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Maer W Zeitung

I.parzever in Lulda. wochenveilage: Illustriert- §SMt(lg5zeitung

Monatrbellager „Zuldaer SeschichtrblStter"

35. Jahrgang.

Fulda, Samstag den 20. Juni 1908.

M 140

Drittes Wtcrtt

36. (State,

Das Tagewerk Pins X,

rano.

wütige*: vir et» spaltige prtitzeile ober beten Bannt tö pfg. Beflamenbieperttjeilt 20 pfg., bei wieder- Holungen wird entspr. Ladatt gewährt.

«otaiionrdruckunb Verlag der Lnldaer Ak- tienöruderet in Fulda Fernsprecher Br. 9.

mäßig wird die in einer Ecke des Gartens be­findliche Nachbildung der Lourdesgrotte besucht. Nach dem Morgenspaziergang, der nie über eine Stunde dauert, kehrt der Papst in seine Privat­gemächer zu den Geschäften zurück. In seinem Arbeitskabinett harrt die tägliche, immer sehr umfangreiche Korrespondenz der Erledigung. Ihr widmet der Hl. Vater stets eine bestimmte Zeit, dann empfängt er den Bericht verschiede- nor Kongregationen. Pius X. duldet absolut keine Nachlässigkeit, er ist ein abgesagter Feind von Ordnungsmangel, Unregelmäßigkeit oder Unpünttlichkeit. Durchaus praktisch angelegt, übersieht er bei seiner Beobachtungsgabe nicht die geringste Kleinigkeit. Nun meldet sich Msgr. Merry del Val, sein Staatssekretär, zum Vortrag und berichtet Sr. Heiligkeit über die etwa zwi- scheu dem heiligen Stuhl und den fremden Re­gierungen schwebenden Angelegenheiten. Als­dann beginnen die öffentlichen ober Prwatem- pfänge der hohen Prälaten oder angesehener Personen aus dem Laienstand, die durch den Maestro di Camera Msgr. Bisleti in das päpst­liche Gemach eingeführt werden. Gewisse Tage in der Woche oder auch des Monats sind für die Audienzen des Oberhofmeisters Msgr. Cagiano de Azevedo, für die Kardinäle, Präfekten und Sekretäre der verschiedenen Kongregationen, so­wie für die sonsttgen hohen Würdenträger fest- gesetzt. Am meisten ermüden wohl den Papst die Sonderempfänge, die er so zahlreich erteilt. Audienzen von Bischöfen, Aebten, Prälaten, Ge­sandten und Vertretungen in- und ausländischer Korporationen find an der Tagesordnung. Mit allen bespricht er sich eingehend, hört ihre Ange­legenheit an und erteilt seinen Ratschlag. Die Leutseligkeit Pius X. hat ihm bereits die Herren aller erobert. Welch ein Ausdruck der Freude Antlitz aller nach einer solchen AudienzI AH. kürzlich verweilte ein alter Prälat aus Cberttahen, der aus der Audienz kam, einen ■augenbhd tut Vorzimmer der Sänftenträger, um der Sitte gemäß dort fein violettes Mäntel-

chen wieder abzulegen. Während sein Diener ihm dabei behilflich war, zeigte der Prälat eine solche Gemütsbewegung, daß er feine Tränen nicht zurückdrängen konnte. Darüber befragt, gab der ehrwürdige Monsignore zur Antwort: „Wenn du das Glück gehabt hättest, mit Pius X. zu sprechen, würdest du gleich mir so ergriffen sein!" Kurz nach 1 Uhr speist der Papst zu Mittag. Nach dem überaus einfachen Mahl hält der Papst in seinem Schlafzimmer eine kurze Siesta, die nie den Zeitraum einer Stunde über­steigt. Dann betet er fein Brevier weiter und nimmt feine sonstigen Beschäftigungen wieder auf. Um 6 Uhr nachmittags begibt er sich in Begleitung des Don Pescini, eines intelligenten jungen Priesters, der den Msgr. Bressan in des­sen Abwesenheit vertritt, sowie des Dekans des Palafreuieri auf den Loggiengang des dritten Stockwerkes, woselbst ein unbekannter Künstler die Wände mit großen geographischen Karten aus damaliger Zeit schmückte, und Mantovani, Galli und Consoni die Decke mit Ornamenten und Darstellungen aus dem Pontifikate Pius IX. verzierten. In der Regel erwarten den Papst, sobald er die Loggia betritt, ungefähr zwanzig Personen, angesehene Italiener oder Fremde, die nach Rom kamen, um dem hl. Vater den Ring küssen zu dürfen. Er unterhält sich währenddessen einige Zeit mit jedem einzelnen. Nach der Audienz verbleibt der Hl. Vater mit seinem Geheimsekretär allein. Entweder werden die Gangtüren geschlossen, ober sie bleiben ge­öffnet, um mehr Luft zu erzielen; aber bann wirb jeder Ausgang mit einem ©enbarmerie- posten besetzt, der niemand einläßt. Dann geht der Papst auf und ab und unterhält sich mit seinem Begleiter. Häufig weilen dann seine Ge­danken in dem schönen Venedig, oder aber er bewundert die Freskogemälde und den Schmuck der Wände, wohl auch wirft er manchmal einen Blick auf Rom und die Hügel Latiums.

