nelly als seine eigene Bente und bereits erwachte die Eifersucht in ihm.
„Laßt die Dame in Ruhe!" befahl er. „Sie ist müde und — furchtsam —"
Ein lautes Gelächter durchschallte die Höhle.
„Furchtsam?" rief ein Räuber, welcher im Range der nächste nach dem roten Carvelli war. „Sie ist wohl „furchtsam" wie eine junge Löwin, welche zum erstenmale ihre geringeren Feinde sieht, — furchtsamer doch gewiß nicht!" Das Gesicht des Hauptmannes wurde rot vor Aerger.
„Gebt mir eine Laterne", sagte er, „ich will die Gefangenen in ihre Zellen bringen."
Die Laterne wurde gebracht und Carvelli bat Nelly, ihm zu folgen, diese erfaßte Guido's Hand und folgte ihm festen Schrittes. Mrs. Jebb und ihr Sohn, denen die Binden von den Augen genommen waren, folgten gleichfalls .
Sie traten durch eine Tür in einen andern Raum, in dem auf der einen Seite Kasten, Fässer und sonstige Gegenstände auf gestapelt waren, während auf der andern Seite sich mehrere massive Türen, mit schweren Riegeln und Vorlegeschlössern befanden.
Der Hauptmann öffnete eine dieser Türen und nötigte Nelly durch eine Handbewegung zum Eintreten. Diese warf einen forschenden Blick hinein. Es war eine dunkle Zelle, nicht breiter und tiefer als die Tür.
»Nein", sagte Nelly entschieden; dieses Ka- binet behagt mir nicht, zeigen Sir uns die andern."
Die einklassige Schule zu Pom ehr en bei .Heilsberg zählt 18 — achtzehn — katholische und 1 — einen — evangelischen Schüler. Der Lehrer ist bis jetzt stet- evangelisch gewesen. Als neulich Vakanz eintrat, wandt« sich die Gemeinde an die Regierung um Anstellung eines katholischen Lehrer-, aber umsonst. Sin« Petition an den Herrn Minister batte ebenso wenig Erfolg. Nächstens wird da» Abgeordnetenhaus zu ent- scheiden haben, ob in Pomehren .fortan ein katholischer oder ein evangelischer Lehrer amtieren soll. Als zum 1. Avril ein neuer Schulvorstand nötig war, wählt« die Gemeinde lauter katholische SchulvorstandSmt^ glieder, die aber von der königlichen Regierung nicht bestätigt wurden. Eine zweit« Wahl erzielte dasselbe Resultat. Jetzt sind zwei evangelische Beisitzer ohne vorangegangene Wahl zu Mitgliedern des Schulvorstandes ernannt worden. ,
— Einem klaren Bekenntnis begegnen wir in denn positiv-protestantischen Blatt „Das alte Evangelium". In Nr. 22 lesen wir:
„Der politische Liberalismus schädigt di« Lebensinteressen unserer evangelischen Kirche aus das schwerste; „evangelisch" und „nationalliberal" könne» sich deshalb niemals inhaltlich decken. Das wahrhaft „evangelische" Festhalten am Evangelium der Schrift w id e rsp r i ch t vielmehr völlig dem, was der Liberalismus an Bestrebungen aus kirchlichem Gebiete und auch anderwärts verfolgt. Für positive Christen kann e» bei der heutigen Lage keinerlei Freundschaft mit dieser Partei geben. Denn die „nationale" Sache gebietet ganz etwas anderes als die Unserktützung-des kirchliche» Radikalismus. Wer die Lebenskraft der evangelische» Wahrheit unterwühlt, der handelt zugleich auch anti- national. Denn nicht Kamps gegen Rom allem, sondern Aufbau des BolkslebenS auf posrtw christlichem Grunde, daS ist wahrhaft national.
Wir können nur wünschen, daß diese Erkenntnis sich weiter Bahn bricht. Die deutschen Katho- liken haben oft durch ihre hervorragendsten Vorkämpfer den positiv Gläubigen anderer Konfession die Hand zu gemeinsamem Kampfe gegen den alle Religion in ihrem Urgrund bekämpfenden Liberalismus und Sozialismus geboten. Leider finden wir aber wenig Gegenliebe. Auch gläubige Protestanten machen nicht „selten mit dem Liberalismus, ihrem eigenen größten prinzipiellen Feind, gemeinsame Sache.
