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StL-nq«tt te der $oä< rtage.viertel' jährlich« verugrprek ohne vringerlohn und VesteLgeldinZuldaso« tolt auswärts 1.50 Ult

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Carl Schütter für die Anzeigen:

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«atation,druckst Verlag der Fuldaer Ab tiendruckeret hl Fuldtl Fernsprech« Ur. 9.

35. Jahrgang.

Fulda, Montag den 15. Jmi 1908.

las englische auswärtige Amt vorige- und diese-

V —

M 136

„Und Sie kennen mich noch nicht ganz!" rref ttldon wild. „Ich habe den freundlichen Dor- mnd gespielt, so lange, bis ich dieses Spiels rüde bin; ich habe Ihnen erlaubt, jenen eng- ischen Blödsinnigen zu besuchen, habe freundlich lft Ihnen gesprochen und habe gelächelt; — und

währenddem entwarf ich meine Pläne und traf meine Arrangements zu einem entscheidenden Schlag. Alles ist nun in Ordnung;, ich will nicht länger warten. Sie find in meinen Händen, meine liebenswürdige Nelly. Es bleibt Ihnen nichts übrig ^rls meine Frau zu werden."

Nelly war wie betäubt über diese Wendung der Dinge. Sie hatte sich in der letzten Zeit so glücklich, so sicher gefühlt. Dieser neue Ausbruch der Leidenschaft Mr. Gildons kam ihr vollständig unerwartet.

„Sie haben meine Antwort, Mr. Gildon," sagte st« mit dumpfer Stimme. „Ich werd« nie­mals Ihre Frau."

„Wir wollen sehen, ob Ihr Eigensinn nicht zu brechen ist. Mit Ihrer Freiheit ist eS zu Ende, bis Sie in di« Heirat willigen. Sie werden eine Gefangene in Ihrem eigenen Zimmer fein. Er­lauben Sie, daß ich Sie in diefelben zurückführe."

Aus Nellys Augen leuchtete der Entschluß, sich zu widersetzen.

Gildon zeigte ruhig nach der Villa. Dort standen MrS. Jebb und ihr Sohn mit betrübten Gesichtern; dort stand aber auch Vitus mit dem großen russischen Hunde, welcher wild nach desien Füßen schnappt«, der Kutscher und die Haus­hälterin.

„Sehen Sie?" sagte Gildon.

Nellys Mut sank, sie fühlte sich schwach und ohnmächtig.

Mr. Gildon erfaßte schweigend ihren Arm und führte sie ins HauS und in ihre Zimmer, wohin Mrs. JÄb folgte.

„Ich verschließ« Ihre Tür," sagte er im Fort- ßehen. „Vitus wird Ihnen Essen bringen. Dor- laufig kann Mrs. Jebb bei Ihnen bleiben. Ich will Ihnen nun zeigen, daß ich meine Entschlüsse auch auszuführen verstehe."

Er verließ rasch baS Zimmer, verschloß die Tur und dre Gefangenen hörten ihn langsam die Treppe hinabgehen.

Mrs. Jebb trat ans Fenster und sah unser

oder in andern halb zivilisierten Ländern um die Frauen wirbt, nämlich mit Gewalt!"

„Zum Unglück für Sie ist der Gebrauch in liefern Lande ein ganz anderer!" sagte Nelly '"q. „Sie hätten mich nach der Tartarei füh- sollen, mein Vormund. Sie scheinen ganz

demselben VituS mit dem großen russischen Hund Wache halten.

„O, Miß Nelly," rief die alle Dienerin er­staunt, „was soll das bedeuten?"

„Es bedeutet, daß der alte Krieg -wischen meinem Vormund und mir wieder ausgebrochen ist," antwortete Nelly, sich in einen Lehnstuhl werfend. «Er will mich zur Heirat zwingen, und wenn ich mich widersetze, wird er mich zu Tode quälen. Der arme Ferdinand Brander wartet nun vergeblich auf mich. Wie wird er sehnsüchtig, ängstlich nach mir ausspähen I Und ich kann nicht zu ihm, ich werde ihn vielleicht nie Wiedersehen, — nur, wenn ich Gildon's Frau werde. O, Mar- got, ich gehe einer entsetzlichen Zeit entgegen!"

xn.

