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M 154.

Fulda, Mittwoch den 8. Juli 1908.

35. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt.

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* „Hinter den Kulissen".

Der Legationsrat a. D. vom Rath bringt im Berliner „Tag" unter dem Trtel: „Hrnter bcn Kulissen" Enthüllungen über die diploma­tische Vorgeschichte der letzt gen eng­lischen Auslandspolitik. Herr vom Rc.th war noch vor wenigen Jahren Mitglied der Londoner deutschen Botschaft; man kann also glauben, daß er über das, worüber er sich aus­spricht, wohl unterrichtet ist.

Die Bemühungen Englands, aus seiner „glän- -enden Isoliertheit" hevauszukommen, reichen m die Zeit des Burenkrieges zurück; damals bewarb sich England um die Gunst der Vereinig­ten Staaten und schloß mit Japan den ersten Bündnisvertrag ab. Begreiflicherweise machte 6i; nun das Bedürfnis geltend, auch in Europa nschluß an eine der beiden bestehenden Mächte­gruppen zu finden. Legationsrat vom Rath dringt nun die überraschende Mitteilung, daß das kouservativ-unionistische Kabinett, welches Kö­nig Eduard bei seiner Thronbesteigung vorfand, den Gedanken eines engen Anschlusses Englands an den Dreibund und speziell an Deutsch­land ernstlich erwogen und empfohlen habe, nachdem bereits Chamberlain im Jahre 1899, also noch drei Jahre nach der vielbesprochenen Krüger- Depesche des deutschen Kaisers, dem Wunsche, sich mit Deutschland über den Kolonialbesitz beider Länder zu verständigen, bestimmte Formen gege­ben hatte. Diese Neigung zur Verständigung trat dann wie Legationsrat vom Rath ausführt, im Jahre 1901 in noch greifbarer Form englischer- feits zutage. Auf deutscher Seite fei einer der wärmsten Verfechter dieses Gedankens der deut­sche Borschafter in London, Graf Hatzfeld, gewe­sen. Nach feinem plötzlich erfolgten Rücktritte verliefen die Bündnisverhandlungen im Sande.

War es eine gewisse Entschlußlosigkeit, die uns veranlaßte, das englischerseits gewünschte Offen­siv- und Defensivbündnis abzulehnen, war es die Rücksicht auf die durch den Burenkrieg erregte öffentliche Meinung in Deutschland? Das eng- lische Kabinett schöpfte jedenfalls aus dem Miß­erfolg seines Entgegenkommens die Ueberzeu- gung, daß es ausgeschlossen sei, mit der schwanken­den deutschen Politik zu einem dauernden Einver­ständnis zu gelangen. Das Bedürfnis, aus dem Zustande der „glänzenden Vereinsamung" her­auszukommen, blieb aber bestehen, und so ent­schloß sich die englische Regierung, eine A n n ä he- rung an den Zweibund anzubahnen, und -war zunächst an Frankreich.

In Ausführung dieses Planes erfolgte der Besuch König Eduards in Paris im Jahre 1903, dem der Gegenbesuch des Präsidenten Loubet im April 1904 folgte. Sobald der japanisch-russische Krieg beendet war, ging man englifcherseits daran, mit Rußland intimere Beziehungen anzuknüpfeu, und insbesondere König Eduard widmete sich dieser Aufgabe mit Eifer und Ener­gie. Der jüngste Besuch König Eduards in Re- val besiegelte den neuen Bund.

Was die interessante Persönlichkeit des bri­tischen Herrschers selbst anbetrifft, so war er als Prinz von Wales trotz ausgesprochener Neigungen zu französischem Wesen und Leben doch keineswegs ein ausgesprochener Feind Deutschlands. Wenn er als König in diese Stim­mung allmählich hineingedrängt worden ist, so lag der Grund zunächst in den zum Ueberdruß erörterten persönlichen Verstimmungen und Mißverständnissen. Bekannt sind auch seine häufi- gen Klagen über die fortgesetzten „Nadelstiche" der deutschen Politik, die allmählich bei König Eduard eine Nervosität hervorgerufen zu haben scheinen, die sein Urteil über die deutsche Politik

Kleines Feuilleton.

