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Carl Schütter
Z.parzeller in Fulda. wsch-nbe«ag-: „Illustrierte Sonntagrzeitung"
Zeitung
mouatrbeSage: „§uldaer Geschichtsbläiter"
Anzeigen: vir du» spaltige Petitzeile oder deren Raum ISPfg. Rcklamendiepetitzeile 25 Pfg., bei wieder- Holungen wird entspr.
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RotationrdrnSund Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.
M 147
Fulda, Dienstag den 30. Juni 1908.
35. Jahrgang.
Deutscher Reich.
* Die Nordlaudreise des Kaisers wird noch vor Ablauf der ersten Juliwoche beginnen und daun den Rest der Monats Juli ausfüllen. — Nach der Meldung der Londoner Daily Graphic wird Kaiser Wilhelm ungefähr am 8. August von Norwegen durückkehren, und man erwarte, daß er mit König Eduard auf besten Reise nach Marienbad zu- sammentreffen werde.
l , (*) Der Bundesrat genehmigte mehrere Aeinere Entwürfe. Unter anderem fand Annahme die Vorlage betreffend die Erhebung von Wechsel- und Scheckprotesten durch die Postverwaltung und der Entwurf einer Verordnung über die Ktasteneinteilung der Mili- lärbeamten deS Reichsheeres und der Marine, wer _ Vorlage wegen Zulassung von Börsen- ^rmingeschüsten in Anteilen von Bergwerks» und Fabrikunternehmungen wurden zugestrmmt.
----- Der neue Ansiedelungspräsident ist nunmehr in der Person des derzeitigen Regierungspräsidenten in Allenstein, Dr. Gramsch, ernannt worden. Bekanntlich hat man das Ausscheiden des bisherigen Präsidenten Blomeyer auS dem Dienste der Ansiedelungskommisston mit dem von allen Parteien gewünschtm und auch von der Regierung versprochenen Wechsel in dem ganzen Verfahren der Ansiedelungskommission in Zusammenhang gebracht. Dr. Gramsch ist auf dem Gebiete bet inneren Kolonisation ein unbeschriebenes
Zweites Mtcrtt.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
4 Sitzung vom 27. Juni 1908.
Das Abgeordnetenhaus wählte das bisherige Präsidium, v. Kröcher, Porsch und Krause, wieder. Die Sozialdemokraten hatten vor der Wahl den Saal verlassen. Nachdem noch die Schriftführer und drei Mitglieder der statistischen 8entralfommiffion gewählt worden waren, trat bas Haus in die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. Gewährung von Vorschüssen an pedürfti ge evangelische Geistliche bin.
Kultusminister Dr. Holle empfahl es dringend jur Annahme.
l Abg. Dr. Wiemer (fr. Vp.) erklärte sich gegen sie Vorlage, für die ein dringendes Bedürfnis licht vorhanden sei und die eine ungerechtfertigte öevorzugung der Geistlichen von den anderen Beamten enthalte.
i Abg. Dr. Winckler (kons.) bestritt dies und Empfahl das Gesetz zur Annahme.
t Abg. Ströbel (Soz.) bekämpfte die Vorlage aus prinzipiellen und praktischen Gründen. Als fer begann, längere Ausschnitte vorzulesen, unter- brach ihn der Präsident mit den Worten, er wolle fhn im eigenen Interesse darauf aufmerksam ma- roeit, daß er durch zu langes Vorlesen die Aufmerksamkeit des Hauses nicht verscherze.
Finanzminister v. Rheinbaben meint, die von »er Sozialdemokratie gerühmte Nächstenliebe »ersage da, wo der einzelne sich dem Despotismus »er Sozialdemokratie beuge. Bei den letzten Wahlen habe die Sozialdemokratie wieder einen «chlinimen Terrorismus ausgeübt.
