Fulda, Freitag den 10. Juli 1908.
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Und ferner denkt er, die frei
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Deutscher Reich.
/ Der Freisinn
ist im Block so lammfromm geworden, daß er alles tut, um nur ja den Platz an der Regierungssonne nicht zu vertieren. Auch alle Steuern wird er schlucken, die ihm zugemutet werden. Eine Sorge aber quält ihn. Was soll bei den nächsten R e ich ssta g sw ah len toecbeut wenn die Sozialdemokratie all die „Derrate- teien" an den alten Grundsätzen aufputzt und der bürgerlichen Linken die Wähler in Masse abspenstig macht? Wenn der Freisinn auch dienst- und opferwillig ist im „nationalen" Interesse, er möchte sich doch nicht gerne umbringen lasten. Eine so herrliche Partei mutz doch unbedingt dem Vaterland erhalten bleiben!
Daher richtet der Abg. Dr. Pachnicke in einem Artikel im „Tag" über „Finanzreform und Wahlreform" die ebenso dringende wie demütige Bitte an den hohen Patron im Reichs- kanzlerpalats, dem Freisinn doch etwas zu bewilligen, womit sich vor den Wählern Staat machen lätzt. Nämlich einige kleine Zugeständnisse in Sachen des preutzischen Wahlrechts! Also im Grunde der Vorschlag zu einem „Kuhhandel": Wir geben Dir viel Steuern und Du gibst uns etwas Wahlreform I
Herr Dr. Pachnicke ist auch bei seiner Handelsofferte die Bescheidenheit selbst. Er verzichtet nicht blotz auf die Einführung des Reichs» tagswahlrechts, sondern will sogar mit dem Fortbestände des Dreiklassensystems sich abfinden. Nur möchte er die geheime Wahl haben und zugleich die direkte Wahl. Er denkt, diefe zwei Aenderungen, die das Wesen des plutokratischen Wahlrechts nicht berührten, könne der Reichskanzler und Ministerpräsident
®ie junge Frau hatte tbn jetzt ihn in ihrer übermäßig« Freude und hielt ihn so fest, als fürcht» ihr wieder «trist« werd«.
• „An innerlicher Unwahrheit zusnmmeuge« brachen." Di» .Alla, evang.-luth. Kirchenztg.* macht zum Prozeß Eulenburg folgende durchaus' zutreffende Bemerkungen: »Eulenburg ist einer der gebildetsten Männer bei Jahrhunderts, ein Polyhistor, wie es wenig gibt, eine Künst- lernatur, der nicht! in diesem Leben versagt war: und nun bttcht er zusamm« an innerlicher Unwahrhastigkeit. Selbst wenn er freigesprochen würde, selbst wenn ihm der Meineid nicht nachzuweisen wäre, würde man wohl bei diesem Urteil bleiben. Noch ist über den AuSgang nichts bekannt, dann zum Glück werden alle die Schmutzereien hinter verschloffenen Türen ve-- handelt. Bestimmtes kann man nicht sagen, ehe nicht di» 12 Geschworenen gesprochen haben und das Armesünderzimmer sich wieder öffnet — zum Zuchthaus oder zur Freiheit. . . Aber wir brauchen die Information auch nicht. UnS ge- nügt daS offensichtliche, genügt di» erschütternde Predigt diese! ProzeffeS, daßdteSündeder Leut» Verderben ist, sei sie auch noch so ver- graben unter dem Schutt und MooS der Jahre. Wer steht, seh» zu, daß er nicht falle. Wir haben eS weit gebracht- bi! an di« Sterne weit, wir haben die Bildung von Jahrtausenden ausgespeichert und un! Jahr für Jahr mehr Kräfte der Natur dienstbar gemacht, all früher in Jahr- Hunderten; aber da! armselig» Menschlem ist dasselbe geblieben und ist dasselbe im Fürsten- mantel wie in der Arbeiterjoppe. "
△ Ein politischer Streik. Im oberschlesischen Bergbau ist bei der letzten LandtogSwahl teilweise gegenüber den Arbeitern ein TerroriSmuS ausgeübt worden, dem gegenüber da! Treiben der Sozialdemokratm in Berlin wirklich ein un- schuldige! Spiel ist. Ein Teil der Bergverwal- tung hat Arbeite- entlaßen, weil sis für dal Kompromiß zwischen Zentrum und Polen, nicht aber ffl$ den nationalliberalen Scharfmacher Dr. Boltz eingetreten sind. Darauf hat die unter der jetzigen Leitung des Abg. Korfantu stehende Arbeiter-Organisation sich der Sache angenommen und in einer Versammlung von mehr all 2000 PersvE eine Resolution durchgesetzt, in der von dem Direktor der Ferdinand - Grube gefordert wird, daß die entlassenen Arbeiter binnen 2 Wochen wieder eingestellt werden, widrigenfalls am 20. Juli der Streik beginnen werde. Die Arbeiter ver- lang« außerdem achtstündig^ SchiA und Nicht- beschästigung von Ruthenen unter Tage.
