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erscheint täglich mtt Ausnahme der So m- und Zeiertage. viertel­jährlich« vezugspreir ohne vringerlohn und Bestellgeld in zuida so- n>ie auswärts Z.SV litt.

verantw. Redakteur:

Larl Schütte;

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I.parzrller in Zulda.

Maer

wochendeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

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Rotationrdruckund Verlag dec Fuldaer Ak< üendruckerei in Fulda

Fernsprecher Ur. 9.

M 157.

Fulda, Samstaq den 11. Juli 1908.

35. Jahrqansi.

Drittes Wtatt.

Deutsches Reich.

A Der Artikel „Hinter den Kulissen", den Legaticnsrat a. D. v. Rath im „Tag" ver­öffentlicht hat, wonach der frühere Vizekönig von Indien, Lord Curzon, ein Programm ausge­arbeitet haben soll, wonach die Aufteilung deS nahen Orients zwischen Rußland, Frankreich und England unter Berücksichtigung der österreich­ischen Interessen, aber unter völliger Außeracht­lassung Deutschlands beabsichtigt ist, hat natürlich gerade in Oesterreich außerordentliches Aufsehen erregt.

Von Wien aus inspiriert Erscheinen in der reichsdeutschen Presse allerhand Artikel, die zwar fleißig versichern, die Enthüllungen würden in „diplomatischen Kreisen Wiens nicht ernst ge­nommen", aber der Beweis, daß sie ernst ge­nommen werden, ist gerade die Aufrüttelung der österreichischeu Diplomatie aus ihrem sonst so ruhigen Schlaf.

Als „richtig" müssen die österreichischen Offi- »iösen zugeben, „daß eine Versöhnung_ der Bal- >aninteressen Oesterreich-Ungarns mit, denen iRußlands den Gehalt des österreichisch- deutschen Bündnisses vermindern und abschwächen würde, während anderer­seits der Gegensatz zwischen Oesterreich- Ungarn und Rußland naturgemäß zur Festig­ung des österreichisch-deutschen Bündnisses bei- chragen muß."

Die Frage wird nun von den Offiziösen auf ein anderes Gebiet hinübergeführt: es sei nur teine Konsequenz der russischen Politik, „die wegen des verhältnismäßig harmlosen und nur auf wirtschaftliche Interessen abzielenden Sand- schakbahnprojektes Oesterreichs aus dem Häus­chen geriet und sich der englischen Politik näh­erte", — daß der „Gegensatz zwischen Rußland ' und und Oesterrteich-Ungarn auf dem Balkan fchärser geworden ist und infolgedessen eine er­neuerte Vertiefung der freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland erfolgte". Den Schluß bildet eine Beteuerung der Bundestreue Oesterreich-Ungarns die „über jeden Zweifel erhaben sei".

Diese wurde auch von keiner Seite ange­zweifelt. Es fragt sich nur, ob Oesterreich- Ungarn der Versuchung nicht wie Italien unter­liegen wird, sich von dem neuen Dreibund, und sich diesem anschließend, ein längst gewünschtes Stück aus dem orientalischen Kuchen servieren i zu lasse». Die Versuchung ist um sogrößer, als der andere Dreibundgenosse, Italien, durch sein schlechtes Beispiel die guten Sitten bereits ver­dorben und seine Interessen am südlichen Bal­kan ungeniert mit Hilfe dieser Mächte zu wah­ren im,Begriffe steht. Das würde den Dreibund nicht sprengen, aber die alte Festigkeit würde er nicht mehr haben.

Die diplomatische Lage in Europa ist kri­tisch, mH schönen Redensarten kommt man nicht darüber hinweg.,

— Die deutsche Auslandspolitik wird in bemerkenswerter Weise von den ,Hamb. Nachr.st dem bekannten Bismarckblatt, erörtert. Das Blatt spricht sich über die mazedonische Frage aus und hebt hervor, es gelle in unterrichteten Kreisen als zweifellos, daß auf österreichischer Seite — und zwar nicht erst feit heute — eine gewisse Neigung vorhanden sei, die englische Politik zu unterstützen. Dann heißt es weiter:

Börseii-Kurse

Wir glauben zwar bis auf weiteres noch nicht, daß es gelingen wird, auch Oesterreich auf König Eduards Seite hinüberzuziehen und Deutschland ganz zu isolieren. Bedenklich indes bleibt die Sache trotzdem, zumal unser anderer Bundesgenosse, Italien, weil er mit seinem ganzen Leibe im Mittel­meere steckt und auch aus anderen Gründen im Ernst­fälle leicht versagen könnte. Aber während diese Un­sicherheit des italienischen Kantonisten nicht viel zu be­deuten haben würde, wenn wir Oesterreich vollständig sicher sein dürften, da dann Italien durch dieses in Schach gehalten würde, läge die Sache doch eiheblich ungünstiger für uns, wenn das nicht der Fall wäre und wir außerdem gleichzeitig von Rußland im Rücken bedroht würden. Allerdings ficht der Germane, wie neulich der Kaiser gesagt haben soll, am besten, wenn er sich nach allen Seiten zu wehren hat, aber ander­seits wäre eS doch sicherlich erwünscht, wenn uns diese Probe auf die deutsche Tapferkeit erspart bliebe. Sie wäre unS sicher erspart geblieben ohne die Fehler unserer Diplomatie, die mit der Nichtverlängerung deS deuttch-russischen Neutralitätsvertrages begannen und damit endigten, daß man es nicht verstand, den Abschluß der Herstellung der englisch-russischen Entente zu verhindern. Nun müssen die Folgen gelragen werden. Wenn es nicht zum äußersten kommt, so bleibt unS nur die Hoffnung, daß es der deutschen Diplomatie allmählich gelingt, das wieder gut zu machen, waS sie früher gefehlt hat. Freilich wird das keine leichte Aufgabe sein. Das Netz um uns ist schon zu dicht zusammengezogen. Aber gleichwohl ist es richttg, wenn gesagt wird, daß dieses Netz, weil es mit diplomatischen Mitteln hergestellt sei, durch solche auch wieder zu zerstören sein müsse. Es fragt sich nur, ob die deutsche Diplomatie das Geschick dazu haben wird.

Zum Schluß spricht das Blatt die Hoffnung auS, daß es Deutschland gelingen werde, das Netz, das unS jetzt umgebe, zu sprengen; dann wäre jede Befürchtung gehoben, daß Deutschland eines Tages zum Bruch des Friedens schreiten müffe, um die Arme wieder frei zu bekommen. — Allerdings, wenn unsere Diplomatie uns in Niederlagen hineingeritten hat, ist eS ihre Sache, das durch diplomatische Siege wieder wett zu machen. Ihr und nicht der Armee fällt die Aufgabe zu, das um Deutschland gewobene Netz wieder zu zerreißen. Es geht doch nicht an, daß ohne weiteres die Armee in di? Bresche treten soll, wenn die Diplomatie mit ihrem Latein zu Ende ist. Sonst könnte ja jeder unfähige Staats­mann einen Krieg provozieren, an die Ebre der Nation appellieren und das Volk zu den Waffen ausrufen, nur um damit zu verdecken, daß er sich in eine Patsche begeben hat. Wenn Deutschland angegriffen wird, so wird es sich zu ver­teidigen wißen; bis jetzt haben wir aber nur mit diplom atischen Tricks Eduards VII zu tun, und diesen begegnet man in gleicher Weise. Unsere Diplomatie wird doch nicht eingestehen wollen, daß sie sich dem diplomatischen Florel- fechten mit Eduard VII. und Sir Edward Greg nicht gewachsen fühle.

— Die Ovamlufrage hat grundsätzlich ihre Lösung gefunden. Aus Deutsch-Südwestafrika wird gemeldet: Hauptnrann Franke ist von sei­ner Mission ins Ovamboland soeben zurückge­kehrt. Alle fünf Ovambohäuptlinge des Ovam- bolandes haben die deutsche Oberhoheit bedingungslos anerkannt und sich unter den Schutz der deutschen Regierung gestellt. Ferner haben sie sich verpflichtet, die Arbeiter-Anwer­bung in jeder Weise zu unterstützen und ihr Ge­biet dem deutschen Handel zu öffnen.

