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Zuldaer W Zeitung

Z.ParzeLer in Mda. wochenbriiage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

Fulda, Samstag den 11. Juli 1908.

35. Jahrgang.

M 157

UN.

er Krone

So]

Anzeigen: vie ein. fpaltige petitzeile oder deren Raum 15 psg. ReNamrndrepetitzeile 25 Pfg., bei wieder» gelangen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationrdruckund Verlag der HuIdaer Al» üendruckerei in Hulda Hernsprechec Nr. 9.

Der falsche Erbe

Nonran von Ed. Wagner.

Monattbellager „SuIbGtt Geschichtsblätter"

und bei andern Behörden vorsprechen; hier aber finden sie nur dann eine gute Aufnahme und werden prompt bedient, wenn man sich auch sonst auf sie verlassen kann, d. h. wenn sie der Regie- rung zu Gefallen schreiben. Blätter, die sich eine gewisie Selbständigkeit bewahrt haben, gehen in der Regel leer aus. So läuft das Bestreben dieser Berliner Mitarbeiter ganz von selbst da­hin, es mit den amtlichen Kreisen nicht zu der- bctbctt«

Die Zunahme der offiziösen Blätter ist von Uebel für die politische Entwicklung unseres Va­terlandes; denn sie verhindert das Aufkommen einer selbständigen starken öffentlichen Meinung im Reiche. Die Zentrumspresse kann sich das Zeugnis ausstellen, Laß sie von dieser neuen Krankheit im Presseleben noch ganz frei ist, daß sie nach ihrer politischen Ueberzeugung sich die volle Unabhängigkeit bewahrt hat und sich um das Lächeln oder das Stirnrunzeln des Fürsten Bülow auch nicht einen Deut flimmert. Diesem ist das toenig angenehm. Noch im letz­ten Winter hat er einem seiner Vertrauten ge­klagt, daß er mit der Haltung der Zentrums- frattion schon zuftieden sein könnte, diese würde nach seiner Ansicht auch nicht unversöhnlich blei­ben; aber die Zentrumspresse sei es, die ihm das Leben sauer mache. Das wird die Zen­trumspresse natürlich nicht genieren, u n - gescheut und unbeeinflußt auch in Zu­kunft ihre Meinung auszusprechen.

Erscheint täglich mit Ausnahme bet $o;nt» «nb Heiertage. viertel« jährliche« vezngrprei, ohne vringerlohn und vestellgelbinHuldaso. Wit auswärts 1.50 Bll.

perantw. Redakteur: Lari Schütter

Die arme Frau war wie vernichtet von diesen Worten und blickte ängstlich aber forschend zu ihm empor. Ferdinand glaubte, daß er sie wankend gemacht hatte, und daß sie anfing zu zweifeln und unsicher zu werden.

Fanny zwang sich zu einem schwachen Lächeln. Sie trat ihm einen Schritt näher und sagte in mitleidigem Tone:

„Armer Ferdinand, Du hast eine schwere Der- letzung erhalten bei dem schrecklichen Schiffbruch I Kennst Du mich denn wirklich nicht mehr, mein Liebling?"

„Gewiß, ich kenne Sie nicht," antwortete Brander mürrisch. „Das ist eine ganz wunder­bare Verwechslung —"

„Und erinnerst Du Dich auch nicht mehr un­seres Kindes? O Ferdinand, erinnere Dich doch unseres kleinen blauäugigen, blondhaarigen Kna­ben. Er kann nun „Papa" sagen mit so süßer und schmeichelnder Stimme; er ist Dein vollstän­diges Ebenbild. O, Ferdinand, besinne Dich doch, erinnere Dich unseres lieben KindesI"

lück sich ereig- fragen Uber Dich und

Deutsches Reich.

■= Der neue Präsident des Flottenvereins.

