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Zweites Wlortt.

M das Dritte Mol nehmen fortwährend alle Postanstalten, Landbriefträger, Zeitungsträger und die Expedition (Harmonie) Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung' zum Preise von 1.50 Mark (ohne Be­stellgeld und Bringerlohn) entgegen.

Neu hinzutretende Abonnenten er­halten die Zeitung vom Tage der Bestellung ab bis Ende Juni gratis.

0 Angestellte und Großindustrie.

In der sozialen Bewegung der Gegenwart wird in -er Regel die Arbeiterklasse in den Vor­dergrund -er sozialen Fürsorgetätlgkeit, gestellt und wohl nicht mit Unrecht, da der Arbeiter auf -er sozialen Stufenleiter zu unterst steht un- allein die Lohnarbeiter in Handel, Industrie und Gewerbe mit ihren Angehörigen fast ein Drittel der Gesamtbevölkemrng ausmacht. ES ist jedoch nicht zu leugnen, daß in dem großen Apparat der nationalen Wirtschaft das so unge­mein wichtige Zwischenglied zwischen Arbeitgeber und Arbeiter, der Privatbeamten st and, in -er sozialen Fürsorgetätigkeit viel zu wenig Berücksichtigung gefunden hat. And der Erhal­tung eines tüchtigen, intelligenten, berufS- und pflichtgetreuen Beanitenstandes ist die nationale Wirtschaft sehr interessiert. Die soziale Lage die- fer Berufsgruppe steht jedoch keineswegs int rich­tigen Verhältnis zu den großen Fortschritten und Erfolgen, welche wir in Deutschland auf kultu­rellem und wirtschaftlichem Gebiete gemacht haben. Ihre Lage ist verhältnismäßig noch trauriger als die der Arbeiter. Stellenlos ge­worden, ist es für sie viel schwieriger, Arbeit zu erlangen, infolgedessen entwickelt sich bei ihnen ein großes Abhängigkeitsverhältnis vom Arbeit­geber, da Stellenlosigkeit gerade für den Privat- beanlten von ganz besonders schweren Folgen be­gleitet ist.

Es mußte darum freudig begrüßt werden, oaß die P r i v a t b e a m t e n begannen, sich zu Organisationen zusammenschließen und sich gegen die soziale Vernachlässigung wehren.

Gegen diese Ungestelltenverbände, in erster Linie gegen den Bund technisch-industrieller Be­amter, hat nun aber der Verband bayerischer M e t a l l i n d u st r i e l l e r vor einigen Tagen in der Gestalt eines vertraulichen Rundschrei- bens eine Kriegserklärung erlassen. Er hat, um diese Verbände lahmzulegen, seine Mit­glieder aufgefordert, die Angestellten, soweit sie Angehörige des genannten technischen Verbandes und von "vier kaufmännischen Oranisationen zu entlassen und neue in Zukunft in ihre Be­triebe nicht mehr einzustellen. Zugleich hat er, was der Frage erst recht ihre Tragweite verleiht, beschlossen, in gleicher Weise mit seiner Ange­legenheit an den Vorstand der deutschen Arbeit­geberverbände heranzutreten.

Die Begründung, mit der der Jndustriellen- Verband sein Aufsehen erregendes Vorgehen be­gleitet hat, verrät — so schreibt die sozial­politische Korrespondenz des katholischen Volks- Vereins — ganz und gar den patriarcha­lischen Fabrikvater. Man stößt sich daran, daß

Die Kaninchenzucht.

Schon des öfteren brachte die „Fuldaer Zei­tung" kürzere oder längere Notizen, über die Kaninchenzucht. Diese Abteilung der Kleintierzucht ist keineswegs minderwertig und ohne Bedeutung. Man legt Gewicht auf die Geflügelzucht, die Bienenzucht u. der gl.; ebenso wichtig und wertvoll halte ich auch die Kanin­chen z u ch t. Für den kleinen Mann ist sie eine wichtige Einnahmequelle für Küche und Kasse, aber auch der mittlere Beamte beschäftigt sich aus gleichem Grunde gerne mit ihr und ich kenne Herren in höheren Berufen, Lie aus Kstrzweil Und zur Beobachtung und zum Studium sich Ka­ninchen zugelegt haben. Doch wie oben gesagt, ist für den kleinen Mann und mittleren Beamten die Kaninchenzucht von Wichtigkeit. Bei den teuren Fleischprcisen haben sie in dieser Zucht die Möglichkeit und Leichtigkeit, für geringe Auslagen allwöchentlich einen und auch mehrere saftige Braten für sich und die Ihrigen billig zu besä,affen: dabei steht dieses Fleisch wegen seines hohen Nährwertes dem besten anderen Fleische gleich. Ich kenne ein Dorf, in welchem jährlich gut an 2000 Kaninchen verzehrt werden. Neh­men wir jedes ausgeschlachtete Tier nur 3 Pfund schwer an, so gibt das schon ein Schlachtgewicht hon 60 Zentner Fleisch.

