35. Jahiganq
Fulda, Freitag den 3. Juli 1908.
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Jacapo Palestro.'
einen Tisch in Brief lesen zu war
Dtjelgtii: Vie einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. «evamendiepetitzril« 21 pfg., bei wieder- hokmgeuwtrd rntspr. Rabatt gewährt.
»otatiour druck und Verlag der Luldarr Ll-
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MbeM ttglich Mtt Ausnahme der $o.m« rmdZeiertage.viertel- fShrlichervezugrprel, ohne vrtngerlohn «nt VesteSgeld in Zulda sowie mmuSrtr 1.50 Alt
verantw. Redakteur:
Larl Schütt«;
Ä w-q-nb-ilag«- Illustrierte Soimtagrzeitung"
Der falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
Machdruck verboten).
Harry drückte des Freundes Hand, und dann seine Zufriedenheit mit fernem
Ein unheimliches Lächeln glitt über Branders Gesicht, als er den »rief wieder in die Tasche steckte. Er war zufrieden mit Jacapo'S Meldung und triumphierte im Stillen.
AIS der Kellner das bestellte Getränk brachte, bat ihn Brander um einen Bogen Briefpapier, Feder und Tinte, und al« er diese« erhalten, schrieb er sogleich eine Anwort auf den empfangenen Brief. Derselbe war nur kurz; Brander
Mylord l
Der unglückliche junge Engländer oesindet sich noch in demselben Zustande, in welchem Mnlord Harlington ihn verlassen hat. Den guten Dr. Spezzo hat Theresia Bikini bezahlt. Er hat seine Besuche jetzt eingefteßt, da der arme Engländer nicht mehr zu retten ist. Fremde haben ihn nicht gesehen, außer einer mitleidigen jungen Engländerin, welche ihn einigemal besucht hat und die, wie es heißt, ebenfalls nicht recht im Kopf ist. Er hat den Berg nur einmal verlassen, und zwar mit Theresia Bikini, welche ihn nach der Grotte der heiligen Rosalie geführt hat, wa« jedoch nichts geholfen hat. Er wird blödsinnig bleiben Zeit seines geben« und er wird hier ungesehen leben und sterben, der arme Ferdinand Bran-
rington Hall so stark befestigt glaubte, daß dieselbe ein noch möglicherweise eintretender ungünstiger Umstand zu erschüttern vermochte, da bereits alle Bewohner des Hauses und der Nachbarschaft ihm zugetan waren, so gab es doch Augenblicke und Stunden, in denen ihn ein ängstliches Gefühl beschlich.
Wenn er des Nachts in seinem Bette lag, dann umgaukelten ihn allerlei gespenstische Gestalten und verscheuchten den Schlaf von ihm. Und auS der DÜtte dieser Phantasiegebilde trat da« bliche, ausdruckslose Gesicht Guido Harringtons, die glasigen Augen blickten starr auf ihn. die farblosen Lippen öffneten sich und mit geisterhafter Stimme erklangen die Worte: „Gehe fort, ich will allein sein!"
In solchen Augenblicken, die allerdings nur selten waren, bereute er fast den getanen Schritt, wünschte er aufrichtig, daß Guido gesund und wohlbehalten mit ihm heimgekehrt wäre als sein Freund und Protektor. Doch dachte er nicht daran, umzukhren von dem betretenen Wege und den rähtmätzigen Erben an seinen ihm zukommenden Platz zu bringen. Dazu kam noch feine Liebe zu Ella, die zu besitzen sein fester Entschluß war. Mit dem. Tage, an welchem er sie zum Altar führen werde, dachte er, würde auch der letzt« Funke von Furcht vor Entdeckung in ihm schwinden und er seine innere Ruhe wieder erlangen. Und so hatte er sich vorgenommen, bei der ersten sich darbietenden Gelegenbeit diesen entscheidenden Schritt zu wagen.
So waren zehn Tage vergangen.