scheint tSgNch mlt Ausnahme der $o:m- und Feiertage, viertel» iührlichervezugrprei- ohne vringerlohn und veftellgeldinFnldaso» roie auswärts 1.50 Ulf.

Verantw. Redakteur:

Carl Schütte;

Deutscher Reich.

* Der Flottenvereinsfriede von Danzig hat in den beteiligten Kreisen um so größere Freude hervorgerufen, als man ernstlich mit einer Spal­tung im Flottenverein rechnete, welche die bei­den Richtungen innerhalb desselben auf Jahre hinaus verfeindet haben würde. Vollkommen ist aber diese Freude auf keiner Seite, da der Friede auf einem Kompromiß beruht, bei dem von beiden Seiten Opfer gebracht werden müs­sen. Die rabiaten Flottenvereiuler haben ihrer­seits in der Perfonettfrage nachgegeben und namentlich ihren Heros Keim sowie dessen Anhänger in die Versenkung verschwinden sehen, während der Fürst Salm-Horstmar offenbar nur der Form halber wiedergewählt worden ist. Die gemäßigte Richtung im Flotbenverein dagegen hat in der Frage über diepolitische oder u n- politische Natur des Flottenvereins nach­geben müssen und im Widerspruche zu dem Köl­ner Beschlüsse den „unpolitischen" Flottenverein zu einem „nationalpolitischen" stempeln helfen. Die „Rh.-Westf. Ztg." will der alten Richtung den Sieg zuerkennen. Sie schreibt:

„Die alte Rich tung hat einen großen Sieg davongetragen, die geheimen Umtriebe des Zentrum? sind abgeschlagen. Der Verein ist, wie General Keim mit seinen Freunden es stets wollte, »u einem nationalpolitischen erklärt, er hat sich seine Unabhängigkeit vom Reichsmarineamt gewahrt und damit dem Staatssekretär v. Tirpitz eine Niederlage bereitet. Der Verein kann sich jetzt auch im nationalen Sinne politisch betätigen. Aber wo sind die Männer, die in diesem Kampfe zu Führern berufen wären, nach­dem man sich die besten Offiziere hat abschietzen lassen? Sollen die Danziger Beschlüsse nicht auf dem Papier bleiben, so wird es nötig feto, daß Fürst Salm die Wahl annimmt und seinen Freunden, die allein dieses Programm durchführen können, die Rückkehr tos Prä­sidium offen hält."

Tiefe Ausführungen des keimfreundlichen Blattes lassen nicht gerade auf eine friedfertige Gesinnung schließen, zumal soweit sie darauf ab- zielen, die Männer des Systems Keim wieder in das Präsidium zurückzuführen. Was die „Rh.- Wesft. Ztg." von geheimen Umtrieben des Zentrums fabuliert, ist ein Erzeugnis er­hitzter Phantasie.

Die Landtagswahlen.

