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Verantw. Redakteur:
Lari Schütter
Zuldaer
„Sä wochenbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung"
Monatrbevager „Mdaer Seschichtrblätter"
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RotationsdrnSnnd Verlag der Fuldaer Afl ttrndruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.
M 160.
Fulda, Mittwoch den 15. Juli 1908.
35. Jahrgang.
Krstes Matt.
q Die Unterwerfung der Ovambos.
Der Norden unserer südwestafrikanischen Kolonie ist von den Ovambostämmen bewohnt. Ihre Kopfzahl steht nicht fest, man nimmt an, daß anderthalb Hunderttausend auf deutschem Gebiete wohnen. Die deutsche Herrschaft dort steht noch auf dem Papiere. Bis jetzt haben sich die Ovambos denn auch als unabhängiger Stamm gefühlt. Es ist bisher leidlich friedlich abgegangen. Wir ließen sie in Ruhe und sie uns. Nur während des letzten Aufstandes machte der Häupt- Jing Nechale einen Vorstoß gegen die feste Mili- tärstation Namutoni, mußte aber mit zahlreichen Toten unverrichteter Sache wieder abziehen. Seitdem herrscht Ruhe.
Als der Herero- und der Hottentottenkrieg zu Ende war, kam es unseren Kolonisatoren zum Bewußtsein, eine toiej große! Gefahr uns von Norden her gedroht hatte. Wären die Ovambos, ein sehr streitbarer Stamm, im rechten Augenblicke über unsere Schutztruppe und unsere Expedition hergefallen, dann hätte der Krieg unendlich viel mehr Menschenleben und unendlich viel mehr Opfer an Geld gekostet. Leute, die gerne mit dem Säbel rasseln, suchten die Heeresverwaltung, die bei uns ja auch in Kolonial- fachen das erste Wort spricht, zu einer kriegerischen Expedition gegen die Ovambos aufzureizen. Die Regierung aber blieb kühl. Sie erklärte,, ein Anlaß dazu liege gegenwärtig nicht vor, die Leute schienen Frieden halten zu wollen. Haupttriebfeder für diese Haltung der Regierung war wohl die Unmöglichkeit, mit diefem Stamm überhaupt einen erfolgreichen Krieg zu führen. Gerade bei diesem Krieg wären noch unendlich viel größere Entfernungen in Betracht gekommen, als bei dem Hottentottenkriege. Dazu kam, daß der größte Teil der Ovambos auf portugiesischem Gebiete wohnt. Wenn Deutschland hätte siegen wollen, hätte es nicht bloß Expeditionen, sondern ganze Armeekorps unter denkbar größten finanziellen Opfern auf die Beine bringen müssen. , Das hat die Regierung eingesehen -und da die öffentliche Meinung damals gerade in stärkster Empörung über die ungeheure Last ,Les Hererokrieges lebte, winkte man ab.
Nachher hat man es dann auf andere Weise versucht. , Man entsandte einen durch seine Vergangenheit bekannten Hauptmann Franke in „friedlicher Mission" ins Ovamboland. In Begleitung von nur 3 Weißen und Eingeborssnen drang er in dieses Land ein und hat, wie kürzlich mitgeteilt wurde, erreicht, daß nunmehr alle Häuptlinge die Oberherrschaft des Reiches anerkannt haben; sie haben sich auch verpflichtet, die Anwerbung von Arbeitern in ihren Ländern zu unterstützen und diese dem deutschen Handel zu öffnen .
Das ist gewiß ein angenehmer Erfolg, aber der Zug war doch ein gewagtes Stück. Wenn nun der Führer getötrt worden wäre, was dann? Ein neuer Krieg wäre die Folge gewesen. Um so besser, daß es gut abgelaufen ist; aber es muß mit aller Vorsicht für die Zukunft gesorgt wer- den; denn die Zusagen der Häuptlinge können uns leicht in einen bösen Aufstand führen. Wenn die Anwerbung von Arbeitern so vor sich gehen sollte, wie es nach den Schilderungen Dernburgs in Ostafrika geschieht, daß sie näm- lich den Sklavenjagden am Kongo ähnlich sehen, dann wird der Aufstand sicher fein. Es müssen daher ganz genaue Vorschriften über die Anwerbung und den Arbeitsvertrag gegeben werden; «s müssen Arbeiterkommissare eingesetzt werden,
welche die Ausführung dieser Vorschriften über
wachen.