— Körpertemperatur und Sport. Die Tem­peratur des Körpers wird seit langem als Maß­stab für die Gesundheit, angesehen. Jede Ab- weichung von dem Durchschnitt, der bekanntlich zwischen 36 und 37 Grad liegt, wird im allgemei­nen als Störung des Wohlbefindens betrachtet. Und doch schwankt die Körpertemperatur in er­heblicher Weise, während der Körper vollständig gesund bleibt, ja, es werden solche Temperaturen beobachtet, die man im Fieber als unbedingt lebensgefährlich ansehen würde. Jürgensen hat, wie La Nature angibt, an sich selbst eine Körper­temperatur von 37,8 Grad festgestellt, nachdem er Holz gesägt hatte; nach einem anstrengenden Marsch stellte Mosso eine Temperatur von 38.8 Grad fest; Forel erhiest 39,2 Grad nach einer Bergbesteigung. Professor Flach der in London Versuche über den Einfluß auf die Körpertempe- ratur angestellt hat, hat Zahlen gefunden, die teilweise noch übertreffen. . Bei einem Schnelläufer stieg die Körpertemperatur nach «nem Lauf von einer halben englischen Meile (rund 800 Meter) auf 39 Grad; ein anderer brachte es nach einem Lauf von einer Meile auf 39,4 und und nach einem Lauf von 3 Mei­len gar auf 40 Grad. Aehnliche Zahlen fanden nch.bei Fußballspielern. Je nach der Dauer des „?^les ergaben sich Zahlen, die zwischen 38,6 wL • schwankten. In einem Fall will Flack LXn Temperatur von 41 Grad festgestellt sich um einen vollständig ge- Rr hnn Ä vor dem Lauf eine Tempera-

J””!.J® hatte. Nachdem er drei Mei- 12» luar Körpertemperatur

auf 41 Grad gestiegen, und es dauerte lange, bis sie wieder sank.

trübte und ungünstig beeinflußte. So kam es, daß es dem König nicht allzu schwer fiel, die Schwenkung des britischen Kabinetts vom deut­schen ins deutschfeindliche Lager mitzu­machen.

Für die Zukunft Englands scheint eine Per­sönlichkeit zu einer leitenden Rolle berufen zu fein, die bei uns bisher nicht genügend gewürdigt und beachtet worden ist. Es ist dies Lord C u r- zo n, der frühere Vizekönig von Indien und „kommende Mann" britischer Staatskunst. Er hat eine umfassende Denkschrift ausgearbei­tet, welche die volle Zustimmung König Eduards gesunden haben soll und sonach als richtungge­bend für die nächste Zukunft gelten könne. Der Hauptpunkt des Memorandums ist „die Auf­teilung des nahen Orients zwischen Rußland, Frankreich und England unter einer gewissen Berücksichtigung der österreichischen Jn- teresfen", aber unter völliger Ausschaltung jener des Deutschen Reiches. Dieser Teil der Vorschläge bezieht sich auf die europäische Türkei, Kleinasien, Arabien und Persien. Die englischen Interessen werden dahin gekennzeichnet: „Schaffung einer direkten und unabhängigen Landverbindung mit britisch Indien, und zwar soll durch ein Protekto­rat über Arabien und Mesopotamien der Weg von Aegypten nach Persien und durch die Einver­leibung Belutschistans der Weg von Persien (des­sen südlicher Teil bekanntlich durch den englisch- russischen Vertrag vom vorigen Jahre der engli­schen Interessensphäre zugefallen ist) nach In­dien gebahnt werden. Hierin liege aber, meint vom Rath, der unüberbrückbare Gegensatz der englischen und der deutschen Orientpolitik, so­lange wir uns als eine in Mesopotamien wirt­schaftlich und damit auch mit politischem Einfluß engagierte Macht betrachten. Frankreich wird bei dieser Aufteilung der Türkei das Protektorat über Syrien versprochen, während Rußland völlig freie .Hand' am Bosporus erhält, indem England die alte traditionelle Meerengenpolitik aufgibt. Italiens Ansprüche auf den Balkan sollen mög­lichst ausgeschaltet und ihm als Kompensation Tripolis zugesagt werden.