* Die Zentrumsfraktion des neugewählten Abgeordnetenhauses: (* bedeutet ueugewählt, R bedeutet zugleich Mitglied des Reichstags)

1. Albers, Gutsbesitzer, Warburg, 2. Graf von Ballestrem, Rittergutsbesitzer, Kreuzburg, 3. 'Bartscher, Gerichtssekretär, Bochum, 4. B Dr. Becker, Landgerichts­rat, SiegkreiS, 6. 'Dr. Bell Rechtsanwalt, Esten, Stadt, 6. B Dr. Belzer, A-Ger.-Rat, Sigmaringen, 7. 'Berndt, Rentner, Frankenstein, 8.*Beyer, A-Ger.-Rat, Falkenderg, 9. 'Beyer, Eisenbahnschlosser, Siegkreis, 10. *Dr. Bosnisch, Geh. RegierungSrat, Schweidnitz, 11. 'Bresler, Pfarrer, Kosel, 12. 'Brandhuber, Pfarrer, Sigmaringen, 13. 'Brors, Landwirt, Siegkreis, 14. Brust, Redakteur, Borken, 15. Busch, Postverwalter, Düren, 16. Cahensly, Kaufmann, Limburg, 17. B Dr. Dahlem, Rechtsanwalt, Westerburg, 18. Decker, Gutsbesitzer, Köln-Land, 19. Dinslage. Landgerichtsrat, Lippstadt, 20. Dr. Dittrich, Dompropst, Braunsberg, 21,'Drinnenberg, Amtsge- richtssrkretär,Hünfeld-Gersfeld, 22. B Euler, Kunsttischler- meister, Saarburg, 23. Freiherr v. Eynalten, Amts- gerichlsrat, Geilenkirchen, 24. Faltin, Rechtsanwalt, Pleß, 25. BDr. Faßbender, Professor, Bonn, 26. 'Fleufter, Bürgermeister, Schleiden, 27. Frank, Apotheker, Köln- Stadt, 28. B Fritzen, Amtsgerichlsrat, Rees, 29. Geisler,

Um unseren Lesern einen Einblick in das Leben des Oberhauptes der kathol. Christenheit zu geben, berichten wir nachstehend, wie der Hei­lige Vater lebt. Pius X. steht sehr früh auf. , Wenn sich der junge Sili, der Kammerdiener — etwas nach 5 Uhr — in das Schlafzimmer des Papstes begibt, findet er diesen fast immer schon , im Sessel sitzend, mit der Lesung des Breviers ' beschäftigt. Nach 6 Uhr zelebriert der Papst ine heilige Messe in dem kleinen, am zweiten Tage ' nach seiner Einsetzung ins Pontifikat improvi­sierten Oratorium. Die kleine Kapelle ist rasch beschrieben: Dem Fenster gegenüber ist ein höl­zerner Altar errichtet, über dem sich ein an der Wand befestigtes elfenbeinernes Kruzifix befin­det. Je drei Bronzeleuchter stehen zu den ©ei­ten eines bescheidenen, aus Holz geschnitzten und vergoldeten Reliquienschreines. Der Altar ruht auf einem Teppich, der fast bis in di« Mitte des Gemaches geht; zur Rechten gewahren wir ein Seitentischchen, links einen Betschemel und einen vergoldeten Sessel. Von der Decke herab hängt ein prächtiger Glaskronleuchter aus Mu- ....... Tie Ausstattung der Privatkapelle ist in ihrer Gesamthestt einfach, aber würdig. Die Messe Pius' X., bei der in der Regel sein Ge­heimsekretär als Sakristan fungiert, bauert un­gefähr eine halbe Stunde. Nach Ablegung der Kirchengewänder kniet der Papst am Betschemel nieder und spricht das Dankgebet. Dann begibt sich der Hl. Vater zum Frühstück, das aus einer Tasse Kaffee, geröstetem Brot, Butter und Mar­melade besteht. Ist die Hitze in bat Morgen- stunden nicht zu drückend, dann begibt sich Pius X. in ben vatikanischen Garten, macht einen längeren Spaziergang in den kühlen, schattigen Laubgängen des Parkes, bewundert die blühen­den Gartenbeete mit ihren unzähligen verschie­denen Pflanzen und unterhält sich dabei mit ;bem geistlichen, geheimen diensttuenden Kämme­rer und dem Vorsteher der Nobelgarde. Regel­

volkswirtschaftlicher und Sozialer.

