Erscheint täglich mit Ausnahme der $o.m< und Leiertage. Viertel« jährlicher Bezugspreis ohne vrlngerlohn «nd Sestellgeld in Fulda so- rte auswärts 1.50 OIL
Oerantw. Redakteur:
Carl Schütter für die Anzeigen:
I.ParzeLer in Suita.
KlldaekWZeitmg
wachenbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung" Monatrdeilar«: „Fuldaer GeschichtsbMer"
Anzeigen: Vie ein« fpoltigePetitzeileoder deren Saum IS pfg. Reklamen drep etitzeile 25 Pfg., bei Wiederholungen wird cntfpr, Rabatt gewährt.
»otationsdruckunb Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher »r.9.
Fulda, Freitag den 3. Juli 1908.
M ISO.
35. Jahrq mtg.
Zweites Mlcrtt.
Aus dem Nachbargebiet.
):( Bacha, 2. Juli 1908. Von einer allzu- weisen Sparsamkeit im Wasserverbrauch bei der gegenwärtigen Hitze zeugt folgendes vielsagende Eingesandt in Nr. 153 der ,Rhönzeitungtt „Zu dieser heißen Jahreszeit ist ein Besprengen der Straßen von wohltätigster Wirkung für die Menschheit. Heute srüh wurde wohl zum ersten Mal auch hier in Vacha wenigstens entlang der Schulstraße eine Probeb.'sprengung vorgenommen.
— Briefe in alter Zeit. Briefschreiben ist noch heutzutage eine Kunst, und zwar eine schwierigere, als die Menschen insgemein glauben, früher aber war es geradezu ein Stück Wissenschaft. Wer sich z. B. des Magisters Fabian Frank
Weshalb man dazu gerade Mistsotte statt Wasser nahm, konnten wir nicht ermitteln. In anderen Städten ist bisher wohl immer reines Wasser verwendet worden."
* Gelnhausen, 2. Juli 1908. lieber den Tunnelbau Schlüchtern-Flieden ist mitzuteilen, daß endgültig beschlossen worden ist, bereit» Ende September mit den erforderlichen Vermessungen den Anfang zu machen. Zu diesem Zweck treffen in Schlüchtern mehrere Ingenieure und Landmesser ein, welche sich auf längeren Aufenthalt einrichten müssen.
• Gießen, 2. Juli 1908. In der Silber- eifenschen Essigfabrik fiel der Werkmeister Seng so unglücklich von einem Rollwagen, daß er bewußtlos liegen blieb. Er wurde nach der Klinik überführt, wo er nach etwa zwei Stunden verschied. * •
* Weilburg, 1. Juli 1908. Gestern wurde die Gewerbeausstellung eröffnet. DieAus- stellung bietet ein interessantes Bild von dem ©tanbe deS Gewerbes im Oberlahnkreise.
* Gerstungen, 2. Juli 1908. Ein Grundbesitzer in Dorndorf hat kürzlich daS Mähen seiner 33 Ar großen Wiesen quadratmeterweise vergeben, und zwar den Quadratmeter für 5 Pfg. Offenbar Hal er aber vorher nicht genau berechnet und nicht geahnt, daß für das Mähen ein Betrag von 165 Mark herauskommen würde. Rechnet er noch ein gutes Frühstück hinzu, so gibt daS jedenfalls ein teueres Heumähen.
* Corbach, 2. Juli 1908. Ein ungewöhnlich hohes Gebot brachte die Verpachtung der Feldjagd in der Gemarkung Corbach, nämlich 2015 Mark, die Hotelier Brüwer-Vohwinkel bei Schwelm bot. Bisher wurden nur 1300 Mark Pacht gezahlt
* Bad Nauheim, 2. Juli 1908. Der 15- jährige Schreibgehilje Kersting, der seit vierzehn Tagen verschwunden ist, wurde als Leiche aus dem Salinenschacht gezogen, der zwischen hier und Friedberg in die Ufa mündet. Es liegt Selbstmord vor. Grund dazu ist ein Dummer- jungenstreich. Kersting hatte, mit dem Taschenmesser spielend, im Abort seines Prinzipals die Wasserleitung angebohrt, so daß das Wasser in den Hausflur lief. Um einem Tadel zu ent- gehen, beging er Selbstmord.
