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85. Jahrgang.

Fulda, Samstag den 4. Juli 1908.

M 151

Erstes Mcrtt

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kath. Pfarrers prot. Pfarrer» also mehr:

tm 4.-5. Dienstj. 1-500 M., 1800 M., 2X300 =600 M, 6.-10. „ 1900 „ 2400 , b\500 =2500 ,

5X700 =3500

Summa: 5o lOu UL

2300

2600

2900

3200

3000

8600

4200

4800

Kahlen, was der Ring forderte.

Durch die Verarbeitung der Klauen zu Leim, der Hörner zu Kämmen und Knöpfen, der Felle zu Leder rc. sicherte sich der Ring noch andere wertvolle Monopole, sodaß er für seine Teilneh­mer eine nnversiegliche Geldquelle geworden ist auf Kosten des amerikanischen Volkes, das dieser Ausbeutung nunmehr fast wehrlos gegemüber- steht. Vor einigen Jahren wurde aufgedeckt, welche haarsträubenden Zustände zum Teil in den Schlachthäusern des Ringes herrschten. Neuge­borene Kälber, erkrankte oder verendete Tiere san­den Verwendung. Selbst vergiftete Ratten wan­derten mit in die Wurstmaschine. Zur Konservie­rung des Fleisches wurden derart scharfe Chemi­kalien verwendet, daß die Stiefel der Arbeiter davon zerfressen wurden. Als nun diese Zustände allgemein bekannt wurden, hätte man meinen sollen, daß der Sturm der öffentlichen Meinung den ganzen Ring weggefegt hätte. Aber der Ring steht noch heute so fest wie je, es ist dem amerika­nischen Volk unmöglich, sich seiner Umklamme­rung zu. entreißen .

11.-15.

16.-20.

21.-25.

26.-45.

Deutsches Keich.

Bon der Reichsfinanzreform weiß die .Franks. Ztg/ zu melden, daß man im Bundesrat über die Grundzüge der Refyrm einig geworden sei; das stimmt, war aber schon bekannt. Was do« Blatt sonst noch zu erzählen weiß, ist falsch; so stimmt es nicht, daß man mehrere tOOMillionen Mark neue An­leihen ausnehmen wolle, um die Finanznot zu heben. DaS wäre geradezu widersinnig. Ebenso ist es falich, daß man in den Reihen der konser­vativen Partei die Bedenken geaen die Aus­dehnung der ReichSerbschastSsteuer fallen ließ; eS fällt der Rechten gar nicht ein, dieser Steuer zuzustimmen, besonders nicht nach dem Ausfall der Landlaaswahlen in Preußen.

Fürst Salm-Horfimar

hat die Annahme einer Wiederwahl zum Vor­sitzenden des Flottenvereins endgiltig ab­gelehnt. Er erklärt der,Rhein.-Westfälifchen Zeitung zufolge in einem Schreiben an das Präsidium des Deutschen Flottenvereins, daß er nicht in der Lage sei, die der Annahme der Wahl entaegenstehenden Schwierigkeiten zu be­seitigen und "zu seinem Bedauern nicht imstande sei, dem Rufe, wieder an der Spitze des Vereins zu treten, Folge zu leisten. Die „Zufiche- rungen", die Fürst Salm für die Annahme der

Wiederwahl „in Berlin" gefordert hat, müssen demnach nicht erfüllt worden sein, und fo blieb ihm allerdings nichts andere- übrig, als auf das Amt eines Präsidenten des Deutschen Flotten- vereinS zu verzichten. Einzelne der neugewählten Präsidialmitglieder sollen sich nunmehr nach der ablehnenden Stellungnahme des Fürsten Salm ebenfalls mit dem Gedanken des eigenen Rück­tritts tragen.