Der Gesamtvorstand deS Flottenvereins hat bekanntlich am Donnerstag hinter verschlossenen Türen eine vertrauliche Sitzung abgehalten. Heber daS Ergebnis teilt der Gesamtvorstand in einem Rundschreiben mit, daß Großadmiralv.Köster dieAnnahme derWahl zum Präsidenten ausgesprochen und die Geschäfte übernommen habe. Weiterhin heißt eS in dem Rundschreiben:

„Das Präsidium erklärt bei diesem Anlaß, daß eS selbstverständlich die volle Unabhängigkeit deS Vereins nach jeder Richtung zu wahren entschlossen ist. Ebenso selbstverständlich wird es sich streng an Die Satzungen deS Verein? halten. AIS Richtschnur für sein Vorgehe» wird es die auf der Danziger Tagung mtt überwiegender Mehrheit gefaßte Resolution an­sehen. Es fordert die Verbände auf, mit allen Mitteln daran zu arbeiten, unferem großen nationalen Verein die in den Kämpfen der letzten Monate erschütterte Einigkeit wiederzugeben und alle in ihm schlummernden Kräfte nur der einen großen Aufgabe, dem Werben und Eintreten für die Verstärkung unserer Flotte zu widmen."

Inzwischen macht die Austrittsbewegung weitere Fortschritte. Die ,Tägliche Rundschau^ meldet, daß das Prästdialmilglied Fabri tbesitzer Schweckendieck-Dortmund auS dem Präsidium ausgetreten ist und daß der gesamte Vorstand deS Landesverbandes Westfalen sein Amt niederlegen werde. Auch der unter Leitung des bekannten Pfarrer- Sic. Weber in M.-Gladbach stehende Gesamtverband evangelischer Ar­beitervereine, der seinerzeit als korporatives Mitglied dem Flottenverein beiirat, hat sich von der Liste deS FlottenvereinS flreichen lasten. (Vergl. auch das \ Blatt.)

Der bescheidene Fürst Salm.

AuS der ,Tägl. Rundsch/, die zugleich Organ deS Evangelischen Bunde- und deS Generals Keim ist, erfahren wir nun endlich, was Fürst Salm am Berliner Hofe eigentlich durchsetzen wollte. „Der Fürst", so heißt eS da, „hat für

im systematischen Wettbewerb mit den berufenen verantwortlichen Ministern. Eine Neben­regierung deS FlottenvereinS in dem verwegensten Sinne dieses Wortes!

Schuld daran, daß der schöne Plan miß- lungen, tragen natürlich wieder die bösen „Klerikalen". Die „Klerikalen", so sagt die ,Tägl. Rundsch.', haben in ihrem unversöhnlichen Rachebedürfnis die Katastrophe über General Keim und seinen Flottenverein herbeigeführt. Tas ist natürlich dicker Schwindel, aber wenn es wirklich der Fall wäre, so hätten die „Kleri- kalen" sich durch die Beseitigung der gefähr­lichen NebenregierunH ein großes Ver­dienst um Kaiser und Reich und sogar um den Weltfrieden erworben. Aber bet einiger Ge- Wissenserforschung sollten die Keimleute doch merken, daß sie ihr Schicksal hauptsächlich ihrer eigenen Maßlosigkeit und Unbesonnen­heit verdanken.

)( Einen interessanten Fall von Terrain­spekulation nagelt soeben das ,Berl. Tageblatt' fest. DaS Blatt berichtet: „Im Süden von Gleiwitz ist zurzeit ein mächtiges fiskalische- Kohlenbergwerk im Bau; Bohrungen, die vor langer Zeit stattfanden, hoben wiederum er­wiesen , welch' unerschöpflicher Reichtum an „schwarzen Diamanten" dor t vorhanden ist. In aller Stille erwarb der BergfiSkus die um- liegenden Domänen, und eS schien, als ob ein blühender Abbau der Knurrower Kohlenschächte in keiner Weise auf Schwierigkeiten, auch in späterer Zeit nicht, stoßen könnte. Doch eS kam anders. Einige Jahre, bevor die Absichten deS BergfiSkuS, in Knurrow ein Riefenbrrgwerk zu bauen, allgemein bekannt wurden, wechselte da»

Brander's Gesicht veränderte sich; die Mus­keln um seinen Mund zuckten krampfhaft. Sein armes verleugnetes Weib hatte die zarteste Seite seiner verkommenen Seele berührt; und Fanny, diese Veränderung bemerkend, glaubte, daß sein schlummerndes Gedächtnis erwäge und die Er­innerung in ihm endlich zurückkehrte.

