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35. Jahrgang.

Fulda, Donnerstag den 11. Juni 1908.

JW 133

Vie Landtagrwahlen.

*

5

stellung:

Preußen.

Versammlungen nutet freiem Himmel find ver»

Heimatlandes mit der Bitt« um Unterstützung zu men» T)'a9 „einheitliche" Reichsvereinsgesetz wird prachtvoll illustriert durch folgende Gegenüber-

kehrte er wieder zurück, beladen mit den alten Büchern, welche er für Sir Harry gekauft hatte.

„Du siehst, mein lieber Vater," sagte er, als er die Bücher auf den Tisch ausbreitete, „daß ich Deine Liebhaberei nicht vergessen habe. .Hier ind einige alte und seltene Bücher, welche ich in Paris am Quai de Voltaire kaufte. Dieses selt- am gebundene Buch mit dem Kreuz auf dem Einbanddeckel behandelt die Mysterien der Rosen- kreuzer. Dieser alte Band ist eine Geschichte des Kaisers Nero. Hier ist eine Geographie aus der Zeit deS Christoph Kolumbus, und hier ist eine Beschreibung der märchenhaften Schatzinseln nebst Karte usw. Ich hoffe, daß. die kleine Sammlung Deinen Beifall finden wird."

Des Barons zufriedenes Lächeln zeigte, daß er sowohl überrascht als erfreut war darüber, daß sein Sohn an seine Liebhaberei gedacht hatte. Er betrachtete die Einbände und blätterte in den Büchern.

Brander ging jetzt zu Ella, rückte seinen Stuhl dicht an ihre Seite und ließ sich darauf nieder. Er beugte sich über die Seitenlehne zu ihr mtd sah sie mit so zärtlichen, liebevollen Augen an, datz das Mädchen errötete.

„Ich habe Sie nicht vergessen, Ella," sagte er mit tiefer Stimme. „Ich sehe, datz Sre die Kette tragen, die ich Ihnen schickte, also werden Sie auch dieses kleine Geschenk nicht zurückweisen."

Er zog ein kleines Etui auS der Tasche, öff­nete es und nahm das Halsband heraus, von dessen Perlen sowie von den Diamanten des Schlosse» bi< Glut de» FeucrS wiederstrahlte.

„Erlauben Sie, daß ich eS selbst um Ihren Hals lege," sagte er.

Ella neigte ihren Kopf und Brander befestigte daSBand um ihren Hals, wobei seine Hand leise ihren Nacken berührte. Dem jungen Mädchen er­schienen diese Berührungen wie Liebkosungen, und als sie den Kopf wieder erhob, waren ihre Wan­gen von einer glühenden Röte bedeckt.

„Da» ist ein prachtvolle» Geschenk!" flüsterte Pli ««9 ist ebenso wertvoll wie schön!"

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Brander öffnete abermals ein kleines rundes Schächtelchen und nahm einen kostbaren Diamant, ring heraus. Diesen Ring hatte Guido in Kon- tantinopel, als er die Perlenschnur kaufte, mit- aekauft, und Brander hatte ihn mit den anderen Sachen ihm nach dem Schiffbruch abgenommen.

„Es ist sonderbar, daß Sie diesen Ring bei Ihrem Schiffbruch retteten," sagte Ella, indem sie den Ring, welchen Brander ihr ebenfalls schenkte, an ihrem Finger betrachtete. ,

„Das ist nicht sonderbar, da ich ihn bei mir trug," entgegnete Brander. „Ich verlor na­türlich meine Kleidung und sonstiges Gepäck, aber meine größten Schätze behielt ich; denn ich trug sie an meinem Körper. Nur von diesen Briefen kann ich das nicht sagen," dabei zog er ein kleines Paketchen aus der Tasche, streifte das blaue Bändchen davon ab und entfaltete eine Anzahl Briefe so, datz Ella sofort die von ihr geschrre- benen in die Augen fallen mußten. „Sie find mH Seewasser getränkt."

Ella erkannte ihre Briese sogleich und stieß einen Ausruf der Ueberraschung und Verwunde­rung hervor.

„Sie sehen, wie ich fie geborgen habe!" fuhr Brander lächelnd fort. „Meines, Vaters Briefen ist es nicht besser ergangen. Einige find fast un­leserlich geworden."