(*) Äbq. Ehrhart, der sozialdemokratische Reichstags-Abgeordnete für Speyer-Ludwigshafen, ist gestorben. Der Tod deS Abg. Ehrhart ist eilt empfindlicher Verlust für die Sozialdemokratie. Mit Ehrhart verliert die pfälzische Sozialdemokratie ihren energischen Führer, dessen Organisations-Talent sie eigentlich ihr starkes Anwachsen zu verdanken hat. Mit den alten Führern der sozialdemokratischen Bewegung war er persönlich eng befreundet und konnte fid) daher schon heraus- nehmen, auch manchmal mit „pfälzischer Grobheit" ihnen die Meinung zu sagen. Besonder- auf den sozialdemokratischen Parteitagen geschah das des öfteren.
* Zum Eulenburgprozeß schreiben di« .Münch. N. Nachr/:
Die Unmöglichkeit, schon jetzt über die Schuldfrag« ein abschließendes Urteil abzugeben, schließt nicht aus, daß man den allgemeinen Eindruck der bisherigen Verhandlungen als für den Angeklagten offenbar ungünstig bezeichnet. In erster Linie trägt dazu da» Äerteidigungssystem des Fürsten selbst bei. Indem er den Vorwurf des Meineids von sich abzuwälzen sucht, muß er die gegen ihn aussagenden Zeugen des Meineides bezichtigen und sich dazu einer Reihe von Ausflüchten und Beschönigungen bedienen, die sich auf den ersten Biick als solche erkennen lassen. Dazu kommt der von seinem Schützling Kistler gemacht« Versuch der Beeinflussung einzelner Zeugen, wöbet wiederum vermehr als sonderbare ProtektionS« unsug des Fürsten im allerfchlechtesten Lichte erscheint. Roch weniger darf der Fürst auf Billigung rechnen, wenn er sich als das Opfer einer klerikale« Intrige hinstellt, die sich gegen den Vertreter eine» protestantischen Kaisers richte. Noch widerwärtiger berührt es, daß Fürst Eulenburg es sich nicht versagen konnte, auch den Regierungsrat Scherf er wieder in
— ...... ii
Carvelli blickte das Mädchen erstaunt an. „Dies behagt Ihnen nicht?" stammelte er. „Nein", entgegnete Nelly unerschrocken.
„Glaubt die Signora, daß Sie sich vielleicht im Hotel Corcelli befindet?" fragte der Räuber- kwuptmann sarkastisch.
„O nein, in einem solchen Irrtum befinde ich mich nickt," antwortete Nelly ruhig. „J-cdpch haben Sie sicher so viel zusammengestohlen, um ein Gemach wohnlich ausstatten zu können, ^ch werde mich übrigens von meinen Freunden nrcht trennen lassen. Sie müssen uns ineinandergehen be Zimmer geben." .
„Sie glaubt wirklich, daß sie sich in einem Hotel befindet!" rief Carvelli lachend. „Ich be- dauere sehr, Ihnen in diesem Punkte nicht entgegenkommen zu können."
„Dann wollen wir hier bleiben, unterbrach ihn Nelly, welche nur durch Entschiedenheit ein Uebergewicht über den Räuber gewinnen zu können glaubte. »Ich denke, daß wir es hier während der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes aus- halten können."
Carvelli lachte. ,
„Nun," sagte er, „wenn Sie so entschieden auftreten, muß ich doch nachgeben. Ich kann Ihnen aber versichern, daß Sie die erste sind, gegen die ich mich nachgiebig zeige."
Er sah sich um. Am Eingang zu dem Raume standen drei oder vier seiner Leute, welche mit Vergnügen sahen, wie sich ihr Hauptmann dem Willen der jungen Dame unterwarf.
„Doktor!" rief Carvelli.
Einer der Männer sprang herzu.
Oeffne die Tür der beiden aneinanderstoßen- den" Zimmer," sagte der Hauptmann, indem et ihm ein Schlüsselbund übergab, „dann kannst Du einen Teppich in einem Zimmer ausbreiten und ein weiches Bett hineinbnngen —"
„In beide Zimmer, Doktor!" unterbrach ihg Nelly in befehlendem Tone.
