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»otationrdruSund Verlag der Fuldaer Ab tirndruckerri in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 152.

Fulda, Montag den 6. Juli 1908.

35. Jahrgang.

X Die neue Krisis im Flottenverein.

Die unentwegten Anhänger der Richtung Keim sind über den Verzicht deS Fürsten Salm» Po rstmar auf das Präsidium deS Flott ru­dere inS vollständig auS dem Häuschen geraten. Sie vollführen einen Höllenspektakel und geberden sich, als wollten sie alle- Porzellan in tausend Brocken zerschlagen. Ganz außer sich vor Wut ist die ,Rhein. Wests. 8tg/, daS Essener Chau» dinistenblatt, daS sich in den schärfsten Aus­drücken über die ihm unangenehm« Wendung ergeht.

DaS Blatt teilt mit, daß Fürst Salm ver­achtet habe nach einer Audienz, di« er'vor wenigen Tagen in Kiel beim Kaiser hatte, und in der er Bürgschaften dafür zu erreichen Kte, daß von dem Vereis alle persönlichen influffungen durch hohe und höchste Stellen ferngehalten würden. Diese Bürgschaften habe rr nicht erlangt, und darum sei er zurück- getreten.

DaS Blatt will zur Zeit nicht veröffentlichen, waS in der höfischen Heimlichkeit vorgegangen ist. Dann aber lüftet eS doch einen Zipfel deS Schleiers, der das Geheimnis überdeckt, indem «S schreibt:

Die Entscheidung fiel gegen den Fürsten sehr firnerwartet, denn noch vor acht Tagen waren di« ausschlaggebenden Personen mit der durch den Dan­ziger Tag geschaffenen Lage einverstanden. Dann er* rangen dreJnlriguen d er Bay ern die Oberhand, und die Wagschale senkte sich tief zu ungunften deS Fürsten und seiner Freunde. Gegen die Wünsche eines Bundesfürsten konnten leider die höchsten verantwortlichen Reichsbeamten ihre wohlüberlegten und durch den Oberpräsidenten in Danzig festgelegten Meinungen und Abfichten nicht durchsetzen. Die ganze Kliq u e, die bisher Die bayerischen Wünsche vertreten hat, verstand es, im geheimen ihre Fäden zu spinnen, nach Danzig ebenso intensiv rote vor Kassel, tinb man kommt nicht darum: der bayerische Einfluß war in Berlin mächtiger, als die natlo- nale Einsicht und die Stimmen der wenigen in der Regierung, die bisher die Wirksamkeit deS Flotten­vereins im Sinne Keims gebilligt haben und für not­wendig hielten. Die Mitleilung deS Prinzen Rupp­recht an den Bayerischen Landesverband, die mit an­deren Worten befagte, daß er die Uebernahme deS Protektorats vom Wahlverhalten des Flottenvereins abhängig mache, haben wir vor wenigen Stagen erst als direktes Mißtrauensvotum an die Adresse deS Fürsten Salm bezeichnet. Die Ereignisse haben dies betätigt: der Wiedereintritt des Fürsten Salm sollte unmöglich «werden, daS war die Absicht des Spiels hinter issen, das zeigten die Kundgebungen der lei­tenden Männer auf der Tagung des "Bayerischen Landesverbandes.

Die ganze Wut richtet sich also gegen die Bayern, die allerdings bei der Gruppe Keim die Suppe gründlich verschüttet haben. Auf der Tagung des bayerischen Landesverbandes in München hatte bekanntlich Herr von Fromm, der eindringlich zur einträchtigen Weiterarbeit auf« forderte, erklärt: „Wir halten den Fürsten Salm nach den bekannten Vorgängen des letzten Jahres nicht für die geeignete Persönlichkeit zur Leitung des Vereins und konnten uns deshalb auch nicht entschließen, ihm unsere Stimmen zu geben." Jeder Freund des Friedens mußte aller­dings den Wunsch haben, daß Fürst Salm sich mit der Genugtuung der bedingungsweisen Wie­derwahl begnügen und dem zweifellos geeigneteren Großadmiral v. Köster das Amt überlasten möge. Aber die Keimpreffe will keinen Frieden, sondern die Demütigung der gemäßigten Rich- lang. Sie forderte nun erst recht die Präsident­schaft Salm; ja sogar obendrein noch den Rück- eSi'-J.1. ____L ' T—