In ihrer eigenen mißlichen Lage war Nellv's erster Gedanke an das Schicksal des armen Guido, den sie unter dem Namen Ferdinand Brander kannte; ihre größte Sorge und ihr größter Kum­mer war, daß sie ihn heute nicht wie immer be­suchen konnte, daß er heute vergebens ihrer harrte. Sie hatte ihn so lieb gewonnen, wie ein edleS Herz einen hülflosen Menschen liebzugewin­nen vermag, sie hing mit voller Seele an ihm. Wußte sie doch, daß sie sein einziger Trost war, daß sie allein die Macht hatte, seine trüben Tage zu erheitern; denn er mied alle Menschen und blieb ernst und gleichgültig bei ihren freundlichen Worten. Nur ihr ging er freundlich entgegen, nur ihren Worten lauschte er mit anscheinender Freude, nur ihr Gesang rührte ihn zu Tränen. Und nun wartete er vergebens auf dem Berge ihres Kommens. Dies fchmerzte sie mehr, als der Verlust ihrer Freiheit, als ihre Gefangenschaft.

„Was wird er denken, wenn ich nicht komine?" rief Nelly ängstlich. „O, Margot, er wird von einer Stunde zur andern warten und ick komme nicht. Wie wird er sich verkästen fühlen!"

MrS. Jebb stand noch am Fenster und sah hin­unter auf die Terraste, wo VituS mit seinem Hund wie ein Wachtposten stand,

Die mazedonische Frage ist nämlich auch der Hebel, mit dem die türkische Herrschaft in Europa völlig aus den Angeln gehoben werden soll. Die kriegsluftige Partei in den höheren russischen Militärkreisen dürstet förmlich danach, die im Kriege gegen Japan erlittenen Scharten wieder auSzuwetzen und hofft mit englischer Unterstützung ihren Wünschen näher zu kommen. DaS englische Reformprogramm, daS die Zirkularnoten des porigen Jahres vorschlugen, ging auch bereits so K gegen die Autorität des Sultans an, daß Bülow Einsprache gegen diese Gefahr für die dort bestehende Ordnung erheben mußte. Kommt der englische Einfluß auf dem Balkan tum Uebergewicht, dann ist eS um die Selbst­herrlichkeit des Sultans in Mazedonien ohnehin vorbei, dann sinkt das einst so mächtige türkische -Reich in Europa vollends in's Nichts zurück.

Die deutschen und österreichischen Staats- Männer werden sorgfältig auspaffen müssen, daß picht die unermüdliche Geschäftigkeit des Königs

„Wir sollten jetzt lieber an uns selbst beniest statt an andere. Miß Nelly," sagte sie bekünv wert, indem sie sich vom Fenster abwandte. Die­ser arme Blödstnige ist sicher genug, too er ist: aber Sie Miß Nelly, Sie, mein gutes Kind —* ।

„Sei nicht besorgt um mich, Margot," unter­brach sie Nelly. „Ich bin noch jung und gesund, werde also meine Gefangenschaft langer aushal­ten, als Mr. Gildon denkt!"

„Die Gefangenschaft ist nicht das Schlimmst«, was wir zu fürchten haben", sagte Mrs. Jebbf „sie wird vielmehr nur der Anfang von Verfol­gungen und Belästigungen sein, wie Sie solch« zu erdulden hatten und nicht aushalten konnten; weshalb Sie sich zur FIuO genötigt sahen. Er wird Sie martern und wie seine Sklavin b«-, handeln.

Nelly schauderte.

„Ich halte ihn fähig dazu," sagte sie leise. 3 „Sie kennen Mr. Gildon noch nicht, wie ich ibn lernte, Miß Nelly," sprach Mrs. Jobb. „Ich bin nur eine Dienerin, eine untergeordnete Per­son, und darum hielt er cS nicht für nötig, vor mir stets seine beste Seite nach außen zu kehren. Ich habe tn ihm nur den feinen Gentleman ge­sehen, wenn er in Ihrer Nähe ist; aber auch herrschsüchtig und rich zeigt er sich gegen seine Un­tergebenen. Ein Mann, welcher tyrannisch gegen die Geringeren ist, die der Zufall oder das Schick­sal unter ihn gestellt hat, ist in meinen Augert fein Gentleman. Ungeachtet seines sanften, lä­chelnden Gesichtes und seines glatten, parfümier« ten Haares ist er ein Elender. Ich glaube, toenrt jemand ihm im Wege steht, selbst wenn er Dort seinem eigenen Blut wäre, könnte er ihn beseiti­gen. Wenn er seinen Kopf auf waS gesetzt haft wird er seinen Willen durchsetzen, gleichviel mit welchen Mitteln. O, Miß Nelly, er ist ein schreck­licher Mensch: Si« toifien noch nicht, was füf einen unbeugsamen Willen, was für einen harten Kopf er haft Mir bangt vor Ihrer Zukunft!"