Eines Morgens kurz nach dem Frühstück, als Sir Harry in die Bibliothek gegangen, um mit dem Rentmeister Paxter die Rechnungen zu prüfen, befahl Brander fein Pferd zu fatteln, welches er bestieg und nach Gloucester ritt, wo er nach einem Ritt von zwei Stunden anlangte und in einem Gasthofe abstieg. Er fragte nach dem Postgebäude und ging dann hinau», dasselbe aufzusuchen Im Hausflur daselbst gngekommen,
bestättgte den Empfang de« Briefe« und ett mahnte den Makler zur ferneren pünktliche» Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen, wogegen er nochmal« bte liberalste Bezahlung versprach. Er unterzeichnete den Brief mit Job« Burlington, faltete und siegelte ihn und bracht» ihn dann nach dem dortigen Postamt.
Hierauf begab er sich in den Gasthof zuttich^ bestieg sein Pferd und machte sich auf den Heimweg.
In kurzer Zeit hatte er bal kleine Dorf Ard- leigh erreicht und bog jetzt in die Straße ein, welche nach Harrington Hall führte; da sah er in einiger Entfernung einen kleinen Wagen in derselben Richtung nach dem Gute fahren, gezogen von einem Paar kleiner Ponis. In dem kleinen Wagen saß nur eine Dame, welche et sogleich al« Ella Bamfield erkannte. In angemessener Entfernung folgte dem Wagen ein DiW ner zu Pferde.
Brander gab seinem Pferde die Sporen uni war bald an der Seite bei Wagen«.
„Da« ist ein unerwartete« Vergnügen, Ella", sagte er, indem er sich höflich vor dem Mädchen verbeugte.
„Ah, Master Guido", entgegnete Ella, seinen Gruß freundlich erwidernd. „Ich war in Ard- leiqh, um einige kleine Einkäufe zu machen, Aber wo haben Sie sich herumgetummelt?
, Ich habe einen Spazierritt gemacht übet den Fluß nach dem Walde", erwidert« Brander, „Sie waren verschwunden, sonst wurde ich ste gw beten haben, mich zu begleiten. habe mettl Pferd etwas angesttengt, da« arme Tier scherm müde zu sein."
„Wenn Sie bei mir Platz nehmen wollen, werde ich Sie nach Hause fahren", sagt« Elltz „Der Bediente kann Ihr Pferd führen."
Die Einladung kam Brander sehr geleg« Er stieg vom Pferde, übergab ei dem Bedient« Md nahm an Ella'» Seite Platz«
ungen gefallen lasten müsten, die mit der Wis- enschast nichts zu tun haben; und werter um bte trage, ob die christlichen Studenten, und ihre Freunde in Oesterreich vor bandenmäßtg versuchen Körperverletzungngen bet der Staatsgewalt Schutz finden Wenn der Staat die Lehren der katholischen Kirche nicht, beschützen kann oder will, so muß er doch wenigstens so ange er als Kulturstaat gelten will, die gejun- den Knochen ihrer Gläubigen zu schützen wissen.
In Deutschland wird ja auch manchmal zu gunsten bei Liberalismus und des Evangelischen Bunde« eine „Energie der Geduld" betätigt, indem man manches durchgehen läßt, wa« den Katholiken und dem Zentrum niemals verziehen würde. Aber wenn es sich um offenbaren Lanb- friedenSbruch handelt, dann versteht die Staatsgewalt in Preußen-Deutschland dock) keinen ©pafe — auch in der Aera der Blockpolitik nicht. Bei un» zu Lande würde man die Leute, die sich zur Durchprügelung von Mitbürgern zusammen- rotten und dann der Polizei Widerstand leisten, vor daS ordentliche Gericht stellen und nach Para- graph so und so des Sttafgesetzbuches aburterlen. Von Rshtswegenl
lieber den letzten Ueberfall der liberalen ftu- deistischen Wegelagerer auf die katholischen Studenten in G r a z lesen wir noch in österreichlsechn Blättern:
AI, am 27. Juni Mitglieder der katbolischen Studentenverbindungen „Traungau" und „Karolina" in falben die Vorlesungen besuchten, wurden sie int Torweg anaerempelt und mutzten ihre Mützen verteidigen. ®3 wurde 11 Uhr, die Vorlesung war aus. Plötzlich kam der Senior der „Karolinen", jnr. Enge, über die Treppe ohne Band und Mütze gerannt; er war überfallen, geschlagen und geltet en worden Der Rektor sagte, er könne nicht« tun!! Um 12 Uhr mußte die kleine Schar sich bereit« in bte Reklo- ratskanzlri flüchten. Da wurden sie bis nachmittag 4 Uhr etngeschlofsen; der Rektor verhandelte mit den Vertretern der „Freiheitlichen", erklärte aber dem „Karolinen"-Senior gegenüber, daß er mit ihm üd erhaupt nicht verhandle. Alle Gänge der Hochschule waren besetzt, trotzdem kam der Rektor und sagte: „Sie gehen jetzt unter meinem Schutze weg; es wrrd Ihnen nicht« geschehen!" Als sich der Senior in Anbetracht des fruchtlosen Unternehmens sträubte, d r o h t e er sämtlichen mit der Entlassung. Die kleine Schar — 16 Mann — zog nun (ib. Es ging bi« zur Treppe, hier aber gab es eine förmlich r Schlacht. Knüttel sausten auf bte Köpfe der katholischen Studenten herab und Slöcke gingen in Trümmer. Sie mußten zurück in die RektoratSkanzlei. Dabei wurden vier den Zug schließende katholische Studenten bewußtlos geschlagen. Um 4 Uhr kam der Rektor wieder mst dem Professor Haber- land und erUärte, daß die „freiheitliche" Studentenschaft ihr Ehrenwort gegeben, die Karolinen" und „Traungauer" rubig abziehen zu lasten. Obwohl man wußte, wie das Ehrenwort dieser Gesellschaft aufzu- fasten war, mußten die katholischen Studenten mit dem Rektor abziehen. Ruhig gin-.'s bis in den Garten; hier ging der Sturm wieder los; e« wurde geprügelt, geschlagen und die Mützen gestohlen. Es war ein häßlicher Kampf, wie Hunderte einem katbo- lifchm Studenten die Mütze entreißen wollten, der sich aber mit bewmtdenswerler Tapferkeit wehrte. Zehn Schritte davon stand die Polizei; sie muhte au höhere Weisung ruhig zusehen! Schlteß- lich waren sämtliche Mützen der katholischen Studenten gestohlen, obwohl die „Freiheitlichen" auf Ehrenwort versprochen hatten, auf akademischem Boden die .Karolinen" und „Traungauer" ruhrg obziehen zu lassen; also Ehrenwortbruch, wie immer; was könnte man sonst auch von diesen Leuten erwarten! Die Hochschule wurde nun endgültrg geschloffen. Dte Senioren der beiden katholischen Verbindungen sichren mit dem Grasen Thun-Hohenstein und Abg. Hagen- hoser nach W-en zum Ministerpräsidenten und zum Unterrichtsminister und hernach nach Ischl zum Kaiser. In der Nacht wurden drei katholisch.' Studenten von einem Haufen „Freiheitlicher" überfallen. Ein Wachmann verletzte mit dem Säbel einige
D. v. Koester. Daß man den Verzicht erwartete, würbe noch befonbers beutlich gemacht, al« ent übereifriger Freund bemerkte, e« fei doch ungewöhnlich und unhöflich, sofort einen anderen Präsidenten zu wählan, ehe noch Fürst Salm über die Annahme ober Ablehnung des Amte» ich entheben hätte. Es wurde der förmliche Antrag gestellt, die Wahl eines anderen ersten Präsidenten zu unterlassen, und biefet Antrag würbe ab gelehnt. Deutlicher konnte man doch kaum zum Ausbruck bringen, daß auf den Verzicht de« Fürsten Salm gerechnet wurde. Aber )tc erwartete Ablehnung der Wahl laßt noch bi» heute auf sich warten. Fürst Salm scheint der Ansicht zu sein, daß seine Wahl in bitterem Ernst und ohne Vorbehalt erfolgt sei. Er hat an bi« Ortsgruppe Wehlau des deutschen Flottenverein» geschrieben, seine Entscheidung sei abhängig von >er Erisilluna gewisser Zusicherungen iN Berlin. Durch die Annahme der bekanntes Resolution in Danzig (daß der Verein national- politisch sei) sei ein wichtig« Hinderungsgrun» ür die Uedeimahme des Postens beseitigt worden« Mit den „Zusicherungen in Berlin" sieht etn< Audienz, die Fürst Salm beim Kais« in Kies hatte, offenbar in Zusammenhang.