Auch was die Zulassung des Handels betrifft, muß recht sorgfältig zu Werke gegangen werden, denn noch lebt in aller Erinnerung, wie die Machinationen der Händler mit dazu beige- tvagen haben, daß wir in Südwestafrika in den Aufstand hinein gekommen sind. Man darf nur ganz zuverlässige Leute in dieses Gebiet einbringen lassen und es nicht allgemein dem Handel öffnen. Auch muß Fürsorge dahin getroffen werden, daß die Eingeborenen nicht zu sehr verschulden; es darf nur Barzahlung oder eine
sehr kurze Borgfrist zuigelassen werden. Nicht die Wünsche der Händler dürfen entscheidend sein!
Wir wollen hoffen, daß man in dem Reichs- kolonialamt aus den trüben Erfahrungen in Südwestafrika doch etwas gelernt hat. Wenn das
Ovamboland friedlich von uns erobert wird, so freuen wir uns darüber; aber jetzt muß d e Verwaltung zeigen, daß sie klug in die Zukunft schaut. Sie darf sich von den Wünschen der Bergwerks- nd Handelsgesellschaften nicht breit schlagen lassen; so darf sie unter keinen Umständen den Handel mit Gewehren, Munition und mit Branntwein zulassen. Denn diese drei Dinge sind für die deutsche Herrschaft wie für die Zu- kunft des Landes und des Volkes vom Unglück.
Deutscher Reich,
* Die Erfolge der deutschen Luftschiffahrt halten weiter die öffentliche Meinung in Frankreich rege. Man wild dort den Gedanken nicht los, daß plötzlich eine deutsche Luftflotte über Paris erscheint. Selbst ein so ruhiger politischer Schriftsteller wie Maxim Vuillaume prophezeit in einem Leitartikel der ,Aurore", die Schlacht der Zukunft werde in den Lüsten ausgekämpst werden. Vuillaume verzeichnet mit verwundertem Respekt die industrielle Energie, die das Ideal, auch die Luft zu beherrschen, bei den ruhigen Deutschen hervorruft. Derartige Stimmen sind nicht so bedeutungslos, wir manche glauben könnten, denn sie geben die Stimmung sehr zutreffend wieder. — Auch die englische Presse bringt täglich lange Artikel über Deutschlands Vormachtstellung in der Beherrschung der Luft. Der.Standart" und der,Daily Expreß" geben ihren Besorgnissen in fpaltenlangen Telegrammen ihrer Berliner Korrespondenten Ausdruck. Der ,Daily Expreß" führt aus, England fei vom marine-militärischen Standpunkte am meisten an der Frage des Lenkballons interessiert.
„Mit dem Augenblicke, da man sich damit abfinden müsse, daß Luftflotten eine vollendete Tatsache seien,"" fährt das Blatt fort, „leben wir nicht länger auf einer Insel, fall? wir uns nicht aus unserer gewohnten Apathie aufrütteln, um der neuen Gefahr mit angemessenen strategischen Defensivmitteln zu begegnen. Der Tag mag wohl kommen, an dem wir bitter unsere Gleich, gülrigkett zu beklagen haben werden. Vermag Deutschland die Luft zu beherrschen, so kann es jede Macht der Erde niederzwingen." Generalmajor Baden-Powell, der Held von Masekmg, der sich als Organisator der englischen Militär-Lustschiffer-Abteilung einen Namen gemacht hat, führt in einem Interview aus, im nächten europäischen Kriege werde sich die Tatsache ergeben, daß diejenige Macht, die die schnellste und am 'esten ausgerüstete Luftflotte besitzt, einen ungeheuren Vorteil über ihre Gegner haben werde, die tn dieser Waffe zurückstehen.