* Die Diskontermäßigung der Reichsbank ayii 4 Prozent ist ganz überraschend gekommen. WäU reud sonst eine derartige Maßnahme Tage vo» her mit mehr oder weniger Bestimmtheit besprsz chen wird, hatte selbst an der oft so hoffnungD seligen Börse an eine derartige Möglichkeit nit manb gedacht. In der Sitzung des Zentralau- schusses begründete Präsident Havenstein die Di» koniermäsßigung an der Hand de-s Ausweis» für die zweite Juniwoche. Er führte aus: Da« Reichsbankdirektorium verkenne nicht, daß tr<X der verhältnismäßig günstigen Zahlen des AirM weises auch jetzt noch nicht die GeldverhältnifW im Jnlande als befriedigend angesehen werd« könnten. Vor allen Dingen fei aber die erbe» liche Zunahme des Geldbestandes hervorzuhebeO Dieser sei nicht nur erheblich höher wie im Iah» 1907, sondern auch höher wie im Jahre 190'3 unH bleibe nur um 17% Millionen hinter dem MS tallbestand am 15. Juni 1905, dem höchsten, beß die Reichsbank an diesem Tage jemals aufzW weisen habe, zurück. Dis ganze Entwickelung des Status der Bank in den letzten Wochen geH der Hoffnung Raum, daß die Anspannung, bfe seither in unserem Wirtschaftsleben geherrscht, hat, im Schwinden begriffen sei und aie fange, normalen Verhältnissen Platz zu macheL Insbesondere sei auch bemerkenswert, daß zu» ersten Male eine Abnahme des gesamten WeH selumlanfeS im Reichsgebiet gegenüber dem Vo» jähre zu konstatieren sei.

Es war natürlich nicht mehr möglich, diese recht'/ zeitig herbeizuschaffen, und so biteben die Kom servativen durch diese eine fehlende Stimme iO ber Minorität.

' Der „Humor" im Wahlkampfe. Der Bon» ner Arnsgerichtsrat Bresgen hatte in einer natio­nalen Wahlversammlung in Godesberg den Aus­spruch getan: „Die Schwarzen, die Vaterlands» losen Gesellen, muß man treten, wo man M trifft. Reißt den Pfaffen die Kutte herunt< es steckt nur Heuchelei drunter: unter die Füß» mit ihnen." Von Zentrumsseite wurde diese» häßliche Ausfall glühend gebranbmarft. Datil« lich waren nun die Zentrumsleute die Stören» friede, die sich durch die „häßlichen Hetzer",, „am. feuernden Worte" eines „alten patriotische Kämpfers" verletzt fühlten. Der nationale Wahl» ausschuß in Godesberg erließ flugs eine Flip» blatterflärung, in der unter anderem zu lesen iftl Gerichtsrat Bresgen habe in jener Wähler» fammlung zu später Stunde eine „Bierrebe' geschwungen, und jene niedlichen „Slnfeuef, ungen" seien Ausflüsse seiner „Ehrlichkeit" unM seines „warmblütigen rhainischett Humor-", Wenn eine solche Interpretation gang und gäN wird, kann es, so bemerkt die Münchener „All» Rundschau" in der rheinischen Musenstadt noch recht fidel werden. Zum Beispiel: 3E hat zu W gesagt: „Den Kerl muß man treten, wo mal- ihn trifft. Reißt ihm die Fetzen vom Leibe, den»' er ist ein Heuchler; unter die Füße mit ihm/ Vor das Schöffengericht gestellt, wird 3E frei* gesprochen mit der Begründung, sein prächtige» rheinischer Humor verdiene freudige 3tin erfennung. Dem übelnehmerischen Z) geschieh- nur recht, wenn er zur Strafe für die „häßlich! 53er hetzung", die in der Klage liege, die Kosts» zu tragen habe. Nutzanwendung: Wenn eich deutscher Zentrumsmann von einem „Natu», nalen" eine Ohrfeige erhält, soll er mit artigen» Knix sich für die ihm widerfahrene Ehre bebart» len. Ob auch umgekehrt? Ja, Bauer, bas iU ganz was anderes! i