ns. Im Prozeß Eulenburg wurde nach bef Vernehmung des Angeklagten gestern Justizrat Bernstein vernommen, um üb« die Eidesleistungen des Fürsten in den beiden Prozessen Moltke- Harden und Brand Auskunft zu geben. Sein» Vernehmung dauerte Aber 2 Stunden. Alsdann wurde d«" Referendar Frankenburg als Zeug» vernommen, der in dem zweiten Prozesse Mottke- Harden daS Protokoll geführt hatte. Stach ein« kleinen Pause äuß«te sich ber Angeklagte übe» die Aussagen deS Justizrate« Bernstein; babd soll es zu sehr heftig« Szenen gekommen fern«
= Zum Fall Bernhard kommt nunmehr die kaum noch überraschende Mitteilung, baß Prosesior Ludwig Bernhard beim Minister un» seine Entlassung eingekommen ist. — Bernhard ist bekanntlich gegen den Willen d« zu- stSndigm Faktoren d« Berlin« Universität zu« Profeffor b« StaatSwifsenfchasten an ber Untt versität in Bniin ernannt worden. <$r sollt» der preußischen Regierung die wissenschaftlich« Grundlage für ihre« Kampf gegen bi« Pol« liefern. . _ _
Eine bessere Beharrdlung der Zeuget» verlangt ein Ettaß, mit dem da» bayerisch» Justizministerium de« vielfache« seelischea Handlungen und materiellen Schädigungen de« Zeugen durch überflüsstge Aufdeckung von Vor« strafen usw. entgegenttitt. D« Erlaß wende» sich zunächst gegen die Hebung, jedem Angeklagte« bet noch so geringfügigen Verfehlungen früh«» Bestrafungen vorzuhallen. Der Erlaß gibt z« bedenken, daß die Preisgabe ein« durch jugendliche Verirrung, Leichtsinn, Not, augenblicklich« Erregung erlittenen früheren Strafe einen An- geklagten empfindlich bloßstellt, ihu um Stellung und Verbimst bringen ob« bei häuslichen Frieq Den» berauben könne. In höherem Maß« noch als bet Angeklagten müsse bei ben Zeugen M unnötige Bloßstellung vermieden werben.
* Verfolgung der unsittlichen Abbildungen D« Minister de» Jnnnn weist in em« Ver- jügung die ihm untergeorbneten Behörden an* d« Verbreitung unsittlich« Photographtech energisch entgegenzutteten und fich von Beschiß nahm« derartig« Erzeugnisse auch dadurch nichtz abhalten lasten, wenn in dem einen oder andnech d« zur gerichtlichen Anzeige gebrachte» Fäll« ein, Freisprechung «folgen sollte. _
x Die Anarchie an den österreich. Hochschulen.
Der Hochschulstteit in Oesterreich ist au einem beispiellosen Skandal ausgewachsen. Die Mehrzaol der christlichsozialen Abgeordneten war entschlossen, wegen der vom Unterrtchtsmmlster bewiesenen Hinterhaltigkett das Unterrichtsbudget abzulehnen. Darauf ging der kranke Führer der Partei, Dr. Lueger, mit mehreren Frak- tionsgenossen zum Ministerpräsidenten und fragte diesen, ob er endlich den katholischen Studenten an den Hochschulen die Gleichberechtigung b^bur- gen wolle. Ministerpräsident v. Beck gab bte feierliche Zusage, daß die Vergewaltigun- gen der katholischen Studenten aufhoren soll- ien. Darauf bewilligte die christlichsoziale Partei das Unterrichtsbudget, aber schon am folgenden tage, am Samstag vergangener Woche, wurden in Graz und Wien abermals tue katholischen Studenten unter den Augen der akademisch e n Be h L r d e n und der Polizei b l u t t g geschlagen und in pöbelhaftester Weise beschimpft.
DaS ist denn doch mehr, als bte österreichische Gutmütigkeit vertragen kann. Graf Thun hat im Herrenhause namens der Konservativen erklärt, daß seine Partei diese ständigen Herausforderungen der katholischen Bevölkerung nicht länger ertragen könne. Der Ministerpräsident «mahnte zur „Geduld" und erklärte, ihm fehle der Mut, einen Kultur- kampf hsraufzubqschwörvn. (!) Er warnte vor einer Energie, dre den Kamps noch verschärfe. Nur keine Energie der Ungeduld, die schon so viele Wunden geschlagen habe. Ge- gegenüber der „Furie des konfessionellen Kam- ^Mft diesen Betrachtungen will Frhr. v. Beck die schwächliche und schwankende Haltung der Regierung in der Wahrmund-Angelegenheit r ech t- fertigen. Er meint, es sei zum allgemeinen Besten doch eine erträgliche Lösung gefunden worden, indem „nicht das Schutzmittel vollster Energie angewendet wurde".
