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erscheint täglich mit Ausnahme der $o.m« «ndZeiertage. viertel­jährlich« vezugsprei, ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda so- Wie auswärts 1.50 IRL verontw. Redakteur r

Larl Schütte;

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Z.p«zeke"in?ul'da. Wochenbeilager .Illustrierte Sonntagrzeitung"

Monatsbellage: „Zuldaer GeschichtsblSttek"

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Rotationsdruckund Verlag der Zuldaer Ak- tiendruckrrei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

"B

Fulda, Mittwoch den 1. Juli 1908.

JV3 148.

35. Jahrgang.

Irveites Mtalt.

Mr i>as dritte LmMI nehmen fortwährend alle Postanstalten, Landbriefträger, Zeitungsträger und die Expedition (Harmonie) Bestellungen auf die .Fuldaer Zeitung' zum Preise von L50 Mark (ohne Be­stellgeld und Bringerlohn) entgegen.

Deutscher Reich.

(*) Neber die Schifffahrtsabgaben sind sich die Regierungen immer noch nicht einig. Dieser Tage fand auf Veranlassung der preußischen Re- Sierung wiederum eine Konferenz in Bingen statt, ie indes ergebnislos verlief. Man kam zu keinem Entschluß und vertagte schließlich die Weiterbe­ratung der Frage auf den Herbst.

d München, 29. Juni 1908. In der Ab­geordnetenkammer zogen die Liberalen mächtig gegen die klösterlichen Mädchenschulen vom Leder. Dabei faselten sie allerhand von Privilegien, die diese Anstalten angeblich haben sollten. Gefragt, welches denn diese Privilegien seien, konnten sie keine nennen! Kultusminister Dr. v. Wehner sagte ihnen mit Recht, wenn man fordere, daß den klösterlichen Anstalten die Privi­legien entzogen werden sollten, so möge man diese bezeichnen. Er kenne keine. Die Vorschriften für die weltlichen und klösterlichen Anstalten seien dieselben. Es stellte sich dann heraus, daß die Liberalen unter den Privilegien angebliche „Miß­stände" verstanden, die sie, ohne Anstalten und Quelle zu nennen, vorbrachten. Die Abgg. Dr. Pichler und Dr. Schädler sprachen deshalb von Pauschal-Verdächtigungen und verlangten energisch von den Liberalen einen reinlichen Kampf. Dr. Müller (lib.) wich zurück mit dem Bemerken, seine Gewährsmänner würden, wenn er sie nenne, boykottiert. Faule Ausreden!

volkswirtschaftlicher und Sozialer.

* Köln, 30. Juni 1908. Nach dreitägiger Ver­handlung in Köln wurde eine aus allen Teilen Deutschlands stark besuchte Versammlung der Tabakberussgenossenschaft und des Tabakvereins mit dec Annahme einer Resolution geschlossen, toorht ernste Bestrebungen zur Verbesserung des deutschen Tabakbaues seitens der Regie­rungen der Einzelstaaten des Reiches und nach­haltige Förderung vorsichtiger Tabakbauversuche in den deutschen Schutzgebieten durch das Reichs­kolonialamt dringend wünschenswert erklärt wer­den. Weiterhin sprach sich die Versammlung ein­stimmig gegen jede Mehrbelastung des Ta­baks aus.

Aus dem Nachbargebiet.

— Schwarzbach, 29. Juni 1908. Seit dem 15. d. Mts. ist in Schwarzbach (Fulda-Tann) eine

P o st a g e n t u r errichtet worden. Sie umfaßt außer Schwarzbach die Ortschaften Forstbaus, Sandberg, Langenberg, Mahlerts, Obernüst, Wallings, Gott­hards und Kermes. Von Bieberstein aus verkehrt täglich eine Fahrpost.

* Schlitz, 28. Juni 1908. Dieser Tage fand eine Bereisung der projektierten Eisenbahn­linie AlSfeld-Hersfeld mit Abzweigung nach Schlitz durch die Herren Finauzminister Gnauth. Ministerialrat Süffert und Oberbaurat Kilian statt. Nach Besichtigung des Geländes bei Alsfeld fuhren die Herren in Begleitung des Herrn Kreisrats Hölzinger über Schwarz, Gre­benau nach Jossa und dann das Fulda- und Schlitztal aufwärts.

* Frankfurt a. M., 29. Juni 1908. Als ein Lastautomobil der hiesigen Bürgerbrauerei gestern abend gegen 6 Uhr leer von dem Krieger- fest in Ruppertshain (Taunus) zurückkehrte, stiegen zwanzig Personen ein, um mitzufahren. An einer Kurve schlug das Automobil um, wobei drei Personen getötet und mehrere schwer verletzt wurden. Der Führer des Automobils hatte die Ausflügler, ehe sie einstiegen, darauf aufmerksam gemacht, daß sie auf ihr eigenes Risiko mitführen. Immerhin ist durch gericht­liche Vernehmung festgestellt worden, daß der Führer des verunglückten Automobils an der abschüssigen Stelle eine erhöhte Geschwindigkeit eingeschaltet haben soll. Als er merkte, daß das Automobil ins Rutschen kam, versuchte er zu bremsen, doch war es schon zu spät. DaS Be- finden einiger Schwerverletzten in Höchst gibt zu Bedenken Anlaß.