SIbg. Hackenberg (nl.) tritt für die Vorlage km. Die übrigen Beamten hätten bereits Zulagen bekommen, die Geistlichen aber noch nicht. , In ähnlicher Weise spricht auch Abg. Iber- puff (ftk.).
i Der Entwurf wird in 1. und 2. Lesung ange- ftommen.
Die nächste Sitzung findet Dienstag statt, woselbst dann die 3. Lesung des Entwurfs borge- pommen werden soll.
Blatt. Er begann seine Karriere als Landrat in Braunsberg (Ostpreußen), war dann Oberregie- rungSral und stellvertretender Regierungspräsident in Königsberg. Zu Beginn dieses Jahres wurde er Regierungspräsident in Allenstein.
* „Parität!" Der Erml Ztg. wird ans Reichen« berg geschrieben: »Obgleich die evangelische Schule in Pomehren, die gegenwärtig noch unbesetzt ist, von 18 katholischen Kindern und nur einem evangelischen Kinde besucht wird, hat die königliche Regierung die dreimalige Wahl von katholischen Schnlvorflandsmitgliedern beanstandet und die mcht gewählten evangelischen Besitzer Herbst und Thurau zu SchuloorstandSmttgliedern ernannt."
s. Der sozialdemokratische Gewerkschaftskongreß in Hamburg beschäftigte sich am letzten Kongreßtage mit der Frage der Jugendorganisation. Er hält die Förderung der Bildungsbestrebungen der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, insbesondere der Einführung in die polstische und gewerkschaftliche Tätigkeit für eine wichtige Aufgabe der Arbeiterklaffen. Es erscheint ihm aber nicht die Bildung einer besonderen Jugendorganisation erforderlich, vielmehr sollm die Gewerkschaften für ihre jungen Mitglieder und Berufsangehörigen in besonderen unentgeltlichen Veranstaltungen die Bildung und Erziehung der Jugend im sozialdemokratischen Sinne fördern.
Ausland.
* Kaiser Franz Joseph hatte am Freitag eine Begegnung mit der eumberländischen Herzogs-Familie. Auf seiner Reise nach dem Bad Ischl brachten dem Kaiser das mecklenburgische GroßheyogS-Paar, die eumberländische Herzogs- Familie und die Prinzessin Maria Luise von Baden mit ihren Kindern eine Huldigung bar auf dem Bahnhofe von Gmunden. Der Kaiser flieg aus und begrüßte die Herrschaften. Auch Prinz Ernst August von Cumberland, der zum ersten Male in der Uniform des bayerischen schweren Reiter-Regimentes sich zeigte, war zugegen. Nach einem Aufenthalte von 10 Minuten fuhr der Kaiser unter lebhaften Ovationen des Publikums weiter.
* Der russische Reichsrat genehmigte mit 1t 3 gegen 35 Stimmen die für den Bau von vier neuen Panzerschiffen nötigen Kredite, welche die Reichs- buma abgelehnt hat.
*„ Gegen Castro den Präsidenten von Ben^uela zieht sich ein neues Ungewitter zusammen. Bekanntlich soll Venezuela kürzlich zwei h o Hä ndi sch eSchi ff e beschlagnahmthaben. Holland kündigt deshalb nunmehr eine Flottendemonstration gegen Venezuela an. Die Holländer hoffen, daß die anderen Mächte, welche mit Castro abrechnen müssen, der Demonstration sich anschließen werden. Auch Präsident Roosevelt scheint es jetzt müde geworden zu sein, beständig Vorstellungen bei Castro zu machen, der allen Forderungen gegenüber die vollkommenste Gleichgiltigkeit zeigt. Es war weder zu erreichen, daß Castro die Bekämpfung der Pest in den Häfen ernstlich in Angriff nahm, noch die Erfüllung der finanziellen Verpflichtungen gegenüber amerikanischen Staatsbürgern auch nur zusagte. Man häll es daher augenblicklich für das Beste, nicht etwa zu einer Zwangsaktion zu schreiten, sondern zunächst Castro und sein Land sich selbst zu überlasten. Der amerikanische Geschäftsträger wurde aus Venezuela abberufen.
