35. Jahrgang
Fulda, Donnerstag den 25. IM 1908.
JI0 144.
•*>7
erfahrt tLzlich mit Auruahme der §o.m- ««-Leiertage. vierte!- jährlicher vezugrpreir ohne vringerlohn und veKeSgeld in Zulda sowie aurwärtr!.S0M.
verant». Sedaktrurr Lar! Schütter
»»»«i-en: Vie ete» fpaMge Petitzeile oder deren Raum 1» Pfg. Rellmaeudlepttitzeile 25 Pft-, bei wieder» Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Rotation, druckund Verlag der Fuldaer A!»
gelüstet werden müssen, dann werden wir sehen. War die Junggesellensteuer betrifft, so steht sie schon seit langem aus dem Wunsch, zettel einiger Finanzpolitiker. Wir fürchten nur, daß sie zur Gesundung der Reichsfinanzen nicht genügt. Vielleicht war die Erwähnung dieser Steuer auch nur scherzhaft gemeint.
Der falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
(Nachdruck verbot«»).
befohlen, dem Unglücklichen kein Haar zu krüm- men. Ich will nur, daß er von meinem Grunde und von mir selbst fern bleibt."
„Er wird kaum blödsinnig genug sein," ent* gegnete Nelly in sarkastischem Tone, „um wieder- zukommen, nachdem er sich von Ihrer Gastfreundschaft überzeugt hat."
Mit diesen Worten trat Nelly wieder ms Zimmer zurück.
Etwa eine halbe Stunde später erschienen Vitus und der Kutscher, welche ihrem Herrn Bericht erstatteten. Gildon ließ den Ersteren zur Be- wachung Les Hauses und -er Terrasie zurück und verschwand in dem Orangenwäldchen.
Eine Stunde später kam auch Geftrey wieder. Nelly trat auf den Balkon und beugte sich weit über die Ballustrade.
Nun? fragte sie mit leiser Stimme, aber hastig und begierig. „Warst Du auf dem Fel-
Miß Nelly," erwiderto Geffrey eben- falls lcrse, damit Vitus seine Worte nicht hören möge. „Master Brander ist wohlbehalten dort angekommen. Die Leute waren nicht hart gegen ihn; aber sie haben Mrs. Vicrni gesagt, daß sie etwas bester auf ihn achten und nicht wieder fortlasten sollen, sonst würde er in ein Jrrenyaus gebracht werden."
Nelly's Augen flammten vor Entrüstung.
„£, dies« Hartherzigkeit!" murmelte Nelly, dann fugte sie etwas lauter hinzu: „Wie ertrug es Mr. Brander, daß ich nicht zu ihm kommen konnte?"
_ war ganz trostlos, Miß Nelly! Er konnte g» mcht begreifen. Traurig saß er auf einem -r-mund starrte über das Meer hin, indem er i^en Namen rief. Weder Mrs. 52* konnten ihn beruhigen: auf alle antwortete er nur mit dem Ruf:
Nelly l"
zusEk^^?reßte hem Mädchen das Herz küduxki«. au«« fun.
„Sie werden einem so harmlosen Menschen tme er ist, kein Leid zufiigen," antwortete MrS. ^ebb beruhigend.
..Es ist ihnen schon zuzutrauen," sagte Nelly. „Ich habe gesehen, wie Vitus einen armen Vogel quälte^ der durch Zufall m seine Hände geriet. Er ist zu ieder Tat fähig. Warum dachte ich doch nicht früher daran!"
Sie öffnete das Fenster und trat auf den Balkon. Mr. Gildon saß auf einer Bank auf der Terrasse, wahrscheinlich um während der Abwesenheit seines Dieners dessen Posten zu versehen. Als Nelly auf dem Balkon erschien, erhob er sich und machte eine tiefe Berbeugung.
„Nun, meine Liebe," sagte er, „haben Sie sich ckum Nachgeben entschlossen? Wünschen Sie, daß Ich zu Ihnen kouuue?" _
oxch habe kein Verlangen nach Ihnen, ant- wartete Nelly kalt: „denn ich habe ^nugvon Ihnen gesehen, Mr. Gildon. Wo L GArey?
Bei Nennung seines Namens erschien Geffrey, welch« unter dem Balkon stand.