(Fortsetzung folgt.)

gramm sich an der Lösung der Balkausrage ver» sucht. Jetzt soll Oesterreich ausgeschaltet werden, dafür mengt sich England inS Spiel zum eigenen Md zu Rußlands Vorteil.

In England ist man in den letzten Jahren ju der Ansicht gekommen, daß die mazedonische tzrage geeignet ist, der Förderung der Interessen Englands zu dienen. Es ist erinnerlich, daß

Kur« nicht der alte geblieben. Wie oft ist nicht von einem Zickzackkur- gesprochen worden I Selbst ein freisinnige- Blockblatt, die ,Voff. Zta/, muß gestehen: Wohin man blickt, nichts schien man weniger zu entdecken, al- Stetigkeit, außer in Entwickelung der Armee, der Flotte und der Steuern. Gin abschließende- Urteil jedoch über die unmtttelbare Gegenwart wie über die innere Polittk feit der Thronbesteigung deS heutigen Kaiser- ist umso weniger möglich, je mehr noch alle- im Fluß ist und die weitere Entwickelung sich nicht vorau-fagen läßt.

Wenn die Zustände viel zu wünschen lassen, so wird es gut sein, wenn da- Volk sich erinnert, daß heute nicht mehr die Regierenden allein die Politik machen, sondern vielfach nur gedrängt und getragen werden vom Volke. Auch bei stch selbst muß da- Volk darum die Schuld suchen.

/. Marinereise der Abgeordneten. Die Marine»Informationsreise der Reichstags»Ab­geordneten hat am SamStag begonnen; sie dauert bis 24. Juni. Die Abgeordneten sind auf dem Lloyd-Dampser „Derfflinger" untergebracht; die Reisegesellschaft setzt sich zusammen aus Abgeord- neten, BundeSrats-Bevollmächtigten und Marine- Offizieren. DaS Verzeichnis der Teilnehmer weist folgende Namen aus der ZentrumS-Fraktion auf: Herold, Wellstein, Dr. Zehnter, Schwarz-Lipp- stadt, Häusler, Trimborn, Freiherr v. Thünefeldt, Dr. v. Savigny, Sittard, Nacken, v. Pfetten, Speck, Gerstenberger, Vonderscheer, GrafPraschma und Erzberger. Im ganzen nahmen 67 Abgeord­nete an der Fahrt teil. — Die Mitglieder der Information- - Reise sind am Samstag früh in Danzig eingetroffen, wo sie verschiedene Besich­tigungen vornahmen. Abends erfolgte die Weiterfahrt nach Kiel aus dem Lloyd-Dampser „Derfflinger".

)( Graf Posadowsky Oberpräsident? Der Oberpräsident der Provinz Poseu, v. Waldow, wird demnächst zurücktreten. Es heißt nun, in Regierungskreisen wolle man Posadowsky für die­sen Posten gewinnen. Dieser wurde 1877 Land­rat des Kreises Kröben in der Provinz Posen und von dort wurde er, nachdem er sich längere Zeit schon als Parlamentarier betätigt hatte, zum Landeshauptmann der Provinz Posen und bald darauf zum Staatssekretär im Reichsschatzamt er­nannt, von wo er später in das Reichsamt des Innern aufstieg. Es heißt jedoch, Posadowsky habe feine Lust, diese Stelle anzunehmen, was allerdings sehr wahrscheinlich klingt.