Ter Kaiser warf einen der berühmten verschleierten Napoleonsblicke auf die Sprecherin, zupfte sich mit der charakteristischen Bewegung der Finger das rechte Schnurrbartende und antwortete voll Hoheit und Würde:
„Sie haben Recht, Madamei In meiner ollen Bude zu Hause krepiert mau vor Langeweile."
Einen Augenblick war alles starr. Dann brach ein schallendes Gelächter los und wie aus einem Munde schrien alle:
„Pivier!"
Vivier lachte mit, und jetzt wurde es erst recht vergnügt. Am nächsten Tage bereits hinter- brachte man die Geschichte dem Kaiser — dem echten Kaiser, der bei diesem Anlaß bewies, daß auch er geistreich zu sein verstand. Er bestätigte die Ernennungen Viviers. Second wurde , tatsächlich Inspektor des Louvre und Saint Victor Offizier der Ehrenlegion. Und als Napoleon am Abend in der Oper erschien, wünschte er, feinen Doppelgänger, von dem er schon so oft gehört hatte, kennen zu lernen. Vivier wurde während des Zwischenaktes aus dem Orchester auf die Bühne aeholt, wo ihn der Kaiser lang prüfend maß, wie um sich Rechenschaft über feine eigene Erscheinung zu geben. Dann richtete er einige Worte der Anerkennung für fein vollendetes Blasen an den Hornisten und schenkte ihm, wie es feine Gewohnheit war, eine Zigarre.
Vivier verneigte sich. War er nun wirklich zum ersteumale in seinem Leben verlegen geworden, oder hatte es der unverbesserliche Spaßvogel auch jetzt auf einen Witz abgesehen? Er luchte nach Worten und stammelte endlich hochbeglückt: „Majestät, ich werde diese Zigarre mein ganzes Leben taug ranchenl"
Ei» Doppelgänger Napoleons.
Von allen Staatsoberhäuptern der Welt hatte sicherlich Napoleon der Dritte die meisten Doppelgänger. Sie liefen gleich zu Dutzenden in Paris und in der Provinz umher. Die allermeisten batten sich freilich in diesen Zeitvertreib nur hineinstudiert und einer mehr oder minder vorhandenen Uebereinftimmung der Gesichtszüge durch Toilettenkünste und eine sklavische Nachahmung ihres Vorbildes nachgeholfen,; hingegen gab es einen, den Solo-Hornisten Vivier des Opernoräiesters, der, ohne den geringsten Trick anznwenden, dem Kaiser tatsächlich wie ein Ei dem anderen glich. Es. war ein verblüffendes Natur'chauspiel, genau dieselbe Gestalt, dasselve Gesicht, derselbe Gang und sogar, wenn er es daraus anlegte, derselbe müde Blick aus den halvverschlossenen Augen. Vivier hat tn Pari» «ne glänzende Erinnerung zurückgelassen. Weniger weil er ein ausgezeichneter Musiker, sondern weil er unerschöpflich im Anzetteln toller streiche, der Großmeister des Schabernacks und unerreicht in der Wissenschaft war, sich und feine Freunde auf Kosten anderer zu belustigen. Vi- vicr hat es noch niemand, nicht nur an Erfindungsgabe und unerschütterlichem Ernst, sondern auch in der Beharrlichkeit, mit der er seine Possen von langer Hand vorbereitete, gleichgetan. Welcher Ausdauer er darin fähig war, zeigt die Geschichte feines „Schooßkalbes", das er in eine neue gemietete Wohnung mitbrachte und das der Hauswirt durchaus nicht aufnehmen wollte. Vivier wollte sich jedoch von dem geliebten Kalb um keinen Preis mehr trennen, woraus sich ein Prozeß entspann, den er mit allerlei juristischen Kniffen zwei Jahre lang durch alle Instanzen zu schleppen wußte, bis endlich der Schiedsspruch erfolgte .daß Vivier das Kalb auszuliefern habe. Nur war aus dem Kalb inzwischen eine ausgewachsene Kuh geworden, und der Wirt war ge- nötiat. die Tür und das halbe Haus obendrein
schichten reizte die unreifen Burschen zu verbre- cherischen Abenteuern.