Mit der „erträglichen Losung" ist es nicht weit her. Die Versetzung des Schmähbroschuren- Professors Wahrmund von Innsbruck nach Prag ist an sich feine „Lösung". Sie kann höchstens bann zum guten Ende führen, wenn Wahrmund von der Berufung nach Prag keinen tatsächlichen Gebrauch macht, d. 6. von der Ausübung seiner Profesiur absteht. Was bisher zur Milderung des Konfliktes erreicht worden ist, nämlich bte Einwilligung Wahrmunds zur vorläufigen Einstellung feiner Tätigkeit in Innsbruck und ferner Abmabniing vor weit«em Streik — das ist nicht der , geduldigen" Energielosigkeit d« Regierung zu verdanken, sondern vielmehr dem energischen Wort des Kaisers Franz Joseph, der das Ende des .Skandals" verlangte und bte mit den gewalttätigen liberalen Studenten zusammen arbeitenden Rektoren eine „nette Gesellschaft nannte. ,
Ja zu dem ernsten Eingreifen gegen das Treiben Wahrmunds und feiner Freun^ Ware e8 auch nicht gekommen, wenn nicht die T l r o I er Bevölkerung die Energie der Tat gezeigt und die „geduldige" Regierung wenigstens zu halben Maßregeln gezwungen hätte.
Frhr. von Beck redete so, als ob es sich um die Freiheit der Wissenschaft handelt und um die Frage, ob die katholischen Dogmen einen Polizei- schütz gebrauchten. Unsinn. Es handelt sich um die Frage, ob die religiösen Gefühle der großen Mehrzahl der Bevölkerung sich maßlose Beschimpf-
der Wegelagerer. Schließlich gelang e« den zu Hilfe kommenden Wachleuten, dte Meng« — hundert gegen bTtt Dir z,ReichSpo^"meldet ein hübsche« Stückchen von Profeffor Haberlandt. Al« das anderthalb Dutzend katholischer Studenten am Samstag m der Universität mit Stöcken, Schlagringen Ochsenziemern überfallen und durch Stunden hindurch eingeschloflen war, brachten nach Verhandlungen mit den Angreifern Prosesior Haberlandt und der Rektor Hildebrand die Nachricht-, „Sie dürfen die Kappen aufbehalten tmd in Farben abziehen. Die deutsche Smdent-uschaft h-U ihr E h r e n w o r t gegeben, es ges^edt nichts. AI« trotzdem die katholischen Studenten überfallen worden waren, - wa« tat nach dieser ehrlosen Hängung, deren er Zeuge war, Profeffor Haberlmtdtt Er er- klärt» den deutichsreistnnige» Student« in dnet sofort am Platze gehaltenen Rede: „Ihr habt Euch tapfer benommen! Den Sieg "°bt Ihr davongetragen!
Und später: „Noch einmal, Ihr habt Recht gehabt, Ihr habt Euch tapfer benommen; ich bin vollständig einverstanden mit dem, wa« Ihr getan habt!"
Es handelt sich in Oesterreich jetzt um bte Frage, ob die christliche Intelligenz in Oesterreich der Gleichberechtigung b«aubt werden darf ober nicht. Wir wüßten nicht, wozu 96 christlichsoziale Abgeordnete ins Parlament entsandt worden wa- rett, wenn diese Frage noch lange ungelöst blei- ben müßte. __________ _
Sohne aus. . . .
D« Colonel stieg tn den Wagen, wo seine Söhne und seine Tochter bereits Platz genommen hatten, und gleich daraus fuhr der Wagen ab.
Sir Harry ging in die Bibliothek zurück, während Brander und Ella in das Gesellschafts- limmer zurückkehrten, wo sie ihren Platz am F-nster wieder entnahmen, Brander in der Absicht, feinen unterbrochenen Angriff auf Ellas Herz sortzu setzen.
XVII.