* Botschafter Cambon über die politische Lage. Ter französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, hat gestern beim Empfang der ranzöstschen Kolonie tm Botschaftsgebäude, der auS Anlaß des französischen Nationalsestes fialt- sand, und an dem sich etwa 200 Personen be
teiligten, sich in einer Ansprache über die allgemeine politische Lage geäußert. Er sagte nach dem ,Berl. Lok.-Anz." u. a.:
„ES hat den Anschein, alS ob man sich im Augenblick darin gefiele, die Ruhe EuropqS durch allerhand beunruhigende Lärmgerüchle zu stören. Man dürfe sich aber dadurch nicht aufregen laffen, denn alle Regierungen feien auf den Frieden angewiesen: sie kennen seinen Preis. Darum lassen Eie uns den Pessimismus fernhalten, laffen Sie uns mit bestem Vertrauen in die Zukunft schauen, mit dem Vertrauen, daS alle Schwierigkeiten der Lage hinweg, räumen wird bei allen denen, die den guten Willen dazu haben."
△ Professor Dr. Bernhard ist einstweilen vom Kultusminister beurlaubt worden. Sein Abschiedsgesuch ist nicht angenommen worden mit der Begründung, daß das Kultusministerium dieses Gesuch der allerhöchsten Stelle zunächst noch nicht unterbreiten werde. Man hoffte augenscheinlich, daß bis zum nächsten Sommer- semester die Unstimmigkeiten zwischen dem Kultus» ulinisterium und der philosophischen Fakultät der Berliner Universität beigelegt seien. Inzwischen hat der polnische Abg.Dr. v. Clapowski eine Broschüre veröffentlicht, in der er mit dieser neuen wissenschaftlichen Stütze der Regierung im Kampfe gegen die Polen sehr böse umspringt. Er weist darin nach, daß Prof. Bernhard an vielen Stellen feines gegen die Polen gerichteten wiffenschastlichen Werkes und zwar an Stellen, wo es besonders wichtig ist, mit ganz falschen Zahlen operiert und daraus die weitgehendsten Schlüffe zieht.
V Lehrer und Offizierswahl. Man schreibt un§: Die ,Fuldaer Zeitung" brachte in der Nummer vom 4. Juli die Mitteilung, die General- kommanvos der bayerischen Armee hätten die Weisung erhalten, daß der Dienst der Lehrer als Küster kein Grund zu ihrer Ausschließung von der Offizierswahl sein dürfe. Am Schluß des Artikels heißt es: „In Preußen dürfte die Ernennung zum Offizier bei den hier herrschenden Anschauungen ja wohl ziemlich ausgeschlossen fein." Wenn das richtig wäre, dürfte der Grund nur in der geringen Bewertung der gesellschaftlichen Stellung des Volksschullehrers seitens der maßgebenden Kreise gesucht werden; denn Mangel an militärischer Tüchtigkeit kann den einjährig- freiwillig dienenden Lehrern nicht vorgeworfen werden. Zum Beweise dafür nur wenige Zahlen: In Berlin traten am 1. Oktober 1905 nicht weniger als 31 Lehrer bei den verschiedenen Garderegimentern ein, von denen 30 zum Offi- ziers-Aspiranten-Unterricht zugelaffen wurden und 21 die Qualifikation zum Reserveoffizier erlangten DaS Posener Artillerie-Regiment hat seit 1902 stetig einjährig - freiwillige Lehrer gehabt. Alle sind zu Unteroffizieren befördert worden und 90 v. H. haben die Reserve-Offiziersprüsung bestanden. Aus den Berichten der MUltär- kommissionen geht hervor, daß zirka 50 Prozent aller einjährig-freiwillig dienenden Volksschullehrer die Qualifikation zum Reserve-Offizier erlangen, lieber die Zahl derjenigen, die von ihrem guten Rechte Gebrauch machen und sich zur Wahl stellen, finden innerhalb der deutschen Lehrerschaft Erhebungen nicht statt. Obwohl darum der Zentral-Miliiärkommiffion nur von wenigen Stellen hierüber Bericht erstattet wurde, weist die Liste der Lehrerosfiziere zurzeit doch 70 Namen auf; die Hälfte davon sind Preußen.
):( Mädchenschnl - Reform. Das preußische Staaisministerium, das in den letzten Tagen an
Der falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
(63 (Nachdruck verboten).