* Die Einführung des Karabiners bei der Fcldartillerie ist nach der „Reuen Politischen Kor­respondenz" eine feststehende Tatsache, die auch in der neuen Felddienstordnung zum Ausdruck ge­kommen ist. Rach Maßgabe der Einführung des

neuen Karabiners bei der Kavallerie wird die Abgabe der alten Karabiner an die Feldartillerie vor sich gehen. Es verlautet, daß die Karabiner der Fahrer an der Protze untergebracht werden, die Bedienungsmannschaften zu Fuß während der Fahrt den Karabiner am Riemen über der Brust tragen und die berittenen Bedienungsmannschaf­ten ihn nach Art der jetzigen Versuche der Kaval­lerie voraussichtlich am Riemen über den Rücken hängen werden.

Ausland.

* Fälliges Reisekredite bewilligt. Im französischen Senat beantragte der Sozialist Flaiffieres als Protest gegen die Reise Falliöres nach Rußland eine Streichung an den Krediten. Pichon erklärte, die internationale Politik Frank­reichs habe als wesentliche Grundlage das Bünd­nis mit Rußland, die nicht aufgehort habe den Interessen der beiden Nationen, ihren Bestrebungen und ihrem Wunsche nach Frieden zu dienen. Darauf wurden die Kredite in Höhe von 400 000 Francs mit 2S2 gegen eine Stimme bewilligt.

* Die Ausgaben für die marokkanische Expedition Frankreichs werden seit Januar 1908 auf nicht weniger als 30 Millionen Franc beziffert.

Aus Kirche und Schule.

w. Ein neuer Franziskanerbischof. Aus Rom wird telegraphiert, daß der Franziskanerpater Amandus B a h l m a n n zum Titularbischof von Argos ernannt wurde. Bereits im vorigen Jahre hatte er mit der Praelatur von Santarem in Brasilien bischöfliche Rechte erlangt, die jetzt durch die bischöfliche Würde ergänzt werden sol­len. P. Amandus wurde am 8. Mai 1862 zu Essen, in der Tiözesc Osnabrück geboren. Er trat am 21. August 1879 in die sächsische Franzis­kanerprovinz vom hl. Kreuze und legte dort am 13. Oktober 1883 die feierlichen Ge-lübds ab. Seine Obern sandten ihn sodann nach Rom, wo er vom Franziskanerkolleg St. Isidor aus die Vorlesungen an der Propaganda besuchte. Im Jahre 1885 wurde er Doktor der Philosophie und int Jahre 1889 Doktor der Theologie, nach­dem er bereits 1888 im Lateran die hl. Priester­weihe empfangen hatte. Nach kurzer seelsorg- licher Tätigkeit in seiner Heimatsprovinz ging er im Jahre 1891 mit den ersten deutschen Fcan- ziskanermifsionären nach Brasilien, wo er mit feinen Mitbrüdern so segensreich wirkte, daß nach istjähriger Tätigkeit zwei neue brasiliairische Or­densprovinzen entstanden. P. Bahlmann wurde zum Kustos der nordbrasiliauischen Franziska­nerprovinz vom hl. Antonius ernannt. Jit den folgenden Jahren. berief ihn das Vertrauen fei­nes Ordensgenerals zum Visitator von Argen­tinien und ganz Bolivien, welch letzteres er wegen Mangels an Eisenbahnen monatelang unter vielen Mühen und Strapazen durchwan­derte. Im Jahre 1907 wurde ihm das Missions­gebiet von Santarem in Nordbrasilien, ein Ge­biet In Größe von Frankreich mit Belgien über­tragen, das er bis jetzt mit den Rechten und der Würde eines „praelatus nullius" verwaltete. Der neue Bischof wird am 19. Juli vom Kardinal Gotti, dem Präfekten der Propaganda im Fran­ziskanerkolleg St. Antonio in Nom konsekriert werden. P. Bahlmann ist der sechste Bischof, der in den lebten 25 Jahren aus den Reihen der deutschen Franziskaner hervorging.

Aus dem Nachbargebiet.