„Geffrey", sagte das Mädchen rchch^ .wohm haben Vitus und der Kutscher den armen Mr. Braiider gebracht?" ~ . .
„Zurück »nach dem Hause der Fra» Viklm, ..Gc^rhnen nach, Geffrey. J4 ?°A*er"auch *6 sie ihn anständig behandeln und °b « auch tvttkttch wieder cm Mrs. Vrcnn adgenesert wird." . , . •«
Geffrey eiste den Befehl seiner Herrm s-glerch vuszuführen. .
„De» Weg hätte» Sie dem Burschen könne». Miß Nelly, wenn Sie sich Frage an mich gewandt hätten," sprach j.Der Blödsinnige ist sicher, denn ich habe Vitus
Deutsches Reich.
(*) Der Kaiser wohnte am Dienstag in BrunSbttttelkoog der Segelregatta bei und verteilte abends die Preise an die Sieger. Der Preisverteilung folgte ein Diner. Am Mittwoch früh begann oie Fahrt durch den Kanal nach Kiel.
* Ins Herrenhaus berufen wurde auf LebenSzest der Landeshauptmann a. D. Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Dr.Klein in Bonn.
(*) Die Marinestudienkommission vereinigte sich am DienSlag abend in Wilhelmshaven zu einem Abschiedseffen im Osfizierskasino.
* Bei der goldenen Hochzeitsfeier des früheren Reichsta gsprüsideut en Grafen Ballestrem am Dienstag erschien unter einer großen Zahl von Gratulanten der schlesische Oberpräsident von Zedlitz und überreichte im Namen des Kaiser? unter herzlichen Glückwünschen die goldene Ehejubiläumsmedaille. Abends fand ein Fackelzug von 1800 Mann der Belegschaft statt. Graf Ballestrem verlas hierbei eine Urkunde, wonach er ein Bergmannserholungsheim in ZiegenhalS stiftet.
— Eulenburg und die Polenpolitik. Aus Anlaß der Eulenburg-Affaire teilt jetzt der ,Ro« land von Berlin* in seiner Nummer vom Tiens- tag mit, daß Fürst Eulenburg in Wien den bekannten Polensührer v. Koscielski, unter dem Warnen „Admiralski" bekannt, seinerzeit aus der Umgebung Kaffer Wilhelms n. gedrängt habe, um allein auf den Monarchen Einfluß ausüben zu können. Die damals viel erörterte Rede, d:e Koscielski in Lemberg gehalten hatte, fei nämlich dem Kaffer durch den Botschafter Grafen Eulenburg in so entstellter Form übermittelt worden, daß der Kaiser Wilhelm an ihr hätte Anstoß nehmen müssen. Eulenburg- Einfluß wäre damals so groß gewesen, daß all' die Bemühungen des polnischen Führers an der Hand des Stenogramms, seinen früheren Gönner aufzu- klären, nutzlos gewesen wären. Bekanntlich datiert auch von dieser Zeit an die verhängnisvolle Wen- dung unserer Polenpolitik, als deren eigentlichen Bater man demnach Fürst Eulenburg zu betrachten habe.
* Besteht eine Gefahr für den Weltfrieden? Die Wiener ,'Jleue Freie Presse' hat an eine Reihe hervorragender englischer, französischer und ruifischer Persönlichkeiten die Frage gerichtet, ob nach ihrer Meinung eine Gefahr für den Well- frieden bestehe. Unter den eingelausenen Ant- worten ist besonders interessant diejenige des fran^! fischen Dichters Octave Mirbeau. Er schreibt:
Ich glaube nicht an den Krieg, wenigstens nicht an den europäischen Krieg. Und zwar aus den ver- schiedensten ausgezeichneten Gründen, die hier au?-. einanderrnsetze» nicht am Platze wäre: erstens wirtschaftliche Unmöglichkeit, die sich ans einem vollständigen Stillstand des nationalen Lebens ergeben würde: dann ein gesundes Mißtrauen, welches Könige, Kaiser und Republik gegen ihre Armeen und Flotten hegen. Die Furcht vor dem Antimilitarismus ist für Staatsoberhäupter und Heerführer der Beginn der
s Der Kaiser über die Reichs- finanzresorm.
