35. Jahrqanq.
Fulda, Dienstasi den 7. Juli 1908.
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d Hundepeitschen aus e Studenten würgten ihn,
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In anfopfernder Liebe unterlassen jung« Mütter zur Sommerzeit die ihnen so nötige Erholungsreise, well sie einen Miichwechsel fürchten. Hier hilft Neftle's Kindermehl aus jeder Verlegenheit, da es mit Wasser gelocht allerorts eine gleichmäßige, keimfreie kräftig« und sehr leicht verdauliche Nahrung ergibt, welche di« gefährlichen Brechdurchfälle und Diarrhöe ausschließt.
Zum Schlüsse fragt die Reichspost, ob Hildebrand wieder im Semester der autonome Herr der Grazer Universität sein werde, dem die Ettern das Leben ihrer studierenden Söhne ander- trauen sollen, und betont: „Wir fragen nicht mehr den Unterrichtsminister, ob er eine solche Ungeheuerlichkeit dulden könne. Wir fragen den Justizminister, in dessen Ressort Rektor Hildebrand, der unsere katholischen Studenten als Fremdkörper beschimpft und sie schutzlos dem verbrecherischen liberalen Pöbel überliefert, zweifellos fällt."
Aus dem Nachbargebiet.
□ Weyhers, 5. Juli 1908. Heute beging die hiesige Hebamme ihr 25jährige8 Dienstjubiläum. ES wurden ihr herzliche Glückwünsche nebst einem Geschenke für treue Dienstleistung übermittelt.
* Vacha, 4. Juli 1908. Der hiesige Tuende r e in feiert am 26. d. Mts. sein 30jähriges
— Missionar mit Zwiebelsauce. Ein Missionar, der von einem wilden König, beffen Bekehrung ihm nicht gelungen war, getötet werden sollte, war:
Die Katholikenverfolgung an den österreichischen Hochschule ist inzwischen trotz aller Erklärungen des Ministers Marchet und trotz aller Versprechungen Baron Becks in voller Blüte. Der vom Monarchen gerügte Skandal dauert fort, kein Tag ohne neue Uebergnffe des Hochschulfreisinns. Wenn sich, so schreibt die Wiener „Reichspost" die Katholiken fetzt nicht aufraffen, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis an den Toren unserer Hochschulen die lieber- schrift stecht: „Katholiken ist her Eintritt bet schwerster Strafe verboten." DaS genannte christlich-soziale Blatt bringt dann noch folgende Ein- zelheiten über die Grazer Ereignisse, die erst jetzt bekannt werden:
Bestehen. — Die Einnahmen an Porto und Tele- graphengebühren betrugen im Jahre 1907 bet den Postämtern in Vacha 33 177 X Dermbach 12 849 X Geisa 21584 X Kalten- nordheim 18 554 X Stadtlengsfeld 19 767 X Tiefenort 13 303 X
* Warburg, 4. Juli 1908. Eine bis jetzt noch nicht beobachtete Rübenkrankheit tritt m vielen Zuckerrübenpflanzungen der Marburger Börde auf. Die ersten Symptome sind das Em- trocknen der Blätter an den Spitzen-, nach einiger Zeit nehmen die Blätter eine gelbgrune Farbe an und sterben ab. Da für die hiesige Zuckerfabrik ca. 5000 Morgen Rüben gebaut werden, droht ein großer Schaden.
[] Kassel, 5 Juli 1908. Bei günstigem Weller feierte der Kreiskriegerverband Kassel fein Sommerfest. Um 3 Uhr hallen die Vereine auf dem Friedrich-Platz Aufstellung genommen, bald darauf setzte sich der Zug, indem etwa 20 Fahnen aller Waffen vertreten waren, mit verschiedenen Musikkapellen in Bewegung. Der stattliche Zug ging durch die Hohenzollern- und Schömelder-Sttaße nach dem Park Schönfeld, wo sich bald mehrere Tausend Menschen zusammengefunden halten, um recht fröhliche Stunden mit einander zu veileben.
* Kassel, 6. Juli 1908. Im Monat Mai dieses Jahres mietete ein angeblicher Architekt H. aus Köln in einem in der Nähe des Bahnhofes Harleshausen gelegenen Haufe für sich und feine ihn begleitende Familie zwei möblierte Zimmer. Der Mann gab an, für mehrere industrielle Firmen in Kassel Arbeiten auszuführen habe. Als feine Rechnung auf 173 Mark angelaufen war, und er außerdem noch 60 Mark Schulden bei dem Gastwirt gemacht hatte, ist der Fremde mit Familie verschwunden.