=■ Prinzen und Automobilverordnungen Durch übereinstimmende Oberpräsidialoerordnung ist den Automobilisten da! Fahr« in geschloffenen Ortschaften in einer 15 Kilometer in der Stunde Überschreitende« Geschwindigkeit verboter Man les« mm, was eine' Potsdamer Korrespondenz Berliner Blättern berichtet:
schon durchsetzen, sinnigen Wähler klötzen auf der Suppe der Dreiklassenwahl schon
erkannt werden oder irgend jemand könnte aus Mitleid sich seiner annehmen, darum ist es besser, wir haben ihn hier. Du mutzt nach Sizilien reifen, Mr ein Boot mieten und den Unglücklichen mit List oder Gewalt hineinbringen, wenn er an dec Küste spazieren geht. Therese und To- maso werden dann denken, er ist ertrunken. Ich will el wohl übernehmen, einen Aufenthaltsort für ihn auSfindiig zu machen.
Palestro gab seiner Frau vollkommen Recht, und war entschlossen, nach Sizilien zu reisen, um Guido Harrington seiner jetzigen Skschützerin zu entführen.
Nachdem das Paar sich noch eine Weile unterhalt«, machte Palestro plötzlich seine Frau auf ein« von Neapel kommende Droschke aufmerksam.
„Sie fährt hierher," sagte Giuditta.
Bald hielt der Wagen vor dem Gasthofe; der Kutscher sprang vom Bock und öffnete die Tür. Als Giuditta sah, daß eine Dame ausstieg, eilte sie an den Wagen, um ihre Gäste willkommen zu heißen.
je* Verschärfung der Marottokrifis.
Der französische Oberkommandierende in Marokko, General d'A m a d e, hat sich bekanntlich zu einem Gewaltstreich hinreißen lassen, der die wahre Absicht de» Franzosen in Marokko klar enthüllt.
Der General hat vor einigen Tagen die Stadt A s e m m u r, welche dem Gegensultan Mulay Hafid anhängt, besetzt. Nun liegt, aber dieser Ort außerhalb des Bezirks, den bte Franzosen angeblich beruhigen wollen. Der wahre Zweck der Expedition konnte nur fern, die Stadt für Abdul Asis zurückzugewinnen. Asem- mur ist der einzige Hafen, über welchen bisher Muley Hafid mit dem Meere noch in Verbindung stand, nachdem durch die französisch« Machenschaften Mazagan, das ihm ebenfalls gehorchte, auf die Seite des Lakaien Frankreichs, Abdul Asis, gebracht worden war. Auch Asemmur ist Muley Hafid nun genommen worden.
Der französischen Regierung hat dieser Gewaltstreich d'Amades freilich einige Verlegenheit gebracht, weil ihre wahre Absicht dadurch allzusehr ins rechte Licht gerückt worden fft. Sie ließ deshalb sofort erklären, sie habe ihrem Truppenführer eine offizielle Rüge erteilt und ihm anbefohlen, Asemmur sofort zu verlassen. Daß diese Rüffelung nur geschehen ist, um den Schein zu wahren, unterliegt keinem Zweifel. Als am Dienstag die Angelegenheit in der französischen Kammer zur Sprache gebracht wurde, hatte sich die Regierung denn auch schon wieder gefaßt und aus den heuchlerischen Berichten d'Amades den Mut geschöpft, unter Bemäntelungen und Ab- leugnngen das gefährliche Unternehmen fortzu- fttzen.