* Eine Braut als Mörderin des Bräutigams. Vom Schwurgericht in Freiberg i. S. ist, wie schon gemeldet, die Bürgermeisterstochter Grete Beier wegen Ermordung ihres Bräutigams, des Oberingenieurs Preßler, zum Tode verurteilt worden. Preßler wurde eines Morgens in seiner Wohnung mit durchschossenem Kopfe aufgefunden. Während zuerst angenommen wurde, daß er Selbstmord begangen habe, brachte die Untersuchung so schwer belastendes Material gegen die Braut zutage, daß sie vor dem Untersuchungsrichter ein Geständnis ablegte. Zuerst hieß es, sie habe ihrem Bräutigam vorgeflunkect, sie habe ihm etwas mitgebracht und ihn geheißen, zum „Scherz" die Augen zu schließen, den Mund zu öffnen, und so habe sie den Ahnungslosen durch zwei Revolverschüsse getötet. Nach dem Ergebnis der Verhandlung hat die Beier ihrem Bräutigam in einem unbewachten Augenblick Cyankali in den Kaffee getan und dann, als er nahe daran war, der Wirkung des Giftes zu erliegen, ihm aus einem Revolver zwei Schüsse in den Kopf gejagt. Vorher hatte sie alles sorgfältig vorbereitet, um den Glauben zu erwecken, Preßler habe Selbstmord begangen. Zu diesem Zwecke ließ sich Grete Beier selbstgeschriebene Briefe ans Mailand zugehen, die angeblich von einer jungen Italienerin herrührten, die sich als die Fran PrcßlerS bezeichnete. Nach diesen Briefen sollte Preßler während des Aufenthaltes in Italien die Schwester der Schreiberin geliebt, aber schnöde verstoßen und die Unglückliche dadurch in den Tod getrieben haben. Um die Schwester zu rächen, habe dann die Briefschreiberin Preßler an sich gefesselt, der sie auch geheiratet habe. Als sie dann später in Deutschland Kunde von der Verlobung Preßlers mit Grete Beier erhielt, habe sie Preßler in Chemnitz aufgesucht und ihm erklärt, daß ec einer Anzeige wegen Doppelehe nur dann entgehen könne, daß er sich erschieße. Preßler habe den Tod gewählt. Diese Briefe hat Grete Beier, wie bemerkt, sämtlich selbst geschrieben, ebenso das Testament Preßlers, in dem sie als Universalerbin eingesetzt war. Um die Entdeckung der Fälschung zu verhindern, schrieb sie alle Briefe, die sie ton Preßler hatte, vernichtete die Originale und gab die ihre Handschrift trugeuben Abschriften als Originale aus. Auf diese Weife erreichte sie, daß das Testament dieselben Schrift- ziige trug wie die Preßlerschen Briese. Infolgedessen wurde auch das Testament für echt gehalten. Tie Verhandlung ergab, daß die Angeklagte ihrem Geliebten, dem Kaufmann Merker, große Geldmittel gegeben hat, und Grete Beier gab als Grund für den Mord an, daß sie sich von ihrem Bräutigam befreien wollte, um ganz ihrem Geliebten anzugehören und um ihm auch das durch das von ihr gefälschte Testament des Bräu- tigains ihr zufließende Geld zu geben. Grete Beier hatte ihren sittlichen Halt schon früh verloren. Trotzdem gab ihr der vom Gericht vernommene Sachverständige Dr. Nerrlich ein gutes Zeugnis, das aber folgenden bemerkenswerten Abschnitt enthält:
Nur in religiöser Beziehung ist sie (Grete Beier) oberflächlich. Sie hat nur dafür einen Grund angegeben, der mir plausibel erscheint: Leider nimmt heute in den sogenannten besseren Ständen die Irreligiosität immer mehr zu. Sie sagte mir, daß Preßler ihr immer gesagt hätte, die Bibel sei zwar ein gutes Buch, aber weiter auch nichts. Sre stelle nur den Fortschritt der menschlichen Kultur dar. Christus sei zwar ein guter Mensch gewesen, aber das Dogma von seiner Gottheit ließe sich nicht aufrechterhallen. Diese Anschauungen hatte die Angeklagte nicht gehabt, bis sie Preßler kennen lernte. Sie war von vornherein gläubig und fromm und hatte für religiöse Sachen ein io gutes Verständnis, daß sie eine gehörte Predigt aus dem Gedächtnis fast vollkommen niederschreiben konnte.
zu demolieren, um das Vieh aus dem vierten Stock wieder herunterzubringen.
