W
M
^^^^^^^^^^^:„8^^^aerSesch^chMAter^^
35. Jahrgang.
Fulda, Samstag den 27. Juni 1908.
146
W1 JiYJTff v» «Sf fpdHgtpditjtUecbd Ims le* 11 Pfg. LeLaxsdirprrrtzcüß 25 Pffc, Id Wiebe« gelangen wirt eutspch Kaiart -avLtzri.
WchÄtMNchM Xgk W <
Ausnahme der §o.m< M HA- A « H Bk jA AA
Ä«bFeiertage.Wertei» A W /W
jährliche'? verugrpreir B B B fl M fl |flW|
ohneBringerlohnund BP B B | fi «H | W
vestellgeldinZuIdaso. ^Bk l| B BfK| Bk. M
Weausro5rt$1.50mt
verantw. Hebattewrt Bl Jy
Sarirchätte;
Älß. w»chmr-ll°g-- Illustrierte Zomltagszewng"
Die Eatfbabn des Papstes Pias* X
wse-aS Dorf Riese zwischen den Städten Treviso und Vincenza ist die Stätte, in der am 2. Juni 1835 der Papst geboren und Tag» darauf auf den Namen Jos^>h Melchior getauft wurde. Sein Vater war ein armer, aber gottesfürchtiger Mann, besten Besitztum in einem Häuschen, einem Fdde und einer Kuh bestand; er machte zugleich den Post- und Gemeindediener, um der Familie dm Unterhalt zu verschaffen. Joseph war der Erstgeborene der zahlreichen Famrlie und schon in der Volksschule ein so lernbegieriger Schüler, daß der Lehrer von ihm sagte: „er habe einen guten Kopf, der es noch einmal zu etwas bringen könne." Der Pfarrer von Rlese, der edle Fusarini, bereitete deshalb dm hoch- talentierten Joseph für das Gymnasium vor und gab ihm lateinischen Unterricht. Zu Castelfranco am Gymnasium begann er seine Studienzeit. Von Riefe nach Castelftanco mußte er täglich, ein Stück Brot oder Polenta in der Tasche, zu Fuß wandern. Heber Mittag blieb er in Castelfranco, wo er einen Freitisch hatte. Schon das erste Studienzeugnis wie« die besten Noten auf. Im 16. Lebensjahre kam er ins Seminar zu Padua, wo Gymnasium und Theologie unter einem Dache vereinigt sind. Unter 39 Schülern behielt er immer dm ersten Platz und am Schluffe des Gymnasiums wurde ihm ein ausgezeichnetes Zeugnis ausgestellt.
Am 18. September 1858 wurde er in Castelfranco zum Priester geweiht. Die erste hl. Meffe des nmge- weihtm Priesters war für seinen Heimatsort Riese ein
Freudentag. Seine Mutter, feine sechs Schwestrn und der Bruder Angelo umstandm in ihrer ländlich n Tracht den Altar, das Herz voll Glückseligkeit, die ‘.oigen voll Tränen. Auch der alte Pfarrer von Riefe, ^.om Fusarini, hatte das Glück, biefen Tag noch erleben zu dürfen; er weinte Freudmtränm bei der Primiz.
Obwohl noch jung an Jahrm, wurde Joseph Sarto doch alsbaw in der Seelsorge verwendet. Er wurde Kaplan in Tombolo, einem klemm, ruhigen Orte, der zwischen grünen Hügeln wie ein Nest eingebettet liegt. Die Sauern gewannen ihren jungen Kaplan bald lieb, und auch für die benachbarten Dörfer war er bald die Zuflucht derer, welche Rat und Hilfe in Seelen- und Leibesnot nötig hatten. Er war liebenswürdig, feelm- und arbeitseifrig und widmete sich mit großem Eifer der Erfüllung seiner Berufspflichtm. Er war mit feltener Gewissenhaftigkeit und Unermüdlichkeit tätig. Man rühmte an ihm die erstaunliche Arbeitskraft und sein Talmt, etwas anzuordnm und zu orgcmisierm.
Noch als der Kaplan Bischof geworden war, nannten ihn die Bewohner von Tombolo „unfern Herrn Kaplan", ein Zeichen, wie er ihnen ans Herz gewachsen war. Neun Jahre war Joseph Melchior Sarto Kaplan, im Ium 1867 erfolgte die Ernennung zum Pfarrer von Salzano. Hier begann er auch seine soziale Tätigkeit durch Gründung einer ländlichen Kaffe, um das materielle Jntereffe der Bauern zu heben. Die Wohltätigkeit, das Almosen- geben übte er selbst m höchstem Maße, dm Armm und Hilfsbedürftigen stand das Pfarrhaus bei Tag und Nacht offen. Er selbst war von einer staunenswerten Bedürfnislosigkeit. Im Jahre 1870, als die Cholera in Italien
auSgebrochm war, bewährte sich der Pfarrer als em wahrer Priester nach dem Herzm Gottes. Zu ben Tröstungen der heiligen Religion spendete er in ben Krankenstuben Wäsche und Speisen. Was er besaß, gab er ben armm Kranken und er mußte oft selbst Hunger leiden. *
In seiner Wohltätigkeit und Selbstlosigkeit ging er so weit, daß er seinen Wagen und fern armseliges Rößlein verkaufte, um seine Schulden bezahlen zu können, die er hatte machen müssen, um einer notleidenden Familie zu helfen. Ein andere- Mal mußte er int Pfandhause in Treviso feinen Ring versetzen, um einer unglücklichen Bauernfamilie helfen zu könnm. Der Wohltätigkeits- sinn Sartos war sprichwörtlich.