tritt der Bayernführer. Letztere wurden nach ihrem versöhnlichen Auftreten in München au da- schärfste al- orüske Friedensbrecher beschimpft. Jetzt, nachdem die Schilderhebung des Fürsten Salm nicht gelungen ist, scheuen die rabiaten Keimlinge von den kränkendsten Worten nicht zurück. Di« ,Rhein. Wests. Zig/ schreibt:

In Danzig schienen die Bayern von lauteren FriedenSabflchtenerfüllt: SB ergangen e8 nerg effen sein zu lassen, wurde offiziell alS Parole ausgegeben. 81 war ein Juda Sw ort. Niemand Härte etroas bagegen gehabt, wenn der bayerische Landesverband auch nach Danzig die bisherige Unabhängigkeit gletch- sam alS Reservatrecht aufrecht erhalten hätte, wenn et, wie bisher, seine eigenen Wege gegangen und in loser Fühlung mit Berlin geblieben wäre. Aber Bayern wollte mehr. Der Flottenverein sollte nach den Ideen der Würtzdurg, Tirpitz und Hollmann umgestaltet und geleitet werden. (Segen den alten Kurs war die Parole, die auSgegeben wurde, und die jetzt tatsächlich »um Stege der Segnet deS alten Präsidiums geführt hat.

Wetter behauptet die ,Rhein.-Westf. Ztg/, „daß mehrere Bundesfürsten, unter ihnen einer der sympathischsten der jüngeren Generation, durchaus auf Seiten deS Fürsten Salm und des General- Keim stehen." Trotzdem sei man „Rupprecht" (!) entgegengekommen. Für die Entscheidung deS Kaisers hätte die hohe Politik den Ausschlag gegeben. „Jnnerpolitische Reichsfragen, zu deren Erledigung man den zweitgrößten Bundesstaat auf Seiten der Reichs- regierung haben muß, sollen maßgebend gewesen sein für die Nachgiebigkeit gegenüber Bayern. Dynastisch-politische Rücksichten haben sich stärker erwiesen, als die „nationalen" Interessen, die einen unabhängigen Flottenverein notwendig machen."

Zornig versichert daS Essener Blatt, jetzt würden die „Aufrechten" austreten; sie feien in Danzig deputiert worden, das wollen sie sich nicht bieten lasten. In Berlin werde man „sein blaue» Wunder erleben". In kürzester Zeit solle „der Widerstand organisiert und das Ultimatum gestellt werden".

Wenn eS zur Sprengung deS Flottenvereins kommen sollte, wird man sehen, wie wenig Leute die Rufer mit dem großen Munde hinter sich daben. General Keim wiegt sich in dem erhabenen Glauben, er habe seit 1893 alle Reichstagswahlen gemacht und alle bürgerlichen Abgeordneten seien ihm zum Dank verpflichtet, da sie ohne ihn nicht mehr in dem Reichstage sitzen würden; in Danzig hat er im vertrauten Kreise seine Anhänger sich dahin aussprechen lassen; diele drohten sogar, daß Keim in die bürgerlichen Wahlkreise fahren und den nationalen Abgeordneten bös einheizen werde.

DaS Berliner Keim-Organ, die .Tägliche Rundschau^, jenes Blatt, daS angeblich unge­schnitten dem Kaiser vorgelegt wird, bemerkt zu dem Verzicht deS Fürsten Salm, „daß die Bayern ihre Pläne vortrefflich ersonnen haben und ihres Siege- ziemlich sicher gewesen zu sein schienen". Der Flottenverein sei nun in der Tat ein An­hängsel de- Reichsmarineamts. Ob Großadmiral v. Ä öfter, der bekanntlich in Danzig sür den Fall der Ablehnung des Fürsten Salm schon zum Vorsitzenden gewählt wurde, unter solchen Um­ständen sich zur Annahme der Wahl entschließen werde, hält das Blatt für mehr als zweifelhaft, da der Flottenverein neuem Zwiespalt und Kampf auSgesetzt sein werde.