Dkr Kaiser hat in Brunsbüttelkoog, wo er am DienStag abend die Preisverteilung an die sieg- Zeichen Jachten vornahm, wiederum eine Rede gehalten, die verschiedene politische Anspielungen enthält. Sein Toast nach der Begrüßungsrede deS Hamburger Oberbürgermeisters Dr. Bur- chard, der für eine Vertiefung und Verbreiterung des Fahrwassers der Elbe ein getreten war, war zunächst dem Segelsport gewidmet. Ster der .Kaiser kam dabei auch auf die — Reichsfinanz- Reform zu sprechen. Er meinte nämlich:
„Ich kann mir wohl denken, daß in der Mitte der lSportsleute, die heute hier auf dem Wasser sich ge- tummett haben, so manche- weife Haupt sitzt, dessen Denken und Arbeiten nicht nur für ihn, sein HauS und seine Reederei, sondern auch für das Deutsche Reich Und das deutsche Volk von Nutzen ist und in dem Gedanken Raum finden mögen über die Zukunft unseres Vaterlandes, soweit ste seine so wichtige finanzielle Ordnung betrifft. Nun, meine Herren, die Bast- ist gelegt, die Pläne sind aufgestellt und das hamburgische Blut, daß in den Adern unsere- ausgezeichneten und hochverehrten Kanzler- stießt, wird Ihnen garantieren, daß der Aufbau für die Reich-- sinanzreform rationell gesund und für das Reich zweckdienlich sein wird. Der Mann, der ihm zur Seite steht, verdient Ihr volles Vertrauen und da» des VatA-lande». Was geplant ist, muß noch Geheimnis bleiben und darf nicht gesagt werben. Vielleicht rann, wenn ich den Schleier etwas lüsten soll, für die- jenigeu, die nicht verheiratet find, eine Junggesellen steuer zum Vorschein komme»: bestimmt ist es aber noch nicht. (Große Heiterkeit.)
Stflxum gedachte der Kaiser noch einmal der In Hamburg verlebten herrlichen Tage und fuhr fort:
Ich möchte noch einmal hier, wo so viele ©am« fburger versammelt sind, auf einem Hamburg« Schiffe, auch von meiner Seite aus versichern, wie tief ergriffe» ich gewesen bin von der Haltung bet Bevölkerung und dem Abend auf der Alster. Al» ich mich fragte, wo der Grund für diese Begeisterung liege, ba erscholl spontan, erst allmählich, dann immer mächtiger anfchwellend, unser altes deutsches Sturm» lieb („Deutschland, Deutschland über alles"). Nun wußte ich genug. Meine Herren, ich danke Ihne» dafür. Ich habe Sie verstanden. Es ward« Druck der Freundeshand dem Manne, d« entschlossen seinen Weg geht, und der weiß, daß er Je- manden hinter sich hat, der chn versteht und der ihm helfen will. Die Hamburger und ich wir verstehen uns. Möge der Sport blühen, möge sich der Norddeutsche Regattaverein weiter entwickeln und ebenso der Hamburger Handel unter dem Schutze eines ehrenhaft bewahrten Ariedens, den unser Heer und unsere Marine verbürgen werden.
Die Schlußworte deS Kaisers bilden gewisser- maßen ein Echo der Döberitzer Rede und bestätigen, daß die Lage keineswegs als besonders ruhig anzusehen ist. Die Bemerkungen über die Reichsfinanzreform lassen erkennen, daß den Kaiser und die Regierung die Schaffung neuer Steuereinkünste lebhaft beschäftigen. Das ist allerdings die wichtigste Frage unserer inneren Politik. Die Pläne für die neuen Steuern scheinen nach den Andeutungen des Kaisers im affgemeinen festtuflehen, sie find den einzelnen Bundesregie» tun „en mitgetesst worden. Die Ausarbeitungen im einzelnen soll erst erfolgen, wenn die Bundes- teßicrungen sich geäußert haben. Solange die Einzelheiten der Reichsfinanzreform nicht bekannt sind, kann man nicht prüfen, ob sie wirklich so , -neS, gesund und zweckdienlich" fern wird, > )er Kaiser annimmt und ob Fürst Bülow i hohe Lob, dar der Kaffer ihm erteilt, ver- dient. Nun da- Geheimnis wird ja bald doch
Aufklärung und die Umkehr ihres Hochmuts zur Demut. Heutzutage würde mit einer Kriegserklärung mcht mehr alles gesagt fein. Es mußten auch die Völker ihre Zustimmung geben und die Heere geborgen. Hat sich von diesem Standpunkt aus m Europa nicht einiges geändert? Man sagt uns: .Deutschland braucht Veld. Es braucht Millionen und wieder Millionen, und kann ihrer nur durch den Krieg habhaft werden". Da müßte ihm aber der siegreiche Ausgang des Krieges sicher fein. Bei der heutigen Gruppierung der europäischen Staaten rst gerade nichts unsicherer. Und dann, würde heute ein Sieg nicht mehr kosten als eine Niederlage?