* Aufständische Mexikaner haben am Freitag LoS Vaca- angegriffen. Die Garnison leistete hartnäckigen Wrderstand. Gegen 40 bis 50 Personen fielen auf beiden Seiten. Die Offiziersquartiere wurden nieder gebrannt.
Kleines Feuilleton.
— Der kommende Mann in den Vereinigten Staaten. Taft wirb Präsident! Das ist, nachdem der Konvent in Chicago ihn zum republikanischen Kandidaten proklamiert hat, so gut wie sicher; Taft, der Weltreisende, Taft, der „geniale Sekretär", Taft, der „Riese", wird Präsident! Ein Riese ist Tast in jeder Beziehung. In seiner Jugend aber traute man ihm nicht viel zu, wie folgende Geschichte aus seiner Jugend, während er am Male-Kollege studierte, beweist. Taft hatte gerade als Neuling die Universität bezogen und sollte sich natürlich als Neuling von den Steiferen viel gefallen lassen. Das tat er aber nicht, sondern er wagte es, gegen die älteren Burschen zu opponieren. So wanderte er eines Tages, Arm in Arm mit seinem Freunde Pigott, die Elmstreet hinauf, natürlich auf dem reinlich gehaltenen Fußweg, während auf dem Fahrweg eine Dicke Schicht von Schlamm lag. Ein halbes Du- ßd älterer Studenten forderte ihn, sobald sie sahen, auf, wie es sich gehöre, im Schmutz zu gehen, und ihnen den Fußweg zu überlassen. Tast aber ging seelenruhig weiter, und als die 6 Burschen versuchten, ihrem Befehle mit Gewalt Geltung zu verschaffen, war das Ende vorn Liede, daß Taft Arm in Arm mit seinem Freunde Pigott auf dem reinlich gehaltenen Fußwege weiter- ftmnderte, während die 6 Burschen im Schmutz Jagen 1 Da sahen sie denn ein, daß gegen eine joldje „Lokomotive" nichts zu machen sei und er- kannten künftig seine Überlegenheit an. Seitdem ist Tast natürlich an Leib und Seele gewach- jen, besonders am Leibe, zum großen Ergötzen sei
nes Söhnchens Charlie, der jüngst Gelegenheit hatte, ein Urteil über die Leibesfülle seines Vaters abzugeben. Während des Sommeraufent- halleS in Murray Bay wollte Charlies Schwester nicht mit ihm Tennis spielen, sodaß er in Tränen ausbrach. Taft senior erbot sich zum Spiel, um ihn zu trösten. Charlie aber sagte hocherfreut: „Da werde ich wohl Prügel bekommen, denn wenn ich dich spielen sehe, muß ich lachen." Tafts Dicke ist für die Unbeteiligten natürlich etwas Lächerliches; die Beteiligten spielen dabei eine höchst traurige Rolle, und die Beteiligten sind — die Pferde, auf deren Rücken Taft den Truppen- manövern beiwohnt. So ist es fein Wunder, daß Tast während der Manöver Telegramme empfängt, die sich nach dem Befinden des Pferdes erkundigen. Man sieht auch in amerikanischen Witzblättern Karrikaturen, die den künftigen Präsidenten hoch zu Roß darstellen. Das Pferd aber sieht feinen Reiter mit jammervoller Miene an und ruft dabei: „Warum nehmen Sie nicht lieber ein Auto?" Selbst im fernen China ist Tast als gewichtige Perfon anerkannt: Beweis: Ein Vertrag mit dem chinesischen Tischler Au-Wo, der eine Sänfte für die Dauer seines Aufenthalts in China stellte, die „den amerikanischen Riefen, den achtungswerten SBiliam H. Taft", tragen sollte. Es wurde ausdrücklich ausgemacht, daß die Chierftangen mit Metall zu beschlagen seien: die Deichseln sollten doppelt so dick wie gewöhnlich fein, und wo sonst dünne Stricke verwendet werden, sollten sHvere Schiffstaue angebracht werden. Der Preis, der 5 Dollar betrug, sollte nur bann bezahlt werden, wenn die Sänfte während der Benutzung sich bewährte, ohv «rfammenzubrechen.