„Versuche Dich zu erinnern, mein Liebling," fuhr sie fort. „Ich bin gekommen, um Dich von hier fortzunehmen. Unser Kind und ich wünschen Dich bei unB zu haben. O Gott, wir glaubten, Du wärest unter den schauerlichen Wellen begra­ben. Mr. Harrington schrieb mir das, vergaß jedoch mir mitzuteilen, wo das Unali-----

nete, und ich wollte ihn fragen üb..____,___

Deine letzten Tage und ihm danken für seine Gü- tiakeit gegen mich — er hatte mir eine Hundert- Pfundnote geschickt. So kam ich in dem Wagen von Gloucester nach Harrington Hall und sah Sir Harry. Er war so freundlich und edel gegen EI Ich erzählte ihm meine traurige Geschichtx

WaldgutSchyglowitz, da-mitten zwische» den vom BergfiskuS erworbenen Domäne^ Knurrow, Rieborowitz und Ober-Wilza gelegen ist, den Besitzer. Für den Preis von 800 000 Mark erwarb es der damalige Landrat (!) des Kreises Tost-Gleiwitz, Herr Schrödier. In nicht zu langer Zeit wurde Schyglowitz ein Fideikommiß; der Herr Landrat erhielt den erblichen Adel und bei seinem Austritt aus dem Staatsdienst den Geheimratstitel. Der Kauft preis deS Gutes Schyglowitz betrug damals 800000 Mark; heute verlangen die Erben des Geheimrats v. Schrödter ca. 8 Millionen Mark, und allem Anscheine nach wird dem Bergfiskus nichts anderes übrig bleiben, als die verlangte Summe zu zahlen. Denn auf dem Wege der Enteignung ist nichts zu machen, da bekanntlich ein Fideikommiß nicht enteignet werden kann.

O Auch Gymnasial-Direttoren? Der Direk- tot des Berliner Wilhelm-Gymnasiums soll nach den Meldungen der Preste gemaßregelt wor­den sein, weil er in einer Rede sich gegen die Modernisierung de- Gymnasiums gewendet hat. Man weiß, daß der Kaiser anderer Ansicht ist und daS Gymnasium reformieren will. Es ist aber doch kaum zu glauben, daß ein Schulmann deshalb aus dem Amte scheiden soll, weil er seiner Ueberzeugung Ausdruck verliehen hat. Offi­ziere kann man jederzeit zur Disposition stellen, aber für Direftoren besteht eine solche Vorschrift nicht. Man muß sich überhaupt wundern, wie in der letzten Zeit in Preußen die Maßrege­lungen von Lehrern zunehmen. Jetzt wird darüber berichtet, daß man in Schleswig gegen einen Lehrer vorging, weil er in der Stichwahl zwischen einem Sozialdemokraten und einem Natio­nalliberalen sich der Stimme enthalten hat. Freilich hat man diesen Grund nicht amtlich an­gegeben, sondern man hat den Lehrer in Anklage- zustand versetzt, weil er — die Luftklappen in seinem Schulzimmer nicht vorschriftsmäßig ge­schloffen hatte und weil er dem Schulinspektor bei seinem letzten Besuche nicht mit der angemessenen Schnelligkeit eine Sitzgelegenheit angeboten hat. So geschehen nach dem,Berl. Tagebl/, und zwar im Lande der Fachaufsicht und unter dem angeb­lich liberalen System des liberalen Fürsten Bülow!

* Marburg, 10. Juli 1908. Gegen die Wahl deS konservativen LandtagS-Abg. Landrat v. Negelein haben gestern die Liberalen Pro­test eingelegt, der sich auf die angeordnete Zu­grundelegung der vorjährigen Steuerveranlagung bei Aufstellung der Urwählerlisten, sowie aus an« gebliche amtliche Wahlbeeinfluffungen stützt.

* Bonn, 10. Juli 1908. Zum Gedächtnis des Generalseldmarschalls Freiherrn v. L o ö fand heute vormittag in der Münsterkirche ein Trauer- gotteSdienst statt. Im Anschluß daran erfolgt- die Einsegnung der Leiche im Sterbehause. Di- Leiche de- Verewigten wird heute mittag mit der Staatsbahn nach Schloß Wissen im Kreise Geldern gebracht. — Der Kaiser richtet-, an die Witwe de- Verstorbenen ein Beileids»' telegramm, worin er den von ihm „hochverehrtes Mann- da» Muster eine» pflichttreuen, uner-l müdlich tätigen Offizier», ein leuchtende- Vorbild für seine Untergebenen nennt.