In der Erwartung einer reichsdeutschen Mo­bilmachung gegen Englands Verbündete scheint man sich an der Themse damit aüfinden zu wol­len, daß man Oesterreich-Ungarn von Deutschland a b z i e ht im Glauben, auf diese Art die Schlagkraft und praktische Einspruchs­fähigkeit des Deutschen Reiches lahmzulegen. „Oesterreich-Ungar, ", heißt es in der Curzon- schen Denkschrift, „kann seitens der Entente­mächte nicht vollkommen ignoriert werden, cs müßte ihm gegebenenfalls die Ausdehnung sei­ner Machtsphäre nach Saloniki garantiert wer­den." Damit im Zusammenhang gibt Legations- rat vom Rat der Ansicht Ausdruck, daß die eng­lische Politik mit Volldampf auf das Ziel zu­steuere. Oesterreich-Ungarn in die englisch-sran- zösisch-russische Verständigung hineinznziehen. Zu diesem Zwecke finden, wie man aus London be­richtet, fast täglich Besprechungen zwischen dem Grafen Meusdorfs und Sir Edward Grey und dem König statt. Wieder­um geht König Eduard in der nächsten Zeit von Marienbad nach Ischl, und auch dieser Besuch >vird als ein Versuch aufgefaßt, den greisen Kai­ser Franz Joseph der englischen Politik günstig zu stimmen.

Das entscheidende Moment für die europäische Politik ist demnach heute, meint Legationsrat vom Rat, ob es England, Frankreich und Rußland gelingt, Oesterreich den Projekten des Lord Curzon günstig zu stimmen. Die Versuchung ist unzweifelhaft groß für die österreichischen Staatsmänner: vom allgemeinen Gesichtspunkte aus: die gründliche und definitive Beseitigung des europäischen Wettcrwinkels; vom spezifisch österreichischen aus: die Verhältnis- mäßig leichte Erreichung des Endzieles seiner Orientpolitik unter gleichzeitiger Ausschaltung der mit den feinigen strikte unvereinbaren ita­lienischen Ansprüche auf Albanien.

Legationsrat vom Rat gibt seinen Zwei- fein ü6er dieFestigkeit Oesterreichs gegenüber den englischen Lockungen Ausdruck und hält den Tag der schwer st en Be­lastungsprobe für das deutsch.öster­reichische Bündnis gekommen. Der Gegen-" satz zwischen Oesterreich und Rußland auf dem Balkan sei der festeste Kitt des deutsch-österreichi- scheu Bündnisses. Je mehr er schwinde, um so inhaltloser werde der Bündnisvertrag mit Oesterreich.

Bemerkenswert ist, was zu diesen Befürch- tungen ein österreichisches Blatt, die christlich­soziale Wiener „Reichspost" sagt. Es meint, aus diesen Auslassungen des deutschen Diplomaten spreche eine starke Nervosität und nebstdem auch emc starke Unkenntnis der politischen Grund- lagen, auf denen die Donaumonarchie aufge­baut ist:

Ewe Schwenkung Oesterreich-UngarnS zu England und Rußland mußte die Stellung der Deutschen tu Oesterreich geradezu unhaltbar machen. Wenn wir die Frag» vom rein praktischen Standpunkte auffaffen, so käme eme Lostrennung vom Dreibunde, richtiger gesagt von Deutschland, für uns gar nicht in Betracht, denn eine solche würde von England gewiß nicht verlangt «erden, es könnte sich nur darum handeln, bem deutschen Reiche in Fragen der Welt« Politik nicht mehr jene Unterstützung zu leihen wie etwa in WgeciraS Diese Unterstützungstrage ist jedoch eine Frage der Erhaltung des Friedens, so daß es also un Grunde genommen doch nur darauf hinaus- laufen «fiibe, dem deutschen Reiche di» Gefolgschaft im Kriege zu versagen. Also ein Geschäft recht be- dauerlicher Art. Im Artikel deS preußischen Legations- rates zittern noch die Empfindungen deS besorgten deutschen Diplomaten über die Ergebnisse von Reval nach und wenn wir auch seinen Ausführungen über di, Entstehungsgeschichte der britischen Enientepoiuik Glauben schenken und seinen Enthüllungen über di« letzt« Ziel« brittsch« Welipolütk ohn« Zweif«lk«cht