(Fortsetzung folgt.)
len konnten. Nelly stieß die Hand des roten Carvelli zurück und folgte ihm. Hinter ihm kam Guido §arrington und Mrs. Jobb, geführt von den Banditen.
In einer Höhe von etwa zwanzig Fuß erreichten sie eine Oessnung in der Felswand, welche, vom Fuße des Berges aus dem Blick gänzlich verborgen, in die Höhle der Bande führte. Hier blieb der rote Carvelli stehen und wartete auf Nelly.
„Nun geben Sie mir Ihre Hand", sagte er.
-Ich danke", entgegenete Nelly kalt. „Doch wenn Sie nur vorangehen wollen, bin ich bereit, Ihren Palast zu betreten. Geben Sie mir Ihre Hand, Ferdinand."
Die Oeffnung war so groß, daß ein mittelgroßer Mann aufrecht hindurchgehen konnte; sie bildete einen etwa zehn Fuß langen Gang, aus dem man in einen großen Raum kam, der durch eine Lampe erhellt war. Hier stand ein Mann in der malerifchen Tracht der Räuber, welcher offenbar die Wache hatte.
„Hast Du Glück gehabt, Kapitän?" fragte der Mann.
-Hast Du jemals erlebt, daß ich unverrichteter Sache wieder zurückgekehrt bin?" fragte der Hauptmann stolz.
Ter Posten machte eine beifällige Bewegung, öffnete dann eine Tür und der Hauptmann trat mit den Gefangenen und den übrigen Räubern in eine große Halle; dies war der HaUptsaal der Räuberhöhle. Um ein mächtiges Feuer in der Mitte des Raumes lagen die übrigen Räuber, etwa fünfzehn Mann in bunten Gruppen aus gestreckt, aus kurzen Pfeifen rauchend und einzelne mit Kartenspiel beschäftigt. Sämtliche sprangen beim Eintritt ihres Hauptmannes mit feinem Gefolge auf, umringten die Gefangenen und betrachtete sie neugierig, vorzugsweise aber Nelly.
„Wer ist sie?" riefen mehrere Stimmen zugleich. „Eine Prinzessin? Eine reiche und vornehm«! Lady?'
den sogenannten gemäßigten „gut katholischen Liberalen, mit ihren wahren Bestrebungen mitunter so offen hSvausrücken; damit kann man ihnen wenn sie bei Gelegenheit wieder auf den Gimpelfang und das Fischen im Trüben ausgehen, die Maske vom Gesicht reißen.
* Die dicke Freundschaft der NationaMberalen mit dem Fürsten B ü I o w hat einen kleinen Stoß erlitten. Bülow hat angeblich nichts getan, oder wenigstens nicht genügend, um den schweren Her- ,einfall des „Kerns des Blocks" bei den Landtagswahlen zu verhindern. Der „Hann. Cour." geht deshalb also mit ihm ins Gericht:
„Die „weise" Zurückhaltung der Regierung gestattete den Konservativen, mit Zentrumshllse die Nattonal- liberalen zurückmdränqen. Wir möchten indes nicht glauben, daß der Jubel der Konservativen über diesen „Sieg" im Herzen des Fürsten Bülow ein Echo findet. Wer anders aber als er bat dazu beigetragen, daß der Grtnzgraben zwischen Konservativen und Zentrum, den er im Interesse seiner Reichspolitik möglichst offen, möglichst breit und lief erhalten müßte, durch das Zusammengehen bei den Landtagswahlen schon wieder einigermaßen ausgefüllt ist. Wie Konservative und Zentrum sich näher gerückt sind, so sind anderseits Liberale und Konservative sich entfremdet worden. Die Nationalfiberalen, die sich als die treuesten und opferwilligsten (!) Anhänger der Politik des Reichskanzlers gefühlt und betätigt hatten, werden kaum geneigt sein, weiterhin das politische Kanonenfutter des Reichskanzlers abzugeben. Daß auch die Reichspolitik die Folgen der letzten preußischen Landtagswahlen an sich spüren wird, dürfte der Reichskanzler sehr bald zu seinem Leidwesen erfahren."