Aus Kirche und Schule.
* Paderborn, 26. Juni 1908. Der um bett Bonifatiusverein hochverdiente Prälat Propst Racke feierte gestern die Vollendung des 80. Lebensjahres.
□ Benutzung von Güterzügen durch Geistliche. Durch Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten sind die Eisenbahndirektionen ermächtigt, Geistlichen und den sie begleitenden Küstern bei eiligen Krankenbesuchen die Mitfahrt in Güter- zügen gegen Lösung von Personenzugkarten 8. Klaffe ohne Erhebung eines Zuschlages zu erlauben, soweit nach Sage der Zugverbindungen eine Notwendigkeit hierzu vorliegt.
* Mittelschullehrer und Rektoren-Prüfung. In den Tagen vom 19. bis zum 25. Juni fand in den Räumen des Kasseler Königl. Provinzial- Schulkollegiums dieMittelschullehrer-Prü- fung statt. Es bestanden die Lehrer Biewener (Frankfurt a. M.), Franke (Homberg), Groß (Schlüchtern), Friedr. Keller (Raffel), Marscheider (Kassel), Pönicke (Frankfurt a. M.), Schölling (Frankfurt a. M.) und Schwarz (Fulda) (?); ferner der Pfarrer und Rektor extr. Wepler (Sontra). Im Anschluß an diese Prüfung fand am 25. und 26. Juni die Rektoren-Prüfung statt. Die Prüfung als Rektor für Volksschulen bestanden die folgenden Lehrer: Engelbert (Frank- furt a. M.), Gödicke (Niederzwehren), Richberg (Kaffe!) und Steuernagel (Dillenburg).
Hessischer Städtetag.
§§ Wanfried, 27. Juni 1908.
II.
Die zweite Tagung am Samstag eröffnete gegen 9 Uhr bet stellvertretende Vorsitzende, Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s-Hanau. Es wurde zunächst beschlossen, eine gemetnfame Tagung des hessischen und nassauischen Städtetages im nächsten Jahre in Biebrich a. Rh. anzubahnen und Vorbereitungen hierzu zu treffen. Für daS Jahr 1910 ist Fulda in Aussicht genommen. Neber die Wichtigkeit und Bedeutung der
A u f st e 11 u ng vo n Bebauungs p^ii neu in mittleren und kleineren Stütz- t en sprach Herr Baurat Schirmcyer- Fulda. Aus der Fülle des interessanten Materials können nur Bruchteile wiedergegeben werden. Die Bedeutung des Bebauungsplanes werde ja heute selbst in den kleinsten Gemeinden durchaus nicht unterschätzt, aber die Praxis lehre, daß mitunter Fehler gemacht werden, die hinterher nicht gutzumachen seien. Der größte Fehler sei die Schabionisierung und das Nachahmen der Fluchtlinien der Großstädte. Nicht mit Un- recht sagt man, daß unsere modernen Großstädte alle in ein und der nämlichen Form gebaut worden sind. In diesen Fehler dürften die mittleren und kleineren Städte nicht verfallen. Diese müssen es sich zur Aufgabe machen, unter allen Umständen der Eigenart des Ortes Rechnung zu tragen. Ohne Frage sei es wichtig ,den Stadt- plan so anzulegen, daß er zunächst den sozialen und wirtschaftlichen BÜmrfnissen der Bewohnerschaft entspricht. Diese Bedürfnisse müssen stets in den Bebauungsplänen erkennbar ausgeprägt fein, die für die Industrie brauchbaren und wichtigen Stadtteile müssen lediglich für deren Zwecke reserviert bleiben und hierbei sei sofort auf Stra- ßenbreite und Tiefe der Grundstücke Bedacht zu nehmen. In der Hauptsache sei auf die Straßenbreite großer Wert zu legen, weil ja diese Breite die Höhe der Bauten regelt und überhaupt einschneidende Bedeutung für die Entwickelung der Stadt hat. Auf die Schönheit der Stadt muß natürlich Bedacht