„Onkel, lieber Onkel!" rief Ella, indem fie auf Sir Harry zueilte, „sieh, diesen Ring hat nur Guido mitgebracht. Er hat eine seltsame Ge­schichte; Guido kaufte ihn vor dem,Schiffbruch."

Der Baronet betrachtete den Ring, während Ella die Geschichte wiederholte; dann, mit bler- chem, ernsten Geficht, steckte er den Ring wieder an ihren Finger.

„Onkel," begann da» Mädchen dann wieder, „Guido hat noch all unsere Briefe. Er hat fie wie Heiligtümer bewahrt. Eie find ganz von Seewasfer durchzogen."

Brander titelt e» für angemessen, die Briete nochmal» hervorzuholen, um Ella'» Worte zu be- stättgen. Er benutzte diese Schriften $4» Legtti-

gebracht werden sollen, weshalb da» -Deutsch« Volksblattt erklärt: „Nach der deutlichen «ufc prache de» Ulmer Katholikentage», nach dnH loten Verlangen der von V1000 katholische» Familienvätern unterschriebenen Petttlon, nach dem Eintreten von 105000 katholischen Männer» anläßlich der letzten Landtagswahlen für da» Schulprogramm de» Zentrum», welches dte Auf­rechterhaltung der geistlichen Schulaufsicht fordert, steht fest, daß sich da» kathollsche Vot? mit aller Entschiedenheit gegen dies« Schul­novelle wenden wird." ,

• München, 10. Juni 1908. Gegen M SchweineauSfuhr au» Norddeutsch­land nach Bayern wurde am Mittwoch in be« bayerischen Abgeordnetenkammer weg« des dadurch verursachten Ausbruches der SKaiu*' und Klauenseuche an den Schlachthöfen in Mün­chen und Nürnberg scharf Front gemacht. IN der Begründung etner Interpellation verlangt« der Abg. Meilnboeck für Schwetne auS Nord» deutschland die gleichen Maßnahmen, tote fie füt österreichisches Vieh bestehen. Minister v. Brett- reick erklärte, es sei gesetzlich unmöglich, dte norö-' deutschen Säßveine denselben Bestimmungen tote österreichisches Vieh zu unterwerfen. Man werd« dafür sorgen, datz die norddeutschen Schwetne t» g--sonderten Stallungen untergebracht werden. _

Süddeutschland.

Versammlungen unter freiem Himmel find er­laubt.

Fremdsprachige Ver­sammlungen find in der Re-el gestattet.

Da» Recht der Jugend­lichen, an rein gewerkichaft- ltchen Beremrn und Ver­sammlungen teilzunehmen, ist gesichert.

mation und zur Beseitigung jedes etwaige» Zweifels, datz er der wirkliche Erbe von Harrrng» ton Hall sei; für Sir Harry und Ella aber wäre» ie ein Beweis seines kindlichen Gemüts.

„Wie freute sich der alte Kemp, als ich wah­rend des Frühstücks mit ihm sprach," warf Bran­der sorglos hin, während er die Briefe entfaltete, „Er ist doch ein alter treuer Diener!" Er kannte mich sogleich: aber ich hätte ihn bald nicht wie­der erkannt. Jener Stotz am Kopf hat mein Ge­dächtnis doch mehr angegriffen, als ich anfang» dachte. — Als ich dem alten Kemp aber so recht in das gutmütige Gesicht sah, da erkannte ich ihn sofort, und alle seine drolligen Geschichtchen fielen mit wieder ein. Ich fühlte mich wieder ganz ei» Knabe." , ...

„Du bist noch so enthusiastisch tote frühe», Guido," bemerkte der Baronet. ,

„Ja, ich fürchte, ich werde meinen kindische» Enthusiasmus nie verlieren," sagte Brander la­chend. „Als ich die alte, mütterliche Mrs. Goß an der Spitze der Frauen sah, mutzte ich unwill­kürlich an ihr Konfett denken, welches sie immer für mich bereit hielt und mit welchem sie wich m meiner Kindheit an ihr Zimmer zu fesseln sucht^ Ich muß dieselbe gelegentlich einmal besuchen.