Mit der konservativ-liberalen Paarung sieht es also sehr flau aus. Es reizt übrigens zum Lachen, wenn der „Hann. Cour." für die Nationalliberalen das Prädikat einer . opferwilligen Partei in Anspruch nimmt. Es gibt keine Partei, die mehr auf Schacher ausgeht, fe'tte, öt? arroganter ihre Wechsel für geleistete ..Dienste zu pr.ifentiei en weiß, als di? national!’j-raT-*.
— Ein wenig erfreulicher Geist sollte sich Blättermeldungen zufolge unter den katholischen Studentenkorporationen der Universität Münster geltend machen. Als bedenkliches _ Anzeichen wurde angeführt der angebliche Beschluß der katholischen Korporationen, sich an der Fron- leichnamsprozvssion in Zukunft offiziell nicht wehr beteiligen zu wollen. Wenn ein solcher Beschluß tatsächlich vorläge, so wäre jene Befürchtung durchaus begründet. In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse anders. Den katholischen Studenten- korporalionen der Universität Münster ist es in Wirklichkeit gar nicht eingefallen, sich von der offiziellen Fronleichnamsprozefsion zurückzuziehen. Richtig ist lediglich, daß einige katholische Korporationen sich von der altherkömmlichen großen Brandprozession, die in Münster alljährlich am zweiten Montag im Juli stattfindet, zurückgezogen haben. Daraus ist dann die Verwechslung mit der Fronleichnamsprozession entstanden. — Die Brandprozession in Münster hat rein lokalen Charakter^ sie ist im 14. Jahrhundert nach einem verheerenden Stadtbrande von den Münsteranern für alle Zeiten angelobt worden. So ist es zu verstehen, daß Stndenten- korporationen, die zum größten Teil aus Nichtmünsteranern bestehen, sehr wohl der Meinung fein können, eine große Brandprozession sei eine Angelegenheit, welche lediglich die geborener Münsteraner binde, nicht aber auch die vielen hundert Studenten aus dem übrigen Westfalen und aus den andern Provinzen.
* Paritätisches aus dem Ermlande. In der Beilage der Katholischen Schulzeitung für Nord- deutschland vorn 16. Juli 1908 findet sich folgende recht bezeichnende Mitteilung:
»Da» lenkbare Luftschiff, auch wenn es, wie zu erwarten ist, in technischer Htnsichr noch wesentlich ver- befiert werde« sollte, wird wohl vorerst auf die Zwecke der Erkundung beschränkt bleiben. Für die in einigen Kreisen Englands herrschende Nervosität ist daher ein berechtigter Grund nicht vorhanden. Der Einfall einer femdltchen Truppenmacht in England auf bem Wege durch das Lustmeer wird fobald noch nicht etntreten, und gegen die Landung eines Heeres von der See her ist ja England durch seine Flotte mehr als hinreichend geschützt. Aber gesetzt selbst den Fall, es ae Deutschland in der Zukunft einmal ebenso un-
:en da» Meer zu beherrschen, wie England heute die See beherrscht, wäre dann Deutschlands Stellung nicht ungefähr dieselbe, die heute Großbritannien gegenüber Deutschland hat? Und könnten wir dann nicht mit demselben Recht wie heute England das Vertrauen fordern, daß wir unser Uebergewicht nur zu unserem Schutz, nicht aber zum Angriff einsetzen werden?" „ t
* Die Borspannleistungen für die Truppen, ju denen die Gemeinden nach dem Naturallei- stungsgesetz verpflichtet sind, bedeuten oft für die Fuhrwerksbesttzer eine große Last. Es ist aber häufig vorgekommen und auch durchaus zu verstehen, daß die Truppen, um bei ihrem Ausrücken am frühen Morgen den angieforderten Wagen sicher zur Stelle zu haben, ihn bereits am Abend vorher bestellten oder, z. B. nach einem Biwak, auch noch für den nächsten Tag ihn behielten. Die Heeresverwaltung hat die deswegen erhobenen Klagen jetzt berücksichtigt und Abhilfe geschaffen. Wie die „Mil-pol. Korrespondenz" in der Lage ist mitzuteilen, ist von den Kriegsministerien der verschiedenen Kontingente angeordnet worden, daß in Zukunft der Vorspann nur zur Stunde des wirklichen Aufbruchs, nicht schon am Tage vorher, bestellt werden liarf. Wenn Vorspann in Ausnahmefällen, wie bei bevorstehenden großen Biwaks, für 2 Tage benutzt werden fall, so ist diese Absicht bei ihrer schriftlichen Anforderung ausdrücklich mitzuteilen. Bei der Entlassung wird jedem Kutscher eine Bescheinigung ausgehändigt, auf der vermerkt ist. wo und zu welcher Zeit das Fuhrwerk entlassen worden ist. Jeder Fuhrwerksbesttzer wird also in der Lage sein, fein Fahrerpersonal hinsichtlich der für die Rückfahrt gebrauchten Zeit zu kontrollieren.