Nichts einfacher als die „Begründung" solcher Vorstöße. Der General sagt, er müsse die Ruhe des Schaujagebiets sichern; das sei nur möglich, wenn er auch das angrenzende Gebiet der Du- kela unter seine Fuchtel bringe. Von Asemmur, so behauptet er, sei Munition zugeführt und dort seien seine Boten nach Mazagan angehalten worden. Deutsche Berichte bestreiten diese , Vorwürfe. Mit solchen vagen Anklagen kann ;man natürlich jed e Ausdehnung einer Expedi- j tion „rechtfertigen" und zur Sicherung des einen Gebietes immer weiter in das anliegende Gebiet Vordringen. General d' Amade prahlt ferner damit, daß er ohne einen Schutz in Asemmur eingedrungen sei und jetzt dort vollkommene Ruhe herrsche, obschon kein französischer Soldat mehr in der Stadt stehe. Damit stellt er unwillkürlich den Leuten von Asemmur und Umgegend, die er v wr h e r als sicherheitsgefährlich bezeichnet hatte, ein sehr günstiges Zeug- n s aus. Tatsächlich ist auch der hasidische Kaid von Asemmur so vernünftig gewesen, bei dem Anmarsch der Franzosen sich zu entfernen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. In der Stadt selbst mag sich wohl zur Zeit kein Franzose befinden; aber die Franzosen richten sich neben der Stadt häuslich ein. Sie streifen schon nach Mazagen hin, und alles läßt die Absicht erkennen, den ganzen Lande8- teil von Casablanca bis Mazagen einschließlich besetzt zu halten.
Ebenso ersichtlich ist der nächste Zweck des Vor- -stoßes: dem „teuren" Abdul Asis den Marsch nach Marrakesch, seinen letzten Rettungsversuch, zu ermöglichen. In Asemmur haben die Franzosen die Anhänger Muley Hafids verdrängt und den Par- teigängern Abdul Asis' die Stadt ausgeliefert. Zugleich hat Abdul Asis von der marokkanischen
abspeisen lasten! — Einen solchen „Vorschlag zur Güte" muß man im Auge behalten, um danach die weitere Entwicklung zu beurteilen.
Vorläufig kann man dem Fürsten Bülow nut dazu gratulieren, daß er auf her Linken so tote' Charakterlosigkeit gefunden hat. Mit so brauchbaren Dienern muß er doch bis zu den nächsten Reichstagswahl« fortwursteln können.
** Bon der Nordlandsreise des Kaiser- wird gemeldet: Odde, 8. Juli. S. S. Nacht Hohen- zolle« mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord lst nach vortrefflicher Fahrt bei gutem Wetter heute abend Ty4 Uhr hier eingetroffen. — Ein Telegramm vom 9. Juli meldet: Der zweite Teil der Ueberfahrt der Hohenzollern war eben- so vom Wetter begünstigt wie der erste, die See vollkommm ruhig. Me Naturschönheiten des langen Hardanger Fjords zeigten sich, größtenteils im hell« Sonnenschein, nur ab und zu verdeckte ein leichter Nebelschleier die Berge.
Hof der ruhigen Lage wegen ausgesucht und werden morgen unsere Reitze fortsetzen."
„Sie können die gewünscht« Zimmer erhalten, Mylady" erwiderte Giudstta, welche, obwohl die Reisenden wenig Gepäck bei sich führten, an- der ganzen Erscheinung der jungen Dam« folgerte, datz sie reich und auch aus vornehmer Familie war. Sie bat die Dame und ihre Begleiter, ihr zu folg« und geleitete sie hinauf in dal obere Stockwerk, wo sie eine Tür öffnete und die Fremden in ein geräumiges Zimmer nötigte, mit welchem eine ganze Reihe kleinerer Kabinette in Verbindung ftand. Die Zimmer ließen nichts zu wünfchn übrig. Nelly sprach ihre Zufriedenheit auS und bestellte das Abendest«.