„Erinnern Sie sich der kleinen Cressy, welch« Mrs. Goß aus dem Waisenhause nahm?" fragt« Ella. „Cressy ist nun mein Stubenmädchen; fist erinnert sich Ihrer sehr gut, weil Sie immer s« freundlich gegen fie waren."

„Im Hauspersonal sind nur wenige Verände­rungen ein getreten, Guido", bemerkte Sir Harrrn „und im Hanfe selbst noch weniger. Sobald da» Wetter eS erlaubt, mutzt Du mit Ella einen Aus­flug durch die Umgegend machen. Ich habe jut Dich ein hübsche» Reitpferd gekauft; auch linst Jagdpferde und Hunde vorhanden, welche D» nach Belieben benutzen kannst. Ich denke, daß Du Dir Vergnügen genug machen wirst; nur mußt Du Dich erst triebet an unser stilles, englische» Landleben gewöhnen, und ich bezweifle nicht, datz Dir bi« Heimgi nach dem ungemein aufregenbe»

- Mühlheim-Ruhrort, 10. Juni 1908 Df, Stichwahlen hatten folgendes Ergebnis: 498 mfr tionalliberale Wahlmänner, 455 Zentrum, 4H Sozialdemokraten, 2 unbekannt. Das Endetgest- nis ist noch ungewiß. , ,. _

* Bochum, 10. Juni 1908. Bei den heutige» Stichwahlen für die zweite Wählerklasse entfiel« in Bochum auf die Zentrumspartei 18, auf bt» Nationalliberalen 16 und auf die Sozialdemokra­ten 2 Wahlmänner. In dem Stadtbezirk Hern« wählten heute die fämtlichen drei Wahlerklassen. 28 Zentrum, 13 Liberale und 3 Sozialbemokr« ten wurden gewählt. Das Gefamtresultat ist jetzt folgendes: 452 Wahlmänner der Nationallibera- len, 423 Zentrum und 117 Sozialdemokrate», Das Resultat stellt sich bei dem auf verschiedene» Werken und Zechen ausgeübten W a h l t e rro» rismus für das Zentrum al» äußerst glanzen»

X Die Aussichten der preußischen Wahlrechtsreform

find jetzt nach den Wahlmännerwahlen ganz un­leugbar noch schlechter als Borbem.,

Diejenigen Elemente be» Freisinns, bte nut D»r grundsatzlosen Dienstbarkeit im Block wcht mehr zufrieden waren und das Heil des entfdjte- denen Liberalismus in der Rückkehr zur Oppo- fition und der Anlehnung an bw Sozlaldemokra- tie erblickten, hatten sich bekanntlich vor der Wahl a!» „sozialliberale Partei aufgetan. Im Wahlkampfe betonten sie vor allem die Not- Wendigkeit der Einführung des Reichstagswaht- rechts. Und der Erfolg? Sie haben nichts erreicht, nicht einmal eine Stichwahlstellung tn irgend einem Wahlkreise. In Teltow-Breskow- Wilmersdorf, wo sie ihre Hauptansttengung mach­ten, kamen sie auf ein paar Dutzend Wahlman- ner unter 1000. Der Blockfreisinn jubelt über diese» Fiasko der „Renegaten". Für den unbe­fangenen Zuschauer ergibt sich aber bte Lehre, daß bie Parole ber Uebertragung beS Reichs- tagswahlrechts unter ben linksliberalen Wählern keine Zugkraft mehr hat.

Es ist ferner zu beachten, daß bie Konser- bativen sich in ihrem Wahlaufruf und in fast all ihren Wahlreden als entfchiedene Gegner der Wahlreform bekundet haben, ohne daß ihnen da» geschadet hat. Nicht einmal bei ihren Nah- lern ber dritten Abteilung ist ein Verlangen nach «iner gründlichen Wahlreform zum Durchbruch gekommen; geschweige denn ein Verlangen nach dem vollen Reichstagswahlrecht.

Drittens ist zu beadjten, daß ber Einzug von .einem halben Dutzend Sozialdemokraten '«I» Beweis für die Erträglichkeit des bestehenden Wahlrechts ansgenutzt wird. In zahlreichen Slot­tern lieft man bereits: „Wenn die Soztaldemo- traten schon in ber zweiten und sogar in ber ersten Wählerklasie Erfolge erringen können, so ist ja das Wahlrecht gar nicht so schlimm; laßt e8 ruytg bestehen, damit wir nicht noch Dutzende von So- liclbetr.oErateit in bas Haus bekommen."