SartoS Wirken als Dorfgeistlicher dauerte bi» 1875. Der Bischof von Treviso erkannte die vorzüglichm (Eigen» schäften Sartos und erhob chn zum Domherrn. Der neue Kanoniker trat zu dieser Zeit in fein 40. Lebensjahr, von jetzt ab ging feine Laufbahn rasch bergauf, immerhin m der Stille. Er wurde bald bischöflicher Beirat, dann Gmeralvikar.
Das Jahr 1884 brachte eine entscheidende Wendung in feiner Laufbahn. Der Bischofssitz zu Mantua war verwaist. Zwischen der Regierung und dem Klerus warm Streitigkeiten auSgebrochm, Prozeffe und Verfolgungen warm an der Tagesordnung. Es bedurfte da eines Mannes, der nebm großer Religiosität eine ruhige Ueberlegung, eine sichere Hand besaß. Man wählte Sarto. Die italimtsche Regierung machte keine Schwierigkeiten. Mitten in einer Bevölkerung, von der ein großer Teil Nichtkatholiken (Israeliten) oder Kirchen»
■4 Zum
Goldenen priester-Iubiläum 8r. Heiligkeit Papst Pius X.
'sttär
Hin Festtag naht sich dem katholischen Erdkrei» Von dm Türmm rauscht der Glockm Sang über Berg und Tal, um den Freudmtag anzukünden, und wenn am Jubeltage selbst auf ben Zinnen der Peterskirche der Strahl der Morgm- sonne glüht, bann grüßen Millionen und Abermillionm den Priesterjubilar auf Petri Thron mit froher Begeisterung, ihm huldigend in Liebe und Verträum.
Die katholische Welt gedenkt der Wiederkehr des Tages, an dem vor 50 Jahren Pius X. die hl. Priesterweihe empfing.
50 Jahre Priestertum I Wie mag da» Ange deS Hohepriesters auf dem Throne Petri sich fmchtm in mächtiger Mhrung, wmn er gedenkt des Tages, da er am einfachen Altäre feines Heimatsdorfes Riefe das erste hl. Meßopfer feierte, wenn er gedenkt der Zeit stillen Wirkens, da er als junger Priester in Tombolo und Salzano weilte und schlicht, fromm und unverdrossen hn Weinberge des Herrn arbeitete, Trost und Hilfe bringenb, Heil und Segen verbreitmd.
Seine Pfarrkinder, die ihn innig verehrtm wegen seiner Herzensgüte, seiner Hilfsbereitschaft, seiner Frömmigkeit, sie habm damals nicht ahnm könnm, zu welcher hohen Würde ihn der Herr dereinst berufm werde. Damals der Seelenhirt armer Dörfler, heute der Völker- Hirt, zu dem von einem Ende der Erde zum anbern bie Katholiken aller Länber in tiefster Verehrung auf» schäum!
In ben fünf Jahren feines Pontifikats hat Pius X. gezeigt, baß er sich in bie glänzende Reihe der Fürsten auf dem 'erhabensten Thron der Welt würdig einfügt und sie noch besonders ziert durch seine Eigmart. Er war nicht Nuntius gewefm, überhaupt in der Zmtral- verwaltung der Kirche nicht tätig gewesen. Aus einfacher Bauernfamilie stammend, hat er die gleichmäßig voransteigende Laufbahn des Priester-, Domherm, Generalvikars, Bischofs, Kardinals und Patriarchen durchgemacht. Ein aus dm breitet Schichten des Volke- hervorgegangener Geistlicher, der ohne alle äußerm Hilf-rnittel ober Zufälle nur wegen feiner Tugenden unb Fähigkeiten im seelsorglichen Amte von Stufe zu Stufe zu Höherem auffteigt und endlich zum Höchsten berufen wurde I Man hat aus seiner Nichtteilnahme am vatikanischen Verwaltungsorganismus die Befürchtung herleitm wollm.
daß ihm die politische Schulung und diplomatische Er- fahrung fehle. Aber wie schnell und sicher hat er sich in die Verhältnisse seines erhabenm Wirkungskreises hineingefunden, sich al- Mann von Selbständigkeit im Urteilm und im Handeln bewährt.