Der alte französische Haudegen, General Galliset antwortet militärisch kurz:
.Mein Herr! Sind die „militätischen" Worte (Die DöberitzerKaiserredes überhaupt gesprochenworden? Ich weiß es nicht. Auf alle Fälle sind sie für ledes andere Land, außer für Deutschland, ungefährlich".
* Wo war bei der Landtagswahl der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie? Die,Kreuzztg/ ift von einigen Stellen befragt worden, wo denn bei diesen Landtagswahlen (be- sonders in Berlin) der an Hilfsmitteln so reiche Reichsverband gegen die Sozialdemokratie geblieben fei? Das konservative Hauplorgan bemerkt dazu: „Wir waren leider nicht imstande, darüber Auskunft zu erteilen." — Wir können dem Blatte mehr verraten; wenn in Berlin es sich um „Ultramontane" und Sozialdemokraten gehandelt hätte, dann wäre der Reichsverband sofort auf dem Kampfplätze erschienen, denn sein Hauptinteresse richtet sich mehr gegen das Zentrum als gegen die Sozialdemokraten. Das haben die letzten Reichstags-Wahlen zur Genüge bestätigt.
♦ Bezieht Graf Hohenau eine Pension? Die „Deutsche Tagesztg." glaubte unlängst ver- sichern zu können, daß der wegen feiner sittlichen Verfehlungen mit Schimpf und Schande aus dem Offizierstande entfernte Graf Hohenau auch feiner Pension verlustig gegangen sei. Nun weist aber die „Germ." nach, daß dem vor Einleitung des ehrengerichtlichen Verfahrens zur Disposition gestellten General die Pension durch den EhrengerichtSfpruch unter keinen Umständen genommen werden kann! Es gibt nur zwei Fälle, in denen eine gültig zuerkannte Pension erlischt und die sind nach § 22 des Militärpensionsgesetzes: Die Wiederanstellung im aktiven Dienst und die rechtskräftige Ver- urteilung zu Zuchthausstrafe wegen Hoch-, Landes-, Kriegsverrats oder wegen Verrats militärifcher Geheimnisse. Graf Hohenau bleibt also ebenso wie Graf Lynar im Genuß der Pension und zwar infolge des Umstandes, daß die Untersuchung, welche den Vorschriften und dem allgemeinen Rechtsempfinden nach vor ihrer Verabschiedung hätte erfolgen müssen, erst nach .erselben unter dem Druck der öffentlichen Meinung in die Wege geleitet worden ist. Infolgedessen haben also die Steuerzahler das Vergnügen, jährlich mehr als 10000 Mk. für den Grafen Hohenau aufzuwenden.
<5 Neber den Bolksverein in Bayern lesen wir in der sozialdemokratischen parteiosfiziellen Wochenschrift ,Die Neue Zeit' (Nr. 36) in einem Artikel über die Organisation der bayerischen Zentrumspartei:
Weiter wird die Werbetätigkeit des Zentrums unterstützt durch den Vocksverein für das kalholttche Deutschland, der insbesondere in der Lieferung von Flugschriften sehr tätig ist. Zu Hunderttausendcn von Exemplaren gehen diese unter das Volk; es gibt wohl kernen Teil des öffentlichen Lebens der Gesetzgebung, der Polrtik und Volkswirtschaft, die von M.-Gladbach
„Armer, armer Ferdinand!" sprach sie mit erstickter Stimme. „Geffrey, Du mußt jeden Tag zu ihm gehen und sehen, tote e8 ihm geht. Vielleicht vergißt er mich, aber wenn daL nicht der Fall ist, mußt Du ihm verständlich zu machen suchen, daß ich nicht kommen kann."