Gegenstände mit emporwirbelten, und die fernen Berge gaben einen langhallenden Donner zurück, der langsam in den Schluchten nachgrollend erstarb. „Eine Wurfmine", sagte der Hauptmann, „sie Meint Schaden angerichtet zu haben". Jetzt stieß das amerikanische Luftschiff eine kleine weiße puffende Rauchwolke aus. Zehn Sekunden später platzte irgendwo an einer Felswand ein Sprengkörper. „Wenn das so weiter geht", sagte der Leutnant, „beschießen wir unsere eigenen Stellungen von oben, ohne etwas zu erreichen." „Der Japaner steigt, tief jemand, und wieder verfolgten alle mit ihren Gläsern den Weg der beiden Fahrzeuge. Der Japaner stieg und der Amerikaner stieg. „Jetzt gibt er alles von Bord, was er von Sprengkörpern hat", rief der Hauptmann. Eine Reihe schwebender Punkte kam von oben, und wieder krachte der Donner mehrerer schnell aufeinander folgender Explosionen. Der Japaner stieg rapid, jetzt kreuzte er den Weg des Amerikaners etwa zweihundert Pard über ihm. Da lohte die gelbe Ballonhülle des Amerikaners in heller Flamme auf, verlor ihre Gestalt, schrumpfte ein und was herunter kam, glich dem vom Sturme zerzausten Gerippe eines Regenschirmes, das rasch links zwischen den Bergtälern versank. „Aus", sagte der Leutnant mit einem Seufzer, „schade, das hätten wir auch machen können." Hoch oben im hellen Neider schwebt daS japanische Luftschiff, beschrieb eine Kurve nach links, ging gerade aus, schien plötzlich vom steigenden Lichte de- Morgens ausge- sogen zu fein, erschien wieder als ein grauer Punkt aus dem hellblauen Himmel, ging nach rechts hinüber, wurde wieder größer, kam näher und steuerte dann zurück zu den Blauen Bergen. Dann begann dort drüben rechts der Geschiitz- kampf. . . ."
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Carl Schütte;
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Literarischem
Bodenreform in der Bibel von A. Damaschke. Verlag „Bodenreform", Berlin N. W. 23, Preis: 0,50 X
Eine kleine, aber wichtige Schrift, die zeigt, daß die moderne soziale Bewegung, die unter dem Namen Bodenreform auch in Deutschland in kurzer Zeit etwa 600 000 organisierte Anhänger gefunden hat, doch zuletzt uralt ist. Sehr interessant ist auch der Nackßveis, daß sowohl die katholische, als die englische und deutsche evangelische Kirche durch ihre berufensten Vertreter au- religiösen Gründen für die Bodenreform eintret ten.
kommen mußte! Die allzu Vertrauensseligen erhielten keinerlei Antwort mehr, und als mehrere von ihnen im Hotel nachsragten, wurde ihnen der Bescheid, daß Augustus Brown, Esq., unter Hinterlassung mehrerer leerer Koffer spurlos verschwunden sei.
* Der Ausgang eines interessanten Hrirats- Projekts. Die geplante Heirat zwischen dem Herzog der Abruzzen, eines Verwandten des Königs von Italien, und der hübschen und schwer reichen Amerikanerin Miß Ellins ist gescheitert, und zwar daran, daß des Herzogs Schmie- gervater verlangte, die Kinder des Herzogs und seiner Tochter müßten alle Rechte von königlich italienischen Prinzen genießen, auch dürfte die künftige Herzogin nicht zum Katholizismus übertreten.
* Ein Grabkreuz mit polnischer Jnschrsit hatte die Polizeibehörde in Holsterhausen im katholischen Friedhof entfernen lassen. Der Eigentümer des Kreuzes, ein Bergmann, erhob Klage gegen die Polizeibehörde. Die Entscheidung ist gegen die Polizeibehörde ausgefallen; düse mußte das Kreuz an derselben Stelle auf ihre Kosten wieder aufstellen lassen.