Dabei ist die Haltung und Pflege keineswegs so schwierig. Freilich darf man nicht nach dem alten Schlendrian handeln und die Zuchttiere und ihre Nachkommen in einem dumpfen Bieh- stall sich selbst überlassen. Dafür ist das Kanin- chen durch reiche Nachzucht und Schnellwüchsig, feit für Pflege und Wartung dankbar, sodaß man seine aufgewandten Auslagen und Mühen bald belohnt erhält.

Wie muß ich es nun machen, um in der Ka­ninchenzucht eine lohnende Beschäftigung zu ftn- -en und ist es auch jetzt noch Zeit, mit der Anlage zu beginnen?

Erscheint täglich mit Ausnahme der Soun- und§eiertage.viertel- jährlichervezugspreir ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda so­wie aurwärtrj.50 M.

Otranto, Redakteur:

Larl Schütte;

für die Anzeigen: Z.parzeller in Lnida.

JV8 143.

Maer W Zeitung

monatsbeilage: „Mdaer SeschichtrblStter

35. Jahrffanq.

Fulda, Mittwoch den 24. Juni 1908.

woch-nbenage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

Anzeige«: Vie ein­spaltige Petitzelle oder deren Baum 15 Pfg. Beklauten diepetitzeile 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entspk. Rabatt gewährt.

Botationrdruckund Verlag der Zuldaer Ak- ttendr«ckerei i« §uld» Zernsprecher Br. 9.

die Anaestellten sich zusammen getan ha- ben — und erst gar auf gewerkschaftlicher Grund­lage — daß sie bei der Regelung ihrer Arbeits­verhältnisse m i t s p r e ch e n wollen, obwohl Loch jeder Unbefangene zugeben muß, daß der Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse den organisato­rischen Zusammenschluß auch -er technischen und kaufmännischen Angestellten zur absoluten Not­wendigkeit gemacht hat.

Allerdings hat jetzt, jedenfalls mit veranlaßt durch das peinliche Aufsehen, daß der Geheim- erlaß gemacht hat, der Vorstand des Metallin­dustriellenverbandes beschlossen, in eine wieder­holte Prüfung der Frage einzutreten und bis zu -eren Erledigung seinen Mitgliedern einen Aufschub im Vollzug des Rundschreibens vom 3. Juni empfohlen. Der Verband ist also ein Stück ^urückgehupft. Der Vorstand will gleichzeitig den im Run-schreiben genannten Ver­bänden Gelegenheit geben, über ihre prinzipielle Stellungnahme der Arbeitgeber sich zu äußern und „allenfallsige irrige Aeußerungen hierüber zu berichtigen". Damit gibt der Verband in­direkt' zu, daß sein Ukas doch Wohl etwas vor­eilig war.

Diü techn. und kaufm. Angestellten betrei­ben in ihren Organisationen die Wahrung ihrer Interessen. Tun sie damit, etwas anders, als was die Großindustrie in ihren Verbänden verfolgt? Die Arbeitgeberverbände greifen doch z. B. bei Streiks und Aussperrungen in das Selbstbestimmungsrecht des Arbeitgebers teilweise bis zur völligen Aufhebung ein. Da läßt sich der einzelne Arbeitgeber die Beschrän­kung der Selbständigkeit ruhig gefallen; wo die Angestellten aber bloß ein Mit bestimmungsrecht zur Regelung ihrer vielfach gewiß nicht rosigen Verhältnisse wünschen, La entsetzt man sich und kehrt Len Jndustriepatriarchen heraus. Je eher, je bester sollte Lie Industrie Liesen Standpunkt verlassen. Sie wird dadurch eine Unsumme von Bitternis und Unfrieden verhüten, die sich sonst beim Beharren auf dem „Herren-Standpunkt" zwischen ihr und ihren Angestellten unausbleib­lich aufspeichern muß.