»Ich kann es nicht tun," sprach er nach einer Weile zu sich selbst. Ich kann Reichtum, Ehre und Namen nicht aufgeben, bloß weil ich in den Tagen meiner Armut eine törichte Heirat machte. Meineidig bin ich bereits geworden, was macht ,es, wenn ich noch einen Schritt weiter gehe? Ich i liebe Ella inniger, als ich Fanny jemals geliebt 'habe. „Ich liebe Ella und werde sie auch heiraten."
* Er preßte die Lippen fest aufeinander, ballte Die Hände und stampfte wild mit dem Fuße. Sein Entschluß stand jetzt unabänderlich fest. Er wollte Fanny verlassen und die unschuldige Ella heiraten. Was fragte er danach, daß er zwei un- ,schuldige Frauen zugleich opferte.
. Er richtete sich auf und zeigte Fanny ein Gesicht, vor welchem siet zurückschreckte. Sie saß auf dem Sofa und Brander sank vor ihr auf bte Kme.
£ ./.'.Ferdinand, bist Du krank?" fragte Fanny bestürzt. „Du bist totenbleich —"
4 , $’n nicht krank, liebe Fanny", antwor
tete Brander, „nur namenlos elend im Herzen. Fanny, liebst Du mich?"
{’ebe' wie kannst Du noch fo fra- ^n? Jott ,rrn Himmel weiß es, daß ich mit hingeben würde, wenn ich Dich badu raiglucklich mache n könnte, so sehr liebe tch Dlöh- Zweifelst Du an meiner Liebe?" / »Nein, »ein, durchaus nicht. Deine Liebe ist alles, was ich habe und worauf ich mich stütze. Verzeih« mir, was ich vorhin sagte. Ich habe »inen gchermen^ Kummer, und das macht mich launtsch und mürrisch. Fanny, ich habe Dir ein »eckr8ntlS .ru machen
„Ein Bekenntnis?" fragte dis junge Frau verwundert.
„Ja, und ich fürchte. Tu wirst aufhören, mich zu lieben, wenn Du es hörft —"
„Nein, mein Schatz; ich werde nie aufhören S» lieben. Meine Liebe zu Dir kann jeden Fehckcitt entschuldigen, Len Du etwa getan hast' aber ich glaube nicht, daß Du Dich irgendwie vergangen hast. Erzähle es mir nicht, wmn Du glaubst. Laß ich Dich danach weniger lieben würde. Mein Vertrauen zu Dir ist unerftfiüt- terlich."
,Ich muß es Dir erzählen, ich kann es nicht verschweigen 1" rief der Heuchler in fieberhafter Aufregung. „Mein Wahnsinn und meine Anfalle vor Geistesstörung sind nur Schein. Ich bm ebenso vernünftig, wie Du!"
. »O, Ferdinand! Gott sei Dank!" stieß die junge Frau hervor. „Und Du bist stetsbei Ber- stand gewesen? Wie konnten die Harrington's huschen? Der Sohn schrieb mir. Du ;*°antn Ahlften, ein Irrsinniger! O, das kann ich Mr. Harrington nicht vergeben!" , Fanny, ich habe ein Geheimnis, welches mich zu erdrücken droht. Bei dem Sturme, ™ 15"Er verhängnisvollen Nacht dachte ich. Laß Guido sterben wurde —- sonderbar genug, ich batte ferne Angst um mich selbst. Ich hatte keine Ahnung, Laß ich gerettet werden würde.
, Als der Sturm den höchsten GraL erreicht hatte und Guido Harrington durch einen herab- stürzenLcn Sparren besinnungslos niederae- schmettert war, beraubte ich ihn —"
Fanny unterbrach seine Erzählung Lurch einen AuSruf Les Entsetzens.
. »ha, eS war eine schlechte, verabscheuungS- würdige Lat", fuhr der Heuchler fort, „aber ich tat eS um Deinet- uni Les Kindes willen. Ich stahl fast fein sämtliches Geld bis auf eine Kleinigkeit, welche meiner Aufmerksamkeit entging. Ich hatte kaum meinen Diebstahl ausgestihrt, al» ein Seemann au mir trat uni mich mit
strafendem Blick ansah; er war Zeuge meines Verbrechens gewesen.