— Urberboten. „Der Maler Klexer hat eine Winterlandschaft gemalt, die so gut ist, daß einem bei längerem Betrachten eiskalt wird." — „Das ist noch gar nichts. Da mußten Sie erst SchmierinskyS „Flucht" sehen. Die ist so realistisch, daß Sie nach dem ersten Blick Fersengeld geben."
— Die Erzieherin. Mutter: »Tiefen schrecklichen Eigensinn hat der Junge von meinem Mann geerbt!" — Besucherin: „Den werden Sie ihm auch nicht abgewöhnen!" — „O, ganz gewiß; ich habe ihn meinem Mann auch abgewöhnt!"
— Notgedrungen. Braut: „Wir müssen eine Hochzeitsreise machen, Hans! ... Es ist meinen Eltern noch nicht gelungen, Möbel für unsre Wohnung auf Abzahlung zu bekommen."
Wollen und Wirke», Sprüche und Gedichte, gesammelt von P. I. Tanger. Verlag von demselben Köln, Leinwandband 1 X
Im „Wollen und Wirken" betätigt sich der Mensch. Schon das Kind „will" mitunter sehr energisch, und es wirkt in seiner Art, ohne bestimmtes Ziel, nur im Gefühl seiner physischen Kräfte. Erst das spätere Leden verlangt planvolles Wollen und Wirken, und in der mehr oder weniger vernunftgemäßen Befolgung dieser Forderung zeichnet sich der Charakter. Ein Spiegelbild, wie große Dichter und Denker dieses Thema behandeln, bietet das vorliegende Merkchen.
vermischter.
* Die alten 50-Pfenigstücke verschwinden. 50-Pfennigstücke älterer Geprägteform mit der Aufschrift „Fünfzig Pfennig" gelten vorn 1. Oktober 1908 ad nicht mehr als gesetzliche Zahlungsmittel. Sie werden von da ab bis zum 30. September 1910 nur noch an den Reichs- und Landeskassen in Zahlung genommen oder umge- tauscht.
* Auf die, die nicht alle werden, spekulierte in London ein Fremder, der dort kürzlich in einem eleganten Hotel abstteg. Kurz nach seiner Ankunft erschien in den Zeitungen folgende Annonce: „Senden Sie Namen und Adresse sowie zwei Penny-Marken an Augustus Brown Esq., Royal-Hotel, London. Sie werden postwendend einen ganz vorzüglichen Gegenwert erhallen. Da es immer neugierige Leute gibt, regnete es in den nächsten Tagen Briefe mit den gewünschten Penny Marken. Groß war das Erstaunen der Absender; als sie einige Tage später in einem Kuvert die von ihnen eingesandten zwei Penny-Marken und außerdem zwei roeitete Penny-Marken zugesandt erhielten. DaS Geschäft w ir kein schlechtes, und alles erkundigte sich erstaunt im Hotel nach dem eigenartigen Fremden. Da dieser seine Hotelmiete pünktlich bezahlte, und gute Trinkgelder gab, war die Auskunft nicht schlecht, und so nahm man denn an, es mit irgend einem amerikanischen Millionär-Sonderling zu tun zu haben. Kurze Zeit danach erschien wieder eine Annonce in den Tagesblättern, ziemlich desselben Inhalts, nur mit dem Unterschiede, daß Augustus Brown jetzt um Zusendung von Briefmarken im Werte von 6 Pence aufforderte. Die Einsender machten abermals ein gutes Geschäft, denn Augustus übersandte jedem von ihnen einen Schilling, und als der Sonderling in einer dritten Annonce 2 Schilling und 6 Pence einforderte, mußte das Postamt, in dessen Bezirk das Hotel liegt, vorübergehend zwei Beamte neu anstellen, um die Masse der Sendungen zu bewältigen. Aber nun kam, was