(*) Für die Ausbildung der Ko!onial-Be- amten und Kaufleute, die in den Kolonien tätig sein werden, wird der Staat Hamburg mit indirekter Unterstützung des Reiches am kommenden 1. Oktober ein Kolonialinstitut errichten. Nach den Satzungen dieses Instituts werden dort als Hörer und Hospitanten zugelassen werden: 1. Abiturienten von deutschen Lehranstalten mit neunjährigem Kursus, 2. seminaristisch gebildete Lehrer, 3. Kaufleute, industrielle Personen und andere, dir die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste besitzen oder eine gleichwertige Schule besuchten und eine mindestens dreijährige geregelte Berufstätigkeit hinter sich haben. Als Hospitanten werden Personen zuge- laffen, die über 18 Jahre alt und nicht mehr Schüler einer Lehranstalt sind, sofern sie eine genügende Vorbildung besitzen.
* Tas liberale Endziel. In der Freimaurerschrift „Es werde Licht" ist folgendes Zitat aus der „Frankfurter Zeitung zu lesen:
Die Wurzeln dieser politischen Macht (gemeint ist das Zentrum), ruhen in dem Einfluß, den bet Klerus auf die Erziehung der Kinder ausübt; darum kann hier nur die'eine Radikalkur helfen: En tfernung der Kirche undihrerDiener aus der Schule. Dieses scharfe, aber allein wirksame Mittel hat der Liberalismus in der Zeit feiner Borherrfchast anzuwenden versäumt, und er muß nunmehr die Folgen feiner Zaghaftigkeit und Inkonsequenz am eigenen Leibe spüren.
Es ist höchst erfreulich, daß unsere intimen Feinde, von den Brüdern vorn Schurzfell bis zu
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Carl Schütter
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Deutsches Reich.
* Der Kaiser hat Bergen verlassen. — Am 80. Juli wird er wieder in Swinemünde sein.
* Hebet eine erneute Begegnung des Kaisers knit dem König von England am 11. oder 12. August gehen mit großer Bestimmtheit auf- tretende Gerüchte um. Die Begegnung soll am 11. oder 12. Angust in WilhelmShöhe oder Cronberg aus Anlaß der Reife deS Königs nach Marienbad erfolgen.
* Der Kaiser und die „Bereinigten Staaten von Europa". Der englische „Abrüstungsagitator Sir Max Waechter, der für seine Idee der „Vereinigten Staaten Europas" Propaganda Macht, erzählt über sein Zusammentreffen mit Kaiser Wilhelm in der Kopenhagener Zeitung ^Politiken' folgendes:
Dem deutschen Kaiser wurde ich gelegentlich der vieler Regatta vorgestellt. Der Monarch war vom ersten Augenblick an Überaus liebenswürdig; er sagte, daß er sich für den Gedanken feinerzett einen europäisch en Staatenbund zu bilden, wodurch di« Ausgabe der enormen Summen für Militär und Zoll vermieden werden könnte, lebhaft interessiere. Der Kaiser sagte zuletzt: „Ich unterstütze jeden Gedanken, der die große Sache des Friedens stutzen kann!" Den Plan der Bildung eines europäischen Staatenbundes Unter deutscher Vorherrschaft, den der Kaiser selbst gehabt haben soll, erwähnte er mir gegenüber Nicht. Offen gestanden glaube ich überhaupt nicht daran, daß der Kaiser jemals im Ernst einen solchen Plan hat befürworten wollen. Diese Worte hat ihm meines Erachtens nur ein französisches Blatt in den Mund gelegt. Kaiser Wilhelm ist ein aufrichtiger Friedensfreund und viel zu klug, um solche Pläne zu entwerfen.