* Witten, 9. Juli 1908. Im Magistrat unserer Stadt find die Katholiken, die etwq ein Drittel der Gesamtbevölkerung bilden, übers Haupt nicht, vertreten. Al» im Dezernbetz'

die Wiederaufnahme des Präsidiums die einzige Bedingung gestellt, daß er jeder- zeit, ohne Zwischenträger, dem Kaiser Vor- trag über den Flottenverein halten dürfe. Da- hat man »u Hintertreiben gewußt."

Diele Bedingung ist allerdings „einzig". Fürst Salm beansprucht für sich al» Präsidenten deS Fottenverein» da» volle Recht de» Jrnme- diatvortrageS, wie eS der Reichskanzler und Ministerpräsident hat. Roch nicht einmal die „gewöhnlichen" Minister besitzen dieses Recht im ganzen Umfange. Denn eS besteht auch heute noch jene KabinettSordre zu Recht, die den Vor­trag de- Ressortminister abhängig macht von dem Vorwisim und der eventuellen Teilnahme des Ministerpräsidenten. Welche Bedeutung der Jmmediatvorlrag hat, kann man daraus erkennen, daß jene Kabinettsordre eine wesentliche Rolle spielte in dem Konflikt von 1890, der zur Ent­lassung des Fürsten BiSmarck führte.

Nun werden vielleicht die Freunde Keims und de- Fürsten Salm sagen, der gewünschte Jmmediatvortrag habe ja nur „über den Flott en verein" sich erstrecken sollen. Ja, waS gehört nicht alles in den Flottenverein nach den Ansichten der Keimpartei? Der Flotten- verein soll nicht bloß über die Marinepolitik und mittelbar über die hohe Politik.selbständig' auftreten und mittaten, sondern überhaupt die „Nationalpolitik" nach eigenen Rezepten betreiben. Zu dieser Nationalpolitik gehört auch die Wahlagitation gemäß dem Keimschen Muster von 1907. Der Jmmediatvortrag

(Nachdruck verboten).

„O, Ferdinand!" rief sie mit vor Freude halberstickter Stimme. „Ich habe Dich endlich .jviebergefunben 1 Sie sagten, Du seiest tot! Und nun lebst Du I Sie, ich trage bereits Trauerklei-

und zeigte ihm den Brief, den fein Sohn mir von Marseille aus geschickt hatte — den grausamen falschen Brief —"

Brander stieß einen Fluch aus.

Hatte Fanny in ihrem Kummer und ihrer Verzweiflung dem arglosen Baronet einen Wink gegeben? Ein Schauder durchlief seinen Körper und kalter Schweiß trat auf seine Stirn.

„WaS sagte Sir Harry, als Sie ihm den Brief zeigten?" fragte er hastig.

„Er sagte, daß sein Sohn mir wahrscheinlich die viel schlimmere Wahrheit, daß Du irrsinnig seiest, habe verbergen wollen; aber Du bist es nicht und —"

„Nein, noch bin ich es nicht," unterbrach er sie, „aber vielleicht werde ich es, wenn ich Ihre Reden noch länger anhören muß, Madame. Zum letzten Male sage ich Ihnen, daß ich nicht Ferdinand Brander bin und daß ich Sie nicht kenne!"

„Armer, lieber Ferdinand!" versetzte die junge Frau traurig, indem sie seine Hand erfaßte und sanft streichelte.

Brander fühlte, daß er seine Frau nicht täu­schen und daß et solche Liebe nicht betören konnte.

Zu seinem eigenen Aerger fühlte er sein Herz erweichen. In diesem Augenblicke dnvchdrang ihn der Gedanke, daß es ihm vielleicht möglich wäre, sich seiner Frau zu entledigen, ohne das geringste Aufsehen zu erregen, ohne ihr ein Be­kenntnis zu machen von feiner ganzen Schurkerei, und ohne bei Sir Harry Verdacht zu erregen.