Leute." Langsam kam das Schiff näher. Jetzt stand es über der amerikanischen Vorpostenlinie. „Es sieht unsere ganzen VorpostemstellungenI" fagte der Hauptmann, „es sieht von oben unseren ganzen Aufmarsch." Bums! ging rechts da vorne ein Schuß in die Luft. Ja, schießt nur. Ein paar hundert Uards unterhalb des Luftschiffes blitzte ein helles Flämmchen in der Lust auf Die Dampfwolke eines Schrapnellschusfes hing einen Moment wie ein weißer Wattbaufch in der Suft und zerstob dann. Bums! schoß es noch einmal „Mit Schrapnells kriegen sie ihn nicht", sagte der Leutnant, „wenn wir nicht mit derselben Waffe gegen ihn fechten, ist es umsonst. „Wir haben neukonstruierte Schrapnells", sagte der Hauptmann, „deren Bleikugeln mit Spiral- rähten verbunden sind. Wenn sie treffen, reißen sie die Ballonhülle auf." Jetzt knallten zwei Schüsse aus einmal. „Das scheinen die Ballongeschütze zu sein", sagte der Leutnant. Weit unterhalb des Luftschiffes schwebten die Traiiben- wolkeu zweier Schrapnellschüsse, „Wahrhaftig, sie bringen dahinten unser Motorluftschiff hoch, daS einzig vernünftige, was wir tun können", Er wieS weit nach hinten, wo gelb und groß ein Motorballon wie eine Luftblase emporschwebte. Er stieg sehr rasch in schräger Richtung auf und steuerte dann, mehrere unsichere Kurven befchrei- bend, in bet Richtung des feindlichen Fahrzeuges. Das begann ebenfalls zu steigen. Hunderttausende von Augen verfolgten die beiden kleinen gelben Punkte dort oben in der klaren Luft des Frühmorgens, während die Gebirgsräuder drüben rosafarben auszulouchten, begannen. Das japanische Fahrzeug befand sich jetzt seitwärts der Stellung des 28. Regiments. Da löste sich von ihm ein winziger schwarzer Punkt los, der mit zunehmender Geschwindigkeit sank und im Fallen immer großer wurde. Jetzt war deutlich ein dunkler Gegenstand erkennbar, der in sausender GesHvindigkeit herab kam. Als er die Erde erreichte, schoß ein roter Feuerstrahl empor. Gewaltige Dampfwolken folgten, die dunkle
höchlichst überrascht, als der König ihm seinen Entschluß kund tat, ihn zu schonen. Er stellte nur di« Bedingung, daß er sich aus fein Pferd setzen und einem anderen König ein versiegeltes Päckchen über- bringen sollte. Frohen Mutes machte der Missionar sich auf den Weg. Unterwegs begegnete er einer Abteilung englischer Matrosen, die ihm zu Hilf« gesandt worden waren und verlangten, daß er st« fogleich an Bord ihres Schiffes begleiten sollte, waS er mit der Erklärung ablehnte, daß er den ihm gewordenen Auftrag ansrichten wolle. Der di« Kolonne befehligende Offizier, dem die Sache nicht ganz geheuer schien, wollte davon nicht wiffen und bestand auf der Untersuchung des Päckchens in welchem er eine Anzahl kleiner Zwiebeln und einen Zettel folgenden Inhalts fand: .Hiermit zubereitet, wird er prächtig schmecken."
— Kindermund. Es ist große Gesellschaft. Ein Herr hat das Unglück, ein Glas zu zerbrechen. Leuchen richtet sich bei der Mama auf den Zehen in die Höhe und .flüstert", so daß es der ganze Tisch hören kann: .Gerade eines von den geborgten!" — Die Mama gibt bei der Abendgesellschaft ihrem Töchterchen einen schönen Apfel. „Aber so gib der Mama einen Kuß," sagt der Onkel. .Ich darf nicht, wenn Mama geschminkt ist." — Paul bringt der Frau Direktor zum Geburtstag einen Blumen« straun und wartet dann schweigend, nachdem er schon freundlichst verabschiedet. — Dame: „Nun, Kleiner, weßhalb wartest du denn noch?" — Paul: „Mama hat gesagt, ich soll von der Geburtstags« torte nichts fordern, sondern warten, bis ich etwas betomme."
— Beim Wort genommen. Schauspieler (Engagement suchend): »Herr Direktor, mein Talent ist nicht unbedeutend, meine Erscheinung angenehm, mein Organ vorzüglich — mit einem Worte, ich kann mich sehr gut empfehlen." — Direktor: .So, können Sie das? Nun gut, dann empfehlen Tie sich/
— Einwand. Bürgermeister: .Die Bchörden verlangen, daß wir a' neue Spritze anschaffen I" — Bauer: .Ja, wozu haben mit bann versichert?"