* Büdingen hOberhessen), 8. Juli 1908. Tis durch die Presse gegangene Mitteilung, der Bll- dittger Hofcat Bankier Rothschild habe bei der Bank von England 8 Millionen Mark deponiert stellt sich als ein recht schlechter Scherf heraus, der zuwege gebracht hat, daß die zahb reichen, durch den Mann um ihr Geld gekomme­nen kleineren Leute in der Provinz Oberhesseis mit der trügerischen Hoffnung erfüllt wurden wenigstens einen Teil des Geldes, um das sii gekommen, zurück zu erhalten. Die Unten suchungsbehörde, die, als Rothschild flüchtig war von der Ansicht ausging, dieser müsse ansehnlich« Summen beiseite geschafft haben, hat unzweifelj haft festgestellt, daß davon gar keine Rede seif kann. Als Rothschild in der Schweiz feftgenoni men wurde, war er vollständig mittellos.

* Vilbel, 8. Juli 1908. Vor dem hiesiger Schöffengericht spielte sich heute ein Milchprozet ab. Angeklagt waren der Gutspächter Georj Dietz aus Riedererlenbach, dessen Frau und des Schweizer Dreßler. Die Beweisaufnahme eti gab, daß die Angeklagten jahrelang der Milq bis zu 30 Prozent Wasser zugesetzt hatten Frühere Schweizer bekundeten, daß Dietz gesag habe: „Für die dummen Frankfurter sei di Milch gut genug." Ein Zeuge sagte aus, voi Dietz habe es geheißen: „Seine beste Kuh steh mitten auf dem Hof, die Wasserpumpe." Da! Gericht verurteilte Dietz wegen wissentlicher Nah­rungsmittelfälschung zu drei Monaten Gefäng­nis und 500 M Geldstrafe, die Frau zu 500 <4 Geldstrafe und den Schweizer zu 100 «M,.

vermischter.

* Eine wunderliche Stadtordnung haben sich di« Stadtverordneten von Meuselwitz gegeben. Jit den Bestimmungen heißt es: 1. Wer das Amt eines Stadtverordneten ablehnt, wird mit einem 83teite seines Steuerbetrages bestraft. 2. Er verliert dal Stimmrecht für die Zeit der Wahlperiode. 3. Wer ztz spät in die Sitzungen kommt, zahlt drei Mark. 1 Wer unentschuldigt fehlt, wird mtt drei Mark bestraft 5. Wer beim Reden unanständig ist, zahlt drei Mars Strafe. 6. Wer sich ohne Erlaubnis aus der Sitzung entfernt, wird mit 3 Mark bestraft. 7. Wer sich um parlamentarisch benimmt, erhält eine Rüge. 8. Geger die Strafbestimmungen 3 bis 7 hat der Bestrafte das Recht, sich zu beschweren; er darf aber zu seiner Be­gründung und Rechtfertigung nichts sagen.

* 8 "Millionen Mark Strafe hatte der Staatsam walt in einem Berliner Prozeß gegen einen Adrefiem vertag beantragt, der 40000 Anpreisungen einer ver, boten en Lotterie versandt hatte. Der Staatsanwals nahm 40 000 einzelne Verstöße an und wollte jedell mit 200 Mark Geldstrafe geahndet wiffen. Das Gericht nahm aber nur eine einzige Straftat an und erkannts auf 1500 Mark Geldstrafe. Auf die Berufung des Staatsanwaltes kam der Angeklagte sogar mit nut 500 Mark davon.

— Bei der Milchvifitation. Bezirksinspektor (de, eben bemerkt, wie eine Milchverkäuferin Wasser in die Milch schüttet): „So, so, Frau Huber, Si< beteiligen sich ja auch an der Ausnützung der baye­rischen Wasserkräfte."

Reklamen- und Anzeigenteil.

Otto Goebel. Bank- uns Wechsel-geschäft in Ma, Sdüojistrajk. » Zekphon ffr. 28

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1 alter Goldrubel — Mk. 3.2(1 1 Rubel, ein alter Kredit-Rubel. Mk. 21.6. 1 Peso --- Mk. I. 1 Dollar = Mk. -1.20. 7 Gulden süddeutsche Währung --- Mk. 12. 1 Mark Bank» — 1.50.

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4 Kasch.-Oderb.v.89i.S.

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