Vitus trat jetzt näher, offenbar in der Absicht, die Unterredung mit anzuhören, weshalb sich Nelly in ihr Zimmer zurückzog. Geffrey trat unter den Balkon, um jederzeit seiner Herrin zur Verfügung zu stehen.
Langsam verstrich der Nachmittag für die junge Gefangene. Sie ging in ihrem Zimmer auf und ab, Pläne zur Flucht entwerfend; aber cs wollte ihr nicht gelingen, einen solchen zu sin- den, der nur einigermaßen Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.
Ihre Lage war jetzt weit schwieriger, als vor ihrer ersten Flucht. Sie war in ihrem Zimmer eingeschlossen, weshalb sie feinerlei Vorbereitungen treffen konnte, sie wurde so bewacht, daß sie, ohne gesehen zu werdeir, das Haus nicht verlassen konnte; und sollte es ihr dennoch gelingen, in einem unbewachten Augenblick zu entkommen, so würde ihre Abwesenheit bald entdeckt werden und man ihr bald auf die Spur kommen. An einen in Palermo wohnenden Engländer konnte sie sich nicht um Beistand wenden, da Gildon vorsichtig genug war, ihr diesen Weg durch Verbreitung jenes nichtswürdigen Gerüchtes gänzlich abzuschneiden.
Und dennoch verlor sie den Mut nicht.
„Ich will die Hoffnung nicht auf^ebenl" rief sie, und ihre Augen leuchteten entschlossen. „Ich bin ihm einmal entronnen, und es wird mir auch zum zweitenmale gelingen, ungeachtet seines großen russischen Hundes und seiner Sklaven. Ich &o6e Geld genug, hinreichend um die Fahrt nach England machen zu können. Mit diesem Gelde und solchen Freunden, wie Du, liebe Margot, und Geffrey, muß es mir gelingen, Mr. Gildon,au entkommen.'
aus nicht in Flugblättern usw. besprochen würde: di» Tätigkeit der Parlamente, die Parteien, die Eozialge« setze die Zoll- und Steuerpolitik, da- Handwerk, der Bauern- und Arbeiterstand, daS Beamtenwesen, Kommunalpolitik und Bildungswesen, Tenoffenfchaftltchrs unb Vereine, Religion und Frauenleben.
Diese Sähe aus Gegnermunde find für beit Volksverein ebenso schmeichelhaft wie sie eine« Beleg dafür bilden, in welch umfassender und v elfeitiger Weise sich der Volksverein der wirtschaftlichen und sozialen Interessen der einzelne« Stände annimmt!
.-. Neber die offiziösen Dementis spotte« mit Recht die Witzblätter. Kürzlich war die ,Nordd. Allg. Zig.' in der Sache mit dem Mainzer Kaiserschloß böS hereingefallen. Sie hatte es rundweg in Abrede gestellt, daß Unterhandlungen wegen deS Aufkaufs des Mainzer Schlosses für den Kaiser stattgefunden haben. Da veröffentlichte ein Mainzer Blatt die Aktenauszüge, aus denen hervorgmg, daß tatsächlich solche Verhandlungen gepflogen wurden. Jetzt schweigt das offiziöse Blatt. Derhöhnt darüber:
„Als die Nachricht in die Presse gelangte, daß vo« hoher Seite der Wunsch geäußert wurde, in Mainz ein kaiserliches Schloß zu besitzen, erklärte die ,Nordd. Alla. Ztg.: „Wir können feststellen, daß eine solche Absicht nicht besteht und auch niemals bestanden hat." Darauf wurde aber nun von Mainz aus die Tatsache berichtet, daß der srühere Bürgermeister und der Finanzansschuß auf Anregung von oben wirklich mtt der Frage beschäftigt waren. Was wird die ,Nordd. Allg. Ztg/ auf diese Mitteilung antworten? Doch nur das etn«: „Wir können feststellen, daß es in Mainz kernen Bürgermeister und keinen Finanzausschuß gibt und beibtf, nie gegeben hat." Sollte auch dieses Dementi tn Mainz wieder richtig gestellt werden, so bleibt bei ,Nordd. Allg. Ztg/ nichts übrig, al- osfiziös zu er- klären: „Wir können seststellen, daß die Stadt Mainz nicht vorhanden ist und auch niemals existiert hat. Es ist möglich, daß man die ,Nordd. Allg. Ztg/ darauf aufmerksam macht, daß die Stadt Mainz dennoch vor-, banden ist. Und dann wird ba» offiziöse Preßorga« sich nicht anders retten können, al- an der Spitze ihre- Blattes offiziös zu melden: „Wir können seststellen^ daß wir nichts seststellen können, noch je in der Laach waren, elwaS seststellen zu können." Dann endlich rvird kein Widerspruch mehr erfolgen."