Ein Phantasiebild vom Luftkriege der Zukunft
entwirft ein Buch von Parabellum (Rüstekrieg I), das unter dem Titel „Bansai" im Dietrich'schen Verlage in Leipzig erschienen ist. Bansai ist der Schlacht- und Siegesruf der Japaner, und so deutet schon der Titel an, daß das Buch einen Krieg der Japaner mit den Amerikanern schildert.
Mitten im Frieden wird Amerika überrumpelt, und ehe man in Washington Zeit findet, sich über das Ungeheuerliche Rechenschaft zu geben, ist Kalifornien in'den Händen einer japanischen Armee und die amerikanische Stille Meeres-Flotte von den Japanern vernichtet. Monde vergehen, ehe die Bankers eine Armee ins Feld stellen können. Endlich ist sie konzentriert und hat die Fühlung mit Nogis Armee ausgenommen. Die nächsten Stunden müssen die erste große Landschlacht einleiten.
„Als um fünf Uhr die Posten abgelöst wurden, fiel einem Unteroffizier eine handgroße, seltsam geformte helle Wolke auf, die wie ein Punkt über den vom ersten fahlen Morgendam» lmern erhellten Berge im Westen hing. „Sicher ein Luftschiff!" meinte einer. „Ja sicher! Es bewegt sich", sagte der Unteroffizier und befahl, Hauptmann Lange zu wecken. Der Hauptmann, der sich mit dem Ohr am Telephon zum Schlafen niedergelegt hatte, fuhr auf und besann sich einen Moment, woher die Stimme aus der Erde käme. «Ein japanisches Luftschiff ist über dem Gebirge pajtbar." Dann auf! Durchs Glas gesehen! Richtig, ein Luftschiffs Der helle Körper des Fahrzeuges schwebte ganz oben, wie eine kleine fiibergraue Röhre über den Bergen am mattblauen Himmel. „Geben Sie schnell die Nach- Ncht werter!" tief der Hauptmann dem Telephon, sten zu. Rings umher wurde es lebendig. ,Wa» werden wir tun?" sagte ein Leutnant. ^Schießen bot keinen Sinn; wenn das Ding |rft heran ist, schießen wir auf unsere eigenen
Die schweren Mißhandlungen der katholischen Studenten ereignen sich zumeist in Gegen- wart des Rektors. Gegenüber dem Ersuchen der katholischen Studenten, er möge jene Studenten, die am rüdesten gegen sie losgeschlagen hatten, zur Legitimierung zwingen, hatte Herr Hildebrand nur die stereotype Antwort: „Ich weiß schon, was ich zu tun habe!" und ließ die freiheitlichen Terroristen ungeschoren. Als der Senior der Karolina, ,ur. Enge, nach Schluß der Vorlesung die Universität verlaffen wollte, empfing ihn im Vestibüle eine johlende Menge. Kaum war er in der Mitte der freisinnigen Studenten am gelangt, so schlossen sich die Reihen und'schlugen mit Fäusten, Stöcken und Hundepeitschen aus ihn loS. Zwei freiheitliche Studenten würgten ihn, und schließlich traktierte man den Halbbetäublen mit Fußtritten gegen den Bauch und Rücken. Mit Aufbietung seiner letzten Kräfte gelang es ihm, das Rektorat zu erreichen. Sein Anzug war zerrissen, Band und Mütze war ihm gestohlen worden. Als nun Enge den Rektor auf die erlittene schwere Mißhandlung aufmerksam machte und darauf hinwies, es sei ihm und seinen BundeSbrüdern vom Ministerpräsidenten Schuh zugesichert worden, rief der Rektor zornbebend: .Der Ministerpräsident geht mich gar nichts an!* Als die katholischen Studenten bereits eine Dreiviertelstunde im Senatszimmer eingeschloffen zugebracht hatten, erschien der Rektor und erklärte: „Die Radikalen lasten Sie ruhig abziehen, wenn Sie die Farben ablegen." Als die katholischen Studenten diesen Vorschlag als unannehmbar erklärten, rief er: „Dann bleiben Sie meinetwegen bis 9 Uhr abends hier!" Der Rektor entfernte sich hierauf, kam nach einiger Zeit wieder zurück, um in Gegenwart zweier radikaler Studenten die katholischen Studenten barsch anzufahren: „Folgen Sie oder folgen Sie nicht? Mit Ihnen habe ich überhaupt nichts zu verhandeln." Dann droht ihnen der Rettor bei Ungehoriam mit Relegation. Dieser Drohung nachgebend folgten die katholischen Studenten dem Rektor und verließen da« Senalsziuuner. In Gegenwart des Rektors wurden nun die Mitglieder der Carolina mit Stöcken und Hundepeitschen mißbandelt. Als Senior Enge tm Namen der Gerechtigkeit ihn um Schutz ersuchte, gab ihm der Rektor zur Antwort: „Lassen Sie Ihre Kappen zu Hause, dann geschieht Ihnen nichts."