Aus dem Nachbargebiet.

* Frankfurt, 20. Juni 1908. Der Bahn­assistent Richard Bender hatte 5000 an der Schalterkasse Les Hauptgüterbahnhofes unter- schlagen. Wie er seiner Frau in einem Ab­schiedsbriefe mitgeteilt hatte, wollte er sich er­schießen. Er lief auch in dieser Absicht im Isen­burger Wald herum, wurde aber fortwährend durch Leute in seinem Vorhaben gestört. Er fuhr deshalb nach Heidelberg, aber auch dort wurde er nach seinen Angaben von Passanten gehindert. Dann kehrte er wieder zu seiner Familie zurück. Gestern früh um 6 Uhr stellte er sich dann, jedenfalls auf Bitten seiner Frau, freiwillig auf dem Polizsipräsidium. Bender wurde hierauf in Untersuchungshaft genommen.

* Apolda, 23. Juni 1908. Als Kuriosum darf wohl der Fall betrachtet werden, daß noch gestern in unserer heimischen Flur Saatkartof­feln gelegt wurden, zu einer Zeit, wo sonst nach Monatsfrist schon die neuen Frühkartoffeln ge­erntet zu werden pflegen. Die Abnormität der Witterung in der ersten Hälfte des Jahres kommt auch hier deutlich zum Ausdruck.

* Gießen, 23. Juni 1908. In der Samstag­nacht stritt ein Barbiergehilfe mit dem Sohn des Lohnkutschers Huhn, der mit anderen jungen Leuten am Buffet auf Textors Terrasse stand. Der Barbier forderte den jungen Huhn auf, her­auszukommen. Huhn leistete dieser Aufforderung Folge und wurde draußen von dem Barbier mit einem langen D o l ch m e s s e r bearbeitet. Huhn hat drei sehr schwere Verletzungen erhalten. Ein

Freund des Huhn, der ihm beisprang, erhielt ebenfalls zwei leichte Messerstiche. Der Tater wurde von den Gästen gelyncht und dann der Polizei übergeben, die ihn in Haft nahm. Ter schwerverletzte Huhn wird wohl kaum mit dem Leben davonkommen.

* Münde«, 21. Juni 1908. Dem Dichter und Komponisten des Weserliedes, Gustav Adolf Presse!, soll am Weserufer ein Gedenkstein errichtet werden. Um einen ersten Fonds für die Kosten zu sammeln, beabsichtigen die hiesigen Männergesangvereine im Laufe des Sommers ein großes Konzert für diesen Zweck zu veran­stalten.

• Jena, 22. Juni 1908. Sieben und- vierzig Bewerber haben sich für die Stelle eines zweiten Bürgermeisters -er Stadt gemel­det.

* Mainz, 23. Juni 1908. Vor mehreren Ta­gen stürzte der Matrose Helbach aus Camp von einem Dampfer in den Rhein und ertrank. Daß die Leiche noch nicht gelandet war, erhöhte die Trauer der Angehörigen. Gestern nun kam der Vater des Verunglückten hierher; der be­kümmerte Mann schritt den Floßhafen nnt der schwachen Hoffnung ab, s e i n e n t o t e n S o h n zu finden. Ein seltsames Spiel des Zufalls wollte es, daß die Leiche vor den Augen -es Va­ters aufstieg und an die Oberfläche des Wassers kam. Helbach konnte sie bergen lassen und ge­leitet sie heute in die Heimat zur Beerdigung.

• Aus Nassau, 22. Juni 1908. Auf Anreg­ung des Landrats.Büchting in Limburg soll im September bei der Hauptversammlung des Ver­eins nassauischer Land- und Forstwirte zu Kam- berg ein nassauischer Heimat-Abend gegründet werden. Es soll nach dem nassauischen Trachtenbuch ckn möglichst vollkommenes des früheren Trachtenreichtums von Nassau geben werden. Die Trachten sollen von einzelne:! Personen aus den verschiedenen Gegenden Nas- faus getragen werden. Außerdem wird der Hei­mat-Abend dem alten nassauischen Volkslied ge­widmet sein.