Er trat hinaus in die offene Pforte und sah hinaus nach dem Wagen. Der Kutscher saß noch auf dem Bock, die Rückkehr der jungen Dame er­wartend. Al« er in das Dunkel der Bäume und Sttöucher zurücktrat, schlug er die .Hände zusam­men und machte eine theatralische Geberde, bann wischte er mit der Hand über die Augen, als wollte er einen dunklen Schleier von denselben wegstreichen, der feine Sehkraft schwächte und rief plötzlich, mit einem Gemisch vM Freyde ujib Staunen i|t feinrrMiNMkl

„Fanny!"

Die junge Frau hatte mit angehaltenem Atem beide Hände auf die Brust gepreßt, die volft ziehende Umwandlung ihres Mannes beobachtet,' an ihren Wimpern hingen ein paar Tränen urch ihr Gesicht sttahlte vor Freude.

„Er kennt mich! Er kennt mich!" rief st«. „Er ist nicht irrsinnig."

„Nein, ich bin eS nicht," sagte Brander, aber es lag etwas in seinem Blicke, was Fanny erbe-, ben machte. „Fch bin jetzt vollkommen bei Ver­stände, obwohl rch allerdings noch manchmal An­fälle von Verirrungen habe feit jenem verhäng­nisvollen Schiffbruch, Wie kamst Du denn hier­her?"

Und Fanny wiederholte alles, was sie ihm bereits erzählt hatte.

„Ja, ja," sagte er, als sie mit ihrer Erzählung fertig war. „Mr. Harrington schrieb Dir, daß ich tot sei, weil er es für schlimmer hielt, wenn Du meinen wirklichen Zustand wußtest. Aber wider alles Erwarten bin ich genesen, seitdem et Sizilien verlassen hat, und ich machte mich auf den Weg nach England, um meinen Freund unh Wohltäter avszusuchen. Ich habe ihn noch nicht gesehen, denn ich bin heute erst ta der Nähe von Harrington Hall an gekommen."

„Mein armer Ferdinand, warum bist Du nicht sogleich zu mir, zu deiner. Frau gekommen? fragte Fanny. ®

„Werl ich dachte, daß Mr. Harrington mir einen tüchtigen Arzt verschaffen und alles zu mei­ner völligen Wiederherstellung tun würde," ant­wortete Brander. „Ich fühlte, daß mein Geist noch unmachtet war, besaß aber Besinnung genug, um mich so lange von Dir fern zu halten, bi» ich wieder tm vollen Besitze meines Verstandes sein würde."

Dies«! Auseinanderfetzung und die plötzliche Erkennung, so feit fern beides auch war, überzeug­ten die rechtschaffene verttauensvolle junge Frau vollständig. Sie war nicht scharfblickend genug, um zu sehen, daß nux die Zett gewinnen wollch'

der um Dich, Ferdinand, mein guter, lieber Mann!"

Brander konnte sich noch nicht wieder fassen. Er war nicht im Stande, sich aus den Armen seiner Frau zu winden. Er starrte sie nur mit drohenden Blicken an.

Endlich milderte sich das Ungestüm ihrer Freude und löste sich in ein leises Schluchzen und .Weinen auf. Sie umschlang seinen Nacken und .'fegte den Kopf an seine Brust.

Da sprang Brander plötzlich zurück. Er sah die einzige Möglichkeit seiner Rettung nur darin, feine Frau zu täuschen, wie er Sir Harry und Ella getäuscht hatte.

„Sie scheinen sich zu irren, Madame," flam- Mite er, indem er versuchte, ein möglichst ver­wundertes Gesicht zu zeigen. Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen und habe Sie nie zuvor ge­feiten. Mein Name ist Guido Harrington." " Bestürzt trat die arme Frau einige Schritte »«rück und betrachtete ihren Mann mit ängstli­chen, furchtsamen Blicken.

tm "O Ferdinand," rief sie. „O, mein lieber Du mich — kennst Du Deine Fanny, Dem Weib nicht mehr!"

Brander lehnte sich fester an die Parktür. ÄnV't l otÄ tagte et möglichst ruhig

ftn? "-sfb verstehe Sis nicht. Wahrschein- Nch halten Sie mich für Ferdinand Brander? Wir waren einander so ähnlich wie Brüder. Sind «te etwa die Dame, an welche ich von Marseille W schrieb? ^Sind Sie Fanny Lrander? "

de- Prästdenten beS FlottenvereinS wäre also nichts anderes, als die Einrichtung eine» verantwortlichen Berater» der K

Krstes Matt. r— -.....- —

♦% Die deutsche offiziöse Presse.