Unter diesen Umständen klingt es etwas ko­misch, wenn daS „Berliner Tagebl." gerade jetzt die Freisinnigen aufforbert, das geheime und gleiche Wahlrecht in Preußen zu erzwingen durch die Drohung, sonst im Reichstag die neuen Sten- ern scheitern zu lassen. Wahlreform und Finanz- reform müßten von einander abhängig gemacht werden! Ein famoses Rezept des Kuhhandels; aber Fürst Bülow wird sich auf ein solches „Ge­schäft" nicht einlasien, weil er es gar nicht nötig hat. Wenn die Freisinnigen die Ueber- tragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen hätten erzwingen wollen, so wäre im vorigen Sommer die schönste Gelegenheit zu einem solchen glorreichen Unternehmen gewesen, als ihr wort­gewandter Parteigenosse Naumann die Parole prägte: Alles oder nichts! Naumann wnrde so gründlich zurecktgewiesen, daß er seine unvorsich­tige Parole selbst verleugnete. Dann kam tm Frühjahr bte brüske Absage des Fürsten Bülow an jede gründliche Wahlreform. Das war der letzte Augenblick, in dem ein Zwangsverfahren von linksliberaler Seite hätte einsetzen können. Aber die Freisinnigen biteben kühl bis ans Herz hinan rind gaben sogar die Versicherung unbe­dingter Blocktreue öffentlich ab. Seitdem ist Fürst Bülow aller Sorge enthoben.

Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, daß eS den Freisinnigen überhaupt nicht e r n st fei mit der Forderung des Reichstagswahlrechts für Preußen. Der Verlauf der Wahlbewegung hat das bestätigt. Die 30 Freisinnigen, bte etwa tn das preußische Abgeordnetenhaus zurückkehren, werden „schandenhalber" schöne Worte über das „Volksrecht" machen, aber sie werden herzlich froh

bör* Aus dem Wahlkreise Tecklenburg, 9. Juni 1908, wird bet „Germania" geschrieben: In un­serem Wahlkreise verzichtetdas Zentrum auf bte Ausstellung eines eigenen Kandidaten und tritt für die Kandidatur des RegierungsprS- fibenten von Gefcher (kons.) ein. Für de« Fernstehenden mag dieser Beschluß eine lieber* raschung fein, für Kenner ber Verhältmsse ab« nicht, beim das Zentrum gibt nur eine arisch e i­nend günstige Stellung auf. Bei dem in unse­rem Kreise nicht geringen Zentrumshaß der Geg­ner ist es ausgeschlossen, daß bei der Abgeoro» nctenwahl die zur Mehrheitsbildung noch erfor­derlichen 4 Wahlmänner aus ber Reihe ber ^eg« ner zum Zentrum übergehen. Bei dieser Sach­lage nahm daher das Zentrum, wenn auch mit schwerem Herzen, von der Aufstellung eines eige­nen Kandidaten, ber sicher durchfallen würde, Ab­stand; und zwar um schlimmeres zu vermeiden, nm zu verbinde ru, daß ber Kulturland pfer siegt; denn beharrlich erhält sich hier ba» Gerücht, daß der bis jetzt genannte Kandidat, Unternehmer Echterhoff, im letzten Augenblick zurücktritt und dem bekannten Empfänger be» Silvesterbriefes, dem Vorsitzenden des Reichsver« bandes zur Bekämpfung bet Sozialdemokrat« Generalmajor z. D. v. Siebert Platz macht» Da erscheint für die Zentrumswähler Herr vo» Gescher jedenfalls als das kleinere UebeL

sein, wenn Fürst Bülow diese Reform auf bie chliche lange Bank schiebt.

Bei dieser Sage der-Dinge ist eine Uebertra- gung be» Reichstagswahlrechts nicht xu erwarten und e» ist sogar eine gründliche Reform noch unwahrscheinlicher geworden, als sie bis­her war. Damit muß man wohl ober übel rech­nen. DaS einzig Tröstliche babei ist, daß es auch den Nationalliberalen schwerlich gelingen wird, bie Scheinreform, bie fie zum Vor­teil ihrer eigenen Partei in ber Schublade hatten, an den Mann zu bringen. Immerhin ist eine Verschiebung noch da» kleinere Uebel im Ver- «mit einer schlechten „Reform", die uns e Tyrannei des Kulturblock» hätte bringen können.