Amtsvorsteher, Neurode, 30. GerharduS, Amtsgerichts- tat, Altenkirchen, 31. 'Girmsa, Architekt, Beuchen, 32. ♦B Giesderts, Arbeitersekretär, Essen-Land, 33. Dr. Glatt- srlter, Pfarrer, Saarburg, 34. B Glowatzki, Pfarrer, Groß-Strehlitz, 35. 'Goebel, Amlsgerichtsrat, Kattowitz, 36. Gram, Berbandsdtrektor, Aüenstein, 87. 'Griehl, Amtsgerichtsrat, Allenstein, 38. »Gronowski, Arbeiter- sekretär, Dortmund-Land, 39. 'Dr. Gronenberg, General- sekretär, Gelsenkirchen, 40. v. dem Hagen, LandgerichtS- rat, Meppen, 41. Dr. Hager, Rechts anwalt, Kofel, 42. Hartmann, Grundbesitzer, Neurode, 43. Dr. Hauptmann, UniverfitätSprofeffor, Bonn, 44. Dr. Heisia, Gutsbesitzer, Gleiwitz, 45. Edwin, Graf Henckel von Donnersmarck, Tarnowitz, 46. B Herold, Gutsbesitzer, Steinsurt,47.'Heß, Kreisschulinspektor, Köln-Land, 48. B Dr. Hitze, UniverfitätSprofeffor, M--Gladbach, 49. Hoeveler, Gutsbesitzer, Geldern, 50. Humann, Landwirt» Wiedenbrück, 51. 'Jmbusch, Arbeitersekretär, Aachen, 52. 'Jtschert, Landgerichtsdirektor, Lochern, 53. *Dr. Kaufmann, Oberpfarrer, Aachen, 54. Kesternich, Haupt­lehrer, Schleiden, 55. R Kirsch, Amtsgerichtsrat, Düssel­dorf, 56. Klausener, Bürgermeister, Eupen, 57. 'Klocke, Regierungsrat, Olpe, 58. Dr. König, Geh. Ober-Post- rat, Krefeld, 59. B Krebs, Amtsgerichtsrat, Brauns- berg, 60. * Kuhn, Amtsrichter, Adenau, 61. Leppel- mann, Gutsbes., Münster, 62. 'Dr. Licht, Weinguts­besitzer, Bernkastel, 63. Linz, Verwaltungsgerichts­direktor, Cochem, 64. 'Frhr. v. LoS, Kleve, 65. 'Maiß, Amtsgerichtsrat, Frankenstein, 66. Marr, Oberlandes­gerichtsrat, Neuß, 67. Mieß, Steuerinspektor, M.-Glad- bach, 68. Müller, Rechtsanwalt, Koblenz, 69. * Müller, Amtsgerichtsrat Daun, 70. Dr. Ostrop, Gutsbesitzer, Borken, 71. B Dr. Pieper, Generaldirektor, Köln Land, 72. Dr. Porsch, Rechtsanwalt, Neurode, 73. B Graf Praschma, Rittergutsbesitzer, Neustadt, 74. Reinhard, Amtsgerichtsrat, Melle, 75. * Frhr. v. Reitzenstein, Rittergutsbesitzer, Pleß, 76. Richtarsky, Gutsbesitzer, Kosel, 77. * Rhtel, Amtsgerichtsrat, Fulda, 78. R Roeren, Oberlandesgerichtsrat, Trier, 79. B Dr. von Savigny, Landrat, Wiedenbrück, 80. Schlick, Gutsbes., Geilenkirchen, 81. Schmedding, Landesrat, Münster, 82. B Schmidt, Landgerichtsrat, Warburg, 83. " Dr. Schmitt, Anstaltspfarrer, Düsseldorf, 84. Schreiner, Landgerichtsrat, Trier, 85. B Schwarze, Amtsgerichts­rat, Lippstadt, 86. Graf Spee, Neuß, 87. Stanke, Pfarrer, Ratibor, 88. Graf v. Strachwitz, Ritterguts­besitzer, Groß-Strehlitz, 89. * Sauermann, Bergmann, Mülheim a. d. Ruhr, 90. R v. Strombeck, Landgerichts­rat, Heiligenstadt, 91. Stull, Pfarrer, Neisse, 92. R Stupp, Rentner, Düren, 93. Tourneau, Landgerichts­rat, Heiligenstadt, 94. B Trimborn, Rechtsanwalt, Köln Stadt, 95. * Frhr. v. Twickel, Lüdinghausen, 96. Underberg, Fabrikbesitzer, Geldern, 97. B Wallenborn, Privatmann, Daun, 98. R Wattendorff, Rentner, Stein- furt, 99. B Wellstein, Oberlandesgerichtsrat, Koblenz, 100. Wester-Schulte, Gutsbesitzer, Lüdinghausen, 101. * Wodan, Rechtsanwalt, Oppeln, 102. R Frhr. von Wolff-Metternich, Forstmeister, Wittlich, 103. Ziesche, Rektor, Breslau Stadt, 104. * Zimmer, Landgerichts-