* Mnschenheim bei Lich, 23. Juni 1908. Am Hitzschlag gestorben ist am Freitag auf dem Felde die Frau eines hiesigen Landwirts.

vermischtes.

* Neue Taschen für die Briefträger. An Stelle der alten ledernen Tragtaschen der Brief­träger läßt das Reichspostamt Versuche mit Ta­schen aus imprägniertem (wasserdichten) Segel­tuch machen, die leichter und vor allem hand­licher sind. Zu einer Entscheidung ist die Be- Hörde noch nicht gelangt.

* Telephon nach — der Loreley. Die sagen­umwobene „Loreley" hat seit Samstag, Telephon­verbindung mit St. Goarshausen. Die Leitung geht direkt vorn Rhein durch den steilen Felsen­pfad nach der luftigen Höhe. Zehn Mann Tele­phonarbeiter waren bei der Aufstellung der Ma­sten re. tätig; es war eine mühevolle und schwie­rige Arbeit, die sieben Masten bei einer Steigung von 150 Meter aufzustellen.

* Opfer der Wissenschaft sind in Czernowitz die Angestellten des Laboratoriums der dortigen Anstalt für Lebensmitteluntersuchung geworden. Am Samstag wurden wissenschaftliche Unter­suchungen mit anscheinend getöteten Pferderotz­bazillen angestellt. Das Rohr, in welchem der Versuch angestellt wurde, platzte, und die Bazil­len breiteten sich in allen Räumen aus, so daß die eBamten die todbringenden Bazil- Icii ein atmeten. Ein Assistent ist bereits gestorben, ein Kanzlist ist lebensgefährlich er­krankt. Die übrigen Beamten bekamen zuerst Lungenentzündung, dann Dysenteri"

— Merkwürdig. Bankier: Ein alter psycholo gischer Kriminalsatz sagt: Der Verbrecher kehr stets zu seinem Tatorte zurück. — Mir sind nut nacheinander drei Kassierer durchgebrannt, abr keiner ist bisher zurückgekehrt."

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Literarisches.

Einer der ersten, deutschen Meister auf den Gebiet der christlichen Kunst, Eduard v. Geb Hardt, begeht am 14. Juni seinen 70. Geburtstag Aus diesem Anlaß widmet die allgemeine Kunst zeitschrift „Die christliche Kunst" (Verlag der Ge- sellschaft für christliche Kunst in München, Karl- straße 6) ihr jüngstes (9.) Heft dem Schaffen des Künstlers und besonders seiner bedeutsamen un- großen Schöpfung, der Ausmalung der Friedens- kirche in Düsseldorf. E. v. Gebhardts hervor- ragendes Können und sein edler Geist haben stets Anerkennung gefunden, allein, bei manchen El- gentümlichkeiten, waren doch lange Zeit feine Werke nicht jedermann so ganz verständlich. An die nebensächlichen Dinge, die man früher sehr hervorhob, hat man sich inzwischen gewöhnt, und nun findet das Bleibende in seinen Werken, Lie hohe künstlerische und tief religiöse Empfindung allgemein Wertschätzung. Die genannte Publi­kation ermöglicht sowohl durch den mit besonderer Sachkenntnis und Pietät geschriebenen Text als auch durch glänzende Illustrationen (sünfundzwan- zig, darunter viele Vollblätter) noch nicht ver­öffentlichter Studien einen hochinteressanten fteberblick über Len Meister und dürfte eilte der wertvollsten Gaben sein, welche dem kunstver­ständigen Publikum anläßlich des Jubiläums -es Künstlers geboten wird.

Marktberichte.