Die Verlobung
Die Tage vergingen ruhig für Brander. Kein Zweifel, kein Verdacht, daß er nicht der wirkliche Erbe von Harrington Hall war,, stieg in Str Harry oder in Ella auf. Durch seine Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit gewann er Aller Herzen und Sir Harry blickte mit väterlicher Liebe und mit Stolz auf ihn. Ella errötete unter feinen Blicken; sie war sehr schüchtern und vermied baber ein Alleinsein mit ihm geflifientlich.
Doch Brander ließ sich dadurch nicht abschrek- ken; er kannte die Eigentümlichkeiten ber Frauen zu gut und sah mit Recht Ellas Schüchternheit als ein günstiges Zeichen für seine Bewerbungen an. Er hatte ihr noch keinen bestimmten Antrag gemacht, hatte ihr abermals feine Liebe gestanden, hatte auch schon einigemale daS entscheidende Wort auf d« Zunge gehabt, aber ein geheimnisvolles Etwas hinderte ihn, dasselbe auSzusprechen.
Obgleich sich bisher alles so günstig für ihn gestaltet batte, obgleich et feine Position zu Har-
Deutsches Reich.
Q Zar «nb Kaiser. Zu ben Gerüchten, der Katier werde mit dem Zaren zusarnmentresfen, meldet das Bureau Reut« auS Pei«Sburg, daß stats« Wilhelm ben Wunsch aussprach, ben Ministerpräsidenten Stolypin zu sehen, falls eine Zusammenkunft zwischen ihm unb bem Zaren zustande komme. Gestern hieß ei, daß die kaiserlichen Yachten „Standart" unb „Polarstern , die mit hunderten von elektrischen Lampen für Jüuminationszwecke »«sehen wurden, nach den finnischen Gewässern abgehen werden. Die .Petersburger Zeitung bezeichnet Hapsal alS den Ort deS Zusammentreffens der beiden Monarchen.
* Der Kaiser an den Grafen Zeppelin. Der Kaiser sandte noch gestern abend an den Grafen Zeppelin ein herzliches Glückwunschtelegramm, indem er die gelungene Dauerfahrt als den Beginn ein« neuen nationalen lat begrüßt.
* Die Ratifikationsurkunden des Nordsee- Abkommens find von den Vertretern all« beteiligten Staaten im Auswärtigen Amt nieder- gelegt worden. ,
* Die neue Artilleriestatton uns«« Marine Sonderdurg in SchleSwig-Holstein hat am Mittwoch ihren Betrieb ausgenommen. Staat»- iefretär v. Trrpitz besichtigte die Station.
* Offizierswahl tmd Konfession. Wie ein Blatt berichtet, sei in diesen Tagen ein königlich« Erlaß an die Kommandostellen «gangen, daß bei den Wahlen zum Offizier keine Rücksicht auf die Konfession des Aspiranten genommen werden darf. Da er nur zwei christliche Kon- fessionen gibt, würde eS sich also um eine neue Betonung ihr« Gleichberechtigung handeln.
Im Flottenverein bildet den kritischen Punkt zur Zeit die Person des Fürsten Salm. Dies« ehemalige Erste Präsident, ber dem System Keim seinen Namen geliehen hatte, war tn Danzig des lieben Friedens halb« der Form nach wiederaewählt worden, aber unter der Voraussetzung, daß er nach dieser „Genugtuung' selbst die Wahl ablehnen werde.. Um das zu verstehen zu geben, wurde sofort ein ander« Erster Präsident für den Fall des Verzichtes des Fürsten Salm gewählt, nämlich Großadmiral a.
schlug er seinen Rockkragen auf, drückte den Hut tiefer in die Stirn, damit er nicht so leicht erkannt werden sollte, und trat bann vor das Schalter der Briefausgabe, wo er mit verstellter Stimme nach einem Briese mit bet Adresse an
Huldaer W Zeitung
Wk u fltubniderd ta Selb«
monakdellage: „zuldaer Seschichkblatter Serusprecher Ur. 9.
John Burlington fragte.
Ter gewünschte Brief war angekommen. Brander nahm ihn und steckte ihn in seine Rock- tasche. Auf der Straße angekommen, fiel thm ein kleines Kaffeehaus auf; er ging hinein und bestellte einige Erfrischungen unb setzte sich an ’ der Ecke, um ungestört seinen können, dessen Inhalt folgendes