einzugreifen. Dazu werden sie aber nur in der Lage sein, wenn sie tatsächlich einen Machtfaktor darstellen. Die Zukunft der deutschen Arbeiter­bewegung erfordert somit die Stärkung der christlichen Gewerkschaften.

— Graf Häseler als Roland. Dem General feldmarsck>all Grafen Gottlieb v. Haeseler ist aM$ Anordnung des Kaisers schon zu Lebzeiten bef durch ein Denkmal errichtet worden, baß an dH Turmsassade des neuen Bahnhofes in Metz ein? Rolandfigur mit den Zügen des hochve^ dienten Generals angebracht worden ist. DM Bau des Metzer Bahnhofes ist auf die Jnitiatitztz des Grafen zurückzuführeu, als er das IG. Armes korps in Elfaß-Lothringen von 1890—1903 koiE mandierte. Graf Häseler ist nicht nur in Deutsch land eine volkstümliche Persönlichkeit geworden auch in Frankreich galt er als der berufen» Armeeführer für den Fall eines Krieges. Uw' in der Tat hat Gras Häseler fein Armeekorps auf einen sehr hohen Grad von Kriegsdereijschaf gebracht und in vielen Beziehungen vorbildlft, für die gesamte Armee gewirkt. Auch jetzt, uae feinem Scheiden aus dem aktiven Dienst, ist dtz bereits 72jährige als Mitglied des Herrenhanse wiederholt hervorgetreten; auch wohnt er na beute den Manövern bei.

— Sicheres Zeichen. „Sie glauben also. Her Doktor, daß mein Mann Ihr Verbot, kein Bier $ trinken, befolgt?" — „Ja, ganz bestimmt! . . Sonst halt' er nicht so furchtbar geschimpft!"

— Einfacher. „Sie kommen ans der RalSlp ung? Ist die Vorlage, betreffend Gehaltsaufbesse ung deS Stadtkassierers durchgegangen?" — „T^- allerdings nicht — aber inzwischen der Kassiers selbst!"

— Modernisiert. Unsere Altvordern schlugt' wenn's sein mußte, mit der Faust auf den TisM Wir tun's auch, aber meist nur, wenn wir betfc. Skat einen Trumpf ausspielen.

— Der Schlaswandler. Pfarrer: „Es hat mt- doch höchlichst gewundert, Frau Matz, daß I? Mann gestern mitten in der Predigt aufgestanL. und htoausgegangen ist." — Bauersfrau: ,,W, verzeihen's Herr Pfarrer, er kann nix dafür. - ist ihm halt angeboren — er wandert im Schlag.

Die christlichen Gewerkschaften im Jahre 1007»

Die äußeren Bedingungen zur Ausdehnung . der gewerkschaftlichen Organisationen waren, wie /aus dem soeben im Zentralblatte der christlichen Gewerkschaften (Nr. 12) veröffentlichten Berichte über die Entwickelung der christlichen Gewerk- schaftS • Organisationen im Jahre 1907 hervor- sieht, im allgemeinen int Jahre 1907 nicht sehr § günstig. Die wittschaftliche Depression mit ihren Folgeerscheinungen machte sich geltend. Wenn die ^christlichen Gewerkschaften sich deffen ungeachtet Jeiter entwickelten und ihre Mitgliederzahl um L Prozent steigerten, so kann, unter Berücksich- ;ung der angedeuteten Umstände, von einer günstigen Entwickelung gesprochen werden. ) Im einzelnen betrug die Mitgliederzahl der Berufs-Organisationen, die von christlicher Seite gegründet wurden und deren Wirksamkeit meistens dem Sinne des Programms der christlichen Ge- iwerkschasten entspricht, am Schluffe deS JahreS 11907 865,243; davon entfielen auf die Orga­nisationen, die den Gesamlverband der christlichen Gewerkschaften bilden, 284,649, auf die außer­halb des Gesamtverbandes stehenden 80,594. Die Mitglieder-Zunahme beträgt 27,207 == 11%; auf die Zunahme entfallen 24,731 männliche und 2476 weibliche Mitglieder. Die Zahl der weib­lichen Mitglieder betrug im Jahresdurchschnitt 1907 24,122.