Herrn Waechter muß die Verantwortung für die Richtigkeit feiner Mitteilungen überlaffen bleiben.
* Ein neuer Mann im Zivilkabtuett des Kaisers. Mit der Vertretung deS erkrankten ChefS des Geheimen Zivilkabinetts ist der Regierungspräsident v. Valentin! in Frankfurt ü. O. vom Kaiser beauftragt- worden. Der jetzige Chef des Geheimen Zivilkabinetts, Dr. von Lucanus, ist sehr schwer erkrankt.
= Staatssekretär v. Köller, der seit 1901 Staatssekretär für Elsaß-Lothringen ist, will, wie er durch Zirkular an verschiedene Vereine mitgeteilt hat, demnächst aus bem Amte scheiden. — v. Köller steht im 68. Lebensjahre.
* Der Kronprinz als Soldat. Am 30. September läuft die einjährige Frist ab, während der Kronprinz Wilhelm allen militärischen Dienstes entbunden gewesen ist. Mit den großen Ar- meeveräuderungen, die regelmäßig am letzten Tage der Kaisermanöver bekanntgegeben werden, dürfte vom Kaiser die militärdienstliche Wiederverwendung des Thronfolgers zum 1. Oktober dahin befohlen werden, daß der Kronprinz das Kommando des 1. Bataillons des Ersten Garderegiments z. F. in Potsdam erhält. Die verschiedentlich gemeldete beborftpEjenbe Beförderung des Kronprinzen zum „Obersten und Kommandeur des Alexander-Regiments" ist nach der „Mil.-polit. Korresp." unzutreffend.
* Liegt unsere Zukunft in der Luft? Die Ausdehnung der Verwendungsmöglichkeit lenkbarer Luftschiffe im Kriege ist in den Fachzeit- ■ d)riften und auch in der Tagespresfe schon mehr- äch erörtert worden. Die militärischen Sachver- tänbigen haben sich fast durchweg dahin ausge- prochen, daß die Durchführung eines „Luftkrieges" und auch nur der Transport größerer Trup- penmassan mit bem Luftschiff noch in werter Ferne liegt. Auch die „Köln. Ztg." meint am Schlüsse eines Artikels:
Der falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
58] (Nachdruck verboten).
„Wagen Sie es nicht, mich anzurühren!" rief diese stolz und mit einem vernichtenden Blick auf den Räuber.
»Zurück, ©enarro, lege keine Hand an die Dame!" rief Carvelli.
Genarro, ein breitschulteriger, großer Mann, trat etwas verdrießlich zurück und näherte sich Guido Harrington.
„Es ist nicht nötig, diesem die Augen zu verbinden", sagte der Hauptmann. „Er ist ein hülfloser Irrsinniger und es ist überdies zweifelhaft, ob er jemals unser Schloß wieder verlassen
Dann gab er das Zeichen zum Weitermarsch und der Zug setzte sich in Bewegung. Ungefähr nach einer Meile wurde abermals Halt gemacht und die Räuber stiegen von ihren Pferden. Der Hauptmann zog eine Pfeife hervor und tat einen ftirzen kräftigen Pfiff. Hell und klar zitterte der Ton durch die trübe Luft und hallte von den nahen Felswänden in fast endloser Vervielfälti- ■gung wieder. In dieses Echo mischte sich ein kräftiger, aber etivas dumpf klingender Ton, der «ms der Felswand zur Rechten zu kommen schien. . „Alles ist gut", sagte Carvelli, indem er vorn Werd sprang. „Weiter!"
' Dw Gefangenen wurden nun ebenfalls von den Pferden gehoben, die letzteren zusammenge- vunoen und einem der Räuber übergeben, der sie in Sicherheit brachte
Der rote Carvelli erfaßte Nelly's Hand und sagte kurz:
„Kommen Sie, hierher."
Er führte Nelly dicht an den Felsen, und diese bemerkte erst jetzt, daß Stufen in denselben gehauen waren, jedoch unregelmäßig und so versteckt, daß Le einem oberflächlichen Beobachter nicht auffal-