wertes bis zu 6 Jahren 76—79 M., b. junge fleischig« nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 70—74 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 58 -62 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen r ». vollfleischige höchsten Schlachtwerter 70—72 Mark, b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66—68 M., c. gering genährte 00—00 M. Kühe und Färsen (Stiere unb Rinder): tu vollfleischige, ausge­mästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlacht­wertes 72—74 M., d. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 62—64 M* c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelt« jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 44 bis 46 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stier« und Rinder) 00—00 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 Wl. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: ». feinste Mast- Vollmast) u. beste Saugkälber (Hannov.) 93—95 Pfg., b. mittler« Mast- und gute Saugkälber 85—92 Pfg., c. geringe Saugkälber 70—75 Pfg., d. ältere, gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pfg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 82—00 Pfg., b. ältere Masthämmel 74—76 Pfg^ c. mäßig genährt« Hümmel und Schafe (Merzschafe)OO—00 Pfg. Schweine- tu vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreu­zungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 65 —66 Pfg., b. fleischige 64—00 '4»g, c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 56—58 PIg„ d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) 00—uu Pfg. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Ledendgcnuchl: Ochsen 00—00 Pfg., Kälber: a.o5—56 *,g., u. 49 -53 Pfg. Schweine: 51— 51'/, Psg§ b. fleischige 50'/,- 00 Pfg. Geschäftsgang in Horn­vieh gut, Ueberstand unbedeutend, m Kälbern gedrückt, Ueberstand unbedeutend, in Kleinvieh gut, Ueberstand kemer. Aus Oesterreich-Ungarn standen 125 Ochsen und 8 Stiere zum Verkauf.

gegenüberstehen, so müßen wir doch in jenen Ange­legenheiten, die unser Verhältnis zu Deutschland be­treffen, zu einem Staate, mit welchen uns Beziehungen größter Herzlichkeit verbinden, der Ansicht Ausdruck geben, daß durch derlei anscheinend willkürlichen Be­rechnungen der guten Sache nicht gedient ist. Unsere BundeStreue soll über jed en Zweifel er­haben sein, vorbeugender Mahnungen, und um eine solche scheint es sich hier zu handeln, bedarf es nicht.'-

Ausland.

* In Innsbruck sand eine Volksversamm­lung statt, in welcher von Los von Rom-Hetzern wieder der konfessionelle Kampf gegen die Katholiken gepredigt wurde. Die Ver­sammlung war von Studenten, Schöneriauern, Freisinnigen und Sozialdemokraten besucht. Die Hauptrede hielt der sattsam bekannte Los von Rom-Pastor Mahnert aus Marburg, der schon in Graz und Wien in Studenlen-Versammlungen in der schamlosesten Weise gegen die Kalholiken hetzte. Er sagte ungefähr dasselbe wie in Wien:

„Unser Kampf richtet sich gegen Rom, welches gegen das deutsche Volk ist. Wir fassen den Feind mutig in's Auge und schlagen ihn mit der einzig rich- tigenWaffe, mit der Los von Rom-Bewegung. (Minuten­langer Beifall und Händeklatschen.) Nur die Tot kann uns von Rom heute befreien. Die Jugend muß den Mut haben, die paar unangenehmen Sachen (des Ab­falles» mitzunehmen, die da vielleicht mitspielen. Der Zweck ist so heilig so groß, daß es schließlich auch auf etliche Existenzen nicht ankommen darf. Wer den Mut hat, bei der Mensur trotzig dazustehen und nicht zu zucken, der muß auch den Mut haben, das Ungemach zu ertragen, das der Uebertritt mit sich bringen kann. Die Religion des deutschen Volkes kann nur der freiheitliche Protestantismus fein!'