I Aerzte und Krankenkassen. Die ,Voff. Ztg/ teilt mit, daß nach den mehrfach erwähnten Verhandlungen im Reichsamt deS Innern eine Aussicht auf gesetzliche Einführung der freien Aerztewahl in den Krankenkaffen nicht vor­handen ist. Anderseits werde die kommende Gesetzgebung sicherlich daS Vertragsverhältnis zwischen Aerzten und Krankenkaffen zum Nutzen der Aerzte und ohne materielle Schädigung der Krankenkassen sichern durch Einführung obliga­torischer Schiedsgerichte und Einigungskom­missionen.

= Die Welfenfahrt nach England. Ander Welfensahrt zum Grave des Königs Georgs V., des letzten Königs von Hannover, haben sich 250 Welfen beteiligt. Eine deutschfeindliche Maßregel wollen einige überängstliche Leute darin erblicken, daß der Schloßhauptmann von Wind­sor den Delegierten die besondere Erlaubnis er­teilt hatte,das in der Nähe der Albert-Erinnerungs-

Deutscher Reich.

ö 20 Jahre Kaiser.

Zwei Jahrzehnte sind heute verflossen, seit Kaiser Friedrich dahinging und Kaiser Wilhelm die Zügel der Regierung über Deutschland führt. Zwanzig Jahrei Fast alle sind heimgegangen, die damals noch aus der Zeit Kaiser Wilhelms I. dem jungen Herrscher zur Seite standen. Moltke ist nicht mehr, Fürst Bismarck ist gestorben mit- samt seinen Söhnen; die Kaiserin Friedrich deckt längst da- kühle Grab; von den deutschen Fürsten, die dem Kaiserhof in den kritischen Tagen nahegestanden, ist einer nach dem andern verblichen. Weit, west zurück liegen die Ereig­nisse die nach dem Regierungsantritte des neuen Kaiser- so lebhaft da- ganze Volk bewegten, als der alte Kur- einem neuen lebhafteren wich und des ersten Kaisers Ratgeber sich grollend in den Sachsenwald zurückzog. Woran damals die Mtwelt leidenschaftlich teilgenommen, worin sie heftig Partei genommen hat, eS ist soweit neuen Ereignissen und Bedürfnissen gewichen, daß eS schon Gegenstand der kühlen und nüchteren Forschung der Historiker geworden ist und heute mit einiger Unbefangenheit die Entwickelung der Dinge feit dem Regierungsantrit Wilhelms H geprüft werden kann. Zunächst auf dem Gebiet der auswärtigen Politik. Vom ersten Kaiser und seinem Kanzler erwartete niemand eine andere als feste, aber friedliche Haltung. Prinz Wil­helm dagegen galt als ehrgeizig, als kriegslüstern, Mochte auch der junge Kaiser versichern, daß er nach dem Lorbeer des siegreichen Feldherrn nicht begehre, man glaubte ihm nicht. Er erregte bald hier, bald dort durch impulsive Kundgebungen Besorgnis; er schien heute nach der einen, morgen nach der anderen Seite zu schwanken. Wer wollte leugnen, daß eS an Unklarheiten und Ver- stimmungen nicht gefehlt hat, daß zeitweilig dunfte Punkte am Horizont erschienen und stch zu verderbenschwangeren Wetterwolken auszu- wachsen drohten! Manche Entfremdung, mancher Zwischenfall mancher Wandel hat zuweilen Un­sicherheit erzeugt. Aber nimmt man alles in allem, fo kommt man billig zu dem Ergebnis, daß ein Unterschied gegen früher vielleicht in den Formen, in der Behandlung dieses oder jenes Problems, nicht aber in der Grundrichtung der Politik vorhanden ist. Und darüber herrscht heute wohl allenthalben Uebereinstimmung, daß Wilhelm II. ebenso friedliebend ist, wie stch Wilhelm I. seit Errichtung des Deutschen Reiches erwiesen hatte. In der inneren Politik ist der

Eduard jetzt auf dem Balkan ein ähnliche- Feuerchen anleat, wie vor vier Jahren durch da­englisch-französische Abkommen in Marokko. Er­freulich ist, daß neuerdings bet italienische Minister des Auswärttgen sich für die Aufrecht- erhaftung der Autorität deS Sultan- und für den Anschluß an die österreichisch-deutsche Orient- polittk erklärt hat, wie auch jetzt die italienische Presse sich im allgemeinen dreibundtreu und sried- liebend auSspricht.