In demselben Augenblick wurde Las Schiff an eine Klippe geschleudert und ging unter. Wir wurden an das Ufer geworfen und von Sizila- nern aufgefunden. Gmdo blieb bei mir bis zum nächsten Morgen. Er fand seine Anweisungen unversehrt und glaubte, daß das Geld vom Wasser aus seiner Lasche gerissen worLen sei. Mich in guter Pflege zurücklassend, eilte er heim, nicht ahnend, daß ich ihn beraubt hatte."
„O, Ferdinand!" jammerte die Frau, welche jedes seiner Worte für wahr hielt.
„Dec Doktor verband meine Wunde und ich erholte mich toieber schnell. Aber der Seemann, welcher meinen Diebstahl gesehen hatte, war auch gerettet worden und hatte Guido brieflich von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzt. Guido ist ein freundlicher, herzensguter Mensch, aber gerecht wie Lie Nemesis selbst. Nun bin ich nach England gereist, um Guido das gestohlene Geld zu- rückzugeben, ihn um Gnade zu bitten, damit er mir Lie verdiente Strafe erspart —"
„O, mein armer Männl" rief Lie junge Frau schluchzend. „Laß mich zu Mr. Harrington gehen und laß mich für Dich bitten!"
„Nein, ich muß die Last, Lie ich selbst auf mich geladen, auch selbft von mir abzuwälzen suchen. Deine Einmischung würde Lie Sache noch schlimmer machen. Ich muß Hanängton Hall so lange umwandern, bis ich Guido zu sprechen bekomme."
„Warum schreibst Du nicht an ihn?"
„Ich kann nicht so schreiben, wie ich ihn mündlich bitten kann. Wenn ich offen vor ihn trete, mag er mir vielleicht vergeben, mich wieder annebmen und fogar mir eine Anstellung verschaffen; aber wenn er sieht, baß ich frei genug bin, um eine Frau zur Verfechtung meiner Sache zu schicken, wird er mich mit bet ganzen Strenge LeS Gesetze» bestrafen laffen.*1
dauernd Sitzungen abhielt, hat die Vorschläge de» Kultusministers über die Mädchenschul - Reform und über die Immatrikulation von Frauen an den Universitäten zugestimmt.
A Freier deutscher Kriegerbund. Besonder» in Gegenden in denen man das Zentrum von „nationaler" Seite von alters her mit den schmutzigsten Mitteln zu bekämpfen gewohnt ift, hat man vielfach versucht, die Kriegervereine in den Dienst der nationalliberalen Propaganda zu stellen. Daß diese Treibereien einen scharfe« Protest wachgerufen haben, ist auS der Preffe bekannt. Gegenwärtig sind Bestrebungen zum Abschlüsse gelangt, die darauf hinauslausen, die unabhängigen Richtungen inners halb der Kriegervereinsbewegung in einem „Freien deutschen Kriegerbunde" zusammenzufassen. —
):( Die Unterstützung kolonialer Schifffahrtsverbindungen durch die Regierung hat im Falle Wörmann seinerzeit sehr unangenehme» Aufsehen erregt. Die Regierung versprach damals gründliche Abhilfe. Man hätte nun annehmen können, die Regierung würde auch bei den Verträgen mit anderen Schiffahrtsgesell« schäften einmal nach dem rechten sehen. Da» scheint einstweilen noch nicht mit dem nötigen Nachdruck geschehen zu sein, denn der Plantagen« Unternehmer Karl Perrot auS Deutsch-Ostafrika veröffentlicht in der .Deutschen Tageszeitung* einen längeren Artikel, wonach in einer Debattts des englischen Unterhauses über die Schaffun» einer britischen Ostasrika-Linie von dem Bericht erstatter Seely solgendeS auSgeführt wurdet
„DaS Parlamentsmitglied für Aston bat die Frag, aufgeworfen, warum wir de« Deutschen erlaubt haben, den Verkehr von England ober andere» Ländern nach den britisch-ost afrtk anisch e» AusschtffungShäfen zu organisieren und zu be» jördern? Es war dieS nicht Gefühls-, sondern Geld« fache. Der Fragesteller betont, baß britische Ware» nicht bitte) britische Schiffe befördert würden — ober die Tatsache, daß in diesem Spezialfall die deutsche« Steuerzahler dieS direkt bezahlen, umun| in den Stand zu setzen, britische Waren nach einem britischen Hafen zu einem billigeren Frachtsatz z» expedieren, als wir eS s e l b st vermögen, scheint doch, abgesehen von beit Geldopfern, bie hier auf den deutschen Steuerzahler fallen, sehr zugunsten diese» UebereinkommenS zu sprechen." (Beifalls . .