* Lispenhausen, 28. Juni 1908. Der auf dem hiesigen Rittergute beschäftigte Arbeiter Vögel war auf einer Wiese, die an die Fulda grenzt, mit Heuwenden mittelst eines Heuwenders be­schäftigt. Als er dicht am Ufer der Fulda ent­lang fuhr, bekanr die Maschine das Uebergewicht und stürzte in den Fluß, das Pferd und den auf dem Heuwender sitzenden Arbeiter mit sich ziehend. Das Pferd ertrank, der Arbeiter konnte sich retten.

* Kassel, 30 Juni 1908. Ein Bravour- stückchen hat am Samstag abend ein 16jäbri- ges Mädchen gleistet. Es sprang von der Höhe des Rondels hinter dem Justizpalast, schwamm mit kräftigen Stößen durch die Fulda und tauchte auch mit Erfolg nach einem verlorenen Armband. Die tollkühne Schwimmerin mußte jedoch ihre Kräfte überschätzt haben, denn sie wurde ziemlich erschöpft oberhalb der Fuldabrücke ans Land ge­zogen.

vermischtes.

* Der Kampf gegen das Glücksspiel in Bel­gien. Im Kursaale in Ostende, wo, ungeachtet der Verurteilung des Kurdirektors Marquet wegen Gestattung unerlaubter Glücksspiele, dessen Prozeß übrigens gegenwärtig in der Berufungs­instanz schwebt, die Spielsäle wieder Eröffnet waren, erschien in der Nacht zum Sonntag die Staatsanwaltschaft und legte Beschlag auf die 50,000 Frank betragenden Einsätze .unterzog sämtliche Spieler einem eingehenden Verhör und versiegelte schließlich die Spielsäle. Dieses ener­gische Vorgehen der Behörde verursachte großes Aufsehen.

* Die Pferdrrotzinfektion. Der Professor Dr. Lucksch, der sich bekanntlich in Czernowitz mit Pferderotzbazillen ansteckte, traf mit Frau und Töchterchen und Dienstmädchen in besonderem

Wagen in Wien ein. Von Aerzten und Wärtern in Kautschukmänteln und mit essigsäuregetränk­ten Schwämmen vor dem Mund wurden die An­gekommenen in das Jnfektionsspital gebracht. Die Frau des der Infektion erlegenen Assistenten Arnoscht soll sich auch infiziert haben.

* Kaiser Wilhelm der Große". Wie aus Bub­litz berichtet wird, hat der Kaiser nun doch die Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals ge­nehmigt. Die beanstandete Sockelinschrift, die nach dem Wunsche des Kaisers „Kaiser Wilhelm der Große" lauten soll, soll nachträglich abge­ändert werden. Bei der Enthüllung wurde der Sockel durch eine eiserne Tafel mit der gewünsch­ten Inschrift verdeckt.

* Hundert Menschen ertrunken, lieber die russische Stadt Alexandropol ging ein Wolken­bruch nieder, dem eine Ueberschwemmung folgte. Reißende Ströme ergoßen sich von den Bergen in die Stadt. Ueber hundert Menschen sind er­trunken.

* Vom Untergang der „Larache" an der West­küste Spaniens werden schreckliche Einzelheiten bekannt. Im Augenblick der Katastrophe brach eine furchtbare Panik aus und ein wilder Kampf um die Rettungsgürtel. Ein Passagier, der zwei Rettungsgürtel erbeutet hatte, weigerte sich, einen davon abzugeben. Später wurde seine Leiche mit beiden Rettungsgürteln angeschwemmt. Mehr als Vierzig Passagiere, die sich unter Teck befanden, konnten, weil das Schiff auf der Seite lag, das Teck nicht erreichen und ihr fürchter­liches Geschrei erhöhte die Schrecken der Szene. Sie ertranken wie Ratten in der Falle. Frauen an Deck hielten ihre Kinder umklammert und suchten nach Rettungsgllrteln für die Kleinen. In dem Augenblick, wo die „Larache" von dem Felsen abglitt, um in die Tiefe zu sinken.kämpf- ten Männer und Frauen verzweifelt um Bruch­stücke eines der zerschmetterten Boote. Die Un­glücklichen versuchten sogar, Planken aus dem Deck zu reißen. Einigen Leuten der Mannschaft gelang es, ein Boot ins Wasser zu bringen und den Kapitän, der von der Brücke gefallen war, aufzufischen. Er war kaum in das Boot gebracht worden, als er mit dem Rufe „Ich sterbe; Adieu meine Frau, Adieu meine Kinder" ins Wasser sprang. Der Verzweiflungskampf an Bord war so heftig, daß sich die Leute gegenseitig die Klei­der vom Leibe rissen. Die Fischer von Muros zogen ihre Röcke aus, um die Geretteten zu klei­den. Ein Schiffskellner rettete sich auf einem Brett, das mit Nägeln bedeckt war; er ist furcht­bar zilgerichtet. Zwei brave Fischer, welche in ihrem kleinen Boot zu Hilfe eilten, sanken mit dem von Rettungsuchenden überfüllten Boot.