Den verwegensten Streich führte er jedoch in den 60er Jahren bei der Marquise de Paiva, nachmaligen Gräfin Henkel-Donnersmarck aus. deren wunderbarer Palast nächst dem Triumph- bogen ttach ihrem Tode, vor 10 Jahren etwa, in den Besitz des jetzt ebenfalls verstorbenen Berliner Börsenmanns Salluschin überging. In diesem Palazzo, der durch seinen künstlerischen Schmuck wie durch seine kostbare Onyxtreppe be- rühmt geworden ist, liebte die Marquise, eine Fran von sehr viel Geist und höchst abenteuerlichen Schicksalen — ihr erster Gatte war der Pianist Henri Hertz — die gefeiertesten Schrift- steller zu bereinigen, und eines Abends als sie gerade mit Sainte Beuve, Theophil Gautier, Paul de Saint-Victor, Alberic Second und dem Maler Baudry beim Nachtisch saß, riß der Diener aufgeregt die Türflügel auf und rief mit vor Staunen säst erstickter Stimme:
„Der Kaiser!"
Alles schnellte verblüfft von den Sitzen. Am raschesten hatte sich die Marquise gefaßt, die bem unerwarteten Besucher entgegenging, der jedoch mit gnädiger Handbewegung jede Ehrenbezen- gung abwehrte.
„Bitte sehr, meine Herren", sagte er, „bleiben sie sitzen. Ich will Sie nicht stören; ich suche blos um ein Plätzchen beim Gastmahle Platos nach "
Man setzte sich also. Der Kaiser war ungemein liebenswürdig. Er ernannte Alberic Second zum Inspektor des Louvre-Museums und verlieh Saint-Victor das Offizierkreuz der Ehrenlegion. Diese Gunst beflügelte das Geplauder noch mehr. Die Lustigkeit stieg, und da der Kaiser davon hoch befriedigt schien, rief Fran von Paiva nach einer Stunde aus:
„Sire, Sie sollten uns öfter die Ehre fcheirken, schon wegen des Gegensatzes zu der Feierlichkeit, die in den Tuilerien herrscht."
„Kanzlei- und Titelbüchlein" ansieht, das 1539 in Wittenberg erschien, wird hier erschrecken über alles das, was ein Briefschreiber damals wissen mußte. Und Frank war zweifelsohne eine Autorität, denn er war Lehrer der sächsischen Prinzen für dieses Fach gewesen. Noch heute wird ja unteren Offizieren genau vorgeschrieben, was für Papier, was für Formate sie zu den verschiedenen Briesen zu nehmen, welchen Rand sie freizulassen und welche Formeln und Worte sie zu gebrauchen haben, damals aber bestanden solche Vorschriften für jedermann, und deshalb enthält das genannte Buch genaue Regeln über Einteilung des Briefinhalts, das Falten der Briefe, über die Art, wie sie verschnürt und versiegelt werden sollten, übet bie Farbe des Wachses usw. Vor allem sind die Titulaturen sorgfältig geordnet. Bei den obersten und oberen Klassen der Gesellschaft sind sie geradezu ungeheuerlich, aber auch im Bürgertum noch mehr als merkwürdig. Einem Kaufmann gebührten z. B. die Prädikate „ehrsam und für- sichtig", war er aber Ratsherr, so tarn noch „weise" hinzu. Ein Rechenmeister wurde „ehrsam. sürnehm und schriftsinnig" genannt. Seidensticker, Goldschmiede, Steinschneider, Zimmerer hatten auf „künstlich", „hocherfahren" und „weitbcrichtet" Anspruch. Dagegen machte man mit dem „schlichten gemeinen" Handwerker feine Umstände, sondern schlich einfach „dem bescheidenen, fleißigen, treuen W. N. Heute sind wir doch vernünftiger geworden.