genommen werden, man wird für Schaffung von Plätzen schon im Bebauungsplan Sorge nehmen und bestehende Plätze möglichst zu vergrößern suchen, falls die Bebauung noch nicht in Angriff genommen ift Auch für eine ausgedehnte Bepflanzung der Straßen und Plätze fei Sorge zu tragen, überall aber muffe man sich bemühen, der Eigenart der Altstadt gerecht zu werden und nicht lediglich gerader Linienführung wegen das alte, oft wunderhübsche Stadtbild zerstören. (Lebhafter Beifall.) — Der zweite Berichterstatter, Herr Stadtlandmesser G r o l l-Hexsfeld, legte dar, welchen Wert auf eine sorgsam vorbereitete, grundlegende
Bermeffungsarbeit gelegt werden müsse, denn es fei iur chaus notwendig, daß der Bebauungsplan aus einem Guß erscheine, daß vom Großen ins Kleine gearbeitet werde. Dabei fei es durchaus zweckmäßig, einheitlich vorzugehen. Für mittlere und kleinere Städte empfehle es sich, in keinem Fall einen Fluchtlinienplan anzulegen, der über das Bedürfnis der nächsten 40—50 Jahre hinausgehe. Um das erreichen zu können, werde es immer gut fein, gründliche Landmesserarbeit zu fordern. Man laste das städtische zu Bebauungszwecken in den nächsten 50 Jahren in Frage kommende Gelände sorgsam aufnehmen und eintragen, durch örtliche Besichtigungen laste man Nachprüfungen vornehmen und mache es sich überhaupt zum Grundsätze, mit dem Baumeister und Landmesser zusannnenzuarbeiten, indem man die Arbeiten des Landmessers durch den Baumestter nachprüfen und dabei namentlich auf die geschichtlichen Straßen Wert legen läßt, die man nach Möglichkeit immer ganz unverändert lasten sollte. Ebenso muß gleich bei diesen Ausnahmen durch den Landmesser festgelegt werden, welche Ausblicke geschont werden sollen. Das Ideal eines Bebaimngsplanes sei die Anlage von einem rings um die Stadt führenden Baumgürtel, die sich fast immer ohne besondere Kosten und Schwierigkeiten schaffen läßtz Man braucht ;« diesem
Zwecke nur die außerhalb der Stadt führenden Wege mit schattenspenden Bäumen fchon zu einer Zeit zu bepflanzen, in der die Bautätigkeit erst ihren Anfang genommen hat. Man wisse ja, daß bis zur völligen Bebauung auswärtsliegen- der Straßen oft 50 Jahre und mehr vergehen und in dieser Zeit fei eine prächtige, schattenspendende Allee geschaffen. Die Bepflanzung der Bäume müsse indes mindestens 8 Meter von den Haus» reihen entfernt geschehen, weil sonst die Hausbesitzer wegen zu starker Beschattung der Grundstücke auf Entfernung der Bäume dringen konnten.
Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u 8-.Hanau schloß nunmehr mit den üblichen Dankesworten den 19. hessischen Städtetag mit einem Hoch auf die Stadt Wanfried.
Aus dem Nachbargebiet.
* Vacha, 27. Juni 1908. Im Vachaer Forst wird seit kurzem auf Veranlassung einer Firmq in Schmalkalden wieder die Köhlerei betrieben und zwar zur Beschaffung von Holzkohlen fflt die Hochöfen bei Schmalkalden, wozu die Eisenerze in der Nähe genannter Stadt gewonnen werden. . :
* Schlüchtern, 27. Juni 1908. Ein in der Scheune des Landwirts Mich. Jos. Mangold in Salz ausgebrochenes Feuer gewann rasch an Ausdehnung, sodaß in wenigen Stunden sieben Scheunen nebst Nebengebäuden ein Raub der Flammen wurden. Stark beschädigt wurden auch zwei Wohnhäuser, eine Menge Geflügel ist mit verbrannt.