Deutscher Reich,

* Dr. v. Nieberding bleibt. Die,Köln. Ztg.' feilt mit, daß an maßgebender Stelle entgegen ander» laufenden Blättermeldungen nichts darüber bekannt fei, daß der Staatssekretär des Reichs- Justizamtes, v. Nieberding, sich mit RücktrrltS- Gedanken frage.

* $ Keine neuen Telegraphenbataillone. Von offiziöser Seife wird die Richtigkeit der Meldung, daß die Militärverwaltung demnächst die Mltle! für die Errichtung von drei neuen Telegraphen­bataillonen fordern werde, bestritten. Die vor- handenen drei Telegraphenbataillone seien vor- läufig au»reichend; eine Vermehrung vor Ablauf de» bestehenden Quinquennats werde nicht beab­sichtigt.

* Der Ausnützung der natürlichen Wasser­kräfte sür öffentliche und gemeinnützige Zwecke hat — nach dem Vorbilde der süddeutschen Staaten — auch der preußische Arbeitsminister sein Augenmerk zugewandt. Wie die ,Verkehrs- technische Woche' mitteilt, hat Minister Brciten- bach Ermittelungen darüber in die Wege geleitet, welche Wasserkräfte in dem Berg- uud Hügellande versügbar sind, welche Kräfte für das öffentliche Interesse vorbehallen und welche an Private abgegeben irerben sollen. Für die Ausführung diefer Borarbetten bat der Minister bereit» einen Betrag von 50000 Mark vom Finanzminister beansprucht, der voraussichtlich auch bewilligt werden wird. Mit den Vorarbeiten soll die Landesanstalt für Gewässerkunde betraut werden. .

(*) Der Kontraktbruch der landwirtschaftlichen Arbeiter hat trotz aller gesetzlichen Maßnahmen auch im letzten Jahre wieder erheblich an Unfug gewonnen. Das Landesökonomietollegium will nunmehr versuchen, die auf diesem Gebiete vor­handenen Aebelstande zahlenmäßig zur Darstellung zu bringen, um auf Grund des Materials weitere Maßnahmen emfehlen zu können. Es sind auch schon die preußischen Landwirtschastskammern zur Beschaffung des einschlägigen Materials an­gegangen worden.

□ Auf Unterstützung aus öffentlidjcn Mitteln ihres Heimatlandes haben nach einer soeben ergangenen Verfügung des Ministers Reichsangehörige die im A us l and e hilfsbedürftig werden, keinen Anspruch. — Nicht selten kommt e» vor, daß Stellenoermittler, die sich mit der Vermittelung von Stellen im Auslande be­schäftigen, falsche Informationen an stellun'.- suchende Arbeiter erteilen, die dann im Auslande in große 9!ot geraten, sodaß sie keinen anderen Ausweg wissen, als sich an die Regierung ihres

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

Klls (Nachdruck verbeten).

Brander aber kümmerte sich nicht um ihn.

Kemp wagte nicht, den einstigen Herrn des Hauses jetzt anzureden, sondern wartete geduldig, fuhr aber fort, sich vorzugsweise bei diesem zu beschäftigen. Seine fragenden Blicke und seine besondere Dienstfertigkeit gegen ihn erregten end- lich Branders Aufmerkfamkeit und er fühlte sich etwa» unbehaglich.

Plötzlich fiel es ihm ein, daß Guido so oft von „dem alten Kemp" gesprochen und so große An­hänglichkeit an diesen gezeigt hatte. Dies mutz er fein. Er bemerkte gleichzeitig, daß Sir Harry und Ella ebenfalls verwundert waren, datz er dem alten, beliebten Diener noch kein Zeichen des Wie­dererkennens gegeben hatte und ärgerte sich über den begangenen Fehler, den er nun dadurch gut zu machen suchte, datz er plötzlich ausrief:

„Kemp, mein alter, lieber Freund, haben Sie denn kein Wort für mich, der sonst Ihr Stolz, aber auch Ihre Qual war? Sie haben sich nicht im Geringsten verändert seit jenen schönen Ta­gen. Geben Sie mir bie Hand, mein alter Kemp!"