■ zranüurt a. M„ 22. Juni 1908. Amtliche No­tierung der Mehmartt-Preise. Zum Verkauf standen 514 Ochsen, 47 Bullen, 1021 Kühe und Rinder (Sttere und Färfen), 355 Kälber. 219 Schafe und Hammel und 1849 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollfleischige, ansgemästete höchsten Schlacht- wertes bis zu 6 Jahren 75—77 9)1., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 68 —72 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 58 -60 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a. vollfleischige höchsten Schlachtwertes 68 —70 Mark, b. mäßig genährte jüngere und gut genährte filtere f0-63 M., c. gering genährte 00—00 M. Kühe und Färsen (Sttere und Rinder): a. vollfleischige, aus ge­mästete Färsen (Sttere und Rinder) höchsten Schlacht­wertes 73—75 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachttvertes bis zu 7 Jahren 63—65 M, e. filtere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelt« jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 46 bis 48 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stier« und Rinder) 00—00 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00-00 M- Bezahlt wurde für 1 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- Bollmast) u. beste Saugkälber (Hannov.) 96—98 Pfg* b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 86—95 Pfg., c. geringe Saugkälber 72—76 Pfg., <1. ältere, gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pjg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 82—00 Pfg., b. ältere Masthämmel 74—76 Pfg., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 00—00 Pfg. Schweine: a. vollfleischige der feineren Rassen und bereit Kreu­zungen im Alter bis zu l1/. Jahren 63—00 Pfg., b. fleischige 62—00 P,g, c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 54—56 Pia., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) 00—uo Pfg. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Lebendgewicht: Ochsen 00—00 Pfg., Kälber: a.L6-58 pm., D. 51 -56 Pfg. Schweine: a. 49V.-00 Pfg., b. fleischige 49 - 00 Pfg. Geschäftsgang ht Ochsen mittelmäßig, Ueberstand erheblich, in Bullen und Kühen mittelmäßig, Ueberstand keiner, in Kleinvieh gut, Ueber­stand keiner. Aus Oesterreich-Ungarn standen 112 Ochsen, 1 Bulle und 7 Kühe zum Verkauf. Oesterr. Ochsen über Notiz bezahlt.

Gewiß können Sie auch jetzt, wo wir gleich­sam in der Hochsaison der Zucht stehen, mit Lie­fer beginnen.

Um in der Beratung praktisch zu sein, wollen wir zunächst die Frage beantworten: „Welche Kaninch en rassen soll man sich zulegen?" Kaufen Sie ja nicht aus dem nächsten besten Stalle ein beliebiges Tier, sondern legen Sie sich ein R a f s e t i e r zu, denn dann haben Sie nicht nur etwas für Lie Küche, sondern später auch sicher etwas für Ihre K a s f e. Es gibt neben den vielen Kreuzungstieren auch schöne, fürs Auge gefällige Rassetiere. Diese zerfallen in die größeren Rassetiere und in die kleineren Farbenrassen. Zu erstem zählen wir den bel­gischen Mesen, Las deutsche Scheckentier, die fran­zösischen Widder; sie haben ein Gewicht von 10 und mehr Pfund. Zu den kleineren Sorten ge- höre» das Silberkaninchen, der Russe, das Hol­länderkaninchen rc. Diese haben ein Gewicht von 3—5 Pfund. In der Mitte stehen das Hasenka- ninchen das champagner Silberkaninchen, der englische Widder rc., Lie ca. 7-9 Pfund schwer Werdern Es gibt noch viel mehr Rassen; aus praktischen Gründen führe ich heute nur diese wenige Rassen, Lazu ohne nähere Beschreibung an. Wenn mir später der Herr Redatteirr ab und zu eine Ecke in seinem Blatte gönnen wird (mit Vergnügen, D. Rod.), werde ich gern Lie Rassen ausführlicher beschreiben und auch alle andern wichtigen Fragen einer gedeihlichen Zucht behandeln.

Welche Rasse sollen Sie sich nun zuftgen? Hierin ist schwer zu raten. Die großen Raßen fallen mehr in die Augen und liefern für : 2- -3 Mahlzeiten Fleisch, jod och fressen sie auch bd- oeutend mehr, haben gröbere Knochen und sind für Krankheiten leichter empfänglich. Die klei­neren Raffen fallen ihrer Farbenpracht wegen mehr in die Augen, brauchen weniger Nahrung "^o bieten Loch einen ausgezeichneten Braten. , 3$ für meine Person halte schon lahrelang belgische Mesen, Hasenkaninchen, Silberkaninchen

und Russen. Besonders empfehlenswert hatte, ich die Silber- und Hafenkaninchen. Beide haben ein ausgezeichnetes Fleisch und einen kostbaren Pelz. Namentlich die Felle der Silberkaninchen werden gut bezahlt. Bisher wurden Lie Kaninchenfelle von den Züchtern we­niger beachtet, die hier schlecht bezahlt wurden, obwohl sehr viele Pelzsachen unserer Damenwelt nur aus gefärbten Kaninchenfellen hergerichtet smd. Neuestens haben sich viele Züchter zusam- mengetan, um die Fell« besser zu verwerten. Also nicht blos das Fleisch, sondern auch das Fell unserer Lieblinge bringt etwas ein. Die Felle der Silber- und Hasenkaninchen werden bloß gegerbt und dann zu Pelzsachen verwandt, die anderen Kaninchenfelle werden außerdem ge­färbt, um aus ihnen Imitationen kostbarer Pelze herzusiellen.