Die Geschäftigkeit deS König» Eduard hat noch keinen Ktteg herbeigeführt, aber all' die Ententen, Vereinbarungen, Bündnisse usw., die angeblich dem Frieden dienen, verschärfen die Spannung und die Unruhe. Der Erfolg ist: vermehrte Rüstungen.

Kapelle gelegene Grabgewölbe zu betreten; eüty solche Erlaubnis wird sonst nur selten und meistens nur Mitgliedern der königlichen Familie* gewährt.

(•) AuS dem Sündenregister des liberale« „Deutschen Lehrervereins", auf dessen Pfingstver« sammlung in Dortmund Prof. N a t o r p-Mar» bürg bekanntlich die deutschen Katholiken auf- forberfe, das römische Joch abzuwerfech bringt die „Germ." folgendes in Erinnerung:

I» den Zeiten des Kulturkampfes finden wir den deutschen Lehrerverein tn der ersten Reihe der R ort* stürme» und Kulru rk ämp f er, für die „Doktor Falk der edle Ritter" war, der von .„zween Magisttt deutscher Zungen" wegen feiner Maigesetze besungen wurde und zum Danke dafür als Mitkämpfer im „Kampf gegen Rom" begrüßt wurde, während bal Organ des deutschen LehrerverrtnS, di« .Pädagogische Zeilunaft später die katholischen Lehrer als politische und geistige Heloten beschimpfte. Di« Rede, dir einst Dittes auS Men auf einem „Lehrer­tage" deS deutschen L«hrervereinS gegen die Katholiken und gegen di« chrsstlich« Religion überhaupt aehalteU haft ist noch lange nicht vergessen. Auf der Münchenetz Tagung des deutschen Lehrerverems im Jahre 1906 wurde von den bremischen Delegierten sogar die rem weltliche Schule unter AusschlubdrsReltaion» Unterrichts verlangt, also nicht nur die konfesstonS« lose, sondern die religionslose Schule. Der An­trag wurde fteilich abgelehnftdafür aber die SiMul­tans ch ule umso schärfer als eine Forderung bei liberalen Lshrervereins in den Vordergrund gestellt. Wie jedoch die Simultanschule» gedacht waren, hat die librrale deutsche Lrhrerzertung schon im Jahr« 1876 in (Nr. 50) mit dem Satze verraten: „Die Simultan- schulen sind die Vorstufen, die Pioniere für die eigent­lichen konfessionslosen Schulen." Von deq konfesstonSlosen Schulen aber zu den religionslosen Schulen wäre nur ein Schritt, wenn dann überhaupt ein solcher noch nötig wäre, da beide im Wesentlichen identisch sein würden. „Erziehung mit Ausschluß jed«, religiösen Grundlage" war ja auch eine Parole d«S Herrn Dittes. Und Herr Dr. Penzig, den der Char­lottenburger Magistrat gern zum Schulrat gemacht hätte, meinte in einem Vortrage: „Mr müssen dahA streben, daß ein allgemein christlicher Unterricht für Juden, Heiden, Moslemin erteilt wird, in welchen «I nicht darauf ankommft daß man an Gott glaubt ob« an Christus." Der deutsche Lehrertaa in Königsberg, der Pfingsten 1904 abgehalten wurdft beschloß in demselben Sinne, daß „in allen Schulest unter Befreiung von jeglicher kirchlicher Beaufsichtigung von den Lehrern ein Unterricht erteilt werde, der stch aus das allen Konfessionen gemeinsam« sittliche Erbgut beschränkt." DaS würde auf die be­kannte Art von „Moralunterrtcht" hinauslaufen, rot« er tn den öffentlichen Schulen Frankreichs erteilt wird