®t streckte bie Hanb aus unb Ella lächelte; «rander aber gratulierte sich zu bieser rechtzeiti- «en Vorbeugung eines sehr großen Fehlers.

Ah Mr Guido," rief Kemp, »Sie haben dasselbe gute Herz zurückgebracht! Willkommen in der Heimat! ES ist ein Tag des GluckeS, der Sie zurückgoführt hat!"

Nach dem Essen begab sich die kleine Gesell- schäft wieder in das Gesellschaftszimmer, Ella an Branders Arm; dieser nötigte, daselbst angekom- ,men, das Mädchen, auf einem Stuhl am Karnin Watz zu nehmen, entschuldigte sich für einige Mi- Mten und eilte in sein Zimmer. Bald aber

mittleren und hauptsächlich kleineren Beamten um 15—25% auf.

* Heidelberg, 10. Juni 1908. Morgen be­ginnt hier die sog. europäische Fahrplan- tonserenz, die von Vertretern sämtlicher euro- päsichen Esienbahnverwattungen beschickt ist.

* Stuttgart, 10. Juni 1908. lieber die neue rvürltembcrgische Volksschulnovelle sagt das Deutsche Volksblatt', das Stuttgarter Zentrumsorgan, der Entwurf bringe, abgesehen von der Befestigung der geistlichen Schulaufsicht, zum Teil recht begrüßenswerte Fortschritte. Der Kernpunkt der Novelle liegt im übrigen sür das Zentrum in den Aenderungen, die auf bem Ge­riete der Schulausficht durch die Novelle

boten.

Fremdsprachig« Ber- scnnmtungsreden find tn der Regel verboten.

DaS Recht der Jugend- licht«, cm rein gewerkichaft- ltchen Vereinen und Ver­sammlungen teilzunehmen, ist bestritten.

Wie sagten doch die linf»liberalen Blockritter im Reichstage? „Dieses Gesetz muß geschluckt werden, denn e» schafft ein einheitliches Recht und benimmt Preußen bte Möglichkeit, eine reaktionäre Vereins- und Beriammlungs- Polizei zu betreiben." — Daß Gott erbarm !

B. Düsseldorf, 10. Juni 1908. Das Lokal- konnte- der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands steht mit großer Zuversicht einem glänzenden Verlaus des Katho­likentages entgegen. Diese Hoffnung wird aber nur dann in Erfüllung gehen, wenn nicht bloß die Katholiken der Rheinprovinz, sondern von ganz Deurschland, ja in der ganzen Welt durch ihr Erscheinen ober wenigstens finanziell unb moralisch ba« Lokalkomitee unterstützen. Wer nicht persönlich erscheinen kann, ber lasse sich wenigstens in die Liste der ständigen Mit­glieder ausnehmen. Durch die Beiträge der ständigen Teilnehmer wird ein fester Garantiefonds geschaffen, der dem Lokalkomitee, speziell der Finanzkommission ein leichtes und zuverlässiges Arbeiten ermöglicht. Die ständigen Mitglieder erhalten jedes Jahr von dem Lokalkomiiee ihre Mitgliedskarte gegen Nachnahme von 7,50 Mk. zugestellt unb haben alle Rechte der Teilnehmer. Um die durch die Einrichtung der ständigen Mtt- cckiedschaft erstrebten Ziele zu erreichen, ist es notwendig, daß immer weitere Kreise sich an dieser Einrichtung beteiligen.

* Halle, 10. Juni 1908. Der Kongreß der 100 000 Mitglieder zählenden evangelischen Arbeitervereine ist heute im Beisein des Oberpräsidenten Hegel eröffnet worden. Graf Posadowsky wurde, als Förderer der sozia­len Gesetzgebung, zum Ehrenmitglied ernannt.

(*) Schwerin, 10. Juni 1908. In der Beamtenbesoldungsfrage hat sogar daS als reaktionär so verschriene Mecklenburg einen bedeutenden Schritt vorwärts getan. Es bessert am 1. Juli mit einem jährlichen Mehraufwand von ca. 400000 Mark die Gehälter sämtlicher