* Die Zweikaiser - Zusammenkunft wird dementiert. Von Petersburg aus wird jetzt das Gerücht von einer angeblich bevorstehenden Be­gegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren offiziell dementiert. Damit werden die bereits wiederholt dementierten Gerüchte hoffentlich end- aillig abgetan sein. ,

... Justizminister v. Beseler wird tm Herbste vor dem Zusammentritt der Parlamente in Pension gehen. Man führt seinen Rücktritt aus sein nicht ganz geschicktes Vorgehen im Pro effe Harden mit allen seinen Ausläufern zurück. Wenn andere wiffen wollen, daß auch der Kriegsminister in­folge seiner geradezu begeisterten Verteidigung der Grafen Lynar und Hohenau nicht mehr vor den Reichstag treten könne, so muß man weiteres abwarten. __ „ „,o

♦ Die be ben Abgesandten Mulay Hafids, die sich in Berlin aufhielten, sind jetzt von dort nach Wien abgereist. Vor ihrer Abreise be- stellten sie bei mehreren Firmen Militärzelte und verschiedene Artikel zur Kriegsausrüstung. lieber ihren Berliner Aufenthalt und die Erfolge ihrer Anwesenheit daselbst sprachen sie sich sehr be­friedigt aus. , ,

K. Eine Junggesellen steuer werden wrr also nicht bekommen. Was der Kaiser darüber sagte, war nur scherzhaft gemeint. Wir haben aber bereits in Preußen eine Junggesellensteuer, und wer zahlt sie? Antwort: die katholischen Pfarrer. Bekanntlich ist ihr gesetzliches Gehalt bedeutend niedriger als da- der protestantischen Pfarrer, trotz der gleichen Vorbildung, der gleichen Stellung und Tätigkeit. Der einzige Grund für die Verschiedenheit ist, wie von der Staatsregierung selbst angegeben wurde, die Ehelosigkeit der katholischen Pfarrer. Welche Summen der katholische Pfarrer aus diese Weste dem Staate — denn dieser profitiert doch da- von — als „Junagesellensteuer" zahlen muß, zeigt folgende kleine Tabelle. Das Anfangsgehalt des katholischen Pfarrers beträgt 1500 Mark und steiat in fünf Perioden nach 25 Dienstjahren auf 3200 Mark. Das Gehalt der protestanttschen Pfarrer fängt mit 1800 Mark an und steigt in demselben Zeitraum auf 4800 Mark. Es beträgt demnach das Gehalt

Der katholische Pfarrer hat also bis zu seinem 5. Pliesterjahre jährlich 300 Mark Jung- gesellensteuer zu zahlen, in seinem 6.—10. Priesterjahre jährlich 500 Mark, in seinem 11.-15. Jahre jedesmal 7i 0 Mark, vom 26. Priesterjahre ab sogar jährlich 16u0 Mark Offenbar eine ganz kolossale Steuer, Nehmen

den sein. Dich Fremden zu überlasten und in die­sen alten Räumen vergebens nach dem Klange Deiner Stimme zu hören, und vergeblich nach Deinem heiteren Antlitz zu suchen.*

Ella erhob ihr Gesicht in kindlicher Unschuld zu ihm und er küßte sie.

Dann wandte er sich zu Brander, welcher den Baronet vollkommen durchschaute und sehr wohl wußte, welche Oual dieses edle Herz erduldete, indem e8 zu Gunsten eines Andern auf Ella verzichtete. Nur er sah den Zug des Schmerzes, der um Sir Harry's Mund ausgeprägt war, nur er las den Ausdruck der Selbstbeherrschung in des Baronets mattglänzenden Augen.

„Guido", sagte Sir Harry ernst und eindring, sich, aber doch mit freundlichem Lächeln, „fei recht zärtlich gegen Ella" sie gleicht einer Blume, die nur im Sonnenschein gedeiht; darum um­gib sie stets mit dem Sonnenstrahl Deiner Liebe. So wie Du mit ihr umgehst, so mag Gott nut Dir verfahren, mein Sohn!"

Diese Worte wirkten auf Brander, wie ein Fluch, obwohl sie, wie er wußte, nicht fo gemeint waren.

Sir Horry ergriff die Hand Branders und drückte sie innig: dann wandte er sich um und verließ mit raschen Schritten das Zimmer, Ella mit ihrem Verlobten allein lassend.

XVIII.

Die Flucht.