Literarisches.

Kommentar zu dem Dekrete über die Form der Verlöbnisse und der Eheschließung vorn 2. August 1907. Von Dr. Karst, Domvikar, Limburg a. d. L. Verlag der Limburger Vereinsdruckerei. Preis 80 -j.

Mit Ostern d. I. ist das Dekret „Ne fernere" vom 2. Aug. v I., worin unser hl. Vater Pius X. dem dringenden Bedürfnis nach einer den heuti­gen Verhältnissen entsprechenden Ehegesehgebung entgegengekommen ist, in Kraft getreten. — Die Gauptbestimmungen des Dekretes werden in der Schrift namentlich mit Rücksicht auf die prak­tischen Bedürfnisse der Seelsorge eingehend er­läutert. Was das Werkchen besonders empfeh­lenswert macht, ist der Umstand, daß es auch die allerneuesten Entscheidungen berücksichtigt, was in früheren ähnlichen Publikationen nicht ge­schehen konnte.

Kurzer Getreide-Wochenbericht der preisberichtsstelle des deutschen c-mdwirtschaftsrats vom 25.-29- Juni 1908.

Die meist widersprechenden Nachrichten über die Aussichten der Ernte lassen die Lage immer noch ziemlich undurchsichtig erscheinen. In Ame­rika bewirkten ermäßigte Schätzungen für Win­terweizen eine mäßige Erholung, doch schien man die ungünstigere Auffassung nicht allgemein zu teilen. In die landwirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands gestatten die vorliegenden Meldungen keinen genauen Einblick, immerhin deutet die Zurückhaltung der dortigen Exporteure darauf­hin, daß man die Wirkung der vor acht Tagen gemeldeten Niederschläge überschätzt zu haben scheint. Aehnlichen Vermutungen begegnet man auch in den Berichten Rumäniens. Dagegen sprechen die Preisrückgänge an der Budapester Börse dafür, daß man dort zu einer etwas zu­versichtlicheren Beurteilung der Ernteaussichten gelangt ist. In Deutschland hat die überwiegend trockene Witterung das Aussehen der Sommer- Halmfrüchte weiter verschlechtert, aber auch neuer- dings für Roggen Befürchtungen erweckt, indem sich stellenweise Zeichen vorzeitiger Reife bemerk­bar machen. Wenn sich in der Berichtswoche auch keine größeren Preisveränderungen ergaben, so machte sich int Zusammenhang mit den geschil­derten Verhältnissen immerhin eine etwas festere Stimmung geltend, die sich auf dem Berliner Markte durch etwas stärkeres Interesse für Herbstlieserung seitens der Provinz zum Aus­druck brachte. Das Warengeschätf hat demgegen­über seinen schleppenden Charakter beibehalten, und darauf war es auch zurückzuführen, daß für Juli-Lieferung meist mehr Abgeber als Käufer zu finden waren. Im übrigen lag Weizen weni­ger fest als Roggen, wobei namentlich das Fehlen" von russischen Angeboten neuer Ernte und die Möglichkeit eines stärkeren Exportes seitens Deutschlands in Betracht gezogen wurde. Auch ist es noch nicht klar, wie sich bei dem bestehenden Mangel an kontraktlicher Ware die Abwickelung der Juli-Verpflichtungen gestalten wird. Der Hasermarkt hat infolge der erwähnten Befürch­tungen zuletzt -ein wesentlich festeres Aussehen angenommen, indem sich die Provinz in ihren Anstellungen zurückhaltender zeigte, während der Konsum stellenweise etwas mehr Neigung zu An­schaffungen kundgab, dabei aber für geringere Qualitäten nur niedrige Preise anlegte Im Sie- fernngsgeschäft bestand vorwiegend Interesse für Herbstsicht, deren Wert um 5 M angezogen hat. In Filttergerste lag von Rußland mäßiges Ange­bot zu höheren Preisen vor. Für Mais wurden erhöhte Forderungen bewilligt.

Es stellte., sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-)-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist wie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 212 (— 3 ) 172 (— 5 ) 158 (+ 3 )

Berlin 213 (— 2 ) 184 (— 2 ) 177 (+ 2 )

Hamburg 208 189 175

Düsseldorf 208 192 (+ 2 ) 165 (— 1 )

Frankfurt 210 198 178 (+ 8 )

München 223 193 178

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 210.29 (— 1.50), September 194.25, Budapest Oktober 184.50 (- 1190), Paris Juni 177.70 (+ 1.60), Liverpool Juli 159.65 (— 0.90), Chicago Juli 131.20 (—1.70), Roggen: Berlin Juli 189.50 (—1.00), September 179.00 (-j- 2.25), Hafer: Berlin Juli 163.00 -s- 1L5), September 164.00 (+ 5.00) Mark per 1000 Kilogramm.

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