Natorp hat in Dortmund begeisterte Zustim­mung gefunden. Niemand aus der großen Ver­sammlung fand «in Wort des Widerspruchs. Da- gibt umsomehr zu denken, wenn man in Rücksicht zieht, daß dem Deutschen Lehrerverein und ver­schiedenen Landesgruppen immer noch katholische Lehrer angehören. Stimmen sie dem Natorpschest Satze zu, daß die Katholiken das römische Joch abwerfen und protestantisch werden mußten? Die Rede Prof. Natorps gehört zu den ernstesten Zei- chen der Zeit. Mit ihrer Aufforderung an bte deutschen Katholiken, „das römische Joch abzuwer­fen", wiederholt sie das Programm des altert Kulturkampfes und zeigt, daß die kultur- kämpferischen Gedanken noch lange nicht erloschen sind, und daß sie bei der liberalen Sebrer- schäft sogar auf begeisterte Zustimmung rechnen können. Sie zeigt aber auch, daß die Katholiken immerfort auf der Wacht stehen müssen, da si« fortwährend von einem neuen Kultur­kämpfe bedroht werden. In dem Kampf um die Schuk ist ein gutes Stück dieses neuen Kul­turkampfes entfalten . In dieser Beziehung hat die liberale Lehrerversammlung in Dortmund aufklärend gewirkt. Schade, daß diese Aufklärung nicht schon vor den Landtagswahlen stattgefun­den hat.

Mazedonien.

Die deutschen Offiziösen haben gute Miene Kirn Revaler Spiel gemacht. Da- hindert nicht, daß diese Monarchenbegegnung inDeutschland einige Beunruhigung hinterlassen hat.

ES ist versichert worden, daß in Reval eine Verständigung über die mazedonische Re­form herbeigeführt oder doch die Verständigung üngebahnt worden fei. DaS würde allerdings .Hine Spitze gegen Deutschland haben.

„WaS geht unS Mazedonien an, war geht in- überhaupt der ganze Balkan an?* wird nancher fragen. Politische Interessen haben wir n dieser von der ehemals mohamedanischen Herr- chaft in Europa noch verbliebenen türkischen Provinz allerdings nicht, wohl aber unser Bundes- jenoffe Oesterreich; unsere eigenen Interessen be« chränken sich auf wirtschaftliche Fragen. Diese msere wirtschaftlichen Interessen und die politi» chen Interessen Oesterreich- würden nun schwer jeschädigt, wenn England die mazedonische Frage etzt allein mft Rußland lösen wollte. Bisher »atteu Rußland und Oesterreich al- die am meisten Interessierten Länder gemäß dem Mürzsteger Pro»

en -......—- ----------- -- ■ -

ür die bart herrschenden Zustände geschaffen zu ein. Bis zu diesem Augenblick, ba Sie Ihre Kaske abwarfen, wußte ich nicht, daß Sie einer olchen elenden Tat fähig feien!" .

Der falsche (Erbt.

Roman von Ed. Wagner.

$9] (Nachdruck verboten).

„Ich bin müde, ferner von Liebe zu Ihnen *u sprechen und Sie mit Güte zu gewinnen zu suchen!" rief er mit zischender Stimme. , «Ich habe Ihnen Geschenke, den Hof gemacht wie ein Romeo, aber vergebens. Meine Liebe ist keine borübergebenbe Schwäche, Nelly, oder ein leiser Hauch, der bald verweht; sie gleicht vielmehr tzinem Sturm, einem mächtigen Orkan. Ich siebe Sie, Nelly, und habe geschworen. Sie zu besitzen!"

Des Mädchens Augen blickten geistvoll und entschlossen, ihre Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Lächeln, als sie sagte:

„Sie sind ein glühender Freier! Bin ich eS oder ist es mein Vermögen, nach dem Sie so be­gierig trachten?"

„Beides!" rief Gildon offen. „Ich bin freund- pch und zärtlich gegen Sie gewesen; aber auf liefe Weise ist bei Ihnen nichts zu erreichen! Um feie muß man werben, wie man in der Tartarei

)ahr mit einer Beharrlichkeit, die durch die Tat» achen keineswegs gerechtfertigt ist, Zirkularnoten m die Mächte schickte, in denen dringend neue Interventionen gesordert wurden. Diese Vorschläge wurden jedoch von den Regierungen, »esonders von Deutschland, höflich aber be- timmt abgelehnt. ES scheint, daß daS eng- ische auswärtige Amt entschlossen ist, wieder mit liefet Forderung an die Mächte heranzutreten. Daraus kann sich nur zu leicht ein Konflikt grischen England und Deutschland entwickeln.

ie deutsche Regierung hat in ihrer Antwort auf die letzte Note keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie sich an dieser Intrige gegen den Sultan nicht beteiligt, und es wurde in­zwischen nicht bekannt, daß sie diesen Stand» punkt ausgegeben habe.