Die Haushälterin der Villa Bella Vista hatte mit dem Koch zuerst das HauS verlassen und sich nach dem S anzlokal begeben, wo sie manchen ihrer alten Bekannten traf. Der Kutfcher war mit den Pferden und dem Wagen von Palermo zn- rückgekehrt und war gerade damit beschäftigt, als Vitus zit ihm trat und ihm mitteilte, daß er nun ebenfalls ein paar Stunden zum Tanz gehen wolle. Geffrey, um jeden Verdacht zu beseitigen, hatte sich ebenfalls nach dem Tanzlokal begeben. Als der Kutscher mit feinen Pferden fertig war

und aus dem. Stall kam, um auf der Terrasse zu warten, bis er von Vitus oder dem Koch ao- gelöst werden würde, begegnete ihm die Haus­hälterin, welche vom Tanz zurückkehrte, um zu sehen, ob im Hause noch alles in Ordnung war.

„9hm, wie geht das Tanzen?" fragte do»

Kutscher, , ., Ä C,.T.

„Ausgezeichnet!" entgegnete dre Haushälte­rin. „Ich gehe auch wieder Jun Wollte nwk einmal sehen, wie die Sachen hier stehen. Es m gor nicht notig, daß hier lemand stet? Wach, hält. Oben ist die Tür verschlossen und brer unten stt der Hund unter dem Fenster der jungen Dame angebunden, so daß an eine Alucht gat nicht zu denken ist. UebrigenS tft tbr Diener auch drüben und tanzt mit entern englischen Mäd­chen aus Palermo." , . .

„Hast Du die ^lorta dort gesehen? fragte

, Florio Cometti, die Kokette?" Gewiß habe ich sie gesehen. Sie war ausgedonnert wie dre erste Pariser Modedame. Sie tanzte last jeden Tanz mit Vitu» und spazierte mit thm soeben noch im Saale umher." .

„Mit Vitus?" rief der Kutscher plötzlich von Eifersucht ergriffen. .

„Ja", erwiderte die Haushälterin. „Er ber Hftb des Abends! Sie lächelte ihn so gluck- selig an und er ist so zärtlich gegen sie — nun, auS den Beiden wird noch toaSl, Nimm Tein Herz in Acht, mein Lieber, Florra rft ferner müde!" _ -

Dem Kutscher schoß das Blut ins Gsncht und seine Augen funkelten wild.

„Das will ick sehen!" stieß er hervor. Ich will hingehen und mich selbst überzeugen; ich will sie belauschen. und wenn Flora falsch gegen mich ist, beim heiligen Christopher, dann grbt s ein Unglück!"

Ohne weiter auf die schadenfrohe Haushäl­terin zu achten, stürzte der eiserfüchtige Kiitscher fort, dem Tanzlokal zu.

dem Portal und Ella, sich von ihrem Sitze er­hebend, blieb die Antwort schuldig., Brander sprang vom Wagen und war Ella beim Ausstei­gen bebilflich. Ein Stallknecht spronq hinzu, nahm Pferde und Wagen in Empfang und brachte sie an Ort und Stelle, während Ella ins Haus eilte, gefolgt von Brander, welcher sie in der Halle erreichte, seinen Arm um ihre Taille schlang und sie in ein Zimmer führte, wo er sie in feine Arme schloß und ihr den ersten Kuß gab.

Ella sträubte sich nur wenig, erwiderte fcdoch seine Liebkosung nicht. Ein seltsames Bangen durchdrang ihre Seele, als Brander mit Unge­stüm sie an sich drückte. Es war ihr, als ob ein gewisser Instinkt ihr sagte, daß diese ungestümen Liebkosungen nicht wahr, nicht aufrichtig wären, als ob überhaupt etwas Falsches an ihrem Ver­lobten wäre, gegen das ihre unschuldige Seele sich auflehnte.

Dieses Gefühl beherrschte sie jedoch nur mo­mentan; aber ihre Wangen waren noch bleich, ihr Haupt noch gesenkt, als plötzlich, während Brander ihre Stirn mit Küsten bedeckte, die Tur geöffnet wurde und Sir Harry ins Zimmer trat. Ein Blick auf die Szene genügte, ihm begreiflich zu machen, wie die Sachen ständen. Unwillkür­lich stand er einen Moment wie festgebannt, dann kämpfte er seine Empfindungen nieder und näherte sich lächelnd dem Paare.