— gebrüllt. Ein erfolgreicher Kampfer um den Preispokal bei einem Fußdallwettspiek hielt beim Empfang desselben folgende Rede: »Affine Herren, ich gewann diesen Pokal durch merne -oeme.
ö Die Aufhebung der Gemeindesteuerfreiheit der Beamten.
Offiziös ist kürzlich angekündigt worden, daß den Beamten aus Staatsmitteln ein Ausgleich gewährt werden soll, wenn bei der bevorstehenden Besoldungsreform auch die Aushebung der Gemeindesteuerfreiheit erfolgt. DaS ist nicht mehr als recht und billig. Dagegen will die Regierung auf den Vorschlag, baS Mehr an Kommunal- steuern mit dem bisherigen Wohnungsgeldzuschuß zusammenzufaffen zu einer Ortszulage, nicht eingehen. Diesem Vorschläge, heißt es, ständen „praktische Bedenken von entscheidendem Gewicht" entgegen.
Gewiß ist eS sehr schwierig, die »Otts- zulagen" gerecht und zugleich in einer handlichen Form abzumessen. Aber anderseits ist der WohnungSgeldzuschuß doch auch eine sehr mangelhafte Einrichtung. Die Unterschiede in den Mietspreisen (die überdies bisher schlecht erfaßt worden sind) bilden nur einen Posten in der Mehr- oder Minderbelastung der Beamten in den verschiedenen Orten. Die Preise der Lebensmittel am Otte spielen eine mindestens ebensogroße Rolle. ES kommen noch andere Momente hinzu, z. B. daS Vorhandensein ober die leichte Erreichbarkeit höherer Schulen. Eine wirklich ausgleichende Gerechtigkeit müßte alle Umstände beachten, die eine ungleichmäßige Belastung der Beamten an ihrem Dienstotte her- beiführen. Dazu gehött dann auch die Höhe der KommunalzuschlSge, soweit sie nicht durch besondere gebotene Vorteile wieder ausgewogen wird.
Die Regierungsvorlage scheint nun eine gründliche Reform auf diesem schwierigen Gebiete nicht versuchen, sondern sich behelfen zu wollen mit der Aufrechterhaltung deS alten Systems deS Wohnungsgeldzuschusses unter der Zeftsetzung, daS von dem Diensteinkommen ein gleichmäßiger Normalsatz an Kommunal- neuer für die ganze Monarchie erhoben werden darf. Die Zulässigkeit einer solchen Normalsteuer für Beamte würde für viele Gemeinden einen beträchtlichen Votteil bringen, und zwar für die bisher schon besser gestellten Gemeinden, die mit 100 Prozent Einkommensteuerzuschlag auskommen. Dagegen würde für die weniger gut gestellten Gemeinden, die weit über 100 Prozent erheben müssen, der Vorteil aus der Reform sich in absteigender Linie bewegen und stellenweife sogar auf Null zusammenschrumpfen.
Die Sache bedarf noch einer gründlichen, all- seitigen Prüfung. ES ist doch wohl noch eine Form denkbar, welche die bedrängten Gemeindekassen nicht in Nachteil versetzt.
vermischtes.
♦ Eine dramatische KindeLrettung wurde hi Tuttlingen im oberen Tonautal ausgeführt. Dort sah die heimkehrende Frau des Instrumentenmachers Fände von der Straße aus, wie sich ihr zweijähriges Kind aus dem Fenster der Wohnung im dritten Stock herausbeugte und herabfiel. Die entsetzte Mutter breitete mit großer Geistesgegenwart die Arme aus, fing das sich zweimal Überschlagende Kind auf und sank mit ihrem Kind in den Armen ohn- mächtig zu Boden. Sie hat nur eine Hautabschürfung erlitten, dem Kinde ist garnichts geschehen.