Wir können der Entwickelung in aller Ge­mütsruhe zuschauen.

Deutscher Reich.

Folgen der Polengesetzgebung.

Als im Reichstage über den Sprachenartikel und im Landtage über daS Ente'gnunaSgesetz verhandelt wurde, ist vom Zentrum darauf hmgewiesen worden, daß diese Gesetze nebst anderen schädlichen Wir- hingen auch die hätten, daß die Polen im AuS- lande nichts mehr von uns kaufen würden; der Abg. Gröber hat besonder- auf diesen drohenden Boykott aufmerksam gemacht. Aber eS half nicht-; jetzt ist eS so gekommen, wie eS kom- men mußte. DaS früher von den Polen so stark besuchte Bad Zoppot an der Ostsee ist fast ganz verödet: deutsche Fabrikanten klagen laut, daß bi« Bestellungen aus Russisch - Polen in diesem Jahre auSbleiben. Nun wird eben ein Rund­schreiben de» österreichischen HandelS- mintster- bekannt, worin er die Handelskam- ment seines Landes darauf aufmerksam macht, daß die österreichische Geschäftswelt in Polen ein neue» Absatzgebiet erobern könne, wenn sie jetzt, wo die deutsche Industrie von den Polen boykot- tiert werde, rasch zugreife. Einige deutsche Blätter entrüsten sich über diese- Rund- schreiben; daS beweist nur, daß ihnen jedes Augenmaß abhanden gekommen ist. Wenn wir im Innern eine solch' törichte Politik treiben, daß die fremden Kunden sich abgestoßen fühlen müffen, so kann man doch niemand einen Borwurf machen, wenn er sich diese Ungeschicklichkeit zu nutze macht. Wir Deutsche müssen doch endlich einmal lernen, daß uns keine Extrawurst gebraten wird und wir müffen auch damit rechnen, daß wir die Folgen unserer Politik zu tragen haben. Wenn in einem andern Lande die Waren von Oester­reich oder von Italien boykottiert würden, so wäre eS ganz selbstverständlich, daß unsere Kauf. Mannschaft sich auf dieses Land werfen würde, und wenn sie hierin die volle Unterstützung der amtlichen Kreise finden würde„ so würde sie ganz gewiß nichts dagegen einwenden. In Geldange­legenheiten hört die Gemütlichkeit auf. Der öfter» reichischeHandelSminister hat von seinem Stand­punkte aus durchaus berechtigt gehandelt.

O Der Kaiser und Präsident FalliereS. Während der Nordlandreife deS Kaisers, die heute beginnt, wird der französische Präsident FalliereS seine vielerörterte Reise nach Kopenhagen, Reval, Stockholm und Christiania machen. In einem Kieler Blatte taucht jetzt die Behauptung auf, man rechne in politischen Kreisen mit der Mög­lichkeit einer Begegnung. Offiziös wird demgegenüber erklärt, in Deutschland denke niemand daran.

* Herr v. Lucanus, der Chef deS Geheimen Zivilkabinetts des Kaisers, hat bereits beim Kaiser kürzlich den Abschied erbeten, ihn jedoch nichterhalten. Der Rücktritt deS nun Achtzig- ährigen ist trotzdem nur eine Frage der Zett.

)•( Der Spiritismus deS Fürsten Eulen- iurg. Fürst Eulenburg ist bekanntlich auch alS Spirttist wetteren Kreisen bekannt geworden. Bei den engen Beziehungen, die der Kaiser zu ihm unterhalten hat, konnte es nicht auSbleiben, daß auch der Kaiser mit spiritistischen An- gelegenbetten in Verbindung gebracht wurde. Gegenüber verschiedenem von dem, waS in ver- chiedenm Blättern im Laufe der Zeit behauptet worden ist, wird jetzt offiziös folgendes De­menti abgegeben:

„In der Press» ist kürzlich die Behauptung auf getaucht, der Spiritismus d»S Fürsten Eulenburg hab« höchst schädlich aus die Umgebung Er. Majestät bei Kaiser« gewirkt, 6e. Majestät selbst hab« spiritistischen Sitzungen beigeroohnt, un- lange Zett in seiner Ühr ein Stück Zeug getragen, daS angeblich bet rtner Geistererscheinung zurück­geblieben war. Wir find ermächtigt, diese Angabe« alS glatt erfunden zu bezeichnend

□ Eine gründliche Reform deS Landtags- Wahlrechts ist vorläufig nicht zu erwarten« Keinesfalls denkt die Regierung daran, die in­direkte Wahl aufzugeben. Die- geht au8 einem Erlaß an die Gemeindebehörden hervor, worin diese ersucht werden, nach vorherigem Benehmen mit den am 3. d. M. bei der Wahlmännerwähl tätig gewesenen Wahlvorstehern eine Aeußerung darüber einzusenden, welche Erfahrung«» gegenwärtig mit den Vorschriften über die Vor­bereitung und Ausführung der Wahlmänner» wählen, namentlich mit den gegen die frühere» abweichenden neuen Bestimmungen gemacht morde» find, welche Mängel sich dabei herauSgestellt haben, und der Abhilfe bedürfen, oder welche Vorteil« dabei zur Kürzung und sonstigen Erleichterun« des Wahlverfahrens zutage getreten sind. — Man will sich also mit Flickarbeiten begnügen.

— Die Novelle zur Strafprozeßordnung, an der schon jahrelang gearbeitet wird, soll nun­mehr ihrer Vollendung entgegengehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie dem Bunde-rat- dtrekt nach Schluß der Ferien vorgelegt wird. Der Entwurf umfaßt 500 Paragraphen.

=■ Dem Grafen Zeppelin sandte de» Kaiser ein Glückwunschtelegramm, worin «I heißt, daß er ihm nach wie vor die Stangl halte. Gegen wen? Gegen den Kriegs­minister, der neulich plötzlich im Zorn vom Bodensee abgefahren sein soll? Nicht blo» auf Ungeduld, sondern au8 Gründen, die in ab­weichender Auffassung von dem Wert de- Zeppelins scheu System- liegen. — Beim Grafen Zeppelin liefen auch sonst noch zahlreiche Glückwunschtele­gramme ein. In der württembergischeil Kammer erklärt« am Freitag der Präsident, daß da» HauS mit größtem Interesse in den letzten Tagen die Erfolg« deS letzten Aufstieg» deS Grasen Zeppelin vernommen habe. Er er­hielt die Ermächtigung, dem Grafen zu der bafrn^ brechenden Lösung des großartigen Problem» bet Durchsteuerung der Lust den Glückwunsch und den Dank deS Hause» zu übermitteln. Auch di» Erste Kammer deS württembergischen Landtag» sandte dem Grafen Zeppelin Glückwünsche, Ministerpräsident Weißäcker erklärte dabei, bil Regierung empstnbe mit ben Kammern ba» Er­hebende de» Momente» und spreche dem Gras« Zeppelin ben wärmsten Dank an».

r Ein Rechenfehler von einer halbe« Milliarde Mark? AuS Berlin wird den ,Rietet Reuest. Rachr/ geschrieben:

Zur Begründung der beben Forderungen b«t Reichsstnaruresorm, dir sicherlich wett über das augen­blickliche wirkliche Bedürfnis hmauSgehen, wird man Ding« hören, di« den Abgeordneten keinen geringen Schreck einjagen. Unter diesen Punkten wird et« noch wenig bekannte« Argument tn erster Reih« figurieren, das kürzlich in vertraulichrn Verdandlungen von ein em hohen Regierungsbeamten bekanntgegeben wurde. (M steht uns in etwa zwei Jahren eine Reform bet JnvaliditätS», Alters-, Kranken« und Unfallversicherung bevor, di« ja schon lang« von allen Seiten erstrebt wird. Dabei wird stch »eigen, daß di« Berechnungen über di« Kosten nicht gestimmt haben, und diese Versicherungen in ihren Fond»

Der falsche (Erbe.

Roman von Eb. Wagner.