Die Abstammung Papst Piu- X. aus einer Familie einfachen Standes, derm Angehörige noch jetzt in be» scheidmm Stellungen wacker ihr tägliches Brot verdienen, hat dem Nachfolger der Arbeiterpapstes Leo XM. einen schönen Hintergrund gegeben. In dem weltumspannenden Organismus der katholischm Kirche kommt das demokra- tische Prinzip — in seinem guten Sinn verstanden — herrlich zur Geltung, indem dort, wie selten sonst in der Welt, dem Niedriggebormm der Weg bis zum Höchstm frei steht; nicht Verwandtschaft und Besitz, sondern die persönliche Tüchtigkeit geben dm Ausschlag bei der Berufung in die kirchlichen Ämter. PiuS X., der aus den einfachsten Verhältnissen stammt und in feiner Lebensweise sehr einfach gebliebm ist, konnte und kann unmittelbar aus dem Leben, au» eigener Erfahrung schöpfen, um die erhabene Mission des Papsttums und der Kirche fortzuführen.
Die Richtung, in der er das Schifflein der Kirche führen will, hat er m dm ersten Worten, die er vom Stuhle des hl. Petrys an die katholische Welt gerichtet hat, klar gekmnzeichnet: die (Erneuerung der menschlichen Gesellschaft in Christus. Mit flammenden Wortm und in einer Eindringlichkeit, die ben mächtigsten Eindruck bei allen Katholiken des Erdkreises machte, hat er in jener Enzyklika die Notwendigkeit klargestellt, alle Kräfte deS Glaubens und der Frömmigkeit vereint einzusetzm gegm dm fortschreitenden Unglauben und die damit zusammen- hängmde Erschütterung der gesellschaftlichm Ordnung. Diesem Programm ist der hl. Vater treu geblieben. In allen seinen Ansprachen und seinen Schreiben wird das religiöse Mommt in besonderer Weise betont Leo XIII. war der große Staatsmann, der dem Apostolffchm Stuhle eine moralische Macht in der ganzm zivilisierten Welt erobert hat, mit der keine noch so große wellliche Macht verglichm werben kann. Pius X. übersteht keineswegs bie politischen Fragen, aber vor allem ist er Seelsorger. Was ihm als Kaplan, als Pfarrer, als Bischof unb als Patriarch am nächsten gelegen, das übt er auch jetzt auf dem Throne Petri: Seelsorge. Vorn seelsorglichm Eifer
getrieben hat er Reformen emgeleitet, bie bie vielen Werke bes tatmreichm Pontifikats Leos XM. ergänzm; eine Reihe von Verwaltungsmaßregeln, Vereinfachung ber vatikanischen Hofhaltung, Amdenmg ber Kongregationen, zeigen feinen praktischen Blick; als Schützer unb Verteidiger bes Glaubens offenbart er sich vor allem in feiner Enzyklika gegen dm Modernismus, worin er die unwandel- baren Wahrheiten Gottes gegm die Wirrsale be» Zweifel» unb bie drängenden Mächte ber Verneinung festigt. Man hat glaubm machm wollen, PiuS X. habe dm Katholiken verwehren wollen, die Kulturermngenschastm unserer Zeit sich anzueignm. Das ift keineswegs der Fall. Er hat uns geradezu aufgefordert, die Wahrheit zu suchm auch in dm irdischen Wissenschaften; wovor er warnt, ist alles Neue, das sich Kultur und Wiffenschast nennt, unbesehen als Wahrheit hinzunehmen; er will, daß wir das Vergängliche und Falsche scheiden von den unverrück« baren Wahrheiten, deren Hüter die Kirche ist.
So zeigt sich Pius X. als der Seelsorgerpapst, der un» von der Vorsehung in einer Zett der Kämpfe gegm ben Glauben, der Abkehr großer Maffm von dem Licht ber göttlichen Wahrheit gegeben ift, als ein ignis ardens, eine Seele, bie in heiligem Eifer brennt, die Mmschhett zu Gott zurückzuführen.
Groß ist das Reich, deffm Regierung die göttliche Vorsehung ihrem Dimer Pius X. anvertraut hat, um- spannend alle Telle der (Erbe. Millionen Untertanen beugen sich seinem Worte. Kein Großer biefer (Erbe kann sich rühmen, burch Weisheit, Gerechttgkeit unb Güte bie Herzm seiner Untertanen so an sich fesseln zu können, als wie trme, katholische Christen an ihrem geistlichen Oberhaupte hängen. Aber groß wie bie Würde be» hl. Vaters, ist auch die Last, die auf feinen Schultern ruht. Wenn darum die Katholikm des weiten Erdenrundes die innigsten Wünsche, die ihnm die Begeisterung, Anhänglichkeit und unerschütterliche Liebe eingibt, dem Stellvertreter Gottes auf Petri Stuhl entgegenbringen, bann erheben sie zugleich ihre Hände zum Himmel unb bitten ben Höchsten, daß er bie Fülle feiner ©nabengaben auch weiter auf ben hl. Vater Pius X. hmabsmkm möge.
Gott regne, schätzt und erhalle not» viele 3abrt unrern bl. Vater Papst Pius X.i