* Eine wohlorganisierte Räuberbande, tue in den letzten Monaten die westlichen Vororte von Berlin unsicher gemacht hat, ist endlich von der Polizei hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Bei einer Streifung in dec Nacht auf Montag wurden vier im Alter von 20—22 Jahren stehenden Burschen verhaftet. Die Burschen gehörten einer großen, etwa 25 Köpfe zählenden Räuberbande an, die von dem vor ungefähr zwei Wochen verhafteten fogenannten „Fürsten der blanken Hölle", dem 20jährigen Fritz Unruh gegründet und organisiert worden ist. Die Lektüre der Sberlock Holmes- und der Nick Carter-Ge
— Der Patient. Ehemann: „Muß ich das alles entnehmen?" — Seme Frau: .Jawohl, alles!" — Ehemann: »Das ist ja genug, einen ®fel zu töten." — Seine Frau: „I, bewahre, dann hätte der Arzt es Dir doch nicht verordnet."
Diese Bemerkungen des sachverständigen Arztes lassen erkennen, daß Dr. Nerrlich selbst der Ansicht ist. Grete Beier sei erst durch die abfälligen Bemerkungen ihres Bräutigams Preßler über die Bibel und Christus zur Irreligiosität verleitet worden, und nachdem sie auch den religiösen Halt verloren, sei sie erst zur gemeinen Verbrecherin, zur Mörderin und Testa- mentsfälscherin geworden. Man mag es als eine Strafe Gottes oder als ein „tragisches Verhängnis ausfassen, daß gerade der Mann, welcher der Grete Beier den Glauben an Christus nahm, ein Opfer seiner Untat geworden ist; die Tatsache steht aber fest, daß das Weib erst nach dem Verlust des sittlichen und religiösen Halts alle- verloren hat, was sie noch zu einem würdigen Mitglied? der menschlichen Gesellschaft befähigte, und daß sie erst dann zu Verbrechen gekommen ist, welche nur mit der Todesstrafe gesühnt werden können.
* Eine ganze Hammelherde gestohlen. Reiche Beute haben Diebe in dem unweit von Paris ge- legenen Dorfe Charentonneau gemacht. Vor mehreren Monaten hatte sich dort bei dem Gutsbesitzer, ein bereits siebzig Jahre alter Deutscher, mit Namen Fritz Jung gemeldet und um die S teste eines Hirten beworben. Ma» gab dem Alten, der stets als treu und zuverlässig befunden wurde, die aus fünfhundert Tieren bestehende Hammelherde zur Obhut und Aufsicht. Vor einigen Tagen fanden mehrere Arbeiter am frühen Morgen den Hirten tot auf dem Felde liegen. Wie die sofort angestellte Untersuchung ergab, hatten Diebe Jung erwürgt und dann die 600 Hammel gestohlen. Die Herde repräsentiert einen Wert von 20 000 bis 30000 Francs.
* Der amerikanische RechtsanwaltTowseud Wandel!, ein bekannter Millionär aus New-Aork, der eine Erholungsreise nach Italien unternommen hatte, verließ in Bologna einen Augenblick den Eisenbahnwagen, um sich an einem zwischen bem dritten und vierten Gleise ausgestellten Wasserhahn die Hande zu waschen. Seine mit ihm fahrenden Schwestern sahen aus bem Waggonsenster zu. Da lief ein Güterzug in ben Bahnhof ein, ein ängstlicher Zuruf der Schwestern: Wandel wendet sich und das Unglück war geschehen. Die Schwestern mußten zusehen, wie der Bruder zuerst von der Maschine mehrere Meter west fortgeschleudert, und dann mitten durch« geschnitten wurde.
* Aus Eifersucht hat der Kaufmann Turner in New-York, als er feine Frau in Begleitung ihreS ffchzehnjährigen Sohnes, eines schlanken, hochgewachsenen jungen Mannes fah, ohne den eigenen Sohn in ihm zu erkennen, seinen eigenen Sohn und ferne Frau erschossen. Nachdem er feinen Unglück- seligen Irrtum entdeckt hatte, schoß er auf sich selbst, verwundete sich aber nur leicht. Im Untersuchungsgefängnis verweigert Turner die Aufnahme von Speise und Trank und erklätt, er lege sich elbst mm die Strafe des Verhungerns auf.
i, n.—W
Reklamen- unb Anzeigenteil.
MjkkWW
WW