45] (Nachdruck erdvoten).

Ein Strahl unendlicher Freude verscheuchte einen Augenblick jenen trüben, müden Ausdruck Zeines Gesichts und gab ihm ein geistig frisches Ansehen, so daß Nelly von Neuem von der Hoff­nung auf seine Genesung beseelt wurde.

Geffrey trat zu seiner Herrin und sagte:

„Miß Nelly, es sind drei oder vier Personen unten am Strande, bei dem Fahrzeug; die eine davon ist Mrs. Vicini. Wollen wir nicht sogleich hinuntergehen zu ihr und ein Begegnen mit den Leuten im Hause vermeiden?"

„Du hast Recht, Geffrey", antwortete Nelly. „Wir haben auch keine Zeit zu verlieren. Es führt ein Flußweg vom Felsen hinab zum Strande, ich kenne ihn genau und will deshalb vorangehen. Kommen Sie Ferdinand."

Nelly ergriff Guidos Hand und führte ihn den gefahrvollen Weg hinab. Geffrey und seine Mutter folgten und glücklich erreichten sie das Ufer. Die Rettung der Fliehenden hing allein von der Gunst des Augenblicks ab. Wir- Nelly endlich den Händen Gildons entrinnen?

Frau Vicini hatte Nelly mit ihren Begleitern -en Felsen herabsteigen sehen und kam ihnen entgegen. Ohne Zögern brachte das Mädchen ihr Anliegen vor.

„Mein Diener sagte mir, Signora", begann sie, daß Sie in ihre Heimat zurückkehren wol­len, dieien Unglücklichen jedoch nicht mitnehmen konneii und ihn in andxre Hände geben möchten."

. »Ta, Signora, ich kann ihn unmöglich mit mir nehmen", entgegnete die Frau.

,,9d) will mich seiner annehmen, wollen Sie mir ihn anvertrauen?"

„Gewiß, Signora! Ich freue mich, daß er in so gute Hande kommt, der armes unglückliche lunae Engländer."

„Wie ich ferner gehört habe, wollen Sie Ihr Boot verkaufen?"

„Es ist schon verkauft, Signora", sagte die Frau. „Der große Mann dort hat es erworben. Die Leute kamen von Messina, um ein in Pa­lermo zum Verkauf stehendes Fahrzeug zu kaufen. Sie kamen aber zu spät, erfuhren jedoch heute, daß das meinige ebenfalls zum Verkauf stand, tarnen hierher und soeben ist der Handel abge­schlossen worden."

Nelly sprach ihr Bedauern aus.

„Wenn Sie erlauben", sprach Geffrey, „will ich die Leute einmal fragen, ob sie uns nach Mar­seille fahren wollen."

„Ja, Geffrey, sprich mit den Leuten", sagte Nelly. „Schließe sogleich das Geschäft ab und bewillige ihnen jede Summe, die sie fordern."

Geffrey ging rasch zu dem neuen Eigentümer des Fahrzeuges und brachte ihm sofort seinen Wunsch vor.

Während dessen teilte Nelly der Frau mit, -aß sie in großer Eile sei, nach Marseille zu kom­men und -en Abgang des Dampfers nicht ab- warten könne.

Geffrey kehrte zu seiner Herrin zurück und rief sie bei Seite.

„Der Mann weigert sich, nach Marseille zu fahren", sprach er leise, „aber er ist bereit, für zwanzig Pfund uns nach Neapel zu bringen."

„Dann müssen wir nach Neapel gehen", ant­wortete Nelly entschlossen. „Wir haben keine Zeit zum Disputieren oder nach Leuten zu suchen, die unS nach Marseille bringen würden. Signora Vicini wird uns mit Proviant für die Steife versehen. Sage ihr aber nicht Geffrey, daß wir nicht nach Marseille fahren, damit Mr. Gil- don, wenn er uns, wie bestimmt anzunehmen ist, hierher verfolgt, auf falsche Spur geleitet wird. Er ntäti in Marseille suchen, während wir von Neavel weiter reifen wollen."