* Frankfurt a. M., 27. Juni 1908. Ein seltsames Urteil ist dieser Tage hier gesällh worden. Der Tatbestand ist folgender: Die siebenzehnjährige Therese Bauer hatte auf Ge<^ heiß ihres Zuhälters Starkmann einen jungen Mann angelockt und ihm die Börse abgenommen, während der Zuhälter ihn packte und niederwarf. Beide standen wegen Raube- vor dem Schwurgericht, mußten aber freigesprochen werden, weil die Geschworenen bei dem Zuhälter die Schuld- frage auf Wegnahme der Börse, bei der Bauer die Frage, ob sie die zur Erkenntnis der «Straf« barfett erforderliche Einsicht besessen habe, verneinten. j
* Offenbach, 27. Juni 1908. Die Eisen- bahnverwaltung ist dem Gedanken nähergetreten, den Hauptbahnhof Offenbach um etwa 1000 Meter in südlicher Richtung zu v erlegen. Sie1 Handelskammer hat die Ausführung dieses Pro-^ jekts dringend befürwortet. Die Stadtverordneten sollen nun ebenfalls ihr Gutachten abgeben. Die Debatte hierüber kam in der letzten Sitzung! nicht zum Schluß; die Ausführung der geplanten Verlegung erscheint gesichert.
* Witzenhausen, 27. Juni 1908. Zwischen Eichenberg und Witzenhausen stürzte ein Paffagiep aus dem Zug. Rottenarbeiter nahmen sich des augenscheinlich schwer verletzten ManneS an. f
* Merzhausen, (Kr. Ziegenhain,) 27. Juni 1908. Es hat eine energische Bewegung eingesetzt, um zwischen Willingshausen, Wasenberg und Treysas eine Personen-Fahrpostverbindung her- zustellen. Man hofft, daß die an die Königliche Oberpostdirektion in Cassel eingesandten Eingaben baldigen Ersolg haben werden.
* Bad Nauheim, 27. Juni 1908. DeE Chef des ostastaüschen Geschwaders im russisch^ japanischen Kriege Admiral RostjestwenSks, ist auS Petersburg zur Kur hier eingetroffen. ‘
* Aus Rheinhessen, 26. Juni 1908. Bet dem 21jährigen Maurer Lüdgen aus Appenheim wurde ärztlichersettS bei der Musterung festgestellt, daß dar Herz an der rechten Brust- feite gelegen ist. Der junge Mann, bei also das Herz auf dem „rechten Fleck" hat, wurde zur Infanterie ausgehoben.
• «u8 Rheinhessen, 26. Ium 1908. Anfang Juli trifft eine größere Anzahl französisches Landwirt» in Neustadt ein, um die deutsch» Landwirtschaft, ihre Einrichtungen und Gepflogenheiten, wie auch die Erfolge der verschiedenen Ackerbausysteme zu saldieren. Boy Neustadt au» werden die größeren GutShöfe bet Pfalz besichtigt werden, dann von Mainz atti die rheinheflischen Güter und von Frankfurt a. M. wird die Wetterau besucht werden. Die Landwirte kehren, nachdem sie daS Moselgebiet bereist, über Trier in ihre Heimat zurück.
* Mainz, 27. Juni 1908. Der Großmetzger Nuß Hag, der schon in allen Mainzer Sor«. orten Filialen mit billigeren Fleischspeisen besttzt, wollte auch in Groß-Gerau eine Filiale errichten. Als die bärtigen Metzger dies erfuhren, taten sie sich zusammen und zahlten dem lästigen Konkurrenten 600 Mark Abstandsgeld.
Reklamen- und Anzeigenteil.
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