Man schreibt uns aus Berlin: In keinem Bunde der Erde ist das Offiziösentum in der Presse so sehr zu Hause, wie in unserem Vater­lande. Fürst Bismarck hatte sich durch den lldep- tilienfonds eine getreue Presse geschaffen; das Geld des welfischen Herrscherhauses war dazu gut genug, daß man einige Verleger, die am Hungertuchei nagten oder die- Geld verdienen wollten, sich kaufte; es war dann sehr possierlich mitanzusehen, wie diese Blätter über die wel- ffsche Gefahr sich aufregten, während das wel- fische Geld gerne von ihnen eingesteckt wurde. Der Welfenfond ist jetzt zurückgegeben. Kundige Leute wollen nun wissen, daß jetzt der Ge­he i m f o n d s—des auswärtigen Amtes dazu benützt werde, um sich eine ergebene Presse zu schaffen. Dazu hat nun freilich der Reichstag diese Million seinerzeit nicht bewilligt; es wird daher seine Pflicht sein, sich darüber Klarheit zu verschaffen, was an diesen Behauptungen Wah­res ist.

Als erstes amtliches Blatt steht noch immer der „R e i ch s an zei g e r" da. Aber alle Welt weiß, daß man darin weder nach den neuesten noch nach guten Informationen suchen darf; da­her hat schon Fürst Bismarck sich ein getreu er­gebenes Blatt in der „Norddeutschen All­gemeinen Zeitung" geschaffen; sie wird von amtlichen Kreisen inspiriert; der Reichs­kanzler selbst hat sich einen bestimmten Teil des Blattes Vorbehalten mit der Maßgabe, daß an der Spitze des Blaises nur er seine Mitteilungen setzen darf. So weiß man sofort, was aus dem Reichskanzlerpalais stammt. Die anderen Teile dieses Blattes stehen den nachgeordneteren Res­sorts zur Verfügung. Wenn daher eine amtliche Berichtigung erscheinen soll, so geschieht es im­mer in den Spalten dieses Blattes. Der Ver­lag desselben genießt dafür eine Reihe von Ver­günstigungen; denn das Blatt selbst hat keinen großen Abnehmerkreis; er wird fast nur von Behörden und den ganz Loyalen gelesen. Eine Masse von Druckansträgen amtlicher Natur flie­ßen dem Verlage zu; auch der Reichstag läßt die meisten seiner Drucksachen dort Herstellen; z. B. alle stenographischen Berichte, wofür doch in erster Linie die Reichsdruckerei da ist.

Die aintlichen Stellen sind ober nicht auf den Reichsanzeigrr und die „Nordd. Allgem. Ztg." allein angewiesen. In Berlin stehen dem Reichs­kanzler,außer der „Germania" und dem „Vor­wärts", so ziemlich alle Blätter zur Ver­fügung; höchstens der Verlag Ullstein hat sich noch eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt. Die anderen Blätter werden bald mit dieser, bald mit jener neuen Nachricht gespeist; dann glau­ben sie, daß sie sich erkenntlich erweisen müßten und bringen auch sonst Meldungen und Stim­mungsbilder, die der Reichskanzler nicht un­gern sieht. Oft mag es allerdings Vorkommen, daß das betreffende Blatt gar nicht merkt, tote sechr es im Fahrwasser bet amtlichen Kreise schwimmt und daß es Notizen bringt, und die Absicht, die die Offiziösen damit verbinden, gar nicht erkennt. Die Nachrichten gehen oft durch Mittelspersonen und die sagen natürlich nicht, so hier habt ihr eine „offiziöse" Mitteilung. Auch im weiten deutschen Lande finden sich eine iganze Anzahl dieser Blätter. Sie haben ihre Mitarbeiter in der Reichshauptstadt fitzen. Dfese sollen ihr Blatt immer mit guten und zugFtäf- iigen Nachrichten versahen; da liägt es ganz nahe, daß sie sie von der RegierunA zu galten .'suchen und deshalb oft im Auswärtigen Amte