Me Wirtin entfernte sich und eilte hinab in die Küche, um das Bestellte zu bereit«. Hier fiel es ihr ein, daß sie die Gäste nicht nach dem Nam« gefragt hatte.
„Ich will daS Versäumte nachholen, wenn ich das Esten hinaufbringe," dachte sie. „Ich bin neugierig, ob sie morgen wirklich Weiterreisen und welche Richtung sie nehm« werden."
Bei den letzten Wort« blitzte eS in ihren Augen, als ihr plötzlich ein Gedanke gekommen.
Wo mag Jacapo eigentlich steck«?" begann Giuditta nach einiger Zeit wieder, während sie In der Bereitung des Nachtmahls für die Säfte fortfubr. ,Stxx Spitzbube —"
„Hier ist er, meine Liebe," unterbrach sie Palestro, indem er in die Küche trat. „Sind die Fremden auf ihr« Zimmern?"
„Natürlich," erwiderte Giuditta. „Hast Du vielleicht einmal bestohlen, daß Du fo( vor neu toegläufft?"
„Nein, da- nicht; aber höre mein Schätzchen. M» junge Dame mit dem Anstande und der Würde einer Prinzessin ist diejenige, von der ich einige Minuten vor ihrer Ankunft mit Mr sprach — Simiora WilkinS!"
„Ahl" rief Giuditta vexstnychert ußb er« sßmkft; „fft ei möglich?7
„Zu den wildesten Fahrern gehöre» di, kaiserlichen Prinzen. Bei einem der letzt« Potsdamer Sc'vstengerichtSprozeste kam zur Sprache, daß durckifchnittlia! nur jene Autler ausgeschrieben werden können, bk ein 30 k.ilometertempo fahren. Die Prinzen abne jagtet fast ausnahmslos mtt Geschwindigkeiten über Bü Kilometer durch geschlossen« Ortschaften, und sogar ein 80 Kilometer- tempo ist nicht- seltenes. Natürlich «erden von pflichttreuen Beamt« auch über dtu-priuzltchen ~" Irer Anzeigen gemacht, dies« aber gehen einen _________tilstanzengang. Der „gewöhnliche^ Lhauffeur wird, an der Wagennummer kennttich, beim Gemeindevorsteher angezeigl, der ihm das ominöse Strafmandat zuschtckt, der prinzltche Autler wird jedoch beim Sandrat angezeigl, der die Anzeigen
sammelt. Bo» weiter« veranlastungen ist de» Gericht« nicht» bekannt. Daß »S durch die Am zeig« bester geword« wär«, kann nicht behaupt« werd«."
Ein Kommentar dazu ist überflüssig!
na. Der allgemeine Fnrsoraeerziehungstag hat in Siraßbura feinen Anfang genommen, Die Leitung bei Kongresses liegt in den Hände» von Pastor Seiffert-Strausberg, Prälat Dr. Werthmann-Freiburg, des Präsidenten des deutschen Charitas-VerbandeS, und einiger anderer Herren. Man beschäftigte sich zunächst ati der Hand eines Referats des Dr. Poligkeit mti der Reform deS Armen- und Strass rechts. Der Redner ist der Ansicht, daß eint unzureichende Armenpflege und eine unzweckmäßige Strafrechtspflege vielfach die Verwahr, losung der Jugend fördere. Besonders die Zu», stände au8 dem Lande wurden vom Referent«^ und den Rednern der Debatte einer Kritik uw terzogen. Prof. Klumker-Frankfurt teilte mit daß ehtei bayerische Gemeinde ein einjähriges Kind für 10 jährlich Pslegegeld mindestfordernd vergeben habe. Weit« beschäftigte matt sich mit den Licht- und Schattenseiten der F a> milienerziehung. Uebereinfthmneni herrschte die Auffassung, datz wohl die Möglichkeit bestehst, geeignete Pflegestellan zu findech wenn unter den Familien eifrig und geschickt gesucht werde; dann werde e8 auch möglich feilt Familien zu finden, die mit voller herzliches Liebe sich des Pfleglings annähmen. Die Fa« milienerziehung biete natürliche Lebensverhaft- nifse und fei btel billiger. Prälat Dr. Werth- mann gab bei dieser Gelegenheit einen Uebetf blick über die katholischen Vereine und ihre Erziehungsanstalten. *