Frau Vicini war bereit, das Boot mit Le­bensmitteln zu berfeben, und Geffrey und ein Schiffer eilten mit ihr ins Haus, um in Empfang zu nehmen, was sie in der Eile herbeizuschaffen im Stande war.

Während ihrer Abwesenheit sprach Nelly mit dem Kapitän Und erklärte sich mit der Reise nach Neapel einverstanden, bat aber, daß er seine Leute so lange in dem Glauben lassen möge, daß sie nach Marseille führen, bis sie auf offener See seien. Der Kapitän versprach, diesem Wun­sche nachzukommen. Nelly zahlte zehn Pfund im Voraus und damit war der Vertrag ^geschloffen.

Hierauf trat Nelly zu Mrs. Jebb, welche mtt Guido etwas abwärts stand und teilte ihr die Abmachungen mit.

Kapitän Ricardo, -er jetzige Besitzer des Schiffes, war bezaubert von der Schönheit des jungen Mädchens. Er näherte sich demselben und verbeugte sich ehrerbietig.

„Sie scheinen in großer Eile zu fein, Sig­nora und ungeduldig der Abfahrt entgegenju- sehen?" fragte der Kapitän.

„O jal" erwiderte das Mädchen, und ihre Stimme bestätigte die Wahrheit ihrer Worte. Jede Minute Zauderns kann mir große Gefahr bringen."

„Dann erlauben Sie mir, Sie bereits jetzt an Bord zu bringen, Signora", sagte der Kapi­tän. „Während dessen werden die beiden Män­ner zurück sein und wir brauchen keine Zett mehr zu verlieren."

Die beiden Frauen folgten der Einladung deS Kapitäns und fliegen in ein berettstehendes Boot, welches der Kapitän und einer seiner Leute vom Lande stießen. Wenige Minuten später hat­ten sie das Schiff erreicht und die Passagiere stiegen an Bord. Während der Kapitän seine Gehülfen mit dem Boot ans Land zurückschickte, um Geffrey und die andern Fischer aufzuneh­men. welche inzwischen auf dem steilen Felsvfad

sichtbar wurden, traf er selbst die nötigen Vorbe­reitungen zur Abfahrt.

Kaum waren die Männer mit ihrer Bür del an Bord, als der Kapitän auch schon feine Be­fehle gab. Ein frischer Wind erfüllte die Segel, das Schiff begann sich zu bewegen und lief an­der kleinen Bucht in die offene See.

Geffrey näherte sich seiner Herrin und sagte:.

„Wollen Sie nicht die Vorräte ansehen, Mi- Nelly?"

„Es wird wohl in Ordnung sein, Geffrey", antwortete das Mädchen freundlich; „meine Ge­danken find nur mit unserer Flucht beschäftigt. Das Schiff ist fchon in voller Fahrt. Die Um­risse des Ufers schwinden und das Licht in dem Hause Vicini's wird immer schwächer. Wir sind jetzt außer Gefahr."

„Signora Vicini und die Leute bei ihr mei­nen, daß wir nach Marseille fahren", bemerkte Geffrey. „Wenn also Mr. Gildon bei ihnen Er­kundigungen einzieht, wird er auf eine falsche Fährte geführt. Mit diesem Boot und bei die­sem Winde werden wir keine lange Fahrt haben."

„Unsere Flucht muß nun in der Villa bemerkt worden fein", fagte Nelly gedankenvoll; „denn es ist Zeit, daß der Kutscher seinen Herrn von Palermo zurückholen muß. Was wird er für Augen machen, wenn er in den Stall kommt und die Pferde nicht findet. Er wird natürlich unsere Flucht vermuten und das ganze Haus alarmie­ren. Wahrscheinlich sind sie jetzt alle zu unserer Verfolgung in Bewegung, aber jedenfalls auf dem Wege nach Palermo. In einer Stunde wird Mr. Gildon die Nachricht haben, der uni ebenfalls in Palermo suchen wird, da er anneh­men wird, daß wir uns dorthin gewandt haben- Somit wird er vor morgen früh unsere Sput nicht finden; und dann wird er erfahren, daß wir nach Marseille gereift find", fügte fie lächelnd hinzu.

(Fortsetzung folgt.)