So hetzt ein Pastor, so wirbt der Los von Rom-Agent Mahnert unter den jungen Leuten Proselyten! Der Sozialdemokrat Wintler sor- derle die Versammelten auf, zwar von der katho­lischen Kirche abzusallen, aber nicht lutherisch, sondern konfessionslos zu werden. Von Los von Rom-Leuten, Vikaren und Sozialdemokraten wird systematisch gehetzt und der konfessionelle Krieg an den Hochschulen geschürt. Und da ver­argt man es den Katholiken, daß sie sich zur Wehr setzen!

vermischtes.

* Stn Heuregeu. Durch eine seltene Natur­erscheinung wurden am Donnerstag die Bewoh­ner des nördlichen Stadtteils von D eis sau überrascht. Nachmittags gegen 4 Uhr wurde der völlig klare Himmel ganz plötzlich durch eine Wolke verdunkelt. Als man näher hinsah, stellte sich heraus, daß große Heumassen in einer Höhe von mindestens 40 Metern in der Luft schwebten und beständig kreisend, sich langsam zur Erde senkten. Ta das Heu über eine ziemlich große Fläche niederging, läßt sich seine Menge schlecht schätzen; sicher ist es aber soviel gewesen, daß 1—2 Wagen damit hätten geladen werden kön­nen. Das völlig trockene und daher außerge­wöhnlich leichte Heu war durch einen Wirbel­wind auf den nördlich der Stadt belegenen Wie­sen emporgehoben und etwa zwei Kilometer weit bis zur Stadt geführt worden, wo es, weil die Lustströmung durch die Häuserblocks gebrochen wurde, langsam zur Erde sank.

* Ueber den Liebesroman des Herzogs der Abruzzen mit Miß Elkins sind die widerspre­chendsten Nachrichten im Umlauf. Erst kürzlich wurde versichert, daß die Heiratsprojekte des Her­zogs an dem Widerstande des italienischen Kö­nigshauses gescheitert seien, jetzt wird wieder das Gegenteil behauptet. Der Prinz setze die Be­ziehungen zu seiner Braut fort und sende ihr tagtäglich fünf bis sechs Depeschen.

Literarisches.

Die Edderial-Sperre unb die hier dem Untergänge ge­weihten Ortschaften auf waldeckischem und hessi­schem Boden. Von Karl Heßler. Mit 1 Karte und 13Abbildungen. Marburg. N. G. Elwert'- sche Verlagsbuchhandlung. — Preis 80 Pfg.

Diese Schrift enthält eine erschöpfende Darstellung aller in Betracht kommenden Fragen, welche die Edder- tal-Sperre, die größte Europas, betreffen. Der riesige Stausee im Tale der Edder, dessen Bau jetzt be­gonnen werben soll, wird bei einer Anstauung von 40 bis 45 Meter ungefähr 220 Millionen Kubik­meter Wasser fassen. Neben derMöglichkest, Kraft­quellen zu gewinnen und BewäsferungS - Anlagen zu schaffen, wird er gebaut, um Hochwasser - Schäden zu verhüten und seinerzeit den Mittelland-Kanal zu fpeilen. Die Schrift von höchster aktueller Bedeutung sei wärm­stens empfohlen.

„Berner Oberland". Reisende in der Schweiz und nach der Schweiz finden in der soeben er­schienenen Auflage 1908 der „Wegleitung zum Besuche des Berner Oberlandes" auf 146 Text­seiten mancherlei Winke und Ratschläge, sowie eine prächtige Bildergalerie der schönsten Punkte des Berner Oberlandes. Das Oberländische Ver­kehrsbureau in Interlaken versendet das Büchlein gratis mit einem farbenbunten Fahrplan der Route Luzern-Jnterlaken-Montreux.

Kurier Getreide-Wochenbericht der preirderichirftelle der deutschen Landwirtschaftrratr vom 50. Juni bis 6. Juli 1908.