„Vater", sprach Brander, „Deine Wunsche sind erfüllt. Ich liebe Ella, und sie hat verspro­chen, meine Frau zu werden."

Sir Harry sah forschend auf feine Mündel.

„Und Du Ella", fragte er ernst. „Du liebst Guido ebenfalls?"

Sie erhob ihre Augen zu Sir Harry und daS Glück, welches aus ihren Augen strahlte, war diesem genügende Antwort.

„Ja. Du liebst ihn", sagte der Baronet. „Und Du willst meine Tochter werden? Ich danke dem Himmel, daß Du Harrington Hall mit Deiner sonnigen Gegenwart beglücken wirst bis an Dei­nes Lebens Ende. ES würde mir schwer aewor-

<xn Deutschland ist daS rheinisch-west- fälische Kohlensyndikat von der größten Belüftung für das wirtschaftliche Leben. Dre verschiedenen Kohlenbergwerksgesellschaften mach­ten sich früher gegenseitig Konkurrenz und diese Konkurrenz bewirkte, daß dre Preise nie allzu hoch waren. Die Besitzer beschlossen nun eines TageS, sich nicht, mehr Konkurrenz zu machen, bnb-ern die Preise gem einsch af t I: ch fest- Kusetzen. tixir Z)q3 Nie einzelnen

Zechen produzieren natürlich die Kohlen nicht um den gleichen Preis, sondern wegen der Ver- chiedenheit der Bodenbeschaffenheit, der Arbei- erlöhne und auch der Kohle selbst sind die Preise verschieden. Der Preis, zu welchem daS gesamte Syndikat die Kohlen zu verkaufen beschloß, wurde nun festgesetzt nach den Bedingungen, unter wel­chen in den teuersten Zechen die beste Kohle ge­liefert wurde. Diese teueren Zechen wurden aber dann von den billigeren aufgekauft und der Betrieb eingeschränkt, daß die Kohlen niemals um einen billigen Preis geliefert werden muffen wegen Häufung zu großer Vorräte., Auf diese Weise ist den Unternehmern ihr Gewinn gesichert. Sie baden keinerlei Risiko mehr. Sie diktieren die Preise und ganz Deutschland zahlt. „ Sie schreiben dem kleinen Kaufmann und Händler vor, wann, an welchem Ort und an welchem Ter­min er Kohlen zu beziehen hat. Unbequeme Kon­kurrenz wiffen sie bald zu beseitigen Eine vom Syndikat unabhängige Kohlenförderung ist fast unmöglich geworden.

ES ist nicht zu verwundern, daß unter diesen Umständen die Angehörigen des Kohlensyndikats im Jahve 1907 20—25 Prozent Dividende ver- teilen konnten. Der gute „deutsche Michel" kann eS ja zahlen. Ruhland berechnet die Summe, welche das Syndikat auf diese Weise alljährlich dem deutschen Volke als Reingewinn derAktionäre aus der Tasche holt, auf mehr als hundert Mil- lionen Mark. Es würde nicht schaden, wenn auch in Deutschland ein' „Roosevelt" ausstünde und energisch die Interessen des Volkes gegen solche Attentate auf dessen Wohlstand in Schutz nähme.

Wie die Syndikate sich bereichern.

Industrie und Handel werden seit den, letzten 10 Jahren in immer steigendem Maße beeinflußt von der Syndikatsbildung. Auf einzelnen Gebre- ten der Warenerzeugung und des Handels haben sich die Syndikate bereits unbestrittene und un- nmschränkte Herrschaft gesichert. Sie diktieren dre Preise, regeln den Umfang der Produktion und die Art des Handels. Kein Händler und kein Konsument kann sich dieser Herrschaft entziehen. ' Seitdem der Präsident der Vereinigten Staa­ken von Nordamerika, der eigentlichen Heimat der Syndikate, in schärfster Weise gegen die Raub- tittermanieren einzelner dieser Unternehmungen aufgetreten ist, beschäftigt, sich die öffentliche Meinung immer mehr mit ihnen. Der bekannte Nationalökonom Dr. R u h I a n d, früher Unt- dersitätsprofessor in Freiburg in der Schweiz, hat in dem vor kurzem erschienenen Werke: Krank- heitslehre des sozialen Volkskörpers auf dies« Wunde am Körper des modernen Wirtschaftsle­bens nachdrücklich hingewiesen. Diesem hochin- tereffanten Werke sind die geschichtlichen und sta- tistischen Grundlagen der folgenden Ausführun­gen entnommen.