* Kassel, 24. Juni 1908. Die Kaisen«, trifft am 10. Juli auf Schloß Wilhelm-n höhe zum Sommerausenihalt ein.
* Dortmund, 24. Juni 1908. Die gietung in Arnsberg versagte be« Polea^ vereine« von Dortmunb unb Herne bie Erlaubnis zu einer gemeinschaftlichen Wallfahr^ nach Werl bei Hamm. Im vorigen Jahr» wurde die Pilgerfahrt von der Beseitigung be$ besonderen Kopfbedeckung abhängig gemacht unb in diesem Jahre ist die Genehmigung überhaupt versagt worden.
*M Herne, 24. Juni 1908. Die liberal» Mehrheit im Stadtverordneten-Kollegium hat ihr» Parität wieder einmal im hellsten Lichte er« strahlen lassen. Bei der Wahl eines besoldete« Beigeordneten und zweier MagistratSmitglieder wurden nur Protestanten gewählt. In der allgemeinen städtischen Verwaltung find 32 Beamt«, beschäftigt, von denen 28 evangelisch und nur 4 katholisch find. Die 28 evangelischen Beamte« beziehen durchschnittlich ein Gehalt von 3283 M., die 4 katholischen Beamten durchschnittlich 2375 Mark. In der Polizeioerwaltung gibt eS 39 Beamte, und zwar 30 evangelische unb bloß 9 katholische. Die 30 evangelischen Beamten be». ziehen durchschnittlich 2349 M., bie katholischen durchschnittlich 2113,90 Mark. Noch schreiender tritt die Imparität in der Banverwaltung zu,
„Ich kann bie Möglichkeit noch nicht einsehen. Miß Nelly", entgegnete Mrs. Jepp. „Wenn wir einen Plan entworfen haben, müssen wir Geffrey davon in Kenntnis setzen; und wie kann daS am besten geschehen, ohne daß es Vitus hört?"
„Ich werde ihm einen Zettel hinabwerfe«, wenn es Vitus nicht sieht", antwortete Nelly., „Aber wir wollen uns heute nicht weiter mit der Sache beschäftigen. Meine Gedanken sind ganz bertoirrt von der beständigen Aufregung."
Am anderen Morgen ging Geffrey, dem erhaltenen Auftrage gemäß, nach dem Cap, um sich bei Vicini nach dem unglücklichen Guido Harrington zu erkundigen. Gegen Mittag kehrte er zurück und berichtete seiner Herrin, daß Brander noch untröstlich sei, wie am Tags vorher. Er habe nur wenig gegessen und beständig nach Nelly gerufen.
Der Bericht am zweiten und dritten Tage lautete nicht günstiger. Frau Vicini ließ Nelly bitten, zu ihr zu kommen, wenn sie es möglich machen könne, da sie sich nicht zn raten wisse.
„Und ich kann nicht gehen!" murmelte Nelly. „O, das ist schrecklich!"
Als Geffrey am vierten Morgen seinen Besuch bei den Vicinis wiederholte, sah er bei seiner Ankunft auf dem Cap ein kleines Fahrzeug in einer Bucht liegen, ein Zeichen, daß Vicini, der einige Tage abwesend war, zurückgekehrt sei.
Geffrey ging nach der Stelle, wo Guido gewöhnlich zu fitzen pflegte, und er fand ihn auch daselbst
„Wie geht es Ihnen heute, Mr. Brander?" fragte er teiliwhmend.
Harrington wandte feine trüben Augen nach dem Fragenden nm, blickte ihn eine Werte an und fragte bann:
„Wo fft Nelly?"
„Sie kann nicht kommen, Mr. Brander", atü» »ortete Geffrey.
Gorffetzuna folgt)
Mm W Zeitung
_ x. . ,I2U ttendruckerei inLulda
3.ÄÄ«. woch-MUage: .Mustrierk SoitntagMtmg" „Mdaer Gefchlchtrblatter