Im Getreidehandel machte sich während der Berichtswoche eine festere Stimmung bemerkbar. In Amerika scheint die Winterweizenernte den Erwartungen nicht ganz zu entsprechen; die Far­mer halten mit dem Verkauf zurück, und die Exporteure, die bereits größere Abschlüsse für baldige Verschiffung vorgenommen haben, stellen nunmehr höhere Forderungen. Argentinien folgte diesem Beispiel. Rußland ist mit, Ange­boten neuer Ernte überhaupt nur spärlich am Markt, trotzdem ausgiebige Niederschläge eine günstige Wendung der Aussichten für (Sommerge- zreide herbeigeführt haben sollen. Die Schätzung der ungarischen Weizenernte wurde wurde von 36,8 auf 36,41 Mill. Dz. ermäßigt, eine Folge der bis vor kurzem andauernden Dürre, durch welche auch in den Verbrauchsgebieten ernstere Schäden bei den Sommersaaten und Futterpflanzen ent­standen sind. In Deutschland machen sich die Folgen der Trockenheit außerdem sehr empfindlich bei den Hackfrüchten bemerkbar; auch haben sich die Körner bei Roggen weniger günstig entwickelt, als nach der Blüte erwartet wurde, stellenweise ist Notreife eingetreten, sodaß man sich auf Ent­täuschungen beim Erdrusch gefaßt zu machen ha­ben dürfte Nach einer seitens der Preisbericht­stelle am 1. Juli vorgenommenen Erhebung stellt sich das voraussichtliche Ergebnis von Roggen im Verhältnis zu einer Mittelernte (— 100) auf 100,8 Prozent. Die in den letzten Tagen erfolg­ten Niederschläge waren kaum ausreichend, um den stark verkrusteten Boden zu lockern; anderer­seits könnte die regnerische Witterung bei längtet Dauer eine Verzögerung der Roggenernte, mög- licherweisc auch eine Schädigung der Qualität zur Folge haben. Im Inlands sind nur noch ge­ringe Bestände vorhanden, und da sich im An­schluß an die festere Haltung des Auslandes na­mentlich für Weizen mehr Interesse zeigte, waren die Importeure in der Lage, ihren Besitz an aus­ländischer Ware zu verringern. Da man aber ge­rade auf diesen Weizen zur Erfüllung offener Juli-Verbindlichkeiten gerechnet hatte, so ergab sich die Notwendigkeit stärkerer Deckungen. Auch Roggen ist in andienungsfähigem Zustande nur sehr mäßig vorhanden, während das Fehlen rus­sischen Angebots stärkere Kauflust für Herbst­lieserungen hervortreten ließ. Hafer findet na­mentlich in guten Qualitäten mehr Beachtung; im Lieferungsgeschäst bestand infolge ungünstiger Ernteaussichten für Herbst lebhaftes Interesse, so daß diese Sicht zeitweise 4 <M über Juli bewertet winde. Unverändert fest lag Futtergerste und Mais, worin aber kein größeres Geschäft zustande kam. ।

ES stellten sich di« Preise für inländischer (Betreib« am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kllogr. j« nach Qualität, wobei daS Mehr (-ft) bezw. Weniger (-—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist ivie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 212 175 (-ft 3 ) 193 (— 3 )

Berlin 216 (+3 ) 185 (-4- 1 ) 177

Hamburg 212 (-ft 4 ) 186 (— 3 ) 176 (-ft 1 )

Düffeldors 190 (— 2 ) 166 (4- 1 )

Frankfurt 212'/,(-ft 2»/.) 192'/,(- 5» 175 (— 8 ) München 227 (-ft 4 ) 193 (180 (-ft 2 )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 215.76 (+ 5.50), September 197.75 (-ft 3.50), Budapest Oktober 190.35 (+ 5n5), PariS Juli 179.75 (-ft 4.051, Liverpool September 160.00 (+ 4>0), Chicago Juli 133.30 — 2.10), Roggen: Berlin Juli 191.25 (4-1.75), September 181.00 (-ft 2.00), Hafer: Berlin Juli 160.252.75), September 163.75 (— 0.25) Mark per 1 Kilogramm.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Marktberichte.

• Frankfurt ». 6. Juli 1908. Amtliche No-

Herting der Viehmarft-Pretfe. Zum verkauf standen 522 Ochsen, 70 Bullen, 1101 Kühe und Rinder (Stiere und Färsen), 883 Kälber, 178 Schafe und Hämmel und 1535 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: tu vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlacht«

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