Dies« Erklärung schien dem Parlamentsmite glied Mr. Cecil so ungeheuerlich und unglaublich, daß er ausdrücklich die Frage stellte: „Diestz Unterstützungen werden doch nur sür deutsch» und nicht für britische Güter gezahlt?* Worauf ihm Kolonel Seely prompt antworten konnte r.
„Der ehrenwerte Herr ist tm Irrtum. Eine groß» Menge, tatsächlich der größte Teil dieser Güte» die in diesen beutlchen Schiffen verladen werben, stütz britische Waren. Unb warum werden sie durch deutsch« Schiffe verflachtet? Weil die deutschen Steuerzahler eine hohe Subvention zahlen, um diese Schiffe zu «p. pedieren." .
Perrot teilt dann noch weitere- über „Un*. stimmigkeiten und Unkulanz der deutschen Dm afrika-Linie" mit; er wirst ihr vor, daß auf bei von Deutschland subventionierten Linie britisch» und portugiesische Güter zu billigere» Prrisen, als deutsche befördert würden. So ?oft( z. B. eine Tonne Gut von BaSra am persische» Golf nach Hamburg, mit dem Dampfer der „Hamburg-Amerika-Paketfahrt" befördert kaum 20 Mark, ein« Tonne Sisalhanf von Deutsch« Ostasrika nach Hamburg auf fast dieselbe Em» sernung aber 70 Mark. — Das wäre allerdings
„Es scheint mir fast unmöglich, daß Du etwa» so Schreckliches getan haben kannst", sprach Fanny, welche Lie Erzählung ihres Manne» für volle Wahrheit hielt; „aber ich will Dir Lurchs aus keine Vorwürfe machen. Ich weiß e» ge*. witz, Laß Du Lie Tat nicht mtt Ueberlegmtfl gangen hast."
„Gewiß nicht, Fanny!"
„8BaB ist nun zu tun, Ferdinand?"<' _
„Du mußt wieder nach München zurückkeh'kÄ wonach ich Dir, so bald eS nur möglich wirs, folgen werde." x
„O, nein. Las kann ich nicht, ich werd« Tna» land nicht verlassen, bis Du von Lieser schrecklichen Qual befreit bist. Wenn das Schlimmste' eintreten sollte und Mr. Harrington Dich leit' Gerichten überliefern will, wollen wir zusam« men fliehen."
Brander biß sich auf die Lippen.
„Wenn Du England nicht verlassen wiÜst, se mußt Du doch wenigstens Gloucester verlassen. Du darfst Dich nicht hier in der Nachbarschaft aufhalten, wenn Du mich nicht verderben willst^ Du kannst Dir ein Häuschen in einer Provinzial-, stadt in Wales, Irland oder Schottland miete«’ und e» allein mir dem Knaben bewohn«»; laß Dich mit niemanden ein unb gib niemand«« Aufklärung über unsere Verhältnisse." - -, x
„Aber wohin soll ich denn gehen?" fragte Fanny besorgt.
„Ztzh werde Dir eine Wohnung suchen. Ich gehe mit Dir. Wie bald kannst Du zur ALr«s» fertig fein?" - ; *
„Sogleich", erwiderte bi» jung« Frau I»M, hast. „O, wie freue ich mich. Laß Du mit mir gehst." •
„Mache Dich denn bereit, während ich bin.« untergehe unb »usehe, wann der nächste Zufährt. Ich komme gleich zurück." <
(Fortsetzung folgt.)