Eine Schwenkung in der Marokkofrager Eine Reihe von Blättern weift auf die Tatsache hin, daß der Reichskanzler wieder die bestetz Beziehungen zu dem früheren Geheimrat voq Holstein unterhalte und daß e! auf dessen Einfluß zurückzuführen fei, wenn Deutschland jetzt in der Marokkofrag» ein» entschiedener» Haltung einnehm». Herr von Holstein war immet der Führer bet KriegSvartei im Atck wärtigen Amte; bei seinem Sturze wurde gemeldet, daß er den Machinationen bei Fürste^ Eulenburg geopfert worden fei: denn dieser habfl mit dem Rate der französischen Botschaft stetfl für ben Frieden gewirkt. Vorkommnisse der letzte« Zeit lafl« allerdings erlernten, daß der Einfluß bei Herrn von Holstein wieber gestiegen tfL Wir würden e! bedauern, wenn allein Einfluß maßgebend werd« würde. Wir wünschen ein# feste, entschlossene Politik, aber keine Säbelraffelei, — von Holstein war übrigen! in den letztest Tagen an Magenblutung schwer erkrankt, jetzt befindet er sich auf dem Wege der Besserung.
= Der Eulenburgprozetz
nimmt für Eulenburg einen von Tag zu Tag bedmklicheren Verlaus. Neuerding! ist auch bei vielbesprochene Bries de! Fürst« Richard zst Dohna zur Sprache gekornm«, worin von bei Verlogenheit Eulenburg! di» Rede ist. Eulen- bürg hat darauf nur zu erwidern gewußt, bei Füch zu Dohna, sein Vetter, neige zu Jntriguest. Im übrigen hat er nicht zu entkräften vermocht^ wai ihm da vorgehaltm wird. Besonder! un*, angenehm wird die Vernehmung de! HojrateG K t st l e r für Eulenburg werd«. Dieser ist einet bet Günstlinge Eulenburg!. Kistler genügte iq München all einfacher Soldat seiner Militä« pflicht, al! der damalige Graf Philipp Enlest» bürg ihn kennen lernte. Nach Beendigung bef
„Ja, es ist so. Unb bet junge Engländer, Gentleman mit ben blauen Augen unb dem blon». ben Haar ist fein anderer, als — Signor 93rart*, der, auf dessen Rechnung ich mein schöne! Einkommen beziehe. Sie müssen ihn Theresa abge- lockt haben.
Giuditta sah ihr« Mann mtt steigender Ver* wunderung an.
„Ist es möglich!" rief sie endlich. „Kaum haSi ben toir ben Wunsch ausgesprochen, ihn hier zu haben, so kommt er auch schon von selbst zu uni, ohne unser Zutun. Die junge Engländerin sagt» mir vorhin, baß sie morg« Weiterreisen wollt«.
„Dazu werden wir ein Wort zu sagen haben. DaS Schicksal hat mir jetzt b« jungen Engländer in Me Hände gespielt unb ich müßte ein Narr jein, wenn ich ihn wieder laufen ließe. Von dieser Stunde an kommt der Engländer nicht aus meinem Bereich; ich werde ihn von der Signora trenn« und in ein sicheres Versteck bringen.
Giuditta nickte zustimmend, unb beide flüsterten noch eine Weile zusammen, während dessen die Frau ihre Arbeit fortsetzte, bis endlich da! Essen fertig war und dasselbe zu ihren Gästen hinaufbring« mußte.
XXI.
Gelungene List.
Der erste Gedanke Ferdinand Brander's, al! er seine Hintergangene Frau sah und erkannte, war, zu fliehen. Aber der Schreck, ben ihre Be- gegnung hier zu Harrington Hall in bet stunde feine! höchstens Triumphe! ihm brachte, schien alle seine Glieder gelähmt M haben; er hiett sich an der offenen Tür bei Parke« Mt unb starrte mit Entsetz« auf die Ankommende.