Charakteristisch für die Art der Entstehung der Syndikate ist die Geschichte des amerika­nischen Fleischtrustes. Ganz Amerika bezieht zur Zeit fein Fleisch von 7 Großschlächte­reien. Die Metzgermeister sind durch die Kon­kurrenz dieser zu einem Ring vereinigten Groß- kchlächter um ihre elbständigkeit gebracht wor­den. Dies gelang auf folgende Weise: Zuerst wurden eine hinreichende Zahl von Eisenbahn­aktien aufgekauft, um einen bestimmenden Ein­fluß auf die Festsetzung der Frachtsätze zu getoin- nen. Dieser Einfluß wurde benutzt, um die Be­stimmung bei den Privatbahnen durchzusehen, daß frisches Fleisch in Eisenbahnwagen mit Kühlvor­richtung wesentlich billiger verfrachtet wurde als lebendes Vieh. Infolge dessen waren die Groß- schlächter durch Errichtung von Schlachthäusern m den Zentralen der Viehzucht in stand gesetzt, eine Zeit lang Fleisch so billig zu liefern, daß kein selbständiger Metzger mehr existieren konnte. Das Publikum lief dem billigen Fleisch nach und half redlich, die Metzgermeister unmöglich zu ma­chen. Die Einsicht kam zu spät. Als der Groß­schlächterring den ganzen Liehhandel, zum Teil sogar die Viehproduktion und den gesamten Fleischverkauf in seiner Hand hatte, war es mit dem billigen Preisen vorbei, das Publikum mußte

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Verantw. Redakteur» Sarl Schütte;

ÄÄ- awnbtifoüt: .Mustriette Somtagszeltung

wir also einen katholischen und protestantischen Pfarrer, die zur gleichen Zeit und im gleiche« Alter ihr Pfarramt angetreten und beide bis zu chrem 45. Dienstjahre (also etwa bis zum 70. Lebensjahre) verwaltet haben, dann hat in diesem Zeitraum der katholische Pfarrer wegen sein« Ehelosigkeit 60100 Mark Gehalt weniger bezogen, mit anderen Worten an den Staat eine tatsächliche Junggefellenstener in Höhe von 50100 Mark entrichtet. Wahrhaftig schon ein kleines Kapital. Und da auch nach der neuen Gehaltserhöhung der Unterschied in der Be- ioldung bestehen bleiben soll, so wird die „Jung, gefellensteuer" wohl sortbezahlt werden müssen.

Lehrer und Offizierswahl. Die General« ommandos der bayerischen Armee haben die Weisung erhalten, daß der Dienst der Lehrer als Küster kein Grund zu ihrer Ausschließung von der Offizierswahl sein darf. — Ob nun« mehr in Bayern zahlreiche Lehrer zu Offizieren befördert werden, darf wohl bezweifelt werden. Dafür hat sich der preußische Geist auch in Bayern bereits zumeit eingebürgert. In Preußen dürfte die Ernennung eines Lehrers zum Offizier bei den hier herrschenden Anschauungen ja wohl ziemlich ausgeschlossen sein.

r Protest deS katholischen gegen den libe­ralen Lehrerverband. Am vorigen Sonntag wurde zu Hamm eine ordentliche Delegierten« Versammlung deS westfälischen Provmziaüehrer« Vereins abgehalten, in welcher der Vorsitzende, Rektoratlrhrer Hallermann (Werl), eine Er­klärung abgab gegen die auf dem liberalen Lehrertage zu Dortmund gehaltene Rede de« Prof Nar top. Prof. Nartop hat am Schluff« seiner Rede gesagt: „Der Katholizismus in Deutschland aber wird einmal, fo hoffen wir fest, das römische Joch abschütteln, und es wird, ein neuer, wenn auch anders gearteter Protestan« lismus werden .... Dann werden die alten Protestanten mit den neuen Schulter an Schulter kämpfen, und beide werden sich erheben als Kinder eines Geistes. Dann erst werden wir ein Vaterland haben; das ist der Tag, dessen wir harren, den Sie vorbereiten helfen sollen; das soll unsere Pfingsthoffnung, unser Pfingst» aelübde sein." Demgegenüber betonte Lehrer Hallermann:

„Wir kennen kein römisches Joch, wir kennen nur eine, von Christus gestiftete römrsch-katho« tische Kirche, und erachten es als ein Gluck, Kinder dieser Kirche zu fein. Wir protestieren dagegen, da» man dem deutschen Katholizismus zumutet, sich von dieser Kirche zu trennen. Wir legen ernste Berwahrung dagegen ein, daß die Lehrer, ewschileßlich der kalho» lischen, diejenigen sein sollen, welche den Abfall von der Kirche vorbereiten und fördern sollen. Wir be« trachten es als unsere heiligste und schönste Pflicht, di« uns anvertraute Iugend zu treuen Gliedern dieser Kirche heranzubilden und zu erziehe». Wir können es daher auch nicht zugeben, wenn anbei« es versuchen sollten, die katholische Jugend in ihrem Glauben wankend zu machen und der Kircke zu ent« fremden. Daher lehnen wir die Einheitsschule im Nartop'schen Sinne, d. h. die konfessionslose Schule, ab undverlanqen,wie seither, auch in Zukunst, die ko n» fefftonelle Schule. Da die Rede NartopS auf weftsälischem Boden gehalten wurde und brausenden Beifall fand, erkläre ich hier nochmals im Namen von 2500 katholischen Lehrern Westfalens, die sich in un­serem Verein zusammengefunden haben: Wir bet ernten als ausdrücklichen Protest gegen die in Dortmund ge« fallenen Aeutzerungen unsere unwandelbare Treue gegen die katholische Kirche und legen feterlrch daS Gelöbnt» ab, die Jugend in dieser Treue zu erziehen.

= Gegen die amtliche Birlschreiberei hat

auch der Landwirlschastsminister eine Verfügung

5X1000=5000 „

5><lBfiO=65< 0 „

20XV’00=32oQ0„

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

441 (Nachdruck verboten).

„Nein, Ella", sagte er, und seine Stimme klang etwas unsicher, „ich habe nie zuvor geliebt. Dir Vorsehung muß ihre wunderbar waltende Hand über mich gehalten haben, daß mein Herz nur für Dich frei geblieben ist."

Ella versank in ein angenehmes Nachdenken. Die Züge! lagen lose in ihrer Hand, und die Pferde sich selbst überlassen, gingen einen lang- kamen Schritt.

Brander war nicht weniger glücklich. Er inachke während des Schweigens Pläne für die Zukunft, die er heiter und voller Genüsie vor ich liegen sah. Von Statur war er vergnügungs­süchtig und er dachte sein Leben voll Freuden hnd Lustbarkeiten zu gestalten.

Endlich war der Wagen vor dem Torweg von Harrington Hall angekommen. Die Torwärte­rin öffnete das Tor und die kleinen Poms bogen Jn die Allee hinein.

„Du hast mich unendlich glücklich gemacht, -lla", sagte Brander, als sie sich dem Hause »äherien. .Wie wird mein Vater sich freuen." . „Gewiß!" entgegnete Ella leise. „Er wird inner Glück teilen."

Branders Lippen verzogen sich zu einem spot- rischen Lächeln.

-Stoch eins, meine liebe Ella", sagte er dann, »och wünsche doch, daß Du sobald als möglich zieme Frau wirst. Könnten wir nicht am Weih^ tachtstage, Hochzeit feiern —"

»Das ist unmöglich!" wendete das Mädchen fasch dagegen ein. „Ganz uitmöglichl Es ist ♦eitle ber letzte ^.ag im November und ich kann In vierundzwanzrg Tagen mit meiner Aussteuer sicht fertig werden."

„Aber vielleicht Ende Januar?"

Jn i'iefem Augenblick hielt der Waa-m vor