Ich rate Ihnen also, um auf die erste Frage zurückzukommen, legen Sie sich für das Erste ein Silber- und Hasenkaninchen zu. Fangen Sie dabei vorerst mit einem Tiere, bezw. Zucht­paar an. Um rationell und mit Nutzen zu züch- teil, muß man sich erst einige Erfahrung sam­meln, sonst kann man statt Nutzen Nachteil ern­ten. Nun zur zweiten Frage: wo bringe ich meine Zuch t t iere unter? Sie ha­ben gewiß einen Hofraum. Da ist es das Ein- fachste, Sie bringen das Tier oder Zuchtpaar in einer Kistenstallung im Hofe an einem zugfreien Fleckchen unter. Beschaffen Sie sich eine mög­lichst große Kiste. Die Hälfte des Deckels nageln Sie an der Kiste fest. An der offenen Hälfte bringen Sie eine aus engmaschigen Draht her- gestellte Türe an. Hebet derselben machen Sie ein Dach, um Regen und Sonnenglut abzuhal­ten. Der Stall ist fertig. Vergessen Sie Lie Einstreu nicht und erneuern Sie dieselbe jetzt im Sommer alle 2—3 Wochen. Sie sehen, Lie Auslage für die Anlage kann nicht bedeutend sein. Die Kosten für ein gutes Zuchttier sind wohl etwas größer, jedoch können Sie sich 3 Mo- Rate alte Zuchttiere von einem zuverlässigem

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Züchter verschaffen. Diese erwerben Sie sich bil­lig, haben viele Kurzweil und Freude an den« selben und irn Spätherbst noch einen Wurf.

Nun sei noch kurz die Fütterungs­frage 'gestreift. Grünes ist jetzt bis in den Spätherbst hinein billig zu verschaffen. Dazu eine Handvoll Heu und Hafer oder etwas Brot täglich. Das Kaninchen ist genügsam, aber auch dankbar für aufmerksame Pflege und das Fut­ter. Für Len Winter müssen Heu, Knollenge­wächse und Hafer vorgesehen werden. Doch auch der Arbeiter sammelt davon Vorrat für feind andern Tiere und fällt dabei soviel gewiß ab, daß unsere Kaninchen gesättigt werden formen. Wer alles kaufen muß, bange trotzdem nicht. Die Auslagen werden durch ben Fleischgewinn reich­lich auf gewogen. Möchte nur die Kaninchenzucht mehr sich ausbreiten. Sie ist für das wirtschaft­liche Leben, wie eingangs hervorgehoben, so wich­tig wie die Geflügel- oder Bienenzucht.

Möchten darum alle, die über einen geeig rieten Platz verfügen, nur entschlossen eine Heim Kistenstellung einrichten und diese bevölkern Sie werden es nicht bereuen, wenn sie im Spät­herbst und Winter manchen saftigen Braten aus ihrem Tische, haben und sich und ihre Frau uni Kinder mit den schönen, selbstgezogenen Pelzen bekleidet sehen. Frisch voran! xy.

— Zarter Wink. Tourist (zum Bergführer, dem et soeben einen Schluck Kognak gegeben): „Das hat Sie zum neuen Menschen gemacht, wie?" — Führer: „Jowohl, Euer Gnaden, aber der neue ist ebenso durstig wie der alte."

— Kindermund. Vater, in einem Vortrag über Wahrheitsliebe begriffen: „Wenn rch oder eines meiner Gefchwister jemals eine Cuge getagt hatte, so wurde uns der Mund stets nut Wasier und Seife ausgewaschen." — Hänschen: „ Aber daran habt Ihr Euch bald gewöhnt, gelt Papa?