Sd anl
ver falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
149] (Nachdruck erbosten).
„Ist es nicht Zeit, daß Du von Deiner Verwandten Signora Vicini, etwas zu hören bekommst?" fragte Giuditta nach einer Pause längeren Schweigens. „Es ist schon lange her, seitdem Du keinen Brief von ihr erhalten hast."
„Ja, es sind wohl zchn Tage oder gar noch .•mehr", erwiderte Palestro. „Der Brief war von 'der jungen englischen Lady in Theresas Namen geschrieben. Ich weiß es, obwohl es nicht darin stand, wer ihn geschrieben hatte."
„Kennst Du denn die junge Engländerin?" fragte Giuditta.
„Ich habe sie nur einmal gesehen, sie mich aber nicht; sie war wunderbar schön, doch könnte sie einen Vergleich mit Dir nicht bestehen, meine liebe Giuditta". sagte Palestro schmeichelnd, indem er einen verliebten Blick auf feine Frau warf. „Wenn ich nicht irre, ist ihr Name Will- kinS und eine vornehme Dame."
. , «Und ohne Zweifel reich!" fügte Giuditta hinzu. „Ist es aber nicht feltfam, daß Theresa Picini nicht schreibt? Ich wünschte, wir hättm unser goldenes Hühnchen in unserer Gewalt. Ich kann Dir sag«, ich bin besorgt, es könnte der Kall eintreten, daß uns der Engländer entführt und wir somit unser schönes Einkommen verlieren."
„Wir können ihn aber doch nicht hierher nehmen, wo so viele Leute aus- und eingehenl" entgegnete Palestro. „Es kehren hier so viele Engländer ein und verweilen oft mehrere Tage bei uns. Wo sollen wir ben Blödsinnigen vor Ihnen verbergen? Die Engländer möchten ihn sehen und erkennen —"
, „Wohl wahr," versetzte Giuditztq, „aber so viel ist gewiß, daß er auch in Sizilien nicht sicher U. Er kann gleichfalls apch dort axfehen und
Staatsbank wieder ein« Vorschuß für den pe- planten Zug nach Marrakesch erhalten. Me Em- Mischung der Franzosen in ben Thronstreft zu- gunsten ihre! Kostgängers Abdul Asis ist mit Händen zu greifen. Aber bte Minister in Paris erklären kattlächelnb, sie wüßten von nichts.
Da! Vertrauen, da! Frankreich sich unlängst durch seine freiwillige Erklärung der Vertragstreue und Friedlichfeit ertoorb« hatte muß angesichts dieser Zweideutigkeit und Hinterlist wieder schwinden. Ob eine Gefahr für den Weltfrieden aus dem neuen Vorstoß erwachs« kann, wird von der Entwicklung in Marokko ab- hängen. Da! beste wäre ein gründliche! und schnelle! Fiasko de! Zuges nach Marrakesch, dem General d'Amade so diensteifrig bte Wege bereiten will. ____________________
Palestro, um sein« Pflichten all Wirt nachzukommen, machte gleichfalls einige Schritte vorwärts, blieb aber pVtzlich stehen, all habe ihm jemand ein . Halt" zugerufen, stieß einen Rus der Ueberrafchung aus, drehte sich kurz und lief in’l Hau! zurück, das er mtt wenig« Schritt« erreichte.
Die Reifend« war« Nelly mtt ihren Begleitern, unb da! Aulsteig« bei letzt« Jnfass« bei Wagen!, Guido Harrington, ben Palestro'! scharfes Äuge sogleich erkannt hatte, war die Ur- fache seiner plötzlichen FluÄ.
Giuditta hatte bal Verschwind« ihre- Man» nel bemerkt unb war aufs Höchste betreff«, da sw annahm, daß er irgend einen Feind unter den Anwesenden erkannt hab». ®k bewahrte aber ihre Ruhe unb geleitete die Gäste in’! Haus.
„Wir wünsch« einige Zimmer für diese Naött, MssnyM" sagt« NM. Mr heben Ihren Gast-