--- Bo« -er Hochfchulbewegmrg in Oesterreich.
Jüngst haben die Rektoratswahlen an den österreichischen Hochschulen stattgefunden. Sie waren als Demonstration gedacht. Der Kaiser hatte ein scharfes Wort gegen die Zustande an den Hochschulen ausgesprochen, das in der ganzen Bevölkerung Wie eine Erlösung am- pfunden wurde. Diese Kritik des Kaisers hat die Schuldigen tief getroffen. Aber anstatt sich dieser Kritik zu beugen, planten die vom Kaiser ernannten Professoren des freisinnigen Hochschul- klüngels eine boshafte Demonstration gegen den Monarchen. Es war deshalb an den Hochschulen die Losung ausgegeben worden, es seien die Rektoren, gegen die das Kaiserwort gamünzt war, demonstrativ^ gegen den herrschenden Brauch wiederzuwählen. In Wien und Innsbruck ist der Plan mißglückt, da es sich herausstellte, daß sich eine einstimmige Wiederwahl der in den Hochschulskandalen. so schwer kompromitierten Rektoren — aus die Einstimmigkeit wurde, um die Wirkung als Demonstration zu erzielen, das größte Gewicht gelegt — nicht zu erreichen sei. In Graz gelang es tatsächlich, die Wiederwahl des bisherigen Rektors Hildebrand durchzusetzen. Der Hochschulfrei- sinn ist durch die unerhörte Duldsamkeit, die seine Schandtaten jetzt monatelang erfahren haben, größenwahnsinnig geworden und glaubt fein Komplott gegen die Gleichberechtigung, gegen Ordnung und gute Sitten, seine 53er- achtungsbezeugungen gegen die Rechtsbegrifse der Bevölkerung nun auch noch durch boshafte Ränke gegen den Monarchen selbst ergänzen zu können. Mit Recht sagt die „Reichspost", der Unterrichtsminister Marchet könne die Rebellion des akademischen Freisinns nicht ander- beantworten, als daß dem Professor Hildebrand in Graz die Bestätigung feiner Wiederwahl versagt wird.
Die Hintermänner des Wahrmund-Skandals haben einen neuen Plan ausgeheckt, welcher den Wirrwarr vergrößern und auswärtige Verwicklungen herbeiführen soll. Es soll tu allen studentischem Kreisen Deutschlands eine starke Agitation entfaltet werden, um für das Wintersemester etwa 1000 deutsche Studenten nach Innsbruck, Graz und Prag zu bringen.
Natürlich will man damit den „freiheitlichen" Kniippelstudenten Hilfstruppen zuführen. Der hauptsächttchste Grund aber ist noch ein anderer: Man will auf diese Weise einen Konflikt zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche vorbereiten l Man stelle sich doch nur vor, daß Hunderte von Deutschen Studenten an den bevorstehenden Studentenkrawallen tevlnehmen würden! Da müßte entweder die gesamte katho- lifdje Bevölkerung Oesterreichs vor diesen Raufbolden kapitulieren, oder es müßte die Regierung die Skandalhelden mit starker Hand zur Ruhe bringen. Da gibt es schließlich kein anderes Mittel als die A u s w e i s u n g aller reichsdeutschen Studenten, die sich an den Umtrieben beteiligen. Dann also toäre der Konflikt da, den die Hintermänner dieses ganzen Kulturkampfes brauchen: Spannung zwischen Deutschland und Oesterreich,
Möge man sich in Berlin beizeiten darüber klar werden, welche Folgen der geplante Einbruch der protestantischen Studentenschaft Norddeutschlands in die österreichischen Universitäten nach fich ziehen könnte.