In den allgemeinen Betrachtungen, ibte dem eigentlichen Berichte über die organisa­torischen Verhältniffe voraufgeschickt werden, wird u. a. hervorgehoben, daß im letzten Jahre eine Aenderung des taftischen Verhaltens der Arbeit- 1 gebet gegenüber den christlichen Gewerkschaften zu konstatieren sei. Man glaube nunmehr an­nehmen zu dürfen, daß bei den christlichen Ge­werkschaftsführern allmählich das Verständnis wachse für die schwierige und teilweise sehr komplizierte Lage der deutschen Industrie. „Zu dieser Auffassung," meint der Berichterstatter, „hätte man schließlich auch schon früher gelangen können. Dadurch, daß die sozial­demokratischen Wirtschafts-Theorien von den christ­lichen Gewerkschaften verworfen und für falsch zehalten werden, ergibt sich von selbst, daß ihre Stellung zum Unternehmertum häufig eine andere sein wird, als die der sozialdemokratischen Ar­beiterbewegung. Auch für die Bedürfnisse und die Lage der Industrie im allgemeinen haben die christlichen Arbeiter volles Verständnis. . An der Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf vem Auslandsmärkte sind auch die Arbeiter aufs höchste interessiert."

Wir glauben, die christlichen Gewerkschaften haben durch die Praxis bewiefen, daß es ihnen ernst ist mit der Rücksichtnahme, wenn sie auch aus begreiflichen Gründen den düsteren Prophe­zeiungen der Unternehmer nach dieser Richtung yin nicht ohne weiteres und unbedingt Glauben I schenken.

Die Bedeutung der christlichen GewerkschaftS- i Bewegung wird nicht zuletzt darin liegen, einer Gesundung der Arbeiterbewegung in Deutsch­land überhaupt die Wege zu ebnen, vorzuarbeiten und regulierend in die wirtschaftlichen Kämpfe

rat, Netffe.

Ausgeschird en sind die bisherigen Abgeord­neten : 1. Abramlki-Oppeln, 2. Bolik-Kosel, 3. Broek- mann-Daun, 4. v. Detten-Olpe, 5. Dr. Fervers, Düssel­dorf, 6. Fuchs-Köln, 7. Galda-Ratibor, 8. Dr. Heveling- Kleve, 9. B Hirschberg-Allenstein. 10. B Hubrich-Neiffe, 11. Jaegen-Wiltlich, 12. Kaute-Hünfeld, 13. B Klose- Kosel, 14. B Marcour-Adenau, 15. Metzner-Franken- stein, 16. Nadbyl-Oppeln, 17. B Opfergeld Geilenkirchen, 18. Pingen-Köln Land, 19. Dr. Rintelen-Aachen, 20. Dr. Rösch-Sigmaringen, 21. B Rügenberg-Kochem, 22. B Sittart-Aachen, 23. R Spahn-Fulda, 24. Graf v. Strachwitz-Frankenstein, 25. R Strzoda-Neustadt, 26. Willebrand-Lüdinghausen, 27. B de Witt-Sieglreis, 28. R Dr. am Zehnhoff-Schleiden.

* Durch die Vergeßlichkeit eines Wahlmaiines ist das Resultat im 12. Berliner Wahlkreis für die Freisinnigen günstig geworden. Bis zwei Minuten vor 7 Uhr standen die Freisinnigen auf 165, die Konservativen auf 164 Stimmen. Die Freisinnigen konnten ihre fehlenden Wahlmän­ner nicht mehr herbeibringen, während es einem Schlepper der Konservativen gelungen war, noch unmittelbar vor Wahlschluß einen Wahlmann seiner Partei zu Hause anzutreffen. In rasen­der Eile wurde derselbe nach dem Wahllokal be­fördert. Als er sich dem Wahlvorstande legitie- mieren sollte, stellte es sich heraus, daß er seine Wahlmannsbestellung zu Hause gelassen hatte.